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Inhaltsverzeichnis:
1 Thematische Einführung 2
2 Hauptrolle: Alte(r) Die Darstellung des Alters im fiktionalen Film 4
2.1 Forschungsmethodik und Analysematerial 4
2.1.1 Die interdisziplinäre Kontexterschließung 5
2.1.2 Filmauswahl zum Thema Alter. 12
2.2 Filmische Inszenierungen des Alter(n)s. 20
2.2.1 Erzählerfiguren, Erinnerungen und Erfahrungen: life review 22
2.2.2 Inszenierung des Sterbensbewusstseins 28
2.2.3 Alte Menschen als Sex(anti)symbole. 35
2.2.4 Konfliktbeziehungen und -situationen. 43
2.2.5 Rebellion gegen Homogenität und Stereotypisierung. 53
3 Ausgangsbasis Alte(r) und Film: Interdisziplinäre Ageing Studies. 65
Literaturverzeichnis. 68
Filmographie. 72
Anhang 79
Im Zuge der progressiven Alterung unserer Gesellschaft 1 rücken Themen, die das Alter(n) betreffen, in der letzten Zeit stärker in den Vordergrund des öffentlichen Interesses. Die Politik nimmt sich immer wahrnehmbarer dieser Problematik an, die zuvor schon seit mehreren Jahren in den Sozialwissenschaften und der Gerontologie diskutiert und analysiert wurde. Auch die Medien reagieren auf diese Entwicklung, allen voran die Werbung. Ältere Menschen wurden schon vor Jahren als lukrative Käufergruppe für bestimmte Produkte entdeckt und dieser Sektor wird seitdem unaufhörlich ausgebaut. Im Fernsehen tauchten bereits in den Achtzigerjahren neue Formate mit und über alte Menschen auf, so zum Beispiel die Serien JAKOB UND ADELE (D 1982-1988) oder THE GOLDEN GIRLS (USA 1985-1992). In der letzten Zeit erobern Altersthematiken den vergleichsweise jungen Comedymarkt, so brachte Sat.1 letztes Jahr die Sketchshow ALT & DURCHGEKNALLT (D 2003) heraus. Auch im Kino scheinen in den vergangenen Jahren Filme über die ältere Generation den Vorsprung zu wagen, denkt man nur an ABOUT SCHMIDT (Alexander Payne, USA 2002), CALENDAR GIRLS (KALENDER GIRLS, Nigel Cole, UK 2003) oder SOMETHING'S GOTTA GIVE (WAS DAS HERZ BEGEHRT, Nancy Meyers, USA 2003).
Was passiert aber, wenn Alter(n) in den Mittelpunkt einer filmischen Inszenierung rückt? Es ist notwendig, einmal einen genauen und wissenschaftlichen Blick auf die Darstellung des Alters im Film zu werfen. Doch schon die erste Betrachtung des Forschungsfeldes ist ernüchternd. Die Medienwissenschaft hat sich, mit Ausnahme einiger Zeitschriftenartikel, mit dem Thema der medialen Altersdarstellungen so gut wie noch gar nicht beschäftigt. Die Recherche in den gerontologischen Spezialgebieten der Soziologie und der Psychologie ist dagegen vielversprechender. Hier finden sich eine Reihe von Studien zur Repräsentation des Alters. Leider beziehen sich diese hauptsächlich auf Fernsehen oder Werbung, nicht jedoch auf Film.
Diese Ausgangslage bestärkte meinen Entschluss, mit dieser Arbeit einen ersten Grundstein für die filmwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Alter im Film zu legen. Dabei möchte ich mich ausschließlich auf fiktionale Langspielfilme konzentrieren, die primär für den Kinoverleih produziert wurden und die aus dem europäischen, nordamerikanischen oder australischen Kulturraum stammen. Ich werde eine Auswahl von Filmen, in denen ältere Menschen oder das Alter(n) im Zentrum der Handlung stehen, einer qualitativen Inhaltsanalyse unterziehen, um zu ergründen, wie diese Filme ihre alten Protagonisten und deren Umwelt inszenieren, welche Themen und Probleme des Alter(n)s sie dabei anschneiden,
1 vgl. Statistisches Bundesamt 2003
welche sie vermeiden und welche Konfliktlösungen sie am Ende bereithalten. Dabei berücksichtige ich Filme von 1945 bis heute 2 , um zusätzlich einen historischen Blick auf mögliche Veränderungen zu werfen. Ziel dieser Arbeit ist es, zu zeigen, dass sich Kinofilme unter den oben genannten Einschränkungen dem Thema Alter differenziert annehmen und somit stereotype Darstellungen 3 vermieden werden. Dieses Ziel begründet sich vor allem darin, dass die Mehrheit der bisher durchgeführten Studien in Soziologie und Psychologie belegen, dass alte Menschen im Fernsehen häufig stereotypisiert dargestellt werden und - insbesondere alte Frauen - generell unterrepräsentiert sind. Die logische Folge daraus ist, dass in den wissenschaftlichen Lagern eine Grundstimmung entsteht, die den verzerrten medialen Altersbildern entgegenzuwirken versucht. Auch wenn dies keine Medienvergleichsstudie werden soll, so möchte ich durch meine Analyse trotzdem den deutlichen Unterschied zwischen den beiden Medien Fernsehen und Film in dieser Hinsicht betonen, damit Filme nicht unter die vorherrschende Meinung über mediale Altersdarstellungen subsumiert werden, ohne dass sie einer ausreichenden Prüfung unterzogen wurden. Somit kann diese Arbeit auch eine Grundlage für solche Untersuchungen schaffen, schließlich gilt es, eine große Menge an bisher unbearbeitetem Material zu analysieren.
Theoretische Abhandlungen aus dem filmanalytischen Bereich finden, soweit vorhanden, im ersten Teil dieser Arbeit ihre Berücksichtigung. Ich werde dabei die wenigen wissenschaftlichen Artikel, die es zu dieser Thematik bisher gibt, vorstellen und auf die raren Schnittstellen mit anderen Teilbereichen der Medienwissenschaft eingehen, die eventuell nützliche Ansätze liefern können. Dazu kommt eine ausführliche Darstellung von entsprechenden Studien aus den benachbarten Wissenschaften Soziologie und Psychologie, die interdisziplinär im Zusammenspiel mit der Medienwissenschaft auf diesem Sektor eine bessere Chance hätten, das Thema adäquat und systematisch zu erforschen. Im zweiten Teil der Arbeit folgen dann die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse, gebündelt nach fünf verschiedenen Themenkomplexen, die bei der Untersuchung zu Tage traten. Der dritte Teil fasst die Ergebnisse der Analyse noch einmal zusammen und präsentiert den Ausblick auf eine mögliche interdisziplinäre Forschungszukunft. Im Anhang befinden sich
2 Die endgültige Auswahl umfasst schließlich 24 Filme von 1967 bis 2003 (siehe Anhang Nr.5, S.85). 3 Als Stereotyp wird in der Filmtheorie eine stark vereinfachte Charakterisierung bezeichnet, die häufig reproduziert wird und dadurch breite allgemeine Bekanntheit erlangt. Ihre Kennzeichnung erfolgt vor allem über die Inszenierung der Figur durch ihr Verhalten und durch ihr äußeres Erscheinungsbild. Auch wenn es innerhalb der Medienwissenschaft einen spezifischen Diskurs zu dieser Thematik gibt, möchte ich den Begriff - ebenso wie 'Klischee' - lediglich als Bezeichnung für eindimensional dargestellte Filmcharaktere verwenden, die die gesellschaftliche Repräsentation verzerren.
ausführliche Recherchelisten, weiterführende Hinweise und diverse Abbildungen der analysierten Filme, die zum Abschluss noch einmal die Ergebnisse der Arbeit unterstützen.
2 Hauptrolle: Alte(r).
Die Darstellung des Alters im fiktionalen Film
2.1 Forschungsmethodik und Analysematerial
Ein neu zu bearbeitendes Forschungsgebiet zwingt den Wissenschaftler, zu Beginn grundlegende Fragen zu klären. In diesem Fall muss zunächst bestimmt werden, welche Studien überhaupt als theoretische Grundlagen dienen können. Da ein überwiegender Teil der Literatur aus anderen Fachbereichen stammt, verfolgen diese in der Regel ein anderes Ziel als die Filmwissenschaft. Es müssen also innerhalb der Studien tendenzielle bzw. übergeordnete Nuancen herausgefiltert und nach Schnittstellen mit der Medienwissenschaft gesucht werden. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich die Mehrheit dieser Arbeiten mit Altersrepräsentationen im Fernsehen beschäftigen. Aber lassen Erkenntnisse über das Medium Fernsehen überhaupt Rückschlüsse auf das Medium Film zu? Diese und noch weitere Fragen sind der Ausgangspunkt für den ersten Teil dieses Kapitels, der sich mit dem Forschungsstand in Medienwissenschaft, Soziologie und Psychologie auseinander setzt.
Darüber hinaus stellt sich aber auch das Problem, zu bestimmen, welche Filme in einer solchen Arbeit berücksichtigt werden sollen. Wie definiert sich 'Alter'? Ab wann hat ein Film einen Altersbezug? Gibt es Geschlechterdifferenzen? Im zweiten Teil werden diese und andere Einschränkungen näher erläutert. Die dadurch entstandene Rechercheliste weist bereits erste tendenzielle Erkenntnisse auf. Durch weitere Restriktionen verkleinert sich diese Liste, um am Ende eine angemessene Anzahl an Filmbeispielen für die qualitative Inhaltsanalyse bereitzustellen. Aus Gründen der Flexibilität habe ich mich für diese Methode entschieden. So können die Angebote an Alterdarstellungen aus den Filmen die spätere Gruppierung der Ergebnisse bestimmen. Eine empirische quantitative Analyse 4 ist zu diesem Zeitpunkt nicht empfehlenswert, denn bisher mangelt es an eindeutigen Definitionen zu entscheidenden Gesichtspunkten der Thematik und es stellt sich zusätzlich das Problem der Vollständigkeit und der Repräsentativität. Für eine solche Behandlung
4 zu Vor- und Nachteilen der quantitativen sowie der qualitativen Inhaltsanalyse vgl. Filipp/Mayer 1999, S.214
in der Zukunft dienen die zu Tage getretenen Ergebnisse dieser Untersuchung als gute Ausgangslage.
2.1.1 Die interdisziplinäre Kontexterschließung
Betrachten wir zunächst das Forschungsgebiet, auf dem sich diese Arbeit im Folgenden bewegen wird. Wie bereits erwähnt, ist es aus filmwissenschaftlicher Perspektive gesehen extrem mangelhaft bearbeitet worden. In der Regel wäre es an dieser Stelle üblich, auf die Historie des gewählten Problemkomplexes einzugehen. Man würde bereits herausgearbeitete Erkenntnisse sammeln und gebündelt präsentieren, um im Anschluss den eigenen Ansatz innerhalb dieses Diskurses besser verorten zu können. Aber all dies gestaltet sich bei der Darstellung des Alters im fiktionalen Film schwierig. Anstatt eine Fülle von Sekundärliteratur zu bearbeiten, gilt es nun eher, das vorhandene Defizit zu beheben.
Dieses Defizit ist umso bemerkenswerter, als sich anverwandte Wissenschaften wie die Psychologie und die Sozialwissenschaft bereits seit Langem mit gerontologischen Themen beschäftigen und ihnen eine angemessene Stellung innerhalb der jeweiligen Forschungsbereiche zuteil werden lassen: Beispielsweise die Alter(n)ssoziologie bzw. Soziologie des Alter(n)s innerhalb der Sozialwissenschaft oder die Gerontopsychologie 5 in der Psychologie. In der Medienwissenschaft fehlt ein entsprechender Terminus, der Ausdruck einer Schwerpunktsetzung wäre. Dabei ist 'Alter' - genauso wie 'Geschlecht' - ein strukturelles Element zur "Naturalisierung von Gesellschaft" (Kohli 2001, S.1), um nicht zu sagen ein soziales Konstrukt (vgl. Doing Gender 6 ). Vielleicht ist es an der Zeit, neben Gender Studies auch eine Art interdisziplinäre 'Ageing Studies' 7 einzuführen, um sich einmal intensiv mit Rollenbildern in diversen Altersstrukturen zu beschäftigen.
5 wird vereinzelt auch als Psychogerontologie bezeichnet
6 bezieht sich auf die soziale Konstruktion von Geschlechterrollen (Überblick und weitere Informationen bei Bontrup 1999).
7 Der Begriff der Ageing Studies bzw. Aging Studies wird bereits im Ausland verwendet, um eine fachübergreifende Ausbildung und Forschung im Umfeld gerontologischer Themen zu beschreiben. (Etwaige Programme werden in den USA von der Drake University (Des Moines) und der University of Iowa sowie in Australien von der Flinders University (Adelaide) und in Hongkong von der Lingnan University angeboten; siehe Anhang Nr.3, S.83). Ich verwende den Begriff hier bewusst für einen eigenen, neuen Ansatz, der sich den sozialen Konstruktionen von Alter durch die Gesellschaft - und damit auch durch die Medien - annimmt. Das schließt nicht aus, dass mit den genannten Disziplinen Ähnlichkeiten oder Überlappungen bestehen können, da eine allgemein anerkannte und einheitliche Fachterminologie bisher fehlt.
Die Recherche innerhalb der soziologischen und psychologischen Literatur zu dem Problemkomplex Alter hat definitiv gezeigt, dass das Thema bezüglich einzelner Disziplinen schwer abgrenzbar ist. Die Soziologie beschäftigt sich mit dem Alter(n) zum einen auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene. Dabei stützt sie sich auf demoskopische Daten und zeigt so die Probleme der Alterung unserer Gesellschaft auf (vgl. Kohli 2001, S.2f. und Backes 1997, S.368f.). Zum anderen wird das Alter(n) auch auf der Ebene des Individuums 8 betrachtet, zum Beispiel im Hinblick auf die Pluralisierung der Lebensformen oder Individualisierungsprozesse und deren Auswirkungen auf das Alter (vgl. Kohli 2001, S.2). Hierbei streuen aber andere Disziplinen stark in den gewählten Bereich. So stammen beispielsweise Debatten über den Arbeitsmarkt für alte Menschen, über Altersarmut oder Rentenproblematik eher aus der Sozialpolitik bzw. Ökonomik (vgl. S.7ff.), sind aber dennoch nicht aus dem gesamten Problemkomplex wegzudenken. Für diese Arbeit sind soziologische Betrachtungen der gesellschaftlichen Wahrnehmung von bzw. Einstellung gegenüber Alter relevant. Dazu kommt die Analyse von Fremd- und Selbstbildern älterer Menschen und wie diese in Wechselwirkung miteinander treten. Die Soziologie geht hierbei u.a. sehr ausführlich auf Stereotypisierung 9 und deren Auswirkungen 10 ein. An dieser Stelle überkreuzen sich nun Sozial- und Medienwissenschaften. Denn nicht selten werden Altersstereotype in den Medien zum Analyseobjekt der Soziologie.
Jedoch ist eine fachliche Abgrenzung auch hier kaum möglich, denn sobald es um die Darstellung von Alter bzw. Alten in den Medien geht, überschneiden sich sozialwissenschaftliche und psychologische Forschung 11 . Gerontopsychologie beschäftigt sich mit den Verhaltensweisen und biologischen Entwicklungen im Alter. Dazu zählen insbesondere Bewältigungsstrategien (coping) im Umgang mit den biologischen Prozessen (auch Krankheit) bzw. kognitiven Entwicklungen (Reduktion von Sinnesleistungen) 12 , psychologische Produktivität (z.B. Weisheit und Kreativität), Persönlichkeits- und Selbstkonzepte sowie die Einflüsse durch das
8 Die Soziologie betrachtet Alter(n) sowohl im Hinblick auf die ganze Gesellschaft (Makro-Ebene), als auch ihrer Teilsysteme, Organisationen und Kleingruppen bis hin zum Individuum (Mikro- Ebene). Fürdiese Arbeit ist aber vorrangig die Mikro-Ebene von Interesse, da sie am ehesten brauchbare Erkenntnisse für eine interdisziplinäre Erschließung des Themas bietet. 9 Stereotypisierung bestimmt neben den Kategorien Disengagement, Aktivität, Subkultur und struktureller Abhängigkeit bis heute die theoretischen Debatten der Alternssoziologie (vgl. S.2). 10 z.B. bei Schelsky 1965, Lenz 1971, Wesner 1980 oder Hanlon/Farnsworth/Murray 1997 11 Auch die Psychologie analysiert beispielsweise Fremd- und Selbstbilder des Alters, bezeichnet sie aber als "Außen- und Innensicht auf das Alter" (Kruse 2002, S.986f.). 12 siehe Lindenberger 2002
gesellschaftliche Altersbild 13 . Dieses wird u.a. auch durch Mediendarstellungen geprägt, was wiederum Stereotype hervorbringen kann (vgl. Filipp/Mayer 1999, S.212f.). An dieser Stelle öffnet sich der Kreis wieder zur Soziologie und auch zur Medienwissenschaft.
Schon dieser kurze Überblick zeigt, wie problematisch Abgrenzungen und Zuordnungen in diesem komplexen Themenfeld sind. Doch die drei eben erwähnten Wissenschaftsdisziplinen, die sich mit dem Altersbild in Medienangeboten beschäftigen, arbeiten bisher nicht ausreichend eng zusammen:
"Vor allem ist zu bedauern, daß zu wenige Studien Anleihen bei den Medienwissenschaften genommen haben. [...] Wenn man bedenkt, wie interessant das Befundmaterial zum face-ism in der Erforschung von Geschlechterstereotypen war [...], dann ist es umso bedauerlicher, daß man sich nicht auch dem Alterstereotyp auf diese Weise gewidmet hat" (S.238f.).
Diese Äußerung von Seiten der Psychologie gibt der Idee der Ageing Studies erneut Auftrieb. Im weiteren Verlauf stellen Sigrun-Heide Filipp und Anne-Kathrin Mayer treffend fest, dass viele Fragen bezüglich Altersbilder und Altersstereotypisierungen "wohl so lange offen bleiben, wie nicht im Konzert von Medien-, Kommunikations-, Sprach-, Literatur- und Verhaltenswissenschaften dazu eine theoretisch fundierte Diskussion geführt wird" (S.239). Das Potential der fachübergreifenden Zusammenarbeit wird in der Literatur immer häufiger erkannt und von den Forschern auch so formuliert:
"While accepting that media scientists and sociologists of culture are best qualified to interpret the sources and the consequences of the revealed misrepresentations [gemeint ist die verzerrte Darstellung von alten Menschen in Fernsehsendungen der Hauptsendezeit, A.D.], psychological concepts and understanding can usefully contribute" (Kessler/Rakoczy/Staudinger 2004, S.545).
Die beste Methode, sich der Problematik auf theoretischer Ebene zu nähern, ist folglich die interdisziplinäre Herangehensweise.
Auf der Grundlage dieser Erkenntnis fällt es leichter, ein paar wegweisende Studien zu präsentieren, die nicht immer einer Wissenschaftsdisziplin eindeutig zuzuordnen sind. In ihnen finden viele Arbeitsmethoden und Sichtweisen Platz, die alle einen Beitrag zur Erschließung des Themas leisten können. Zu den frühen Studien zählt in jedem Fall Eva-Maria Boschs Dissertation Ältere Menschen und Fernsehen (1986), in der die Autorin ausführlich auf die Konstruktion und Rezeption von Altersdarstellungen in unterhaltenden Fernsehprogrammen eingeht. Diese Auftragsarbeit der Abteilung Medienforschung des Zweiten Deutschen Fernsehens gehört - trotz ihres
13 siehe Staudinger/Schindler 2002
Alters immer noch vielzitiert - zur Basisliteratur der Gerontologie, die sich mit Mediendarstellungen beschäftigt. Bosch nutzt hierzu die quantitative Inhaltsanalyse, ein Instrument der empirischen Sozialwissenschaft, das den meisten Studien dieser Art als Methode zu Grunde liegt. Sie diagnostiziert eine deutliche Unterrepräsentation von älteren Menschen bzw. Rollen im Weiteren und von älteren Frauen im Speziellen (vgl. Filipp/Mayer 1999, S.225f.). Aus der Beobachtung charakteristischer Persönlichkeitseigenschaften (offene Kategorie) erarbeitet sie eine "Typologie der 'Fernseh-Alten'" (Bosch 1986, S.114) und zeigt damit unterschiedliche Akzentuierungen der Darstellungsweisen von Alten auf (vgl. S.115-121) anstatt sie als "homogene soziale Gruppe" (Filipp/Mayer 1999, S.226) zu betrachten.
In ähnlicher Weise verfahren Rochus Andreas Hagen (1985) und Richard H. Davis (1980) in ihren Arbeiten. Dabei stützt sich Hagen auf Beobachtungen aus Fernsehsendungen von ARD und ZDF, während sich Davis auf Werbe- und Programmangebote der amerikanischen TV-Sender bezieht. Auch das American Jewish Committee befasste sich in einer Konferenz 1978 mit dem Altersbild in den amerikanischen Medien und veröffentlichte die Ergebnisse anschließend. 1995 brachten James D. Robinson und Thomas Skill ihre Studie bezüglich der quantitativen Häufigkeiten älterer Menschen in den vier großen Fernsehgesellschaften der USA heraus. Was die beiden in einem Zeitraum von vier Wochen untersuchten, hatten vor ihnen bereits George Gerbner, Larry Gross, Nancy Signorielli und Michael Morgan (1980) in einer Langzeitstudie von 1969 bis 1978 bewältigt. Im deutschsprachigen Raum bezieht sich die Forschung mittlerweile auch auf Programmangebote der privat-kommerziellen Sender, so zum Beispiel Hans Wilhelm Jürgens in seiner 1994 veröffentlichten Studie.
All diese Arbeiten resultieren in ähnlicher Weise: Sie weisen auf die Missrepräsentation und Stereotypisierung der Älteren hin, das vermittelte negative Altersbild und einen geschlechtsspezifischen Effekt zu Lasten weiblicher Figuren, "was die demographische Verteilung der Geschlechter in der Gruppe der Älteren geradezu auf den Kopf stellt" (Filipp/Mayer 1999, S.227). Erst im Kontext von Modernisierungsdebatten und (sozial)strukturellem Gesellschaftswandel in den Neunzigern divergierten die wissenschaftlichen Zielsetzungen und neue Zugänge zur Thematik wurden gefunden:
"Eine zentrale Frage betrifft das Verhältnis von Altern und Modernisierung. In den frühen Debatten ging es hauptsächlich um Status und Statusverlust des Alters: Mit zunehmender Modernisierung, so wurde behauptet, nimmt der Status der Älteren ab (Cowgill/ Holmes [Aging and modernization, A.D.] 1972). Heute drängt sich eine andere Perspektive auf: Das Altern der Gesellschaft wird selbst zu einem Teil des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses" (Kohli 2001, S.2).
Von der Wissenschaft als Problem frühzeitig erkannt und diskutiert ist das Thema mittlerweile massen(medien)tauglich geworden und kursiert seit Monaten in Form von FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmachers Das Methusalem-Komplott (2004) auf der Spiegel-Bestsellerliste für Sachbücher 14 . Die taz stellt am 26. März 2004 in ihrem Kommentar zu der Veröffentlichung fest:
"Bücher über Alter und Generation haben derzeit Konjunktur. Die Klasse ist als Ordnungsmuster im Postindustriellen untergegangen, gender mainstreaming wurde inzwischen in die zuständigen Ausschüsse verwiesen. So bleibt das Alter als gesellschaftliches Ordnungsmuster. Beim Alter kann jeder mitreden - offenbar ist dies ein Text, mit dem sich eine individualisierte Massengesellschaft mit sich selbst verständigt. Daher rührt die etwas rätselhafte Inflation von Generationsbüchern. Schirrmacher fügt sich in diesen Kontext. Er erweitert das flatterhafte, zum Oberflächlichen neigenden Genre um das Ernste, allerdings nicht unbedingt Seriöse" (Reinecke 2004, S.17).
Doch bei allen Zugängen, die Soziologie und Psychologie auf die Altersthematik haben, soll nicht vergessen werden, dass sich das Interesse der Forschung primär um die älteren Menschen in unserer Gesellschaft dreht und nicht um deren Repräsentation in Zeitungen, Fernsehen, Werbung, Film etc. Der Einbezug der Medien in den Kontext der Debatten mag für diese Arbeit eine erkenntnisreiche Schnittstelle darstellen, die zudem die interdisziplinäre Behandlung des Themas begünstigt. Jedoch verfolgen hierbei Alter(n)ssoziologie bzw. Gerontopsychologie und die Filmwissenschaft unterschiedliche Ziele. Für erstere sind Medienbilder von Älteren lediglich Dokumentationen von und einflussnehmende Faktoren auf gesellschaftliche Prozesse und Sichtweisen. In dieser Arbeit geht es jedoch um die Darstellung von Alter bzw. Alten als filmisches Phänomen. Zwar ist es interessant zu beobachten, wie stark sich mediale Darstellungen und gesellschaftliche Zustände ähneln 15 , aber der Fokus liegt bei dieser relativ isolierten Betrachtung immer noch
14 Frank Schirrmacher, von Kollegen und Wissenschaftlern für sein Verhalten immer wieder kritisiert (vgl. Jakobs 2004, S.17 und Reinecke 2004, S.17), schildert in seinem Buch die drohende Sozialkatastrophe, die eintritt, falls sich die Gesellschaft nicht besser auf ihre eigene Vergreisung einstellt. Die Veröffentlichung des Buches wurde mit Pressekampagnen von Bild und Spiegel vorbereitet (vgl. Jakobs 2004, S.17). Nach seinem Promotion-Auftritt bei BECKMANN (ARD, 22.03.2004) reagierte die Redaktion der Talkshow mit einer außerplanmäßigen Sondersendung am 14.04.2004, in der Schirrmacher einziger Gast war. Die Fakten, auf die sich der Journalist stützt, sind allerdings keine wissenschaftliche Neuerung, sondern der Demographie und Gerontologie (siehe Statistisches Bundesamt 2003, Kohli 2001 sowie Jyrkämä 2003) längst bekannt. (Auf meine schriftliche Anfrage zum Thema hat Schirrmacher bis dato nicht geantwortet.) 15 Eva-Marie Kessler, Katrin Rakoczy und Ursula M. Staudinger beschäftigen sich in ihrer aktuellen Studie (Juli-Ausgabe von Ageing and Society 2004) mit der Übereinstimmung von Altersdarstellungen im Fernsehen mit bewiesenen Erkenntnissen aus der Altersforschung. Sie vergleichen damit erstmals fiktionale Darstellungen mit evidenten Altersproblemen mit Hilfe von typischen psychologischen Verhaltensmustern.
auf dem filmischen Umgang mit der Thematik, da selbiger in der Forschung bisher viel zu kurz gekommen ist.
Eine andere Tatsache, die das anfangs angesprochene Defizit nochmals unterstreicht, ist die nahezu ausschließliche Beschäftigung mit Fernsehen, Werbung und Printmedien in den entsprechenden Studien. Von den oben aufgeführten Analysen stellt sich keine dem Medium Film und auch die weitere Recherche innerhalb von Soziologie und Psychologie brachte keinerlei hilfreiche Resultate. Eine der wenigen Arbeiten, die sich einen populären Film zum Thema gemacht haben, stammt von Patrick McKee und Jennifer McLerran (1995). Die beiden untersuchten an Hand von THE TREASURE OF THE SIERRA MADRE (DER SCHATZ DER SIERRA MADRE, John Huston, USA 1948) die Figur des alten Goldwäschers Howard (Walter Huston) hinsichtlich ihrer archetypischen Qualitäten als weiser alter Helfer und Ratgeber. Die aus der Psychologie stammende Studie sucht dabei in der filmischen Darstellung nach Phänomenen, die bereits aus der Entwicklungs- und der Gerontopsychologie bekannt sind 16 . Es ist bemerkenswert, dass trotz umfassender Recherche keine weitere Arbeit zu Tage getreten ist, die nicht im Umfeld der Medienwissenschaft angesiedelt ist und sich dennoch mit Filmen als Lieferant für mediale Altersdarstellungen beschäftigt. Umgekehrt ist es für die Medienwissenschaft genauso paradox, dass die Mehrheit der Studien, die sich mit der Repräsentation von Alter in Fernsehen, Zeitung und Werbung beschäftigen, aus anderen Fachrichtungen wie der Soziologie oder der Psychologie stammen.
Die Pionierarbeit hat - wie schon so oft in der Medienwissenschaft - die Frauen-forschung auf dem Gebiet der Altersdarstellungen geleistet, indem sie den Fokus durch entsprechende Debatten auf fehlende oder unterrepräsentierte Themen gelenkt hat, die nicht weit von der Alter(n)sproblematik entfernt sind:
"Aging is a relatively recent theme in art, introduced into the fields of art [...] through the interventions of feminist art and theory, which asserts the value of personal experience as a valid subject in art" (Dietrich 1999, S.185f.).
Solche Themen sind zum Beispiel das Klimakterium und dessen 'Fiktionswürdigkeit' (vgl. Brinckmann 1991, S.72) oder die Rolle der alternden Schauspielerin und deren Krise durch drohenden Statusverlust (vgl. Brooks 2001). Christine Noll Brinckmann kritisiert die fehlende filmische Beschäftigung mit Problemen der Frau ab fünfzig. Jodi Brooks geht dagegen auf die Problematik eines Rollenvakuums bei älteren Schauspielerinnen ein, das aber durchaus in Filmen aufgearbeitet wird, wie zum Beispiel in SUNSET BOULEVARD (BOULEVARD DER DÄMMERUNG, Billy Wilder, USA
16 z.B. old age wisdom, life review, integrative understanding, transcendence (vgl. S.2f.)
1950). Medienwissenschaftliche Studien hierzu sind jedoch Mangelware. Meistens sind es Zeitschriftenartikel (Brinckmann in Frauen und Film, Brooks in Senses of Cinema), die Anregungen und eine erste Beschäftigung mit dem Thema Alter bieten. So auch Heike Klippels Analyse der Fernsehserie THE GOLDEN GIRLS (USA 1985-1992), Orgie in Pastell (ebenfalls in Frauen und Film, 1991). In Frankreich erschien 1983 in der Zeitschrift Cinémaction René Prédals Aufsatz über die Rolle der Madame Bertini (Sylvie) in LA VIEILLE DAME INDIGNE (DIE UNWÜRDIGE GREISIN, René Allio, F 1965). Prédal schreibt darin über die Inszenierung von Befreiung 17 : Madame Bertini entdeckt nach dem Tod ihres Mannes "pour la première fois qu'elle peut vivre pour elle-même" (S. 101) und beginnt, das Leben mit über achtzig Jahren neu zu entdecken. Sie kauft sich ein Auto - eine Ente - , bereist damit das Land und bereitet so ihrer Verwandtschaft große Sorgen.
Herausragend ist in diesem Zusammenhang jedoch die Arbeit des amerikanischen Medienwissenschaftlers und Gerontologen Robert E. Yahnke, der sich bereits in mehreren sogenannten Audiovisual Reviews in der Zeitschrift The Gerontologist mit dem Thema Alter im Film beschäftigt hat. Seine Analysen beziehen sich auf fiktionale wie Dokumentarfilme ohne Einschränkung auf bestimmte Produktionsländer. Hinzu kommen ebenfalls pädagogische Filme bzw. Videos von kürzerer Laufzeit, die dem Bereich der Erwachsenenbildung zugerechnet werden können. Für diese Arbeit ist vor allem seine Erforschung der beiden Faktoren intergeneration und regeneration im fiktionalen Film interessant. Mit intergeneration bezeichnet er alle Beziehungen zwischen den Alten und den jüngeren Generationen, so zum Beispiel die Funktion der Alten als Rollenvorbilder bzw. Mentoren oder umgekehrt der Umgang erwachsener Kinder mit der Alterung ihrer Eltern. Regeneration steht dagegen für innere Prozesse, die in alten Menschen ablaufen können. Diese Veränderungen streben Erneuerung, Verjüngung oder ganzheitliche Identitätsbildung an und werden durch den Wunsch nach Aussöhnung, Klarheit, Abschluss und Akzeptanz vorangetrieben (vgl. 2000, S.293f.) 18 .
Mit solchen Arbeiten wurde innerhalb der Medienwissenschaft eine Art Basis geschaffen, auf der nun aufgebaut werden kann. Es reicht dabei aber nicht aus, sich
17 "Elle est libre parce qu'on ne peut pas arrêter une vieille femme de 80 ans; peut-être est-ce la proximité de la mort qui donne le maximum d'espace à la liberté" (Bernhard Sinkel über seinen Film LINA BRAAKE (D 1975), zitiert in Prédal 1985, S.103)
18 Was Yahnke hier unter den Faktor intergeneration subsummiert, wird später in der Analyse unter dem Punkt Konfliktbeziehungen und -situationen (2.2.4) wieder auftauchen. Die Aspekte der regeneration verteilen sich dagegen auf das Kapitel Erzählerfiguren, Erinnerungen und Erfahrungen: life review (2.2.1), in dem vor allem Aspekte der persönlichen Lebensbilanz dargestellt werden, und auf den Abschnitt Inszenierung des Sterbensbewusstseins (2.2.2), da mit dem Bewusstsein des eigenen Todes auch ein Wunsch nach einem gelungenen Abschluss des Lebens einher geht.
mit älteren Frauenfiguren im Film zu beschäftigen. Vielleicht ist dies aber genau der entscheidende Punkt, warum sich bisher die meisten Studien vor dem Thema Film (oder allgemeiner: Kunst in Form von Film, Theater, Malerei, Darstellender Kunst etc.) gescheut haben und wenn dann nur auf feministische Themen eingegangen sind. Im Gegensatz zu Filmen können Angebote aus Fernsehen und Werbung scheinbar leichter pauschalisiert werden. All die entsprechenden Studien klagen über ein falsches Altersbild, das über diese Medien vermittelt wird. In diesen homogenen Klang reihen sich die Klagen der feministischen Ansätze über das Fehlen von bestimmten Probleminszenierungen ein. Die Tatsache, dass Film - oder Kunst im Allgemeinen - vielfältiger in der Darstellungsweise von Lebenszuständen und Entwicklungen ist, machte das Medium Film wohl bisher zu einem unliebsamen Analyseobjekt für den erwünschten Zweck.
Dieses ist der Ansatz der im zweiten Abschnitt der Arbeit folgenden qualitativen Inhaltsanalyse. Ich werde zeigen, dass Alter(n)sprobleme seit jeher in Filmen behandelt werden und dass dies schon immer in einer vielfältigen Art geschieht, die kein Pauschalurteil über die Darstellung von Alter im Film zulässt:
"Just as visual representation - art - can contribute to the problem of popularizing negative images of aging people, art can also contribute positive images of aging people which in turn build positive attitudes and achievements" (Dietrich 1999, S.183).
2.1.2 Filmauswahl zum Thema Alter
Vernachlässigte bzw. unbearbeitete Themengebiete in der Forschung haben den Nachteil, dass man sich nicht oder nur kaum auf die Vorarbeit anderer stützen kann. Die Quellenforschung für diese Analyse wurde daher zu einer sehr archaischen Wissenschaftserfahrung. Eine umfassende Filmografie zum Thema Alter existiert leider noch nicht. Es lassen sich zwar eine Reihe von Medienkatalogen zum Thema Alter finden, doch die meisten sind entweder veraltet oder sie präsentieren nur eine Auswahl an Filmen 19 . So wurde beispielsweise in der Schweiz bis 1998 von der Stiftung Pro Senectute - die es sich zum Zweck gemacht hat, "das Wohl der älteren Menschen in der Schweiz zu erhalten und zu heben" 20 - regelmäßig ein Medienkatalog herausgegeben. Dieser beinhaltete neben Filmen, Videos und CDs auch andere Medienangebote, die Probleme des Alter(n)s thematisieren. Dabei handelte es
19 Eine Liste mit diversen Medienkatalogen zum Thema Alter befindet sich im Anhang Nr.4, S.84. 20 http://www.pro-senectute.ch/d/index.cfm?id=61
sich aber lediglich um eine pädagogisch orientierte Auswahl 21 , somit konnte der Katalog nur bedingt als Grundlage für die Recherche dienen. Einige für diese Arbeit interessante und wichtige Filme fehlten darin, weshalb andere Hilfsmittel wie Internetdatenbanken oder Informationen aus themenbezogener Literatur hinzugezogen werden mussten. Bei den Datenbanken seien besonders die Internet Movie Database und die Online-Version von Zweitausendeins' Lexikon des Internationalen Films hervorgehoben.
Als Auswahlkriterien 22 dienen zunächst die primäre Produktion der Filme für den Kinoverleih, eine Mindestlänge von 60 Minuten und ein hinreichender Bezug zum Thema Alter. Zwar finden sich eine Reihe von Fernsehfilmen, vor allem Dokumentationen, die sich mit dem Thema Alter beschäftigen 23 , aber wie ich im vorhergehenden Kapitel dargestellt habe, gibt es bereits genügend Studien zum TV-Angebot aus der Psychologie und der Soziologie. Natürlich wäre es wünschenswert, dass sich auch die Fernsehwissenschaft intensiver der Thematik annimmt, doch diese Arbeit wird sich definitiv auf Kinofilme beschränken. Die höhere, künstlerische Freiheit, die das Kino in der Regel seinen Machern einräumt, spricht im Gegensatz zu dem größeren wirtschaftlichen und zeitlichen Druck, der hinter TV-Produktionen steht, für eine Auswahl pro Kinofilm. Das begründet sich vor allem damit, dass die Probleme des Alter(n)s im Quoten-Zeit-Druck des Fernsehens weniger Attraktivität genießen. Und wenn das Thema einmal Platz findet, stellt sich gleichwohl die Frage, wie stark dieser Druck den Versuch von Authentizität untergräbt und so ein verzerrtes Bild des Alter(n)s begünstigt, beispielsweise durch starke Stereotypisierung. An dieser Stelle packen wiederum die Soziologen und Psychologen das Problem an. Die Kunst dagegen geht anders mit derartigen Themen um: "In art, great age is often a great value" (Dietrich 1999, S.183).
Diese Einschränkung gilt ebenfalls für Serien, auch wenn JAKOB UND ADELE (D 1982-1988), THE GOLDEN GIRLS (USA 1985-1992) oder WAITING FOR GOD (UK 1990-1994) eine geradezu beispiellose Vielfalt an Altersthemen bieten würden. Die Sitcom THE GOLDEN GIRLS fand wegen ihres thematischen Bezugs bereits medienwissenschaftliche Beachtung 24 . Doch es muss eine gewisse Homogenität innerhalb der Auswahl bewahrt werden. Unter diesem Gesichtspunkt hat eine
21 "Es sind Medien für alle, die sich seriös und nachhaltig mit einem Thema auseinandersetzen wollen: in der Erwachsenenbildung, im Studium, in der Schule, in der Kirche, in Kursen aller Art." (Pro Senectute Schweiz 1998, S.5)
22 An dieser Stelle werden zunächst nur erste Einschränkungen präsentiert. Die spezifische Auswahl der zu analysierenden Filme folgt später im Kapitel. 23 siehe Anhang Nr.2, S.83 24 siehe Klippel 1991
gestaffelte Serie, die bis zu acht Jahre Produktionszeitraum umfasst, natürlich ungleich mehr Zeit zur Verfügung, ihre Themen differenziert zu entwickeln, als ein einmaliger Film von durchschnittlich 120 Minuten.
Aber auch die Reduktion der Filme durch eine Mindestlaufzeit scheint als rein quantitatives Regulativ sehr sinnvoll. Erstens ist es schwierig, die dank Digitaltechnik in den letzten Jahren massiv angestiegene Anzahl an Kurzfilmen einigermaßen zu überblicken, geschweige denn, eine geeignete Datenbank zu Recherchezwecken zu finden. Zweitens können sich Kurzfilme der Altersthematik natürlich annehmen - sie tun dies sogar relativ häufig - , doch die knappe Zeit verhindert in den meisten Fällen eine ausführliche Präsentation der vielfältigen Facetten des Themas:
"Feature-length films run 3-4 times longer than typical educational videos [trifft auch auf Kurzfilme im Allgemeinen zu, A.D.] and thus are more difficult to integrate into gerontology curricula. But feature-length films [...] offer much greater complexity of characterization, a broader scope of the depiction of themes relevant to aging, and a higher level of subtlety and complexity in the interaction among characters" (Yahnke 2003a, S.426).
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Kurzfilmen würden den Aufwand an Beschaffung und Analyse wahrscheinlich gar nicht erst rechtfertigen können. Im Übrigen wären Ergebnisse nur schwer vergleichbar, da Kurzfilme wegen ihrer zeitlichen Beschränkung mit anderen erzählerischen Mitteln arbeiten als Langfilme. Genauso wie Serien wegen ihres Übermaßes an filmischer Zeit nicht berücksichtigt werden, scheiden also auch Kurzfilme aufgrund ihrer knappen Bemessenheit aus.
Schwieriger fassbar ist da der hinreichende Bezug zum Thema Alter. Ein solcher Bezug ist immer dann vorhanden, wenn die Hauptfigur des Films über 60 Jahre 25 alt ist und sich der Film auch mit deren/dessen Alter befasst, oder die zentrale Thematik des Films das Alter(n) an sich ist. Dabei ist die Festlegung einer Altersgrenze am datierten Lebensalter nicht ganz unproblematisch. Interdisziplinäre Ageing Studies würden den Rollenkonflikt zwischen gefühltem, gelebtem und tatsächlichem (biologischem) Alter wohl am besten beschreiben können. Doch bis es eine ausreichende wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Problematik gibt, lege ich das 60. Lebensjahr als formales Provisorium für eine Altersgrenze fest. Diese soll allerdings nicht streng ausgelegt werden. Im Zweifelsfall muss immer noch der Inhalt eines Film den Ausschlag geben können.
25 In der Gerontopsychologie wird das höhere Erwachsenenalter vom 65. bis zum 80. Lebensjahr gerechnet, das hohe Alter ab dem 80. Lebensjahr (vgl. Lindenberger 2002, S.350). In der Soziologie nimmt man als Altersgrenze die "Zäsur zwischen 'erwerbstätig' und 'nicht mehr erwerbstätig'" (Kohli 2001, S.1) und definiert diese zwischen 60 und 65 Jahren (vgl. ebd.).
Unter all diesen Prämissen entstand schließlich eine ausführliche Filmliste 26 , deren Umfang allein Aussage genug zur Repräsentation der Altersthematik in diesem Medium ist: rund 200 Filme aus sieben Jahrzehnten der Nachkriegs-Filmgeschichte. Auch wenn die Liste nach Vollständigkeit strebt, so bleibt sie stets offen für Ergänzungen. Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Anzahl der themenbezogenen Filme weitaus höher liegt. Vor allem die Suche nach Filmen, die vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, erweist sich in elektronischen Datenbanken, die eigentlich eine hohe Transparenz gewähren könnten, als schwierig. Im Gegensatz zum zeitgenössischen Kino kann davon ausgegangen werden, dass nur die populäreren Filme aus der damaligen Zeit nachträglich dokumentiert wurden und daher eine Vorauswahl stattfindet, die dem Sinn einer Repräsentationsanalyse von Altersdarstellungen nicht dienlich ist. Deswegen habe ich mich in dieser Arbeit nur auf Filme konzentriert, die nach 1945 entstanden sind.
Diese - für eine Analyse immer noch zu ausführliche - Filmliste lässt in ihrer Gesamtheit bereits erste Schlüsse auf den Umgang mit dem Thema Alter im Film zu. 27 So ist schon in den Sechzigerjahren eine deutliche und auch vielseitige filmische Beschäftigung mit dem Leben älterer Menschen zu bemerken, die sich bis heute fortsetzt. In LA VIEILLE DAME INDIGNE (1965) 28 wird beispielsweise die Geschichte einer über 80-jährigen alten Frau erzählt, die nach dem Tod ihres Mannes wieder besonders aktiv wird und neue Dinge erleben will. In THE WHISPERERS (FLÜSTERNDE WÄNDE, Bryan Forbes, UK 1967) dagegen wird die langsam fortschreitende Paranoia und Debilität der 76-jährigen Mrs. Ross (Edith Evans) beschrieben, die in ihrer Wohnung Stimmen hört und sich für eine Adlige hältobwohl sie regelmäßig zum Sozialamt geht, um ihr finanzielles Überleben zu sichern. Dies und schon allein die Fülle an Material aus den unterschiedlichen Dekaden der Filmgeschichte ist Grund genug, dass man von keinem Trend sprechen kann, der momentan bezüglich älterer Menschen im Film herrschen soll. Hierbei handelt es sich eher um eine überzogen positive, selbstwerbende Aussage der amerikanischen Filmindustrie, die auf dem Mainstream-Markt mit Filmen wie SOMETHING'S GOTTA GIVE (USA 2003) allmählich die eingefahrenen Schienen von
26 siehe Anhang Nr.1, S.79
27 Dies soll keine quantitative Analyse werden, dafür sind die Daten nicht genug abgesichert und die Kategorien zu unbestimmt. Aber die aus dem Überblick erwachsenden ersten Eindrücke sollen an dieser Stelle wegen ihres richtungsweisenden Charakters nicht übergangen werden. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass alle Feststellungen sich nur auf die Auswahlliste beziehen und Verallgemeinerungen daher wissenschaftlich nicht abgesichert sind. Die Erkenntnisse sollen ein Anreiz sein, sich bestimmten Facetten des Themas ausführlicher zu widmen und damit auch wissenschaftlich zu fundieren.
28 Filme, die bereits zuvor im Text ausführlich angegeben wurden, werden im Folgenden nur noch mit dem Originaltitel und - der Orientierung halber - oftmals mit ihrem Entstehungsjahr genannt.
Jugendwahn und Perfektion aufzubrechen versucht 29 . Und das nicht zuletzt, weil die guten und werbewirksamen Schauspieler - wie in diesem Fall Jack Nicholson (als Harry Sanborn) und Diane Keaton (als Erica Barry) - auch immer älter werden. Trotzdem sind beide in SOMETHING'S GOTTA GIVE weitaus jünger geschminkt und gestylt, als sie dem Alter ihrer Rollen entsprechend hätten gezeigt werden können. Unter diesem Blickwinkel wirkt auch die Szene, in der Harry Erica nackt im Schlafzimmer sieht, mehr wie ein für das Image des Films konstruierter Tabubruch. Wenn die ca. 80-jährige Martha (Sheila Florance) in A WOMAN'S TALE (GESCHICHTE EINER FRAU, Paul Cox, AUS 1991) nackt in einer Badewanne liegt und nichts unternommen wird, durch die Bildkadrage ihre Brüste zu verdecken, dann könnte schon eher von einem gewagten Bild gesprochen werden. Besagter Trend zum Trend ist wohl auch stark an die Entwicklungen in der Werbeindustrie gekoppelt, die seit geraumer Zeit mit den über 50-Jährigen eine neue kaufkräftige Zielgruppe zu erreichen versucht. Dabei zeigen Filme wie SUNSET BOULEVARD (1950) und SMULTRONSTÄLLET (WILDE ERDBEEREN, Ingmar Bergman, S 1957), dass sich schon Produktionen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit mit den Problemen des Alter(n)s beschäftigt haben. Sei es die Stummfilmdiva Norma Desmond (Gloria Swanson), deren Glanzzeit schon lange vorüber ist und die dennoch diese Zeit zu konservieren versucht, oder der alternde Professor Borg (Victor Sjöström), der auf seine Vergangenheit zurückblickt, die Fehler erkennt und seine Einstellung zum Leben verändern will.
Auch bei näherer Betrachtung der Herkunftsländer der Filme gibt es keine besonderen Auffälligkeiten. Sie stammen sowohl aus europäischen Ländern, als auch aus Nord- und Mittelamerika, Asien und Australien. Selbst hinter dem Eisernen Vorhang wurden zur Zeit des Kalten Krieges Filme über alte Menschen gedreht (z.B. PROSHCHANIYE S MATYOROJ (ABSCHIED VON MATJORA), Elem Klimov, UdSSR 1983). Die allgemeine Verteilung dürfte sich dabei analog zum Gesamtfilmaufkommen der jeweiligen Länder verhalten. Es ist jedenfalls auf den ersten Blick nicht erkennbar, dass aus einem Land besonders viele oder besonders wenige Filme zum Thema Alter stammen würden. Das Thema wird also in den unterschiedlichsten Kulturkreisen thematisiert, ohne dass eine zeitliche Schwerpunktsetzung auffallen würde.
Obwohl es nur wenige Regisseure gibt, die eine spezielle Vorliebe für das Alter im Film haben - einer davon der japanische Regisseur Yasujiro Ozu, auf den ich weiter
29 Robert E. Yahnke stellte im selben Jahr die Frage: "Why can we find such rich documentation of the aging process in international cinema rather than in American cinema? Perhaps old age does not sell in Hollywood; or perhaps independent American filmmakers are not being sufficiently encouraged to consider themes relevant to aging" (2003b, S.603). Diese 'Marktlücke' scheint nun von den Studioproduktionen entdeckt worden zu sein. Dennoch gab es schon vorher genügend amerikanische Filme zum Thema Alter, so dass von keinem neuen Trend gesprochen werden kann.
unten noch genauer eingehen werde - , gruppieren sich bestimmte Filme doch gerne um bestimmte Schauspieler. Hat sich ein alternder Star erst einmal in seinen neuen Rollen eingelebt, wird er reproduzierbar. Gute Beispiele dafür sind Katharine Hepburn, Bette Davis oder Jessica Tandy (Abb. 1-6) 30 und bei ihren männlichen Kollegen Jean Gabin, Art Carney, Burt Lancaster, Marcello Mastroianni oder der immer noch agierende Jack Nicholson (Abb. 7-17). Allein die Kombination aus alterndem Star und Film über Alte(r) bietet genügend Stoff für eine eigene Untersuchung. Im Gegensatz zu den bekannten tauchen aber mindestens genauso viele unbekannte Schauspieler in den Filmen auf, zum Beispiel Aksel Rasmussen und Gerda Gilboe als CARLO & ESTER (Helle Ryslinge, DK 1994) oder die gesamte Besetzung von THE COMPANY OF STRANGERS (UNTER FREMDEN, Cynthia Scott, CDN 1990), die nur in diesem einen Film mitgespielt hat 31 . Diese genießen gerade mal in ihrem Heimatland eine etwas breitere Popularität. Man kann also nicht davon ausgehen, dass alternde Filmstars das Aufkommen von Filmen über Alte(r) bestimmen. Sie begünstigen es allenfalls.
Im Gegensatz zu den kritischen Stimmen über Fernsehangebote kann man innerhalb der Filmauswahl nicht von einer Unterrepräsentation der alten Frau sprechen. Im Gegenteil: das Verhältnis ist überraschend ausgewogen. Schon in den Fünfzigerjahren werden Geschichten von alten Männern (z.B. SMULTRONSTÄLLET, 1957) und alten Frauen (z.B. SUNSET BOULEVARD, 1950) gleichermaßen erzählt. Bis heute hält sich dieses Gleichgewicht: Die Geschichten von älteren Frauen dominieren Filme wie THE WHISPERERS (1967), HAROLD AND MAUDE (Hal Ashby, USA 1971), LINA BRAAKE (1975), THE WHALES OF AUGUST (WALE IM AUGUST, Lindsay Anderson, USA 1987), THE CEMETERY CLUB (DIE SIEBEN BESTEN JAHRE, Bill Duke, USA 1993), SPIDER & ROSE (Bill Bennett, AUS 1994) und CALENDAR GIRLS (UK 2003). Das Leben und die Probleme älterer Männer werden dagegen thematisiert in Filmen wie THE LATE SHOW (DIE KATZE KENNT DEN MÖRDER, Robert Benton, USA 1977), GOING IN STYLE (DIE RENTNERGANG, Martin Brest, USA 1979), LES PETITES FUGUES (KLEINE FLUCHTEN, Yves Yersin, F/CH 1979), LA FAMIGLIA (DIE FAMILIE, Ettore Scola, I/F 1987), THE STRAIGHT STORY (David Lynch, USA/UK/F 1999), SPACE COWBOYS (Clint Eastwood, USA 2000) und ABOUT SCHMIDT (USA 2002). Man könnte sogar noch weiter gehen und behaupten, dass sich der Film über den alternden Mann im Laufe der Jahrzehnte erst gegenüber dem Film über die alternde Frau emanzipieren musste. Aber die Beweislast hierfür sei anderen überlassen. Auch ältere Paare stehen im Zentrum der Darstellung, so zum
30 Alle Abbildungen befinden sich im Anhang unter Nr.6 und Nr.7 (S.86-95). 31 abgesehen von Michelle Sweeney, die die junge Busfahrerin spielt, die die Gruppe der älteren Damen begleitet
Beispiel in LE CHAT (DIE KATZE, Pierre Granier-Deferre, F/I 1971), ON GOLDEN POND (AM GOLDENEN SEE, Mark Rydell, USA 1981), LA CASA DEL SORRISO (DAS HAUS DER FREUDEN, Marco Ferreri, I 1988), DRIVING MISS DAISY (MISS DAISY UND IHR CHAUFFEUR, Bruce Beresford, USA 1989), BÖRN NÁTTÚRUNNAR (KINDER DER NATUR, Friðrik Þór Friðriksson, D/IS/N 1991) oder in CARLO & ESTER (1994). Allein von einem groben Überblick ausgehend ist festzustellen, dass es kaum Geschlechterpräferenzen bezüglich des Alters gibt. Bei dieser Tendenz scheint es logisch, dass bisher nicht auf Filme zurückgegriffen wurde, wenn es um die Analyse von Altersrepräsentationen in Medienangeboten ging. Schließlich hätten sie die eindeutigen Ergebnisse aus dem Fernsehbereich um einen gewissen Prozentsatz relativiert und würden damit nicht dem Ziel dienen, quantitative Missstände aufzudecken.
Wie bereits erwähnt, stieß ich bei der Recherche auch schnell auf das Werk des japanischen Regisseurs Yasujiro Ozu. Seine Filme BANSHUN (SPÄTER FRÜHLING, J 1949), TOKYO MONOGATARI (DIE REISE NACH TOKIO, J 1953), UKIGUSA (ABSCHIED IN DER DÄMMERUNG, J 1959), AKIBIYORI (SPÄTHERBST, J 1960), KOHAYAGAWA-KE NO AKI (DER HERBST DER FAMILIE KOHAYAGAWA, J 1961) und SANMA NO AJI (EIN HERBSTNACHMITTAG, J 1962) handeln ausschließlich von alten Menschen, Generationenkonflikt und eine daraus resultierende Diskrepanz der Wertevorstellungen. Hinter diesen Filmen steckt jedoch weitaus mehr als nur die Idee des Filmemachers Ozu. Das Alter genießt in der asiatischen Kultur einen anderen Stellenwert als in der westlichen Kultur Europas und Nordamerikas: "Other traditions, as in China, privilege age - usually old men" (Dietrich 1999, S.184). Für die Analyse würde dies jedoch eine ausführliche Beschäftigung mit der Kulturgeschichte fernöstlicher Länder voraussetzen, damit die Hintergründe, vor denen Ozus Filme entstanden sind, verständlich und vergleichbar werden. Es würde jedoch den Umfang einer solchen Arbeit weit übersteigen und den Schwerpunkt des Themas zu stark vom eigentlichen Ziel abrücken. Daher soll für die später folgende Analyse nur eine eingegrenzte Auswahl an Filmen zur Verfügung stehen. Yasujiro Ozus Werke dürfen in einer Arbeit über die Darstellung des Alters im Film nicht unerwähnt bleiben, doch es ist notwendig, die große Anzahl von rund 200 Filmen auf eine überschaubarere Menge zu reduzieren. Ein Kriterium für die Einschränkung ist somit das Herkunftsland bzw. der Kulturraum, aus dem die Filme stammen - in diesem Fall Europa, Nordamerika und Australien. Die gemeinsame Kultur der entsprechenden Länder macht einen Vergleich zwischen den Filmen erst möglich, da sich die meisten von ihnen auf
Arbeit zitieren:
Axel Degenhardt, 2004, Hauptrolle Alte(r) - die Darstellung des Alters im fiktionalen Film, München, GRIN Verlag GmbH
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