Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 1
1.1. PROBLEMSTELLUNG UND ZENTRALE FRAGE 1
1.2. AUFBAU DER ARBEIT 4
2. AUSGANGSÜBERLEGUNGEN 7
2.1. BEDEUTUNG VON KENNZAHLEN 7
2.2. AUSGEWÄHLTE KENNZAHLEN DER FINANZWIRTSCHAFTLICHEN ANALYSE 9
2.2.1. Intensität des Anlagevermögens 9
2.2.2. Intensität des immateriellen Vermögens 10
2.2.3. Intensität der Sachanlagen 10
2.2.4. Investitionsdeckung 11
2.2.5. Abschreibungsquote 11
2.2.6. Sachanlagenabnutzungsgrad 12
2.2.7. Eigenkapitalquote 13
2.2.8. Verschuldungsgrad 14
2.2.9. Gearing 14
2.2.10. Anlagendeckungsgrad I 15
2.2.11. Anlagendeckungsgrad II 16
2.3. AUSGEWÄHLTE KENNZAHLEN DER ERFOLGSWIRTSCHAFTLICHEN ANALYSE 16
2.3.1. EBITDA 16
2.3.2. Rentabilität allgemein 17
2.3.3. Eigenkapitalrentabilität 18
2.3.4. Return on Investment 20
3. BILANZIERUNGS- UND BEWERTUNGSGRUNDSÄTZE DES UGB 22
3.1. ALLGEMEINES 22
3.2. GENERALNORM 23
3.3. GRUNDSÄTZE ORDNUNGSGEMÄßER BILANZIERUNG 24
3.3.1. Grundsatz der Bilanzverknüpfung 24
- III -
4. DER JAHRESABSCHLUSS NACH UGB 29 4.1. ALLGEMEINES 29
4.2. DIE BILANZ 30
4.3. DIE GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG 31
4.4. DER ANHANG 31
4.5. DER LAGEBERICHT 32
5. ANLAGEVERMÖGEN NACH UGB 34 5.1. ALLGEMEINES 34
5.2. IMMATERIELLE VERMÖGENSGEGENSTÄNDE 35
5.2.1. Geschäfts- oder Firmenwert 36
5.3. MATERIELLE VERMÖGENSGEGENSTÄNDE 37
5.4. FINANZANLAGEVERMÖGEN 38
6. BILANZIERUNGS- UND BEWERTUNGSGRUNDSÄTZE DER IFRS 39 6.1. ALLGEMEINES 39
6.2. AUFBAU DER IFRS 40
6.3. ZWECK UND AUFGABEN DES IFRS-ABSCHLUSSES 42
6.4. ÜBERBLICK ÜBER DIE DERZEITIG EXISTIERENDEN
RECHNUNGSLEGUNGSVORSCHRIFTEN 44
6.5. GRUNDSÄTZE DER RECHNUNGSLEGUNG NACH IFRS IM SPEZIELLEN 49
7. DER JAHRESABSCHLUSS NACH IFRS 55 7.1. ALLGEMEINES 55
7.2. DIE BILANZ 56
7.3. DIE GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG 58
7.4. DIE EIGENKAPITALVERÄNDERUNGSRECHNUNG 60
7.5. DIE KAPITALFLUSSRECHNUNG 63
7.6. DER ANHANG 64
8. ANLAGEVERMÖGEN NACH IFRS 65 8.1. ALLGEMEINES 65
8.2. IMMATERIELLE VERMÖGENSWERTE 65
8.3. MATERIELLE VERMÖGENSWERTE 72
8.4. FINANZANLAGEVERMÖGEN 77
8.5. LEASING-VERHÄLTNISSE 78
9. KENNZAHLEN MIT DATEN AUS DER PRAXIS 82
9.1. INTENSITÄT DES ANLAGEVERMÖGENS 82
9.2. INTENSITÄT DES IMMATERIELLEN VERMÖGENS 83
9.3. INTENSITÄT DES SACHANLAGEVERMÖGENS 84
9.4. INVESTITIONSDECKUNG 85
9.5. ABSCHREIBUNGSQUOTE 86
9.6. SACHANLAGENABNUTZUNGSGRAD 87
9.7. EIGENKAPITALQUOTE 88
9.8. VERSCHULDUNGSGRAD 89
9.9. GEARING 90
9.10. ANLAGENDECKUNGSGRAD I 91
9.11. ANLAGENDECKUNGSGRAD II 92
9.12. EBITDA 93
9.13. EIGENKAPITALRENTABILITÄT 93
9.14. RETURN ON INVESTMENT 94
10. CONCLUSIO 96
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 99
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 102
TABELLENVERZEICHNIS 103
LITERATURVERZEICHNIS 104
INTERNETQUELLEN 118
- VI -
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und zentrale Frage
Mit der Verordnung des europäischen Parlaments sowie des Rates vom 19. Juli 2002 (EU-Verordnung Nr. 1606/2002) ist es für kapitalmarktorientierte Gesellschaften verpflichtend, ab 2005 ihre konsolidierten Abschlüsse nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS/IAS) aufzustellen, sofern am jeweiligen Bilanzstichtag ihre Wertpapiere in einem beliebigen Mitgliedsstaat zum Handel in einem geregelten Markt zugelassen sind. 1 Aber auch Unternehmen welche sich auf ein Initial Public Offering (IPO) vorbereiten sowie solche, die sich ihren Geschäftspartnern mit einem international „verständlicherem“ Abschluss präsentieren wollen, haben die Möglichkeit statt eines UGB-Abschlusses einen nach den Regeln der IFRS aufgestellten Abschluss vorzulegen.
Dennoch sieht der Artikel 5 die Regelung bezüglich der Anwendung der IFRS im Einzelabschluss auch weiterhin bei den Mitgliedstaaten. 2 Nachstehende Abbildung gibt einen Überblick über den Inhalt der EU-Verordnung zum Thema IAS im Einzel- und Konzernabschluss.
1 Vgl. Europäische Union (2002), Art. 5; Grünberger, D./Grünberger, H. (2004), S. 1; Kirsch, H. (2006), S. 13; Böcking, H.-
J./Lopatta, K./Rausch, B. (2005), S. 87; Böcking, H.-J./Lopatta, K./Rausch, B. (2005), S. 101; Peemöller, V. H. (2004a), S.
5f; Wagenhofer, A. (2002), S. 5 und 32; Förschle, G./Holland, B./Kroner, M. (2003), S. V; Haller, A. (2004), S. 17; Eierle, B.
(2004), S. 50; Lanfermann, G. (2004), S. 94; Coenenberg, A. G. (2005), S. 743; Bruns, H.-G./Wiederhold, P. (2004), S. 102
und 103f; Haller, A./Permanschlager, D. (2004), S. 163; Grünberger, D. (2006), S. 22.
2 Vgl. Bruns, H.-G./Wiederhold, P. (2004), S. 102; Lanfermann, G. (2004), S. 95; Bertl, R. (2004), S. 136; Eierle, B. (2004),
S. 50; Haller, A./Permanschlager, D. (2004), S. 163; Grünberger, D. (2006), S. 23 und 30.
- 1 -
Abb. 1: Inhalt der EU-IAS-Verordnung Quelle: Haller, A. (2004), S. 18.
Aufgrund der oben abgebildeten EU-Verordnung hat sich bis dato noch keine klare, einheitliche Linie herauskristallisiert, was die Anwendung der IAS/IFRS in den jeweiligen Mitgliedstaaten betrifft. Dies ist sehr deutlich der nachstehenden Tabelle zu entnehmen.
- 2 -
Tab. 1: IFRS im Einzelabschluss mit befreiender Wirkung in EU- und EWR-Staaten.
Quelle: Erhebung der Europäischen Kommission vom 15. März 2006; entnommen aus Grünberger, D. (2006), S. 31.
Aufgrund der Tatsache, dass der Abschluss nach IFRS für einen Teil der Unternehmen verpflichtend, für einen weiteren Teil empfehlend und für einen Großteil gänzlich unerheblich ist, herrscht zurzeit ein „Interregnum der Bilanzierung“.
Mit der oben angeführten Verordnung des europäischen Parlaments wurde die Bedeutung der IFRS deutlich angehoben und wird in nächster Zeit sicher weiter an
- 3 -
Bedeutung gewinnen. 3 Nicht zuletzt aufgrund der Bestimmungen von Basel II wird die Rechnungslegung nach IFRS in der Europäischen Union auch Auswirkungen auf mittelständische, kleinere und mittelgroße Gesellschaften haben. 4 Aus diesem Grund erscheint es sinnvoll die mit der Einführung und Umsetzung der IFRS einhergehenden Änderungen auf die Aussagekraft von Kennzahlen näher zu beleuchten, um für potenzielle IFRS-Anwender wertvolle Informationen zu liefern sowie diversen Interessensgruppen (stakeholder, shareholder, …) einen Überblick zu verschaffen, wie - oder ob überhaupt - sich die Aussagekraft von Kennzahlen des Jahresabschlusses im Bereich des Anlagevermögens durch IFRS geändert hat oder ändern kann bzw. welchen Änderungen im quantitativen Sinn die Kennzahlen des Anlagevermögens überhaupt unterliegen.
Wie sagte doch schon Peter F. Drucker so trefflich: "If you can't measure it, you can't manage it."
Ergänzend werden auch ausgewählte Kennzahlen des Gesamt- bzw. Eigenkapitals behandelt, wirkt sich doch eine Änderung im Anlagevermögen direkt auf das Gesamt- bzw. Eigenkapital aus.
Die zentrale Frage der Arbeit lautet daher, „wie verändert sich die Aussagekraft von ausgewählten Kennzahlen bei der Umstellung von UGB auf IAS/IFRS?“.
1.2. Aufbau der Arbeit
Nach einem Einleitungskapitel in welchem eine Darstellung des Status Quo der internationalen Rechnungslegung erfolgt, die Formulierung der zentralen Fragestellung vorgenommen wird und der Aufbau der vorliegenden Arbeit abgebildet wird, erfolgt der direkte Einstieg mit den Ausgangsüberlegungen, welche zu dieser Arbeit geführt haben.
3 Vgl. Zülch, H. (2005), S. V.
4 Vgl. Hayn, S. (2004b), S. 1121.
- 4 -
In diesem zweiten Abschnitt wird die Bedeutung von Kennzahlen, vor allem derer des Anlagevermögens, hervorgehoben. Weiters werden die erwähnten Kennzahlen kurz dargestellt und erläutert.
Kapital 3 beschäftigt sich mit den Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätzen des Unternehmensgesetzbuch (UGB). Vor allem die Grundsätze ordnungsgemäßer Bilanzierung stehen im Mittelpunkt des Interesses. Der Jahresabschluss nach dem Unternehmensgesetzbuch ist Thema im vierten Abschnitt. Dabei werden die vier Komponenten des Jahresabschlusses nach UGB
- Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang und Lagebericht - erläutert. Das letzte sich mit dem UGB beschäftigende Kapitel ist das Kapitel über das Anlagevermögen nach UGB. In diesem fünften Abschnitt werden sowohl immaterielle und materielle Vermögensgegenstände, als auch - sehr eingeschränkt - das Finanzanlagevermögen kurz dargestellt. Die Kapitel sechs bis acht beschäftigen sich mit den International Financial Reporting Standards, kurz IFRS. Im sechsten Abschnitt werden der Aufbau sowie der Zweck und die Aufgaben der IFRS abgebildet. Des Weiteren erfolgt eine tabellarische Darstellung der derzeit aktuellen Rechnungslegungsvorschriften sowie eine Aufzählung und Erläuterung der Rechnungslegungsgrundsätze nach IFRS.
Der siebente Abschnitt beschäftigt sich mit dem Jahresabschluss nach IFRS. Ergänzend zu den drei schon aus dem UGB bekannten Posten Bilanz, Gewinn-und Verlustrechnung sowie Anhang, werden die
Eigenkapitalveränderungsrechnung und die Kapitalflussrechnung erklärt. Schließlich behandelt Kapitel 8 das Anlagevermögen nach IFRS. Immaterielle und materielle Vermögenswerte, Finanzanlagevermögen sowie Leasing-Verhältnisse werden in diesem Abschnitt dargestellt und erklärt.
Im vorletzten Abschnitt werden die im zweiten Kapitel vorgestellten Kennzahlen anhand eines praktischen Beispieles berechnet und einer kritischen Würdigung unterzogen. Als Grundlage für die Auswertung dienten die Volkswagen-Konzernabschlüsse 2000 und 2001.
- 5 -
Im Abschlusskapitel erfolgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse der empirischen Untersuchung sowie die Beantwortung der zentralen Frage.
- 6 -
2. Ausgangsüberlegungen
2.1. Bedeutung von Kennzahlen
Lechner/Egger/Schauer 5 definieren betriebliche Kennzahlen als „Zahlen oder Zahlenverhältnisse, insbesondere von Aufwands-, Ertrags- und Bestandsgrößen, die für ein betriebswirtschaftliches Erkenntnisziel unmittelbaren Aussagewert besitzen“. Coenenberg teilte Kennzahlen in finanzwirtschaftliche (Investition, Finanzierung und Liquidität) sowie erfolgswirtschaftliche (Ertragskraft). 6 Dabei kann man eine einzelne Kennzahl für sich selbst, also isoliert, betrachten, aber auch als Teil eines Ganzen, in Verbindung mit anderen Kennzahlen, sehen. 7 Dabei können Kennzahlen durchaus als absolute Zahlen in Form von Einzelzahlen (z.B. Umsatz, Personalkosten), von Differenzen (z.B. Working Capital als Differenz von Umlaufvermögen und kurzfristigen Schulden), von Summen (z.B. Bilanzsummen) und als Mittelwerte (z.B. durchschnittlich gebundenes Vermögen) abgebildet werden. 8
In den meisten Fällen werden Kennzahlen als Verhältniszahlen (auch Relativzahlen) dargestellt. Setzt man betriebswirtschaftlich relevante Größen zueinander in Beziehung, so erhält man die oben genannten Kennzahlen als Verhältniszahlen. 9 Dabei unterscheidet man zwischen Gliederungszahlen (Verhältnis eines Teiles zu einem Ganzen), Beziehungszahlen (Herstellung eines Bezuges zwischen begrifflich verschiedenen Größen oder Massen) und Indexzahlen (Veränderung von Zahlenwerten begrifflich gleicher Größen). 10
5 Lechner, K./Egger, A./Schauer, R. (2004), S. 867.
6 Vgl. Coenenberg, A. G. (2003), S. 919; Schierenbeck, H. (2000), S. 620.
7 Vgl. Lechner, K./Egger, A./Schauer, R. (2004), S. 867.
8 Vgl. http://www.olev.de/k/kennz.htm, Coenenberg, A. G. (2005), S. 971; Groll, K.-H. (2000), S. 9; Lechner, K./Egger,
A./Schauer, R. (2004), S. 871.
9 Vgl. Groll, K.-H. (2000), S. 9; Siegwart, H. (2002), S. 6; Coenenberg, A. G. (2005), S. 971; Lechner, K./Egger, A./Schauer,
R. (2004), S. 871; Schierenbeck, H. (2000), S. 620.
10 Vgl. Schierenbeck, H. (2000), S. 620; Wagenhofer, A. (2002), S. 229; Coenenberg, A. G. (2005), S. 971; Groll, K.-H.
(2000), S. 10; Siegwart, H. (2002), S. 6; Lechner, K./Egger, A./Schauer, R. (2004), S. 871f.
- 7 -
Einen Überblick bzw. auch Zusammenhang der einzelnen Kennzahlenbereiche liefern Schneider, W./Schwankhart, K./Wirth, H./Wirth, H. mit nachstehender Abbildung.
Abb. 2: Überblick über Kennzahlenbereiche
Quelle: Schneider, W./Schwankhart, K./Wirth, H./Wirth, H. (1995), S. 109.
Dennoch muss an dieser Stelle hingewiesen werden, dass Kennzahlen lediglich einen Teil der umfassenden Bilanzanalyse darstellen. Sie geben einzig quantitative Informationen wider, wie auch nachstehender Abbildung von Groll entnommen werden kann.
- 8 -
Abb. 3: Verfahren der Bilanzanalyse Quelle: Groll, K.-H. (2000), S. 5.
2.2. Ausgewählte Kennzahlen der finanzwirtschaftlichen Analyse
2.2.1. Intensität des Anlagevermögens
Diese Kennzahl wird laut Einteilung nach Coenenberg der Investitionsanalyse und hier wiederum der Analyse der Vermögensstruktur zugerechnet. Mit der Vermögensstruktur kann ein Überblick über die Art und die Zusammensetzung des Vermögens sowie im zeitvergleich eine Entwicklung der Vermögenslage dargestellt werden. 11
11 Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 498.
- 9 -
2.2.2. Intensität des immateriellen Vermögens
Bisher wird der Untersuchung dieser Kennzahl in der Literatur kein großer Stellenwert beigemessen. Aufgrund der steigenden Bedeutung des immateriellen Vermögens (durch die Anwendung des IAS 38) erscheint es aber sinnvoll, sich in Zukunft mit dieser Kennzahl auseinanderzusetzen. 12
2.2.3. Intensität der Sachanlagen
Auch diese Kennzahl wird der Investitionsanalyse sowie weiters der Analyse der Vermögensstruktur zugeordnet. 13
12 Vgl. Coenenberg, A. G. (2005), S. 988.
13 Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 498.
- 10 -
2.2.4. Investitionsdeckung
Diese Kennzahl gibt Auskunft darüber, ob die vorhandene Kapazität durch die getätigten Investitionen erhalten werden kann. Um dies zu gewährleisten bedarf es zumindest gleich hoher Investitionen wie Abschreibungen. 14 Dabei ist die Investitionsdeckungskennzahl bloß über den Zeitvergleich aussagekräftig, da Abschreibungen regelmäßig anfallen, Investitionen aber im Normalfall - und ganz speziell bei Großanlagen - nicht jährlich gleichmäßig anfallen. 15 Dabei können aber bei der Feststellung der Investitionsdeckung drei Probleme auftreten, nämlich (1) durch Leasinginvestitionen kommt es zu einer Scheinunterdeckung, (2) müssen aufgrund der Preisentwicklung die Investitionen tendenziell über den Abschreibungen liegen und (3) kann der technische Fortschritt trotz stagnierender Kapazität zu höheren oder niedrigeren Investitionen führen. 16
2.2.5. Abschreibungsquote
Diese Kennzahl zählt laut Egger/Bertl/Samer 17 zu den aussagekräftigsten im Anlagenbereich. Dies vor allem da sie die Abschreibungspolitik des jeweiligen
14 Vgl. Kralicek, P./Böhmdorfer, F./Kralicek, G. (2001), S. 98; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 502.
15 Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 502.
16 Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 502.
17 Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 503f.
- 11 -
Unternehmens widerspiegelt. Trennt man diese Kennzahl bei der Darstellung nach Anlagenkategorien, ist damit feststellbar, ob ein Unternehmen mit einer eher kürzeren oder einer eher längeren Nutzungsdauer abschreibt. Dabei kommt es aber bei einer eher konservativen, also mit Annahme einer kürzeren Nutzungsdauer, Abschreibung zur Bildung von stillen Reserven. Problematisch sind hier einerseits geringwertige Vermögensgegenstände, da diese zwar in den Abschreibungen, nicht jedoch im Anfangs- bzw. Endbestand Aufnahme finden. Dadurch ergibt sich ein positiveres Bild des Unternehmens. Andererseits führen bereits gänzlich abgeschriebene Anlagengegenstände zu einem schlechteren Bild, da sie zwar noch im Unternehmen aufscheinen, für sie jedoch keine Abschreibungen mehr anfallen. 18
2.2.6. Sachanlagenabnutzungsgrad
Obwohl diese Kennzahl rein statischer Natur ist, hat sie doch großen Erkenntniswert. Sie spiegelt das Alter der Anlagen wider und zeigt damit mögliche erforderliche Neuinvestitionen auf. 19 Bei der Analyse dieser Kennzahl ist jedoch auf die jeweils gewählte Abschreibungsmethode Rücksicht zu nehmen. Weiters sind allenfalls außerordentliche Abschreibungen zu berücksichtigen. Außerdem ist die oben genannte Abschreibungsquote nicht außer Acht zu lassen, da eine
18 Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 504.
19 Vgl. Wagenhofer, A. (2002), S. 241; Kralicek, P. (1998), S. 78; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 505f.
- 12 -
höhere Abschreibungsquote gleichbedeutend mit einem höheren
Sachanlagenabnutzungsgrad ist. 20
2.2.7. Eigenkapitalquote
Die Eigenkapitalquote verhält sich komplementär zur Fremdkapitalquote und steht als Indikator für das Sicherungspotenzial eines Unternehmens. 21 Diese Kennzahl hat auch große Bedeutung in Zusammenhang mit der fiktiven Schuldtilgungsdauer in Bezug auf einen Reorganisierungsbedarf. Beträgt die fiktive
Schuldtilgungsdauer mehr als 15 Jahre und liegt die Eigenkapitalquote unter 8 %, so geht man von einem Reorganisationsbedarf nach § 1 Abs. 3 URG aus. 22
20 Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 505f.
21 Vgl. Baetge, R./Kirsch, H.-J./Thiele, St. (2001), S. 8.
22 Vgl. Schneider, W. (2002), S. 113; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 515f.
- 13 -
2.2.8. Verschuldungsgrad
Die Kennzahl des Verschuldungsgrades bringt das Verhältnis von bereinigtem Fremdkapital zu bereinigtem Eigenkapital zum Ausdruck. Sie gibt Auskunft darüber, wie viel Prozent des bereinigten Eigenkapitals das bereinigte Fremdkapital beträgt. 23
2.2.9. Gearing
Die international übliche Kennzahl „Gearing“ bzw. „Gearing ratio“ weist eine große Ähnlichkeit zum Verschuldungsgrad auf. Statt dem bereinigten Fremdkapital zieht man allerdings die Nettoverschuldung heran, also das verzinsliche Fremdkapital abzüglich der liquiden Mittel. 24
Das Gearing scheint eine höhere Aussagekraft zu haben, als es die Kennzahl des Verschuldungsgrades von sich behaupten kann. Begründet wird dies damit, dass sowohl das Eigen- als auch das Fremdkapital zu Stichtagswerten in die
23 Vgl. Kralicek, P./Böhmdorfer, F./Kralicek, G. (2001), S. 103; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 516.
24 Vgl. Wagenhofer, A. (2002), S. 248f; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 517.
- 14 -
Berechnung eingehen. Dabei ist jedoch das Fremdkapital am Bilanzstichtag eine reine Zufallsgröße, die stark von kurzfristigen Zuflüssen liquider Mittel beeinflusst wird. Daher wird die Anwendung der Nettoverschuldung zum Ausweis der Verschuldungsentwicklung eine höhere Aussagekraft haben, als dies mit dem gesamten bereinigten Fremdkapital zu erreichen wäre. 25
2.2.10. Anlagendeckungsgrad I
Die Goldene Bilanzregel besagt, dass das Verhältnis von eingesetztem Eigenkapital zu Anlagevermögen größer oder gleich eins sein sollte. 26 Mit dem Anlagendeckungsgrad I untersucht man nun, ob das Anlagevermögen durch Risikokapital gedeckt werden kann. Dabei werden Teile des langfristigen Fremdkapitals, nämlich die Abfertigungs- und Pensionsrückstellungen, dem bereinigten Eigenkapital hinzugerechnet. 27
25 Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 517.
26 Vgl. Schierenbeck, H. (2000), S. 632; Schneider, W./Schwankhart, K./Wirth, H./Wirth, H. (1994), S. 38; Wagenhofer, A.
(2002), S. 266; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 521f.
27 Vgl. Siegwart, H. (2002), S. 60; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 522f.
- 15 -
2.2.11. Anlagendeckungsgrad II
Im Gegensatz zum Anlagendeckungsgrad I werden nun nicht bloß Teile des langfristigen Fremdkapitals dem bereinigten Eigenkapital hinzugerechnet, sondern das gesamte langfristige Fremdkapital addiert. 28
2.3. Ausgewählte Kennzahlen der erfolgswirtschaftlichen Analyse
2.3.1. EBITDA
Ausgehend vom EBIT, welches sich selbst aus dem bereinigten Betriebserfolg und dem Erfolg aus Finanzinvestitionen zusammensetzt, erhält man durch Addition sowohl der gesamten Jahresabschreibungen vom Anlagevermögen mit Ausnahme des Firmenwertes als auch der Amortisation des Firmenwertes das EBITDA. Das „D“ steht dabei für „depreciation“ - Abschreibung, das „A“ für „amortization“ -Amortisierung. 29
28 Vgl. Groll, K.-H. (2000), S. 58; Kralicek, P./Böhmdorfer, F./Kralicek, G. (2001), S. 105; Siegwart, H. (2002), S. 61; Egger,
A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 523; Wagenhofer, A. (2002), S. 266; Kralicek, P. (1998), S. 81.
29 Vgl. Wagenhofer, A. (2002), S. 251; Coenenberg, A. G. (2005), S. 967; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 561f.
- 16 -
In der Unternehmenspraxis wird die Kennzahl EBITDA häufig dann eingesetzt, um die Abschlussadressaten von einer schlechten Geschäftsentwicklung abzulenken. 30
2.3.2. Rentabilität allgemein
Anhand der Rentabilität wird die Ertragsfähigkeit eines Unternehmens ausgedrückt. Dabei kann dem Erfolg eines Unternehmens im Wesentlichen das eingesetzte Kapital (Kapitalrentabilität) oder der erwirtschaftete Erlös (Umsatzrentabilität) gegenübergestellt werden. Abhängig davon, welcher Teil des Kapitals nun als Grundlage herangezogen wird, spricht man von Gesamtkapitalrentabilität oder Eigenkapitalrentabilität. 31 Eine Übersicht über mögliche Formen der Rentabilitätsrechnungen gibt nachstehende Abbildung.
30 Vgl. Zülch, H. (2005), S. 62. Mit Verweis auf Papendick, U./Student, D. (2002), S. 154.
31 Vgl. Schierenbeck, H. (2000), S. 621; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 569.
- 17 -
1 Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit abzüglich Ertragssteuern, soweit auf die gewöhnliche Geschäftstätigkeit entfallend.
2 Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
Abb. 4: Überblick über Rentabilitätsrechnungen
Quelle: Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 569.
Nimmt man nun das Gesamtkapital als Bezugsgröße, verwendet man besser den Begriff der Vermögensrentabilität, da der Unternehmensertrag durch den Vermögenseinsatz erzielt wird. Daher auch der aus dem angloamerikanischen Raum stammende Begriff Return on Investment (ROI). 32
2.3.3. Eigenkapitalrentabilität
Die Eigenkapitalrentabilität ist eine so genannte Restgröße. Diese ergibt sich nach Abzug des Anteils der Fremdkapitalgeber am Gesamtertrag. Dabei ist die Eigenkapitalrentabilität bei gegebener Gesamtkapitalrentabilität von zwei Variablen abhängig, und zwar vom Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital sowie der Höhe der Fremdkapitalzinsen. 33
32 Vgl. Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 569.
33 Vgl. Schneider, W./Schwankhart, K./Wirth, H./Wirth, H. (1995), S. 115; Kralicek, P./Böhmdorfer, F./Kralicek, G. (2001), S.
128; Egger, A./Samer, H./Bertl, R. (2005), S. 569f.
- 18 -
Die Tatsache, dass die Kosten des eingesetzten Fremdkapitals die Eigenkapitalrentabilität beeinflussen, nennt man den Leverageeffekt. Dieser erklärt sich wie folgt: solange die Kosten des Fremdkapitaleinsatzes geringer bleiben als die Gesamtkapitalrentabilität, solange steigt mit zunehmenden Fremdkapitalanteil auch die Eigenkapitalrentabilität. 34
Dazu ein einfaches Beispiel:
EK 100 GE FK 100 GE
Zinssatz für FK = 5 %; d.h. 100 GE * 5 % = 5 GE Kosten für FK GK-Rentabilität = 10 %; d.h. Gewinn = 200 GE * 10 % = 20 GE - 5 GE FK-Kosten = 15 GE
Daher EK-Rentabilität: 15 GE geteilt durch 100 GE = 15 % Unter der Annahme, dass nun zusätzlich 100 FK-GE aufgenommen werden ergibt sich, ceteris paribus, folgender Sachverhalt: EK 100 GE FK 200 GE
Zinssatz für FK = 5 %; d.h. 200 GE * 5 % = 10 GE Kosten für FK GK-Rentabilität = 10 %; d.h. Gewinn = 300 GE * 10 % = 30 GE - 10 GE FK-Kosten = 20 GE
Daher die neue EK-Rentabilität: 20 GE Gewinn geteilt durch 100 GE GK = 20 %
- 19 -
Arbeit zitieren:
Mag. (FH) Pierre Kaltenbacher, 2007, Wie verändert sich die Aussagekraft von Kennzahlen des Anlagevermögens bei der Umstellung von UGB auf IFRS, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Bilanzpolitische Möglichkeiten der IAS/IFRS-Rechnungslegung
Referat (Ausarbeitung), 32 Seiten
Kritische Analyse der Problematik stiller Reserven nach IFRS
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Seminararbeit, 21 Seiten
Die traditionelle externe Bilanzanalyse - eine kritische Würdigung
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Seminararbeit, 28 Seiten
Die Bilanzierung nach IFRS für den Mittelstand und ihre Bedeutung für ...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Diplomarbeit, 92 Seiten
Einfluss der Umstellung von HGB auf IAS/IFRS auf die Bilanzkennzahlen ...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Masterarbeit, 111 Seiten
Ansatz und Bewertung von selbst geschaffenen immateriellen Vermögensge...
Jura - Zivilrecht / Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Kartellrecht, Wirtschaftsrecht
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Pierre Kaltenbacher hat den Text Wie verändert sich die Aussagekraft von Kennzahlen des Anlagevermögens bei der Umstellung von UGB auf IFRS veröffentlicht
Pierre Kaltenbacher hat einen neuen Text hochgeladen
Fallstudie zur Umstellung auf die IFRS-Rechnungslegung
Harald Kessler, Markus Leinen, Michael Strickmann
Umstellung des Rechnungswesens von der Kameralistik auf die Doppik
Am Beispiel der Kommunen im Fr...
Harald Köhler
Interculturele Leerprocessen - Interkulturelles Lernen: Hoe Verandert ...
Dipl -Soz -Wiss Guenter Wiedemann
100 IFRS Kennzahlen / IFRS Financial Ratios Dictionary - Deutsch / Eng...
Ulrich Wiehle, Michael Diegelmann, Henryk Deter, Peter N. Schömig, Michael Rolf
0 Kommentare