Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung 1
2 Motiv 2
2.1. Triebe und Instinkte 2
2.2. Motiv Begriffsbestimmung 2
2.3. Motiventwicklung 4
3 Motivation 6
3.1. Von der Spannungsreduktion zur Motivation ein Abriss 6
3.2. Motivation Begriffsbestimmung 7
3.3. Intrinsische und extrinsische Motivation 8
4.0. Motivationstheorien 11
4.1. Der Motivationsprozess nach Heckhausen 11
4.1.1. Das Leistungshandeln 11
4.1.2. Das Motivationsmodell Heckhausens 12
4.2. Allgemeinpsychologische Konzeptionen 13
4.2.1. Die Flow-Theorie 13
4.2.2. Die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan 14
5.0. Motivation und ihre praktische Umsetzung 18
5.1. Die Lernmotivation 18
5.1.1. Erkenntnisse über die intrinsische und extrinsische Lernmotivation 19
5.2. Zielkonflikte 19
ii
5.3. Motivation und Unterricht 20
5.3.1. Einfluss des Lehrenden durch Fremd- oder Selbstbekräftigung 20
5.3.2. Das Umfeld und die Lehrerpersönlichkeit 21
5.3.3. Die Einführungs- und die Verlaufsmotivation 22
5.4. Methodische Motivationsmöglichkeiten 22
5.4.1. Motivation durch Wettkämpfe 22
5.4.2. Motivation durch Medien 23
6 Schlussbetrachtung 25
Bibliographie: 26
iii
1 Problemstellung
Das Leben eines Menschen besteht aus verschiedenen Verhaltensweisen in unterschiedlichen Situationen. Dabei wird häufig die Frage gestellt, ,,warum […] sich ein Mensch so [verhält], wie er sich verhält’’. 1 Es geht in diesem Sinne um den konkreten Beweggrund, der eine Handlung beziehungsweise eine bestimmte Verhaltensweise eines Individuums hervorbringt. Das heißt, es ist fraglich, wie und warum bestimmte Handlungen motiviert sind. So kostet zum Beispiel das Ausüben eines Hobbys viel Zeit und Mühen; dennoch sind unzählige Menschen dazu bereit, diese auf sich zu nehmen. Sie gehen zum Reiten, Bergsteigen, Schach spielen und vieles mehr. Die Motivation, die hinter diesen Handlungen steckt, interessiert Psychologen und Pädagogen gleichermaßen. Während die Ersteren vermehrt versuchen, zu entschlüsseln, wie Motivation entsteht, nutzen die Pädagogen deren Erkenntnisse, um herauszufinden, wie Motivation gefördert werden kann. Gerade der Bildungssektor profitiert von den Forschungsergebnissen, sodass Motivationstechniken zur Förderung von Lernmotivation eingesetzt werden können. Eine zunehmende Lernmotivation geht mit der Besserung schulischer Ergebnisse und der Verbesserung des Verhältnisses zwischen Lehrern, Schülern und Lernzielen einher. Daher ist die Motivationsforschung für den schulischen Alltag als Zulieferer von Motivationstechniken von entscheidender Bedeutung.
Wegen dieser enormen Bedeutsamkeit für die Pädagogik beschäftigt sich diese Hausarbeit mit der Thematik Motivation. Um klären zu können, wie diese entsteht, ist zunächst eine Begriffsbestimmung von Motivation und, damit im Zusammenhang stehend, Motiv vorzunehmen. Darauf folgend werden verschiedene Theorien von Heckhausen, Deci und Ryan und Csikszentmihalyi vorgestellt, die erklären sollen, wie es zu Motivation und dadurch zu menschlichen Handlungen kommt. Es existiert eine enorme Anzahl verschiedener Modelle zu diesem Thema. Die hier vorgestellte Auswahl wurde aufgrund deren Bedeutung für die Pädagogik getroffen. Weiterhin werden Faktoren aufgezeigt, die ebenfalls die Beweggründe des menschlichen Handelns beeinflussen können. Schlussendlich werden die Folgen der Motivationsforschung für den Unterricht an Schulen kenntlich gemacht und Lösungsversuche zur Motivationsförderung im schulischen Alltag vorgestellt.
1 Heckhausen, 1974, S. 135.
1
2 Motiv
2.1. Triebe und Instinkte
Wenn ein Mensch eine Willenshandlung ausführt, verfolgt er ein konkretes Handlungsziel. Die verschiedenen Handlungsziele, die Menschen erreichen wollen, bestehen allerdings in einer Fülle, die kaum zu überblicken ist. Um sich einen Überblick verschaffen zu können, wurde in der Motivationsforschung versucht, die differierenden Handlungsziele Katalogen mit verschiedenen Oberbegriffen zuzuordnen. Hierbei wurde zwischen Trieben, Bedürfnissen und Instinkten unterschieden. 2 Triebe werden als innere Zustände beschrieben, die bei einem Lebewesen durch ein physiologisches Ungleichgewicht der Bedürfnisse entstehen und auf-grund dessen eine Reaktion folgt. 3 Dahingegen werden Instinkte als ,,vorprogrammierte Handlungstendenzen, die für das Überleben einer Spezies von grundlegender Bedeutung sind’’ 4 erklärt. McDougall hatte den größten Einfluss auf dieses Erklärungskonzept in der Forschung inne. Er ging von einem komplexen Instinktmodell aus, was sich allerdings für die Zukunft nicht als hilfreich erwies, da es nachfolgend zu Listen mit einer Anhäufung verschiedener Triebe oder Instinkte kam. So entstanden sinnlos anheimelnde Instinkte oder Triebe wie der ,,Trieb, möglichst nicht innerhalb der eigenen Plantage einen Apfel zu essen’’. 5 Hier wird deutlich, dass das Triebkonzept nur das zu Erklärende benennt, indem ihm einfach das Wort Instinkt oder Trieb angehängt wird. 6 Dies führt dazu, dass die erklärenden Zuschreibungen als zirkulär empfunden werden, 7 sodass sich unerklärte Verhaltensweisen in ungeklärte Instinktbenennungen wandeln. Trotz dieser Mängel hat die Theorie zu einer abstrahierenden Ordnungsleistung geführt, 8 die die Überlegungen der Forscher auf einen weiteren Weg gebracht hat; dem der Motive.
2.2. Motiv - Begriffsbestimmung
Bei dem Ausdruck Motiv handelt es sich um ein hypothetisches Konstrukt. Ein Motiv lässt sich nicht beobachten, sondern stellt eine gedankliche Hilfskonstruktion dar. 9 Diese ist nötig, um die Beständigkeiten und individuellen Unterschiede, die beim menschlichen Verhalten
2 Vgl. Heckhausen, 1994, S. 136.
3 Vgl. Zimbardo, Ph. G., 2004, S. 505.
4 ebenda, S. 507.
5 Thomae, 1965 b, S.433; zit. in: Rheinberg, 2002, S. 28.
6 Vgl. Rheinberg, 2002, S.28.
7 Vgl. Heckhausen, 1974, S. 137.
8 Vgl, Rheinberg, 2002, S. 24-31.
9 Vgl. Heckhausen, 1974, S. 142.
2
beobachtet werden können, zu erklären. 10 Bei dem Konstrukt des Motivs handelt es sich um einen ,,vermittelnden Faktor zwischen ,Wenn’- und ,Dann’-Aussagen’’ 11 , der dadurch im Gegensatz zu der Theorie der Instinkte oder Triebe nicht zirkulär ist.
Für den Begriff Motiv bestehen einige Definitionsversuche. Hier soll exemplarisch der von Heckhausen vorgestellt werden. Nach ihm bezeichnen Motive ,,Unterschiede zwischen überdauernden individuellen Besonderheiten, die sich in einer bestimmten Grundsituation im Laufe der Entwicklungszeit (Ontogenese) herausgebildet haben’’. 12 Er vertritt die Meinung, dass Menschen unter gleichen Anregungsbedingungen in einer Situation unterschiedlich handeln. Das ist auf individuelle Abweichungen zurückzuführen, die er mit dem Begriff des Motivs kennzeichnet. 13 Weiterhin werden diese in verschiedenen Grundsituationen, denen jeder Mensch begegnet, durch verallgemeinerte Zielvorstellungen und unterschiedliche Handlungserwartungen herausgebildet und variieren in Richtung, Intensität und Ausdauer je nach Individuum. 14 Demnach sind Motive erlernt und nicht angeboren, entstehen aus Erfahrungen der menschlichen Entwicklung, bestehen aus konkreten Zielvorstellungen und Handlungserwartungen und verfestigen sich zu relativ überdauernden Systemen, welche das individuelle Verhalten steuern. 15 Weiterhin sind Motive überdauernde Persönlichkeitsdispositionen, wobei ,,jedes einzelne Motiv […] eine definierte Inhaltsklasse von Handlungszielen’’ 16 umfasst. Zu diesen Inhaltsklassen werden nach der modernen Motivationsforschung ,,Leistung’’, ,,Anschluss’’, ,,Macht’’, ,,Hilfe’’ und ,,Aggression’’ gezählt. Gleichzeitig werden sie in zwei voneinander unabhängige Anreizgewichte einer Situation unterteilt, da jede Handlung einen Erfolg beziehungsweise einen Misserfolg nach sich ziehen kann. Solche Motivtendenzen sind zum Beispiel beim Leistungsmotiv das Erfolgs- versus Misserfolgsmotiv. 17
Von den hier beschriebenen erlernten Motiven sind die leiblichen Bedürfnisse beziehungsweise angeborenen Motive abzugrenzen. Zu diesen gehören Organbedürfnisse wie Hunger, Schlaf und Durst. 18 Sie dienen dazu, die Anpassung des Organismus an die jeweilige Umwelt sicherzustellen und dadurch das Weiterleben zu garantieren.
10 Vgl. Schneider/Schmalt, 1994, S. 23.
11 Heckhausen, 1989, S. 10.
12 Heckhausen, 1974, S. 143.
13 Vgl. ebenda, S. 142.
14 Vgl. Heckhausen, 1977, S. 289.
15 Vgl. Heckhausen, 1974, S. 146-148.
16 Heckhausen, 1989, S. 9.
17 Heckhausen, 1977, S. 296-299.
18 Vgl. Oerter, 1972, S. 95-100.
3
Die hier beschriebenen Verhaltensweisen sind bereits in der genetischen Basis des Menschen abgelegt. 19 Nach Heckhausen zählen aber diese primären Motive nicht zu dem Motivbegriff der Motivationspsychologie, da sie eine ,,komplizierte Zwischenstellung zwischen Bedürfnis und Motiv’’ 20 einnehmen und dadurch nicht mit dem oben erläuterten Motivbegriff vereinbar sind. Bei Motiven handelt es sich somit um Handlungsziele
höherer Art, d.h. für die Aufrechterhaltung der Funktionen des Organismus nicht entscheidend, sie sind nicht angeboren und entwickeln sich erst im Laufe der Ontogenese, sie unterliegen einer Sozialisation und somit den sozialen Normen der ontogenetischen Entwicklungsumwelt. 21
Hieran wird deutlich, dass die Motiventwicklung ein zentrales Element der Motivationspsychologie darstellt.
2.3. Motiventwicklung
Die Klärung der Motiventwicklung soll im Folgenden anhand des Anschlussmotivs ausgearbeitet werden, da an diesem das Schema des Prozesses am deutlichsten zu erkennen ist. Ein Säugling ist auf seine Mutter oder eine andere betreffende Pflegeperson angewiesen, um Vertrautheit, Sicherheit und die Stillung seiner Organbedürfnisse zu erhalten. Diese erste soziale Bindung des Menschen wird, je selbstständiger er sich entwickelt, über die Zeit ausgebaut und auf weitere Personen ausgedehnt. Dabei liefert die Beziehung zur primären Bezugsperson den ersten Grundstein für das spätere Anschlussverhalten. Bei diesem handelt es sich im weiteren Lebensverlauf um ein ,,wiederkehrendes Anliegen’’ 22 , da eine Person immer wieder soziale Kontakte wie Freunde sucht. Demnach strukturiert die erste enge soziale Beziehung spätere ,,soziale Anschlüsse bereits vorweg, aber legt sie nicht unumstößlich fest’’. 23 So kann es bei einem Menschen, der als Kind vernachlässigt wurde, zu der generalisierten Erwartung kommen, dass er von Mitmenschen abgelehnt wird, was sich schließlich in seinem Verhalten äußert, in dem die Angst vor Zurückweisung erkennbar wird. An diesem Beispiel wird deutlich, dass jeder Mensch während seines Lebens individuelle Erfahrungen mit dem wiederkehrenden Anliegen des sozialen Kontaktes erlebt. Hierdurch entstehen individuelle Besonderheiten aus Erfahrungswerten, welche unter dem Begriff Anschlussmotiv 24 zusammengefasst werden. Dieses Schema ist auf verschiedene Grundsituationen übertragbar. Da der Mensch diesen in seiner Entwicklung nicht ausweichen kann, kommt es zu Motivbildungen,
19 Vgl. Schneider/Schmalt, 1994, S. 21-25.
20 Heckhausen, 1989, S. 10.
21 ebenda, S. 9-10.
22 Heckhausen, 1974, S. 146.
23 ebenda, S. 146.
24 Vgl. ebenda, S. 146.
4
die von Person zu Person unterschiedlich sind. 25 Weiterhin unterliegen die Motive durch ihre individuellen Wurzeln dem gesellschaftlichen Wandel, somit dem kulturellen Kontext. Dieser hat sich von einer leistungs- und erfolgsorientierten Gesellschaft der Nachkriegszeit ,,hin zu einem primären Streben nach Wohlbefinden in postindustriellen Dienstleistungsgesellschaften entwickelt’’. 26 So ist es nicht verwunderlich, wenn Menschen in der heutigen Zeit dem Leistungsmotiv in seinen verschiedenen Nuancen einen geringeren Wert zuerkennen als dem Anschlussmotiv. 27 Aber was treibt uns regelrecht an, unsere Motive in Angriff zu nehmen?
25 Vgl. ebenda, S. 146-147.
26 Hofer, 2004, S. 80.
27 Vgl. ebenda, S. 79-81.
5
Arbeit zitieren:
Maria-Carina Holz, 2007, Motiv und Motivation, München, GRIN Verlag GmbH
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