I n h a l t s v e r z e i c h n i s
Abkürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VI
1 Einleitung 1
1.1 Vorgehensweise und Zielsetzung 2
1.2 Kultur Definitionen 4
2 Werbung Grundlagen 5
2.1 Der Kommunikationsprozess 6
2.1.1 Verbale und nonverbale Kommunikation 7
2.1.2 Interkulturelle Kommunikation 8
2.1.3 Kulturbedingte Probleme bei der interkulturellen Kommunikation 10
2.1.4 Werbekommunikation 10
2.2 Werbung Gestaltung 13
2.2.1 Der Text 13
2.2.2 Bilder und visuelle Symbole 14
2.2.3 Farben und Formen 15
2.2.4 Weitere Gestaltungselemente 15
2.3 Werbemittel 16
2.3.1 Visuelle Werbung 16
2.3.2 Audiovisuelle Werbung 17
2.3.3 Akustische Werbung 17
3 Interkulturelle Werbung 18
3.1 Interkulturell versus international 18
3.2 Standardisierung in der Werbung 21
3.2.1 Contra Standardisierung 21
3.2.2 Pro Standardisierung 25
3.2.3 Relativierung einiger Argumente 28
3.3.1 Ansprache kulturübergreifender Marktsegmente 32
II
3.3.2 Werbung für kulturunabhängige Produkte 33
3.3.3 Verwendung interkulturell wirksamer Werbebotschaften 35
3.3.4 Entwicklung neuer Produkte 36
3.3.5 Lifestyle-Werbung 36
3.3.6 Beeinflussung kultureller Gegebenheiten 37
3.4 Globalisierung oder Lokalisierung 39
3.4.1 Begriffsdefinition 39
3.4.2 Einfluss der Märkte auf die Werbestrategie 40
3.4.3 Verschiedene Vorgehensweisen 41
3.4.4 Weltmarken global brands 47
3.4.5 Think global act local 48
3.4.6 Kulturelle Verantwortung 51
3.5.1.1 Kompetenzen Übersicht 52
3.5.1.2 Die Kulturkompetenz 53
3.5.3 Übersetzen von Werbetexten 56
3.5.4 Adaption von Werbetexten 57
3.6 Zusammenfassung 60
4 IKEA 62
4.1 Die Firma 62
4.1.1 Geschichte 63
4.1.2 Daten und Fakten 63
4.2 IKEA a global brand 64
4.3 Standardisierung Lokalisierung in der Werbung bei IKEA 67
4.3.1 Produktnamen 68
4.3.2 Homepages Internationaler Vergleich 69
4.3.2.1 Layout 69
4.3.2.2 Farben und Formen 71
4.3.2.3 Der Slogan 71
4.3.2.4 Die Anredeform 74
4.3.2.5 Das Schwedische 75
4.3.3 Sonstige IKEA-Werbung 76
4.4 Die Werbestrategie von IKEA Zusammenfassung 79
III
4.5 Lob und Tadel 81
5 Schlussfolgerung und Ausblick 83
Podsumowanie 84
Literaturverzeichnis 85
Anhang 96
Anhang-01: Homepage-Layout (erste Variante) am Beispiel von Deutschland 96
Anhang-02: Homepage-Layout (zweite Variante) am Beispiel von Griechenland
Anhang-03: Plakatwerbung in Ulm vom 30.06.2003
Anhang-04: Plakatwerbung in Ulm vom 05.05.2003
Anhang-05: Französisches Werbemotiv
Anhang-06: Ausschnitt-01 aus finnischer IKEA-Werbung
Anhang-07: Ausschnitt-02 aus finnischer IKEA-Werbung (graphisch bearbeitet)
Anhang-08: Werbevideos auf der französischen Homepage
Anhang-09: IKEA – Homepage-Vergleich
IV
A b b i l d u n g s v e r z e i c h n i s
(Abbildungen Diagramme Schaubilder Tabellen)
Tabelle 01: Stufenmodell der Werbewirkung 5
Abbildung 01: Sprach und Weltwissen 6
Abbildung 02: Gemeinsamer Verwendungsbereich von Zeichen 7
Abbildung 03: Kommunikation in unterschiedlichen kulturellen Kontexten 9
Abbildung 04: Modell des Kommunikationsablaufs 11
Abbildung 05: Unterschiedliche kulturelle Referenten eines Zeichens 11
Tabelle 02: Nationen und Kulturen als Bezugsgrößen der interkulturellen
Werbung 18
Tabelle 03: Landes und kulturspezifische Unterschiede in der Bedeutung
von Symbolen 23
Tabelle 04: Unterschiedliche Zeitsysteme 25
Abbildung 06: Kulturabhängigkeit verschiedener Produktkategorien 33
Tabelle 05: Modelle von Werbekampagnen 42
Schaubild: Der Planungsprozess internationaler Werbung 46
Diagramm: Veränderungen in der Popularität internationaler Werbe
Strategien 49
Tabelle 06: Top-Marken in Deutschland 65
Tabelle 07: Internationaler Vergleich aller IKEA-Homepages
(Slogan und Anrede) nach Sprachgruppen 72
Tabelle 08: Internationaler Vergleich ausgewählter Homepages (Anrede)
nach Sprachgruppen 74
Tabelle 09: Verwendung schwedischer Elemente auf den Homepages 75
Tabelle 10: Sonstige IKEA-Werbung 76
VI
1 Einleitung
Trotz zunehmender Globalisierung und der oftmals erwähnten Konvergenz der Kulturen prägen kulturelle Unterschiede das aktuelle Weltbild. Was für den Großteil der Weltbevölkerung bedeutungslos ist und im Alltag keine wichtige Rolle spielt, stellt für viele Werbeunternehmen bzw. Werbeabteilungen von globalen Firmen eine große Herausforderung dar.
In Lateinamerika bekommen Frauen schneller graue Haare als in Europa. Erotische
Symbole können Araber verletzen. In Asien wird Luxus ungehemmter hergezeigt als im
Westen ... Die Menschheit ist und bleibt unpraktisch heterogen. Die Multikulti-
Gesellschaft mit ihren Extravaganzen macht den global werbenden Unternehmen schwer
zu schaffen. Denn die Werbungtreibenden wollen möglichst einheitlich mit ihren
internationalen Märkten kommunizieren. (Friedhelm Gieseking in: EUV 2000; IQ-13).
Durch neue Technologien und deren globale Verbreitung (v. a. das Internet und Satellitenfernsehen) können unterschiedliche Zielgruppen kostengünstig weltweit erreicht werden. Dies "scheint eine neue Chance; Botschaften kulturübergreifend und werbewirksam zu übermitteln hingegen ein altes Problem" (vgl. Wrobel 2002: 1).
Hieraus resultiert die Frage, ob sich Werbung überhaupt länder- und kulturübergreifend standardisieren lässt oder nicht immer zumindest teilweise kulturell adaptiert werden muss, um einen optimalen Werbeerfolg zu erzielen.
Die meisten kulturellen Faktoren beeinflussen unabhängig vom Produkt direkt die Werbung (z. B. Formen, Symbole und Farben ( 3.2.1). Einige wirken sich zwar nicht direkt auf die Werbung aus, erfordern aber eine Anpassung des Produkts (z. B. aufgrund unterschiedlicher Geschmäcker) oder sogar die Konzeption eines neuen Produkts ( 3.3.4) und müssen daher genauso berücksichtigt werden. Umgekehrt können aber auch die Produkte mit der dazugehörigen Werbung Einfluss auf kulturelle Gegebenheiten nehmen und diese ändern. Auf die hierdurch entstehende kulturelle Verantwortung wird in 3.4.6 eingegangen.
Als Teil des Marketing-Mixes (Produktpolitik, Kontrahierungspolitik, Distributionspolitik, Kommunikationspolitik) fällt Werbung in den Bereich der Kommunikationspolitik. Dort spielt sie jedoch eine relativ bescheidene Rolle, da sie nicht unbedingt immer benötigt wird und viele Produkte völlig ohne Werbung auskommen (vgl. Kloss 2003: 3).
1
Für Produkte, die interkulturell 1 vermarktet und beworben werden sollen ( 3.4.3) ergeben sich drei grundsätzliche Vorgehensweisen:
1. Ein bereits vorhandenes Produkt wird ohne jegliche Veränderungen auf einem anderen Markt eingeführt und die Werbung lediglich sprachlich adaptiert (übersetzt).
2. Wie unter 1., allerdings wird die Werbung kulturell angepasst (Text, Bild, Ton usw.).
3. Ein vorhandenes Produkt wird an einen neuen Markt angepasst (Änderungen in Geschmack, Design usw.), wodurch sich evtl. auch die Werbung ändert.
Die vorliegende Arbeit verfolgt einen werbeorientierten Ansatz. Es wird davon ausgegangen, dass ein konkretes Produkt vorhanden ist und nun in verschiedenen Ländern beworben werden soll. Die jeweiligen Produkte werden v. a. im Hinblick auf eine evtl. erforderliche kulturelle Anpassung und die damit verbundene Werbestrategie untersucht, wozu als konkretes Beispiel die Firma IKEA dient. Aspekte und Strategien des Marketings (v. a. der Produktpolitik, z. B. die in 3.3.4 erwähnte Entwicklung spezieller Produkte für neue Märkte) werden daher weitgehend ausgeklammert.
1.1 Vorgehensweise und Zielsetzung
Das Ziel der Arbeit besteht darin, die verschiedenen Möglichkeiten und Strategien der interkulturellen Werbung herauszuarbeiten und darauf aufbauend dann die Strategie von IKEA zu untersuchen und vorzustellen.
Im theoretischen Teil werden zunächst einleitend die Grundlagen der Werbung (Kommunikationsprozess, Gestaltung der Werbung, Werbemittel) vorgestellt (KAPITEL 2).
Im DRITTEN KAPITEL erfolgt zunächst im Hinblick auf interkulturelle Werbung eine Abgrenzung der Begriffe international und interkulturell. Im Anschluss daran werden nach einem Überblick über die Pros und Contras von standardisierter Werbung sowie die Möglichkeiten zur Überwindung kultureller Unterschiede und die Globalisierung/ Lokalisierung die unterschiedlichen interkulturellen Werbestrategien beschrieben und miteinander verglichen.
1 Im Folgenden wird in Bezug auf Werbung jeweils die Bezeichnung interkulturelle Werbung verwendet. Eine
Abschließend stellt sich die Frage, ob interkulturelle Werbung lediglich übersetzt oder kulturell adaptiert werden soll, wobei auf die beim Übersetzen von Werbetexten auftretenden Probleme sowie die Anforderungen an die kulturelle Kompetenz des Übersetzers eingegangen wird.
Im praktischen Teil (KAPITEL 4) erfolgt die Anwendung dieses erarbeiteten Wissens auf die Firma IKEA, um deren interkulturelle Werbestrategie zu untersuchen. Als Materialen dienen dabei v. a. die internationalen Homepages 2 von IKEA, welche anhand unterschiedlicher Parameter miteinander vergleichen werden, wobei der Slogan eine wichtige Rolle spielt. Auf eine detaillierte Analyse, z. B. nach dem umfangreichen Modell von Wrobel 3 muss dabei verzichtet werden.
Daneben dienen englisch-, französisch- und deutschsprachige im Internet verfügbare Videos 4 sowie andere Werbemittel (Anzeigen und Plakate) dazu, die interkulturelle Werbung von IKEA zu illustrieren und in das Schema der verschiedenen interkulturellen Werbestrategien einzuordnen.
Sämtliche verwendete Materialien (Homepages, Fotos von Plakaten, Werbeanzeigen, Videos) dienen lediglich der Bestimmung und Einordnung der interkulturellen Werbestrategie von IKEA. Auf die Bedeutung und den Einfluss bestimmter Werbemedien sowie andere interessante Aspekte (z. B. Analyse der jeweiligen Slogans hinsichtlich der Vermittlung und Widerspiegelung kultureller Werte) kann dabei nicht eingegangen werden.
2 Als Homepage ("Startseite") betrachte ich die Seite, welche sich nach Eingabe der Ausgangs-URL öffnet (für IKEA Deutschland z. B. http://www.ikea.de). Im Gegensatz dazu bezeichne ich alle von dieser Homepage aus weiterführenden Seiten als "Internetseiten".
3 Wrobel verwendet für ihre pragma-semiotische Analyse von Online-Werbung hypertextexterne Faktoren (kultureller Hintergrund) und hypertextinterne Faktoren (verbale und nonverbale Textelemente), die jeweils noch detailliert untergliedert werden (vgl. Wrobel 2002: 96ff.).
4 Als Video bezeichne ich die auf den Homepages von IKEA verfügbaren Dateien. Im Gegensatz dazu verwende ich für die Originale aus der Fernsehwerbung den Begriff "Werbespot".
3
1.2 Kultur – Definitionen
Da nachfolgend immer wieder der Begriff "Kultur" auftaucht, ergibt sich die Frage nach einer für diese Arbeit treffenden Definition. Allerdings scheint es bei weit über 100 verschiedenen Definitionen 5 von Kultur schwierig, wenn nicht unmöglich, eine passende herauszufiltern bzw. eine eigene zu entwickeln.
Einen sehr umfassenden Kulturbegriff liefert Vermeer:
Kultur sei die Menge aller Verhaltensnormen und -konventionen einer Gesellschaft [, der resultierenden Verhaltensweisen] und der Resultate aus den normbedingten und konventionellen Verhaltensweisen. (Vermeer 1992 in: Witte 2000: 53).
Etwas detaillierter fassen es Porter/Samovar zusammen:
We define culture as the deposit of knowledge, experience, beliefs, values, attitudes, meanings, hierarchies, religion, notions of time, roles, spatial relations, concepts of the universe, and material object and possessions acquired by a group of people in the course of generations through individual and group striving. (Porter/Samovar 1991: 51).
Einen Ansatz zur Systematisierung ausgewählter kultureller Komponenten liefert Mennicken, der eine Einteilung in mentale Kultur (Bedürfnisse, grundlegende Orientierungen, Wert- und Normvorstellungen, Einstellungen, Kognitionen, Symbolik und Bedeutung von Objekten, Personen, Situationen und Verhaltensweisen, Rollenverteilung), soziale Kultur (Sprache, verbale und nonverbale Kommunikation, soziale Institutionen, Religion, Rituale/Sitten/ Gebräuche, soziale Verhaltensweisen, Informations- und Entscheidungsverhalten (Kaufverhalten), Nutzungsverhalten in Bezug auf Produkte) und materielle Kultur (Kleidung, Literatur, Kunstgegenstände, Musik, Konsumgüter (teilweise), Technologien) vornimmt (vgl. Mennicken 2000: 68).
Dieser Einteilung möchte ich mich anschließen, da für interkulturelle Werbung alle drei Ausprägungen (mentale, soziale und materielle Kultur) wichtig sind und kulturelle Unterschiede auf allen Ebenen den Ausgangspunkt für Missverständnisse und Probleme bilden.
5 Die Definitionen reichen dabei von sehr allgemeinen Aussagen ("Kultur ist alles") bis hin zu sehr konkreten Beschreibungen, z. B. "Kultur ist Oper, Kunst, Ballett" (vgl. Porter/Samovar 1991: 50).
4
2 Werbung – Grundlagen Die Entstehung von Werbung ist "unmittelbar verknüpft mit dem Beginn der Herstellung von
Waren und Dienstleistungen, die nicht mehr ausschließlich zur Deckung des Eigenbedarfs
benötigt wurden" 6 (vgl. Schweiger/Schrattenecker 1995: 1ff.). Heutzutage spielt v. a. die Markenwerbung (Schaffung und Pflege eines positiven Images)
eine wichtige Rolle ( 3.4.4).
Werbung gilt als "eine absichtliche und zwangsfreie Form der Kommunikation, mit der
gezielt versucht wird, Einstellungen von Personen zu beeinflussen" 7 (vgl. Kloss 2003: 6). Diese Beeinflussung kann unter Verwendung verschiedener Werbeträger geschehen.
Grundlage ist jedoch immer das nachfolgende Stufenmodell der Werbewirkung. Stufenmodell der Werbewirkung
Tabelle-01:
6 Auf eine detailliertere Darstellung der Geschichte der Werbung muss an dieser Stelle verzichtet werden. Einen guten Überblick liefert Kloss (2003: 25ff.).
7 Eine andere etwas ironische Formulierung bezeichnet Werbung als "the attempt to make people waste money they do not have to buy things they do not need in order to impress neighbours they do not like." (Aphorismus in: EUV 1997; IQ-14).
5
Eine genauere Betrachtung werbetheoretischer Konzepte kann an dieser Stelle nicht erfolgen; für die vorliegende Arbeit ist jedoch relevant, dass in der Realität bereits die Ausgangslage einen entscheidenden Einfluss auf die Werbestrategie hat (soziodemographische Merkmale, vgl. hierzu die kulturellen Faktoren von
Werner
in
3.4.2).
Des Weiteren können schon in
der ersten Stufe ("Aufmerksamkeit und Wahrnehmung") Probleme auftreten, da der Kommunikationsprozess zwischen Sender und Empfänger der Werbebotschaft unterschiedlichen Störungen unterliegt.
2.1 Der Kommunikationsprozess
Zwischenmenschliche Kommunikation ist überhaupt erst dadurch möglich, dass wir erstens über ein gemeinsames Welt- und Sprachwissen verfügen und zweitens in der Lage sind, Unterschiede in der Verwendung von Zeichen sprachlich zu thematisieren.
Abbildung-01: Sprach- und Weltwissen
(Linke/Nussbaumer/Portmann 1996: 175).
Dank diesem gemeinsamen Sprach- und Weltwissen ergibt sich auch bei großer kultureller Distanz immer ein unterschiedlich großer gemeinsamer Verwendungsbereich dieser Zeichen.
6
Abbildung-02: Gemeinsamer Verwendungsbereich von Zeichen
(Koller 2001: 105).
2.1.1 Verbale und nonverbale Kommunikation
Die verbale Kommunikation kann durch unterschiedliche Alphabete, Betonungen/ Aussprachen und Klangähnlichkeiten ("falsche Freunde") beeinträchtigt werden (vgl. Werner 1995: 40).
Nonverbale Kommunikation ist überaus stark kulturgebunden (z. B. Gestik, konventionalisierte Verhaltensweisen (Begrüßung, Essgewohnheiten usw.)) und führt daher oft zu Missverständnissen.
Auch sonstige nonverbale Informationen, die u. a. in der Werbung eingesetzt werden, sind nicht universal und können leicht zu Missverständnissen führen. So sind blonde Haare z. B. im europäischen Norden attraktiv, signalisieren in Südeuropa jedoch das "älteste Gewerbe der Welt" (vgl. Schmidt/Spieß 1995: 60).
Dies macht sich bei einem Vergleich zwischen den von Hall kategorisierten "high- und lowcontext cultures" bemerkbar (vgl. Müller, B. 1996: 114ff. u. Porter/Samovar 1991: 234f.):
high-context cultures
In "high-context cultures" ist der Großteil der Information in die Umwelt und die interagierenden Menschen eingebettet. Die verbale Nachricht enthält daher wenig Informationen. Im Gegensatz dazu sind in "low-context cultures" die meisten Informationen in der verbalen Nachricht enthalten (vgl. Porter/Samovar 1991: 234).
Ein anschauliches Beispiel liefert de Mooij:
Twins who have grown up together are an example of high-context communication; they
do not need to explain to each other why they behave in a certain way. Two lawyers in a
courtroom are an example of low-context; they need the words and rhetoric of their
coded, professional language. (de Mooij 1998: 66).
Unterschiede können bereits zwischen zwei gemäß dieser Einteilung nahe stehenden Kulturen auftreten, z. B. zwischen deutschen und amerikanischen Sprechern, die beide Vertreter der low-context Kommunikation darstellen. 8
Auf das Verhältnis zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation sowie deren zielgerichtete Verwendung in der Werbung kann hier nicht näher eingegangen werden.
Für die vorliegende Arbeit sind im Hinblick auf interkulturelle Werbung v. a. die Kultur-gebundenheit beider Kommunikationsarten und die daraus resultierenden Probleme relevant, welche bei der interkulturellen Kommunikation auftreten.
2.1.2 Interkulturelle Kommunikation
Unter interkultureller Kommunikation (im Gegensatz zur intrakulturellen Kommunikation) versteht Warthun (1997: 19) die Interaktion zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten, "wobei zumindest ein Partner eine Sprache sprechen muß, die nicht eine Varietät seiner eigenen ist."
Obwohl es sich hierbei de facto um Kommunikation zwischen Nationen handelt, konnte sich der Begriff der internationalen Kommunikation nicht durchsetzen ( 3.1) und wird
8 In ihrer Untersuchung zu einer Benetton Anzeigenkampagne bestätigt S. Müller die Annahme von Hall, dass
deutsche Sprecher direkter kommunizieren als amerikanische (vgl. Müller, S. 2004: 167f.).
8
höchstens bei politischen Gesprächen zwischen Vertretern unterschiedlicher Nationen verwendet (vgl. Sitaram 1972 in: Mauritz 1996: 79).
Ein anderer Ansatz geht davon aus, dass interkulturelle Kommunikation stattfindet, "wenn Menschen verschiedener kultureller Herkunft miteinander agieren. Dabei ist es theoretisch z. B. denkbar, dass diese aus einem Land sind - z. B. neutralisierte Franzosen und Franzosen 9 " (vgl. Dahl 2000 in: Intercultural Network 2001; IQ-20).
Internationale Kommunikation liegt immer dann vor, wenn es sich um eine Interaktion zwischen verschiedenen Staaten handelt. Dabei kann u. U. auch interkulturelle Kommunikation stattfinden (vgl. Dahl 2000 in: Intercultural Network 2001; IQ-20).
Abbildung-03: Kommunikation in unterschiedlichen kulturellen Kontexten
(Kaynak 1989 in: Müller, W.G. 1997: 73).
Zu den allgemeinen Störquellen, welche die Kommunikation erschweren können, tritt bei interkultureller Kommunikation die jeweilige Kultur (im obigen Schaubild Kultur A und B) hinzu.
Je größer die Schnittfläche der Kreise ("kulturelle Erfahrungswelt"), desto effektiver gestaltet sich die interkulturelle Kommunikation.
Hierbei ist allerdings anzumerken, dass auch bei intrakultureller Kommunikation (Interaktion von Menschen der gleichen kulturellen Herkunft) große Differenzen bestehen können. Ein Pole und ein Deutscher, die sich auf Englisch über ihren Lieblingsfilm
9 Hier müsste aber eher von intrakultureller Kommunikation gesprochen werden (s. u.).
9
"Terminator", unterhalten 10 , teilen u. U. mehr Zeichen miteinander als zwei Deutsche (z. B. ein Schwabe und ein Sachse), die sich über die Herstellung und Verwendung von "Spätzle" 11 austauschen.
Dabei darf aber nicht jedes Missverständnis in der interkulturellen Kommunikation mit den kulturellen Unterschieden erklärt werden, da sonst die Gefahr des "analytic stereotyping" entsteht (vgl. Sarangi 1994 in: Warthun 1997: 80).
Aufgrund der im vorigen Kapitel erwähnten Einteilung in "high- und low-context cultures" und der quantifizierten Distanz zwischen den Kulturen kann jedoch nicht auf das mögliche Potenzial für Fehlkommunikation geschlossen werden, da z. B. "in Bezug auf die Rezeption von Sites deutscher Webdesigner durch US-Amerikaner [...] trotz geringer Kulturdistanz Fehlkommunikation festzustellen [ist]" (vgl. Wrobel 2000 in: Wrobel 2002: 51).
2.1.3 Kulturbedingte Probleme bei der interkulturellen Kommunikation
Bei der interkulturellen Kommunikation ( 2.1.2) auftretende kulturbedingte Probleme ergeben sich u. a. dadurch, dass Kultur keine feste Struktur hat, von uns größtenteils unbewusst gelernt wird und nur einer der Faktoren ist, die einen Menschen formen (vgl. Porter/Samovar 1991: 16ff.). Erschwerend für die Forschung kommt hinzu, dass Kultur nicht manipuliert oder kontrolliert werden kann.
Ein kaum zu überwindendes Hindernis ist, dass wir fremde Kulturen durch das Prisma unserer eigenen Kultur sehen, bewerten und beurteilen. Dieser Egozentrismus kann interkulturelle Kommunikation stark beeinträchtigen und das gegenseitige Verständnis erschweren.
2.1.4 Werbekommunikation
Aus zeichentheoretischer Sicht ( 2.1) lässt sich Werbekommunikation als Sonderfall der Kommunikation darstellen (vgl. Hennecke 1999: 53).
10 Natürlich müssen beide über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen.
11 Spätzle sind typisch schwäbische Nudeln. Der Teig (Mehl, Eier, Wasser) wird in siedendes Salzwasser
geschabt. Nach einigen Minuten werden die fertigen Nudeln oben abgeschöpft.
10
Werbebotschaften enthalten einen Code, der vom Empfänger entschlüsselt werden muss. Allerdings bleibt dabei immer das Risiko bestehen, dass der Empfänger den Code überhaupt nicht bzw. falsch interpretiert.
Die im nachfolgenden Schaubild dargestellten semiotischen Prozesse zwischen Sendern und Empfängern von Botschaften basieren auf einem soziokulturellen Kontext, der die "Spielregeln" für den Zeichengebrauch definiert (vgl. Poddig 1995: 257f.).
Abbildung-04: Modell des Kommunikationsablaufs (Schweiger/Schrattenecker 1995: 22).
Diese vom kulturellen Rahmen abhängigen und in ihm erlernten Regeln sind nicht vorgegeben. Werbung ist ein komplexes Zeichen, das erst durch seinen Gebrauch Bedeutung gewinnt – genauso wie sich die Bedeutung eines Verkehrsschildes erst durch die Befolgung bestimmter Regeln ergibt (vgl. Hennecke 1999: 27).
Die nachfolgenden Zeichen haben eine identische Bedeutung, allerdings sind sie an das jeweilige Land angepasst. Ein Känguru würde in Deutschland eher für Verwirrung und/oder ein Schmunzeln sorgen als die Assoziation mit "Wildwechsel" hervorrufen.
Abbildung-05: Unterschiedliche kulturelle Referenten eines Zeichens
(Haarmann 1990 in: Müller, W.G. 1997: 72).
Dieses Beispiel lässt sich gut auf die Werbung übertragen, denn auch interkulturelle Werbung muss aufgrund kultureller Unterschiede oft adaptiert werden ( 3.5.4).
11
Missverständnisse können z. B. auftreten, wenn der Code von bestimmten Personengruppen anders interpretiert wird. Schweiger/Schrattenecker (1995: 21) führen hier als Beispiel die Firma "Palmers" an, welche Damen in reizenden Dessous zeigte. Während die Slogans "Komm bald heim" und "Ich liebe dich" erfolgreich waren, reagierten Feministinnen empört auf "Trau dich doch", da sie darin die Aufforderung an Männer verstanden, Frauen gegenüber keine Hemmungen zu haben (eigentlich sollten mit diesem Slogan aber Frauen zum Tragen von Dessous animiert werden).
Auch eine Änderung der Situation kann Missverständnisse hervorrufen. So wurde der Slogan der Telekommunikationsfirma AT&T ("We hear you") in den USA nach dem Watergate-Skandal als "Wir hören Ihre Gespräche ab" interpretiert.
Die Beispiele verdeutlichen, dass Probleme sogar bereits innerhalb der gleichen Kultur auftreten, da es schwierig ist, "eine Botschaft so zu vercoden, daß sie leicht und richtig decodiert werden kann" (vgl. Schweiger/Schrattenecker 1995: 21; 4.3.3).
Den für das Ver- und Entschlüsseln von Werbebotschaften erforderlichen kulturellen Kontext sieht Poddig (1995: 257f).als mehrdimensionales Konstrukt mit statischen (1-3) und dynamischen (4-6) Komponenten:
1. System der Artefakte (alles vom Menschen Geschaffene).
2. System der Werte, Denk- und Verhaltensmuster (Mentefakte).
3. System der als Kulturträger fungierenden Individuen.
4. Fertigkeiten der Herstellung und Verwendung der Artefakte.
5. Konventionen der Darstellung und Verwendung der Mentefakte.
6. Institutionen und Rituale, in denen sich der gesellschaftlich-kulturelle Prozess vollzieht.
Aufgrund mehrerer Faktoren ist der kulturelle Kontext jedoch sowohl inter- als auch intrakulturell sehr uneinheitlich.
Verantwortlich für die Heterogenität des kulturellen Kontextes ist in erster Linie die
ausgeprägte Dynamik seiner Entwicklung (wie sie sich beispielsweise in der Verschie-
bung von Wertesystemen dokumentiert) sowie die damit einhergehende Tendenz der
Installierung vielfältiger subkultureller Systeme innerhalb der Gesellschaft. Insofern
beschreiben die obigen Merkmale nicht nur einen interkulturellen, sondern auch einen
intrakulturellen Sachverhalt. (Poddig 1995: 258).
12
Auf die intrakulturelle Kommunikation wurde bereits in 2.1.2 hingewiesen. Die hier
erwähnten Wertesysteme werden in
3.3.2
genauer betrachtet.
2.2 Werbung – Gestaltung
In Abhängigkeit von der Art des eingesetzten Werbemittels ( 2.3) werden verschiedene Gestaltungselemente (v. a. Text, Bild, Form, Farbe und Ton) verwendet.
2.2.1 Der Text
In bestimmten Situationen ist der Text in der Werbung vorteilhafter (vgl. Kloss 2003:183):
- Abstrakte Werte (z. B. Qualität) können besser vermittelt werden als mit Bildern.
- Slogans eignen sich gut zur Einprägung von Markencharakteristika.
- Bei komplizierten Werbebotschaften können Zusammenhänge durch Text spezifischer formuliert werden.
- Weiter gehende Erklärungen und Definitionen lassen sich mit Text besser übermitteln.
Eine genaue Untersuchung der Merkmale von Werbesprache kann und soll an dieser Stelle nicht erfolgen. Es sei lediglich darauf hingewiesen, dass in der Werbung grundsätzlich alle Sprachformen und Textsorten verwendet werden können (vgl. Hennecke 1999: 26).
Des Weiteren bedient sie sich gern vorhandener Stereotype (vgl. die IKEA-Werbung in Schwaben; 4.3.3), was auf internationaler Ebene jedoch riskant sein kann. 12
12 Auf die Gefahr der Verwendung nationaler Stereotype in internationaler Werbung weist de Mooij hin: "For a 1994 award-winning commercial for the Odéon Theatre in Paris, produced by French creative people, the objective was 'to encourage Europeans to get to know each other better and to get rid of received ideas about other nationalities.' The commercial shows various people imitating stereotypical characters from around Europe. What it in fact does, is show stereotypes from the French perspective. Germans, as portrayed by the French, are ogres carrying backpacks, recognizable only to the Finnish as typically German. Italians could recognize neither the German nor themselves in this commercial." (de Mooij 1998: 50).
13
2.2.2 Bilder und visuelle Symbole
Der Werbeerfolg hängt weitgehend von der Bildwirkung ab. Daher basiert interkulturell standardisierte Werbung auf effektiver Bildkommunikation (vgl. Müller, W.G. 1997: 64).
Auf den ersten Blick scheinen Bilder und visuelle Symbole besonders gut geeignet, um kulturbedingte Missverständnisse und die bei Texten auftretenden Übersetzungsprobleme zu vermeiden.
Obwohl ein universelles Verständnis aufgrund ihrer kulturbedingten kommunizierten Bedeutung höchst unwahrscheinlich ist (vgl. Müller, W.G. 1997: 71), nutzen viele standardisierte Werbekampagnen ausschließlich visuelle Botschaften, um Übersetzungen und die damit verbundenen Verständigungsprobleme zu vermeiden (vgl. Banerjee 2000 in: Jones 2000: 27; 3.5).
Dass jedoch auch hier Probleme auftreten können, verdeutlicht das Beispiel eines Schmerzmittelherstellers (vgl. Markovina 2003). In drei Bildern wurde von links nach rechts folgende Szene dargestellt:
1. Eine Frau ist traurig, weil sie Kopfschmerzen hat.
2. Sie nimmt eine Tablette.
3. Die Kopfschmerzen sind weg und sie lacht wieder.
In arabischen Ländern, wo alles von rechts nach links gelesen bzw. auch gesehen wird, hatte diese Werbung verständlicherweise keinen großen Erfolg.
Daher fordert de Mooij zu recht: "Pictures, just like verbal language, have to be translated into the pictoral language of other cultures" (de Mooij 1998: 59; vgl. das Beispiel zur weltweiten Vermarktung einer Kaffeemarke in 3.3.3).
Auf kulturbedingte Probleme bei Bildern und visuellen Symbolen wird in 3.2.1 hingewiesen.
14
2.2.3 Farben und Formen
Farben spielen besonders unter psychologischen Aspekten eine Rolle, da sie gewisse Assoziationen hervorrufen. Zudem beleben sie die visuelle Botschaft.
Farbassoziationen sind aber nicht einheitlich, sondern an unterschiedliche Kulturkreise und den jeweiligen Zeitgeist gebunden (vgl. Kloss 2003: 186f. u. Schneider 2000: 483ff.).
Zur vollen Geltung kommen sie erst durch die entsprechenden Formen. So passt zu Gelb am besten ein Dreieck, zu Orange ein Trapez, zu Rot ein Quadrat, zu Blau ein Kreis, zu Violett eine Ellipse und zu Grün ein sphärisches Dreieck (vgl. Schneider 2000: 485).
Weiterhin können Farben Temperatur vermitteln (Rot ist wärmer als Grün oder Blau), eine Gewichtsempfindung bewirken (Weiß und Gelb sind die "leichtesten", Dunkelrot und Schwarz die "schwersten" Farben) sowie einen Geschmack (süß (Orangengelb bis Rot), süßlich (Rosa), sauer (Gelbgrün), salzig (Grau mit Blassgrün oder mit Blassblau), bitter (Marineblau, Braun, Violett, Olivgrün)) und Geruch (leicht würzig (Grün), scharf, würzig (Orange), parfümiert (Violett, Fliederblau)) hervorrufen (vgl. Schneider 2000: 485f.).
2.2.4 Weitere Gestaltungselemente
Auf weitere interessante von der Werbung verwendete Gestaltungselemente wie Musik, Duftstoffe, haptische und geschmackliche Elemente usw. sowie deren Vor- und Nachteile und die Beeinflussung durch unterschiedliche Kulturen kann im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden.
Auf einige Ursachen für Probleme und Missverständnisse wird in 3.2.1 hingewiesen.
15
2.3 Werbemittel
In Abhängigkeit von unterschiedlichen Faktoren (Art der Werbeziele, Art der verwendeten Werbemittel und des Werbeträgers usw.) lässt sich Werbung sehr detailliert klassifizieren (vgl. Behrens 1975 in: Hennecke 1999: 24).
Insgesamt lassen sich drei verschiedene Werbemittel unterscheiden (vgl. Kloss 2003: 183):
1. Visuelle Werbung (Kataloge, Prospekte, Plakate, Anzeigen usw.).
2. Audiovisuelle Werbung (Kino- und Fernsehspots usw.).
3. Akustische Werbung (Ladendurchsagen, Hörfunkspots usw.).
Für die vorliegende Untersuchung der Werbestrategie von IKEA sind nur die ersten beiden Werbemittel (visuelle und audiovisuelle Werbung) relevant. In ihnen kommen die bereits erwähnten Gestaltungselemente zum Einsatz ( 2.2.1; 2.2.2; 2.2.3).
2.3.1 Visuelle Werbung
Je nach Art des verwendeten Werbeträgers kann bei visueller Werbung eine Unterteilung in Zeitschriften-, Zeitungs- und Plakatwerbung getroffen werden (vgl. Behrens 1975 in: Hennecke 1999: 24).
Internetwerbung fällt abhängig von den verwendeten Werbemitteln sowohl in den Bereich der visuellen, als auch der audiovisuellen Werbung.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit spielt visuelle Werbung die größte Rolle, da es sich bei den untersuchten internationalen Homepages von IKEA ( 4.3.2) durchweg um dieses Werbemittel handelt. Auf einigen Homepages sind zwar Videos verfügbar, allerdings stellen sie keinen gezielten Einsatz von audiovisuellen Werbemitteln dar, da es sich lediglich um Werbespots aus dem Fernsehen handelt, die hier in Form von Videos zur Verfügung gestellt werden.
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Arbeit zitieren:
Master of Arts (Kulturwissenschaften) Sascha Miller, 2004, Interkulturelle Werbung, München, GRIN Verlag GmbH
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