„Zwischen Russischer Revolution und Erster Republik”
- Die Tiroler Arbeiterbewegung gegen Ende des „Großen Krieges”
unter besonderer Berücksichtigung der tirolspezifischen Verhältnisse und der
wechselseitigen Beziehungen zum Staatsapparat
Geisteswissenschaftliche Diplomarbeit zur Erlangung
des Magistergrades an der
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Innsbruck, im Februar 1999
eingereicht von
David Schnaiter
Inhaltsverzeichnis:
TEIL I ... 7
EINLEITUNG ... 7
1. Einleitende Worte ... 7
1 ) Vorweggenommene Kritik ... 9
2. Zur Methodologie ... 11
1 ) Vorverständnis ... 11
2 ) Zur Arbeitsmethodik ... 14
Zur Sprache ... 15
TEIL II ... 17
TIROL UND DIE ARBEITERBEWEGUNG ... 17
1. Das Kronland Tirol ... 17
1 ) Demographie ... 17
A Das Verwaltungsterritorium der Statthalterei für Tirol und Vorarlberg ... 19
2 ) Verwaltung ... 20
3 ) Strukturen und Entwicklungsstränge: ... 21
2. Steiniger Boden ... 21
1 ) Die politische Landschaft in Tirol: ... 22
2 ) Zur These der ”Klassenharmonie” in Tirol: ... 23
3. Die Arbeiterbewegung und Tirol ... 24
1 ) Erste Schritte ... 24
2 ) Der Tiroler Klerus und die Sozialdemokratie ... 27
3 ) Landbevölkerung und Arbeiterbewegung ... 28
4 ) Parteipresse und Wahlrechtskampf ... 28
5 ) Die Russische Revolution von 1905 ... 30
6 ) Wahlen ... 31
7 ) Frauenorganisation ... 31
8 ) Schwierigkeiten ... 32
9 ) Institutionen ... 32
10 ) Die Tiroler Arbeitergewerkschaft ... 34
11 ) Vor dem Krieg ... 37
4. Zentren der Arbeiterbewegung in Tirol ... 38
5. Die Christliche Arbeiterschaft ... 39
TEIL III ... 42
BURGFRIEDEN UND HUNGER ... 42
1. Der Burgfrieden ... 42
1 ) Die Tiroler Bewegung und der Burgfrieden ... 45
2. Lebensverhältnisse und Versorgungslage ... 46
1 ) Bevölkerungsverteilung ... 47
2 ) Landwirtschaft ... 48
3 ) Kriegseinflüsse ... 49
A Frauen und Kinder an der Heimatfront ... 49
B Soldaten und Standschützen ... 49
C Der Handel bricht zusammen ... 50
D Die Versorgung des Militärs ... 50
E Die Preissteigerungen ... 51
F Die Versorgungslage ... 51
3. Die Lage der Tiroler Arbeiterschaft ... 52
TEIL IV ... 55
DIE WIEDERBELEBUNG EINGESCHRÄNKTER POLITISCHER AKTIVITÄT 55
1. Das Zurückdrängen der Militärdiktatur ... 55
1 ) Die Ermordung des Ministerpräsidenten ... 55
2 ) Die Nachfolge Kaiser Karls ... 56
3 ) Die Aufhebung der Verordnung Nr. 156 ... 56
4 ) Die Wiedereinberufung des Reichsrates ... 57
5 ) Die Lockerung der Zensur- und Versammlungsrichtlinien ... 57
A „Das verordnete Schweigen” ... 57
B Versammlungsrichtlinien ... 58
6 ) Die Russische Revolution ... 59
7 ) Die Beschwerdekommissionen ... 62
8 ) Der Allerhöchste Gnadenerlaß ... 62
2. Die Versammlungstätigkeit der Tiroler Arbeiterbewegung ... 63
1 ) Themenschwerpunkte der Versammlungen in Innsbruck ... 66
2 ) Grundlegende Positionen der Tiroler Sozialdemokraten ... 69
3 ) Positionen der Behörden zur Arbeiterbewegung ... 71
A Militär ... 71
B Statthalterei ... 71
C Andere ... 72
TEIL V ... 74
FRAUENBEWEGUNG – VORARLBERG – SÜDTIROL/TRENTINO ... 74
1. Die sozialdemokratische Frauenbewegung und der Krieg ... 74
2. Die Vorarlberger Arbeiterbewegung ... 77
1 ) Die wichtigste Figur der Vorarlberger Sozialdemokraten: ... 80
3. „Welschtirol” ... 81
1 ) Das Trentino ... 81
2 ) Der Krieg und Italienisch-Tirol ... 83
3 ) Sozialdemokratie im Trentino ... 85
4 ) Die Irredenta und die „Unerlöste Sozialdemokratie” ... 87
5 ) Politische Einschätzungen gegen Kriegsende ... 92
TEIL VI ... 95
HEXENJAGDEN ... 95
1. Überwachung ... 95
1 ) Anarchisten und Sozialdemokraten ... 95
2 ) Bolschewistische Agitation und Revolutionäre Sozialisten ... 98
3 ) Ein „roter Teufel” ... 103
A Landeck und die Bahn ... 105
4 ) Der Fall Masarich ... 106
2. Maifeiern ... 108
1 ) Der 1. Mai 1917 ... 108
2 ) Der 1. Mai 1918 ... 110
A Verlauf ... 111
TEIL VII ... 117
ZWISCHEN FRIEDENSBEWEGUNG UND HEIMATTREUE ... 117
1. Die Friedensbewegung ... 117
1 ) Internationale und österreichische Friedensbewegung ... 119
2. Der Feind im Inneren ... 123
3. Einflüsse von außen ... 125
TEIL VIII ... 128
DISZIPLINIERUNGSMASSNAHMEN UND STREIKBEWEGUNG ... 128
1. Die Militärdiktatur ... 128
2. Zuckerbrot und Peitsche ... 131
1 ) Die Beschwerdekommissionen ... 131
2 ) Die Militarisierung der Arbeiterschaft ... 132
3 ) Die Militarisierung der Eisenbahner ... 136
A Eisenbahnerstreik an der Innsbrucker Südbahn ... 139
3. Die Metallarbeiter und das Kriegsleistungsgesetz ... 141
4. Die Streikbewegung ... 143
1 ) Der Jännerstreik 1918 ... 147
A Reaktionen ... 148
TEIL IX ... 150
TIROL ZERBRICHT: RADIKALISIERUNG UND DEUTSCHNATIONALISMUS ... 150
1. Die Fragmentierung der Gesellschaft und ihre Hintergründe und Auswirkungen ... 150
1 ) Die Wurzeln dieser sehr strukturellen Konfrontation ... 151
2 ) Die Hintergründe von kreierten Feindbildern ... 152
3 ) Die konkreten Auswirkungen ... 152
A Die Juden und die „Roten Horden” ... 153
B Tirol und die „Walschen” ... 153
C Stadt-Land ... 155
2. Der Fluch des übersteigerten Nationalismus ... 155
1 ) Arbeiterbewegung und Nationalismus ... 156
A Die Tiroler Arbeiterbewegungen und der Nationalismus ... 159
2 ) Die Mittelstandsbewegung ... 160
A Die vereinte Rechte ... 160
B Der Vorläufer ... 161
C Die Gründungsversammlung ... 162
D Gegnerschaft ... 165
E Die Reaktion auf die „Reaktion” ... 166
F Breite Zustimmung und Legitimation ... 168
G Die Statthalterei und die Mittelstandsbewegung – eine belastete Beziehung ... 170
H Die Obrigkeit und die Mittelstandsbewegung ... 171
I Weitere Veranstaltungen ... 172
J Die „Innsbrucker Nachrichten” als Agitator ... 172
3 ) Die Bauernschaft ... 173
A Der deutsche Bauerntag in Innsbruck ... 173
4 ) Antisemitische Tendenzen ... 175
TEIL X ... 177
SCHLUSSTEIL ... 177
1. Nachwort ... 177
Verzeichnis themenrelevanter Personen: ... 181
Abkürzungen: ... 183
Literaturverzeichnis ... 184
Primärquellenverzeichnis ... 186
TEIL I
EINLEITUNG
1. Einleitende Worte
"Der Weg des Landes zur Teilung ... hat ... die Historiographie bei weitem mehr interessiert, als die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen während dieser Schicksalsjahre Tirols."1 Auch die regionale Geschichtsschreibung in Tirol konzentrierte sich jahrzehntelang fast zur Gänze auf die Erörterung der militärischen Aspekte des Großen Krieges, wobei besonders die Untermauerung des Kaiserjägermythos im Vordergrund stand. Erst in den letzten Jahren wurde an der Universität Innsbruck in einer Reihe von Arbeiten auch auf die sozialen Auswirkungen dieser Zäsur in der Geschichte Tirols eingegangen, die einen ganz wichtigen Hintergrund für das Tiroler Selbstverständnis, ebenso wie für aktuelle politische und gesellschaftliche Landesfragen bilden.
Die Schwerpunkte historischer Forschung werden (endlich) mehr auf die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Großen Krieges gesetzt und weniger auf die Militär- und Ereignisgeschichte. Trotzdem steht in diesem Bereich der Struktur- und Alltagsgeschichte nach wie vor jedem Historiker ein weites Feld für seine Forschungen offen.
Die Mittelstandsbewegung, die Herausbildung der ÖVP-Tirol und die Schaffung der Heimatwehr sind in diesem Sinne Themen, derer sich die historische Forschung bereits angenommen hat. Auf die konkreten politischen Auswirkungen, wie zum Beispiel die schon gegen Kriegsende sehr deutlich zutage tretende Radikalisierung der politischen Lager in der Zwischenkriegszeit wurde bisher nur hingewiesen.
Wenig bis gar nicht existieren bis dato spezifische Arbeiten über die Tiroler Arbeiterschaft dieser Zeit und das sozialdemokratische Lager als politischer Gegenpol zur konservativen Rechten. Ausnahmen bilden die Arbeiten von Univ. Prof. Dr. Gerhard Oberkofler und Univ. Prof. Dr. Richard Schober, sowie einige wenige weitere Publikationen.2
Für das bestehende Manko gibt es eine ganze Reihe sehr offensichtlicher Gründe: Im Gegensatz zu Wien hat und hatte die Tiroler Sozialdemokratie und die Linke allgemein einen sehr geringen Wirkungskreis, wenig tatsächlichen politischen Einfluß und eine vergleichsweise kleine Wählerschaft (mit Ausnahme der Landeshauptstadt Innsbruck), was wiederum seine Gründe in den geographischen Gegebenheiten, der sozialen Struktur der Bevölkerung und in mentalitätsgeschichtlich äußerst interessanten Vorbedingungen hat, die im Zuge zukünftiger Forschung noch genauer darzustellen wären. Die Forschungsschwerpunkte blieben daher bisher größtenteils entweder auf Wien beschränkt, oder konzentrierten sich, wie bereits erwähnt, auf das dominante rechtskonservative Lager in Tirol.
Was jedoch für dieses politische Spektrum gilt, gilt natürlich auch für die Sozialdemokratie, nämlich daß sich eine Reihe von Ereignissen der Zwischenkriegszeit noch während des Krieges bereits abzeichnen. Klare politische Fronten kristallisieren sich heraus, nicht nur in Wien sondern auch in Tirol.
Gerade die letzten beiden Kriegsjahre des Ersten Weltkrieges sind vom Ende des Burgfriedens und einer enormen politischen Spannung geprägt. Graf Stürgkh wurde von dem radikalen Sozialdemokraten Friedrich Adler ermordet, der Kaiser ist tot, in Rußland bricht die Revolution aus, beendet die zaristische Herrschaft und bringt einen radikalen Umschwung mit sich, die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk werden zu einem politischen Thema, Frauenwahlrechts-, Friedens- und Streikbewegung werden wieder aktiv, radikale Bewegungen manifestieren sich in imposanter Stärke ganz besonders in Tirol und das bevorstehende Ende der Monarchie wird immer augenscheinlicher.
Der Umgang des Staates mit der Arbeiterbewegung ist zunehmends von Mißtrauen geprägt und verschärft sich angesichts dieser Ereignisse mehr und mehr. Die Angst vor einer Ausweitung der Revolution auf die Mittelmächte und vor groß angelegten Streiks angesichts der fatalen Ernährungslage und der Unzufriedenheit in der Bevölkerung manifestiert sich deutlich.
Eine Unterscheidung zwischen Kommunisten und Sozialdemokratie durch die Behörden wird in diesem Zusammenhang kaum vorgenommen. Die Überwachung, Bespitzelung und Eindämmung jeglicher politischer Aktivität durch die staatlichen Institutionen nimmt zusehends eine zentrale Rolle ein.
Allerdings muß die militärische Leitung aufgrund der Erlässe des neuen Kaisers Machteinbußen hinnehmen, der Allerhöchste Gnadenerlaß Karls, die Wiedereinberufung des Parlaments etc. eröffnen den politisch Aktiven größeren Spielraum. Eine Dichotomie zwischen Repression und Öffnung tut sich auf, die speziell für die Arbeiterbewegung zu einem Balanceakt wird.
- Genug spannender Stoff für eine Arbeit.
Die Akten der Statthalterei Innsbruck als verlängerter Arm Wiens spiegeln diese Entwicklungen in aller Deutlichkeit wieder. Ihnen gilt das Hauptaugenmerk dieser Arbeit. Nach wie vor bietet das Tiroler Landesarchiv in diesem Zusammenhang ein weites Forschungsfeld, das noch große Mengen an Quellen für die Tiroler Geschichtsforschung bereithält und ein enorm wertvolles Instrument zur Aufarbeitung der Tiroler Geschichte darstellt.
Wie stellt sich dieser Umgang Staat (Statthalterei) - Arbeiterschaft/Sozialdemokratie in Tirol dar? Welche Ereignisse und Vorkommnisse sind dokumentiert, was sagen die Quellen aus, und wie sind sie zu interpretieren? Wie ist die Tiroler Arbeiterschaft und die sozialdemokratische Partei Tirols in den letzten Kriegsmonaten zu charakterisieren und einzuschätzen?
Diese Fragen an die Vergangenheit sollen mit Hilfe des Aktenmaterials zumindest in Ansätzen beantwortet werden und wenn möglich eine zusätzliche Grundlage für weitere Forschungen darstellen.
[....]
1 aus dem Vorwort Prof. Schobers zu Pircher: Militär, Verwaltung und Politik in Tirol im Ersten Weltkrieg
2 siehe Literaturverzeichnis
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Dr. David Schnaiter, 1999, Zwischen Russischer Revolution und Erster Republik - Die Tiroler Arbeiterbewegung gegen Ende des "Großen Krieges", Munich, GRIN Publishing GmbH
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