Catilina im Drama Henrik Ibsens - Geschichte oder Historie
von Angelika Zojer
Inhalt:
1. Vorwort
2. Zur Entstehung
3. Zum Inhalt
4. Zur Historizität in der Darstellung von Personen und Handlung
5. Schlussbemerkung
6. Literatur
1. Vorwort
Viele Dichter fanden in der Catilinarischen Verschwörung Stoff, den sie zu einem Drama verarbeiteten. Neben Ferdinand Kürnberger, Alexandre Dumas oder Hendrik van Elvervelt war auch der junge Henrik Ibsen fasziniert von der Gestalt des Catilina. Was aber war der Grund? Kann ein Dramatiker Hans Drexler recht geben, wenn er schreibt:
"Ohne die Selbstverherrlichung Ciceros und die symptomatische Interpretation des Sallust würde Catilina weit unter Aemilius Lepidus rangieren: es war der Putsch eines einmal abgewiesenen, zweimal durchgefallenen, politisch und finanziell ruinierten Kandidaten, der nur deshalb größere Ausmaße annahm und gefährlich wurde, weil der Zündstoff in tanta tamque corrupta civitae bereitlag. Die neuesten Versuche einer Heroisierung Catilinas lohnen m. E. keine Widerlegung." ?
Im Verlauf dieser Arbeit soll ergründet werden, warum, und vor allem wie Ibsen das geschichtliche Geschehen interpretiert, und wie das Werk im Zusammenhang mit historischen Fakten zu sehen ist.
2. Zur Entstehung
Im Winter 1848/ 49 entschließt sich der damals 21jährige Ibsen, sein erstes Drama zu verfassen. In einem an der Südküste gelegenen, 800 Einwohner zählenden Dorf namens Grimstad hat er die letzten sechs Jahre verbracht, um sich, -entgegen seiner Absicht Maler zu werden- durch soziale Umstände gezwungen, zum Apotheker ausbilden zu lassen. Spekulationen des Vaters hatten die ehemals wohlhabende Familie an den Rande des Ruins getrieben. Über diese Zeit schreibt Ibsen im Vorwort zur zweiten Ausgabe seines Erstlingswerks -1874 beschloss Ibsen, sein Jugendstück neu herauszugeben:
"Die Zeit war voll Sturm und Drang. Die Februarrevolution, die Aufstände in Ungarn und anderswo, der Schleswiger Krieg -all das griff mächtig und fördernd in meine Entwicklung ein, wie unfertig sie auch lange danach mochten "
Er schreibt Gedichte, in denen er die Magyaren auffordert, im gerechten Kampf wider die Tyrannen auszuharren und ist in leidenschaftlichem Skandinavismus entbrannt. In seinem autobiographischen Schreiben an P. Hansen bemerkt er:
"Catilina wurde geschrieben in einer kleinen Spießbürgerstadt, wo mir die Möglichkeit nicht gegeben war, dem, was da in mir gärte, Luft zu machen."
Das norwegische Geistesleben der vierziger Jahre des 19.Jh. durchläuft eine idyllische Periode. Während anderswo in Revolutionen Europa erschüttern, scheint in Norwegen alles unverändert. Catilina ist das einzige Werk der norwegischen Dichtung, das diesen Rahmen sprengt. Die verachtende Haltung gegenüber der "guten Gesellschaft", eine revolutionäre Gesinnung also lässt Ibsen schlussendlich Partei für Catilina ergreifen.
Sein erster Versuch, aus der einschnürenden Enge der ländlichen Gesellschaft auszubrechen, ist der Entschluss zu studieren. Während der Vorbereitung auf das examen atrium, die Universitätsreifeprüfung, arbeitet er unter anderem Ciceros "Catilinarische Reden" und Sallusts "Bellum Catilinae" durch.
[...]
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Angelika Zojer, 2002, Catilina im Drama Henrik Ibsens - Geschichte oder Historie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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