Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Was ist Beratung Versuch einer Begriffsbestimmung 4
3. Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung 8
3.1 Die psychoanalytische Annahme eines dynamischen
Unbewussten 11
3.2 Zentrale Charakteristika psychoanalytisch-pädagogischer
Erziehungsberatung 12
4. Fazit 17
5. Literaturverzeichnis 19
2
1. Einleitung
Erziehungsprobleme scheinen ein modernes Alltagsphänomen unserer Gesell- schaft zu sein, denn es bedarf mehr denn je der Klärung von Fragen wie „Was kann ich tun, wenn ich mit meinem Kind nicht mehr zurecht komme?“ oder „Wie kann man die Schwierigkeiten verstehen, mit den Eltern ebenso wie ihre Kinder tagtäglich zu kämp- fen haben?“. Nicht nur in der Fachwelt wird über diese Themen debattiert, auch die Medien schüren Unsicherheiten und propagieren Erziehungshilfen à la „Stille Treppe“, sodass sich Erziehende häufig überfordert fühlen (müssen).
Der Wiener Psychoanalytiker Wilfried Datler (* 1957) greift in seinem Aufsatz „Erziehungsberatung und die Annahme eines dynamischen Unbewußten. Über zentrale Charakteristika psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberatung“ eben jene Erzie- hungsschwierigkeiten auf und hat fünf zentrale Merkmale zusammengestellt, welche für ein Verständnis von psychoanalytischer Beratung von großer Bedeutung sind. Er plä- diert dafür, dass der Einfluss unbewusster Prozesse für die Erschließung von Eltern- Kind-Problemen keineswegs außer Acht gelassen werden darf bzw. Erziehungsproble- me von einem psychoanalytischen Standpunkt aus betrachtet werden sollten.
Zunächst werden in dieser Ausarbeitung Grundzüge allgemeinen Beratungshan- delns dargestellt, um einen ersten Überblick bzw. Einstieg in das Thema zu ermögli- chen. Im Anschluss daran werde ich konkret auf die psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung eingehen und deren historischen Wurzeln sowie rechtliche Grund- lagen beleuchten. Datlers Auflistung der wichtigsten Charakteristika gibt Auskunft über die Aufgabenstellung und das Verständnis psychoanalytischer Beratung und zeigt wie wichtig die Annahme eines dynamischen Unbewussten für die Beratungspraxis ist.
3
2. Was ist Beratung? – Versuch einer Begriffsbestimmung
Die eigenständige Bewältigung des Alltags gestaltet sich in modernen Gesell- schaften durch die Komplexität verschiedener Handlungs- und Entscheidungsmöglich- keiten in fast allen Lebensbereichen beschwerlicher, was dazu geführt hat, dass der Be- darf an Beratung in den letzten Jahren stark zugenommen hat. 1 Anlässlich dieses so ge- nannten „Beratungsbooms“ stellen sich die Fragen „Was ist Beratung?“ und „Was will oder kann Beratung?“. Demnach bedarf es zunächst einer Eingrenzung des Beratungs- begriffs, bevor ich mich hier in dieser Ausarbeitung vertiefend mit der psychoanaly- tisch-pädagogischen Erziehungsberatung auseinandersetze.
Ausgehend von der mir vorliegenden Literatur erscheint eine konkrete Definiti- on von „Beratung“ schwierig. Es existiert eine Vielzahl an Erklärungen für den Termi- nus, bei denen unterschieden werden muss, ob sie sich auf alltägliches oder aber profes- sionelles Beratungshandeln beziehen.
Der wörtliche Ursprung des Begriffs liegt im Etymon „Rat“, dessen Bedeutung im Alt- hochdeutschen auf vorhandene Mittel oder einen Vorrat an Lebensmitteln zurückzufüh- ren ist. 2 Bezieht man diese Betrachtungsweise auf die Beratungssituation, so lässt sich festhalten, dass der Ratgebende 3 bzw. Berater dem Ratsuchenden sein Repertoire an Wissen, Erkenntnissen und Erfahrungen zugänglich macht und Entscheidungshilfen in problematischen Lebenssituationen offeriert. 4 Beratung ist demnach „eine zielorientierte soziale Interaktion zwischen (mindestens) zwei Personen“ 5 , deren Ziel darin besteht einen der Interaktionspartner zur Selbsthilfe zu befähigen und ist mittlerweile als grund- legende Einflussgröße auf die Lebensgestaltung gesellschaftlich fest verankert. 6
1 Vgl. Dewe (2004), S. 131f.
2 Vgl. Schwarzer/Posse (1986), S.633.
3 Ich verwende durchgehend die männliche Schreibweise, meine aber selbstverständlich die weibliche Form ebenso.
4 Vgl. a.a.O.
5 a.a.O., S. 634.
6 Vgl. a.a.O. und vgl. Dewe (2004), S. 132.
4
Beratungssituationen, ganz gleich ob alltäglich oder professionell, enthalten mindestens einen Ratsuchenden, einen Berater sowie ein Beratungsproblem. Der ideale Ratsuchende ist in der Lage reflektiert mit seinem Problem umzugehen und erkennt, dass er sein Problem ohne Hilfe von außen nicht lösen kann. Er wendet sich an einen Berater und berichtet diesem von seinen Schwierigkeiten. Der Ratgebende wiederum hat stets ein offenes Ohr für die Probleme seiner Klienten und verfügt über hohe Kom- petenzen auf seinem Beratungsgebiet: „Aufgrund seines differenzierten, wissenschaft- lich gesicherten Wissens und seiner reichhaltigen Berufs- und Lebenserfahrung kann er komplexe Probleme strukturieren und differenzieren, Hintergründe aufdecken und Ratschläge für ihre Bewältigung erteilen.“ 7 Den Fokus jedes Beratungshandelns bildet das Beratungsproblem. Der Berater zeigt dem Ratsuchenden neue Wege auf, um bishe- rige Lösungsstrategien zu überdenken und durch neue Entscheidungen oder Handlungen eine kritische Lebenssituation zu verbessern, ohne ihm jedoch vorzuschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat. 8
Hierbei muss noch erwähnt werden, dass zu den grundlegenden Konditionen ei- ner Beratungssituation die Freiwilligkeit der Teilnahme an erster Stelle steht. 9 Im Ein- zelnen bedeutet dies, dass kein Zwang zur Teilnahme besteht, eine bereits begonnene Beratung jederzeit abgebrochen werden kann und der Berater Glaubwürdigkeit reprä- sentieren muss; er „verfolgt nach Meinung der anderen Beratungsteilnehmer keine an- deren als die von ihm angegebenen Ziele.“ 10
Entsprechend der Vielzahl problematischer Subjekt-Umwelt-Beziehungen exis- tieren genauso viele Beratungsanlässe. Sicherlich ist jeder von uns bereits in banalen Problemsituationen als Ratgeber gefordert worden, ohne eine derartige Profession vor- zuweisen. Beratung ist somit auch als ein alltägliches natürliches Phänomen zu be- schreiben.
Demgegenüber steht die professionelle Beratung, welche erst dann aufgesucht wird, wenn ein schwerwiegendes Problem durch den Ratsuchenden selbst nicht mehr gelöst 7 Schwarzer/Posse (1986), S. 635.
8 Vgl. a.a.O., S. 635f.
9 Vgl. Dewe (2004), S. 133.
10 a.a.O.
5
werden kann. Zu den bekanntesten Arten professioneller Beratung gehören die Berufs- beratung, Hochschulberatung oder auch Erziehungsberatung
In dieser Ausarbeitung beziehe ich mich auf Beratungsanlässe, in denen Fragen der Erziehung zum Problem werden, da die professionelle Beratung auch ein Teil päda- gogischen Handelns ist. Beratung ist „eine wesentliche Funktion jedes pädagogischen Erziehens“ 11 und „charakteristischer Bestandteil der Tätigkeit des Pädagogen“ 12 . Erzie- hungsberatung ist demnach „als eine Form der Verwendung erziehungswissenschaftli- chen Wissens durch Professionelle zu rekonstruieren, die auf lebensgeschichtliche Prob- lemlagen bezogen ist, deren Bewältigung durch verfügbare Routinen und Ressourcen des Alltagshandelns aus der Sicht der KlientInnen momentan als unmöglich erscheint, weil Informations- oder Kompetenzlücken bestehen.“ 13
Beratung richtet sich aufgrund ihrer mannigfaltigen Anlässe ebenso an verschie- dene Zielgruppen; sie kann als Einzel-, Gruppen- oder auch als Institutionenberatung erfolgen. Professionell pädagogisch-psychologische Beratung fokussiert einzelne Per- sonen (in unserem Fall sind hier die Erzieher gemeint), soziale Gruppen (z.B. Familien) oder Institutionen (z.B. Schulbehörden).
Die Einzelfallhilfe unterstützt den Ratsuchenden bei der Bewältigung einer Problemsi- tuation, während die Gruppenberatung mehreren Ratsuchenden zur Seite steht. Häufig haben die Um-Rat-Fragenden einer Gruppe ein und dasselbe Problem, welches oftmals im Anschluss individuell abgeklärt wird. 14 Die Institutionenberatung im pädagogisch- psychologischem Setting trägt fast ausschließlich zur Verbesserung des Arbeitsklimas einer pädagogischen Institution bei und ist hauptsächlich als „Reform- oder Innovati- onsberatung“ 15 zu verstehen.
11 Mollenhauer (1965), S. 58 zit. n. Dewe (2004), S. 135.
12 a.a.O.
13 Dewe (2004), S. 134.
14 Vgl. Schwarzer/Posse (1986), S. 642ff.
15 a.a.O., S. 646.
6
Quote paper:
Antje Ruthert, 2007, Erziehungsberatung und die Annahme eines dynamischen Unbewussten, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Der Begriff des Verbrauchers im nationalen und europäischen Recht
Law - European and International Law, Intellectual Properties
Scholary Paper (Seminar), 38 Pages
Die pädagogische Bewegung am B...
Scholary Paper (Seminar), 22 Pages
Gesetze und Praxis eines umstr...
Termpaper, 17 Pages
Der Verbrauchsgüterkauf unter besonderer Berücksichtigung der Nutzungs...
Law - Civil / Private / Law of Obligation / Property Law
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Die Beobachtung als grundlegende Methode der pädagogischen Diagnostik
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Welche Anforderungen muss der ...
Pedagogy - School System, Educational and School Politics
Termpaper, 19 Pages
Selbstgesteuertes Lernen - Definition, Komponenten, Ansätze
Pedagogy - Pedagogic Psychology
Termpaper, 30 Pages
Möglichkeiten und Probleme bei der Früherkennung von ADHS
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Die Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung bei Kindern
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Intermediate Examination Paper, 25 Pages
Evaluation als Baustein der Qualitätssicherung
Funktionen, Grundformen und Ve...
Pedagogy - School System, Educational and School Politics
Scholarly Research Paper, 21 Pages
Elterliche Sorge nach Trennung und Scheidung der Eltern
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Schriftspracherwerb lese-rechtschreib-schwacher Kinder: Schwierigkeite...
German Studies - Miscellaneous
Examination Thesis, 110 Pages
Rechenschwäche, Rechenstörung, Dyskalkulie
Diagnose
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Termpaper, 11 Pages
Lesen durch Schreiben im Vergleich zum Fibelunterricht
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Grundlagen und wichtige Regelungen des Internetrechts
Communications - Multimedia, Internet, New Technologies
Scholary Paper (Seminar), 48 Pages
Antje Heubel's text Erziehungsberatung und die Annahme eines dynamischen Unbewussten is now available as a printed book
Antje Heubel has published the text Erziehungsberatung und die Annahme eines dynamischen Unbewussten
Antje Heubel has uploaded a new text
Grundlagen und Praxisanwendung
Christina Krause, Bernd Fittkau, Reinhard Fuhr, Heinz-Ulrich Thiel
Adoleszenz als Herausforderung...
Barbara Eckey, Achim Haid-Loh, Karin Jacob
0 comments