Einleitung....................................................................................... 3
Die früharchaische Malerei........................................................... 4
Die Stelen von Prinias, ein Beispiel für früharchaische
Tafelmalerei ................................................................................... 5
2.1.1 Darstellungsweise und Farbigkeit dieser Grabmonumente 8
Literaturnachweise ..................................................................... 13
Bildnachweise ............................................................................. 14
1. Einleitung
Fachliteratur, die sich mit der Geschichte der griechischen Kunst beschäf- tigt, verweist bei der Problematik der Malerei als „Notbehelf“ oftmals auf die Vasenmalerei der jeweiligen Epochen, um auf diese Weise eine unge- fähre Vorstellung über die Gemälde, sowie die Technik der Maler und zeichnerische Entwicklung zu vermitteln. 1 Die technischen Möglichkeiten waren bis ca. in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch begrenzt, um eine detaillierte Forschung über die Malerei der Archaik und des Hellenismus auf den wenigen erhaltenen Originalen dieser Epochen durchführen zu können.
So konnte oft nur ein Bezug über antike Schriftsteller wie Plinius oder Pausanias hergestellt werden, um dem Leser eine Vorstellung über die Farbenpracht, das Können und die verlorenen Werke anerkannter Künst- ler zu vermitteln.
Heute verfügt die Wissenschaft allerdings über Methoden, die es ermögli- chen, diesen Verlust wieder sichtbar zu machen und mögliche Fehler bei Rekonstruktionen zu korrigieren. Auf vielen Werken kann eine fotografi- sche Normalaufnahme von dem „verborgenen“ Bild nichts vermitteln. Da- gegen tritt in einer UV-Aufnahme die Darstellung hervor und läßt sich er- fassen. Die verlorene Farbe wird so wieder sichtbar und gibt der Darstel- lung ihre Substanz zurück. 2 Eben dieses Verfahren und die Methode der Streiflichtaufnahme ermöglichen es eine eventuelle Rekonstruktion der Stelen von Prinias herstellen und den Stellenwert dieser Werke neu defi- nieren zu können. Lange Zeit wurden diese Grabmonumente für frühe Zeugnisse der Reliefkunst gehalten, obwohl Farbspuren schon bei der Auffindung registriert wurden. So stellen sich die Fragen, welchen Stel- lenwert die ursprüngliche Farbigkeit bei diesen Stelen hatte und welche Stufe der Malereientwicklung repräsentieren sie. Ausgangspunkt für diese Fragestellung bildet das Kapitel über die Prinias-Stelen aus Nadia Kochs Buch „De picturae initiis - Die Anfänge der griechischen Malerei im 7. Jh. v. Chr.“
1
Friedrich Matz: Geschichte der griechischen Kunst, Frankfurt 1950, S. 211-213
2
Prof. Dr. Volkmar von Graeve: Neue Methoden zur Erforschung antiker Malerei, Son- derdruck aus: Jahrbuch der Ruhr-Universität Bochum, Bochum 1988, S. 81-93
2. Die früharchaische Malerei
Literarische Quellen liefern historische Hinweise und Fakten zur Wert- schätzung von Bildern, den Besitzer oder den Preis. Die Texte beziehen sich leider vorwiegend nur auf den Ruhm der Tafelmaler. Als transportable Kunstwerke verbreiteten diese Tafelgemälde den Ruhm ihrer Schöpfer rascher als die an einem Ort fixierten Wandgemälde. 3 Die Schlachtdarstel- lung beispielsweise, die Boularchos auf hölzernem Malgrund für den Ly- derkönig Kandaules anfertigte, ist das älteste griechische Gemälde, von dem sogar Plinius in seiner Naturalis Historia zu berichten weiß. 4
„Ist es doch sogar zugestanden, daß das Gemälde des Boularchos mit der Schlacht der Magneten von dem lydischen König Kandaules, dem letzten der Herakliden, der auch Myrsilos genannt wird, mit Gold aufgewogen wurde. So hoch ward damals schon die Malerei geschätzt...“ 5
Die früharchaische Malerei zeichnet sich nicht nur anhand ihrer erhaltenen Exponate in der Vasenmalerei aus, sondern auch durch wenige erhaltene Bildnisse auf hölzerne Tafeln. Die frühesten Beispiele für griechische Ta- felbilder, die von Plinius tabula genannt wurden, stammen allerdings aus dem sechsten Jahrhundert. Hierbei handelt es sich um vier Weihebildnis- se, die aufgrund von günstigen Konservierungsbedingungen in Pitsa bei Korinth in einer Höhle entdeckt worden sind. 6 .
War die Malerei allerdings den Umwelteinflüssen ausgesetzt, so wurde vorrangig Stein als Malgrund verwendet. Vergleichbar zu der Malerei auf Holz wurden auch hier möglichst dünne, rechteckige Platten verwendet. Bevor der Maler mit dem Malvorgang begann, wurde die Vorderseite der Tafel fein geglättet. Auf diese Weise konnte die Farbe ohne weitere Grundierung direkt auf den Stein aufgetragen werden. Die frühesten Bei- spiele dieser Malerei stellen die Stelen aus dem kretischen Prinias dar.
3
Ingeborg Scheibler: Griechische Malerei der Antike, München 1994, S. 9
4
Dr. Heinrich Brunn: Geschichte der griechischen Künstler – Die Maler. Die Architekten. Die Toreuten. Die Münzstempelschneider. Die Gemmenschneider. Die Vasenmaler, 2. Band, 2. Auflage, Stuttgart 1889, S. 4
5
Hg. Roderich König: C. Plinius Secundus d. Ä.: Naturkunde – Lateinische – Deutsch, 35. Band, 2. Auflage, Darmstadt 1997, Kapitel 55 und 27 ff.
6 Nadia J. Koch: De picturae initiis - Die Anfänge der griechischen Malerei im 7. Jh. v. Chr., München 1996, S. 7
Die mit freistehenden Figuren versehenen Platten wurden schon zu Be- ginn des siebten Jahrhunderts hergestellt. 7
2.1 Die Stelen von Prinias, ein Beispiel für früharchaische Tafelma-
Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurden von L. Pernier und spä- ter noch in den fünfziger Jahren von N. Platon insgesamt 22 früharchai- sche Kalksteinplatten im kretischen Prinias ausgegraben. Diese dünn- wandigen Platten haben eine Höhe von ca. einem Meter und wurden als Mauer- oder Pflastersteine in der dortigen Festung vorgefunden.
8
Über die ursprüngliche Verwendung dieser Stelen lassen sich leider nur Vermutun- gen anstellen. Heute befindet sich einundzwanzig Stelen im Museum von Hiraklion.
9
Eine weitere, die sogenannte Columbia-Stele, ist im Museum of Art and Archaeology, University of Columbia in Missouri untergebracht.
Die Oberflächenglättung der Kalksteinplatten stellen einen Gegensatz zu der groben Bearbeitung der Rück- und Außenseite dar. Dies führte bei Lebessi zu der Annahme, daß die Aufstellung diese Stelen nicht frei er- folgte, sondern in würfelförmige Grabbauten eingemauert worden waren. 10 Diese Art ist auf zahlreichen geometrischen Nekropolen Griechenlands vorzufinden. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, daß alle oder meh- rere dieser Platten, wie von Adams vermutet wurde, Temenosschranken vermauert worden sind. 11 Dies führt wiederum zu einer Problematik der zeitlichen Einordnung, da die Theorie über die Nutzung eine gleichzeitige Herstellung der Stelen voraussetzt.
Auf der geglätteten Oberfläche heben sich figürliche Darstellungen von Frauen und bewaffneten Männern ab. Die 15 Krieger sind alle mit Schild,
7
Ebd.: S. 8
8
Ebd.: S. 105
9
J.A. Sakelarikis: Museum Heraklion. Illustrierter Führer durch das Museum, Heraklion
10
A. Lebessi: Hoi steles tou Prinia, Athen 1976, S. 62 ff.
11 Peter Blome: Die Figürliche Bildwelt Kretas in der geometrischen und früharchaischen Periode, Mainz 1982, S. 49 Lauren Adams: Orientalizing sculpture in soft limestone from Grete and Mainland Greece, Oxford 1978, S. 42, 44 ff.
Lanze und Helm ausgerüstet. Ähnlich der spätgeometrischen Vasenmale- rei wird der nach links gerichtete Körper von der wuchtigen Schildfläche überdeckt, so daß lediglich der behelmte Kopf und die teilweise beschien- ten Beine erkennbar sind. In einigen Fällen ragt über dem Schildrand noch die rechte Hand hervor, die den Lanzenschaft entweder fest umschlossen hält oder parallel zur Lanze ausgestreckt ist (Abb.1-3).
Nur sechs Stelen sind mit Frauendarstellungen versehen. Zwei der abge- bildeten weiblichen Gestalten sind im Profil dargestellt und blicken rechts (Abb. 6-9). Abgesehen von einer Figur, die einen Vogel in der linken und einen Kranz in der rechten Hand hält, erhalten die Frauen als Attribut eine Spindel. 12 Aufgrund der wiederholten Umsetzung desselben Bildtypus wird ebenfalls deutlich ebenfalls, daß die Stelen möglicherweise nicht gleich- zeitig hergestellt worden sind, sondern über einen längeren Zeitraum hin- weg. Lebessi vermutet, daß die Herstellungsphase sich zwischen dem zweiten Viertel bis zum Ende des siebten Jahrhunderts zugetragen haben muß. 13 Zur Beweisführung ihrer These, übertrug sie die namentlich an den Terrakotten von Gortyn offenbaren Kriterien des Formwandels menschli- cher Figuren dädalischer Zeit auf diese Grabstelen. 14 So läßt sich z. B. am Verhältnis des Kriegerkörpers zum Schild die fortschreitende Bewältigung des menschlichen Körpers auf Stein ablesen.
Matz vergleicht in seinem Buch „Geschichte der griechischen Kunst“ diese Stelen von Prinias vom Typus her mit dem Relief der bronzenen Mitra aus Rethymnos und der reliefartigen Darstellung auf dem Kannenhals Afrati. 15 Allerdings handelt es sich bei den Stelendarstellungen nicht um positive Reliefs 16 , sondern um Ritzlinien, die mit einem Stichel in den weichen Kalkstein eingraviert wurden. 17 Diese Methode ist voranging bei kretischen Bronzereliefs vorzufinden, die häufig in kombinierter Treib- und Ritztechnik gearbeitet sind. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß die Stelen sehr stark den Umwelteinflüssen ausgeliefert, so daß es teilweise schwie-
12
Nadia J. Koch: S. 105
13
A. Lebessi: S. 45 ff.
14 Peter Blome: S. 49 15 Friedrich Matz: Geschichte der griechischen Kunst, Band 1, Frankfurt am Main 1950, S. 16 Ebd.: S. 489 17 Peter Blome: S. 48
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Britta Heidel, 2004, Analyse und Datierung der Prinias-Stelen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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