Technische Universität Dresden, Institut für Sozialpädagogik
Seminar: „Soziale Beziehungen“
vom 23.11.2004
Geschwisterbeziehungen
von
Karoline Braunsdorf und Dominik Schreiner
Inhalt
1 Merkmale und Definition der Geschwisterbeziehung 3
2 Geschwisterbeziehungen im Lebenslauf 5
2.1 Geburt des zweiten Kindes und frühe Kindheit (ca. 0-6 Jahre) 5
2.2 Mittlere und Späte Kindheit (ca. 7 – 12 Jahre) 7
2.3 Symmetrisches und Asymmetrisches Verhalten in der Kindheit 8
2.4 Das Jugendalter (13 – 18 Jahre) 9
2.5 Die frühen und mittleren Erwachsenenjahre 10
2.6 Geschwister im späten Erwachsenenalter 11
2.7 Geschwister im höheren Alter 12
3 Einzelkinder 14
4 Literaturverzeichnis 17
5 Anhang 18
1 Merkmale und Definition der Geschwisterbeziehung
Geschwisterbeziehungen sind eine besondere Art zwischenmenschlicher Beziehungen. Sie sind einzigartig in unserem Leben da sie mehrere besondere Merkmale aufweisen, die in anderen Beziehungen nicht vorkommen.
Zunächst kann man sich seine Geschwister nicht aussuchen. Diese Eigenschaft trifft nur auf solche Beziehungen zu, die in irgendeiner Art und Weise vorgegeben sind. Beispielsweise die Klassenkameraden in der Schule, die einfach zugeteilt werden oder die Eltern. Dies ist aber noch nicht so kennzeichnend wie die Tatsache, dass die Beziehung zwischen Geschwistern die längste Sozialbeziehung des Menschen ist. „Das Leben mit den Eltern kann vierzig und fünfzig, mit den Geschwistern aber 60 bis 70 Jahre dauern“ (Bank/Kahn 1991, S. 18). Das liegt natürlich hauptsächlich an der Tatsache dass der Altersabstand zwischen Geschwistern in den allermeisten Fällen geringer ist als der zwischen Eltern und Kindern.
Die Geschwisterbeziehung ist ausserdem eine Art von Beziehung, die nicht wie die meisten anderen typische Merkmale aufweist. Eine Liebesbeziehung hat Liebe als Merkmal, eine geschäftliche Beziehung das Geschäft als Ziel.
Bei der Geschwisterbeziehung gibt es Merkmale solcher Art nicht, da die Beziehung ja nicht freiwilliger Natur ist. Typische Merkmale der Geschwisterbeziehung ist deshalb Ambivalenz, Uneinigkeit und Widersprüchlichkeit. Wie später noch gezeigt werden soll, können sich Zeiten der Eintracht mit Zeiten des Streits immer wieder im Laufe des Lebens abwechseln.
Prägende ambivalente Merkmale die sich auf die Widersprüchlichkeit beziehen, können deshalb gleichzeitige Zuneigung und Abneigung, Verbundenheit und Abgrenzung, Hilfe und Rivalität, Unterstützung und Feindseligkeit, Nähe und Distanz, Liebe und Hass sein. Man kann auch noch sehen, dass die Geschwisterbeziehungen eine Art Aggressionskontrolle bieten. Geschwisterbeziehungen können auch dann nicht abgebrochen werden, wenn sich Aggression und Frustration anhäufen. Es muss also eine Lösung gefunden werden
All diese Merkmale jedoch geben noch keine richtige Definition der Geschwisterbeziehung wider, sondern umschreiben sie bestenfalls. Wie könnte man also in unserem Kulturkreis die Beziehung zwischen Geschwistern definieren und was sind überhaupt Geschwister? In unserem Kulturkreis werden Geschwister als Nachkommen derselben Eltern definiert. Geschwisterbeziehungen sind demnach Beziehungen zwischen Personen, die unter diese Kategorie fallen. Als Abweichungen dieses Standards werden andere Arten von Geschwistern gesehen wie etwa Halbgeschwister, Adoptivgeschwister, Quasi-Geschwister, Vettern oder Cousinen (vgl. Kasten 1998, S. 22). Für die vorliegende Arbeit wurde diese Definition als Hintergrund verwendet. In anderen Kulturkreisen jedoch gibt es weiter gefasste Verständnisse des Begriffes Geschwister. „So ist es beispielsweise bei den Fanti, einer westafrikanischen Stammesgesellschaft, üblich, dass sich die Frauen im Alltag als Geschwister bezeichnen. Schwester dürfen sie sich selbst nur dann nennen, wenn sie mit ihresgleichen, d.h. mit anderen weiblichen Stammesangehörigen, zusammen sind. Sie bringen damit zum Ausdruck, dass sie einen Fanti-Mann als Bruder haben. In Anwesenheit des leiblichen Bruders ist es ihnen dagegen verwehrt, die vertraute Bezeichnung Schwester zu verwenden“ (Kasten 1998, S. 23). Um jedoch das Thema etwas eingrenzen zu können, wird hier nur das Verständnis unseres Kulturkreises, d.h. der der westlichen Welt betrachtet.
2 Geschwisterbeziehungen im Lebenslauf
Betrachtet man Geschwisterbeziehungen im Kontext des Lebenslaufs, so erscheinen in verschiedenen Lebensabschnitten verschiedene Verhaltensweisen der Geschwister zueinander. Dies liegt natürlich daran, dass sich in verschiedenen Phasen des Lebens die Prioritäten verändern und verschieben. Die verschiedenen Phasen im Lebenslauf werden im folgenden kurz beschrieben und ihre Rolle für die Geschwisterbeziehung im Besonderen betrachtet.
2.1 Geburt des zweiten Kindes und frühe Kindheit (ca. 0-6 Jahre)
[...]
Arbeit zitieren:
Dominik Schreiner, Karoline Braunsdorf, 2004, Geschwisterbeziehungen, München, GRIN Verlag GmbH
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