Es stellt sich die Frage, ob der im Zuge der Bildungsexpansion verfolgte Anspruch Deutschlands, Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen herzustellen, verwirklicht wurde.
Die Gleichberechtigung im Bildungswesen galt und gilt als Grundlage für die gesellschaftliche Emanzipation der Frau. Obwohl sich der ehemals beträchtliche Bildungsrückstand der Frauen in einen leichten Bildungsvorsprung gewandelt zu haben scheint, macht die Sensibilisierung für die verbliebenen, sich möglicherweise verschobenen, Ungleichheiten auf weitere Probleme aufmerksam, die darauf schließen lassen, dass eine Herstellung von Chancengleichheit nur partiell stattgefunden hat und eine grundsätzliche Benachteiligung der Frauen weiter fortbesteht.
Im Folgenden werde ich die themarelevanten Entwicklungen im Bildungssystem nachzeichnen und auf ihre Einflüsse bezüglich der Entwicklung der Chancengleichheit eingehen. Darüber hinaus sind auch noch andere Determinanten wie traditionelles Rollendenken von Bedeutung, deren Relevanz anschließend dargestellt wird. Bei der Betrachtung der belangvollen Entwicklungen und Veränderungen soll deutlich werden, welche Erfolge zu verzeichnen sind und welche Versäumnisse weiterhin bestehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Entwicklung des bundesdeutschen Bildungssystems
Einordnung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die im Zuge der Bildungsexpansion angestrebte Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen in Deutschland tatsächlich erreicht wurde oder ob weiterhin strukturelle Benachteiligungen bestehen. Im Fokus steht dabei die Diskrepanz zwischen erreichten Bildungserfolgen der Frauen und deren Umsetzung in äquivalente berufliche Positionen.
- Entwicklung des bundesdeutschen Bildungssystems
- Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Fächerwahl
- Einfluss traditioneller Rollenbilder auf Bildungs- und Berufswege
- Strukturelle Barrieren beim Übergang von der Bildung in den Arbeitsmarkt
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklung des bundesdeutschen Bildungssystems
Im allgemein bildenden Schulwesen muss man zwischen der Grundschule und den weitergehenden Schulen und Sonderschulen unterscheiden.
Während der Unterricht in der Grundschule keine geschlechtsspezifischen Unterschiede mehr aufweist, jedoch von einem Weiterbestehen von Ungleichheiten bei den stereotypischen Orientierungen an Mädchen und Jungen, speziell durch die Lehrerinnen, gesprochen werden kann, ist bei den weiterführenden Schulen und Sonderschulen zu differenzieren.
In den Haupt- und Sonderschulen ist eine zunehmende Tendenz hin zu reinen Jungenschulen zu erkennen. Gut Zweidrittel der Schüler sind männlich, nur noch vier von zehn Jugendlichen, welche die Schule nach dem Hauptschulabschluss beenden, sind weiblich. Diese Entwicklung steht im Gegensatz zur angeblich besseren Stellung der männlichen Schüler und darüber hinaus auch dem allgemein immer noch geltenden und gegenüber Jungen artikulierten Anspruch entgegen, dass Jungen besser zu haben sein als Mädchen.
Bei der Teilhabe der weiblichen Schüler in den höher qualifizierenden Bildungsgängen der Realschulen und Gymnasien ergibt sich ein ganz anderes Bild. Seit Mitte der 90er Jahre sind mehr als 50% der Schulabgänger weiblich. Hradil spricht in diesem Zusammenhang von einer überproportionalen Nutzung der im Zuge der Bildungsexpansion neu geschaffenen Bildungsmöglichkeiten durch Frauen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Anspruch der Bildungsexpansion auf Chancengleichheit und stellt die zentrale Frage, inwieweit diese für Frauen verwirklicht wurde oder weiterhin Benachteiligungen bestehen.
Die Entwicklung des bundesdeutschen Bildungssystems: Dieses Kapitel analysiert die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Schulwesen, die Verschiebung hin zu einem Bildungsvorsprung von Frauen in höheren Schulformen sowie die persistierende Fächerwahl nach klassischen Rollenbildern.
Einordnung und Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Bildungschancen zwar nivelliert wurden, diese jedoch aufgrund tief verwurzelter traditioneller Geschlechterrollen nicht in gleiche berufliche Chancen münden.
Schlüsselwörter
Bildungsexpansion, Chancengleichheit, Geschlechterrollen, Bildungssystem, Sozialstruktur, Arbeitswelt, Geschlechtsspezifische Orientierung, Fächerwahl, Berufsausbildung, Frauenförderung, Bildungsungleichheit, Rollenverteilung, Arbeitsmarkt, Geschlechterbeziehungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, ob die deutsche Bildungsexpansion ihr Ziel erreicht hat, Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern im Bildungssektor herzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Bildungsentwicklung in Deutschland, geschlechtsspezifische Stereotype in der Schule und Hochschule sowie deren Auswirkungen auf den Übergang in das Berufsleben.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwieweit hat die Bildungsexpansion die Chancenungleichheiten zwischen Männern und Frauen nivelliert und wo liegen heutige Erfolge sowie Versäumnisse?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literaturbasierte Analyse und wertet soziologische Daten und Theorien zum Bildungssystem und zur Sozialstruktur in Deutschland aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Unterschiede zwischen Schulformen, die anhaltende geschlechtstypische Fächerwahl, Probleme in der Berufsausbildung sowie die Auswirkungen traditioneller Rollenbilder in der Arbeitswelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bildungsexpansion, Chancengleichheit, Geschlechterrollen, geschlechtsspezifische Orientierung und der Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt.
Warum erreichen Frauen trotz besserer schulischer Leistungen oft nicht dieselben beruflichen Positionen?
Der Autor führt dies auf das Fortbestehen traditioneller Geschlechterrollen zurück, die Frauen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf benachteiligen und zu stereotypen Fächer- sowie Berufswahlen führen.
Welche Rolle spielen die Institutionen bei der Aufhebung von Geschlechterrollen?
Das Dokument kritisiert, dass Lehrende und Bildungsinstitutionen bisher kaum in der Lage oder qualifiziert sind, aktiv Voraussetzungen zu schaffen, um veraltete Rollenverteilungen erfolgreich aufzubrechen.
- Quote paper
- Christian Blume (Author), 2003, Inwieweit hat die Bildungsexpansion Chancenungleichheiten zwischen Männern und Frauen nivelliert?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74322