Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 1
Methodischer Gang. 3
Kapitel I: Begriffserklärungen und Bestandsdaten. 5
1. Zum Begriff der Prävention 5
2. Sucht und Abhängigkeit. 6
3. Der Alkohol. 9
3.1. Der Stellenwert des Alkohols in der heutigen Gesellschaft. 10
3.2. Die Substanz Alkohol 11
3.2.1. Physiologische Wirkung des Alkohols 12
3.2.2. Psychologische Wirkung des Alkohols. 13
3.3. Risiken des Alkoholkonsums. 14
3.3.1. Alkoholabhängigkeit 14
3.3.2. Die Risikogruppe Jugendliche 15
3.3.3. Risiken von Alkopops - Alkoholische Mixgetränke 16
3.4. Physiologische Folgeschäden massiven Alkoholkonsums 16
3.5. Psychologische Folgeschäden massiven Alkoholkonsums. 18
3.6. Soziale Folgen massiven Alkoholkonsums 18
3.6.1. Die Folgen für Kinder mit alkoholabhängigen Elternteilen. 19
3.6.2. Merkmale der Verhaltensauffälligkeiten. 20
4. Der Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. 22
4.1. Zusammenfassung der Ergebnisse der BZgA im Jahr 2004 22
4.1.1. Geschlechtsspezifische Konsumgewohnheiten Jugendlicher. 23
4.1.2. Der Konsum von Alkopops. 23
4.1.2. Gesetzliche Bestimmungen. 24
4.2. Entwicklung des Alkopopkonsums Jugendlicher im Jahr 2005 25
4.3. Der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung von 2006. 26
Kapitel II: Ursachenmodelle der Sucht und Abhängigkeit. 27
1. Ursachen der Sucht und Abhängigkeit. 27
1.1. Entwicklungspsychologische Aspekte von Drogenkonsum 27
1.1.1. Funktionen und Motivationen des Substanzgebrauchs am Beispiel Alkohol. 28
1.1.2. Drogengebrauch über die Lebensspanne - die gefährdete Zielgruppe. 30
1.2. Das Trias-Konzept 31
1.2.1. In der Droge begründete Aspekte 32
1.2.2. Psychoanalytische und persönlichkeitspschologische Aspekte. 32
1.2.3. Sozialtheoretische Aspekte. 34
1.2.4. Soziologische Aspekte 42
2. Zwischenergebnis. 43
Kapitel III: Geschichte, Entwicklung und Ziele schulischer Suchtprävention. 44
1. Geschichte der schulischen Suchtprävention. 44
2. Entwicklung der schulischen Suchtprävention 47
3. Schulpolitische Grundlagen schulischer Suchtprävention. 48
3.1. Der KMK-Beschluss von 1990 49
3.2. Das Rundschreiben II Nr.20/ 1997 50
3.3. Das Schulgesetz für das Land Berlin 52
3.4. Berliner Rahmenlehrpläne 53
Kapitel IV: Lernziele und pädagogische Konzepte der Alkoholprävention 54
1. Ziel der Alkoholprävention. 54
1.1. Lebenskompetenzförderung. 55
1.2. Lernziele der Alkoholprävention 58
2. Erwerb von Kompetenzen - pädagogisches Konzept der neuen Rahmenlehrpläne. 59
3. Die ganzheitliche Suchtprävention 60
Kapitel V: Maßnahmen der Alkoholprävention 61
1. Lebenskompetenzprogramme 61
1.1 Alkoholpräventive Programme in Deutschland. 61
1.1.1 Inhalte der Programme. 63
1.1.2 Struktur und Dauer der Programme. 66
1.2. Das Programm ALF 66
1.2.1. Aufbau und Inhalte des Curriculums 67
1.2.2. Voraussetzungen für den Einsatz 71
1.3. Effektivität der Lebenskompetenzprogramme - deutsche Evaluationsstudien 72
1.3.1. Methodisches Vorgehen bei der Evaluation des ALF - Programms. 73
1.3.2. Einsetzbarkeit und Akzeptanz der Lebenskompetenzprogramme 74
1.3.3. Wirksamkeit auf Lebenskompetenz und andere Schutzfaktoren 74
1.3.4. Wirksamkeit auf das Ziel- und Konsumverhalten 75
1.4. Bewertung und Schlussfolgerung 75
2. Materialien der BZgA zur Alkoholprävention - Funktionen und Ziele 77
2.2. Aufbau der Unterrichtsbausteine 79
2.2.1. Unterrichtsbausteine für die 5./6. Klasse 79
2.2.2. Unterrichtsbausteine für die 7./8. Klasse 81
2.2.3. Unterrichtsbausteine für die 9./10. Klasse 83
2.3. Wirksamkeit und Bewertung 86
3. Kommunaler Wettbewerb: „Alkoholprävention vor Ort“ 87
3.1. Ziele und Kriterien des Wettbewerbs. 88
3.2. Handlungsfeld Schule 89
3.2.1. Entwicklung von Unterrichtsmaterialien 89
3.2.2. Gestaltung von Elternabenden. 90
3.2.3. Entwicklung von Projekten 91
3.2.4. Fortbildungsangebote für Pädagogen 91
3.3. Bewertung 92
Fazit. 93
Literaturverzeichnis. 98
Anhang A 107
Anhang B 108
Abbildungsverzeichnis:
Abbildung 1: Physiologische Folgeschäden des erhöhten Alkoholkonsums
17
Abbildung 2: Alkoholpsychosen
18
Abbildung 3: Mögliche Funktionen des Substanzkonsums
bei der Bewältigung psychosozialer Entwicklungsaufgaben
30
Abbildung 4: Die prämorbide Persönlichkeit Verhaltensauffälligkeiten
34
Abbildung 5: Merkmale der Suchtprävention
47
Abbildung 6: Strukturelle Maßnahmen der schulischen Suchtprävention
50
Abbildung 7: Wiederkehrende Übungen in den ALF- Stunden
67
Abbildung 8:Intentionen und Leitziele der BZgA Materialien zur Alkoholprävention
76
Tabellenverzeichnis:
Tabelle 1: Charakteristische Merkmale von Kindern
mit einem alkoholkranken Elternteil
21
Tabelle 2: Regelmäßiger Alkoholkonsum und alkoholbedingte
Rauscherfahrungen von Jugendlichen nach Berufsstatus der
Eltern, familiären Wohlstand und besuchte Schulform
37
Tabelle 3: Lernziele der Alkoholprävention
57
Tabelle 4: Lebenskompetenzprogramme mit alkoholpräventiven Kernpunkten
60
Tabelle 5: Inhalte, Materialien und Methoden der alkoholpräventiven Maßnahmen
62
Tabelle 6: Themen für die 5. und 6. Klasse des ALF-Curriculums
66
Tabelle 7: Unterrichtsbausteine für die 5./6. Klasse -
Angaben zum Zeitrahmen und Zuordnung der Kompetenzbereiche
78
Tabelle 8: Unterrichtsbausteine für die 7./8. Klasse -
Angaben zum Zeitrahmen und Zuordnung der Kompetenzbereiche
80
Tabelle 9: Unterrichtsbausteine für die 9./10. Klasse -
Angaben zum Zeitrahmen und Zuordnung der Kompetenzbereiche
82
Einleitung
Die europäische Bevölkerung liegt weltweit mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 11 Litern puren Alkohols im Jahr an der Spitze. Dem in diesem Jahr veröffentlichten Bericht der Europäische Kommission zufolge sind die Folgen des Alkoholmissbrauchs eines der größten Gesundheitsprobleme in Europa. Der Bericht zeigt auch, dass Alkohol ein Hauptverursacher von Leid für Dritte ist. Damit ist u.a. gemeint, dass jährlich in Europa 60.000 Kinder mit Untergewicht geboren werden, 16 % der Kinder misshandelt, missbraucht und vernachlässigt werden, ca. 9 Millionen Kinder in Familien leben, die negativ von Alkohol beeinflusst werden, aber auch dass 10.000 Todesfälle durch Alkohol am Steuer verursacht werden und 2.000 Gewalttaten unter Alkoholeinfluss mit
1 Nach den aktuellen Angaben der Deutschen Hauptstelle tödlichem Ausgang geschehen.
für Suchtfragen e.V. (DHS) wird in Deutschland je Einwohner 10,1 Liter reiner Alkohol
im Jahr verbraucht.10,4 Millionen Personen haben einen riskanten Alkoholkonsum, 1,7 Millionen betreiben einen Alkoholmissbrauch und 1,7 Millionen sind alkoholabhängig. Jährlich sterben ca. 42.000 Personen an den Folgen von Alkoholmissbrauch oder durch
2 einen alkoholassoziierten Verkehrsunfall.
In den letzten 10 Jahren hat sich in Europa eine besondere Form des exzessiven Alkoholkonsums, das so genannte „Binge Drinking“, etabliert, die insbesondere bei Heranwachsenden zu beobachten ist. Diese Form des Alkoholkonsums endet nicht selten mit Bewusstlosigkeit und Krankenhausaufenthalt. Auch in Deutschland ist eine Zunahme dieser Form des Alkoholkonsums bei Jugendlichen zu beobachten. Die ansteigende Popularität des „Binge Drinkings“ hat viele Ursachen. Besonders hat das aggressive Marketing der Alkoholindustrie, die mit ihren Werbestrategien insbesondere auf Heranwachsende und Frauen abzielt, zu dieser Popularität beigetragen. So lässt sich z.B. auch der Erfolg der so genannten Alkopops erklären, die europaweit konsumiert werden. Im Jahr 2004 wurden in Deutschland 526 Millionen Euro in die Werbung für alkoholische Getränke investiert. Außerdem besteht in Deutschland eine fast
1 Vgl.: Anderson, P./ Baumberg, B.: Alkohol in Europa. Eine Public Health Perspektive. Ein Bericht für die Europäische Kommission. Zusammenfassung. Institute for Alcohol Studies. United Kingdom. 2006, S.6-7
2 Vgl.: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS): „Zahlen. Alkohol.“ Abrufbar unter der Internetseite: http://www.optiserver.de/dhs/daten_zahlen_alkohol.html (abgerufen am: 28.10.2006)
1
uneingeschränkte Verfügbarkeit alkoholischer Getränke. Die Preispolitik der Branche trägt dazu bei, dass Alkoholika für Jugendliche nicht unerschwinglich sind. Deutschland verfügt im europäischen Vergleich über die niedrigsten Preise für Alkohol. Studien belegen, dass der Trend zum „Binge Drinking“ unter Jugendlichen darüber hinaus noch beeinflusst wird von der positiven Einstellung zum Alkohol und die Akzeptanz von
3 Das Sprichwort „Ein Gläschen in Ehren kann niemand Trunkenheit in der Gesellschaft.
verwehren.“ beschreibt die allgemein gültige Vorstellung, dass Alkohol ungefährlich sei. Der Konsum von Alkohol gehört unerlässlich zu diversen Anlässen dazu. So kann eine Abstinenz sogar dazu führen, dass Personen ausgeschlossen oder gar gesellschaftlich verurteilt werden. Der regelmäßige Konsum von Alkohol wird z.T. damit erklärt, dass dieser die Gesundheit fördere. Es wird fälschlicher Weise allgemein geglaubt, dass z.B. Rotwein vor dem Herzinfarkt schütze, Bier die Nieren durchspüle und Schnaps nach dem Essen die Verdauung fördere. Die DHS stellt diese verbreitete Vorstellung richtig: „Alkohol ist weder ein Medikament, noch dient er gar der
4 allgemeinen Gesundheitsförderung.“
Erwachsene mit Gedanken- und Handlungsmuster solcher Art haben eine verfehlte Vorbildsfunktion für Kinder und Jugendliche. Wenn nun das verkannte Problem Alkohol ein gesellschaftliches ist, sind die Auswirkungen für die zukünftige Generation verheerend.
Die gesundheitliche Aufklärung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen ist in institutionelle und soziale Zusammenhänge eingebettet. Neben der Familie, dem Kindergarten, dem Jugendfreizeitbereich stellt die Schule als Lebens- und Lernraum ein zentrales Handlungsfeld für präventive Maßnahmen dar. Die Entwicklung des Alkoholkonsums unter Kindern und Jugendlichen widerspricht dem Grundgedanken des
5 und erfordert die Durchführung Übereinkommens „Aktionsbündnis Kinderrechte“ alkoholpräventiver Maßnahmen.
Als angehende Lehrerin stelle ich daher die folgenden Fragen: Wie kann die negative Entwicklung gestoppt werden? Wie können Kinder und Jugendliche vor den negativen Auswirkungen des Alkoholkonsums geschützt werden? Welche Maßnahmen müssen getroffen werden? Welche Kenntnisse und Fertigkeiten müssen Lehrkräfte haben?
3 Vgl.: DHS: „Europa ertrinkt im Alkohol - Rauschtrinken hat sich etabliert“. Abrufbar unter der Internetseite: http://www.optiserver.de/dhs/presse_89.html (abgerufen am: 28.10.2006)
4 Zitat: DHS (Hrsg.): „Ein Gläschen in Ehren…. Fördert Alkohol die Gesundheit?“. Abrufbar unter der Internetseite: http://www.dhs-intern.de/pdf/Glaeschen.pdf (abgerufen am: 28.10.2006)
5 Bekanntmachung am 10. Juli 1992 - BGBl. II S. 990
2
Welche Faktoren müssen bei der Entwicklung dieser Maßnahmen berücksichtigt werden? Wie sind die bereits vorhandenen Maßnahmen zu bewerten? Zur Beantwortung dieser Fragen wird in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit die Alkoholprävention in der Schule thematisiert. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt in der Entwicklung und Bewertung präventiver Maßnahmen.
Methodischer Gang
Die Hausarbeit ist in fünf Kapitel unterteilt, die jeweils eine Fragestellung zu beantworten versuchen. Kapitel I: Was ist das Problem?
Im Rahmen einer allgemeinen Hinführung zum Thema werden in Kapitel I zunächst die Begriffe „Prävention“ und „Sucht“ und „Abhängigkeit“ definiert und erläutert. Die Relevanz dieser Begriffe für das Handlungsfeld Schule wird angrenzend
hervorgehoben. Das Profil der Droge Alkohol wird anschließend hinsichtlich ihrer Auswirkungen vor allem für Kinder und Jugendliche untersucht. Ziel dabei ist es, die allgemeinen Wirkungsweisen und Gefahren der Droge zu beschreiben, um die direkten und indirekten Folgen für Heranwachsende zu verdeutlichen. Anschließend wird auf die Entwicklung der (alarmierenden) Zahlen des Alkoholkonsums Kinder und Jugendlicher
in Deutschland eingegangen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf die Vermarktung der Alkopops. Die Daten aus dem Jahr 2004 bis 2006 sollen zum einen den Einfluss der Wirtschaft auf den Konsum Heranwachsender verdeutlichen, zum anderen soll gezeigt werden, welche Maßnahmen (in diesem Fall gesetzliche) positive Auswirkungen haben können.
Kapitel II: Warum besteht dieses Problem?
Im Kapitel II werden die Ursachen für Sucht und Abhängigkeit untersucht. Die Untersuchung beschränkt sich nicht allein auf den Alkohol, sondern auf stoffgebundene und stoffungebunde Süchte. Der Bezug zur Droge Alkohol wird nach jedem Abschnitt anhand von Forschungsergebnissen und Beispielen beschrieben. Für die Entwicklung suchtpräventiver Maßnahmen ist es wichtig ursachenorientiert zu arbeiten. Eine Lehrkraft muss darüber informiert sein, welchen phasenbedingten und umweltbedingten Faktoren Heranwachsende unterliegen. Folglich werden die entwicklungspsychogischen Aspekte des Drogenkonsums untersucht, um die Motivation und Bereitschaft der Kinder und Jugendlichen zu verdeutlichen. Anschließend wird das „Trias-Konzept“
3
herangezogen und analysiert. Dabei liegt der Schwerpunkt bei den Auswirkungen der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und familiären Veränderungen. Kapitel III: Wie wurde/wird mit dem Problem umgegangen?
Im Kapitel III wird die Geschichte der schulischen Suchtprävention beschrieben, um die Entwicklung der ganzheitlichen Suchtprävention zu erläutern. Dabei wird zum einen untersucht, welche Erfahrungen mit den Heranwachsenden dazu geführt haben, neue Konzepte zu erschließen, und zum anderen, warum die vorherigen Konzepte nicht erfolgreich sein konnten. Anschließend werden die schulpolitischen und strukturellen Maßnahmen aufgezeigt. Am Beispiel des Schulgesetztes und der Rahmenlehrpläne im Land Berlin soll die Umsetzung schulpolitischer Maßnahmen verdeutlicht werden. Kapitel IV: Welche Ziele werden angestrebt? Welche Maßnahmen gibt es?
Kapitel IV thematisiert speziell die Lernziele der Alkoholprävention. Dabei werden Ziele des Gesetzgebers herangezogen, um die Ziele ganzheitlicher Suchtprävention abzuleiten. Die Analyse der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Alkoholprävention führt zu der Bedeutung der Lebenskompetenzförderung für die präventive Arbeit. Die daraus resultierenden Lernziele der Alkoholprävention werden anschließend aufgezeigt. Kapitel V: Wie können diese Ziele umgesetzt werden? Wie effektiv sind die Maßnahmen?
In Kapitel V werden die Konzeption, Inhalte, Ziele, Umsetzung und Wirksamkeit verschiedener alkoholpräventiver Maßnahmen dargelegt und bewertet. Dazu zählen die Lebenskompetenzprogramme in Deutschland, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Verfügung gestellten Materialien und die Projekte und Maßnahmen aus dem Handlungsfeld Schule des kommunalen Wettbewerbs „Alkoholprävention vor Ort“.
Aufgrund des festgelegten Rahmens dieser wissenschaftlichen Hausarbeit ist es nicht möglich, sämtliche Maßnahmen detailliert zu untersuchen. So werden die für wichtig erachteten, oben aufgeführten Informationen über die Programme, Materialien, Projekte und Maßnahmen zunächst zusammengefasst, um dann exemplarisch anhand von Beispielen detaillierte Abläufe zu verdeutlichen.
4
Kapitel I: Begriffserklärungen und Bestandsdaten
1. Zum Begriff der Prävention
Zunächst ist es wichtig, den Begriff Prävention näher zu bestimmen und zu definieren.
6 wird eine Als Prävention (von lateinisch „praevenire“ = zuvorkommen, verhüten) Handlung bezeichnet, die einer Gefahr vorbeugen soll. Der Begriff wird in verschiedenen Bereichen verwendet, so z.B. in der Medizin, der Politik, der Kriminologie und in der sozialen Arbeit.
In der sozialen Arbeit wird dieser Begriff z.B. bei Suchtprävention, Gewaltprävention, Mobbingprävention, heute auch allgemeiner Gesundheitsförderung, herangezogen. Die Schule und ihre Tätigkeitsfelder zählen zur sozialen Arbeit und sind daher ein wichtiger Bereich für präventive Maßnahmen. Wie es der Titel dieser Arbeit schon verrät, wird hier die Sucht- und Drogenprävention, speziell die Alkoholprävention thematisiert. Als Suchtprävention werden Maßnahmen zur Verhinderung oder Verminderung von Schäden durch den Konsum legaler und illegaler Drogen bezeichnet, aber auch von Schäden stoffungebundener Abhängigkeiten, wie z.B. übermäßigen Fernsehens oder unkontrollierten Essens. Kurz ausgedrückt dient Suchtprävention der Verhütung
7 Die Drogenprävention beschränkt sich auf die Verhütung von süchtigen Verhaltens.
Drogenmissbrauch und -abhängigkeit. Auch wenn die Alkoholprävention in Bereich der Drogenprävention fällt, wird in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit die Suchtprävention als Oberbegriff verwendet. Für die Gesundheitsförderung ist es wichtig, nicht nur stoffgebundene Abhängigkeiten zu thematisieren. Deshalb wird zunächst die Suchtprävention analysiert und untersucht, um dann den Bezug zur Alkoholprävention herzustellen.
Neben den präventiven Maßnahmen in der Schule sollte die Suchtprävention eine gesellschaftliche Haltung sein. Die alte Volksweisheit „ Vorbeugen ist besser denn heilen“ definiert und kommentiert den Stellenwert dieser wichtigen gesellschaftlichen Haltung und der daraus resultierenden Handlungen. Die Redensart verweist darüber hinaus auf die Abgrenzung des pädagogischen Handelns vom später einsetzenden
6 Pons: Schülerwörterbuch.Lateinisch-Deutsch.Deutsch-Lateinisch.1. Auflage. Ernst Klett Verlag. Stuttgart. 2000, S. 207
7 Vgl.: Bartsch, N./Knigge-Illner, H. (Hrsg.): Sucht und Erziehung. Band 1. Sucht und Schule. Ein Handbuch für Lehrer und Sozialpädagogen. 2. Auflage. Beltz Verlag. Weinheim und Basel.1995, S. 23
5
therapeutisch-medizinischen Handeln. In diesem Zusammenhang differenzieren viele
8 Autoren gerne in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention:
1. Primärprävention heißt früh angesetzte und langfristig angelegte Vorbeugung im Vorfeld einer Suchtgefährdung, z.B. in der Grundschule
2. Sekundärprävention ist die Hilfe für Gefährdete, für Risikogruppen, z.B. Alkoholprobierer, Gelegenheitsraucher
3. Tertiärprävention ist die Behandlung und Nachbetreuung von Suchtabhängigen, z.B. Alkoholkranken
Relevant für die Schule sind die Primär- und Sekundärprävention.
In ihren Strategien differenzieren sie nach kommunikativen Maßnahmen und strukturellen Maßnahmen. Kommunikative Maßnahmen wären z.B. Aufklärung, Stärkung der sozialen Kompetenz, Rollenspiel und Verbesserung der
Unterrichtsatmosphäre. Strukturelle Maßnahmen wären z.B. Drogenkontaktlehrer, Selbsthilfegruppen, Verbot von Werbung und das Betäubungsmittelgesetz. Um Suchtprävention oder speziell Alkoholprävention untersuchen zu können, müssen
9 zunächst die Begriffe Sucht und Abhängigkeit definiert werden.
2. Sucht und Abhängigkeit
Im alltäglichen Sprachgebrauch taucht der Begriff Sucht auf, wenn zwanghaftes Verhalten und Handeln beschrieben wird. Als süchtig wird dann ein übertriebenes Verhalten gegenüber beispielsweise dem Essen, Fernsehen oder Spielen beschrieben. Gemeint sind damit stoffungebundene Süchte. Auf der anderen Seite löst dieser Begriff auch Assoziationen aus, die mit negativen Konnotationen verbunden sind, wie z.B. Krankheit, Kontrollverlust und Leid.
Wird der Begriff Sucht etymologisch untersucht, so trifft man auf das
10 In diesem Zusammenhang wird mittelhochdeutsche Wort „siech“, das krank bedeutet.
in der Öffentlichkeit von Abhängigkeit und Drogenkonsum gesprochen. Gemeint sind damit vor allem Süchte, die an Stoffe / Substanzen gebunden sind, wie Heroin, Kokain, Alkohol, Tabak / Nikotin oder Aufputschmittel. Diese stoffgebundene Auffassung von Sucht wurde 1964 auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch den Begriff Drogenabhängigkeit ersetzt.
8 Vgl.: ebd., S.23 9 Vgl.: ebd., S. 23
10 Duden: Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Mannheim. 1989, S. 725
6
Drogenabhängigkeit wurde nun definiert als „ein[en] Zustand, der sich aus der wiederholten Einnahme einer Droge ergibt, wobei die Einnahme periodisch oder kontinuierlich erfolgen kann. Ihre Charakteristika variieren in Abhängigkeit von der
11 Unter Drogen im engeren Sinne sind jene Mittel stofflich- benutztenDroge [...]“
chemischer Art zu verstehen, die durch ihre psychophysischen Effekte Erlebniszustände, wie z.B. Rauschzustände und angenehme Weltwahrnehmung, auslösen und aus diesem Grund menschliche Bedürfnisse so weit binden können, dass
12 es zu einer Abhängigkeit von der Droge kommen kann.
Gemäß den Richtlinien der WHO zur Klassifizierung der Krankheiten (International Classification of Diseases, ICD) ist Abhängigkeit ein in verschiedenen Formen ausgeprägtes Angewiesensein auf bestimmte Substanzen oder Verhaltensweisen. Die Formen wären zum einen die physische, zum anderen die psychische Abhängigkeit. Die Spannbreite geht dabei von einfachen Gewohnheiten bis hin zur Abhängigkeit mit enormem Zerstörungspotential.
Die physische und psychische Abhängigkeit kann nach dem folgenden Kriterienkatalog
13 festgestellt werden:
1. Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, die Substanz zu konsumieren; 2. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Substanzkonsums;
3. Substanzgebrauch mit dem Ziel, potentielle Entzugssymptome zu vermeiden oder akute Entzugssymptome zu mildern;
4. Ein körperliches Entzugssyndrom nach Absetzen des Substanzgebrauchs; 5. Entwicklung und Nachweis einer Toleranz (Der Betroffene muss immer mehr von einer Substanz einnehmen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Die Dosis muss immer mehr gesteigert werden.);
6. Ein eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit der Substanz, wie beispielsweise die Tendenz, die Substanz nicht nur an den Wochenenden sondern auch an Werktagen zu konsumieren und die Regeln eines gesellschaftlich üblichen Konsumverhaltens (kulturabhängig) außer Acht zu lassen;
11 WHO EXPERT COMMITEE ON ADDICTION-PRODUCING DRUGS: WHO Technical Series. 14. Report. Genf. 1964, S. 9
12 Vgl.: Bartsch,N./Knigge-Illner,H.: Sucht und Schule.1995, S.15 13 Gemäß ICD-10-Richtlinien, veröffentlicht durch die WHO:
World Health Organization: Internatinal Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems. Tenth Revision. Volume 3. 1994.
7
7. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen oder Vergnügungen zugunsten des Substanzkonsums (Verschiebung der Prioritäten);
8. Anhaltender Substanzkonsum trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen. Die schädlichen Folgen können körperlicher Art sein (z.B. Leberschädigung durch exzessiven Alkoholkonsum), oder sozialer Art (z.B. familiäre Trennung oder Arbeitsplatzverlust) oder psychischer Art (z.B. depressive Zustände nach Abklingen der Substanzwirkungen).
Sind drei oder mehr der acht Punkte innerhalb der letzten Monate erfüllt, dann ist der Betroffene abhängig.
Die Punkte (3), (4) und (5) definieren die körperliche Abhängigkeit. Sind unter den zutreffenden Punkten die Punkte (3), (4) oder (5) enthalten, dann ist eine körperliche Abhängigkeit angezeigt, sind diese nicht enthalten, dann ist eine psychische Abhängigkeit gegeben. Die Kriterien zur Bestimmung einer Abhängigkeit orientieren sich also vor allem an den Folgen des Suchtverhaltens. Die Menge einer Substanz, die jemand konsumiert, ist für die Abhängigkeitsdiagnose nach ICD-10 unwichtig. Sucht und Abhängigkeit werden noch immer synonym verwendet, nicht nur in der Presse, sondern auch in amtlichen Publikationen, wie dem „Drogen- und Suchtbericht“
14 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Frau Sabine Bätzing. Durch die Einführung des Abhängigkeitsbegriffs wird die Suchtproblematik auf die stoffgebundene Abhängigkeit reduziert. Der Bereich der stoffungebundenen Süchte, der für die Suchtprävention von großer Bedeutung ist, da er süchtiges Verhalten als eine besondere menschliche Lebensäußerung sichtbar macht, wird gleichsam zu einer Nebensache. Daher empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für die schulische Sucht- und Drogenprävention, die Begriffe Sucht und Abhängigkeit nicht zu trennen. „Vielmehr sind sie im Unterricht in Beziehung zu individuellen und sozialen Lebenssituationen zu setzen, um erkennbar zu machen, wie sie zusammenhängen und was sie für die Freiheit von Denken, Fühlen und Handeln
15 bedeuten.“
14 Im „Drogen- und Suchtbericht“ der Drogenbeauftragten der Bundesregierung vom Mai 2006 ist allein in der Einleitung die Rede von „suchtkranke[n] und suchtgefährdete[n] Menschen“. Der „Drogen- und Suchtbericht“ ist im Internet abrufbar unter der Seite: http://www.bmg.bund.de/cln_041/nn_603372/SharedDocs/Publikationen/ Drogen-und-Sucht/dsb2006,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/dsb2006.pdf (abgerufen am: 24.08.2006)
15 Zitat: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Alkohol. Materialien für die Suchtprävention in den Klassen 5-10. Reihe: Gesundheit und Schule.1. Auflage. Köln. 2004, S.10
8
Um die Alkoholabhängigkeit näher beschreiben zu können, ist es zunächst wichtig, den Stoff, seine Wirkungsweise, seine Risiken und seine Folgeschäden zu untersuchen.
3. Der Alkohol
Alkohol bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch den zu der Gruppe der Alkohole gehörenden Ethylalkohol, der durch Vergärung von Kohlenhydraten aus unterschiedlichen Grundstoffen gewonnen wird und eine berauschende Wirkung hat. Dieses Suchtmittel zählt zu denjenigen, deren Erwerb, Besitz und Handel legal sind. Als Nahrungs-, Genuss- und Rauschmittel haben alkoholische Getränke eine jahrtausende alte Tradition. Der Mensch hat bereits in prähistorischer Zeit entdeckt, dass kohlenhydrathaltige Flüssigkeiten durch einen Gärungsprozess in berauschende Getränke verwandelt werden können. Bereits Sumerer haben vor 4000 Jahren Bier gebraut, und in altägyptischen Verzeichnissen wurden Arbeitslöhne in Brot- und Biereinheiten angegeben. Auch der Wein wird bereits seit mythischer Zeit kultiviert. Die hebräische und griechische Mythologien schildern seine Wirkung und seinen Siegeszug durch alle Länder, in denen die Rebe gedeihen konnte. Im Mittelalter entdeckten die Araber als erstes, dass der berauschende Stoff im Wein destilliert und konzentriert werden konnte. Der auf das arabische Wort „al-kuhl“ zurückgehende Begriff Alkohol wurde mit der Bedeutung „das Feinste von etwas“ aus dem Spanischen
16 Da Alkohol im Altertum nicht zuverlässig verfügbar und haltbar war, übernommen.
kam es trotz seiner Verbreitung nicht zu einer nennenswerten Entwicklung von Abhängigkeiten. Erst im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit ist ein ausgeprägter Alkoholkonsum belegt. Leibeigene und Tagelöhner wurden zu dieser Zeit teilweise nur mit alkoholischen Getränken entlohnt. Selbst zur Zeit der Industrialisierung war diese Art von Entlohnung eine gängige Praxis. Die Folge war ein mancherorts entstandener Elendsalkoholismus. Die zunehmende Verbreitung der Destillation von alkoholischen Getränken führte dazu, dass die Konsequenzen des übermäßigen Alkoholkonsums signifikant hervortraten. Zur Eindämmung dieser Entwicklung und der immer zunehmenden Zahlen der Alkoholabhängigen mussten staatlicherseits massive Maßnahmen getroffen werden. Ein Beispiel dafür ist die Alkoholprohibition in den
16 Vgl.: Schmidbauer, W./ vom Scheidt, J.: Handbuch der Rauschdrogen. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main. 2004, S.31
9
USA und in Finnland (1919-1932). Heute sind alkoholische Getränke in Deutschland
17 und anderen nicht-islamischen Ländern unbegrenzt verfügbar und legal.
3.1. Der Stellenwert des Alkohols in der heutigen Gesellschaft
Das Konsumieren von Alkohol besitzt weitgehend gesellschaftliche Anerkennung. Jegliche Formen von Veranstaltungen, wie z.B. Hochzeiten, Geburtstage, Silvesterfeiern, aber auch das abendliche Essen und das Fernsehen, bieten sich als Anlass an, alkoholische Getränke zu konsumieren.
Alkohol ist das bekannteste und meist legale Rauschmittel / Rauschgift. Unter Rauschmittel versteht man all jene Stoffe, die Menschen zu sich nehmen, um einen veränderten Bewusstseinszustand hervorzurufen und sich in einen Rausch zu versetzen. Eine veränderte Wahrnehmung kann das Ziel der Einnahme oder eine unerwünschte Nebenwirkung sein. In dem Wort Rauschgift wird die gefährliche Komponente des Alkohols besonders deutlich. Als Rauschgifte werden Drogen bezeichnet, die berauschend wirken und zusätzlich eine schädigende Wirkung auf den Konsumenten haben. Diese Substanzen vermögen in einem lebenden Organismus Funktionen zu verändern. So können sie durch einmalige oder fortgesetzte Einnahme eine physische Giftwirkung haben. Rauschgifte können auch einen nachhaltigen seelischen Schaden des Konsumenten verursachen oder durch ein hohes Suchtpotenzial zum Kontrollverlust über den Konsum führen. Drogen sind Suchtmittel und können nach ihrem Gefahrenpotential beurteilt und aufgelistet werden. Zu der ersten und gefährlichsten
18 Gruppe der Rauschgifte gehören Heroin und die Opioide, Kokain und Alkohol. Alkohol ist die einzig legale Droge in dieser Gruppe. Während der generelle Umgang mit illegalen Drogen im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) geregelt ist, bietet die gesetzliche Einschränkung des Alkoholkonsums in Deutschland lediglich das
Jugendschutzgesetz. Dieses schreibt vor, dass in Gaststätten, Verkaufstellen oder sonst in der Öffentlichkeit an Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren generell keine
17 Vgl.: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V. (DHS): Alkohol. Die Sucht und ihre Stoffe. Eine Informationsreihe über gebräuchliche Suchtstoffe, S. 1-2
Im Internet abrufbar unter der Seite: http://www.dhs-intern.de/pdf/Alkohol.pdf (abgerufen am: 28.08.2006)
18 Vgl.: Schmidbauer, W./ vom Scheidt, J.: Handbuch der Rauschdrogen. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main. 2004, S. 400-408
10
alkoholischen Getränke abgegeben werden dürfen und ihnen der Verzehr nicht gestattet
19 werden darf. Für Spirituosen gilt dieses Verbot bis 18 Jahren. In der Gesellschaft hat Alkohol keinen Stellenwert als Rauschmittel, Rauschgift oder Droge. Alkoholische Getränke zählen zu den Genussmitteln. Genussmittel sind all jene Stoffe, die eine anregende Wirkung auf den Organismus haben. Zu den Genussmitteln zählen u.a. Nikotin, Tee, Kaffee und Alkohol. Aber auch Zucker, Honig und Schokolade können dazu gezählt werden. Genussmittel haben eine anregende Wirkung auf die Geruchs- und Geschmacksnerven und besitzen auch eine Wirkung auf das
20 Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. zählt Zentrale Nervensystem.
alkoholische Getränke zu den Genussmitteln, empfiehlt aber gleichzeitig einen
21 zurückhaltenden Konsum.
Das in der Gesellschaft bezeichnete Genussmittel Alkohol wird in vielen Fachkreisen unter Suchtmittel und Zellgift geführt. Nicht ohne Grund wird vor den erheblichen Schäden beim Konsum von den Genussmitteln Alkohol und Tabak in der
22 Schwangerschaft gewarnt.
3.2. Die Substanz Alkohol
Alkohol, oder genauer ausgedrückt Ethanol/Ethylalkohol, ist eine klare und farblose Flüssigkeit, die durch die Vergärung von Kohlenhydraten entsteht. Als Rohstoffe können alle kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittel verwendet werden. Neben den als traditionell verwendeten Weintrauben, werden auch Getreide, Früchte, Zuckerrohr, Melasse, Mais und Kartoffeln zur Alkoholgewinnung verwertet. Der Alkoholgehalt variiert stark nach Art des Getränks und wird in Volumenprozent angegeben. Das Volumenprozent gibt die Anzahl der in 100 cm³ einer Lösung enthaltenen cm³ eines gelösten Stoffes an.
So liegt der Alkoholgehalt von Bier je nach Sorte etwa bei 4.0 und 6.0 Vol % und von durchschnittlichem Weißwein zwischen 10,5 und 13 Vol. %. Hochprozentige Getränke
19 Vgl.: Jugendschutzgesetz (JUSCHG): §9. zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 23.Juli 2004. BGB.I., S. 1857/ 2600
20 Vgl.: Arens- Azevedo, U./Günther, B./ Pletschen, R./ Schneider, G.: Ernährungslehre. Zeitgemäß. praxisnah. 7. Auflage. Verlag Dr. Max Gehlen. Bad Homburg von der Höhe. 1998, S.177
21 Vgl.: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE): „Ohne Alkohol besser am Ball. DGE_aktuell 09/2006 vom 20.06.2006.“ Abrufbar unter der Internetseite:
http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=artivle&sid=614 (abgerufen am: 31.08.2006)
22 Vgl.: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung. Alkohol in der Schwangerschaft. Ein kritisches Resümee. Band 17. BZgA. Köln 2002, S.32-35
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wie Weinbrand oder Obstbrände erreichen dagegen einen Alkoholgehalt von 40 Vol. % und mehr. Dieser weitaus höhere Alkoholgehalt wird erzielt durch die anschließende Destillierung des durch die Gärung gewonnen Alkohols. Der Alkohol wird dabei in speziellen Vorrichtungen erhitzt. Der entstehende Dampf wird aufgefangen und verflüssigt sich anschließend bei der Abkühlung wieder. Durch mehrmalige Wiederholung dieses Vorgangs kann die gewünschte Alkoholkonzentration erreicht
23 Ein Gramm Alkohol liefert im Körper etwa werden. Der Siedepunkt liegt bei 78,3 °C.
24 30 kJ, damit liegt sein Energiegehalt in etwa bei dem von Fett mit 39 kJ pro Gramm.
3.2.1. Physiologische Wirkung des Alkohols
Alkohol ist direkt resorbierbar. Das bedeutet, er muss nicht wie die Nährstoffe zunächst verdaut werden. Die Resorption erfolgt unmittelbar über die Schleimhäute im Mund und Speiseröhre und anschließend über die des Magen-Darm-Traktes. Durch zuvor verzehrte Nahrungsmittel kann sich die Resorption verlangsamen. Über das Blut verteilt sich der Alkohol im gesamten Körper bis in die Körperwasser der Gewebe. Alkohol wirkt im menschlichen Organismus vorwiegend auf das Zentrale Nervensystem. Dabei wird weniger auf niedere, vegetative Funktionen als auf die höheren, das Bewusstsein und die Emotionen steuernde Zentren eingewirkt. Über das Blut gelangt der Alkohol ins Gehirn. Dort wird die Informationsübertragung der Nervenzellen beeinflusst. Der Alkohol wirkt dort bei geringer Dosierung stimulierend, bei mittleren und höheren Dosierungen jedoch hemmend. Abhängig von der zugeführten Dosis wird hierbei der Neurotransmitter Dopamin freigesetzt. Neurotransmitter sind chemische Substanzen, die als Botenstoffe bei der Übertragung der Erregung an den Schaltstellen der Synapsen freigesetzt werden und dadurch bestimmte hemmende oder erregende Effekte hervorrufen. Das freigesetzte Dopamin ist es, dem der Konsument, ähnlich wie bei anderen Suchtmitteln, wie Heroin und Kokain, die angenehme, enthemmende Wirkung des Alkohols zuschreibt. Wie stark und wie lange dieser Effekt ist, hängt von der Alkoholkonzentration im Organismus ab, die anhand der Promille im Blutserum ermittelt werden kann. Die Promille-Angabe sagt aus, wie viel Promille der Körperflüssigkeit auf Alkohol entfallen: 1 Promille Alkohol-Befund entspricht einem Anteil von 1 cm³ Alkohol in 1000 cm³ (1 Liter) Blut. Die meisten Todesfälle, ausgelöst
23 Vgl.: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V.(DHS): Alkohol. Die Sucht und ihre Stoffe, S. 2-3
24 Vgl.: Arens- Azevedo, U. et.al.: Ernährungslehre. 1998, S.63/ 184
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durch eine Alkoholvergiftung, wiesen einen Blutalkoholspiegel von 1,8 bis 6,7 Promille auf. Bei langfristig erhöhtem Alkoholkonsum verändern sich bestimmte Rezeptoren bezüglich ihrer Anzahl und ihrer Wirkungsweise. Rezeptoren sind spezialisierte Sinneszellen, die für die Reizwahrnehmung des Nervensystems verantwortlich sind. Durch diese Veränderung entstehen beim abrupten Absetzen der Alkoholzufuhr massive Fehlregulationen. Auf diese Fehlregulationen sind u.a. die auftretenden Entzugserscheinungen zurückzuführen.
Die höchste Blutalkoholkonzentration wird etwa 30-60 Minuten nach der Alkoholaufnahme erreicht. 2-5 % des Alkohols werden über die Atemluft, dem Schweiß und dem Urin ausgeschieden. In der Leber erfolgt der biochemische Hauptabbau des Alkohols. Der Alkoholabbau ist von verschiedenen individuellen Faktoren abhängig.
25 Die Abbauzeit beim Menschen beträgt in etwa 0,1- 0,2 Promille stündlich.
3.2.2. Psychologische Wirkung des Alkohols
Bei keiner anderen Rauschdroge ist das Wirkungsbild so gut erforscht wie beim Alkohol. Sowohl die schädlichen Effekte als auch die Suchtgefahr sind bekannt. Es wird dennoch von einigen Konsumenten eine Leistungssteigerung beim Konsumieren beschrieben, die ihre Ursache in der psychologischen Wirkung des Alkohols hat. In zahlreichen wissenschaftlichen Experimenten hat sich bestätigt, dass nicht die Leistung steigt, sondern die Selbstkritik abnimmt. Damit wird die Kritik der eigenen Leistung vermindert. Alkohol wirkt narkotisch. Der berauschte Konsument erlebt ein so genanntes Erregungs-Stadium, ehe die betäubende Wirkung einsetzt. Diese Erregung, durch das Verlieren der Hemmungen, verursacht allerdings keinen gesteigerten Antrieb. Während die grobe Muskelkraft nach geringen Mengen Alkohol durch die Herabsetzung des Müdigkeitsgefühls während des Erregungsstadiums eher ansteigt,
26 Diese wird die Leistungsfähigkeit für komplizierte Aufgaben merklich verschlechtert. entgegengesetzte Wirkung des Alkohols zwischen empfundener Leistungssteigerung und tatsächlicher -minderung birgt große Risiken und Gefahren.
25 Die Darlegung der physiologischen Wirkung des Alkohols stützen sich auf: Vgl.:
- Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V. (DHS): Alkohol. Die Sucht und ihre Stoffe, S.3-5
- Arens- Azevedo, U. et.al.: Ernährungslehre. 1998, S.184
- Schmidbauer, W./ vom Scheidt, J.: Handbuch der Rauschdrogen. 2004, S. 34-36 26 Vgl.: Schmidbauer, W./ vom Scheidt, J.: Handbuch der Rauschdrogen. 2004, S. 36-37
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3.3. Risiken des Alkoholkonsums
Die psychische Enthemmung, verbunden mit der Herabsetzung der muskulären Koordination, der Beherrschung komplexer Leistungen und der Reaktionszeit, macht den Alkohol in verschiedenen Situationen besonders gefährlich. Vor allem im Straßenverkehr besteht schon bei geringen Alkoholmengen eine erhöhte Unfallgefahr, die meist schwerwiegende, wenn nicht sogar tödliche Folgen für den Konsumenten und Unbeteiligte haben kann. Dabei spielen nicht nur die verringerte Leistungsfähigkeit und die veränderte Wahrnehmung eine entscheidende Rolle, sondern auch die mangelnde Fähigkeit, seine eigene Leistung zu bewerten. Verminderte Selbstkritik ist nur eine der Folgen des Alkoholgenusses.
Erziehung und zwischenmenschliche Erkenntnisse sorgen stetig in jedem Menschen dafür, dass ein bestimmtes Maß an Hemmungen aufrechterhalten und zahlreiche Triebimpulse unterdrückt werden. Schon kleine Alkoholdosen schwächen diese Kontrolle ab. Infolge dessen kommt es bei erhöhtem Alkoholkonsums häufig zu Aggressionen und Gewalt, so dass ein Großteil aggressiver Straftaten unter Alkholeinfluss begangen wird. Die Enthemmung ist aber nur selten vollständig. Sehr hohe Alkoholkonzentration im Blut führen in der Regel zu einer so weitgehenden Betäubung, dass der Konsument nicht mehr imstande ist, alle aggressiven Phantasien
27 auszuleben.
Weniger offensichtlich gefährlich ist die Wirkung dieser Enthemmung auf Jugendliche. Nicht nur die Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht wird durch die Wirkung des Alkohols erleichtert. Gerade auch die lähmende und unangenehme Wirkung im Vollrausch führt dazu, dass der Konsument mit der Zeit seinen Alkoholpegel und das Eintreten der angenehm enthemmenden Wirkung abschätzen kann. Bereits im Jugendalter erprobt, kann sich dabei im Laufe der Zeit eine Alkoholabhängigkeit entwickeln, die physiologische, psychische und soziale Folgeschäden mit sich bringt.
3.3.1. Alkoholabhängigkeit
Die Gefahr der Abhängigkeit besteht dann, wenn wegen der psychischen Wirkung der Alkohol regelmäßig konsumiert wird. Die psychische Disposition allein genügt aber nicht, um alkoholkrank zu werden. Es muss zur psychischen eine somatische Disposition hinzukommen, damit über die Stationen Toleranzbildung, Dosissteigerung,
27 Vgl.: ebd., S. 36-37
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Entzugserscheinungen und Kontrollverlust die eigentliche Alkoholkrankheit entsteht. Wenn über Alkoholabhängigkeit oder auch synonym verwendet Alkoholismus gesprochen wird, dann muss dieses komplexe Gesamtphänomen begrifflich unterteilt werden in:
Die Folgeerkrankungen massiven Alkoholkonsums werden in diesem Kapitel in den Punkten 3.4./3.5./3.6. thematisiert.
3.3.2. Die Risikogruppe Jugendliche
Kinder und Jugendliche reagieren besonders empfindlich auf Alkohol. Da die Leber von Kindern noch nicht ausgereift ist, führen bereits geringe Alkoholmengen zu Vergiftungserscheinungen. Je kleiner das Kind ist, desto gefährlicher sind die toxischen
29 Infolge des geringeren Körpergewichtes steigt der Wirkungen auf seinen Körper.
Alkoholgehalt im Blut stärker an als bei Erwachsenen. Auch das für den Alkoholabbau verantwortliche Enzym kann von dem sich in der Entwicklung befindenden Körper noch nicht in genügendem Ausmaß produziert werden. Besonders wichtig für das Gefahrenpotenzial alkoholischer Getränke für Kinder und Jugendliche ist der Zucker-und Kohlensäuregehalt. Zucker und Kohlensäure führen zu einer schnelleren Alkoholaufnahme in die Blutlaufbahn. Bereits nach geringen Trinkmengen erhöhen sich
30 die Risiken des Alkoholkonsums.
Aus diesem Grund stellt das Konsumieren von Alkopops (alkoholische Mixgetränke) eine besondere Gefahr für Kinder und Jugendliche dar.
28 Vgl.: Spittler, H.: Alkohol- die Droge Nr.1. S. 69-82, in: Bartsch,N./Knigge-Illner,H. (Hrsg.): Sucht und Erzeihung. Band 1. Sucht und Schule. Ein Handbuch für Lehrer und Sozialpädagogen. 2. Auflage. Beltz Verlag. Weinheim und Basel.1995, S.74-75
29 Vgl.: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Alkohol. Materialien für die Suchtprävention in den Klassen 5-10. 2004, S.24
30 Vgl.: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.): Alkopops. Eine Information für Eltern, Lehrer und Lehrerinnen. Lensing Druck, Ahaus. Münster. 2004, S. 7
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3.3.3. Risiken von Alkopops - Alkoholische Mixgetränke
Alkoholmischungen mit anderen Getränken sind keine Neuheit, nur werden sie jetzt fertig gemischt im Handel angeboten. Diese so genannten Alkopops sind Limonaden oder andere Süßgetränke durchsetzt mit Spirituosen, Wein oder Bier. Der Alkoholgehalt von Alkopops beträgt durchschnittlich 5-6 % Vol.. Eine Flasche hat damit einen höheren Alkoholgehalt als zwei Schnapsgläser Spirituose. Geschmacklich wird der Alkohol vom hohen Zuckeranteil und künstlichen Aromen überlagert. Dadurch werden Jugendliche, denen Alkohol nicht schmeckt, zum Konsumieren verführt, und das in immer jüngerem Alter. Je mehr der Geschmack des Alkohols durch Zucker überdeckt wird und je stärker der Alkoholgehalt ist, desto größer ist das Risiko einer Grenzüberschreitung. Der Konsument trinkt mehr und häufiger. Der Trend zum Rauschtrinken hat in den letzten Jahren zur Folge gehabt, dass immer mehr Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Darüber hinaus birgt vermehrter Alkoholkonsum die Gefahr, vom sporadischen in den gewohnheitsmäßigen Konsum überzugehen. Forschungen beweisen, dass der früh eingesetzte und häufig durchgeführte Konsum von Alkohol die Gefahr der Alkoholabhängigkeit im Laufe des Lebens vergrößert. Die Wahrscheinlichkeit einer Alkoholproblementwicklung im Laufe des Lebens ist bei einem 12 jährigen Kind, das regelmäßig Alkohol trinkt, doppelt so
31 hoch wie bei einem gleichaltrigen Kind, das nicht Alkohol trinkt. Alkopops haben großen Erfolg bei Jugendlichen (siehe Kapitel I Punkt 4.1.2.). „Sie sind süß, süffig, farbig und frech gestaltet, um gezielt ein jugendliches Publikum
32 anzusprechen.“
3.4. Physiologische Folgeschäden massiven Alkoholkonsums
Obgleich der Alkohol vom Körper relativ rasch abgebaut wird, sind seine physiologischen, psychischen und sozialen Folgen noch wesentlich länger zu spüren. Damit ist nicht nur der so genannte „Kater“ am nächsten Tag gemeint, der gekennzeichnet ist durch Kopfschmerzen, die eigentlich Hirnschmerzen genannt werden müssten, da das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen ist, durch erhöhte Nervosität, raschere Ermüdung bei körperlicher Anstrengung sowie verstärkte
31 Vgl.: ebd., S. 2/4/8 32 Zitat: ebd., S. 2
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33 Wird dem Körper über einen längeren Zeitraum vorwiegend Schweißabsonderung.
Alkohol zugeführt, sind Mangelerscheinungen und Organschäden unvermeidbar. In der folgenden Abbildung sind die physiologischen Folgeschäden eines chronisch erhöhten Alkoholkonsums zusammengefasst.
Abbildung 1: Physiologische Folgeschäden des erhöhten Alkoholkonsums
Gehirnschäden: Leberschäden:
[Zusammengestellt aus vgl.: Arens- Azevedo, U. et. al.: Ernährungslehre. 1998, S.184]
Forschungen belegen darüber hinaus, dass bei langfristigem massiven Alkoholkonsum ein erhöhtes Risiko besteht, an Mund-, Rachen-, Speiseröhrenkrebs und bei Frauen an
34 Brustkrebs zu erkranken.
33 Vgl.: Schmidbauer, W./ vom Scheidt, J.: Handbuch der Rauschdrogen. 2004, S. 36
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3.5. Psychologische Folgeschäden massiven Alkoholkonsums
Neben den vielfältigen körperlichen Schäden führt Alkoholismus auch zu einer Reihe krankhafter psychischer Beeinträchtigungen. Häufige Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Depressionen bis hin zu Suizidgefährdung gehen einher mit
35 Die folgende Abbildung beschreibt die Krankheitsbildern der Alkoholpsychosen. Alkoholpsychosen und ihre Symptome:
Abbildung 2: Alkoholpsychosen
[Zusammengestellt aus:vgl.: Schmidbauer, W./ vom Scheidt, J.: Handbuch der Rauschdrogen. 2004, S.45-46]
3.6. Soziale Folgen massiven Alkoholkonsums
Neben den körperlichen und psychischen Folgen zieht ein chronisch erhöhter Alkoholkonsum auch nachhaltige Veränderungen des gesamten sozialen Umfeldes nach sich. Forschungsarbeiten zu den Konsequenzen des Alkoholkonsums haben sich lange Zeit hauptsächlich mit den Folgen befasst, welche die Gesundheit beeinträchtigen. Viele
34 Vgl.: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V. (DHS): Alkohol. Die Sucht und ihre Stoffe, S.6
35 Vgl.: Schmidbauer, W./ vom Scheidt, J.: Handbuch der Rauschdrogen. 2004, S. 45-46
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Konsequenzen lassen sich aber als sozial charakterisieren und sind nicht medizinisch einzustufen oder haben nur indirekt etwas mit Gesundheit zu tun. „Die sozialen Konsequenzen von Alkohol sind die Veränderungen, die subjektiv oder objektiv auf den Alkohol zurückgeführt werden oder sich zurückführen lassen und im individuellen sozialen Verhalten, in den zwischenmenschlichen Beziehungen oder im 36 sozialen Umfeld zum Ausdruck kommen.“
Soziale Konflikte, wie z.B. Trennungen von Ehen oder Partnerschaften und der Verlust des Arbeitsplatzes, betreffen hauptsächlich den Alkoholkranken selber. Die damit einhergehenden Folgen für die Angehörigen sind besonders schwerwiegend. Vor allem sind die Kinder von Alkoholkranken betroffen, da sie keine Möglichkeiten haben, sich vor den direkten oder indirekten Folgen des elterlichen Trinkens zu schützen. Insbesondere Missbrauch, Vernachlässigung, Isolierung und Unsicherheit oder inkonsequentes Verhalten und wechselnde Ansprüche von Seiten der Eltern sind in den Familien von Alkoholikern sehr viel üblicher als in nicht von den sozialen Folgen des massiven Alkoholkonsums betroffenen Familien. Fest steht, dass in von Alkoholmussbrauch betroffenen Familien ein erhebliches, um das Zwei- bis Zehnfache erhöhtes Risiko besteht, dass das problematische Trinkverhalten von einer Generation
37 an die nächste weitergegeben wird.
3.6.1. Die Folgen für Kinder mit alkoholabhängigen Elternteilen
Viele Kinder alkoholkranker Eltern entwickeln Symptome wie generalisierte Beziehungsstörungen, Hyperaktivität, Aggressivität, Apathie, Schlafstörungen, Einnässen und andere Verhaltensauffälligkeiten. Auch als Erwachsene leiden viele Kinder alkoholkranker Eltern noch unter den Nachwirkungen der familiären
38 Verhältnisse, in denen sie aufgewachsen sind.
In der repräsentativen Studie über Jugendliche und deren Eltern aus den Münchner Stadt- und Landkreisen, erhalten Lieb et al. folgende Ergebnisse. Elterliche Alkoholbelastung ist mit höherem Alkoholkonsum, häufigeren regelmäßigen Rauchen sowie häufigerem Konsum illegaler psychoaktiver Substanzen bei Jugendlichen assoziiert. Es finden sich ebenfalls Assoziationen zu Missbrauch und Abhängigkeit von legalen und illegalen psychoaktiven Substanzen, wie auch speziell zum Übergang vom
36 Zitat: Klingemann, H.: Alkohol und die sozialen Folgen- die vergessene Dimension. Weltgesundheitsorganisation Regionalbüro für Europa. 2001, S. 5
37 Vgl.: ebd., S. 8
38 Vgl.: Rennert, M.: Co-Abhängigkeit: Was Sucht für die Familie bedeutet. Lambertus. Freiburg im Breisgau. 1989, S. 43-52/69-80
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