INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG / PROBLEMSTELLUNG 1
2. ENTWICKLUNG DES ZIVILRECHTS AUSGEHEND VOM ZUSTAND VOR DER
REVOLUTION BIS ZUM CODE CIVIL. 2
2.1 ZEIT VOR UND WÄHREND DER REVOLUTION 2
2.2 DIE BÜRGERLICHE REPUBLIK 3
3. BONAPARTES STAATSSTREICH 4
3.1 DIE NAPOLEONISCHE VERFASSUNG 4
3.2 GESELLSCHAFTLICHE KONSOLIDIERUNG 5
4. ENTWICKLUNG DES CODE CIVIL UND DER VERWALTUNG 6
4.1 REFORM DES VERWALTUNGSSYSTEMS 6
5. MOTIVE NAPOLEONS: 8
5.1 MASSNAHMEN ZUR DURCHSETZUNG DES CODE CIVIL 9
6. ZUSAMMENFASSUNG / FAZIT 11
7. L ITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 12
1. EINLEITUNG
Thema der vorliegenden Hausarbeit ist die Entstehung bzw. die Umstände, welche zur Entwicklung des Code civil oder auch Code Napoléon geführt haben. Der betrachtete Zeitraum liegt hauptsächlich in der Zeit der napoléonische Machtergreifung. Zum besseren Verständnis der Entstehungsgeschichte des Code civil muss auch kurz auf vorrevolutionäre Gesetzeslage in Frankreich sowie auf die revolutionären Errungenschaften, soweit sie das französische Recht betreffen, eingegangen werden.
Im Zuge der Hausarbeit soll besonders die Frage nach der Motivation Napoléons hinsichtlich der Ausarbeitung eines neuen Zivilgesetzbuches diskutiert werden und ob der Code civil sich direkt aus der Revolution ergab oder ob Napoléon nicht vielmehr revolutionäre Forderungen nach einheitlichem Recht für ganz Frankreich instrumentalisierte um seine eigene Machtposition zu stärken.
D e m A u t o r e r s c h i e n e s d a z u s i n n v o l l e i n e G l i e d e r u n g i n v i e r T e i l e vorzunehmen.
Anhand des ersten Teils soll die Entwicklung des Zivilrechts ausgehend vom Zustand vor und während der Französischen Revolution dargestellt werden, während sich der zweite Teil dem politischen Aufstieg Napoléons an die Spitze Frankreichs widmet.
Im dritten Teil soll schließlich die napoléonische Reform bzw. Entwicklung des Zivilgesetzbuches beschreiben werden bevor schließlich im vierten Teil der Versuch unternommen werden soll, die Motive Bonapartes zu klären, welche ausschlaggebend für das große Engagement Napoléons bei der Entwicklung des Code civil waren. In diesem Zusammenhang soll auch geklärt werden, was sich der 1. Konsul und spätere Kaiser Frankreichs von dem Gesetzwerk versprach.
Der Wunsch Napoléons mit dem Code civil als großer Gesetzgeber und Verwalter Frankreichs und Europas, und nicht nur als Feldherr, in die Geschichte einzugehen hat sich nicht erfüllt. In erster Linie werden mit seinem Namen große Schlachten, der gescheiterte Russland-Feldzug und der ‚Untergang‘ bei Waterloo in Verbindung gebracht. Seine Taten als Gesetzgeber werden weit weniger beachtet. Dies spiegelt sich auch in der Literatur wieder; im deutschsprachigen Raum gibt es nur sehr wenige Autoren, die sich mit Napoléons Anteil an der Gesetzgebung des Code civil auseinandersetzten. Eine dieser Arbeiten wurde 1991 mit dem Titel Napoléons Anteil am Code civil von Eckhard Maria Theewen vorgelegt. Die vorliegende Hausarbeit nimmt daher auch hauptsächlich auf diese Bezug. Als Literatur- Quellenmaterial standen dem Verfasser hauptsächlich die Archive der Universitätsbibliothek Freiburg sowie die Bibliothek des historischen Seminars Freiburg zur Verfügung.
1
2. ENTWICKLUNG DES ZIVILRECHTS AUSGEHEND VOM ZUSTAND VOR DER REVOLUTION BIS ZUM CODE CIVIL
2.1 ZEIT VOR UND WÄHREND DER REVOLUTION
Im vorrevolutionäre Frankreich herrschte eine Fülle von verschiedensten Gesetzen. Vereinfacht lässt sich sagen, dass im nord- und zentralfranzösischen Gebiet das Droit coutumier und im südfranzösischen Gebiet das Droit écrit galt. Darüber hinaus galten in ganz Frankreich etwa 360 regionale Rechtsordnungen, deren Gültigkeit sich z.T. nur auf kleine Landstriche aber auch auf ganze Provinzen erstreckte. Außerdem galten auch noch die königlichen Weisungen. 1 Die Vielzahl dieser Rechtsquellen war verwirrend; eine Vereinheitlichung standen mehrer Gründe entgegen. Ein großes Problem war die Tatsache, dass Frankreich „trotz der die territoriale Einheit verkörpernden Monarchie keine Nation“ war und „die Kirche neben ihrer Funktion als Stütze der Monarchie das Monopol der Personenstandsregelung innehatte“ 2 . Eine neue Rechtsordnung wurde erst durch die Revolution 1789 ermöglicht. Die Abschaffung der Stände und Privilegien und der damit verbundene Transfer der Macht auf das Volk führten zur Entstehung eines Nationalgefühls und damit verbunden zur Bereitschaft regional behütetes Recht, welches zur Abgrenzung gegen die Nachbarn diente und nun mehr überfl üssig war, zu Gunsten der Gleichheit und Brüderlichkeit aufzugeben. Bereits am 4. August 1789 wurde das Feudalrecht aufgehoben und die zivilrechtliche Gleichheit aller proklamiert:
In der Verfassung von 1791 wird bereits in Artikel 1 bestimmt, dass es ein Zivilgesetzbuch für das gesamte Land geben solle.
1 vgl. Theewen, Eckhard (1991): Napoleons Anteil am Code Civil, S.36 f.
2 Theewen, Eckhard (1991): Napoleons Anteil am Code Civil, S.35
3 Beschlüsse der Konstituante vom 4./5. August 1789 und Präambel der Verfassung von 1791, zit. nach Mager, Wolfgang (1980): Frankreich, S.208
2
In der Folgezeit wurden mehrere Gesetzgebungsausschüsse mit dem Auftrag betraut ein einheitliches und umfassendes Gesetzbuch zu entwickeln, aus deren Vorschlägen aber immer nur einzelne Passagen übernommen wurden, während der Rest verworfen wurde. Die jeweiligen Machthaber sahen sich in den Jahren nach der Revolution mit zahlreichen Problemen konfrontiert, so dass Gesetzesreformen in den Bereichen Vorrang hatten, welche für die „Durchsetzung revolutionäres Ideen und Programme von Wichtigkeit sein konnten“ 4 . Vor dem 9. November 1799 kam es fast ausschließlich in den Teilbereichen Familien-, Erb- und Eigentumsrecht zu wirklichen Reformen.
2.2 DIE BÜRGERLICHE REPUBLIK
Im September 1795 entsteht als Reaktion auf Terror und ‚Volksdiktatur’ eine schwache Exekutive bestehend aus fünf Direktoren, das so genannte Direktorium. Die Rahmenbedingungen für eine stabile, parlamentarische und friedenssichernde Regierung waren schlecht, da sich das Land vor dem fi nanziellen Ruin befand und die Infl ation dementsprechend hoch war. Zu dem sah sich das Direktorium mit der rechten royalistischen und klerikalen Gegenrevolution sowie den von links opponierenden restlichen Anhängern der Jakobiner konfrontiert. Es herrschte weiterhin Krieg und die sozialen und politischen Spannungen hielten an. Verschiedenste politische Gruppen versuchte von Anfang an das Direktorium zu stürzen; die einzig verbliebene Macht innerhalb Frankreichs war das Militär, welches sich vorerst in Dienst des Direktoriums stellte und 1796 in dessen Auftrag den letzten Sancculottenaufstand niederschlug.
4 Theewen, Eckhard (1991): Napoleons Anteil am Code Civil, S.37.
3
Arbeit zitieren:
Sebastian Schmidt, 2006, Le Code Civil - Napoléons Instrument zur absoluten Macht?, München, GRIN Verlag GmbH
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