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Kollektive Erinnerungen

Titel: Kollektive Erinnerungen

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 28 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Nicole Singler (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

’Das habe ich getan’, sagt mein Gedächtnis. ‚Das kann ich nicht getan haben’ – sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich – gibt das Gedächtnis nach.

Miller beschäftigt sich in seinem Essay „Kollektive Erinnerungen und gesellschaftliche Lernprozesse: Zur Struktur sozialer Mechanismen der >Vergangenheitsbewältigung<“ mit der Frage, unter welchen diskursiven Bedingungen kollektive Erinnerungen entstehen können und ob man an ihnen erkennen kann, ob ein Lernprozess im Hinblick auf die Vergangenheit erfolgreich war oder gescheitert ist. Hierfür spielt die zentrale Fragestellung seines Werkes „Dissens“ eine essentielle Rolle: Was bedeuten Diskurse für individuelle Lernprozesse, können auch Gesellschaften lernen und in welchem Verhältnis stehen Gesellschaft und Individuum in dieser Hinsicht zueinander. Denn um lernen zu können, sind kollektive Erinnerungen notwendig, da man selbst nur selektiv kleine Ausschnitte der Vergangenheit als Erinnerung innehat. Erinnerung ist ebenso selektiv, wie der Akt der Perzeption.
Ob und wie aus der Vergangenheit, aus den Erinnerungen, gelernt wird, hängt immer von der diskursiven Macht der Erinnerungen ab – inwieweit sich eine Erinnerung als Erinnerung diskursiv, also mit Hilfe von Kommunikation, durchsetzen kann.
Die vorliegende Arbeit will versuchen, Millers Ansatz in die neuere Forschung zum Thema Kollektive Erinnerungen einzubetten. Es soll geklärt werden, unter welchen Umständen sich kollektive Erinnerungen wandeln können In diesem Zusammenhang wird intensiv auf das Phänomen der verzerrten Erinnerungen eingegangen.
Es werden neben Millers Aufsatz neuere Quellen herangezogen. Hierdurch soll auch Millers Blick auf die moderne Forschung gerichtet und mit dieser verglichen werden. Beginnen wird diese Arbeit allerdings mit einer Retrospektive in die Vergangenheit, um den auf Halbwachs zurückgehenden Begriff „Kollektive Erinnerungen“ zu erklären.
Im weiteren Verlauf geht es um das Phänomen der verzerrten Erinnerungen, auch als „false memories“ bezeichnet. Hier wird auf aktuelle Forschungen bei Individuen zu diesem Thema ebenso eingegangen, wie auf den Bezug zu kollektiven Erinnerungen.
Nachdem der Blick auf die Bedeutung der Kommunikation für Erinnerungsschreibung gerichtet wird, befasst sich diese Arbeit mit den biologischen Grundlagen, also mit dem Thema, wie Erinnerung im Gehirn verarbeitet wird.
Bevor zuletzt auf die Wandelbarkeit des Gedächtnisses eingegangen wird, soll auch die Bedeutung der Emotion angesprochen werden.
Schlussendlich wird im Fazit auf die Frage eingegangen, welche Bedeutung sich wandelnde Erinnerungen tatsächlich für das Individual- und das Kollektivgedächtnis haben (sollten).

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Maurice Halbwachs hat Kollektive Erinnerungen

a. Die Bedeutung der Gruppe

b. Autobiographisches, historisches und kollektives Gedächtnis

III. False Memories und verzerrte Erinnerungen

a. Selektive Wahrnehmung

b. Mediale Bedeutung

c. Implantierte Erinnerungen

d. Verzerrte kollektive Erinnerungen

IV. Die Bedeutung von Kommunikation

V. Biologische Grundlagen

a. Drei Gedächtnisarten

b. Der Weg der Erinnerungen – Speicherung im Langzeitgedächtnis

c. Schemata und Skripte

VI. Welche Bedeutung haben Emotionen?

VII. Die Gestalt des kollektiven Gedächtnisses

a. Unterschiedliche Wahrnehmung kollektiver Erinnerung

b. Lernen durch kollektive Erinnerungen

VIII. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen kollektiver Erinnerungen und deren Rolle bei gesellschaftlichen Lernprozessen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, unter welchen diskursiven Bedingungen Erinnerungen entstehen, wie sie durch Kommunikation verzerrt werden können und ob daraus resultierende "Lernblockaden" eine erfolgreiche Vergangenheitsbewältigung verhindern.

  • Grundlagen des kollektiven Gedächtnisses nach Maurice Halbwachs
  • Mechanismen der Gedächtnisverzerrung (False Memories)
  • Einfluss von Medien und Kommunikation auf die Erinnerungsbildung
  • Biologische Verarbeitung und Speicherung von Informationen
  • Diskursive Bedingungen und Lernblockaden in der Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

c. Implantierte Erinnerungen

„Vieles, woran wir uns erinnern, ist durch Kommunikation und deren Bestätigung entstanden. Unser Gedächtnis ist so geschmeidig, dass wir vieles importieren können, was wir gar nicht erlebt haben.“30, so Welzer in einem Interview mit der ZEIT.

Die Psychologin Elizabeth Loftus von der University of Washington in Seattle bewies mit einem Experiment, dass es möglich ist, Menschen falsche Erinnerungen einzupflanzen. Loftus bat den Bruder einer 14jährigen männlichen Versuchsperson, dem Jungen verschiedene Anekdoten aus seiner Kindheit zu erzählen, unter anderem auch eine erfundene Erinnerung von einer Begegnung mit einem älteren Herrn in einem Kaufhaus.31

Der Junge konnte sich später selbst an Details zur äußerlichen Erscheinung des Herrn erinnern, war sich sicher, diese Geschichte selbst erlebt zu haben – auch, als der Bruder und die Versuchsleiterin versuchten, dem Jungen zu erklären, dass es sich bei dieser Erinnerung um eine erfundene handelte.

Viel leichter noch lassen sich Erinnerungen durch die oben schon beschriebenen medialen Produkte manipulieren. Loftus zeigte Versuchspersonen Photos aus deren Vergangenheit, unter anderem auch eins von einer Ballonfahrt. Dieses Photo hingegen war manipuliert. Das Gesicht der Versuchsperson war in das Foto hineinmontiert worden. Die Hälfte der Versuchspersonen konnte sich an die nie erlebte Ballonfahrt jedoch deutlich erinnern. Dies passiert, weil die im Gehirn zuständigen Verarbeitungssysteme für Phantasie und das visuelle Verarbeiten überlappen.32 Diese Beispiele zeigen, dass das Gehirn keineswegs ein photographisches Gedächtnis besitzt, welches alle Momente akribisch genau speichert, sondern dass es eben selektiv auswählt, sich den aktuellen Gegebenheiten anpasst.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Thematik der kollektiven Erinnerung und Erläuterung der Relevanz für gesellschaftliche Lernprozesse unter Bezugnahme auf den Essay von Max Miller.

II. Maurice Halbwachs hat Kollektive Erinnerungen: Darstellung des Konzepts des kollektiven Gedächtnisses und der zentralen Bedeutung der sozialen Gruppe als Trägerin von Erinnerungen.

III. False Memories und verzerrte Erinnerungen: Analyse der Entstehung unbewusster Gedächtnisverzerrungen und der selektiven Natur der Wahrnehmung beim Individuum und in der Gesellschaft.

IV. Die Bedeutung von Kommunikation: Untersuchung der Rolle von Sprache und interaktiven Diskursen als essenzielle Faktoren für die Konstruktion von Erinnerungen.

V. Biologische Grundlagen: Erläuterung der neurologischen Speicherprozesse und der Funktion von Schemata und Skripten bei der Informationsverarbeitung im Gehirn.

VI. Welche Bedeutung haben Emotionen?: Analyse des Einflusses emotionaler Gehalte auf die Speicherung oder das Vergessen von Informationen und Erlebnissen.

VII. Die Gestalt des kollektiven Gedächtnisses: Diskussion darüber, wie soziale Konflikte und unterschiedliche Wahrnehmungen die Formung kollektiver Erinnerungen und Lernblockaden beeinflussen.

VIII. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse und persönliche Schlussfolgerung zum Umgang mit verzerrten kollektiven und individuellen Erinnerungen.

Schlüsselwörter

Kollektives Gedächtnis, Erinnerung, Soziologie, False Memories, Kommunikation, Lernblockaden, Vergangenheitsbewältigung, Diskurs, Individuum, Gruppe, Gehirn, Schemata, Emotionen, Wahrnehmung, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die soziologische Perspektive auf kollektive Erinnerungen und deren Einfluss auf gesellschaftliche Lernprozesse.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit deckt die Definition des kollektiven Gedächtnisses, die Entstehung von Fehl-Erinnerungen, den Einfluss von Medien sowie die biologischen und sozialen Bedingungen der Erinnerungsbildung ab.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob und wie Gesellschaften aus der Vergangenheit lernen können und welche Rolle dabei diskursive Macht und kollektive Blockaden spielen.

Welche wissenschaftlichen Ansätze kommen zur Anwendung?

Die Arbeit basiert auf soziologischen Theorien (insbesondere Maurice Halbwachs und Max Miller) sowie ergänzenden Erkenntnissen aus der Psychologie und Neurowissenschaft.

Welche Inhalte werden im Hauptteil thematisiert?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Gedächtnisses, die Analyse von Verzerrungsphänomenen (wie False Memories), die Rolle der Kommunikation und die biologischen Grundlagen des Lernens.

Was sind die wichtigsten Schlagworte der Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind kollektives Gedächtnis, Kommunikation, Lernblockaden, False Memories und Vergangenheitsbewältigung.

Wie unterscheidet sich laut Halbwachs das historische vom kollektiven Gedächtnis?

Das historische Gedächtnis ist eher schriftlich fixiert und beginnt, wo Zeitzeugen fehlen, während das kollektive Gedächtnis eine lebendige Denkströmung innerhalb einer interagierenden Gruppe ist.

Was versteht man in diesem Kontext unter einer "Lernblockade"?

Eine Lernblockade tritt auf, wenn Gesellschaften oder Individuen zwar meinen, aus der Vergangenheit gelernt zu haben, in der Realität jedoch nur ihre Erinnerungen an aktuelle Einstellungen angepasst haben, ohne eine echte Verhaltensänderung zu vollziehen.

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Details

Titel
Kollektive Erinnerungen
Hochschule
Universität Hamburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Oberseminar
Note
1,7
Autor
Nicole Singler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
28
Katalognummer
V74629
ISBN (eBook)
9783638714891
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kollektive Erinnerungen Oberseminar
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nicole Singler (Autor:in), 2007, Kollektive Erinnerungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74629
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Leseprobe aus  28  Seiten
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