Inhaltsangabe
Inhaltsangabe 2
1. Einleitung 3
2. Grundlagen des sexuellen Missbrauchs an Kindern in der Familie -Definitionen,
Formen, Folgen, Auswirkungen 4
2.1 Definitionen: 4
2.2 Formen: 5
2.3 Folgen: 5
2.4 Auswirkungen: 6
3. Täterstrategien bei sexuellem Missbrauch an Kindern in der Familie 8
3.1 Der Täter: 8
3.2 Kinder die besonders gefährdet sind: 9
3.3 Strategien der sexuellen Annäherung: 10
3.4 Förderung von Täterstrategien durch Institutionen und Personen: 12
3.5 Widerstand des Opfers: 13
4. Rechtliche Grundlagen 14
5. Das Strafverfahren 17
5.1 Anzeigeerstattung: 17
5.2 Nebenklage: 17
5.3 Verfahrensverlauf: 18
5.4 Ermittlungsverfahren: 18
5.5 Zwischenverfahren: 20
5.6 Hauptverfahren: 20
5.7 Zivilrechtliche Möglichkeiten zum Schutz des Kindes bei innerfamiliärem
Missbrauch: 21
5.8 Auswirkung des Strafverfahrens auf das Kind: 22
6. Prävention sexueller Missbrauch 23
6.1 Ebenen der Prävention: 23
6.1.1 Primärprävention: 23
6.1.2 Sekundärprävention: 23
6.2 Präventive Arbeit 24
6.3 Präventionselemente: 26
6.3.1 Nein-Sagen: 26
6.3.2 Berichten: 26
6.3.3 Vertrauen der eigenen Gefühle: 27
6.3.4 Berührungen: 27
6.3.5 Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper: 27
6.3.6 Schlecht und gute Geheimnisse: 28
6.4 Weitere präventive Maßnahmen: 28
7. Studien: Zahlen und Fakten über sexuellem Missbrauch an Kindern 30
8. Fazit 35
9. Literatur 37
Internetrecherche: 38
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1. Einleitung
Anfang der 80er Jahre ist sexueller Missbrauch in Deutschland thematisiert worden. Vor 20 Jahren starteten in den USA aus der Frauenbewegung heraus Programme gegen sexuellen Missbrauch. Erst seit einigen Jahren hat die Bundesrepublik Deutschland erkannt, wie wichtig es ist, gegen dieses Phänomen vorzugehen. Hohe Missbrauchszahlen weisen auf, dass es ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und etwas getan werden muss.
Sexualisierte Gewalt wird zu einem Drittel durch Familienangehörige ausgeübt und zwei Drittel durch Personen aus dem sozialen Umfeld, die das Kind kennt und denen es meist auch Vertrauen schenkt. Bei 75% der Vergewaltigungen ist der Täter dem Opfer bekannt. Der Täter kann durch manipulieren und verschleiern der Taten dafür Sorge tragen, dass im sozialen Nahraum niemand von dem Missbrauch etwas mitbekommt. Die Täter fallen nicht auf, sie kommen aus allen Schichten der Gesellschaft. Es gibt keine eindeutigen Merkmale, die einen Täter ausmachen.
Über die Häufigkeit der sexuellen Übergriffe gibt die polizeiliche Kriminalstatistik und die sozialwissenschaftliche Dunkelfeldstudie Auskunft. Die Dunkelziffer soll ca. 10mal höher sein als die Hellfeldstudie, besonders beim innerfamiliären Missbrauch, wo Scham und Furcht eine Anzeige verhindern. Am häufigsten betroffen sind Kinder, vor allem Mädchen in der Altersgruppe von 5- 18 Jahren. Führen wir uns die Gesetze zu Augen erkennen wir, dass die Strafen nicht in Relation zu den Leiden des Opfers stehen.
Die hohe Dunkelfeldziffer und die Tatsache, das die Täter in der Regel aus dem nahen Umfeld des Opfers stammen, hat uns bewegt, unseren Schwerpunkt der Hausarbeit auf den innerfamiliären Missbrauch an Minderjährigen zu legen.
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2. Grundlagen des sexuellen Missbrauchs an Kindern in der Familie -Definitionen, Formen, Folgen, Auswirkungen-
2.1Definitionen:
„Gemeinsam ist allen Definitionsversuchen, dass zwischen Tätern und Opfern in der Regel ein Gefälle im Hinblick auf Alter, Reife oder Macht besteht und dass es sich um sexuelle Übergriffe handelt, die meistens gegen den Willen des Kindes erfolgen“ (Egle, Hoffmann, Joraschky 2005, S. 12).
Erst seit den 80er Jahren wird der Begriff sexueller Missbrauch als jener wahrgenommen und in der Öffentlichkeit diskutiert. Die Bestimmung des Begriffes sexueller Missbrauch unterscheidet sich in zwei Sachen, nach wissenschaftlicher Studie, sowie ethischen und juristischen Hintergründen, welches zu verschiedenen Definitionsergebnissen führt. Eine häufig angewandte Definition unterscheidet von dem engen und dem weiten Missbrauchsverständnis. Dabei gilt der enge Missbrauch als sexueller Missbrauch mit Körperkontakt und der weite Missbrauch als jede gewaltsame geschlechtliche Handlung ohne Körperkontakt (vgl. Damrow, 2006). In der Gesellschaft wird der Missbrauch als schädigendes Verhalten und als Verstoß gegen soziale Normen gesehen.
Wegen ihrer noch nicht entwickelten geistigen Reife, sind Kinder nicht in der Lage eine sexuelle Beziehung einzuschätzen und angemessen zu Handeln. Kinder können niemals sexuellen Handlungen von Erwachsenen bewusst zustimmen. Das Machtverhältnis vom Erwachsenen gegenüber dem Kind wird ausgenutzt. Das Ausspielen der Machtverhältnisse, das zwingen, nötigen oder überreden von sexuellen Handlungen gegen dessen Willen, sowie das Aufzwingen sexuelle Handlungen zu beobachten oder damit zu belästigen, ist sexuelle Gewalt. Mit Gewalt ist nicht nur körperliche Gewalt gemeint, sondern auch verbale Drohungen, Entzug von Zuneigung und Fürsorge, Schuldgefühle einreden und der Zwang zur Geheimhaltung. Kurz gefasst, Gewalt setzt sich aus körperlicher und psychischer Gewalt zusammen. Häufig ist das Kind über Wochen, Monaten oder Jahren der Macht und Willkür des Täters ausgeliefert.
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2.2 Formen:
Die Formen des sexuellen Missbrauchs an Kindern sind vielfältig. Der Missbrauch in der Familie oder im sozialen Umfeld ist in der Regel fast immer gut vorbereitet mit mehrfachen Missbrauchshandlungen über unterschiedlich lange Zeiträume. Einige dieser Formen sind:
• Das Kind veranlassen, pornographische Zeitschriften, Videos usw. anzusehen oder es zur Produktion solcher Medien auszunutzen
• Der Penis bzw. die Scheide wird am Körper des Kindes gerieben
• Das Kind veranlassen im Beisein des Erwachsenen zu masturbieren
• Das Kind zum Berühren des Erwachsenen veranlassen
• Das Berühren der Genitalien des Kindes
• In die Scheide/ den After des Kindes wird mit Finger, Penis oder Fremdkörper eingedrungen
• Mit dem Kind oralen/ genitalen/ analen Verkehr ausüben oder das Kind oralen/ genitalen/ analen Verkehr ausüben lassen
Der Missbrauch entwickelt sich meist über längere Zeit. Zunächst von weniger intimen Formen hin zu immer intimeren Formen des Körperkontakts. Einige Verhaltensweisen der Täter zu Beginn der sexuellen Gewalt:
• anzügliche Komplimente machen
• sich nackt vor dem Kind zeigen
• dem Kind die Genitalien zeigen
• das Kind beim Ausziehen, Baden oder auf der Toilette beobachten
• das Kind auf intime Weise küssen
• das Kind vorsichtig, z. B. beim Spielen, intim berühren
• das Kind durch Blicke oder verbale Äußerungen bedrängen
2.3 Folgen:
Wegen dem Zwang der Geheimhaltung und der Scham- und Schuldgefühle ist es für Kinder häufig nicht einfach das Erlebte anzusprechen. Meist sind die Opfer körperlich unversehrt, diese entwickeln mit der Zeit Verhaltensauffälligkeiten, die sie vorher nicht hatten. Beziehungen zu anderen Menschen verändern sich, sowie ihre gefühlsmäßige Grundstimmung oder Gefühlsäußerungen. Die Leistungen in der
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Schule werden auffällig anders, psychosomatische Beschwerden und Krankheiten zeigen sich. Wobei es aber keine Verhaltensauffälligkeiten gibt, die eindeutig auf sexuellen Missbrauch hin deuten. Diese können genauso gut andere Ursachen haben, aber die Möglichkeit eines Missbrauchs als Ursache kann in Erwägung gezogen werden. Normalerweise geht man auch davon aus das Kinder nicht lügen. Sprechen Kinder über den Missbrauch entsteht aber oft der Eindruck, dass sie sich widersprechen oder Aussagen zurücknehmen. Mit ihrem Verhalten versuchen sie den Täter, den sie meistens sehr lieben, zu schützen. Ein anderer Grund ist, dass die traumatischen Erlebnisse zu Gedächtnislücken führen, was die Aussagen unglaubwürdig machen, an Einzelheiten kann nicht genau erinnert werden.
Ob das Kind längerfristige Schäden mit sich tragen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das Alter, an dem alles begann, die Dauer des Missbrauchs, die Beziehung zum Täter, die Hilfe danach aber auch die Reaktion der Familie und der Umwelt nach Bekannt werden der Sexuellen Gewalt. Die Opfer brauchen Hilfe durch Vertrauenspersonen innerhalb der Familie, nicht alle benötigen Therapie. Längerfristige Schädigungen sind zu befürchten, wenn der Täter eine wichtige Bezugsperson für das Kind war, wenn die Umwelt die Notsignale des Opfers nicht wahrnimmt oder ihm nicht glaubt, wenn dem Opfer durch andere Familienangehörigen die Schuld für die sexuellen Übergriffe gegeben wird, wenn der sexuelle Missbrauch an älteren Kindern ergangen wurde oder durch langwierige Gerichtsverfahren mit belastenden Kreuzverhören.
2.4 Auswirkungen:
Die Auswirkungen auf das spätere Leben sind sehr massiv. Sie neigen in der Regel zu mehr Symptombelastungen als nicht- missbrauchte. Es kann zu emotionalen Störungen kommen. Das Opfer hat das Gefühl, für das ganze weitere Leben beschmutzt, beschädigt oder ruiniert zu sein. Sie fühlen sich im Innersten als schlecht, schuldig und wertlos, sie sind überzeugt davon, es nicht verdient zu haben, mit Respekt behandelt zu werden. Die Opfer verlieren an Lebensfreude, haben Selbstmordgedanken und unternehmen Selbstmordversuche. Sie leiden an Depressionen und Aggressionen.
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Das Verhältnis zum eigenen Körper wird massiv gestört. Die Opfer lehnen ihren eigenen Körper ab, bauen ein selbst verletzendes Verhalten auf, leiden unter Essstörungen, haben Angst oder Ekel vor sexuellen Regungen. Sie haben das Gefühl, vom eigenen Körper abgespalten zu sein und geben sich der Prostitution hin. Es zeigen sich auch Auswirkungen in Zwischenmenschliche Beziehungen und Partnerschaften. Opfer haben Schwierigkeiten Vertrauen aufzubauen, Sie haben Angst vor Sexualität, Angst vor Nähe und Intimität, sowie Probleme in der Sexualität Grenzen zu ziehen.
Bei missbrauchten Vorschulkindern sind Ängste, Alpträume, abweichendes, in sich gekehrtes und sexualisiertes Verhalten am häufigsten zu beobachten. Bei Schulkindern sind es ebenfalls Ängste, Alpträume, sie zeigen des Weiteren Schulprobleme auf, sowie unreifes, hyperaktives und/ oder aggressives Verhalten.
Im Jugendalter scheinen die Belastungen am schwierigsten zu sein. Jugendliche leiden oft an Depressionen, sozialem Rückzug, Suizidneigungen, Ablehnung des eigenen Körpers, Weglaufen, Promiskuität, Alkohol- und Drogenmissbrauch.
Die Beratung und Therapie kann den Prozess der Verarbeitung der Missbrauchserlebnisse unterstützen und den Betroffenen dabei helfen, Lösungen zu finden. In erster Linie brauchen missbrauchte Kinder aber eine stabile, liebevolle und unterstützende Familie. Den Opfern muss im Klaren sein, dass sie keine Mitschuld an den Missbräuchen tragen und allein nur der Täter in Verantwortung gezogen wird. Da aber bei innerfamiliärer Gewalt emotionale Zuwendung mit den sexuellen Übergriffen gekoppelt ist, erschwert es den Opfern, die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.
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3. Täterstrategien bei sexuellem Missbrauch an Kindern in der Familie
3.1 Der Täter:
Die Typologie der männlichen Sexualstraftäter nach Rheder und Meilinger (1997) sieht wie folgt aus:
• Sozial angepasst, zwanghaft strukturiert
• Angepasst, alkoholisch enthemmt
• Sozial kompetent, aus der Bahn geworfen, tatverleugnend
• Depressiv, anpassungsbereit mit pädophilen Tendenzen
• Kriminell verfestigt, rücksichtslos- egozentrisch (www.anti-kinderporno.de)
Täter unterscheiden sich untereinander jedoch erheblich von der
Persönlichkeitsstruktur und Motivation, so dass es keine typischen Täterprofile gibt. Sie kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, unabhängig vom Bildungsstand. Ca. 80- 90% der Täter sind Männer, wobei ca. 25% aus der engsten Familie kommen und ca. 50% aus dem Nahraum seines Opfers. Beide sind sich bekannt. Täter kommen aus allen Nationen, Konfessionen. Sie sind sozial eingebunden, sind verheiratet, geschieden, allein lebend, verwitwet, mit Freundin, haben also keine besonderen Erscheinungsmerkmale.
Sehr viele Täter haben in ihrer Kindheit selbst sexuelle und schlagende Gewalt erlebt, sind vernachlässigt und gedemütigt worden. Dies vermischt sich mit den Gesellschaftlichen Faktoren und traditionellen Geschlechtsrollen, welches eine Erklärung für sexuelle Übergriffe aber keine Rechtfertigung sein kann. Der Mann hat das Bedürfnis nach Wärme, Zärtlichkeit, Körperkontakt und Nähe. Alles, was er in seiner Kindheit von seiner Mutter nicht erhalten hatte. In den Kindern sucht er die nicht gestillten Bedürfnisse nach elterlicher Liebe und Wärme. Sein Bindungsbedürfnis richtet sich an Kinder, die ihm unterlegen sind und die er in Besitz nehmen kann. Er möchte Macht ausüben und das kann er am besten an wehrlosen Mädchen.
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Quote paper:
Sonia Zajovic, Sophie Eremit, 2007, Innerfamiliärer Missbrauch an Kindern, Munich, GRIN Publishing GmbH
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