Zusammenfassung
Die Seminararbeit befasst sich mit der Geschichte der so genannten „Schwarzen Presse“ und stellt den „Bayerische Kurier“ als einen Vertreter der katholischen Presse vor. Ergänzt wird diese Darstellung, die den historischen Werdegang der Zeitung nachzeichnet, mit einem praktischen Teil, der näher in das Blatt selbst einsteigt. Gewählt wurde dabei die Umsturzzeit nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland, da besonders hier viele gegensätzlich gerichtete Interessen aufeinanderprallten. Dies wiederum drängt auch den Bayerischen Kurier dazu, um seinen Platz in der Presselandschaft und in der Alltagswirklichkeit der Menschen zu kämpfen. Die Identität der Zeitung und ihre Nähe zum politischen Arm des Katholizismus in Bayern - der Bayerischen Volksparteikommen hier besonders stark zum Ausdruck.
II
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die Entwicklungsgeschichte der katholischen Presse 3
2.1 Zerfall der mittelalterlichen christlichen Öffentlichkeit. 3
2.2 Einheit von Kirche und Staat. 4
2.3 Eine gesellschaftliche Gruppe unter vielen 5
2.4 Kulturkampf und Politisierung der Katholiken. 6
2.5 Den Kulminationspunkt erreicht ? 7
3 Der Bayerische Kurier. 8
3.1 Konservative Gründungsjahre. 8
3.2 Modernisierungsprozess im Kaiserreich 8
3.3 Der Bayerische Kurier als Übernahmeobjekt 10
3.4 Schicksalsjahre im Ersten Weltkrieg 10
3.5 Parteiwerkzeug in der jungen Weimarer Republik 12
3.6 Kampf gegen Hitler und Untergang. 13
4 Berichterstattung des Bayerische Kuriers im Januar 1919 14
4.1 Historischer Hintergrund 14
4.1.1 Revolution von „oben“ und von „unten“ 14
4.1.2 Eisners Münchener Revolution 16
4.2 Im Vorfeld der Landtagswahlen am 12. Januar. 17
4.2.1 Wahlformalitäten und die Stimme der BVP 17
4.2.2 Glaube, Konfession und rund um die Revolution 20
4.3 Zwischen Landtagswahl und Wahlen zur Nationalversammlung 22
5 Zusammenfassung und Fazit. 24
6 Literaturverzeichnis. 27
III
Kapitel 1: Einleitung
1 Einleitung
„Unter den Mitteln zur Förderung der katholischen Interessen, zur Wahrung und Verteidigung der Rechte und Freiheiten der Kirche, zur Vertretung der Belange des Katholizismus in der Öffentlichkeit und zur Verbreitung und Stärkung der katholischen Weltanschauung ist die katholische Presse eines der wirksamsten." 1
Diese Feststellung des Erzbischofs von Hauck von Bamberg bezieht sich in den 1920er Jahren auf die vielen Jahre des publizistischen Kampfes der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit für ihre Belange. An vorderster Front kämpfte in Bayern und München auch der „Bayerische Kurier“, der hier näher betrachtet werden soll. Anschließend an das Seminar „Bayerische Pressegeschichte“ geht diese Arbeit also noch ein Stück weiter auf den Bayerischen Kurier ein, der zuvor eher überblicksartig im Rahmen der so genannten „Schwarzen Presse“ aufgearbeitet wurde.
Um zu einer deutlicheren Charakteristik des Blattes zu gelangen, kann auf einen Rückblick in die Entstehungsgeschichte der katholischen Presse nicht verzichtet werden. Diese reicht bis in das Mittelalter zurück und besaß ihren Höhepunkt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Manche katholische Presseorgane begleiteten das Schicksal der Katholiken aber noch bis zum Ende der Weimarer Republik. Zu diesen gehört auch der Bayerische Kurier, der mit dem beschriebenen Hintergrund der katholischen Pressegeschichte näher betrachtet wird. Die Seminararbeit umfasst neben diesen beiden theoretischen Teilen auch einen praktischen Abschnitt, innerhalb dessen der Bayerische Kurier exemplarisch „in Aktion“ betrachtet werden soll. Wie muss man sich die Kommunikation des Kuriers vorstellen? Anhand einiger Beispiele soll die Berichterstattung in den Ausgaben des Bayerischen Kuriers vor der Landtagswahl am 12. Januar und der Wahl zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar näher beschrieben werden. Die Arbeit beschränkt sich hier lediglich auf exponierte politische bzw. katholisch-politische Themen. Zuvor beschriebene Merkmale der katholischen Presse sind so möglicherweise wieder erkennbar und eventuell können auch neue aufschlussreiche Aspekte entdeckt werden, die den Bayerischen Kurier und seinen Kommunikationsmodus ergänzend beschreiben.
Die Darstellung der katholischen Pressegeschichte lehnt sich größtenteils an die Ausführungen Hans Wagners an, der in seinem Buch „Das Ende der katholischen Presse“ auch deren Anfänge anschaulich vermittelt. Der Bayerische Kurier ist bis auf kleinere Episoden Paul
1 Erzbischof Dr. von Hauck von Bamberg gelegentlich der Einweihung des neuen Hauses des St. Otto-Verlages 1925. (Katholische Presse-Aktion 1927: 8)
1
Kapitel 1: Einleitung
Hosers und Harrers noch nicht in Gänze aufgearbeitet worden. Zusammengetragen fanden sich aber genügend Hinweise, die ein größeres geschlossenes Bild des Bayerischen Kuriers ermöglichen. Die für den Analyseteil der Seminararbeit genutzten Ausgaben der Januartage 1919 sind größtenteils zusammenhängend und in gutem Zustand erhalten geblieben und konnten so direkt als Quelle genutzt werden. Denn so sind z.B. die Ausgaben des Bayerischen Kuriers Ende der 1920er Jahre nicht verfügbar. Viele der wichtigen Zeitzeugnisse sind häufig durch Wasserschäden im Krieg zerstört worden.
2
Kapitel 2: Die Entwicklungsgeschichte der katholischen Presse
2 Die Entwicklungsgeschichte der katholischen Presse
Geht es um die Charakteristik des Bayerischen Kuriers, sollte dieser innerhalb der katholischen Presse verortet werden. Was aber macht die katholische Presse aus? Um dies ausreichend klären zu können, muss auf ihre Entwicklungsgeschichte hingewiesen werden, denn „es trifft in der Tat zu, dass die Erscheinungsweisen der katholischen Presse, dass die Beziehungsfelder zwischen Kirche und Massenmedien ohne Kenntnis dieser Vergangenheit nicht zu beschreiben, nicht zu erklären oder zu verstehen sind“. 2
2.1 Zerfall der mittelalterlichen christlichen Öffentlichkeit
Im Mittelalter bildete die christliche Weltanschauung eine für alle verbindliche Norm, welche die Gesellschaft zusammenhielt. Sie bildete die „vollkommene Öffentlichkeit“, die jedem bekannt und sichtbar war. 3 Der Beginn der Frühen Neuzeit im 13. Jahrhundert, aber besonders die italienische Renaissance und der sich ausbreitende Humanismus der folgenden zweihundert Jahre zeugten von gewaltigen sozialen, kulturellen und geistigen Umbrüchen, die das mittelalterliche Öffentlichkeitsbild stückweise einstürzen ließen. Im 15. Jahrhundert wurde der Buchdruck durch Gutenberg erschwinglich und seine „beweglichen Lettern“ veränderten die Kommunikationsgeschichte. Denn die Tatsache, dass die Meinung eines Individuums nun einfacher publiziert und konserviert werden konnte, veränderten auch den Öffentlichkeitsanspruch der Gelehrten, die „im Laufe der Zeit dazu übergehen, ihre Erkenntnisse und Diskussionen nicht mehr wie bisher in der lateinischen Gelehrtensprache, sondern in ihrer jeweiligen Muttersprache zu veröffentlichen“ 4 . Einer von ihnen war Martin Luther, der nicht ahnte, welch gewaltigen Stein er mit seiner Reformation ins Rollen brachte. Auch er übersetzte seine berühmten Thesen ins Deutsche, statt sie auf Latein mit Ablasspredigern zu disputieren. 5
Hier liegen die Wurzeln, die auch die spätere publizistische Haltung der Kirche überhaupt begreifbar machen. Denn als die mittelalterliche christliche Öffentlichkeitskonstellation zerfällt und sich immer mehr absolutistisch geführte National- und Territorialstaaten aus dem sich auflösenden Heiligen Römischen Reich herausbildeten, gewinnt die Kommunikationsgeschichte zusätzlich an Dynamik: Das Interesse an Neuigkeiten und deren Weiterverbreitung
2 Wagner 1974: 11 3 vgl. ebd.: 16
4 ebd.: 17 5 vgl. ebd.: 19f.
3
Kapitel 2: Die Entwicklungsgeschichte der katholischen Presse
stieg rapide an und „treibt auf dem Zusammenprall der konkurrierenden Öffentlichkeitsansprüche sowohl der Obrigkeit mit der privaten Öffentlichkeit wie der verschiedenen Öffentlichkeitsansprüche der bürgerlichen Gruppen, der Parteien, der Fraktionen in der Gesellschaft zu“ 6 .
2.2 Einheit von Kirche und Staat
Die Kirche sah keine Veranlassung, sich in den verstärkt sichtbaren „publizistischen Tageskampf“ 7 einzuschalten und beharrte weiter auf ihrem anfänglichen Verständnis von Öffentlichkeit. 8 Denn im Zuge der Gegenreformation sah man das „kaiserlich-katholische“ ausreichend miteinander verschränkt. Die Einheit von Kirche und Staat gab somit noch keinen „Anstoß zu einer oppositionellen publizistischen Meinungsäußerung, auf welche die neuere katholische Presse ja zurückzuführen ist“ 9 . Bestehende „gnädigst priveligierte Blätter“ 10 und die mit amtlichen Nachrichten oder mit Hirtenbriefen und Religionsnachrichten gespickten moralischen Wochenschriften können laut Krumbach noch nicht zu den ersten katholischen Zeitungen gezählt werden 11 . Ebenfalls zählt Wagner solche Erscheinungen lediglich zu den „primitiven Frühformen“ 12 katholischer Presse.
Dann endlich, als das Volk schon von den Freiheitsidealen der Aufklärung und der französischen Revolution angesteckt war, entwickelte sich die katholische Kirche unfreiwillig hin zu einer eigenen gesellschaftlichen Position. Mitverantwortlich für den Weg der Kirche zurück in die Gesellschaft war der Säkularisierungsprozess, der mit dem Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Kirchlicher Besitz wurde eingezogen und geistliche Fürstentümer aufgelöst. 13 Nun also wurde auch ganz offiziell der katholischen Kirche „ein Platz unter den konkurrierenden Öffentlichkeitsansprüchen zugewiesen“ 14 .
In diese Rolle zurückgedrängt begann die Kirche nun auch langsam die Instrumente zu nutzen, deren sich auch die Wirtschaft und andere gesellschaftliche Teilbereiche bedienen und es entsteht eine katholische Tagespresse, die nun schon einen gewissen „propagandistischen
6 ebd.: 22
7 ebd.: 23 8 vgl. ebd.: 22f.
9 Krumbach 1932: 204
10 ebd.: 205 11 vgl. ebd.: 205
12 Wagner 1974: 25 13 vgl. ebd.: 26f.
14 ebd.: 27
4
Kapitel 2: Die Entwicklungsgeschichte der katholischen Presse
Zug“ 15 aufweist. Ein Merkmal, das den Frühformen, die höchsten einen „konfessionellen Einschlag“ 16 besaßen, völlig fehlte. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts scheiterte die katholische Presse jedoch noch häufig an der Ablehnung und an der Zensur des preußischen Obrigkeitsstaats, der den Druck katholischer Zeitungen höchstens unter harten Auflagen gestattet. Sie erfuhr nun ihre seit dem 15. Jahrhundert geforderten Zensurmaßnahmen und Kontrollen „am eigenen Leibe“. 17
Zusammenfassend stellt Wagner bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts fest: „Der Staat verfügt über die Kirche als gesellschaftliche Gruppe und zwingt sie damit, auch im Kampf um die öffentliche Meinung so zu handeln, als erhebe sie nur einen Öffentlichkeitsanspruch unter vielen“ 18 . Der Kirche selbst wird ihr Mangel an Öffentlichkeit bewusst und ist nicht gewillt, sich in die „konkurrierenden Öffentlichkeitsansprüche“ der gesellschaftlichen Gruppen einzufügen. Sie entwickelt sich zur reaktionären, konservativen Kirche.
2.3 Eine gesellschaftliche Gruppe unter vielen
Bis zum Revolutionsjahr 1848 wurden ungefähr zwanzig katholische Tageszeitungen neu gegründet 19 und mehrere Ereignisse sorgten im Vorfeld dafür, dass sich die katholische Kirche und ihre Presse zu jenem „monolithischen Meinungsblock“ 20 verfestigten, den sie während ihrer symbiotischen Verbindung mit dem Staat noch nicht darstellten: Der Kölner Erzbischof v. Droste-Vischering wurde in der Folge des Mischehenstreits im Jahr 1837 verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Das war „das Signal für die Katholiken - in der glücklichen Erkenntnis, welche fruchtbare Macht die öffentliche Meinung sei - den publizistischen Kampf aufzunehmen“ 21 . Besonders in Bayern entstand nach den Kölner-Wirren die Auffassung, dass das politische Tagesgeschehen auch von einem konkret katholischen Standpunkt aus beschrieben werden sollte und so stellten sich Blätter wie die „Augsburger Postzeitung“ hinter den Kölner Erzbischof. Die Katholiken selbst beharrten weiterhin auf die Pressefreiheit, die ihnen im Jahr
15 Krumbach 1932: 205
16 ebd.: 203
17 Hans Wagner (1974: 34f./38f.) analysierte die Einstellung der Kirche zur Pressefreiheit und er verneint die Behauptung, dass die Kirche Jahrhunderte lang gegen die Pressefreiheit gekämpft habe. So musste sich die Kirche der „papierenden Invasion der Privatinteressen“ erwehren um die gesellschaftliche Kommunikation mit ihr im Zentrum aufrechtzuerhalten. Aber in den 1840er Jahren befinden sich die Katholiken in einem Dilemma: Aus ihrer eigenen Vergangenheit sind sie sich selbst zwar einer Notwendigkeit von Zensur und Kontrolle bewusst, dennoch muss die Zensur, die diesmal auf Seiten des Obrigkeitsstaates gelagert ist, abgelehnt werden um an der verbliebenen Öffentlichkeit partizipieren zu können. So fordern viele katholische Wortführer nun ebenfalls die politische Pressefreiheit.
18 ebd.: 29 19 vgl. ebd.: 27
20 ebd.: 26
21 Krumbach 1932: 206
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