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Vorwort 2
1. Einleitung 3
2. Verschiedene Welten 5
3. Theorien und Hypothesen zur Entwicklung der Frauen- und
M ännersprache 6
3.1 Hypothese des „Frühschicksals“ 6
3.2 Die Theorie der „Zwei Kulturen“ 7
3.3 Die Defizithypothese 8
3.4 Die Differenzhypothese 9
4. Geschlechtsspezifisches Sprachverhalten 10
4.1 Berichtssprache und Beziehungssprache 10
4.2 Klatsch 11
4.2.1 Anwendungsbereiche für Klatsch 12
4.2.2 Die Macht des Details 12
4.3 Dozieren und Zuhören 13
4.4 Gemeinsam und gegeneinander: Sprechweisen im Spiel und
im Streit 15
4.5 Wer unterbricht wen?: Dominanz und Kontrolle 17
4.5.1 Dominante Formen von Sprachverhalten 17
4.5.2 Nichtdominante Formen von Sprachverhalten 19
5. Kommunikationswege öffnen 21
6. Schlusswort 23
7. Literaturverzeichnis 24
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Deborah Tannen ist Professorin für Linguistik an der Georgetown-Universität in den USA. Sie ist Verfasserin mehrerer Bücher zum Thema Kommunikation. Die Aussagen ihres Buches „Du kannst mich einfach nicht verstehen“ (1991) beruhen hauptsächlich auf in den USA durchgeführten Studien. Die eventuellen Abweichungen für verschiedene Kulturkreise in Europa werden wenig berücksichtigt. Dennoch bin ich der Auffassung, dass dieses Buch wertvolle Hinweise zur Erforschung des Kommunikationsverhaltens zwischen Mann und Frau geben kann.
Im Folgenden wird das Thema Kommunikation zwischen Mann und Frau anhand von Erklärungsansätzen und Beispielen erläutert. Die folgenden Aussagen zum geschlechtsspezifischen Gesprächsverhalten sind als Grundtendenzen aufzufassen. Außerdem ist das Kommunikationsverhalten der Geschlechter stark stereotypisiert, was nicht bedeutet, dass jede Frau und jeder Mann genau dem Geschriebenen entspricht.
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Frauen und Männer unterscheidet das Geschlecht, die Kleidung, der Gang, die Stimme und noch Vieles mehr. Das wirft folgende Frage auf: Wie sieht das mit der Sprache aus, sprechen Frauen anders als Männer? In den 60er Jahren war die feministische Sprachwissenschaft im Verhältnis zu anderen Wissenschaften noch ziemlich unerforscht. Frühere Untersuchungen der Sprache bezogen sich auf phonologische und morphologische Unterschiede, die unabhängig vom Geschlecht untersucht wurden. Neuere Untersuchungen der Sprache konzentrieren sich auf die Unterschiede im Sprachverhalten der Geschlechter. Auch andere Variablen, wie der soziale Status, Alter und Religion bekamen einen anderen Stellenwert in der Sprachwissenschaft. Erst Mitte der 70er Jahre begannen
Wissenschaftlerinnen aus den USA, wie Robin Lakoff und Mary Ritchie Key, Charakteristika einer „Frauen- und Männesprache“ ausführlich zu diskutieren. Vorreiterinnen in der BRD waren die Feministinnen Senta Trömel-Plötz und Luise F. Pusch. Letztere prägte Ende der siebziger Jahre den Begriff der „Feministischen Linguistik“.
Die entscheidende Triebkraft für die Beschäftigung mit weiblicher Sprache war die neue Frauenbewegung, welche aus der 68er Studentenbewegung entsprang. Es wurde nicht nur über Politik diskutiert, sondern auch über das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Die Frauen wollten es nicht länger hinnehmen während der Diskussionsrunden Kaffee zu kochen und Kinder zu betreuen und bei Visionen einer Umgestaltung der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein. Zu dieser Zeit wurden viele politische Frauengruppen gegründet (vgl. Nave-Herz 1992, S. 12 ff.). Die Frauen stellten fest, dass die sprachlichen Ausdrucksmittel von männlichem Denken geprägt sind. Um der Weiblichkeit auch in der Sprache Ausdruck zu verleihen, wurde eine Veränderung der Sprache und des Sprechens angestrebt. Zu dieser Zeit wurde das von der allgemein männlichen Sprechweise abweichende weibliche Sprechen als defizitär beurteilt. Für Männer ist das Vermitteln von Informationen oberste Prämisse, wobei für Frauen der emotionale Bezug zu ihren Gesprächspartner/innen und eine positive Gesprächsatmosphäre das Wichtigste ist. Das Miteinander-Sprechen
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und vor allem das gegenseitige richtige Verstehen ist mit
gleichgeschlechtlichen Gesprächspartner/innen somit unbelasteter. Es wird ja die „gleiche Sprache“ gesprochen. Kommen nun aber Mann und Frau z. B. im Berufs-, Privat-, Alltags- oder Eheleben in eine Gesprächssituation, dann gibt es nicht selten Missverständnisse bzw. Unterschiede zwischen dem, was mit dem Gesagten ausgedrückt werden soll und dem was verstanden wird. Bis zum heutigen Zeitpunkt befasste sich die Soziolinguistik mit diesem Thema. Es wurden einige Theorien entwickelt, um Aufschlüsse über die Entwicklung, Gründe und Ursachen einer solchen Männer- und Frauensprache zu erlangen. Außerdem entstanden zahlreiche an die Gesellschaft gerichtete literarische Werke. Deborah Tannen beispielsweise versucht mit ihrem Buch „Du kannst mich einfach nicht verstehen“ der Allgemeinheit deutlich zu machen, warum Männer und Frauen so häufig aneinander vorbeireden, und warum es zwischen Mann und Frau so häufig zu Missverständnissen kommt.
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Die Hauptthese des Buches lautet, dass Frauen und Männer in verschiedenen Welten leben, verschiedene Sprachen sprechen und sich deswegen oft nicht verstehen können. Männer leben in einer Statuswelt. „In dieser Welt sind Gespräche Verhandlungen, bei denen man die Oberhand gewinnen und behalten will und sich gegen andere verteidigt, die einen herabsetzen und herumschubsen wollen. So gesehen ist das Leben ein Wettkampf, bei dem es um die Bewahrung von Unabhängigkeit und die Vermeidung von Niederlagen geht“ (Tannen 1991, S. 20). Frauen leben in einer Beziehungswelt. „In dieser Welt sind Gespräche Verhandlungen über Nähe, bei denen man Bestätigung und Unterstützung geben und erhalten möchte und Übereinstimmung erzielen will. (...) So gesehen, ist das Leben eine Gemeinschaft, ein Kampf um die Bewahrung der Intimität und die Vermeidung von Isolation“ (Tannen 1991, S. 20).
Deborah Tannens Feststellung, dass auch in der „Welt der Frauen“ Hierarchien bestehen, diese jedoch eher Freundschaftshierarchien seien, ist zu kritisieren. Eigene Erfahrungen und Beobachtungen bestätigen, dass eindeutig auch Macht- und Leistungshierarchien in einer „Frauen-Welt“ erkennbar sind.
Frauen benutzen andere Strategien, um ihren Status zu gewinnen. Sie sind nicht wie die Männer darauf fixiert, sondern sie „neigen dazu, diese Ziele unter dem Deckmantel der Bindung zu verfolgen“ (ebd. S. 20). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Frauen Intimität, Bindung und Gleichheit wichtig sind. Sie würden sagen „Wir sind uns nah und wir sind gleich.“ Männern dagegen sind Status, Unabhängigkeit und Ungleichheit wichtig. Sie würden sagen „Wir sind getrennt und anders“ (Tannen 1991, S. 24).
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3.1 Hypothese des „Frühschicksals“
Nach Friedemann Schulz von Thun bedienen sich Männer und Frauen unterschiedlicher Kommunikationsstile. Während Frauen sich eher im bedürftig-abhängigen, selbstlosen und mitteilungsfreudigen Stil ausdrücken, überwiegt in der Sprache der Männer der distanzierte, aggressiv-entwertende und beweisende Stil (vgl. Schulz von Thun 1989, S. 243). Schulz von Thun führt diese Unterschiede auf diverse Ursachen zurück. Seine Hypothese besagt, dass Jungen und Mädchen bereits in ihrer Kindheit mit einem „unterschiedlich strukturiert(en) Frühschicksal“ (ebd. S. 197) konfrontiert wurden.
Das Mädchen lernt in ihrer Beziehung zur Mutter (welche eine gleichgeschlechtliche Beziehung ist) Nähe zu schaffen. Die Beziehung scheint unproblematisch und erfordert nach Ansicht des Autors keine dringende Loslösung von der Mutter. Kommt es irgendwann zur Loslösung, so sei diese in der Regel nicht besonders schmerzhaft. Der Sohn hingegen empfinde seinen Vater im Kampf um die Liebe der Mutter als Konkurrenten, dem er letztlich unterlegen ist. Demnach müsse sich der Junge unter großen Schmerzen aus der Liebesbeziehung seiner Mutter lösen. In der Seele des jungen Mannes werde das Zulassen von Nähe daraufhin immer mit Verletzungsgefahr der eigenen Gefühle verbunden. Das bedeutet, er lernt es, sich sehr distanziert zu geben und kann sich emotional nicht öffnen (vgl. ebd. S. 195 ff.).
Schulz von Thun nimmt an, dass sich aufgrund dieses frühen Schicksals unterschiedliche Tendenzen bei Jungen und Mädchen herausformen, welche dann noch durch eine klischeeorientierte Erziehung verstärkt und verfestigt werden. Die Jungen werden zur Eigenständigkeit und Sachlichkeit erzogen, während die Mädchen auf den Aspekt der Bindung und den Umgang mit Menschen vorbereitet werden.
Durch die traditionelle Aufteilung der Lebenswelten werden diese Tendenzen erneut verstärkt. Während der Mann in der Berufswelt erfolgreich sein muss, wird der Frau die Verantwortung für die Familienwelt zugeteilt. Die traditionelle
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Arbeit zitieren:
Fiona Langstädtler, 2001, Zu: Deborah Tannen - "Du kannst mich einfach nicht verstehen", München, GRIN Verlag GmbH
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