Gliederung
Gliederung.................................................................................................................................. 2
1. Einleitung 4
1.1 Eingrenzung des Themas 5
1.2 Forschungsinteresse 6
2. Hören 8
2.1 Das Ohr 8
2.2 Anatomie und Physiologie des Ohres 8
2.2.1 Das äußere Ohr 9
2.2.2 Das Mittelohr 9
2.2.3 Das Innenohr 9
2.2.4 Der Hörnerv und die zentrale Hörbahn 9
2.3 Sehen vs Hören 10
2.4 Reizüberflutung 11
2.5 Hören in der Sprachwissenschaft 12
3. Emotionen 14
3.1 Wissenschaft und Emotionen 15
3.2 Emotionen in der Sprachwissenschaft 16
4. Kommunikation 18
5. Zuhören 20
5.1 Definition Zuhören 20
5.2 Zuhören als Kulturtechnik 21
5.3 Aktives Zuhören 22
5.4 Gründe zuzuhören 23
6. Hörerhaltung 24
6.1 Inhalt vs Prosodie 24
6.2 Hören Emotionen Verstehen 25
6.3 Hörer vs Sprecher 28
7. Schlussworte 30
8. Literatur 31
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„Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder.
Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, daß dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, daß sie in ihm steckten.
Sie konnte so zuhören, daß ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wußten, was sie wollten. Oder daß Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder daß Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte alles der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, daß er sich gründlich irrte, daß es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und daß er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.
So konnte Momo zuhören!“ Aus „Momo“ von Michael Ende, Seiten 15/16
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Hören und Emotion
Der griechische Philosoph Epiklet sagte: "Gott hat uns zwei Ohren gegeben, aber nur einen Mund, damit wir doppelt soviel hören, wie sprechen." (Heuritsch 2001)
1. Einleitung
In dieser Arbeit beschäftigt sich die Autorin mit menschlicher auditiver Wahrnehmung und dem, diese Wahrnehmung umgebenden emotionalen Umfeld in der face-to-face-Kommunikation 1 .
Auditive Wahrnehmung meint dabei nicht das physiologische Hören, „[…] sondern die Prozesse des Zentralnervensystems, das Gehörte zu erfassen und zu verarbeiten“ (Weber 2005: Seite 22).
Die auditive Wahrnehmung medial vermittelter Kommunikation wird nicht behandelt, da sich sowohl die Hörereignisse, als auch die emotionalen Reaktionen hierbei entscheidend von denen in der persönlichen Kommunikation unterscheiden.
Beim Verfassen dieser Arbeit sah sich die Autorin mit einem Problem konfrontiert: Hören und Zuhören, die innere Haltung der Hörer 2 , Emotionen beim Hören – all das sind Themenbereiche, die schwer objektiv zu beschreiben sind. Emotionales Verhalten ist zwar extern beobachtbar, emotionale Reaktionen und Verfassungen der Hörer jedoch nicht. Daraus folgt, dass viele Thesen und Erkenntnisse dieser Arbeit sich auf subjektive Einschätzungen beziehen, da diese – streng betrachtet – die einzige Forschungsgrundlage bieten (vgl. Schröder 2000: Seite 22).
Eben jenes „Problem“ stellte sich auf der anderen Seite auch als ein Vorteil dar. Obwohl sich die Autorin anhielt, persönliche Erfahrungen und Emotionen zunächst in den Hintergrund zu stellen, war die Bearbeitung des Themas immer wieder Anlass, im eigenen Alltag die Aufmerksamkeit auf das Erleben des Zusammenhangs zwischen „Hören“ und „Emotionen“ zu lenken und dann die in 1 Nicht eingegangen wird dabei auf die Kommunikation Gehörloser. Die in dieser Arbeit vertretenen Meinungen und die dargestellten Thesen beziehen sich in erster Linie und teilweise ausschließlich auf gesprochene menschliche Sprache.
2 Aus Gründen der Lesbarkeit wird in dieser Hausarbeit auf integrierte Sprache verzichtet. Die männliche Form schließt jeweils auch die weibliche mit ein.
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der Literatur vertretenen Meinungen daraufhin kritisch zu betrachten (vgl. Fiehler 1990: Seite 10).
So ist diese Arbeit nun empirisch geprägt – gespeist durch die Hör-Erfahrungen der Autorin. Und obwohl diese sich um Objektivität und intersubjektive Nachvollziehbarkeit bemühte, ist der Leser angehalten, die dargestellten Erkenntnisse stets mit den eigenen Erfahrungen zu vergleichen und auf persönliche, subjektive Richtigkeit hin zu überprüfen.
1.1 Eingrenzung des Themas
Beschäftigt man sich mit dem menschlichen Hören, hat man es mit einem hochkomplexen Thema zu tun.
„Die Effektivität unseres Hörsinns beruht auf dem Funktionieren und Interagieren zahlreicher Strukturen und Prozesse. Der Weg von der Schallaufnahme bis zur zentralen Repräsentation eines akustischen Signals ist gekennzeichnet durch das Zusammenspiel komplexer Netzwerke aus Fasern und Kernen, in denen eine höchst differenzierte Analyse und Verarbeitung der einzelnen Reizparameter erfolgt. Zusätzlich beeinflussen höhere, mentale Faktoren wie Aufmerksamkeit und Gedächtnis die Effektivität des Hörvorgangs. Einiges von diesen Abläufen ist nur unzureichend erforsch und wirft immer noch viele Fragen auf.“ (Weber 2005: Seite 139)
Auch der Bereich „Emotionen“ ist derart umfassend, dass es nahezu unmöglich ist, ihn vollständig zu beschreiben. Zusätzlich dazu, dass der Ausdruck von Emotionen von Kultur zu Kultur, aber auch von Familie zu Familie und dann wieder interpersonell verschieden geprägt ist und sich nach verschiedenen Normen und Regeln vollzieht (vgl. Andersen/Guerrero 1998: Seite 52), bereitet vor allem das persönliche Emotionsempfinden bei der „objektiven“ Untersuchung Schwierigkeiten.
Auf das Hören bezogen: Welche Emotion ein Sprecher hat, äußert sich unter anderem in seiner Sprache. Welche Emotionen ein Hörender hat, äußert sich selten.
So weit möglich, soll in dieser Arbeit untersucht werden, welche Rolle Emotionen bei der Wahrnehmung, der Interpretation und dem Verstehen von sprachlichen Hörereignissen haben. Insbesondere interessiert dabei, in wieweit die emotionale Haltung eines Hörenden Einfluss auf das Hörereignis hat.
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1.2 Forschungsinteresse In diesem Kapitel soll kurz dargestellt werden, warum die Beschäftigung mit dem Zusammenhang zwischen Hören und Emotionen der Autorin als bearbeitenswert erscheint.
„Emotionalität ist – das gilt in der Neurophysiologie und Gedächtnisforschung schon lange als erwiesen – für den kommunikativen Prozess und den Akt des Verstehens konstitutiv und nicht additiv dem Kontext zuzurechnendes Beiwerk.“ (Wilk 2005: Seite 132)
Nicole Wilk stellt den Zusammenhang zwischen Kommunikation und Emotionen als selbstverständlich dar. Dennoch zeigt es sich, dass dieses Wissen bislang nicht in die gängigen modellhaften Darstellungen der Sprachverarbeitung einfließt.
Obwohl es sowohl zur Sprachproduktion als auch zur Sprachrezeption sehr unterschiedliche Modellvorstellungen gibt, die differenzierte Schwerpunkte setzen, ist ihnen eines gemeinsam: Mit dem Einfluss von Emotionen auf die Sprachverarbeitung beschäftigt sich keines dezidiert. In einigen taucht lediglich der Faktor „Aufmerksamkeit“ auf, der wiederum eng mit Emotionen zusammenhängt – grundsätzlich erfährt dieser Zusammenhang jedoch keine tiefgehende Bearbeitung (vgl. Weber 2005: Seite 44 – 62).
Bertram Weber betont in „Auditive Wahrnehmung und Sprachentwicklung“, dass die Verarbeitung von Sprachsignalen auch vom „individuellen Erregungszustand einer Person“ abhängt (vgl. Weber 2005: Seite 61).
„Faktoren wie Ermüdung oder Aufregung beeinflussen die Leistungsfähigkeit eines Individuums, bei mittlerem Erregungsgrad ist die Leistung am besten, schlechter wird sie bei niedrigem (z.B. Langeweile) oder hohem Erregungsgrad (z.B. Stress). Der Erregungsgrad beeinflusst die Verarbeitung von Sprache durch die Interaktion mit der zentralen Exekutive.“ (Weber 2005: Seite 61)
Weber geht dabei jedoch ausschließlich auf quantitative Auswirkungen des „Erregungsgrades“ ein, er sieht dessen Funktion vor allem in der Lenkung der Aufmerksamkeit auf „wichtige Signale“. In wieweit der „Erregungsgrad“, also die emotionale Verfasstheit eines Hörers, bzw. eines Sprechers auch einen qualitativen Einfluss auf die Verarbeitung von Sprache hat, wird nicht beschrieben.
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Ein Grund dafür mag unter anderem sein, dass „der Zusammenhang zwischen auditiven Funktionen und allgemeinen kognitiven Faktoren wie Intelligenz, Konzentrationsvermögen, Aufmerksamkeit etc.“ häufig unbekannt ist (Weber 2005: Seite 104). Auf diesem Gebiet wird demnach in Zukunft noch zu forschen sein.
Diese Arbeit baut, auch ohne „wissenschaftliche Beweise“ auf der Grundannahme auf, dass zwischen Kommunikation und Emotionen und demnach auch zwischen Hören und Emotionen eine enge Verbindung existiert. Des Weiteren geht die Autorin davon aus, dass sich Kommunikation und Emotionen wechselseitig beeinflussen. So wenig Kommunikation umfassend verstanden werden kann, wenn der Faktor Emotion ausgeklammert wird, so wenig können Emotionen vollständig erklärt werden, ohne auf zwischenmenschliche Kommunikation einzugehen (vgl. Andersen/Guerrero 1998: Seite 49).
“Most typically, emotions result from social interaction and interpersonal communication. […]. Indeed, a primary purpose or function of emotion, perhaps the primary purpose, is to communicate feelings and needs to others.” (Andersen/Guerrero 1998: Seite 57/73, Hervorhebung im Original)
Ein weiterer Aspekt zur wechselseitigen Beziehung zwischen Emotionen und Kommunikation soll hier lediglich erwähnt, nicht vertieft werden: Wer spricht, hört sich selbst – nimmt sich also als Sprecher wahr. „Das Hören des Sprechens und Atmens, Bewegens und Verdauens des eigenen Körpers ist eine elementare Selbstvergewisserung; es bewirkt eine Selbstaffektation“ (Wulf 1993: Seite 10). Dass jeder Sprecher auch zu sich selbst spricht und sich selbst zuhört, hat entscheidenden Einfluss auf die Konstitution der Subjektivität eines jeden Menschen.
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2. Hören
Obwohl es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich ist, das menschliche Hören mit all seinen Faktoren umfassend darzustellen, wird im Folgenden ein kurzer Überblick über die Rahmenbedingungen für auditive Wahrnehmung gegeben.
„Watzlawicks Grundaxiom der Kommunikation variierend, könnte man sagen: Man kann nicht nicht hören.“ (Bausinger 1996: Seite 16)
2.1 Das Ohr
Im vorangegangenen Kapitel wurde betont, dass Emotionalität bei der Sprachverarbeitung eine wichtige Rolle spielt. Hier soll nun kurz die anatomische und physiologische Seite des Hörens skizziert werden. Das menschliche Hörorgan ist „ein System aus höchst komplexen und effizient interagierenden Strukturen und Prozessen“ (Weber 2005: Seite 44). Akustische Reize werden differenziert analysiert und verarbeitet, Netzwerke aus Nervenzellen kodieren und verrechnen diese.
„Dies ermöglicht es, uns in unserer akustischen Umwelt auf sehr effektive Weise zurechtzufinden und auch akustisch sehr ’anspruchsvolle’ Signale wie Sprache adäquat zu verarbeiten.“ (Weber 2005: Seite 44)
Zur Strukturierung dieser komplexen Funktionsabläufe unterscheidet man periphere von zentralen Anteilen. Im peripheren Teil werden akustische Signale aufgenommen und zum eigentlichen Hörorgan, der Cochlea weitergeleitet. Als „zentralen Teil“ das Hörens werden diejenigen Prozesse bezeichnet, die „[…] für die Verarbeitung der akustischen Signale in den zentralen Hörbahnen und den kortikalen Hirnregionen sorgen“ (Weber 2005: Seite 23).
2.2 Anatomie und Physiologie des Ohres
Gelangen akustische Reize an das menschliche Ohr, werden sie vom Trommelfell über das Mittelohr zur Hörschnecke, der Cochlea geleitet. Nach der Transformation der mechanischen Wellen in elektrische Impulse gelangen sie über die Hörbahnen ins Gehirn. „Dort findet die auditive Wahrnehmung im engeren Sinne statt“ (v. Deuster 1997: Seite 13).
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2.2.1 Das äußere Ohr Das äußere Ohr leitet den Schall von außen in Richtung des Mittelohrs. Der Gehörgang schützt dabei Trommelfell und Mittelohr vor schädlichen Einflüssen von außen (vgl. Weber 2005: Seite 31).
2.2.2 Das Mittelohr
Im Bereich des Mittelohrs werden die Schallwellen weitergeleitet. Hier erfolgt auch die Umwandlung von Bewegungsenergie mit geringem Druck in Druckenergie mit nur kleinen Bewegungen (vgl. Weber 2005: Seite 31).
2.2.3 Das Innenohr
Das Innenohr nun ist zuständig für die Umwandlung der mechanischen Energie in elektrische Impulse. Diese elektrischen Impulse können dann vom Gehirn weiterverarbeitet werden (vgl. Weber 2005: Seite 32).
2.2.4 Der Hörnerv und die zentrale Hörbahn
Im Hörnerv erfolgt die Kodierung der akustischen Signale, in der zentralen Hörbahn werden diese auditiv verarbeitet (vgl. Weber 2005: Seite 34/35).
Die einzelnen Vorgänge der Verarbeitung akustischer Reize und besonders die Vorgänge in den Bereichen des Hörnervs und der zentralen Hörbahn sind derart komplex, dass sie hier nicht näher erläutert werden können, ohne den Rahmen dieser Arbeit zu sprengen.
Eine Vorstellung davon, wie sensibel das menschliche Ohr ist, liefert das Wissen, dass sich im Innenohr dreimal so viele Nervenzellen und –endungen befinden, wie in den menschlichen Geschlechtsorganen (vgl. Berendt 1996: Seite 76).
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Arbeit zitieren:
Magistra Artium Mirjam Wagner, 2005, Hören und Emotion, München, GRIN Verlag GmbH
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