Inhaltsverzeichnis
Struktur der Untersuchung 1
1 Das Finanzierungsproblem. 1
2 Wettbewerb und dessen Beeinträchtigung 3
2. 1 Wettbewerbsmerkmale. 3
2.2 Funktionen und Effekte des Wettbewerbs. 3
2.3 Hochschulleistungen 4
2.3.1 Das Gut 'Bildung' 4
2.3.2 Das Gut 'Forschung' 7
3 Die Lösung des Finanzierungsproblems 7
3.1 Die bisherige Organisation des Hochschulsystems und dessen Bewertung. 8
3.1.1 Der Wettbewerb unter den Anbietern. 9
3.1.2 Der Wettbewerb unter den Nachfragern 11
3.2 Wettbewerbsfördernde Maßnahmen im Hochschulwesen 14
3.2.1 Autonomie und Wirtschaftlichkeit 14
3.2.2 Konkurrenz unter den Hochschulen 16
3.2.3 Finanzierungsquellen 17
Fazit , Kritik und Ausblick 18
Literaturverzeichnis 19
Struktur der Untersuchung
Der in dieser Arbeit untersuchte Aspekt der Bildungsökonomik betrifft die Frage nach einer Lösung des offenbaren Finanzierungsproblems des Staates, so wie es im Titel der Arbeit heißt. Es ist zu klären, ob und unter welchen Bedingungen freier Wettbewerb zwischen den deutschen Hochschulen 1 bzw. mehr Wettbewerb eine Lösung schaffen kann.
Zuerst wird jedoch im ersten Kapitel geklärt werden, wie ein 'Finanzierungsproblem' begründet werden kann. Das zweite Kapitel beschreibt das 'Instrument' für die 'Lösung', den Wettbewerb. Wettbewerb um die Nutzung knapper Güter oder Dienstleistungen ist eng verbunden mit den Begriffen Markt und Konkurrenz. Deshalb wird es Aufgabe des zweiten Kapitels sein, die auf dem Hochschulmarkt gehandelten Güter zu charakterisieren 2 , denn ein Markt kann unter bestimmen Annahmen über die auf ihm ausgetauschten Güter Fehlfunktionen aufweisen, die staatlicher Eingriffe bedürfen. In Vorausschau auf die Hochschulleistungen werden beide Beeinträchtigungen, Marktversagensgründe und Staatseingriffe, auf ihre Rechtfertigungsgrundlagen hin untersucht. Das deutsche Hochschulsystem befindet sich in einem beständigen Prozess und ist dadurch permanenten Anpassungen und Änderungen unterworfen. Die im dritten Kapitel folgende Bestandsaufnahme ist daher nur eine schlaglichtartige Beleuchtung der bestehenden wettbewerblichen Elemente als auch Defizite, die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Dort soll ein ungefährer 3 Status quo gezeichnet werden, um zu belegen, dass freier Wettbewerb nicht bereits existiert und damit die Titelfrage dieser Arbeit gerechtfertigt ist. Im zweiten Teil des Kapitels folgt die Darstellung, wie die Ergebnisse aus den vorangegangenen Kapiteln zusammengefügt werden können und welche Maßnahmen eine Verbesserung der Finanzsituation der Hochschulen herbeizuführen.
1 Das Finanzierungsproblem
Zur Lösung des Finanzierungsproblem müssen zunächst seine Ursachen erkannt werden. Hier können sich Finanzierungsprobleme daraus ergeben, dass grundsätzlich keine
1 Da an privaten Hochschulen in Deutschland nur zwei Prozent aller Studierenden immatrikuliert sind (vgl. BÄTZEL (2003), 200), wird auf ihre Bedeutung im Rahmen dieser Arbeit nicht eingegangen, statt dessen wird von der 'staatliche Hochschule' ausgegangen, wenn im folgenden von 'Hochschule' gesprochen wird. Wettbewerb hingegen übernimmt die Bedeutung von 'freiem Wettbewerb'.
2 Nach MÖSCHEL ist die Hochschule ein "Mehrproduktunternehmen" (2000, 40), was nicht allein die Forschung und Lehre, als ihre 'Hauptprodukte', sondern auch die Weiterbildung, den Wissens- und Technologietransfer oder die internationale Zusammenarbeit umfasst (vgl. HRG §2). In dieser Arbeit wird Hochschulleistung jedoch nur durch ihre Kernbereiche, Forschung und Lehre, umrissen.
1
ausreichenden Mittel vorhanden sind, um den staatlichen Hochschulsektor im Rahmen der politisch-gesellschaftlichen Zielsetzung aufrecht zu erhalten oder dass der erwünschte Umfang an Leistungen, die durch die Hochschulen erbracht werden, nicht die Höhe der getätigten investierten Finanzmittel rechtfertigt. In ersterem Sinne handelt es sich um ein absolutes Zuwenig an Ressourcen, eine Unterfinanzierung bzw. ein Effektivitätsproblem. In der zweiten Interpretation werden Mittel nicht effizient eingesetzt bzw. verschwendet, im Verhältnis zum Output findet eine relative 'Überfinanzierung' statt. Das letztgenannte Effizienzproblem unterstellt, dass die 'Leistungserstellungsprozesse' innerhalb des Hochschulwesens optimierbar sind, währenddessen der absolute Mangel an Mitteln ein relativer Begriff ist. Beide als Ursachen jedoch treffen im Hochschulbereich für 'Finanzierungsprobleme' zu.
Im Rahmen der Makroallokation konkurriert die Hochschulbildung und -forschung mit dem Gesundheitswesen, der Landesverteidigung oder anderen gesellschaftlichen Zielen, die öffentlich finanziert werden. Die Unterfinanzierung ist dann ein Ausdruck veränderter staatlicher Prioritätensetzung oder einer generell engen Haushaltslage, jedoch unter steigenden Anforderungen an die Hochschulen. 4 Das deutet darauf hin, dass ein bestimmtes Qualität-Mengen-Verhältnis des 'Hochschuloutputs' nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, was eine qualitative Einbuße bedeutet. So spricht MÖSCHEL im Rahmen der Lehre von verlängerter Studiendauer, älteren Prüflingen, erhöhten Studienabbrecherzahlen und einer abnehmenden Absolventenquote auf Basis von Zahlen aus der Mitte der siebziger bis Mitte der neunziger Jahre (vgl. 2000, 20-22). 5 Unter der Zusatzannahme aber, dass die Ressourcenverwendung noch effizienter gestaltet werden kann, wird das Problem der reinen Unterfinanzierung relativiert, ganz im Sinne von WUNDER (1995, 7), der meint: "... Es könne gegenwärtig nicht darum gehen, Geld für Reformen zu bekommen, sondern zu fragen, welche Reformen . . . für das vorhandene Geld möglich [sind]?"
Sollte nun der vorherrschende Ist-Zustand aus Qualität und Quantität bei bestehender
3 'Ungefähr' allein schon deshalb, weil die Auswahl der Literatur immer den jeweiligen Kenntnisstand des Publikationsjahres aufweist. Eine nachvollziehbare Skizze der Situation sollte jedoch entstehen.
4 Vergleicht man die Hochschulausgaben mit den Studierendenzahlen im Zeitraum von 1980 bis 2001 "ergibt sich real nur eine Steigerung um 56 Prozent" für die Hochschulausgaben, währenddessen "sich die Zahl der Studierenden [...] von 1,0 auf 1,9 Millionen erhöht [hat]". Real bedeutet das einen "Rückgang der Lehrausgaben je Studierenden um ca. 15 Prozent". LESZENCKY kommt zu dem Schluss, dass "an der Hochschulausbildung [...] in Deutschland zur Zeit kräftig gespart [wird], obwohl die Anforderungen an die Hochschulen tendenziell steigen" (2004, 23). Auch die Forschung, als zweite zentrale Aufgabe der Hochschulen neben der Lehre, ist von Einbußen betroffen, so schrieb DIE ZEIT schon vor Jahren vom Mangel an Nobelpreisträgern und Kürzungen für die DFG und die MPG als Hauptfinanciers von Grund-lagenforschung im Hochschulforschungsbereich (vgl. GRUNENBERG (2002), 1).
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Finanzierung nicht dem politisch und gesellschaftlich gewünschtem Soll-Zustand entsprechen, so kann durchaus auf ein Finanzierungsproblem auf Grundlage beider, mindestens jedoch aus einer der genannten Ursachen geschlossen werden. Besteht die Aussicht auf eine Mittel- und/oder Effizienzerhöhung, so scheint dieses Problem lösbar.
2 Wettbewerb und dessen Beeinträchtigung
2. 1 Wettbewerbsmerkmale
Wettbewerb entsteht überall dort, wo Individuen um die Nutzung knapper Güter konkurrieren. Die Güter werden auf Märkten, auf denen ihre Anbieter und Nachfrager auf-einandertreffen, ausgetauscht. Diese Austauschprozesse sind durch dezentrale und freie Entscheidungen der Individuen geprägt, die über den Marktmechanismus koordiniert werden. Die Konkurrenz auf dem Markt zeigt sich in Austauschverhältnissen bzw. Preisen. Der Preis ist dabei nicht nur Knappheitsindikator, sondern weist auch die Menge des (einzutauschenden) Geldes aus, das genauso einer alternativen Verwendung zukommen kann. Diese Preisbereitschaft spiegelt den Nutzen wider, den das Gut bzw. dessen Konsum dem Individuum stiftet. Charakteristisch für den Markt und den Wettbewerb, der auf ihm stattfindet, ist die sich entwickelnde Dynamik durch die Vielzahl von Veränderungs- und Anpassungsprozessen hinsichtlich individueller Ziele, Nutzenverhältnissen und Knappheiten. Diese Dynamik führt zu ausgeprägten Leistungsanreizen. In diesem Sinne spricht man auch vom Wettbewerb als ein spontanes Entdeckungsverfahren. Die Nutzung der Marktmechanismen ist jedoch auch mit Kosten verbunden, sog. Transaktionskosten, die für Informationsbeschaffung, die Abwicklung der Transaktion, die Durchsetzung von Verfügungsrechten oder die Anpassung an veränderte Bedingungen entstehen. (vgl. FRITSCH/WEIN/EWERS (2003), 5-7,10f.)
2.2 Funktionen und Effekte des Wettbewerbs
Nach FRITSCH (2003, 14-17) hat Wettbewerb folgende Funktionen: Wettbewerb führt zu einer "leistungsgerechten Entlohnung", was effizienzfördernde Anreize zugunsten einer gesteigerten Produktivität nach sich zieht. Diese Anreize wiederum haben positive Auswirkungen auf die Größe des volkswirtschaftlichen Gesamteinkommens. Wettbewerb sorgt für "Konsumentensouveränität" und "Lenkung der Produktionsfaktoren in ihre jeweils produktivste Verwendungsmöglichkeit", für Flexibilität aufgrund "sich än-
5 Obwohlschwer überprüfbar ist, wieweit Prüfungsergebnisse vom Betreuungsverhältnis oder der Bibliotheksausstattung im Vergleich zum Engagement des Studierenden bestimmt werden, so lässt die Mittelhöhe trotzdem grundsätzlich Rückschlüsse auf den Kenntnisstand der Studierenden zu.
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dernde[r] Rahmenbedingungen" und "Förderung des technischen Fortschritts bei Produkten und Produktionsmethoden". Voraussetzungen für diese Ergebnisse sind die Verfügbarkeit von Handlungsalternativen und die Freiheit ihrer Wahl. Die Konkurrenz der Alternativen "entscheidet, welche Güter, Ideen bzw. Unternehmen ökonomisch tragfähig sind und welche nicht".
Vorausschauend kann also geschlossen werden, dass freier Wettbewerb auch auf dem Hochschulgütermarkt sowohl das Gesamtbudget 6 als auch die Wirtschaftlichkeit erhöht.
2.3 Hochschulleistungen
2.3.1 Das Gut 'Bildung'
"Eine der Hauptbegründungen für Organisation und weitgehende staatliche Finanzierung des Hochschulbereichs ist die Behauptung, daß es sich bei dem wirtschaftlichen Gut "Hochschulbildung" um ein Öffentliches Gut handele [...]" (ROSIGKEIT (1995), 91).
Reine öffentliche Güter werden i.d.R. nicht durch freie Austauschprozesse gehandelt, weil das Ausschlussprinzip 7 nicht gegeben ist, d.h. die o.g. leistungsgerechte Entlohnung außer Kraft gesetzt ist bzw. ein Nutznießer keine Kompensation für das von ihm konsumierte Gut erbringt. Für den "Trittbrettfahrer" entsteht ein Gewinn, der volkswirtschaftlich als positiver externer Effekt gilt, solange keine Rivalität in der Nutzung des Gutes auftritt. Sobald jedoch Rivalität um ein knappes Gut einsetzt, spricht man von negativen externen Effekten und einem Allmendegut. Beide Effekte gelten als Fehlfunktionen, unter welchen Märkte vom Zusammenbruch bedroht sind bzw. gar nicht erst entstehen - der Markt versagt als Koordinationsmechanismus.
Ein zweiter, mit der wissenschaftlichen Ausbildung in Verbindung gebrachter Grund für Marktversagen ist Informationsmangel, bei dem den Marktakteuren die dem vollkommenen Markt unterstellte vollständige Transparenz fehlt. Im besonderen Fall der Nutzenunkenntnis "sind die Nachfrager zwar in hinreichender Weise über die Qualität eines bestimmten Gutes bzw. Angebotes informiert, schätzen aber den Nutzen des Gutes falsch ein und konsumieren daher eine zu geringe oder eine zu große Menge dieses Gutes" (FRITSCH/WEIN/EWERS (2003), 279). Nutzenunkenntnis kann zwei Ursachen haben: ein beschränkt rationales Verhalten der Marktakteure bzw. verzerrte Präferenzen wegen Falscheinschätzung des Nutzens oder die Möglichkeit, dass sich der "wahre" Nutzen
6 Unter der Annahme, das sich ein vergrößertes volkswirtschaftliches Einkommen verhältnisgemäß auch auf den vorwiegend staatlich finanzierten Hochschulbereich niederschlägt.
7 Ursache dafür ist die rein technische oder ökonomische Unmöglichkeit des Ausschlusses. Letztere sagt aus, dass die aufzubringenden Kosten des Ausschlusses den hergestellten Zusatznutzen übersteigen.
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Arbeit zitieren:
Christian Bacher, 2004, Freier Wettbewerb unter deutschen Hochschulen - eine Lösung des Finanzierungsproblems des Staates?, München, GRIN Verlag GmbH
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