Inhalt
Inhalt
1 Einleitung 1
2 Warum Fremdsprachenunterricht in der Grundschule? 2
3 Konzeptionen des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule 3
3.1 Fremdsprachenunterricht an Waldorfschulen 3
3.2 Language Awareness 4
3.3 Immersionsmodelle 5
3.4 Begegnungssprachenmodelle 6
3.4.1 Lerne die Sprache deines Nachbarn (Baden Württemberg) 6
3.4.2 Begegnung mit Sprachen (Nordrhein-Westfalen) 7
3.5 Systematischer Fremdsprachenunterricht 8
3.6 Englischunterricht in der Grundschule heute 10
3.6.1 Regelungen der Bundesländer 10
3.6.2 Rahmenplan Englisch des Landes Bremen 12
3.6.3 Methoden des Fremdsprachenunterrichts an Grundschulen 13
4 Abschlussbetrachtung und Ausblick 15
5 Literatur 17
II
1 Einleitung
Der Fremdsprachenunterricht in der Grundschule wurde inzwischen in den Rahmenplänen der einzelnen Bundesländer aufgenommen und in den Schulen umgesetzt. Um dies zu erreichen, war ein langwieriger Prozess der Schulversuche und Konzeptionssuche notwendig. Herausgestellt hat sich, dass von allen zur Wahl stehenden Sprachen Englisch mit Abstand am häufigsten gewählt wurde, weil die Bedeutung als Weltsprache sowohl von den Lehrern als auch den Eltern recht hoch eingeschätzt wird. Da Englisch jedoch nicht die einzige Fremdsprache an Grundschulen ist, wird im Folgenden hauptsächlich „Fremdsprachunterricht“ an sich thematisiert, wobei dafür geltende Prinzipien - abgesehen vom Begegnungscharakter durch Kontakt mit den Nachbarstaaten - für den Englischunterricht selbstverständlich ebenfalls gelten.
In dieser Arbeit sollen kurz die Grundlagen des frühen Fremdsprachenunterrichts (s. Abschnitt 2) und die wichtigsten Konzeptionen zum Fremdsprachenunterricht in der Grundschule dargelegt und diskutiert werden. In Abschnitt 3.1 wird zunächst der Sprachunterricht an Waldorfschulen erläutert, weil dieser seit bereits 1919 erteilt wird. Anschließend wird in Abschnitt 3.2 das Konzept der „Language Awareness“, das seine Ursprünge in Großbritannien hat, vorgestellt werden. Aus Kanada und Schulbezirken in Grenznähe stammen die Immersionsmodelle, die einen Teil oder den gesamten Unterricht in der zu erlernenden Zielsprache vorsehen (Abschnitt 3.3). Als eine unbewusste Form des sprachlichen und interkulturellen Lernens gelten die Begegnungssprachenmodelle, die ihr Hauptaugenmerk auf authentische Begegnungen mit der Zielsprache legen. Die beiden gut dokumentierten Formen des Begegnungssprachenunterrichts aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen werden in Abschnitt 3.4 erläutert.
Dem eher unbewussten Lernen steht der systematische Fremdsprachenunterricht, der in Abschnitt 3.5 zusammengefasst wird, gegenüber. Im Anschluss wird in Abschnitt 3.6 ein Überblick über die Umsetzung des Fremdsprachenunterrichts in den Bundesländern, den Bremer Rahmenplan Englisch und Methoden des Fremdsprachenunterrichts gegeben. Eine abschließende Betrachtung findet sich in Abschnitt 4.
1
2 Warum Fremdsprachenunterricht in der Grundschule?
Als Argument für einen frühen Fremdsprachenunterricht in der Grundschule wird häufig die critical period des Spracherwerbs herangezogen, die für den Erwerb der ersten Sprache günstige Phase. Wenn die Muttersprache innerhalb dieser Phase nicht vollständig erworben wurde, gelingt dies im Anschluss nur noch unvollständig. Die Fähigkeiten in dieser kritischen Phase sollen für das Erlernen von Fremdsprachen genutzt werden. „Die kritische Phase des auditiven Systems liegt um das neunte Lebensjahr […]. Dann beginnt sich das ‚kognitive Fenster’ für die Anpassung an die Lautung der Umgebung zu schließen.“ (BLEYHL, 2003: 7). Außerdem falle Kindern das Lernen von Sprachen leichter, weil Kinder sprachliche Zusammenhänge speziell durch Imitation im Rahmen von Spielen und Geschichten erwerben können (vgl. APPEL, 2004).
KLIPPEL (2003) weist jedoch darauf hin, dass die Prinzipien der kritischen Phase für den Erwerb der Erstsprache deutlich ausgeprägter gelten als für den Erwerb von Fremdsprachen. Demnach könne der Lernvorsprung, den Kinder durch Fremdsprachenunterricht in der Grundschule gegenüber Kindern mit späterem Beginn des Fremdsprachenlernens besitzen, in späteren Jahren in geeignetem Umfeld relativ leicht aufgeholt werden.
Doch das leichtere Lernen alleine stellt noch keine ausreichende Begründung für einen Fremdsprachenunterricht in der Grundschule dar. Insbesondere in der immer stärker globalisierten Gesellschaft und dem zusammenwachsenden Europa sind sowohl Sprachkenntnisse als auch Offenheit und Verständnis gegenüber anderen Kulturen Grundlagen für ein menschliches Miteinander. Der Sprachunterricht bietet zahlreiche Anlässe für interkulturelles Lernen, das nicht nur die Feiertage anderer Länder einschließt, sondern zusätzlich das Leben in anderen Ländern mit anderen Traditionen und Kulturen zum Thema macht (ebd.; MAIER, 1991; SANDFUCHS, 1997; BACH, 2003).
Ein ebenfalls vorteilhafter Aspekt des frühen Fremdsprachenlernens ist, dass gerade der Unterricht in der Grundschule (noch) von den meistern Kindern als angenehm und anregend empfunden wird. Somit kann der Fremdsprachenunterricht in der Grundschule zu einer allgemein positiven Einstellung dem Fremdsprachenlernen gegenüber führen. Wer motiviert eine Sprache lernt oder gelernt hat, ist dem Lernen einer weiteren Sprache gegenüber deutlich aufgeschlossener. Außerdem werden bereits mit der ersten Fremdsprache förderliche Lernmethoden kennengelernt und können gegebenenfalls auf weitere Sprachen übertragen werden.
2
3 Konzeptionen des Fremdsprachenunterrichts in der
Grundschule
Für den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule gibt es einige teilweise sehr unterschiedliche Konzeptionen, die den früheren Beginn des Fremdsprachenlernens als erst kürzlich aktuell gewordenes Thema erscheinen lassen. Doch bereits Johann Amos Comenius, John Locke, Jean-Jaques Rousseau und Johann Heinrich Pestalozzi haben zum Lernen von Fremdsprachen in der Grundschule Thesen verfasst oder Versuche unternommen (vgl. SCHMID-SCHÖNBEIN, 2001). Die aktuell hauptsächlich diskutierten Konzeptionen für den frühen Fremdsprachenunterricht, wobei nicht nur Englisch, sondern auch Französisch oder andere Sprachen aus Nachbarländern im Fokus stehen, sollen im Folgenden vorgestellt werden.
3.1 Fremdsprachenunterricht an Waldorfschulen
Bereits 1919 wurde an Waldorfschulen begonnen die Kinder direkt nach dem Schulbeginn in Französisch und Englisch zu unterrichten. Je Sprache standen dafür drei Stunden in der Woche zur Verfügung. Die Kenntnis von Fremdsprachen sollte nicht nur den reichen oder besonders begabten Kindern vorbehalten sein, sondern ein Mittel zur Verständigung der Völker untereinander sein. Dabei hat Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfschulen, selbst weniger Wert auf Englisch und Französisch an sich gelegt, sondern allein auf die Tatsache, dass die Kinder überhaupt Sprachen lernen. Welche Sprachen dies sein könnten, solle nach den jeweiligen Lebensumständen entschieden werden (vgl. JAFFKE und MAIER, 1997).
Der Unterricht sollte bereits im Alter von sechs oder sieben Jahren beginnen, da zu dieser Zeit die Fähigkeit zur Nachahmung bei den Kindern besonders stark ausgebildet ist. „Das rhythmische Sprechen, Spielen und Singen werde der Entwicklungsstufe des Kindes entsprechend in den ersten Schuljahren bevorzugt, alles Abstrakte dagegen, wie z.B. Grammatik, noch weggelassen. Auf diese Weise könnten von Anfang an auch alle intellektuell mittel- und schwachbegabten Kinder innerhalb der Klasse mit Gewinn am Unterricht teilnehmen und sich in die Fremdsprache einleben.“ (JAFFKE und MAIER, 1997: 7).
3
Im Fremdsprachenunterricht werden auch alte Kinderreime und Lieder verwendet, die den Körper der Kinder einbeziehen. Außerdem werden zahlreiche praktische Übungen eingesetzt, bei denen die Kinder handelnd die Sprache erleben können. Zusätzlich wird die an Waldorfschulen generell praktizierte Eurythmie praktiziert. Für den Sprachenunterricht gibt es kein Lehrwerk, sondern nur spezielle, von den Lehrern ausgewählte Materialien, wobei ein zu intensiver Einsatz von Medien abgelehnt wird. Das Lernen findet außerdem ohne Notendruck statt, da Noten an Waldorfschulen nur abgehenden Schülern ausgestellt werden. (vgl. JAFFKE und MAIER, 1997; BÖTTGER, 2005).
3.2 Language Awareness
Language Awareness geht auf das britische Konzept „Language across the curriculum“ zurück, das den britischen Schülern nicht nur im muttersprachlichen Unterricht Einblicke in den Aufbau von Sprache geben sollte. Dieser Unterricht entstand 1972 als Reaktion auf den Bericht einer Forschungskommission, der darlegte, dass sich die sprachlichen Fähigkeiten der britischen Schüler, speziell der Kinder aus sozial schwachen Familien oder aus Familien mit Migrationshintergrund, zunehmend verschlechterten (vgl. HEGELE, 1994; GNUTZMANN, 2003).
In der Fortführung als Language Awareness ermöglicht das Konzept das Verständnis von Sprache und das Erkennen von Unterschieden zwischen verschiedenen Sprachen. Dabei ist dieser Sprachvergleich nicht nur auf einzelne Worte beschränkt, sondern auch der Satzbau und Redensarten können untersucht werden. Ebenso Morphologie und Orthographie von Fremdsprachen können mit der Muttersprache verglichen werden.
Das Ziel der „Language Awareness“ ist einerseits ein verbessertes Verständnis und Verwenden der Muttersprache und andererseits eine allgemeine Sprachkompetenz, die beim Erlernen von Fremdsprachen und im Umgang mit Menschen anderer kultureller Hintergründe förderlich ist. Dabei wird eine verstärkte Sensibilität gegenüber dem Sprachgebrauch beim menschlichen Zusammenleben erwartet und gefördert (vgl. SCHMID-SCHÖNBEIN, 2001; BÖTTGER, 2005).
Die Kritik an diesem Konzept besteht in einer Befürchtung, dass es nur bei kurzen Erlebnissen mit einzelnen Sprachen bleiben kann und somit keine Fremdsprache wirklich beherrscht wird. Der Kontakt mit den unterschiedlichen Sprachen sei für eine gewisse Zeit motivierend und könne danach ohne weitere Beschäftigung mit dieser Sprache wieder eingestellt werden (vgl. HEGELE, 1994).
4
Arbeit zitieren:
Dipl.-Geogr. Elena Haupt, 2007, Konzeptionen des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Kafka, Franz - Die Verwandlung - Märchenhaftes und Phantastisches
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Die Freinet-Pädagogik im Überblick
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 34 Seiten
Begründung frühen Fremdsprachenunterrichts
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 17 Seiten
Die Unterrichtsmethode des Stationenlernens
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Lessings "Emila Galotti" als aristotelisches Drama
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Berufswünsche von Kindern und Jugendlichen
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 9 Seiten
Soziales Lernen in der Grundschule. Ein fächerübergreifender Bildungsa...
Hausarbeit, 33 Seiten
An introduction and analysis of teaching material for English as a for...
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Bachelorarbeit, 26 Seiten
Rechenschwäche, Rechenstörung, Dyskalkulie
Diagnose
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 11 Seiten
Judentum – Erziehung zur jüdischen Identität? Jüdische Sozialisierung
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 33 Seiten
"Ey Alter, was geht ab?" Eine Annäherung an das Thema "...
Hausarbeit, 13 Seiten
Zuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland - Hisorischer Verlauf un...
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Hausarbeit, 16 Seiten
Warum spukt es? Die Funktionen des Spuks in Goethes "Die Sängeri...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
"Deutsche Hörer!" Zu Thomas Manns Radioreden aus dem Exil
Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Hausarbeit, 17 Seiten
Vom Storytelling zum Theaterstück: Die Umsetzung des Kinderbuches „The...
Ein unterrichtliches Vorhaben ...
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Examensarbeit, 62 Seiten
Zum didaktischen Prinzip der Handlungsorientierung
Was leisten Spiele und spieler...
Französisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Praktikumsbericht / -arbeit, 13 Seiten
Elena Haupt hat den Text Konzeptionen des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule veröffentlicht
Elena Haupt hat einen neuen Text hochgeladen
Interkulturelle Kompetenzen im Fremdsprachenunterricht / Intercultrual...
Festschrift für Manfred Prokop
Christoph Lorey, John L. Plews, Caroline L. Rieger
LERNSTARK - Fit in der Grundschule. Englisch 3 / 4
Lern- und Übungsbuch mit Audio...
Bettina Sattler-Holzky
0 Kommentare