Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die deutsche Reederei Branche 3
2.1 Der Wachstumsmarkt “Schifffahrt“ in Deutschland 4
2.2 Die deutsche Reederei Branche im internationalen Wettbewerb. 6
2.2.1 Deutschland als Reeder Herkunft. 7
2.2.2 Der Flaggenstaat Deutschland 8
2.2.3 Der Finanzplatz Deutschland 9
2.2.3.1 Die Struktur der Schiffsbeteiligungsfonds. 12
3 Standortfaktoren für Schifffahrtsgesellschaften 13
3.1 Globalisierung vs. Lokalisierung: Das Standortparadoxon 13
4 Der Reedereistandort Bremen 17
4.1 Die momentane Situation des Reedereinstandortes Bremen 17
4.2 Bereederte BRZ in Bremen im Vergleich zu anderen Standorten 17
4.2.1 Abgeführte Steuern durch Reedereien in Bremen 22
4.2.1.1 Tonnagesteuer. 22
4.2.1.2 Gewerbesteuer 22
4.2.1.3 Einkommensteuer. 22
4.2.1.4 Umsatzsteuer. 23
4.2.2 Arbeitsplätze 23
4.3 Das maritime Kompetenzcluster Bremen 23
4.4 Die Situation auf Grundlage der Unternehmensbefragung 27
4.4.1 Aus der Sicht der Bremer Reeder 27
4.4.2 Kurzprofil der befragten Reedereien 35
4.4.2.1 Beluga Shipping. 35
4.4.2.2 Harren Partner. 36
4.4.2.3 Sloman Neptun Schifffahrts Aktiengesellschaft 38
4.4.2.4 F.A Vinnen Co 38
4.4.2.5 Rigel Schiffahrts GmbH Co KG 39
4.4.3 Aus der Sicht anderer Marktteilnehmer 39
4.4.3.1 Ein Reeder der Emsregion 40
4.4.3.2 Aus Sicht der Wirtschaftsförderung, Bremen Keyports 40
5 Perspektiven des Standortes Bremen 41
5.1 Wertschöpfungsketten 42
5.1.1 Arbeitsmarkt Perspektiven. 43
5.1.2 Fiskalpolitische Perspektiven 45
6 Strukturpolitische Verbesserungsmaßnahmen / Handlungsansätze /
Empfehlungen. 49
6.1 Bildung 49
Inhaltsverzeichnis III
6.1.1 Betriebswirtschaftlich 50
6.1.2 Nautisch 52
6.1.3 Technisch. 54
6.2 Verbesserte Dienstleistung der Bremer Behörden 54
6.3 Standortmarketing. 55
7 Zusammenfassung. 58
8 Begriffsabgrenzungen / Erklärungen 60
8.1 Reederei. 60
8.2 Tonnagesteuer 60
8.3 Lohnsteuereinbehalt 61
8.4 Schiffsregister 61
9 Anlagen 63
Einleitung 1
1 Einleitung
Bremen ist seit über 500 Jahren durch seine Bedeutung als Hansestadt eine der wichtigsten und größten Handelsstädte Deutschlands. Demzufolge war Bremen auch seit dem Beginn des Internationalen Handels neben Hamburg der größte deutsche Reedereistandort. Im 19. Jahrhundert dominierten die Segelschiffe von Siedenburg, Wendt & Co, von Wätjen & Co oder von J.D. Bischoff die Deutsche Handelsflotte. Im 20 Jahrhundert liefen die Dampfschiffe des Norddeutschen Lloyd, der D.D.G. Hansa, der Argo oder der Neptun Reederei von Bremen aus die gesamte Welt an.
Zudem erweiterte und festigte der Norddeutsche Lloyd zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Bremens Rolle als internationale Hafenstadt. Durch deren Liniendienste zwischen Bremen bzw. Bremerhaven und New York wurde Bremen zum wichtigsten Auswanderer Hafen und dadurch die Bedeutung Bremens bis nach Amerika publiziert.
Von den zu Beginn und Mitte des 20. Jahrhunderts in Bremen angesiedelten Reedereien sind heute allerdings so gut wie keine mehr übrig geblieben. Der Norddeutsche Lloyd ist nach seiner Fusion mit der Hamburger Hapag ab dem Jahre 1970 in diversen Schritten nach Hamburg abgewandert. Die Dampfschifffahrtsgesellschaft Hansa stellte nach der Insolvenz im Jahre 1980 den Schifffahrtsbetrieb ein, wobei die Containerschiffe und Linien an die Hapag Lloyd übergingen. Auch die Argo spielt mit ihrem einzigen noch bestehenden Schiff keine Rolle mehr in der Deutschen Reedereilandschaft.
Entgegen dem Bremer Trend hat sich jedoch die Schifffahrt durch die Globalisierung und den stark zunehmenden Internationalen Handel zu einer der am stärksten wachsenden Branchen in Deutschland entwickelt. Allein in den letzten 5 Jahren wurden in der Reedereibranche mehr als 5000 Arbeitsplätze geschaffen 1 . Diese entstanden allerdings vorwiegend in Hamburg und in der Wirtschaftsregion Ems. Bremen hat es, entgegen diesem Trend, augenscheinlich jedoch nicht geschafft, seine Position als maritimen Wirtschaftsstandort gegenüber den expandierenden Reedereien darzustellen und dadurch von diesem Trend zu profitieren.
1 Vgl. Verband deutscher Reeder, Entwicklung seit Einführung der Tonnagesteuer, Anlage 4
Einleitung 2
Mit dem Ziel, Bremen als Reedereistandort zu stärken und dessen Vorzüge hervorzuheben, sollen in dieser Arbeit die Probleme der aktuellen Situation erläutert werden und eventuelle Strukturpolitischen Entwicklungsperspektiven bzw. Handlungsoptionen erarbeitet werden.
Um die Situation Bremens darzustellen und aus dieser Strukturpolitische Entwicklungsmöglichkeiten abzuleiten, wird als erstes die statistisch belegbare Entwicklung und Ist-Situation des Standortes Bremen im Vergleich mit seinen Mitbewerbern ermittelt. Auf dieser Grundlage werden im Anschluss die in Bremen ansässigen Reedereien zu ihrem Standort befragt und deren subjektive Stimmung aufgenommen. Diese Befragung findet anhand eines Qualitativen Interviews statt. Um die hieraus gewonnenen Erkenntnisse zu bestätigen, werden weiter Gespräche mit diversen anderen Marktteilnehmern und dessen Führern geführt.
Diese repräsentativen Ergebnisse ermöglichen es, die derzeitige Situation zu erfassen, strukturpolitische Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten und deren fiskalpolitischen Vorteile für Bremen aufzuzeigen.
Die deutsche Reederei Branche 3
2 Die deutsche Reederei Branche
Eine angemessene Handelsflotte ist die Grundlage für die Vertretung unserer schifffahrtspolitischen Interessen auf internationaler Ebene, sie ist die entscheidende Voraussetzung, um als Schifffahrtsnation akzeptiert zu werden. Nur so kann sich Deutschland als Schifffahrtsnation und bedeutender Schifffahrtsstandort wirksam in die internationale Schifffahrtspolitik einbringen, um neue Rahmenbedingungen für Schiffssicherheit, Meeresschutz und internationale Marktordnungen für Seetransport und Fischerei wirkungsvoll gestalten zu können. 2
Die Seeschifffahrt hat eine außerordentliche Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Leistungsfähigkeit des Seeverkehrs ist eine entscheidende Voraussetzung für den Transport von Gütern, ohne die unsere exportorientierte Volkswirtschaft nicht wettbewerbsfähig wäre.
Der gesamte Welthandel ist ohne die Schifffahrt nicht vorstellbar. Rund 95% des interkontinentalen und 62% des innereuropäischen Warenaustausches wird über See transportiert 3 . Die Bewältigung des EU- und weltweit anwachsenden Güterverkehrsaufkommens bedeutet für die Verkehrswirtschaft eine besondere Herausforderung zur Sicherstellung leistungsfähiger Seeverkehre und Seeverkehrsträger. Sie sind die Grundlage für eine funktionsfähige maritime Wirtschaft und Industrie.
Deutschland ist ein exportorientiertes Land und lebt von einer erfolgreichen Außenwirtschaft. Die maritime Industrie und der Transport von Industriegütern und Rohstoffen über See, auf Küsten - und Binnenwasserstraßen sind von existentieller Bedeutung, ohne die unsere exportorientierte Volkswirtschaft nicht wettbewerbsfähig wäre. Damit kommt der Seeschifffahrt und der gesamten maritimen Industrie mit ihren verknüpften Aktivitäten im Handel und Güterverkehr eine besondere Bedeutung zu.
Seeverkehr und Hafenwirtschaft gehören zu den Haupt-Wachstumsbranchen. Seeschifffahrt, Schiffbau, leistungsfähige maritime Forschung und die Mitwirkung am politischen Gestaltungsprozess zur Durchsetzung des internationalen Seerechts sind Kernbereiche unseres nationalen maritimen Interesses. Die Sicherung des maritimen Know-hows und die Sicherung der Beschäftigung in der Seeschifffahrt am Schifffahrtsstandort Deutschland sind das auf die Zukunft gerichtete Ziel der maritimen Strategie unseres Landes.
2 Jahresbericht 2005 Flottenkommando Bundesmarine S 1-4
Die deutsche Reederei Branche 4
Aus diesen Gründen, muss sich Deutschland heute wie in Zukunft als Reederei-standort behaupten und sich der weltweiten Konkurrenz stellen. Ein großer Schritt hierfür war die Einführung der Tonnagesteuer. Hierdurch erreichte die Bundesrepublik Deutschland eine massive Rückführung deutscher Schiffe in das Deutsche Schiffsregister. Dies hat weiter zur Folge, dass auf den Schiffen wieder teilweise deutsches Personal eingesetzt wird und die Schiffe aus Deutschland bereedert werden. Doch auch über die Tonnagesteuer hinaus wird Deutschland sich aktiv als Reedereistandort bewerben müssen, um sich gegen die außereuropäischen Länder, welche nach wie vor sehr günstige Steuersätze und geringere Tariflöhne haben, durchzusetzen.
2.1 Der Wachstumsmarkt “Schifffahrt“ in Deutschland
Die deutsche Reedereibranche stellt einen der am schnellsten wachsenden Märkte in der deutschen Wirtschaft dar. So nahm die bereederte BRZ in Deutschland in den letzten 10 Jahren durchschnittlich um 37% p.a zu. Über die vergangenen 35 Jahre erzielte die Branche ebenfalls ein beachtliches Wachstum von 16% jährlich. 4 Mit diesen Zahlen ist die Branche nicht nur im Vergleich zur übrigen deutschen Wirtschaft auf einem Spitzenplatz, sondern auch im Vergleich mit der Zunahme des Welthandelsvolumens. Dies nahm im Jahre 2004 um 8,8% und im Jahre 2005 um 7,0% zu. 5 Hierbei stellte das Wachstum aus 2004 mit 8,8% einen absoluten historischen Höchstpunkt dar.
3 ebenda
4 Vgl. Eigene Berechnung auf Datengrundlage vom Deutschen Reederverband, siehe Anlage 3
5 Vgl. Jahresgutachten des Sachverständigenrates der Deutschen Wirtschaft, 2004, Seite 334
Die deutsche Reederei Branche 5
Abb. 1 Entwicklung der von deutschen Reedereien bereederten BRZ von 1970 bis 2005, Eigene Darstellung, Quelle: Verband Deutscher Reeder
Die Abb. 2 zeigt deutlich wie sich der deutsche Schifffahrtsmarkt nach einer leichten Stagnation Ende der achtziger Jahre erholt hat. Insbesondere in den letzten 10 Jahren entwickelte sich die aus Deutschland bereederte BRZ expotenzial nach oben.
Auch die Entwicklung der Arbeitsmarktdaten wies in den vergangenen Jahren, insbesondere seit Einführung der Tonnagesteuer, einen stetig zunehmenden Trend auf. So nahm die Anzahl der in Deutschland in der Reedereibranche an Land beschäftigten seit 1999 um ca. 3000 auf fast 19000 Mitarbeiter zu. Dies entspricht einem Anstieg um 18%. Die Zahl der Gesamtbeschäftigten, inklusive der zur See fahrenden Mitarbeiter, stieg in diesem Zeitraum um ca. 12000 auf etwa 58000 Mitarbeiter. Dies entspricht einer Gesamtzunahme von 26 %. 6 Siehe hierzu auch Abbildung 2. Aus dieser geht die Zusammensetzung der Beschäftigten hervor. Insbesondere ist die deutliche Zunahme der Landarbeitsplätze zu erkennen.
6 Vgl. Daten Verband Deutscher Reeder, Anlage 4, Entwicklung seit Einführung der Tonnagesteuer
Die deutsche Reederei Branche 6
Abb. 2 Beschäftigte deutscher Reedereien, Eigene Darstellung, Quelle: Verband deutscher Reeder; Anlage 4, Entwicklung seit Einführung der Tonnagesteuer
Um diese Entwicklung zu unterstützen und zu sichern hat die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der Reedereiwirtschaft im „Maritimen Bündnis“ diverse Maßnahmen vereinbart, die unter anderem die Ausbildung fördern, den Standort in Europa stärken und vor allem eine adäquate Besteuerung der Reedereien vorsieht. 7 Weiter hat die Große Koalition im 16. Bundestag den Fortbestand der Tonnagesteuer vereinbart. 8
2.2 Die deutsche Reederei Branche im internationalen Wettbewerb
Die deutsche Reedereibranche wird im Wesentlichen durch drei tragende Säulen aufrechterhalten. Diese bilden sich aus den folgenden Eigenschaften und Ausprägungen Deutschlands.
7 Vgl. Leitlinien der Bundesregierung zur Förderung der Maritimen Wirtschaft
8 Siehe Hierzu Koalitionsvertrag zwischen CDU; CSU und SPD für die 16. Wahlperiode des Deut- schen Bundestags S.25
Die deutsche Reederei Branche 7
In den folgenden Unterkapiteln werden diese im Hinblick auf ihre Ausprägung, Größe und Relevanz für die deutsche Reedereibranche näher betrachtet werden.
2.2.1 Deutschland als Reeder Herkunft
Als Herkunft der Reeder nimmt Deutschland seit Bestehen der kommerziellen Seeschifffahrt einen weltweiten Spitzenplatz ein. Dieses Bild spiegelt sich auch heute noch bei Betrachtung der weltweiten Reedereibranche wieder. So nimmt Deutsch-land nach Griechenland und Japan mit einem Anteil von 7% 9 an der weltweit bereederten Tonnage den dritten Platz der Reederländer ein. Siehe hierzu folgende Abbildung. Diese Situation ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass die Unternehmen der deutschen Reeder, aufgrund der nationalen Zugehörigkeit des Reeders zuerst überwiegend in Deutschland angesiedelt werden. Für viele Unternehmen ist eine Standortanalyse und gegebenenfalls ein Standortwechsel erst ab einer gewissen Unternehmensgröße interessant. Somit hat Deutschland als Ursprungsland bei solchen eventuellen Betrachtungen den Vorteil, das die Unternehmen sich hier bereits angesiedelt und gefestigt haben.
Abb. 3 Handelsflotten nach Nationalität des Reeders, Eigene Darstellung, Quelle: Verband Deutscher Reeder, Daten der Deutschen Seeschifffahrt Ausgabe 2005
9 Vgl. Verband Deutscher Reeder, Daten der Deutschen Seeschifffahrt Ausgabe 2005
Die deutsche Reederei Branche 8
2.2.2 Der Flaggenstaat Deutschland
Die deutsche Spitzenposition bei der Betrachtung der Reeder Herkunft lässt sich beim Blick auf die führenden Flaggenstaaten allerdings nicht wieder erkennen (siehe Abb. 6). Durch den Trend der vergangenen Jahre wurden viele, ursprünglich deutsche Schiffe, aus dem deutschen Schiffsregister rausgenommen und in ein „Fremdregister“ ausgeflaggt. Dieser Trend hatte zum einen steuerliche Beweggründe und zum anderen ermöglichte dieser den Reedern den Einsatz von nicht deutschem Personal, welcher diese nicht entsprechend des in Deutschland gültigen Tarifvertrages vergüten musste. Dies führte zu einer massiven Arbeitsplatzab-wanderung aus Deutschland. Um diesen Trend zu entgegen zu wirken, wurde durch die Bundesregierung zum einen das „ Internationale Zweitregister“ (siehe hierzu Kapitel 8.2) eingeführt und zum anderen die Tonnagesteuer im deutschen Steuerrecht eingeführt.
Durch die Einführung der Tonnagesteuer konnte dieser negative Trend in Deutsch-land unterbrochen werden und so der deutschen Schifffahrt wieder deutliche Zuwächse zugeschrieben werden. So stieg die Anzahl der Schiffe unter deutscher Flagge von 1999 bis 2004 von 1850 um 40 % auf 2575. Die dazugehörige BRZ stieg im gleichen Zeitraum sogar um 105 % von 20 Millionen auf 41 Millionen. 10 Dennoch entfallen gerade einmal 2% der Welttonnage auf Schiffe unter deutscher Flagge. Die führenden Flaggenstaaten sind nach wie vor die Heimatländer der so genannten „Billigflaggen“ wie die Bermudas und Panama. Den dritten Platz nehmen hierbei die Bahamas ein, diese sind aber vor allem bei Kreuzfahrt Reedereien aufgrund ihrer speziellen Vorschriften für Kreuzfahrtschiffe beliebt. So sind sie bei dieser Betrachtung der Handelsflotte nicht weiter beachtenswert.
10 Vgl. Verband Deutscher Reeder, Anlage 4, Entwicklung seit Einführung der Tonnagesteuer
Die deutsche Reederei Branche 9
Abb. 4 Anteil der Welthandelstonnage nach Flaggenstaaten, Eigene Darstellung, Verband Deutscher Reeder, Daten der Deutschen Seeschifffahrt Ausgabe 2005
2.2.3 Der Finanzplatz Deutschland
Bei Betrachtung der Eigentumsverhältnisse ergibt sich wiederum ein ununterbrochener Schwerpunkt bei deutschen Reedern und Kapitalgebern. Dies ist zu großen Teilen durch das in Deutschland einzigartige KG Modell der Schiffsfinanzierung zu begründen (siehe hierzu die Erklärung im folgenden Kapitel). Weiter ist Deutsch-land als Land mit einer der höchsten Sparquoten weltweit von 10,5% 11 und einem durchschnittlichen pro Kopf Vermögen von 131.000 € 12 eines der mit dem meisten Privatvermögen ausgestatteten Ländern.
So haben deutsche Kapitalanleger mit knapp 5 Mrd. € im Jahr 2005 so viel Geld wie noch nie zuvor in Schiffsbeteiligungen investiert. Das entspricht einer Steigerung von 36 % gegenüber 2003.
11 Statistische Ämter
12 Statistisches Bundesamt, VGR Daten 2006 Gesamtvermögen 2003:10.845.040 Mill. Einwohner 2003: 82.520 Mill. Einwohner
Die deutsche Reederei Branche 10
Damit hat der maritime Standort Deutschland seine Bedeutung als zentraler Finanzplatz für die internationale Seeschifffahrt im Jahr 2004 weiter kräftig ausgebaut. Dies führt dazu, dass die Initiatoren, Reedereien und Emissionshäuser expandieren und durch enormen Flottenausbau sowie Neugründungen in Erscheinung treten 13 . Dies ergibt einen aktuellen Auftragsbestand (Juli 2005) deutscher Reedereien von 22,1 Mrd. € 14
Parallel dazu hat sich auch das Investitionsvolumen der deutschen Reedereien im Zeitraum von 1999 bis 2004 fast verdoppelt. Siehe hierzu Abbildung 5 und weiter zur Gesamtstruktur des Weltmarktes Anhang 1.
Abb. 5 Investitionsvolumen deutscher Reedereien, Eigene Darstellung, Quelle Verband Deutscher Reeder
An estimated total of more than US $9.8 billion of KG fund equity was invested in shipping in 2004, and this investment was equal to about 12.5% of the total global investment in new buildings in the year. 15
13 Vgl. Schiff & Hafen 6/2005 S 18
14 Verband Deutscher Reeder
15 Vgl. KG Shipping & Finance 2005 S3
Die deutsche Reederei Branche 11
Abb. 6 German Owner Deliveries & Market Share Quelle: Clarkson Research S. 21
What is clear is that there was a dramatic growth in ordering of new ships by German owners since 2003 (see Figure 6). As a result we anticipate that new building deliveries to German owners will overtake all others in 2006. Deliveries to German owners have grown significantly in recent years. Recent orderbook statistics indicate that in 2006 the figure will reach as much as 16.2% of all global deliveries. A comparison to its traditional North European maritime rival is even more telling. In 1996 UK and German owners each took delivery of just under 2 million gross tons (gt). Since then UK deliveries averaged 1.5 million gt per year, while in 2006 German owners are scheduled to receive over four times the UK total. In terms of dwt, at the start of May 2005, German owners accounted for an orderbook 50% of the size of the existing German-owned fleet. 16
Diese Situation wird für Deutschland in den nächsten Jahren allerdings mit einer stärkeren Konkurrenzsituation verbunden sein. Singapur plant mit einer neuen Finanzplatz Initiative Deutschland die Position als weltweit führender Standort für Schifffinanzierungen streitig zu machen. Mit der so genannten „ Maritime Finance Incentive“ will Singapur Reeder und Investoren mit langjähriger Steuerfreiheit in den Stadtstaat locken und so gegen die deutsche Tonnagesteuer ankommen. 17
16 Vgl. Clakson Research S. 21
17 Financial Times 31.07.2006
Die deutsche Reederei Branche 12
2.2.3.1 Die Struktur der Schiffsbeteiligungsfonds
Schiffsfonds werden i. d. R. in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG aufgelegt. Der Anbieter (auch Initiator oder Emissionshaus genannt) bietet über Banken oder freien Vermittlern interessierten Anlegern eine Beteiligung an dem Kommanditkapital der Gesellschaft an. Die Geschäftsführung obliegt dem persönlich haftenden Gesellschafter, in der Regel einer Komplementär-GmbH, die zur Vertretung der Fondsgesellschaft berechtigt ist. Die Anleger haben als Kommanditisten grundsätzlich keinen Einfluss auf die Geschäftsführung. Den Anlegern als begrenzt haftende Mitunternehmer stehen Mitwirkungs- und Kontrollrechte sowie eine Ergebnisbeteiligung und ein Anteil am Auseinandersetzungsguthaben gemäß den Regelungen im Gesellschaftsvertrag zu. Anleger haben zumeist die Wahl entweder als direkte Kommanditisten in das Handelsregister eingetragen zu werden oder sich über einen Treuhänder mittelbar an der Gesellschaft zu beteiligen. Der Treuhänder verwaltet den Anteil im eigenen Namen auf Rechnung des Treugebers. Der Name des Anlegers taucht bei einer treuhänderischen Beteiligung aber nicht im Handelsregister auf. 18
Abb. 7 Aufbau des KG Finazierungsmodells, Quelle Clarkson Research S. 65
18 Wikipedia, Schiffsfond
Standortfaktoren für Schifffahrtsgesellschaften 13
3 Standortfaktoren für Schifffahrtsgesellschaften
Dadurch, dass Reedereien zwar sehr kapitalintensive Unternehmen sind, jedoch dieses Kapital fast ausschließlich mobil investiert ist und somit die Kernfunktion von Reedereinen, der Transport von Waren, an allen Orten der Welt ausgeführt wird, benötigt eine Reederei lediglich einen lokalen Standort der die Verwaltung dieser Unternehmung zulässt. Aufgrund dieser Situation lässt sich, im Gegensatz zu einem Industrieunternehmen, der Standort relativ frei wählen und auch leicht verlagern. Bei der Standortauswahl muss folglich nicht das Arbeitsangebot der einfachen Arbeiter bedacht werden. Diese sind in der Schifffahrt ausschließlich an Bord der Schiffe beschäftigt und können somit weltweit rekrutiert werden. Dem hingegen sind jedoch folgende Faktoren bei der Standortauswahl von Bedeutung:
• Arbeitsangebot von Schifffahrtskaufleuten und Akademikern mit maritimen Schwerpunkten
• Nähe zu branchennahen Unternehmen (Banken, Versicherungen, Kanzleien)
• Angebot der behördlichen Dienstleistung (Finanzamt, Amtsgericht)
• Maritime Lobby
• Gewerbesteuer Hebesatz
Als Standort bindend ist bei den meisten Reedereien weiter zu beachten, dass diese oft einer langen Bremer oder Hamburger hanseatischen Geschichte folgen und sich somit ihren Standorten sehr verbunden fühlen.
Hingegen steht der allgemeine und ungebrochene weltwirtschaftliche Trend der Globalisierung gegenüber. Die Globalisierung bringt auf der einen Seite große Gefahren für die bestehenden Standorte mit sich. Die Unternehmen können aufgrund des technischen Fortschritts und den damit einhergehenden Möglichkeiten ihren Betrieb von vielen Orten aus steuern und somit ihre Standorte im Hinblick auf eine höhere Effizienz schneller verlegen. Dieser Trend der Globalisierung bringt allerdings auf der anderen Seite auch einen Trend zur Lokalisierung mit sich. Dieses Standortparadoxon wird im folgenden Kapitel behandelt werden.
3.1 Globalisierung vs. Lokalisierung: Das Standortparadoxon
Nachdem die Globalisierung in den Industrieländern lange als Gefahr für die bestehenden Standorte gesehen wurde, entstand in den letzten Jahren eine neue Be- trachtung aus Sicht der Lokalisierung: Jede standortpolitische Entscheidung zu
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Jörg Müller-Arnecke, 2006, Die Bedeutung Bremens als Reedereistandort, München, GRIN Verlag GmbH
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