Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: 2
I. Einleitung 3
II. Formen des Militarismus 6
1. Der konservative Militarismus 6
2. Der bürgerliche Militarismus 8
III. Von Preußen über das Kaiserreich in den Krieg: Die Militarisierung
der Bevölkerung. 10
IV. Der wilhelminische Militarismus in der Kunst: Der Hauptmann von
K öpenick 17
V. Schluss 18
VI. Anmerkungsverzeichnis 20
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I. Einleitung
„Mein liebster treuer Freund, Ja! Jetzt geht’s aufs Ganze. Schade, dass es so spät kamgut, dass es nicht später gekommen ist. 1 “ Schrieb Feldmarschall von der Goltz kurz nach dem Kriegsausbruch an einen Kameraden. Wie auch schon Heinrich Mann in seinem Werk „Der Untertan“ (1918) kritisiert, wurde vor allem in der Zeit Wilhelm II. die freiheitlichdemokratischen Prinzipien aufgrund von Weltmachtsbestrebungen und Militarismus missachtet. Offensichtlich bestand nach dem ersten Weltkrieg ein enormer Bedarf an Aufklärung in Bezug auf die Rolle des Militärs innerhalb der Gesellschaft, was die Verkaufszahlen von „Der Untertan“ - 100 000 Exemplare in den ersten sechs Wochen - belegen 2 .
Mit seiner Einstellung war von der Goltz nicht allein. Viele Mitglieder des Offizierkorps teilten seine Meinung, hatten sie doch die lange Zeit des Zuwartens auf den Krieg gehasst. Hinter dieser Einstellung stand das tiefgreifende Welterklärungsmodell des Sozialdarwinismus. Es basiert auf der Überzeugung, dass sich jedes Volk in einem ständigen „Kampf ums Dasein“ befindet und nur das stärkste überleben könne 3 .Der Schweizer Historiker Burckhardt verstand den Krieg als eine „Völkercrisis“, als ein „notwendiges Moment höherer Entwicklung“ und das Volk lerne „seine volle Nationalkraft nur im Kriege […] kennen“ 4 . Der Krieg wurde demnach als „biologische Notwendigkeit“ gesehen, der „biologisch gerecht entscheidet“ 5 , wie Friedrich von Bernhardi emphatisch feststellte.
Diese Beispiele machen deutlich, wie konservative Anschauungen durchaus mit modernen, rechtsradikalen und bürgerlichen Vorstellungen Hand in Hand gehen können und verdeutlichen die Problematik der Definition des Begriffs „Militarismus“: Vor allem Kriegsgegner suchten nach einem Gegenbegriff zu „Pazifismus“, was die politische Instrumentalisierung des Begriffs „Militarismus“ bis heute verkörpert 6 .
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des Militarismus im Kaiserreich und geht auf die Art und Weise ein, wie und inwiefern die Gesellschaft bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges militarisiert wurde. Eine zeitliche Abgrenzung des Phänomens lässt sich hier nicht machen, da der Begriff des Militarismus weit gefächert ist und nur als Begriff an sich
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Anfang des 19. Jahrhunderts aufkam 7 , sich jedoch Abarten schon viel früher zeigten. Zeitlich begrenzt sich die vorliegende Arbeit also auf die Zeit zwischen 1800 und 1914 und auch ausgiebig mit Preußen, welches als imperialistischer Staat maßgeblich an der Gründung des Kaiserreichs beteiligt war und auch den ersten Reichskanzler stellte 8 . Der bisherige Weg der Militarismusforschung beschränkte sich oft auf eine ausgiebige Definition und Differenzierung des Begriffs an sich, wobei die eigentliche Untersuchung der zentralen Ursachen oder Effekte auf die Gesellschaft zu knapp bemessen wurde 9 . So reichen die Definitionen vom Militarismus als „Überbewertung des Militärischen“ 10 , über „Kampf zwischen Zivilisten und militärischen Rivalen um die politische Macht“ 11 bis hin zu einer politischen Haltung, die „den Krieg und die Kriegsvorbereitung als wesentliche Werkzeuge der Außenpolitik und als höchste Form öffentlichen Dienstes ansieht“ 12 .
Das historische Lexikon definiert „Militarismus“ als einen im 19. Jahrhundert aufgekommenen „Kampfbegriff“, der „Entartungen, Gefahren, als notwendig angesehene Erschei-nungsformen oder ein unangemessenes Übergewicht des Militärs in Staat und Gesellschaft zusammenfasst“ und „stets umfassend und unscharf“ gewesen ist 13 . Die Brockhaus Enzyklopädie definiert Militarismus unter anderem als „Verherrlichung des Krieges“ und die „Ausbreitung militärisch-autoritärer Ordnungsformen […] in den zivilen Bereich“ 14 . Des Weiteren definiert Meyers enzyklopädisches Lexikon den Militarismus unter anderem als „Militärverfassung“, in der die „innenpolitische Stabilisierungsfunktion in konservativen Gesellschaften […] der bewaffneten Macht“ zukam 15 . Allein in Anbetracht dieses Ausmaßes an verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten, ist eine spezielle Betrachtung eines besonderen Gebietes erforderlich.
Diese Arbeit wird von einer großflächigen Differenzierung absehen und sich speziell mit zwei innerdeutschen Formen des Militarismus befassen: Dem konservativen und dem bürgerlichen Militarismus. Diese Formen des Militarismus beschäftigen sich vor allem mit den politischen Absichten, die Armee möglichst effektiv einzusetzen, um zum einen, den König gegen einen Putsch und zum anderen, das Reich gegen äußere Bedrohungen - namentlich Frankreich und Russland - zu verteidigen. Anschließend wird diese Arbeit sich mit den Auswirkungen der allgemeinen Wehrpflicht befassen, die ihre Aufgabe darin sah, die „Wehrkraft“ 16 Deutschlands durch die Rekrutierung, Ausbildung und Erziehung der
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jungen Männer zu sichern. Im Anschluss folgt eine Verdeutlichung militärischer Strukturen und Denkweisen innerhalb der Bevölkerung und im zivilen Leben und findet im Kapitel „Der Nationalismus als integrierender Faktor der deutschen Kultur“ seinen Abschluss, wo einer der Hauptgründe für eine derartige Militarisierung des Zivillebens im Kaiserreich genannt wird; die „Volkserziehung“ 17 durch den Nationalismus. Anschließend werden die Effekte militärischer Denkweisen und Überdominanz der Armee mit Hilfe des zeitgenössischen Werkes „Der Hauptmann von Köpenick“ 18 verdeutlicht.
Als Standardwerk kann, in dem speziellen Gebiet der Definitionsfrage, „das historische Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland“ bezeichnet werden, da es von allen hier erwähnten Autoren 19 zu Rate gezogen wurde. Zur speziellen Thematik des bürgerlichen und konservativen Militarismus kann das Werk „Schule der Gewalt“ von Wolfram Wette genannt werden, da es eines der neuesten Werke ist und sich speziell mit den innerdeutschen Militarismuskonflikten beschäftigt. Als Standardwerk lässt sich des Weiteren das Werk von Emilio Willems „der preußisch-deutsche Militarismus“ nennen, welches seinen Schwerpunkt auf die Militarisierung der Bevölkerung und den Nationalismus setzt und sich nicht mit Begriffsdefinitionen aufhält: „Zu viele von ihnen [den Definitionen des Militarismus] dienen lediglich dazu, das Mißfallen von Antimilitaristen zum Ausdruck zu bringen oder spezifische politische Doktrinen zu fördern.“ 20 Aus diesem Grund lassen sich diese beiden Bücher zu Standardwerken zu dem hier behandelten Thema deklarieren.
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II. Formen des Militarismus
1. Der konservative Militarismus
Die Primärvorstellung des Erhalts von Kronentreue und uneingeschränkter Loyalität in der Armee wird als konservativer Militarismus bezeichnet 21 : „Ratio regis suprema lex!“ Lautete das Motto des Offizierkorps. 22 Das preußische Kriegsministerium war ein klassischer Vertreter dieser Einstellung. Es war die zentrale Verwaltungsinstanz der Armee. Fragen zum Etat, zur Friedenspräsenzstärke und zur Ausrüstung und Organisation fielen allein in den Verantwortungsbereich des Kriegsministeriums und hatte in Friedenszeiten den größten Einfluss auf die Entwicklung des Heeres. 23
So gut wie alle Kriegsminister betrachteten es als ihre zentrale Aufgabe, die Armee als Stütze von Staat und Krone zu erhalten und als Machtinstrument für etwaige innenpolitische Konflikte zu etablieren. Sie wurde sogar an einigen Stellen systematisch auf einen Bürgerkriegseinsatz vorbereitet. 24 Der ehemalige Generalstabsoffizier von Stosch erklärte sogar: “Die Revolution in Schlafrock und Pantoffeln ist ebenso heimisch im Vaterland wie damals“ und hob hervor, dass das Bürgertum „mit geringen Ausnahmen gegen das herrschende System“ sei. 25 „Die konservative Binnenstruktur Preußens stützte und sicherte den konservativen Herrschaftskomplex Monarchie, Adel, Militär und Bürokratie - das unterschied Preußen von allen anderen Bundesstaaten.“ 26
Diese Philosophie hatte klare Auswirkungen auf die Rekrutierungspolitik besonders für Offiziere und Unteroffiziere 27 . Der hochkonservative Kriegsminister von Einem brachte dieses 1903 überdeutlich auf einen Punkt, als er dem sozialdemokratischen Parteiführer Bebel offenbarte: „[…] mir ist ein auf königstreuer und religiöser Grundlage fußender Soldat, wenn er auch ein paar Ringe weniger schießt, lieber als ein Sozialdemokrat.“ 28
Speziell in der Jugenderziehung konnte man dieses Phänomen beobachten. Die vormilitärische Ausbildung der Jugend, sollte sie vor der Sozialdemokratie „bewahren“. Die Zielgruppe der Sozialdemokratie, die proletarische Jugend, sollte vielmehr zu den Idealen des national gesinnten Bürgertums hinübergezogen werden. 29
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Diese Einstellung spiegelte sich im Offizierkorps, das sich ausschließlich aus gesinnungsmäßig erwünschten Kreisen zusammensetzte, klar wider. Es bestand ausschließlich aus Vertretern des Adels und des gehobenen Bürgertums. Unteroffiziere wurden demgegenüber primär unter loyalen Kleinbürgern angeworben. Um dieser Vorstellung gerecht zu werden und um das Heer innenpolitisch einsetzen zu können, behinderte das Offizierkorps eine quantitative personelle Aufrüstung und den geplanten Ausbau des Heeres. 30
Hierzu bemerkte der geradezu modernistisch denkende Colmar von der Goltz in seinem Bestseller „Das Volk in Waffen“: „Unter solchen Verhältnissen ist das Kriegführen kaum noch als eine Kunst zu bezeichnen. 31 “ und vertraut auf die Moral der Truppe und ihre überlegene Qualität, auf den elitären Charakter des Offizierkorps, sowie auf das Genius des Feldherrn. 32
Diese elitäre Stellung brachte naturgemäß auch eine Anfälligkeit für Kritik durch die Bevölkerung mit sich. Blätter wie „Simplicissimus“ druckten, freilich unter die Maßgabe der Zensur, Militärkarikaturen, die auf teilweise schmerzhafte Weise die Borniertheit der Offiziere und die militärisch-zivile Interaktion darstellten und verspotteten, die zivilgesellschaftliche Dominanz des Offizierkorps jedoch nie in Frage stellten. 33 Über das Militär „konnte, durfte, sollte […] auch gelacht werden“. 34
Vornehmlich die institutionelle Rolle des Kriegsministeriums zwang es in die konservative Ecke. Unbeteiligt an strategischen Fragen und nicht eingebunden in die operative Planung, war das Ministerium gezwungen, seine Macht in dem ihm unterstellten Bereich zu erhalten. Hier wirkte sich der „polykratische Behördenwirrwarr des Wilhelminismus“ 35 deutlich aus, in dem sich die einzelnen Ressorts ständig bekämpften, da es an übergeordneter Koordination mangelte und es blieb zum Überleben nur die egoistische Verteidigung des eigenen Bereichs. Dem Kriegsminister blieb jedoch jeglicher Einfluss auf die Rüstungspolitik verwehrt. 36
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Arbeit zitieren:
Peter Karin, 2006, Die Militarisierung der Bevölkerung im Kaiserreich, München, GRIN Verlag GmbH
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