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Inhalt
1 Einleitung Was sind Geschichtsbilder und wer ist Götz von Berlichingen 3
2 Die Entstehung des Schauspiel-Götz Goethe schreibt seine Geschichte 6
2.1 Zur Validität der Hauptquelle 7
2.2 Goethes Impetus als Dichter Geschichte im Theater 8
2.3 Der vermeintlich selbstlose Ritter 10
2.4 Götzens und Goethes Kampf um Freiheit ein ungleiches Paar 12
3 Schlussbetrachtung 14
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1 Einleitung - Was sind Geschichtsbilder und
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Geschichtsbildern im Theater, namentlich denen in Goethes ´Götz von Berlichingen`. Zunächst möchte ich einige einleitende Worte und Erklärungen zu den beiden zentralen Begriffen, bzw. Thematiken meiner Ausarbeitung liefern: Geschichtsbilder und ´Götz von Berlichingen`.
Die Kategorie des Geschichtsbilds, bzw. der Geschichtsbilder lässt sich am Leichtesten in ihrer Unterscheidung zur Kategorie des sogenannten Geschichtsbewusstseins aufschließen und erklären. Diese steht nämlich in gegensätzlicher Position zu jener, und natürlich vice versa. Karl-Ernst Jeismann, ein bedeutender Theoretiker der Konzeptualisierung und Formulierung der Kategorie des Geschichtsbewusstsein, schreibt in seinem Aufsatz ´Geschichtsbewußtsein – Theorie` im Handbuch der Geschichtsdidaktik: „Geschichtsbewußtsein setzt zunächst das Wissen voraus, daß die Rekonstruktion von Vergangenheiten notwendig an die Erkenntnismöglichkeiten, die Deutungswünsche, die lebensweltlichen Fragestellungen einer Gegenwart gebunden ist. Diese Bestimmung setzt das Geschichtsbewußtsein ab vom „Geschichtsbild“, in dem Vergangenheitsverständnis zum gültigen Abbild der Geschichte erstarrt.“ 1 Das Geschichtsbild ist nach dieser Formulierung also das genaue Gegenteil des Geschichtsbewusstseins. Wenn das Geschichtsbild die Geschichte als wahres und einziges Abbild einer vergangenen Realität versteht und zeigt, so fragt das Geschichtsbewusstsein danach, wie und aus welchen Gründen eine bestimmte Sicht auf und in die Vergangenheit zustande kommt. Geschichte ist dann – verstanden nach der Theorie des Geschichtsbewusstseins – eine auf Selektion überlieferter Zeugnisse beruhende und deswegen eine zu vielfacher unterschiedlicher Deutung führende Rekonstruktion des Vergangenen. Die Kategorie des Geschichtsbewusstseins deutet „Geschichtsbilder als Ausdruck eines in den Erfahrungen und Bedürfnissen einer historischen Gemeinschaft wurzelnden
1
Jeismann, Karl-Ernst: Geschichtsbewusstsein-Theorie. In: Handbuch der Geschichtsdidaktik, hrsg. v. Klaus
Bergmann, Klaus Fröhlich, Annette Kuhn, Jörn Rüsen, und Gerhard Schneider. Hannover 1997. S. 42
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Vergangenheitsdeutung...“ 2 und erkennt sie „...in ihrer Partialität wie Historizität...“ 3 . Und da es eben nicht nur eine historische Gemeinschaft mit identischen Erfahrungen und Bedürfnissen gibt, so lautet die logische Schlussfolgerung: Es gibt nicht nur ein Geschichtsbild, sondern vielmehr etliche, zahlreiche. Geschichte ist damit nicht die Geschichte, sondern eher eine Sammelbezeichnung von Varianten von Geschichtsverständnis oder auch Geschichtsschreibung. Damit verlieren die Geschichtsbilder ihren Anspruch auf absolute Wahrheit und unbedingte Richtigkeit, entlarvt eben durch die Aufdeckung ihrer Relativität und Bedingtheit. „Geschichtsbilder gehören zur historischen Dimension der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit“. 4 Das geschieht vor allem wegen eines elementaren Bedürfnisses nach Identifizierung durch „...Analogieschlüsse und Kontinuitätsbehauptungen, die Symbole und Dokumentationen emotionaler Bestätigung...“ 5 als „...die rationalen Legitimationsstrategien der Geschichtsbilder...“ 6 . Geschichte wird damit zu etwas höchst Subjetivem. Das also versteht man unter Geschichtsbildern, wohingegen das Geschichtsbewusstsein das Zustandekommen der variablen Geschichtsbilder reflektiert und untersucht und sich um eine möglichst objektive Erfassung des Vergangenen bemüht, jedenfalls und ganz besonders die subjetivistische Reduktion des Zurückliegenden unter die Lupe nimmt.
Wenn die vorliegende Untersuchung also nach solchen Geschichtsbildern in Goethes `Götz von Berlichingen` sucht, so wird es darum gehen müssen zu zeigen, was an Goethes Darstellung der besagten Theaterfigur und ihrem Leben historisch-kritisch nicht ganz richtig, verzerrt, einseitig oder schlichtweg falsch (weil vielleicht erfunden) ist. Ausschlaggebend dafür können die oben schon angesprochenen besonderen Erkenntnismöglichkeiten Goethes, seiner Zeitgenossen und den Verfassern möglicher Quellen ( auf die Goethe zurück gegriffen hat) sein, ebenso besondere Deutungswünsche oder lebensweltliche Fragestellungen der Goetheschen Gegenwart. Schließlich wird es von nicht unerheblicher
3 Ebenda
4 Ebenda
5 Ebenda
6 Ebenda
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Bedeutung sein, das Genre des Geschichtstheaters mit seiner besonderen Prägekraft, Form und Ausgestaltung unseres Schauspiels betreffend, zu berücksichtigen. Das Theater nimmt sich größte Freiheiten darin, ad libitum zu spielen, also zu dichten. Darauf wird im Hauptteil der Arbeit ausführlicher eingegangen.
Nun aber noch zur Hauptfigur: Wer ist Götz von Berlichingen? Zunächst einige kurze Worte zur historischen Gestalt: Der Ritter Götz von Berlichingen wurde 1480 zu Jagsthausen (im heutigen Baden-Württemberg) geboren und starb 1562 auf der Burg Hornberg. Er entstammte einem alten, angesehenen und reichen Adelsgeschlecht. Schon früh zeigte er große Neigungen zum Kriegs- und Reitersmann. Zunächst als Knappe in Diensten verschiedener Herren, kam er später in die Obhut des Onkels Konrad von Berlichingen. Vornehmlich dort, nachher auch bei dem Raubritter Hans Thalacker von Massenbach erlernte er das Raubritter- Handwerk. Schon bald, etwa zu Beginn des 16. Jahrhunderts, löste er sich von seinen Lehrmeistern und warf in eigener und selbstverantwortlicher Sache den Fehdehandschuh. Im Jahre 1504 allerdings kam es zu einem folgenschweren Unfall. Im Landshuter Erbfolgekrieg musste Berlichingen mit seinem Onkel Neidhart auf bayrischer Seite ins Feld ziehen. Bei der Belagerung des von den Pfälzern okkupierten Landshut wurde ihm aus Versehen von den eigenen Verbündeten - den Nürnbergern - eine Hand von einer Feldschlange abgeschossen. Eine eiserne Hand ersetzte ihm bald darauf das natürliche Gliedmaß. Seitdem ist der Ritter unter dem Namen Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand bekannt. Trotz dieser Beeinträchtigung ließ er von seiner Fehdepolitik nicht ab. Ganz im Gegenteil: Berlichingen verschaffte sich in den folgenden Jahren den Ruf eines der gefürchtetsten, weil stärksten, tapfersten und dabei edelsten Raubritters. Sein Name wird in einem Zuge mit anderen großen Rittern seiner Zeit wie etwa Franz von Sickingen genannt.
Hinterlassen hat er eine autobiographische Schrift, erstmalig herausgegeben 1731 unter dem Titel Lebens-Beschreibung Herrn Gözens von Berlichingen, Zugenannt mit der Eisern Hand, Eines zu Zeiten Kaysers Maximilian I. und Caroli V. kühnen und tapfern Reichs-Cavaliers. 7 Diese fiel dem jungen
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Benjamin Thomas Hobert, 2000, Geschichtsbilder im Theater - Eine Erarbeitung am Beispiel des "Götz von Berlichingen", Munich, GRIN Publishing GmbH
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