Inhaltsverzeichnis
0. Vorbemerkungen 2
1. Übersetzung von 21, 16 (in Auswahl) 3
2. Überblick über die Charakterisierung von Gallus, Constantius und Julian
bei Ammian 6
3. Die Charakterisierung des Constantius in 21, 16 (in Auswahl) 8
3.1 Situierung und Gliederung von 21, 16 8
3.2 Zur Form und Stellung von 21, 16 8
3.3 Interpretation von 21, 16 (in Auswahl) 9
3.3.1 Darstellung der bona 9
3.3.2 Darstellung der vitia 12
3.3.3 Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes 16
4. Constantius II. im Licht der antiken Geschichtsschreibung und der
althistorischen Forschung 18
5. Literaturverzeichnis 20
1
0. Vorbemerkungen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die Charakterisierung des Kaisers Constantius II. durch Ammianus Marcellinus näher zu untersuchen. Nach einem kurzen Überblick darüber, wie Ammian Constantius und andere Kaiser insgesamt einschätzt, liegt der Schwerpunkt auf der Analyse ausgewählter Paragraphen in Buch 21, wobei exemplarisch auch auf andere Kapitel verwiesen werden soll, die sich zum Vergleich mit 21, 16 eignen. Der lateinische Text der Res gestae wird grundsätzlich nach Seyfarth zitiert. Um den Wahrheitsgehalt der bei der Analyse gefundenen Aussagen besser einschätzen zu können, steht im Anschluß daran ein Vergleich von Ammians Urteil mit der Parallelüberlieferung und den Ergebnissen der althistorischen Forschung. Methodisch versucht die vorliegende Arbeit, sowohl literaturwissenschaftliche als auch geschichtswissenschaftliche Fragestellungen zu berücksichtigen und somit den Res gestae des Ammianus Marcellinus sowohl als Bestandteil der römischen Geschichtsschreibung als auch als Werk der spätantiken Literatur gerecht zu werden.
2
1. Übersetzung von 21, 16 (in Auswahl)
(§§ 1-4) Also wird es jetzt angebracht sein, unter wirklicher Bewahrung der Unterschiede zwischen seinen positiven und seinen negativen Eigenschaften die herausragendsten der ersteren darzustellen. Indem er die Hoheit der kaiserlichen Macht überall bewahrte, verachtete er die Volkstümlichkeit erhabenen und großen Sinnes, war ungemein sparsam bei der Verleihung höherer Würden, duldete nicht, daß viel rund um die Vermehrung der Verwaltungen erneuert wurde bis auf Weniges und begünstigte niemals den Hochmut der Militärs. Auch wurde unter ihm kein Führer zum Clarissimat befördert. Sie waren nämlich, wie auch ich mich erinnere, nur Perfectissimi. Und es begegnete einem Heermeister kein Provinzstatthalter, und er gestattete nicht, daß von diesem eine zivile Aufgabe angerührt wurde. Aber alle militärischen und zivilen Machthaber blickten immer zu den Prätorianerpräfekten nach der Sitte alter Ehrerbietung wie zum Gipfel aller Ehren. Bei der Behandlung der Soldaten war er allzu vorsichtig, ein manchmal übergenauer Untersucher der Verdienste, der die kaiserlichen Würden gewissermaßen wie nach der Goldwaage verlieh, und unter seiner Herrschaft wurde niemand plötzlich oder unbekannt eingesetzt, um irgendeinen hohen Posten im Palast zu besetzen, sondern derjenige, der nach einem Jahrzehnt seiner Ämterlaufbahn das Amt eines Marschalls oder eines Schatzmeisters oder irgendetwas Ähnliches bekleiden sollte, war wohlbekannt. Und sehr selten ereignete es sich, daß irgendje-mand von den Militärs zur Verwaltung ziviler Angelegenheiten überging; dagegen wurden nur Männer, die im Kriegsstaub sich abgehärtet hatten, den Bewaffneten an die Spitze gestellt. Er war ein eifriger Arbeiter in den Wissenschaften, aber er brachte nach dem Übergang zur Verskunst nichts zustande, was der Mühe wert gewesen wäre, weil er in der Rhetorik durch seine schwache Begabung im Stich gelassen wurde.
(§§ 8-11) Nach der zusammenfassenden Aufzählung seiner positiven Eigenschaften, die ich in Erfahrung bringen konnte, will ich jetzt zur Darstellung seiner schlechten Eigenschaften kommen. Obwohl er in den übrigen Geschäften den Durchschnittskaisern vergleichbar war, übertraf er, wenn er ein gewisses falsches oder leichtes Anzeichen fand, jemand wolle sich die Herrschaft anmaßen, die Grausamkeit eines Caligula, eines Domitian oder eines Commodus mit Leichtigkeit, indem er unermüdlich nachforschte und dabei keinen Unterschied machte
3
zwischen Recht und Unrecht; die Grausamkeit dieser Kaiser ahmte er zu Beginn seiner Herrschaft nach und rottete alle, die ihm durch Blut und Verwandtschaft verbunden waren, mit Stumpf und Stiel aus. Zu dem Leid der Unglücklichen, die wegen Schädigung oder Beleidigung seiner Majestät denunziert wurden, kam noch seine Bitterkeit und sein Jähzorn sowie seine Verdächtigungen gegen alles Derartige. Und wenn etwas Derartiges ruchbar wurde, erhob er sich heftiger als recht ist zu Untersuchungen, setzte für diese Streitfälle unerbittliche Richter ein und versuchte, wenn es die Natur gestattete, daß bei einigen zu Bestrafenden der Tod länger hinausgezögert wurde, er war in Teilen derartiger Rechtsfälle sogar grausamer als Gallienus. Jener nämlich war oft das Ziel häufiger und tatsächlicher Anschläge von Empörern: von Anschlägen des Aureolus, des Postumus, des Ingenuus und des Valens, der den Beinamen Thessalonicus trug, und vieler anderer, und doch bestrafte er todeswürdige Verbrechen manchmal milder. Dieser jedoch setzte es durch, daß man Erfundenes oder Zweifelhaftes als vollkommen gewiß ansah, durch die Gewalt allzu schwerer Folterungen. In derartigen Rechtsfällen haßte er das Gerechte mit tödlichem Haß, obwohl er sehr darauf hinarbeitete, als gerecht und milde zu gelten. Und wie die aus einem trockenen Wald fliegenden Funken durch ein leichtes Wehen der Winde bis zu den Gefahren der Dörfer der Landleute in einem unaufhaltsamen Weg gelangen, so erregte jener aus den geringsten Anlässen unzählige Leiden, jenem wahrhaftigen Kaiser Marcus unähnlich, der, nachdem Cassius in Syrien sich an die Spitze der kaiserlichen Macht gesetzt hatte, ein Bündel Briefe noch versiegelt verbrennen ließ, das von ihm an Mitwisser geschickt worden war und die ihm sofort nach Ergreifung des Boten übergeben worden waren; er hielt sich damals in Illyricum auf, damit sich nicht einige wider seinen Willen nach Erkennen derer, die die Anschläge verübten, in seiner Ungnade befinden konnten.
(§ 15) Wenn dieser Kaiser auch in auswärtigen Kriegen verwundet und geschlagen war, so war er doch wegen der erfolgreich verlaufener Bürgerkriege aufgebläht und durchströmt vom furchtbaren Eiter aufgrund der inneren Geschwüre des Staates. Aus diesem verwerflichen Grund und mehr als aus einem gerechten und üblichen errichtete er Triumphbögen nach dem Ruin der Provinzen in Gallien und Pannonien, nachdem er sie mit Inschriften über seine Taten versehen hatte für die Menschen, die von ihm lesen sollten, solange die Denkmäler stehen konnten.
4
(§ 19) Er war von solcher Figur und von solchem Körperbau: brünett, mit emporgerichtetem Blick und scharf blickend, von weichem Haar, von gründlich rasierten Wangen, die schmuckvoll glänzten, ein wenig zu lang von der Gegend des Halses selbst bis zur Scham; er hatte sehr kurze und gebogene Beine, weswegen er im Sprung und Lauf sehr gut war.
5
Arbeit zitieren:
Mark Möst, 2003, Die Charakterisierung des Kaisers Constantius II. in Ammianus Marcellinus, "Res gestae" 21, 16, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Kaiser Iulian - Der gescheiterte Philosoph auf dem Thron der Caesaren
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Julianus Apostata - Christenhasser, oder „Gutmensch“ und Toleranzstift...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Das Epigramm als literarische Gattung am Beispiel des antiken Autors M...
Facharbeit (Schule), 28 Seiten
Das Engagement Schwedens im Dreißigjährigen Krieg
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 16 Seiten
Südafrika und die Geschichte der Apartheid
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Anfänge der Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland 1949...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 27 Seiten
Der Ausbruch des Peloponnesischen Krieges
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 18 Seiten
Der Ausbruch des peloponnesischen Krieges und die Kriegsschuldfrage
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 18 Seiten
Latein: Die Charakterisierung des Kaisers Constantius II. in Ammianus Marcellinus, "Res gestae" 21, 16 ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Mark Möst hat den Text Die Charakterisierung des Kaisers Constantius II. in Ammianus Marcellinus, "Res gestae" 21, 16 veröffentlicht
Mark Möst hat einen neuen Text hochgeladen
Philological and Historical Commentary on Ammianus Marcellinus XXIV
J. Den Boeft, Jan Willem Drijvers, D. Den Hengst
Philological and Historical Commentary on Ammianus Marcellinus XXV:
J. Den Boeft, Jan Willem Drijvers, D. Den Hengst
Philological and Historical Commentary on Ammianus Marcellinus 26
J. Den Boeft, Jan Willem Drijvers, Daniel Den Hengst
Late Roman World and Its Historian: Interpreting Ammianus Marcellinus
David Hunt, Jan Willem Drijvers, Wi Drijvers Jan
Philological and Historical Commentary on Ammianus Marcellinus XXVII
J. Den Boeft, Jan Willem Drijvers, D. Den Hengst
Ammianus After Julian: The Reign of Valentinian and Valens in Books 26...
Jan Den Boeft, Jan Willem Drijvers, Daniel Den Hengst
Res Gestae Divi Augusti (the Achievements of the Divine Augustus)
Augustus, J. M. Moore, P. A. Brunt
0 Kommentare