Inhaltsübersicht I
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VII
Vorwort des Autors 01
1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 03
2 Das wirtschaftliche Potential sportlicher Großveranstaltungen 11
3 Kosten-Nutzen Untersuchungen von Fußballweltmeisterschaften 46
4 Auswahl von München Nürnberg als W-MStädte Bayerns 75
5 Interpretation der Ergebnisse 92
Anhang 98
Literaturverzeichnis 110
Eidesstattliche Erklärung 123
Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VII
Vorwort des Autors 01
1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 03
1.1 Problemfeld der Konjunkturstagnation 04
1.2 Konjunkturstagnation in Deutschland 05
2 Das wirtschaftliche Potential sportlicher Großveranstaltungen 11
2.1 Definition von Sportgroßveranstaltungen 13
2.2 Kategorisierung von Fußballweltmeisterschaften 14
2.3 Voraussetzungen für das Wirtschaftspotential einer Fußball-WM 16
2.4 Ökonomische Dimensionen von Fußballweltmeisterschaften 19
2.4.1 Auswirkungen auf den Bausektor 23
2.4.2 Auswirkungen auf den Konsumentensektor 25
2.4.2.1 Inländische Konsumenten 25
2.4.2.2 Ausländische Konsumenten 26
2.4.3 Stadioneinnahmen 29
2.4.4 Einnahmen durch Sportvermarktung 29
2.4.4.1 Prämienzahlungen an teilnehmende Mannschaften 31
2.4.4.2 Sportsponsoring 32
2.4.4.3 Merchandising 33
2.4.5 Sonstige Einnahmequellen der Fußballweltmeisterschaft 35
2.4.5.1 Transportunternehmen 35
2.4.5.2 Unternehmen für Sicherheit und Ordnung 35
2.4.5.3 Steuereinnahmen des Staates 36
2.4.6 Multiplikatorwirkungen 37
2.4.7 Nicht monetäre Wirkungspotentiale 38
2.4.8 Medien 38
2.5 Interesse am Fußballsport 40
Inhaltsverzeichnis III
2.6 Zielgruppen der Fußballweltmeisterschaft 42
2.7 Kritisches Fazit über das Wirtschaftspotential 44
3 Kosten-Nutzen Untersuchungen von Fußballweltmeisterschaften 46
3.1 Ex-Ante versus Ex-Post Analysen 48
3.1.1 Ex-Ante Analysen 48
3.1.2 Ex-Post Analysen 48
3.2 Kosten-Nutzen Analyse 51
3.2.1 Definition der Kosten-Nutzen Analyse 51
3.2.2 Vorgehensweise in der Untersuchung 52
3.3 Evaluierungsstudien zur Fußballweltmeisterschaft 2006 56
3.3.1 Machbarkeitsstudie nach Rahmann et al. 56
3.3.2 Weitere Studien im Vorfeld zur Fußballweltmeisterschaft 64
3.3.3 Versäumnisse und Fehler der Ex-Ante Studien 69
3.4 Kritisches Fazit 72
4 Auswahl von München Nürnberg als W-MStädte Bayerns 75
4.1 FIFA W-MStadt München 75
4.1.1 München als Wirtschaftsstandort 77
4.1.2 München als Tourismusdestination 78
4.2 FIFA W-MStadt Nürnberg 79
4.2.1 Nürnberg als Wirtschaftsstandort 80
4.2.2 Nürnberg als Tourismusdestination 81
4.3 Eigene Analyse der Wirtschaftlichkeit der FIFA-WM 2006 82
4.3.1 Die marginale Konsumneigung der Haushalte 82
4.3.2 Eventfaktoren der Standorte München und Nürnberg 84
4.3.3 Preiskategorien der W-MStädte 85
4.3.4 Potentielle Einnahmen für München und Nürnberg 86
4.3.5 Verstärkung der Einkommenswirkungen durch Multiplikator 89
4.4 Kritisches Fazit 90
5 Interpretation der Ergebnisse 92
Inhaltsverzeichnis IV
Anhang 98
Literaturverzeichnis 110
Eidesstattliche Erklärung 123
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 01: Wachstumsrate des realen BIP
Abbildung 02: Definition Bruttosozial- Bruttoinlandsprodukt
Abbildung 03: Arbeitslosenquote in Deutschland in
Abbildung 04: Kosten von Arbeitslosigkeit
Abbildung 05: Erwerbslose in Deutschland in Millionen
Abbildung 06: Direkte wirtschaftliche Effekte der WM 2006
Abbildung 07: Modell: Verwertung des Zuschauersports
Abbildung 08: Potentielle Quellregionen der W-MBesucher
Abbildung 09: Zuschauerentwicklung W-MEndrunde
Abbildung 10: Fußball-WM: Ohne wirtschaftliche Erfolgsgarantie
Abbildung 11: Vorgehensweise der KNA-Analyse
Abbildung 12: Neun-Felder Matrix von Rahmann et al.
Abbildung 13: Szenarioanalyse von Rahmann et al.
Abbildung 14: Grafisches Analysemodell nach Rahmann et al.
Abbildung 15: Best-Case - Worst-Case Szenario nach Rahmann et al.
Abbildung 16: Grafisches Analysemodell nach Kurscheidt et al.
Abbildung 17: Host City Poster München
Abbildung 18: Host City Poster Nürnberg
Abbildung 19: Marginale Konsumneigung der deutschen Konsumenten
Abbildung 20: Kriterien zur Erstellung des Eventfaktors
Abbildung 21: Eventfaktor für München und Nürnberg
Abbildung 22: Wahrscheinlichkeitstabelle WM Ticketzuteilung
Abbildung 23: Anteil ortsansässiger Zuschauer in München und Nürnberg
Abbildung 24: Tourismuseinnahmen im Zeitablauf
Abbildung 25: Abdiskontierte Tourismuseinnahmen München und Nürnberg
Abbildung 26: Gesamte Wertschöpfung der WM für München und Nürnberg
Abbildung 27: Die gesamtfiskalischen Kosten von Arbeitslosigkeit
Abbildung 28: Organigramm des OK der WM 2006
Abbildung 29: Führungsstruktur des OK der WM 2006
Abbildung 30: Baukosten der Stadien- und Infrastrukturmaßnahmen
Abbildung 31: Offizielle Partner der FIFA
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 32: Nationale Förderer des DFB
Abbildung 33: Die Spielorte der FIFA WM 2006 in Deutschland
Abbildung 34: Die Konsumneigung deutscher Haushalte (2003)
Abbildung 35: Fortsetzung der Abbildung 34
Abbildung 36: Die Konsumausgaben deutscher Haushalte (2003)
Abbildung 37: Fortsetzung der Abbildung 36
Abbildung 38: Bewertungswertverfahren zur Berechnung des Eventfaktors
Abbildung 39: Fortsetzung der Abbildung 38
Abbildung 40: Klassifizierungsmerkmale des Bewertungsfaktors
Abbildung 41: Preiskategorien der Spielorte der WM 2006
: Die Abbildungen sind im Anhang der Diplomarbeit zu finden
Abkürzungsverzeichnis VII
AIEST Association Internationale d`Experts Scientifiques du Tourisme AG Aktiengesellschaft AL Arbeitslosigkeit BF Bewertungsfaktor BIP Bruttoinlandsprodukt C marginale Konsumneigung dC/dY v Ableitung der Konsumfunktion DFB Deutscher Fußballbund DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag Dipl. Diplom DM Deutsche Mark Dr. Doktor EF Eventfaktor EZG Einzugsgebiet FIFA Fédération Internationale de Football Association HH Haushalte HVB Hypovereinsbank IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IHK Industrie- und Handelskammer I i Inländische Importneigung
IMO Institut zur Modernisierung von Wirtschafts- und Beschäftigungsstrukturen iSe International Sports & Entertainment K
a
Kriteriumsfaktor k
i
Konsumneigung der Inländer KNA Kosten-Nutzen Analysen m
M MW Multiplikatorwirkung N Nachfragequote NGW Nettogegenwartswert OK Organisationskomitee
Abkürzungsverzeichnis VIII
P Wahrscheinlichkeit positiver Ticketzuteilung Prof. Professor t Durchschnittliche Steuerrate TE 2006 WM-induzierte Tourismuseinnahmen gesamt TE RG Tourismuseinnahmen Rahmengäste TE SB Tourismuseinnahmen Stadionbesucher TE ZG Tourismuseinnahmen zukünftiger Gäste TV Television URL Uniform Resource Locator USA United States of America VGR Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen WM Weltmeisterschaft
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 1
Vorwort des Autors
Die Umdeutung der antiken Maxime „Brot und Spiele“ zum Leitmotiv „Brot durch Spiele“, welche dem früheren regierenden Bürgermeister von Berlin Eberhard Diepgen in Verbindung mit der Bewerbung um die Sommerolympiade 2000, zugeschrieben wird, ist auch für die Organisation von
Fußballweltmeisterschaften™ bezeichnend und repräsentativ. 1 Längst geht es bei der Ausrichtung einer Sportgroßveranstaltung, wie beispielsweise der FIFA WM™, nicht mehr alleine um den sportlichen Wettstreit. Kommerzielle Eventwirkungen zur Erzeugung wirtschaftlicher Wachstumsimpulse sollen strategisch gesteuert und gezielt genutzt werden. 2 Die FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006™ soll der lahmen Konjunktur in Deutschland auf die Sprünge helfen. Bereits im Vorfeld des Großereignisses wurden Milliardeninvestitionen getätigt, von denen vor allem die Bauindustrie profitierte, durch Großaufträge für den Neubau von Stadien und den Ausbau der Infrastruktur. Vor allem die Tourismusbranche fiebert im WM-Jahr dem Megaevent entgegen, wenn die „Welt zu Gast bei Freunden“ 3 ist, wie das offizielle Motto verspricht. Die Turniere vergangener Jahre konnten die hohen Erwartungen allerdings nur teilweise erfüllen. Dies hat mich auch dazu veranlasst das Thema „Die Fußballweltmeisterschaft 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation“ zu wählen, um die Wirtschaftlichkeit eines solchen sportlichen Großereignisses in stagnierenden Konjunkturjahren zu untersuchen.
Kontinente, Länder, Städte und Regionen konkurrieren in einer Art Wettbewerb um die Ausrichtung sportlicher Großveranstaltungen, da diese im Multimedia-Zeitalter prestigeträchtige Imagegewinne und ökonomische Auswirkungen nach sich ziehen. 4 So war der Jubelschrei in der Bundesrepublik Deutschland unter Politikern, Funktionären, Unternehmen und Privatpersonen riesengroß, als am
1 Vgl. Schneider, U. (1993), S. 3.
2 Vgl. Kurscheidt, M. (2002), S. 267.
3 Offizielles Motto der Fußballweltmeisterschaft 2006™ in Deutschland.
4 Vgl. Getz, D. (1998), S. 10.
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 2
6. Juli 2000 das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes FIFA in Zürich die Weltmeisterschaft 2006™, nach einem spannenden und intensiven Bewerbungsverfahren, an Deutschland vergab. Deutschland setzte sich bei der Bewerbung für die WM 2006™ nach insgesamt achtjähriger Bewerbungsphase gegen Brasilien, Marokko, England und zuletzt mit zwölf zu elf Stimmen gegen Südafrika durch, die sich ebenfalls für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006 beworben hatten. 5 Infolge dieser Entscheidung für Deutschland wurden in der Bundesrepublik Vorbereitungsmaßnahmen für diese Großveranstaltung getroffen. Diese Maßnahmen haben durch Verflechtungen mit verschiedenen Sektoren der deutschen Wirtschaft weit reichende Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft. Das ehrgeizige und akribische arbeitende Organisationskomitee des DFB 6 , das sich nach der Vergabe der WM an Deutschland um „Kaiser“ Franz Beckenbauer formierte, lässt nichts unversucht die FIFA Fußballweltmeisterschaft™ im eigenen Land ein unvergessliches Megaevent werden zu lassen. Werden in zahlreichen Literaturrecherchen die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit, Rückgang der Binnennachfrage und konjunkturelle Ungewissheiten über das wirtschaftliche Wachstum auf die Sportentwicklungen des Landes beschrieben, so versucht diese Arbeit die möglichen positiven Auswirkungen von Sportevents, speziell der Fußballweltmeisterschaft 2006™ in Deutschland, auf oben genannte Probleme der Volkswirtschaft zu beschreiben. Die in dieser Studienarbeit verwendeten Ausdrücke für die
Fußballweltmeisterschaft™ und deren Umschreibungen 7 sind geschützte Marken der Weltorganisation des Fußballs FIFA, und werden vom Autor als Trademarks = ™ gekennzeichnet.
5 Vgl. Menzel, O. (2005), S. 4.
6 Vgl. hierzu das Organigramm des OK der WM 2006 in Abbildung 28 und 29 im Anhang.
7 Fußballweltmeisterschaft, Weltmeisterschaft, WM, WM-Endrunde, FIFA Weltpokal, World Cup etc.
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 3
1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Problematik der Ausrichtung eines sportlichen Megaevents, der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006™ in Deutschland, in Zeiten von konjunktureller Stagnation. Es stellt sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer solchen Veranstaltung, um die Problematik zu klären, ob staatliche Subventionen zur Organisation des Großereignisses gerechtfertigt sind. Das Ziel der Arbeit ist es, dem Leser die ökonomischen Potentiale zu erläutern, die die Ausrichtung solch einer sportlichen Großveranstaltung mit sich bringen. Darüber hinaus soll analysiert werden, welche wirtschaftlichen Wachstumsimpulse von der
Fußballweltmeisterschaft™ für das gesamtwirtschaftliche Volkseinkommen zu erwarten sind. Basierend auf der Machbarkeits- und Evaluierungsstudie Paderborner Sportökonomen im Vorfeld der WM-Endrunde und weiteren Ex-Ante Analysen wird der Frage nachgegangen, inwiefern ein Megaevent wie die FIFA WM™ positive ökonomische Nutzeneffekte für das Gastgeberland erzielen kann. Am Beispiel der bayerischen Spielorte München und Nürnberg wird untersucht, welche Auswirkungen erhöhte Besucherzahlen und daraus resultierend steigende Konsumausgaben auf das regionale Bruttoinlandsprodukt haben.
Kapitel 1 gibt einen einführenden Überblick über das Problem der Konjunkturstagnation der Bundesrepublik Deutschland. Um die Situation des Gastgeberlandes der Fußballweltmeisterschaft 2006™ genau zu präsentieren werden aktuelle Daten und Fakten des Statistischen Bundesamtes verwendet. Kapitel 2 findet einen pragmatischen Lösungsansatz zur Einteilung der WM-Endrunde in die Kategorien von sportlichen Megaevents. Im Fortgang der Analyse werden die wirtschaftlichen Potentiale des Fußballturniers identifiziert. Die positiven Nutzeneffekte, die den Erfolg oder Misserfolg solch eines sportlichen Großereignisses begründen, werden im Einzelnen in ihrer Theorie beschrieben.
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 4
Kapitel 3 bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit und die Grundlage für die standortspezifische Wirtschaftlichkeitsanalyse der Fußballweltmeisterschaft™ im nachfolgenden Kapitel. Die Theorien und Hypothesen aus dem zweiten Abschnitt über die Nutzeneffekte einer Fußballweltmeisterschaft™ werden hier mit empirischem Zahlenmaterial versorgt und spezifisch auf die Ausrichtung des Fußballturniers in Deutschland 2006 angewandt. Die Hauptquelle dieses Analyseschritts bildet die vom DFB in Auftrag gegebene Evaluierungsstudie von Rahmann und weiteren Sportökonomen.
Kapitel 4 beinhaltet eine Modelluntersuchung des Autors über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Fußballweltmeisterschaft™, speziell auf die bayerischen Standorte München und Nürnberg bezogen. Aufgrund der Aktualität des Themas und der Betrachtung der Problematik aus der Prä-Event Phase der Veranstaltung stellen die behandelten Themen und Untersuchungen teilweise lediglich Analysen mit Modellcharakter dar. Abweichungen von Größen und Parametern können erst im Nachfeld der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006™ festgestellt werden.
1.1 Problemfeld der Konjunkturstagnation
In einer Volkswirtschaft bezeichnet man deren Gesamtsituation als Konjunktur, die folgende Ausprägungen annehmen kann: Stagnation, Rezession und Depression. Als Stagnation bezeichnet man eine Periode ohne Wachstum für die Volkswirtschaft, d.h. der wirtschaftliche Output zwischen zwei Betrachtungszeitpunkten (den so genannten Quartalen) stagniert. 8 Rezession und Depression bleiben in dieser Studienarbeit unbetrachtet. Beleuchtet man die Gründe einer Wachstumskrise näher, so zeigen sich diese als sehr vielfältig. Wenn Angebot- und Nachfrageseite einer Volkswirtschaft nicht im Gleichgewicht sind kommt es zu nachhaltigen Störungen in der Ökonomie, die eine Wirtschaftskrise auslösen können. Die Angebotsseite überwiegt, zum Beispiel durch eine einbrechende Binnennachfrage, d.h. einen starken
8 Vgl. Dieckheuer, G. (2003), S. 437-439.
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 5
Rückgang der Kaufbereitschaft der Konsumenten. Auslöser für diese Degeneration der Nachfrage können negative Erwartungen der Konsumenten über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung sein bedingt durch Naturkatastrophen, Kriegsgefahr, Terroranschläge oder
Rohstoffverknappungen. Auch die Rolle des Staates spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Konsumnachfrage der Haushalte: Erhöht der Staat die Steuern oder senkt er seine Staatsausgaben, so führt dies über einen Multiplikatoreffekt zu einer Verringerung der Gesamtnachfrage. Betrachtet man die Konjunktur einer Volkswirtschaft über einen längeren Zeitraum, so lassen sich zyklische Bewegungen der Volkswirtschaften feststellen, die in vier Phasen zu unterteilen sind: dem Aufschwung, dem Boom, dem Abschwung und der Depression. 9 Die wirtschaftliche Stagnation lässt sich hierbei in die Abschwungsphase einordnen.
1.2 Konjunkturstagnation in Deutschland
Diese Studienarbeit betrachtet die wirtschaftliche Situation ab 1992. Zu diesem Zeitpunkt spielte Deutschland das erste Mal mit dem Gedanken die Fußballweltmeisterschaft 2006™ ins eigene Land zu holen. 10 Nach Abgabe der Bewerbungsunterlagen an die FIFA geriet die Bundesrepublik Deutschland in eine Wachstumskrise, da externe Einflüsse für einen Rückgang der wirtschaftlichen Dynamik sorgten. Seit Beginn der 90er Jahre weist die Volkswirtschaft in Deutschland lediglich moderate Wachstumsraten auf; eine Abschwächung dieser wurde, ausgehend vom drastischen Anstieg der Ölpreise, durch den deutlichen weltweiten Konjunkturabschwung verstärkt. 11 Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase lang anhaltender Schwäche. Seit Mitte des Jahres 2000 ist die Konjunktur durch einen Wechsel von rezessiven und stagnativen Tendenzen und allenfalls verhaltenen Erholungsphasen gekennzeichnet. Dabei ging die gesamtwirtschaftliche
9 Vgl. Dieckheuer, G. (2003), S. 400f.
10 Vgl. o.V. (2006a).
11 Vgl. Bundesministerium der Finanzen (2002), S. 13.
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 6
Kapazitätsauslastung fortwährend zurück. Die Konjunkturflaute schlug immer mehr auf den Arbeitsmarkt durch. So hat sich der Beschäftigungsabbau in den vergangenen Jahren spürbar beschleunigt, und die Zahl der Arbeitslosen in die Höhe schießen lassen.
Das Bruttoinlandsprodukt erfuhr von 1991 bis 2004 zwar eine Steigerung von insgesamt 45 Prozent, zieht man die Preissteigerungsraten von diesem Zuwachs ab, so bleibt „nur“ ein reales Wachstum von 18 Prozent. 12 Betrachtet man dann insbesondere die Wachstumsraten des BIP des neuen Jahrtausends so versteht man sehr wohl die Thematik der bundesdeutschen Konjunkturflaute. Nachfolgende Grafik veranschaulicht den moderaten Verlauf der Änderungsraten des Bruttoinlandsproduktes.
Abbildung 1: 13 Eigene Darstellung. Die blaue Linie zeigt das durchschnittliche Wachstum des realen BIP der letzten 13
12 Vgl. Statistisches Bundesamt (2005).
13 Vgl. Statistisches Bundesamt (2005).
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 7
Abbildung 2: 14 Eigene Darstellung: Definition des Bruttosozial- und Bruttoinlandsproduktes.
Zu den größten sozialen Problemen in Deutschland zählt seit über 25 Jahren die Arbeitslosigkeit. Folgende Grafik lässt erkennen, dass die Arbeitslosenzahlen zwar konjunkturellen Wellenbewegungen unterliegen, insgesamt aber stetig gestiegen sind. 15
14 Vgl. Hewel, B. et al. (2001), S. 173-216, Dieckheuer, G. (2003), S. 9-12.
15 Vgl. Franz, W. (2003), S. 351-364.
16 Vgl. Statistisches Bundesamt (2004a).
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 8
In den alten Bundesländern wurden 1980 im Jahresdurchschnitt noch knapp eine Million Arbeitslose gezählt, diese Zahl ist für Gesamtdeutschland im Jahr 2004 auf 4,4 Millionen angestiegen. 17 Als hohe Bürde für den Staat zählen die Folgen von Arbeitslosigkeit, in individueller, gesellschaftlicher sowie in fiskalischer Hinsicht. Letztere setzen sich zusammen zum einen aus den Mehrausgaben der Sozialversicherungsträger und der öffentlichen Haushalte, zum anderen kommt es infolge der Unterbeschäftigung zu Mindereinnahmen. Folglich entsteht ein Ungleichgewicht: Dem steigenden Finanzbedarf steht also eine verschlechterte Einnahmesituation gegenüber. Infolge von
Massenarbeitslosigkeit ergeben sich Verluste im Steuersystem durch das Wegfallen von Lohn- und Einkommenssteuer. Die Kommunen der Bundesrepublik sind durch die finanziellen Mehrbelastungen stark betroffen. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) summierten sich 2004 die gesamtfiskalischen, direkten und indirekten Kosten der Arbeitslosigkeit auf rund 85,6 Milliarden Euro. 18
17 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2004), S. 38.
18 Vgl. Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (2005).
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 9
Abbildung 4: 19 Eigene Darstellung in Anlehnung an IAB: Verteilung der gesamtfiskalischen Kosten von Arbeitslosigkeit auf die Kostenverursacher.
Gestützt wurde die deutsche Konjunktur allenfalls durch die starken Exporte in andere Nationen. Die Binnennachfrage jedoch tendiert dahingegen schon seit Jahren zu einem schwachen Verlauf, der private Konsum stagniert. Sah es Ende 2004 noch so aus, als könnte Deutschland sich aus der Stagnation befreien, so setzte sich 2005 die schwache Grundtendenz der Konjunktur fort. Die massive Nachfrage aus dem Ausland, als Folge eines Aufschwungs der Weltwirtschaft und des günstigen Euro-Dollar Kurses, ließ den Investitionsmotor anspringen, jedoch kam der private Konsum - als wichtigste Verwendungskomponente des BIP - immer noch nicht auf die Beine. 20 Die Konsumentenstimmung ist durch die desolate Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt als trostlos zu beschreiben.
19 Vgl. Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (2005).
20 Vgl. Bundesministerium der Finanzen (2004).
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 10
Die Zukunftserwartungen für die deutsche Wirtschaft sind durchaus nicht als negativ zu betrachten. Weiterhin werden die deutschen Exporte als wichtigste Stütze der Konjunktur wirken. Eine Belebung des privaten Konsums ist ebenfalls zu erwarten, gestützt durch das Vorziehen von Käufen aufgrund der avisierten Mehrwertsteueranhebung 2007 sowie erwartete Nachfrageimpulse der Fußballweltmeisterschaft™ im Sommer. Im Jahresdurchschnitt 2006 dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt um 1,7% steigen, unter Berücksichtigung der geringeren Arbeitstagezahl kalenderbereinigt sogar um 1,9%. 21 Da das Trendwachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion derzeit bei 1% liegt, wird der gesamtwirtschaftliche Auslastungsgrad spürbar zunehmen. Trotz alledem wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt nur schleppend verbessern.
Abbildung 5: 22 Eigene Darstellung: Verlauf der Arbeitslosenzahlen in den letzten 13 Jahren.
21 Vgl. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) (2006), S. 1-25.
22 Vgl. Statistisches Bundesamt (2004b).
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 11
2 Das wirtschaftliche Potential sportlicher
Großveranstaltungen
Unterhaltung, Erlebnisgesellschaft und Showbusiness haben sich zu Schlagworten unserer Zeit entwickelt, die auch der Sport aufgegriffen hat. 23 Die Aussage „Entertainment - not autos, not steel, not financial services - is fast becoming the driving wheel of the new world economy“ 24 unterstreicht die gestiegene Nachfrage der Konsumenten nach Unterhaltungsgütern und dienstleistungen. Eine beträchtliche Anzahl von Besuchern und TV-Zuschauern fragt seit geraumer Zeit Großveranstaltungen unterschiedlicher
gesellschaftlicher Bereiche nach. Insbesondere der Stellenwert des Sports, und somit das Interesse an sportlichen Großveranstaltungen, hat an Bedeutung gewonnen. Sportereignisse wie die Olympischen Spiele und
Fußballweltmeisterschaften™ genießen globale Präsenz in den Medien; der Fokus des Interesses während dieser Veranstaltungen liegt sowohl auf dem sportlichen Wettstreit als auch auf den Austragungsorten. Längst haben hier Einflüsse aus der Unterhaltungsindustrie Einzug gehalten und Sportereignisse zu Events mutieren lassen. 25 Der Sportökonom Markus Kurscheidt, tätig an der Ruhr-Universität Bochum, bezeichnet diesen Wandel als eine „Eventisierung“ der spätmodernen Gesellschaft. 26 Die Tourismuswirtschaft hat seit den 80er Jahren Events in der Größenordnung von Fußballweltmeisterschaften™ als „Chance der zukunftsorientierten Imagestärkung und -beeinflussung für die Destinationen über die mediale Berichterstattung“ 27 erkannt und das Interesse geweckt, diese Art von Veranstaltungen gezielt für die Weiterentwicklung des Tourismus zu nutzen. Dadurch werden regionale und nationale Wachstumsimpulse geschaffen, die die aufwendige Organisation eines sportlichen Großereignisses rechtfertigen. Aber auch auf andere Bereiche der
23 Vgl. Reinfels, M. (2005), S. 46.
24 Wolf, M. J. (1999), S. 4.
25 Vgl. Reinfels, M. (2005), S. 46.
26 Vgl. Kurscheidt, M. (2002), S. 266.
27 Vgl. Kurscheidt, M. (2002), S. 266.
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 12
nationalen Volkswirtschaft nehmen Veranstaltungen wie die
Fußballweltmeisterschaft™ Einfluss. Fußball ist ein attraktives Wirtschaftsgut geworden, das es zu vermarkten gilt. Um die positiven Nutzeneffekte generieren zu können, ist es entscheidend, gewisse Voraussetzungen zu erfüllen. Investitionen in die Veranstaltung und die Organisation spielen dabei eine bestimmende Rolle, um das sportliche Großereignis als Erfolg bezeichnen zu können. Das Interesse an der Austragung eines sportlichen Megaevents ist hoch, was besonders die Entwicklung des Wettbewerbs unter den Bewerbern deutlich macht. Betrachtet man das aktuelle Geschehen um die Vorbereitungsmaßnahmen zur Fußballweltmeisterschaft 2006™ in
Deutschland, so setzte sich nach insgesamt achtjähriger Bewerbungsphase die Bundesrepublik gegen Brasilien, Marokko, England und zuletzt mit zwölf zu elf Stimmen gegen Südafrika durch. 28 Die Bewerbungsunterlagen und die Repräsentation vor der WM kosteten den Veranstalter alleine 400 Millionen Euro. 29 Die Befürworter der Ausrichtung von sportlichen Megaevents plädieren auf die wirtschaftliche Nachwirkung des Sportereignisses, da der Image- und touristische Werbeeffekt global wahrgenommener Events auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung feststellbar ist. Diese Nachhaltigkeit erfährt eine zusätzliche Begünstigung durch den gesteigerten Bekanntheitsgrad und den im Vorfeld des Großereignisses vorgenommenen umfangreichen Verbesserungen der Infrastruktur. 30
Im Folgenden sollen die positiven Nutzeneffekte einer Sportgroßveranstaltung, speziell einer Fußballweltmeisterschaft™, die das wirtschaftliche Potential begründen im Einzelnen beschrieben werden.
28 Vgl. Menzel, O. (2005), S. 4.
29 Vgl. o.V. (2006b).
30 Vgl. Kurscheidt, M. (2002), S. 268.
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 13
2.1 Definition von Sportgroßveranstaltungen
Es lassen sich zahlreiche Definitions- und Klassifikationsbeschreibungen über Großveranstaltungen in der Fachliteratur finden.
Sportliche Megaevents sind dabei als eine spezielle Form von Veranstaltungen zu betrachten. Die Begriffsbestimmung „sportlich“ greift dabei auf die Definition von Sport durch den Europarat - in dessen European Sports Charter (2003)zurück: „’Sport’ means all forms of physical activity which, through casual or organised participation, aim at expressing or improving physical fitness and mental well-being, forming social relationships or obtaining results in competition at all levels.“ 31 Diese Sportevents haben einen begrenzten Zeitrahmen mit festem Anfangs- und Endtermin. Betrachtet man die Vor- und Nachbereitungszeit der Großereignisse und den Zeithorizont sämtlicher ausgehender Wirkungen, so können diese weit über den
Veranstaltungszeitrahmen hinausgehen. 32 Die Regelmäßigkeit der Austragung eines sportlichen Großereignisses, also der Turnus für den jeweiligen Veranstaltungsort, ist ein weiteres äußeres Merkmal. 33 Es gibt einmalig durchgeführte, regelmäßig und unregelmäßig wiederkehrende sportliche Veranstaltungstypen. Die Größe der Veranstaltung ist ein weiterer Punkt um sportliche Großereignisse zu klassifizieren. Dabei greift die Fachliteratur auf drei Kategorien zurück, aufgestellt durch die „Association Internationale d`Experts Scientifiques du Tourisme“ (AIEST): Zuschauer- und Teilnehmerzahl, monetäre Größen wie eingesetzte Mittel und Gewinn und menschliche Bedeutungsmaße, die von der Wertschätzung der Konsumenten - In- und Ausländer - abgeleitet werden. 34 In der englischsprachigen Literatur wird häufig von drei Eventarten gesprochen, den Hallmark-, Special- und Megaevents: 35
31 Zitiert in Gans, P. et al. (2003), S. 82.
32 Vgl. Schneider, U. (1993), S. 116.
33 Vgl. Gans, P. et al. (2003), S. 81.
34 Vgl. Marris, T. (1987), S. 3.
35 Vgl. Hall, C. M. (1992), S. 2ff.
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 14
- Hallmark Events: Es handelt sich um einmalige oder auch wiederkehrende Ereignisse, die veranstaltet werden, um die Attraktivität und Profitabilität von touristischen Reisezielen zu erhöhen, z.B. auf regionaler Ebene ist die „Kieler Woche“ zu nennen, auf nationaler Ebene das „Münchner Oktoberfest“. 36
- Special Events: Politische, kulturelle und sportliche Anlässe sind für diese national, teilweise auch international ausgerichteten
Veranstaltungen die Gründe zur Durchführung. Special Events verstärken das Identifikationsgefühl der Besucher mit dem Veranstaltungsort und dessen Inhalt. Motive den Tourismus zu fördern stehen bei der Organisation dieser Veranstaltung primär nicht im Vordergrund. Als sportliche Beispiele seien die
Fußballeuropameisterschaft™ und die Tour de France genannt. 37
- Megaevents: Olympische Spiele und Fußballweltmeisterschaften™ lassen sich diesem Veranstaltungstyp zuordnen. Megaevents sind Großveranstaltungen mit internationalem Charakter und mit weltweit anerkannten Normen und Werten. 38 Aufgrund internationaler Präsenz in den Medien und enormen Zuschauerzahlen sind ökonomische Effekte auf Volkswirtschaften, insbesondere im Tourismussektor, zu erwarten.
2.2 Kategorisierung von Fußballweltmeisterschaften™
Nach den in Kapitel 2.1 genannten Klassifizierungsmerkmalen von sportlichen Großveranstaltungen ist es nun möglich Fußballweltmeisterschaften™ in die Gruppe sportlicher Megaevents einzuordnen. Diese Art von Ereignis erregt globale Aufmerksamkeit und zieht internationale Besucherströme an. Durch die Mutterorganisation des Fußballs FIFA wird der Veranstaltung ein fixer Zeitrahmen vorgesetzt in dem das Event stattfinden muss. Die
36 Vgl. Ritchie, J.R.B. (1984), S. 2-11.
37 Vgl. Getz, D. (1991), S. 44.
38 Vgl. Rahmann, B. et al. (1998), S. 66.
Die WM 2006™ in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation 15
Fußballweltmeisterschaft™ ist dabei als ein einmaliges Event einzustufen, wenn man bedenkt, dass ein Land erst nach Generationen wieder über eine erneute Organisation nachdenken kann. Dies wird sich in Bezug auf die WM-Endrunden in der Zukunft noch mehr bemerkbar machen, blickt man auf die neuen Vergabestrategien der FIFA: Die Turniere werden demnach nur noch nach einem regionalen Rotationsprinzip ausgeschrieben. Vorteil dieses neuen Vergabesystems ist der Einstieg in relativ wenig erschlossene, wirtschaftlich aber attraktive Märkte, z.B. im asiatischen Raum, sowie die Ausrichtung in Ländern mit Wachstums- und Entwicklungspotential, wie beispielsweise in Afrika. 39 Folglich ergeben sich daraus Erhöhungen des ökonomischen Potentials der FIFA Fußballweltmeisterschaft™, die führende Analysten mit einem geschätzten weltweiten Umsatzvolumen von etwa 4 Milliarden US $ als die wahrscheinlich profitabelste Großveranstaltung der Welt bezeichnen. 40 Die Beliebtheit des Fußballs ist speziell in Deutschland - dem Austragungsort der nächsten Endrunde - ungebrochen und wird als Volkssport betrieben, aktiv wie passiv. Weltweit spielen über 240 Millionen Menschen regelmäßig Fußball, was eine Studie der FIFA im Jahre 2000 aufzeigte. 41 Seit der Fußballweltmeisterschaft™ in Frankreich 1998 nehmen an der WM-Endrunde 32 Nationalmannschaften aus aller Welt teil. Dies entspricht einer Steigerung von 146% im Vergleich zu den 13 Teilnehmern des ersten FIFA-Weltpokals™ in Südamerika. 42 Auf der passiven Seite stehen die Zuschauerzahlen bei Fußballwettkämpfen als Indikator. Seit der ersten Fußballweltmeisterschaft™ 1930 in Uruguay folgen die Besucherzahlen einem ansteigenden Trend. Aus der Einzigartigkeit und dem Status einer Fußballweltmeisterschaft™ ergeben sich multidimensionale Wirkungen auf die Gesellschaft sowie Impulsgebung. 43 Möglichkeiten der nationalen wirtschaftlichen
Fußballweltmeisterschaften™ sind von anderen Megaevents, z.B. den
39 Vgl. Baade, R. A. et al. (2003), S. 341-352.
40 Vgl. Szymanski, S. (2003), S. 1176.
41 Vgl. FIFA (2001).
42 Vgl. FIFA (2006a).
43 Vgl. Rahmann, B. et al. (1998), S. 68.
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Olympischen Spielen, hinsichtlich der induzierten ökonomischen Effekte zu unterscheiden, weil diese gleichermaßen regional wie national ausfallen. 44 Durch die Austragung der Wettkämpfe in acht bis zwölf nationalen Arenen konzentriert sich das Auge des Betrachters auf eine Vielzahl unterschiedlicher Regionen, wohingegen olympische Spiele in der Regel auf eine einzige Stadt als Ausrichter fokussiert sind.
2.3 Vorraussetzungen für das Wirtschaftspotential einer Fußball-WM
Bis zu den Olympischen Spielen von Los Angeles 1984 wurden sportliche Großveranstaltungen von den öffentlichen Kassen getragen. Seit diesem Zeitpunkt werden die Flaggschiffe des globalen Sportgeschäfts,
Fußballweltmeisterschaft™ und Olympische Spiele, zum Dreh- und Angelpunkt ambitionierter Profit- und Profilierungsstrategien für Städte, Regionen und Staaten im globalen Wettbewerb. 45 Darüber hinaus sind im Zuge der industriellen Reorientierung vom fordistischen 46 Produktionssystem zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft Investitionen in Sporteinrichtungen, Sportteams und Sportveranstaltungen zum wichtigen Bestandteil eines auf Service und Konsum basierenden Wirtschaftsmodells spätmoderner Gesellschaften geworden. 47
Fußballweltmeisterschaften™ als eine spezielle Art sportlicher Megaevents sind große öffentliche Projekte mit einem hohen Grad an Externalitäten. Ihre Organisation erfordert sowohl private als auch öffentliche Inputs, betrifft eine
44 Vgl. Rahmann, B. et al. (1998), S. 91. - Bei Olympischen Spielen wirken diese Effekte hauptsächlich regional, da die Spiele an einem Ort ausgetragen werden und nicht wie bei einer Fußballweltmeisterschaft sich über das ganze Land erstrecken.
45 Vgl. Andranovich, G. et al. (2001), S. 124.
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Vielzahl von Interessensgruppen und übt einen beachtlichen Einfluss auf die ökonomische Wohlfahrt aus. 48 Um Nutznießer dieser positiven Nutzeneffekte einer WM-Endrunde zu werden bedarf es der Erfüllung wichtiger Voraussetzungen: Um den Anspruch der Konsumenten gerecht zu werden, in Bezug auf die Qualität und den Erlebniswert der Veranstaltung, sind hohe finanzielle Investitionen notwenig, die zu einem großen Teil von öffentlichen Kassen getragen werden. Diese Investitionen in vielerlei Bereichen in der Prä-Event Phase - zum Beispiel Bau- und Verbesserungsmaßnahmen in der sportlichen und touristischen Infrastruktur - werden erst durch das enge Zusammenwirken von Sport, Wirtschaft, Politik und Medien möglich. Das steigende Engagement von Investoren beruht im Wesentlichen auf den erwarteten positiven Nutzeneffekten, die von solchen Megaevents in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Teilbereichen ausgehen und sich auf die lokale und regionale Tourismuswirtschaft, auf Unternehmen unterschiedlichster Branchen, auf die Haushalte aus den Veranstaltungsregionen und auf lokale öffentliche Verwaltungen erstrecken. 49 Private Investoren erhoffen sich durch ihre finanzielle Beteiligung an der Organisation der Veranstaltung vielfältige Möglichkeiten individuellen Marketings, die ihnen geboten werden. Das Interesse der öffentlichen Hand an der Subventionierung sportlicher Megaevents liegt an den erwarteten und erhofften positiven regionalwirksamen sozio-ökonomischen Effekten. 50 Die Erreichung von gesetzten Zielsystemen (siehe hierzu auch Kapitel 3.2 dieser Studienarbeit) steht im Vordergrund bei der Planung und Organisation der Veranstaltung. Je nach wirtschaftlicher Situation ist die Entwicklungspolitik eines Landes, die auf soziale und ökonomische Wohlfahrtsziele von Sportgroßveranstaltungen setzt, als möglicher Ausweg aus Perioden wirtschaftlichen Stillstands zu sehen. Allerdings setzen die positiven Effekte einer Sportgroßveranstaltung mediale Präsenz des jeweiligen Ereignisses voraus, um die Zahl der Konsumenten und potentiellen Investoren global um ein Vielfaches zu erhöhen, was in dem Falle
48 Vgl. Kurscheidt, M. (2000), Einleitung
49 Vgl. Gans, P. et. al. (2003), S. 74.
50 Vgl. Gans, P. et. al. (2003), S. 74.
Arbeit zitieren:
Dipl. Kfm. (univ.) Dominik Engel, 2006, Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Stagnation, München, GRIN Verlag GmbH
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