Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 2
1 Segregationsheorien 4
1.1 Definiton 4
1.2 „Klassische“ Segregationsmerkmale: Ethnie, sozioökonomischer Status
4
1.3 Theorie der Wohnstandortwahl nach Friedrichs 6
1.4 Der Lebensstilansatz 7
2 Ansätze zur Sozialstrukturanalyse mit Lebensstilen 9
2.1 Soziale Positionen und Lebensstile nach Bourdieu 10
2.2 Der Constrained-Choice Ansatz 11
3 Verbindung von Mikro- und Makroebene 13
Fazit 15
Literaturverzeichnis 16
1
Einleitung
Residentielle Segregation ist als Phänomen bereits seit 1925 bekannt: Richard Burgess integrierte damals die These von der ungleichen Verteilung von Nutzungen und Bevölkerungsgruppen innerhalb eines Stadtgebietes in seine umfassendere Theorie der Stadtentwicklung. 1 Robert Ezra Park hat ebenfalls 1925 für diese ungleiche Verteilung von nach sozioökonomischen und/oder sozio-kulturellen Merkmalen definierten Gruppen in einem Gebiet die Bezeichnung „residentielle Segregation“ eingeführt. 2 An Aktualität hat das Thema seit dem nichts eingebüßt: Weder in der Tagespresse, wo die Diskussion um verwahrloste Kinder oder das Prekariat bevorzugt mit Bildern der obligatorischen Hochhaus-Vorstädte und somit den entsprechenden Implikationen illustriert werden, noch in der Diskussion der soziologischen Forschung. Praktisch unumstritten ist die empirische Messung, sie erfolgt meist mittels der Indizes von Duncan und Duncan, sie erfassen sowohl Dissimilarität (Disproportionalität der räumlichen Verteilung von zwei Bevölkerungsgruppen) als auch Segregation (Disproportionalität der räumlichen Verteilung einer Bevölkerungsgruppe). Eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen belegt, dass Segregation nach sozialem oder ethnischem Status überall existiert. 3 Ein Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Segregation ist auf Ebene dieser Aggregatdaten empirisch durch viele Studien belegt 4 , die genauen Mechanismen der Segregierung als Ergebnis eines Prozesses der Wohnstandortwahl von Haushalten, die als Aggregat betrachtet ein spezifisches Siedlungsmuster ergeben, hier also Segregation, werden durch diese Analyse auf der Makroebene jedoch nicht erklärt. 5 Eine erschöpfende Erklärung residentieller Segregation bedarf daher einer umfassenden Erfassung der Sozialstruktur als Abbildung von Ungleichheiten auf der Makroebene, sowie der Klärung ihres Einflusses auf die Wohnstandortwahl der Haushalte auf der Mikroebene. Die Auswirkungen der Wohnstandortwahl auf die Siedlungsstruktur sind wiederum in Relation mit anderen (z.B. stadtstrukturellen) Einflussfaktoren zu betrachten, die nicht der Sozialstruktur zuzurechnen sind. Nicht zuletzt kann auf diesem Wege der Raumbezug der Ungleichheitstheorie hergestellt werden. 6
1 Vgl. Jürgen Friedrichs: Stadtsoziologie, Opladen 1995, S. 39.
2 Vgl. Dangschat lebensstile 427
3 Vgl. Friedrichs: Stadtsoziologie, S. 79 - 80.
4 Vgl. Ebd., S. 90 - 92.
5 Vgl. Gunnar Otte: Sozialstrukturanalysen mit Lebensstilen. Eine Studie zur theoretischen und methodischen Neuorientierung der Lebensstilforschung, Wiesbaden 2004, S. 257.
6 Vgl. Jens S. Dangschat: Segregation. Lebensstile im Konflikt, soziale ungleichheiten und räumliche Disparitäten, in: Blasius, Jörg / Dangschat, Jens (Hrsg.): Lebensstile in den Städten. Konzepte und Methoden, Opladen
1994, S. 427 - 445.
2
Die in dieser Arbeit zu untersuchende These soll daher lauten: Segregation als Makrophänomen erklärt sich durch Mikrophänomene der Wohnstandortwahl, die sich im Rahmen der Sozialstruktur abspielen. Zur Untersuchung dieser These soll in dieser Arbeit zunächst expliziert werden, welche Konzepte zur Erklärung der Segregierung von Stadtbevölkerungen die Segre-gationsforschung bereithält und wo mögliche Ansatzpunkte für eine Verbindung mit den The-orien sozialer Ungleichheit liegen könnten. Einige dieser Modelle der Sozialstruktur sollen in einem zweiten Schritt dargestellt werden und auf ihre Aussagekraft für eine Erklärung der Segregation überprüft werden. In einem dritten Schritt soll schließlich aus den erarbeiteten Ansätzen ein möglichst erschöpfendes Konzept zur Erklärung von Segregation aus der Sozialstruktur heraus zusammengefügt werden, dass es gestattet, die eingangs vorgestellte These zu beweisen.
3
1 Segregationsheorien
1.1 Definiton
Segregation ist nach Jürgen Friedrichs die „disproportionale Verteilung von Bevölkerungsgruppen über die städtischen Teilgebiete“ 7 . Analog dazu, aber unter Verwendung des allgemeineren Begriffes „Raum“ anstelle von „Stadt“ definiert Jens S. Dangschat nach Park Segregation als „ungleiche Verteilung der Wohnstandorte von sozio-ökonomisch und/oder sozikulturell bestimmten sozialen Gruppen im Raum“ 8 .
1.2 „Klassische“ Segregationsmerkmale: Ethnie, sozioökonomischer Status
Friedrich führt Segregation direkt auf soziale Ungleichheit zurück, die eine Ungleichheit sowohl von Chancen als auch von Präferenzen einzelner Bevölkerungsgruppen erzeugt. Dem Ausmaß der Benachteiligung einer Gruppe entspricht ihre Chance, auf dem Wohnungsmarkt eine zu ihren Präferenzen passende Wohnung zu finden. 9 Offen bleibt hier zunächst die Frage nach der Verknüpfung zwischen Ungleichheit und den Präferenzen. Die Theorie von Chancen und Präferenzen basiert auf Friedrichs grundsätzlichen Überlegungen über das Wesen des Wohnungsmarktes: Er konstatiert nicht nur eine soziale Differenzierung der Wohnungsnachfrager, sondern ebenso eine stadtstrukturelle Ungleichheit des Wohnungsangebots in Qualität und räumlicher Verteilung. 10 Es trifft also ein nach Qualität, Ausstattung, Lage und topographischer Qualität heterogener Bestand auf eine ebenso heterogene Nachfrage, die sich hinsichtlich der Wohnpräferenzen und der Mietzahlungsfähigkeit/-bereitschaft differenziert. Somit wäre die disproportionale Verteilung sowohl von Nutzungen als auch von Bevölkerungsgruppen nichts anderes als „das räumliche Bild dieses Marktes“. 11 Die Ergebnisse empirischer Untersuchungen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Wie bereits erwähnt ist eine Segregation nach sozialem uns ethnischen Status praktisch überall vorzufinden. Während Ungleichheiten des sozialen Status, z.B. definiert über das Einkommen, sich in ein ökonomisches Marktmodell fügen, scheint sich entgegen der Marktlogik unabhängig vom Einkommen ein ethnischer Minoritätenstatus ebenfalls negativ auf die Mietchancen auszuwirken. 12
7 Friedrichs: Stadtsoziologie, S. 79.
8 Vgl. Dangschat: Segregation, S. 427.
9 Vgl. Friedrichs: Stadtsoziologie, S. 79.
10 Vgl. Ebd., S. 79.
11 Friedrichs: Stadtsoziologie, S. 59.
12 Vgl. Ebd., S. 80 - 81.
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Arbeit zitieren:
Christoph Sprich, 2006, Sozialstruktur und Segregation, München, GRIN Verlag GmbH
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