„Aber es gibt ja kaum noch Spatzen“ (u. a. S. 290) - zu dieser Erkenntnis gelangen einige der wichtigen Figuren in Katharina Hackers neuestem Roman „Die Habenichtse“. Alle scheinen traurig darüber zu sein, resigniert. Aber was hat es mit den Spatzen auf sich? Die Geschichte beginnt an einem historisch bedeutsamen Datum, dem 11. September 2001. Ausgerechnet an diesem Tag treffen sich Isabelle und Jakob auf einer Party in Berlin wieder, in der angesagten Bar „Würgeengel“ im Stadtteil Mitte. Jakob scheint dem Tod entronnen zu sein, denn seinen Termin im World Trade Center hatte er nur deswegen abgesagt, weil er hoffte Isabelle wiederzusehen. Während die politische Welt aus den Fugen gerät, findet Jakob scheinbar sein persönliches Glück: Isabelle und er werden ein Paar, sie heiraten, und er bekommt obendrein noch den begehrten Job in einer Londoner Anwalts-Kanzlei, weil sein einziger Konkurrent, sein Arbeitskollege Robert, den Termin im World Trade Center übernommen hatte und dem Anschlag zum Opfer fiel. Isabell zieht mit Jakob nach London und zeichnet dort in ihrem Zimmer, in der Lady Margaret Road, weiter für die Berliner Grafikagentur, für die sie arbeitet. Für Andras, einen ihrer zwei Kollegen, ist dies nicht nur ein harter Schlag, weil er sie seit Jahren (unerwidert) liebt und sie nun nicht mehr jeden Tag sehen wird, sondern auch, weil er beim Abschied eine „unerbitterliche Ziellosigkeit“ (S. 110) in ihren Augen ablesen kann. Doch auch er ergibt sich zum Ende des Romans hin in sein Schicksal, und zieht mit Magda zusammen, die er zwar nicht so sehr liebt wie Isabelle, die aber dafür greifbar ist.
Das Leben aller Figuren des Romans scheint geprägt von Kompromissen, Kapitulationen und mutlosen Nicht-Handlungen. So bemerkt Isabelle zwar, dass bei der Nachbarsfamilie ein kleines Mädchen lebt, das vernachlässigt wird, und, wie sie Andras mit einer Zeichnung des Mädchens schreibt, wohl nie die Sonne sieht, aber sie verschließt lange Zeit Ohren und Augen und will nichts damit zu tun haben. So verbringt die kleine, oft von ihrem Vater geschlagene Sara ihre Tage allein hinter dem Sofa, mit vom Urin durchnässter, dreckiger Kleidung. Die einzige Aufmerksamkeit und Liebe
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Arbeit zitieren:
Jessica Brückner, 2007, Rezension zu Katharina Hacker "Die Habenichtse", München, GRIN Verlag GmbH
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