Schweden im 11. Jahrhundert -
Studie zu Historia Hammaburgensis ecclesiae
von
Angelika Zojer
Inhaltverzeichnis
1. Einleitung
2. Adam von Bremen
2.1 Die Bedeutung der Historia Hammaburgensis ecclesiae
2.2 Biographie
2.3 Fragestellung zur Historia Hammaburgensis ecclesiae
3. Allgemeiner Hintergrund
3.1 Das Reich
3.2 Das Þing in seiner Funktionsweise und Bedeutung
3.3 Der Wandel der Gesellschaft -von der Stammesgesellschaft zur
Staatengemeinschaft
4. Das Königtum
4.1 Die Aufgaben eines Königs und seine Stellung innerhalb der Gesellschaft
4.2 Der Aufstieg des Königtums
4.3 Die schwedischen Könige des 11. Jahrhunderts
4.3.1 Olof "Skötkonung" Eriksson
4.3.2 Anund Jakob Olofsson
4.3.3 Emund "gamle" Olofsson
4.3.4 Stenkil Ragnavaldsson
4.3.5 Inge den Äldre Stenkilsson
4.3.6 Halsten Stenkilsson
5. Die Christianisierung
5.1 Die Mission
5.2 Die Einstellung der Bevölkerung für und wider die neue Religion
5.3 Das Fortbestehen der alten Religion im Bewusstsein der Menschen
6. Die Schweden im Kampf
6.1 Die Bewaffnung
6.2 Waffenkombination
6.3 Kampfesweise
6.4 Die Schlacht zu Wasser
7. Anmerkungen
8. Verwendete Literatur
1.Einleitung
Das 11. Jahrhundert der schwedischen Geschichte ist eine Zeit des Umbruchs.
Die zentralen Themen sind die Ausformung des Reiches, die Bestimmung des Christentums zur Staatsreligion und die Durchsetzung des Königtums gegenüber den rivalisierenden Mächten der Aristokratie und Kirche.
Das Jahrhundert umfasst die letzten Jahre der Wikingerzeit ebenso wie die Geburt des Staates. Zwei Welten prallen aufeinander, eine vollkommen fremde Lebensanschauung löst die vorhergehende ab.
Die von den Wikingern dominierte Eisenzeit findet ein Ende, die Expansion stoppt ebenso abrupt, wie sie begonnen hat. Das Volk tritt zur neuen Religion über, das Reich entsteht.
Anders als im übrigen Europa wird der Beginn des Mittelalters in Schweden erst mit 1050 datiert.
Die Quellenfunde aus dieser Zeit sind dürftig -das 11. Jahrhundert ist das "Dunkle Jahrhundert" der schwedischen Geschichte.
Im Zentrum dieser Arbeit steht zwar das Schweden des 11. Jahrhunderts, doch wird der zeitliche Rahmen nicht immer eingehalten. Dies schien mir zweckdienlich, da manche Vorgänge sich sehr komplex zeigen, und sich öfter auf Vergangenes beziehen. Auch werden einige Nachwirkungen, die das folgende Jahrhundert betreffen, aufgezeigt.
2. Adam von Bremen
2.1. Die Bedeutung der Historia Hammaburgensis ecclesiae
Einer der wenigen zeitgenössischen Berichte, "Die Hamburgische Kirchengeschichte", wurde von dem Bremer Bischof Adam verfasst. In seinem einzigen Werk beschreibt Adam Leben, Politik und Wirken der Hamburg-Bremer Erzbischöfe. Der Bericht reicht im Wesentlichen bis zum Tod Adalberts. Das Werk muss im Kern um 1076 abgeschlossen gewesen sein.
Besonders auffällig sind die Scholien, Nachträge, die den Zeitraum bis etwa 1080 umfassen.
Im vierten Buch beschreibt Adam die "nördlichen Inseln", wobei er sich vor allem mit der Missionsaufgabe in Skandinavien auseinandersetzt. Es enthält eine erstaunlich detaillierte Beschreibung von geographischen und ethnographischen Fakten. So sind seine Schilderungen über die drei regna Skandinaviens, die er als fixe Größe ansieht, und die vier Völker erstaunlich präzise.a)
Besonders genau beschrieben sind die inneren Verhältnisse Dänemarks und Schwedens und das Werk behandelt den Zeitraum ab den Endjahren des 10.Jh bis ungefähr 1080.
Obwohl es größere Ungereimtheiten, Irrtümer, ja Lücken aufweist, ist es in Anbetracht der Umstände, dass über diese Zeit kaum andere Quellen vorhanden sind, grundlegend. Die Aufzeichnungen sind zwar ein unverzichtbares historisches Instrument, aber das Wissen, dass Adam wahrscheinlich nur Dänemark persönlich gekannt hat, dass also der Großteil seiner Beschreibungen auf Informationen von Kaufleuten, Missionaren, teilweise parteiischen Informationen des Dänenkönigs Svein Estridsson (1047-1076), aber auch verlorenen Schriften über Adalberts Missionsversuch in Schweden basiert, erfordert einen besonders kritischen Umgang.
Zweifellos wurde sein Stil von verschiedenen antiken Werken geprägt, was sich aber auf stilistische Wendungen und politische Begriffe beschränkt. Es ist auszuschließen, dass er ein bestimmtes Werk nachzuahmen versuchte. Die Germania des Tacitus war ihm mit Sicherheit nicht bekannt.
"[...]...bei der Fülle seiner Nachrichten über sonst schriftlose Zeiten und Räume, bei seiner guten Kenntnis des nordgermanischen Wesens und Lebens darf man ihn trotz all seiner Irrtümer mit Fug als den Tacitus Skandinaviens bezeichnen."
2.2. Biographie
Adam wird um 1040 geboren. Eine ostfränkischer Herkunft scheint wahrscheinlich.
Nach einer ausgezeichneten Ausbildung in Bamberg erreicht er 1066/67 Bremen, wo er Leiter der Domschule wird. Trotz anfänglicher Spannungen mit den Einheimischen gelingt es Adam, sich zu etablieren.
Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt, man vermutet aber, dass Adam erst nach 1081 starb.
2.3. Fragestellung zur Historia Hammaburgensis ecclesiae
Die folgende Arbeit bezieht sich vor allem auf das Kapitel 22 des 4. Buches der Gesta Hammaburgensis:
"Es gibt viele Schwedenstämme; sie zeichnen sich durch Waffentüchtigkeit aus, und sind zu Ross ebenso wie zur See hervorragende Kämpfer. Deshalb offensichtlich wird ihre Macht auch der anderen nordischen Völker Herr. Sie haben Könige aus altem Hause, doch deren Gewalt ist vom Willen des Volkes abhängig.
Was alle gemeinsam beschließen, muss er gutheißen, wenn nicht gerade seine Entscheidung als besser erscheint, der sie sich dann zuweilen, wenn auch ungern, fügen. Daheim also erfreuen sich alle der Gleichheit; ziehen sie aber in den Streit, dann leisten sie dem König unverbrüchlich Gehorsam oder auch einem anderen, den der König über sie setzt, weil er kundiger ist als andere.
Doch wenn sie im Kampf in Bedrängnis geraten, rufen sie aus der Menge der Götter, die sie verehren, einen um Hilfe an. Ihm sind sie dann nach dem Krieg verpflichtet, ihn stellen sie über die anderen. Den Christengott aber erklären sie bereits auf allgemeinen Beschluss für mächtiger als die übrigen alle. Andere Götter trögen oft, aber er sei als zuverlässigster Helfer in der Not immer da.
Schol.133 Alles, was bei den Barbaren im persönlichen Leben geschieht, tun sie nach dem Los. Aber auch in Angelegenheiten, die alle angehen, holen sie gewöhnlich die Antwort der Götzen ein, wie man in den Taten des hl. Ansgar feststellen kann"
Ziel der Abhandlung ist es, Adams Bericht kritisch zu interpretieren und mit dem Forschungsstand in Zusammenhang zu bringen.
3. Allgemeiner Hintergrund
[...]
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Angelika Zojer, 2001, Schweden im 11. Jahrhundert - Studie zu Historia Hammaburgensis ecclesiae, Munich, GRIN Publishing GmbH
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