INHALTSVERZEICHNIS
1 Sprachnormierung und -kodifizierung 3
2 Die Académie française als vorläufiger Endpunkt der
Sprachnormierungs- und Sprachkodifizierungsbestrebungen
im 17 Jahrhundert 4
2.1 Die Bedeutung des siècle classique 4
2.1.1 Gesellschaftspolitischer Kontext 4
2.1.2 Kulturelle und literarische Umstände 5
2.1.3 Momentane Sprachsituation 6
2.2 Wichtige Personen im Kodifizierungsprozeß 8
2.2.1 Richelieu Bindeglied zwischen Politik und Literatur 8
2.2.2 Malherbe Initiator von Normierungsbestrebungen 9
2.2.3 Vaugelas Sprachpflegerische Bemühungen 11
2.3 Das Ideal des bon usage 12
2.3.1 Entstehung und Definition 12
2.3.2 Entwicklung und Ausprägungen 14
2.3.3 Sprachnormierende Effekte 16
2.4. Die Gründung der Académie française 17
2.4.1 Ursprünge Gründung und Statuten 18
2.4.2 Werke und Mitglieder 19
2.4.3 Aufgaben damals und heute 21
3 Sprachnormierung und kodifizierung vom 17 Jahrhundert
bis heute 23
4 Bibliographie 24
2 NA
1 SPRACHNORMIERUNG UND -KODIFIZIERUNG
In keiner anderen Nation spielt die Beschäftigung mit der eigenen Sprache eine solch enorme Rolle wie in Frankreich.
Im Rahmen des besuchten Seminars unter dem Titel „Historische Varietäten- linguistik“ erscheint es opportun, eine Verknüpfung zwischen der geschichtlichen Seite des Themas und dem sprachlichen Aspekt zu suchen. Die hier verfolgte Fragestellung möchte eine chronologische und auch inhaltliche Entwicklung in Fragen des sprachpflegerischen Bemühens in Frankreich während des 17. Jahrhunderts und marginal in unsere Gegenwart ausstrahlend offenlegen. Zur situativen und zeitlichen Einordnung soll dem Leser zunächst ein kurzer Überblick über das 17. Jahrhundert, seine gesellschaftspolitischen Gegebenheiten sowie seine kulturellen und literarisch-sprachlichen Zustände vermittelt werden. Um die zentrale Thematik näher einzukreisen, werden im darauffolgenden Abschnitt drei wichtige Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und vor allem sprachlichen Bereichs mit ihren Bestrebungen und Erfolgen vorgestellt, um Einzelbemühungen im Sinne von Sprachnormierung und -kodifizierung zu präsentieren. Im dritten Gliederungspunkt schließt sich die detaillierte und umfassende Betrachtung des bon usage an, welcher für alle am Normierungsprozeß beteiligten Personen und Institutionen von besonderer Bedeutung war und auch vom varietätenlinguistischen Standpunkt aus von großer Relevanz für die Franzosen des 17. Jahrhunderts war. Um schließlich einen historischen Endpunkt des behandelten Zeitraumes zu setzen, wird die Académie française als erstes staatliches Institut der Sprachpflege vorgestellt. Wie sich ergeben wird, laufen alle vorhergehenden Bemühungen und sprachnormierenden Bestrebungen in der Académie als zentrale und zentralistische Organisation zusammen, um von nun an als staatliche Verordnungen Geltung zu erlangen. Ein kurzer Ausblick auf die nach wie vor bestehende Académie unserer Tage rundet das Thema ab. Funktional gesehen ist die Arbeit darauf ausgerichtet, den Fokus des Lesers von der inhaltlichen Weite des 17. Jahrhunderts sukzessive auf die Sprache im allgemeinen und schließlich auf die detaillierte Auseinander- setzung mit Maßnahmen zur Sprachregulierung und -pflege im einzelnen zu lenken.
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DIE ACADÉMIE FRANÇAISE ALS VORLÄUFIGER ENDPUNKT DER
2 SPRACHNORMIERUNGS- UND SPRACHKODIFIZIERUNGSBESTREBUNGEN IM 17. JAHRHUNDERT
2.1 DIE BEDEUTUNG DES SIÈCLE CLASSIQUE Das 17. Jahrhundert wird in Frankreich auch als siècle classique bezeichnet, da in diesem Jahrhundert Kunst, Kultur und Literatur in beeindruckender Blüte standen. Ludwig XIV., der Sonnenkönig, förderte und beeinflußte Literatur, Architektur, Musik und Kunst wie kein anderer Monarch vor ihm und verhalf dem Klassizismus in Frankreich zur umfangreichsten Ausprägung.
2.1.1 GESELLSCHAFTSPOLITISCHER KONTEXT
Zunächst sei ein kurzer Abriß der historischen und gesellschaftspolitischen Hintergründe des 17. Jahrhunderts gegeben, um einen grundlegenden Überblick über die Epoche zu vermitteln.
„Die innere politische Entwicklung Frankreichs ist im 17. Jh. durch die Errichtung und Vervollkommnung der absolutistischen Monarchie gekennzeichnet.“ (Geckeler/- Dietrich 2003, 220). Nachdem Heinrich IV. nach den Religionskriegen in der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert mit der politischen und wirtschaftlichen Reorganisation des Landes begonnen hatte, übernahm nach dessen Tod 1610 Ludwig XIII. als schwacher König die Macht und übertrug diese nahezu uneingeschränkt seinem ersten Minister, dem Kardinal Richelieu. Unter Richelieu kam es zu einer Festigung der monarchischen Macht sowie zur gänzlichen Ausschaltung innerer Opposition nach den Aufständen der Fronde (1653/54). 1643 bestieg Ludwig XIV. unter Hilfe der Regentschaft Mazarins den Thron.
„Nach dessen Tod (1661) übernahm Ludwig XIV. selbst die Regierung und führte die absolute Monarchie zur Vollendung. Die weitere Einigung des Landes durch geschickte Bindung der Kräfte des Adels, die Pracht der Hofhaltung, die Förderung der Wirtschaft, der Ausbau der amerikanischen Kolonien […], der Aufbau einer großen Militärmacht, aber auch die außerordentliche Förderung von Wissenschaft und Kunst sind die äußeren Kennzeichen seiner Regentschaft […]. (Geckeler/Dietrich 2003, 221)
Der Absolutismus stellt die Staatsform dar, welche aus dem tiefen Bedürfnis der Epoche heraus nach der Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit entstanden ist. Man sah einen Ausweg aus den Krisenzeiten nur in der Stärkung der fürstlichen Macht. Es wurde nun die Forderung laut „nach dem ‚pouvoir absolu’, nach der
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ungeteilten Verkörperung der staatlichen Gewalt in der Person des Fürsten.“ (Kunisch 1986, 21) Die bisherige Mannigfaltigkeit der politischen Entscheidungen und Entscheidungsträger wurde zurückgedrängt und durch den Alleinherrschafts- anspruch des Fürsten ersetzt. Zwar wurde eine völlige Beseitigung der Stände vermieden, doch wurden ihre Funktionen und Rechte stark beschnitten und auf sekundäre Aufgaben bzw. Repräsentationspflichten zurückgedrängt. Die absolutistische Staatsform wurde von den Zeitgenossen nicht als Despotie empfunden, denn der Monarch war nach wie vor an das göttliche und natürliche Recht gebunden und durfte nur in von Menschen aufgestellte Gesetze eingreifen. (Kunisch 1986, 22f.) Zusammenfassend läßt sich zum 17. Jahrhundert aus gesellschaftspolitischer Sicht konstatieren, daß die innenpolitischen Entwicklungen unter deutlicher Betonung der königlichen Allmacht standen. Auf politischer Ebene kam es zu einer nahezu vollständigen Domestizierung des Adels am Versailler Königshof und somit möglichst allumfassender Ausschaltung jeglicher Opposition, aus wirtschaftlicher Sicht trat Frankreich durch die Einführung des Merkantilismus in ein neues Wirtschaftszeitalter ein und im außenpolitischen Bereich konnten unter Ludwig XIV. große Kriegserfolge und Territorialgewinne gefeiert werden.
Um nun aber den historisch orientierten Überblick nicht allzu sehr ausschweifen zu lassen, werden im folgenden Ausführungen speziell zu kulturellen und literarischen Besonderheiten des siècle classique oder auch grand siècle unternommen.
2.1.2 KULTURELLE UND LITERARISCHE UMSTÄNDE
Ludwig XIV. war ein großer Förderer der Künste jeglicher Art unter seiner Herrschaft und galt sogar durch seine Finanzierungs- und Unterstützungsmaßnahmen als Begründer eines modernen Staatsmäzenatentums. Denn „die Kunst in all ihren Sparten gehörte nach seinen Vorstellungen vielmehr zum unmittelbaren Einflußfeld des souveränen, absoluten Monarchen […]. Auch die Kunst diente also der Machtsicherung und Machterweiterung […].“ (Hinrichs 2003, 199) So kam es unter Ludwig XIV. zu zahlreichen Gründungen von diversen Akademien, die sich mit allen Bereichen der Kunst, Literatur, Musik, Architektur und den Naturwissenschaften beschäftigten. Auch die Gründung der Académie française
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wurde durch ihn gebilligt und unterstützt, wie im letzten Kapitel der vorliegenden Arbeit noch zu erörtern sein wird.
Auf literarischem Gebiet konnte das siècle classique einige bedeutende Künstler wie beispielsweise Corneille, Racine, Boileau und Molière hervorbringen, deren schrift- stellerisches Schaffen als Meisterwerke und grundlegende Fundamente französischer Literatur gelten (Wolf 1979, 109).
Insbesondere in sprachlicher Hinsicht nahm das Idiom des Hofes unter der Ägide des königlichen Willens die Stelle als alleingültiges Sprachmodell des Landes ein. Von großer Wichtigkeit speziell für die Sprache der Literatur waren von nun an die Verbesserung der Sprachqualität, der Aufbau von Regeln, die Erzeugung von Ord- nung und die Geltendmachung von Normen. Es sollte eine klare Literatursprache geschaffen werden, deren bisherige Erzeugnisse einer bewußten Selektion sprachlicher Mittel unterzogen werden. (Klare 2002, 118) Auch aus wirtschaftlicher Sicht wurde die Beschäftigung mit der (Literatur-) Sprache des 17. Jahrhunderts immer vordringlicher: mit Entstehung und zunehmender Verbreitung des Buchdrucks wurde deutlich, daß der französischen Sprache bzw. Orthographie eine allgemeingültige Normierung fehlte. Die bisherigen Vorschriften konnten nicht als ausreichende Richtlinien gewertet werden, so daß eine Veränderung und Fixierung bisheriger sprachlicher – seien es mündlicher oder schriftlicher Art – Regeln dringend geboten schien. (Settekorn 1988, 42)
2.1.3 MOMENTANE SPRACHSITUATION
„Die im 16. Jh. begonnenen, aber noch unsystematischen Beschäftigungen mit der Nationalsprache nehmen nunmehr systematischen Charakter an.“ (Klare 2002, 116) Die sprachlichen und kulturellen Gegebenheiten werden den Anforderungen der zentralistischen Monarchie unterworfen.
„Die Literatursprache und dann auch die Hochsprache werden nunmehr unter Zugrundelegung klarer Selektionsprinzipien und Normkriterien geordnet […]. Es beginnt damit auch eine bewusste Absonderung von den umgangssprachlichen Formen der großen Mehrheit der unteren Volksschichten, die von diesen Regulierungs- und Normierungsvorgängen kaum berührt werden.“ (Klare 2002, 116)
So kommt es, daß eine Französisierung der französischen Bevölkerung, insbeson- dere des tiers état, nicht stattfindet. Das Französische festigt sich speziell als
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Daniela Scharnagl, 2006, Die ACADÉMIE FRANÇAISE als vorläufiger Endpunkt der Sprachnormierungs- und Sprachkodifizierungsbestrebungen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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