Inhalt
I. Einleitung. 3
II. Ursachen des demographischen Wandels 4
Geburtenr ückgang. 4
Geburtenr ückgang I: Wirtschaft 5
Geburtenr ückgang II: Wohlfahrts - und Sozialstaat 7
Geburtenr ückgang III: Kultureller Wandel. 9
Steigende Lebenserwartung 10
Migration 11
III. Folgen des demographischen Wandels 13
Arbeitsmarkt. 15
Soziale Sicherungssysteme 17
Innovationsfähigkeit 19
Öffentliche Infrastruktur, Öffentliche Finanzen und Steuern 19
Zusammenfassung der Folgen 20
IV. Handlungsmöglichkeiten 21
Geburten. 21
Migration 23
Arbeitsmarkt und Finanzen. 23
V. Fazit 25
VI. Literatur. 27
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I. Einleitung
Der Begriff "demographischer Wandel" bezeichnet zunächst nur die Veränderung der Altersstruktur einer Gesellschaft, wobei völlig offen ist, ob diese Veränderung eine negative oder positive ist. Worüber jedoch Soziologen und Demographen in dramatischen Berichten referieren, wenn sie vom demographischen Wandel sprechen, ist die gegenwärtige Entwicklung der deutschen Bevölkerung zu einer "vergreisenden Gesellschaft" und den damit verbundenen Widrigkeiten zukünftiger Generationen.
Generell wird die Demographie mittels vier Faktoren berechnet: Geburten, Sterbefälle, Zu- und Abwanderung. Was die Zahlen der Geburten- und Sterbefälle betrifft, so entwickelt sich die deutsche Gesellschaft seit geraumer Zeit mit folgenreicher Tendenz: die Fertilität nimmt ab und das Durchnittsalter nimmt zu. Seit 1972 werden in Deutschland
Abb. 1, Quelle: Statistisches Bundesamt
Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind dabei jedoch komplexer und konsequenzenreicher, als es die nüchterne Beschreibung der Bilanz aus Geburten und Sterbefälle bzw. Wanderungsverhalten auf den ersten Blick vermuten lässt. Besonders die Kombination aus verlängerter Lebenszeit und Geburtenrückgang betrifft weite soziale und politische Felder. Die Auswirkungen zeigen sich nicht nur in Bereichen der Finanzpolitik oder dem Arbeitsmarkt, sonder betreffen beispielsweise auch die Integrations- und Innovationsfähigkeit eines Staates. Durch diese vielfältige Verwobenheit werden die Handlungsmöglichkeiten zum einen
schwieriger, da mehr Faktoren beachtet werden müssen, die diese unterschiedlichen Wechselbeziehungen beeinflussen können. Zum anderen entstehen dadurch aber auch ebenso vielfältige Möglichkeiten zum Ansetzen von Lösungen.
Die Ursachen und die Folgen des derzeitigen demographischen Wandels sollen in dieser Arbeit dargestellt und mögliche Handlungsoptionen erörtert werden.
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II. Ursachen des demographischen Wandels
Die in der gängigen Literatur als Ursachen für den demographischen Wandel bezeichneten Phänomene, Geburtenrückgang und Rückgang der Sterblichkeitsrate, sind gemeinhin eher Symptome als Ursachen. Um diese Phänomene zu beleuchten ist es notwendig zu ergründen, welche tieferliegenden Tatsachen diese Symptome hervorbringen. Ich möchte in dieser Arbeit auf drei "wirkliche" Ursachen eingehen: die Ökonomie Deutschlands, die Rolle des Wohlfahrtsbzw. Sozialstaates und einen kulturellen Wandel, der Kinderlosigkeit begünstigt. Dabei zeigt sich allerdings, dass es unmöglich ist, eine scharfe Trennung zwischen diesen einzelnen Aspekten zu ziehen.
Geburtenrückgang
Seit die Geburtenzahl 1964 mit 1.3 Millionen ihren Höhepunkt erreicht hatte, nimmt die Anzahl der jährlich Neugeborenen stetig ab. Derzeit gebärt im Bundesweiten Durchschnitt jede Frau 1.4 Kinder. Um die deutsche Bevölkerung auf einem vollständig reproduzierbaren Niveau zu halten, wären Geburtenraten von 2.1 Kindern/Frau V oraussetzung. Diese Zahl wird gemeinhin als Schwelle zur Bevölkerungserhaltung (ohne Migration) gesehen, da das Verhältnis von neugeborenen Jungen und Mädchen nicht genau bei 1:1 liegt, sondern etwas mehr männliche als weibliche Nachkommen gezeugt werden. Auf diachrone Sichtweise hat sich die Kinderanzahl pro Frau seit 1870 stetig vermindert. Wurden um 1875 durchschnittlich 5 Kinder pro Frau geboren, ist diese Zahl gut 100 Jahre später auf ihrem historischen Tiefpunkt angelangt. Diese Änderung der Geburtenrate hat
seine Gründe: Abbildung 2 zeigt neben den Einschnitten in der Geburtsrate zu den Zeiten der beiden Weltkriege (1915, 1940) ebenso Geburten während der großen Wirtschafts-krise 1929 und zeigt damit einen Zusammenhang Ergründung Ursachen für den Geburtenrückgang unausweichlich in Betracht gezogen Wechselwirkung zwischen
Quelle: Forum demographischer Wandel 2005 Wirtschaft und Fertilität.
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Geburtenrückgang I: Wirtschaft
Die Beziehungen zwischen Wirtschaft und Geburtenrate sind wechselseitig, d.h. sie beeinflussen sich gegenseitig. Eine sinkende Geburtsrate führt zu einer Reihe von Folgen, die direkt und in direkt negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, umgekehrt wirkt sich die Schwächung der Wirtschaft wiederum auf das Gebärverhalten aus. In dieser Wechselseitigkeit lassen sich zwei gegensätzliche Trends ausmachen:
1. In wirtschaftlich schlechten Zeiten werden weniger Kinder geboren. 2. Es tritt ein Phänomen auf, das als "demographisch ökonomisches Paradoxon" bekannt ist, demnach mit steigendem Wohlstand die Geburtenzahlen sinken
Es scheint also, als gäbe es einen "fruchtbaren Wirtschaftsraum" in dem die Anzahl der Geburten zunimmt und der jenseits seiner Grenzen geburtenfeindlich ist.
Entscheidend in wirtschaftlich schlechten Lagen ist, dass mit der eigenen ökonomische Situation der Akteure die subjektiven Einschätzung der Zukunftschancen verbunden sind und somit die Entscheidung für oder gegen ein Kind beeinflusst wird. Wer möchte ein Kind in die Welt setzen, dass übermäßigen Belastungen ausgesetzt ist? Abbildung 3 verdeutlicht dieses Verhalten. In Bayern beispielsweise wird neben Baden-Württemberg mit 5,4 % die geringste
Arbeitslosenquote gemessen. Gleichzeitig ist in diesen Gebieten der Geburtenrückgang am geringsten. Hingegen weisen Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt,
Abb. 3, Quelle: Statistisches Bundesamt Wiedervereinigung (plötzliches Auftreten
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weiträumiger Arbeitslosigkeit, geringer Wohlstand, relative Deprivation, Unsicherheiten) aber auch das erwähnte Wanderungsverhalten. Wirtschaftsschwache Regionen werden aufgrund der Arbeitsmarktlage verlassen, vorrangig von jungen Menschen und potentiellen Eltern. Damit wandernnatürlich auch zukünftige Geburten ab.
Der Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Geburtenrate wird allerdings in der Literatur unter anderem als Scheinkorrelation bezeichnet, demnach gäbe es zwischen diesen beiden Größen keinen statistisch signifikanten Zusammenhang. Der Babyboom während der Wirtschaft-Wunder-Zeit steht für die im Krieg aufgeschobenen Geburten. Allerdings geht es viel mehr darum, welche Ideale in der Erziehung vermittelt wurden, als das bloße Aufkommen des Wirtschaftswachstums. Unter Vergleich von Geburtskohorten der Frauen die Kinder während der Wirtschaft-Wunder-Zeit gebaren sieht Birg den Nachkriegsboom, d er "auf einem Typ des generativen Verhaltens [beruht], dessen Prägung vor allem zwischen den Weltkriegen lag". (Birg, 2001: 52).
Der zweite Trend ist das sogenannte demographisch - ökonomische Paradoxon. Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich das Gesetz formulieren:
"Je höher das Pro-Kopf-Einkommen und der Bildungsgrad einer Menschen-Population, desto niedriger ist deren Geburtenrate."
Diese Gesetzmäßigkeit ist ein weltweites Phänomen und lässt sich seit Ende des 19. Jahrhunderts in den westlichen Industrienationen beobachten. Mit dem demographischen Übergang von hohen zu niedrigen Geburten- und Sterbeziffern wurde sichtbar, dass die Geburtenzahl der Oberschicht früher und stärker verringert wurde. Wenngleich die Existenz des Paradoxons anerkannt ist, kann es doch bislang nicht eindeutig erklärt werden.
Zum einen wird vermutet, dass mit der Möglichkeit des wirtschaftlichen und sozialen Aufstiegs moderner Gesellschaften nicht mehr die Quantität sondern die Qualität der Kinder in den Mittelpunkt gerückt ist und somit in die Bildung der Kinder investiert wird, anstatt in deren Anzahl.
Ein weiterer und wohl bekannterer Ansatz sieht Kinder als Humankapital und begrenzt die Entscheidung für oder gegen ein Kind auf rein rationale Aspekte. Kinder können einen Arbeits-und einen Vorsorgenutzen sein, wenn sie von ihrer Erwerbstätigkeit monetäre Transfers vornehmen bzw. unsichere Ereignisse wie Arbeitslosigkeit abfedern können. Je weitreichender der Sozialstaat ausgebaut ist und je wohlhabender potenzielle Eltern sind, desto weniger sind sie darauf angewiesen, durch Kinder ihre Altersversorgung zu sichern. Ganz im Gegenteil: Kinder werden eher noch mit Kosten verbunden, direkte und indirekte sowie monetäre und
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nicht monetäre (Unterhaltsleistungen, Unterbrechung d er Erwerbstätigkeit, die Reduzierung der Rentenansprüche, Freizeiteinbußen, eingeschränkte Mobilität usw.). Demnach werden Kinder ganz ökonomisch in einer individuellen Nutzenfunktion betrachtet und Arbeits- und Vorsorgenutzen sowie emotionaler und sozialer Nutzen (Anerkennung durch Kinder)
gegeneinander aufgewogen, wodurch sich letztendlich errechnet, wie viele Kinder sich ein Elternpaar unter bestimmten Budgetrestriktionen leisten kann bzw. ob das zusätzliche Einkommen eines Kindes verzichtbar geworden i st. In Deutschland ist die Zahl der eigenen Kinder für die Altersversorgung weitgehend unerheblich; für die Ersparnisbildung ist Kinderlosigkeit eher von Vorteil. Damit schwächt ökonomischer Wohlstand seine eigene Voraussetzung, nämlich die Existenz von Familien.
An diesen Ansatz reiht sich auch die "Theorie des biographischen Universums" , wonach Menschen über Entscheidungen im Jetzt ihre zukünftigen Lebensoptionen gestalten. Kinder bedeuten für die Biographie von Akteuren feste Bindungen und somit Einbußen von Optionen. (Birg 2001:80)
Auch diese Vermutung würde die scharfe Abtrennung zwischen Ost- und Westdeutschland was die Geburtenrate betrifft erklären. Die neu gewonnenen Freiheiten nach der Wiedervereinigung aber auch der Konkurrenzgedanke um Arbeitsplätze in Ostdeutschland sollen nicht durch biographische Festlegungen durch Eheschließung oder Kinder eingebüßt werden.
Geburtenrückgang II: Wohlfahrts - und Sozialstaat
Es gibt jedoch auch (fehlgeleitete) Anreizstrukturen in der deutschen Sozial- und Familienpolitik, die diesen Trend begünstigt. An dieser Stelle möchte ich neben dem Wirken des Wohlfahrts- und Sozialstaats besonders auf die Rolle der Familie als eine der zentralsten Institutionen im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung konzentrieren.
Wie im vorangegangenen Kapitel beschrieben, greift der Grad des Ausbaus des Sozialstaats in die individuelle Ökonomie der Akteure ein und setzt somit direkt und indirekt positive oder negative Anreize. Die Ziele der staatlichen Familienpolitik sind dabei
(a) die Hindernisse für die Verwirklichung eines bestehenden Kinderwunsches zu beseitigen, (b) einen Kinderwunsch entstehen zu lassen und (c) unabhängig von Kindern die Lage der Familien zu verbessern.
Es kann nicht generell davon ausgegangen werden, dass sich mit stärkerem Ausbau des Sozialstaates zwangsläufig die Geburtenzahlen verringern. Es spielt dabei eher eine Rolle, wo die Maßnahmen der Familienpolitik ansetzen.
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Arbeit zitieren:
Norman Knabe, 2007, Der demographische Wandel in Deutschland - Handlungsoptionen für eine schrumpfende und alternde Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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