Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 1
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TEIL I: Das Wachstum Londons im 16. und 17. Jahrhundert
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1. Das Wachstum Londons im 16./17. Jahrhundert
1.1. Die Einwohnerzahlen gesamt Londons 5
1.2. Die Einwohnerzahlen der einzelnen Stadtgebiete Londons 7
1.3. Das topografische Wachstum Londons 9
1.4. Die Besiedlungsgeschichte Londons im 16./17. Jahrhundert 11
1.5. Immigration 12
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2. Die soziale Topografie Londons im 16./17. Jahrhundert
2.1. Die soziale Heterogenität Londons 14
2.2. Ursachen 18
2.3. Soziale Unterschiede innerhalb der Gemeinden 19
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3. Probleme der wachsenden Metropole
3.1. Wilder Hausbau 21
3.2. Überbevölkerung 22
3.3. Armut 24
3.4. Mangelhafte hygienische Verhältnisse 25
3.5. Schlechte medizinische Versorgung 28
3.6. Zustand in den Vororten 30
31
4. Die Häuser Londons im 16./17. Jahrhundert
4.1. Größe und Aufbau der Häuser 31
4.2. Verwendete Materialien und Bauweise der Häuser 33
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5. Zusammenfassung
TEIL II: Die Große Pest von London im Jahr 1665 36
37
1. Die Pest im Allgemeinen
1.1. Das Krankheitsbild der Pest 37
1.2. Übertragungswege der Pest 38
1.3. Die Ratte als Überträger der Pest 39
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2. Die Große Pest von London 1665
2.1. Große Pest? 41
2.2. Der chronologische Verlauf der Großen Pest 43
2.3. Der topografische Verlauf der Großen Pest 45
2.4. Die Bills of Mortality und die Zahl der Todesopfer 47
2.4.1. Probleme bei der Datensammlung mit Hilfe der Bills of Mortality 47
2.4.2. Die Zahl der Todesopfer im Vergleich 48
2.5. Vermutete Ursachen der Großen Pest 51
2.5.1. Gottes Strafe, astrologische Erscheinungen und das Wetter 51
2.5.2. "The Poore's Plague" 53
TEIL III: Der Zusammenhang zwischen Wohnverhältnissen und der Peststerb-
lichkeit während der Großen Pest in London 1665 57
57
1. Quantitative Analyse
1.1. Vorüberlegungen 57
1.2. Vorgehensweise 58
1.2.1. Analyseverfahren 58
1.2.2. Variablenbildung 59
1.3. Quellen 60
1.4. Analyse und Interpretation 61
1.5. Quantitative vs. qualitative Verfahren 66
67
2. Qualitative Analyse: Einzelfallstudien
2.1. Die Stichprobenziehung 67
2.2. Quellen 70
2.3. Analyse und Interpretation 71
2.3.1. City-Gemeinden (Innenstadtkern) 71
2.3.2. City-Gemeinden (Stadtmauer/Themse-Ufer) 76
2.3.3. Liberties 80
2.3.4. Vororte in Middlesex 87
2.3.5. Westminster 95
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SCHLUSSWORT
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ANHANG
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BIBLIOGRAFIE
After all my Inquiries & Observations, I can learne little, But that it seises upon people strangely, & handles them variously. Some are affected in one manner, & and some another, & some are smitten that stir not half so much abroad as I.
(Simon Patrick, zitiert nach Champion 1995: 4)
Simon Patrick, Londoner Bürger des 17. Jahrhunderts, war nur einer von zahlreichen
Dass die Pest die Menschen nicht in gleichem Maße traf, sahen die meisten Menschen
the receaving harbouring and placeing of inmates & understitters in houses and cellars, and [...] erecting of new-buildings, and [...] divideing & parcelling out the said buildings & other houses into severall petty tenements & habitacions, and pestering & filling the same with inmates & idle & loose persons
(zitiert nach Champion 1995: 1)
für den Ausbruch der Epidemie verantwortlich waren.
Auch im Zuge der zunehmenden wissenschaftlichen Erforschung der Pest seit dem 19.
Auch hinsichtlich der Großen Pest ist bis heute nicht wirklich bekannt, ob tatsächlich
Bis heute wurden kaum Untersuchungen angestrengt, die den möglichen Zusammen-
Aus diesem Grund soll diese Arbeit versuchen, den möglichen Zusammenhang zwi-
Dieser Zusammenhang ist vor allem unter dem Aspekt interessant, dass sich Unter-
Aus diesem Grund soll im ersten Teil dieser Arbeit das Wachstum Londons im Verlauf
Im Anschluss daran soll im zweiten Teil der Arbeit näher auf die Große Pest von 1665
Im dritten Teil soll schließlich mit Hilfe dieser Vorkenntnisse analysiert werden, ob tat-
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1. Das Wachstum Londons im 16./17. Jahrhundert
1.1. Die Einwohnerzahlen gesamt Londons
That London, the metropolis of England, is perhaps a head too big for the body, and possibly too strong. That this head grows three times as fast as the body unto which it belongs; that it doubles its people in a third part of time. That our parishes are now grown madly disproportionable. [...] That the trade, and very City of London, removes westwards. That the walled city is but a fifth of the whole pyle. That the old streets are unfit for the present frequency of coaches. (Graunt 1676: Epistle)
Der Zustand, den John Graunt hier schildert, bezieht sich auf eine Zeit, in der sich nicht nur das Bild Londons, sondern auch seine soziale Beschaffenheit stark zu ändern begann. Im Jahre 1665, als Graunt seine statistischen Ergebnisse auf einem Treffen des Council of the Royal Society vortrug, war Englands Hauptstadt längst ihren Stadtmauern entwachsen und glich kaum noch der mittelalterlichen und provinziellen Stadt der früheren Jahrhunderte. "Where once there had been sheds or shops, in one of which an old woman used to sell 'seeds, roots and herbs' [Stow 1603], there were now houses 'largely built on both side outward, and also upward, some three, four or five stories high' [Stow 1603]" (Ackroyd 2000: 99). London wuchs in Dimensionen, die zur damaligen Zeit besorgniserregend waren, auch wenn die Stadt im 17. Jahrhundert nur einen kleinen Teil der heutigen Fläche ausmachte. Innerhalb eines Jahrhunderts hatte sich die Bevölkerung in etwa verdreifacht, was London im Jahre 1700 zur viertgrößten Stadt der Welt machte (nur Konstantinopel, Neapel und Paris waren größer). 100 Jahre vorher hatte es noch Platz 16 belegt. Im Jahre 1750 war es bereits die größte Stadt Europas und lag weltweit auf dem zweiten Rang hinter Peking (Chandler/Fox 1974: 18, 319-321). Keine andere europäische Stadt hatte damals solch ein starkes Wachstum zu verzeichnen (Finlay/Shearer 1986: 36).
Auch innerhalb von England war Londons Wachstum beispielhaft, denn Londons Bevölkerung wuchs um ein Vielfaches stärker als die des restlichen Landes. So kann man in Tabelle 1 erkennen, dass die Einwohnerzahl Londons zwischen 1600 und 1650 einen 88 prozentigen Anstieg zu verzeichnen hatte, während die Bevölkerung Englands (ohne London) in dieser Zeit im Schnitt nur um 29,5 Prozent wuchs. Zwar hatte London nach 1650 ein geringeres Bevölkerungswachstum als in den Jahr-
zehnten zuvor zu verzeichnen, die Einwohnerzahl nahm trotzdem weiter zu. Im Gegensatz dazu ging die Bevölkerung Englands seit Mitte des 17. Jahrhunderts wieder zurück.
Tabelle 1. Die Bevölkerung Londons und Englands, 1550-1700 (in Tausend)
Quelle: Finlay/Shearer 1986: 39
Aus Tabelle 1 wird zudem ersichtlich, dass der Anteil der Londoner Einwohner an der Gesamtbevölkerung Englands im Verlauf des 17. Jahrhunderts immer weiter zunahm. Um 1600 lebte noch jeder zwanzigste Engländer in London, 1700 war es bereits fast jeder zehnte 1 .
1 Bei den genannten Bevölkerungszahlen Londons muss jedoch beachtet werden, dass diese als auch andere Angaben in der Literatur nur auf Schätzungen beruhen. Da es vor 1695 keine Volkszählung gab, die dem Zensus ähnlich gewesen wäre, ist es nicht möglich, vollkommen verlässliche Werte zu finden (Finlay 1981: 51). Die Angaben in der Literatur variieren demnach stark - im Jahr 1650 beispielsweise zwischen 375.000 (Finlay/Shearer 1986: 39), 400.000 (Finlay 1981: 51) und 410.000 Einwohnern (Chandler/Fox 1974: 16-18). Abgesehen von solchen Diskrepanzen kommt es zwischen den Angaben verschiedener Autoren zudem zu Abweichungen, da sie sich einerseits auf unterschiedliche geografische Gebiete innerhalb Londons beziehen und andererseits die verfügbaren Quellen oftmals mangelhaft sind. Wie Finlay und Shearer (1986: 41) erklären, wurde bei den Schätzungen der Bevölkerungszahlen Londons des 16./17. Jahrhunderts nie klar zwischen dem gesamten bebauten Gebiet (d.h. der Londoner Innenstadt, allen Vororten und Westminster) und dem alleinigen Zuständigkeitsbereich der Stadt London (und somit nur der Innenstadt) unterschieden. Dazu kam die mangelnde Zuverlässigkeit der zur Verfügung stehenden Kirchenregister, die die Hauptinformationsquelle für Demografen darstellen. Denn diese leiden nicht nur unter fehlenden Registrierungen aufgrund der großen Zahl an Nonkonformisten, die ihre Taufen, Hochzeiten und Bestattungen nicht in den Registern der anglikanischen Kirche führen ließen (Finlay 1981: 22; Wrigley/Schofield 1981: 89). Auch Zeiten hoher Sterblichkeit, z.B. während einer Pestepidemie (Clark/Slack 1972: 16; Slack 1985: 61), politische Veränderungen, verlorengegangene Register, herausgerissene Seiten und unleserliche Einträge (Wrigley/Schofield 1981: 15, 19, 23) führten zu Lücken in der Registrierung. Laut Slack (1985: 61) ist es sehr wahrscheinlich, dass selbst die gut geführten Kirchenregister Lücken aufweisen. Clark und Slack (1972: 16) kommen daher zu der Erkenntnis, dass "[a]ll that we can say definitely about urban demography in
the 16 th and 17 th centuries is that our figures founder in uncertainty".
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1.2. Die Einwohnerzahlen der einzelnen Stadtgebiete Londons
Bereits in der Literatur finden sich Hinweise darauf, dass die Besiedlung Londons im 16./17. Jahrhundert nicht gleichmäßig vonstatten ging, sondern dass vor allem die Gebiete außerhalb der Stadtmauern hohe Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen hatten. Finlay und Shearer (1986: 45) zufolge, hatte die Einwohnerzahl der Randgebiete die der Gemeinden innerhalb und unmittelbar hinter der Stadtmauer innerhalb von 120 Jahren um ein Vielfaches überstiegen: Während in den Gemeinden in und um die Stadtmauer im Jahre 1560 noch drei Viertel der Gesamtbevölkerung Londons lebten und nur ein Viertel in den Vororten, zeigte sich die Situation um 1680 gegensätzlich: ein Viertel der Einwohner lebte nun in den Gemeinden in und nahe der Stadtmauer und drei Viertel in den Vororten (Finlay/Shearer 1986: 45). Diese Entwicklungen sind auch detailliert in Tabelle 2 und in Bild 1 erkennbar.
Tabelle 2. Bevölkerungswachstum der einzelnen Londoner Stadtgebieten, 1560-1680
Quelle: Die Angaben zu den absoluten Einwohnerzahlen Londons stammen von Finlay/Shearer 1986: 45
2 Als City wird die Londoner Altstadt innerhalb der Stadtmauern bezeichnet, als Liberties die Gemeinden, die sich unmittelbar hinter der Stadtmauer befanden.
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Bild 1. Bevölkerungswachstum in den einzelnen Londoner Stadtgebieten, 1560-1680
Man erkennt darin, dass die Bevölkerung der City und Liberties zwischen 1560 und 1680 etwa um das 1,3 fache gewachsen ist, wobei das Große Feuer von 1666 sicher einen Teil zu der verhältnismäßig kleinen Wachstumsrate beigetragen hat. Im Vergleich dazu nahm die Bevölkerung in den Vororten jedoch um ein Vielfaches mehr zu: im Osten, Norden und Westen sogar um durchschnittlich das 13 fache. Mit einer 6,5 fachen Bevölkerungszunahme ging das Wachstum südlich der Themse zwar langsamer als in den anderen Randgebieten vonstatten, sie überstieg die Wachstumsrate der City und Liberties jedoch um ein Vielfaches. Insgesamt gesehen nahmen die östlichen Gebiete zwischen 1560 und 1680 die meisten Menschen auf (130.000), die geringste Bevölkerungszunahme hatte der Norden zu verzeichnen (60.000). Die Vororte waren zwar alle von einem starken Bevölkerungswachstum gekennzeichnet, bei genauerem Hinsehen erkennt man jedoch chronologische Unterschiede. Es wird vor allem ersichtlich, dass zu Beginn der Einwanderungswelle vor allem die nördlichen Gemeinden eine starke Bevölkerungszunahme zu verzeichnen hatten. Seit 1600 wurden hingegen zunehmend die östlichen und westlichen Gebiete besiedelt. Seit 1640 ging die Wachstumsrate zwar in allen Londoner Gebieten zurück, in den westlichen Gemeinden war sie in dieser Zeit jedoch am höchsten. Warum vor allem die Vororte so stark besiedelt wurden, begründet sich größtenteils im Platzmangel der Londoner City. Denn diese bot aufgrund einer bereits sehr engen Bebaungen kaum noch Platz für Neuankömmlinge (Finlay/Shearer 1986: 52). Man versuchte zunächst, bereits existierende Herrenhäuser in mehrere Wohneinheiten aufzuteilen, dazugehörige Gärten zu bebauen oder große Wirtshäuser und Gasthöfe, aber auch Back- und Brauhäuser in Unterkünfte umzubauen (Graunt 1676: 73; Boulton 1987: 173-174; Schofield 1984: 144) oder mitunter sogar Keller oder Dachböden als Quartier zu nutzen (Leasor 1962: 28; Ackroyd 2000: 102; Boulton1987:
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194; Bell 1951: 32). Doch trotz der vielseitigen Nutzung freier Flächen und vorhandener Gebäude konnte die City die große Zahl an Einwanderern nicht aufnehmen, wodurch diese dazu gezwungen waren, in die bereits bewohnten Liberties oder die größtenteils noch unbebauten Randgebiete zu ziehen (Leasor 1962: 27; Bell 1951: 32). Andere zog es jedoch auch aufgrund der niedrigeren Miet- und Lebensmittelpreise und aufgrund einer nachlässigeren Administration in die Gemeinden außerhalb der Stadtmauern (Brett-James 1935: 474).
1.3. Das topografische Wachstum Londons
Wie die Stadt aufgrund der Bevölkerungszunahmen in den Vororten seit Beginn des 17. Jahrhunderts topografisch wuchs, zeigt Bild 2. Darauf wird erkennbar, dass die nördlichen, westlichen und südlichen Gebiete bereits im Jahr 1603 zu einem großen Teil bebaut waren. Im Osten der Stadt waren im Vergleich dazu nur die Gebiete unmittelbar hinter der Stadtmauer und entlang der Ausfallstraßen und der Themse bewohnt. Zwischen London und Westminster befanden sich die meisten Häuser entlang des Strand und in Westminster selbst im unmittelbaren Umkreis der Westminster Abbey und des königlichen Palastes.
Seit Beginn des 17. Jahrhunderts begannen sich die östlichen Gebiete weiter entlang der Hauptstraßen und entlang des Themse-Ufers auszudehnen. Sowohl im Norden als auch in Westminster fanden in dieser Zeit nur vereinzelt bauliche Aktivitäten statt. Das größte topografische Wachstum hatten nach 1640 die westlichen Gebiete zu verzeichnen. Vor allem die Lincoln Inn Fields und der Covent Garden wurden zunehmend bebaut.
Nach 1640 waren vor allem in den östlichen und westlichen Stadtgebieten bauliche Aktivitäten zu beobachten. Im Osten wurde vor allem das Gebiet zwischen dem Ratcliff Highway und der Themse, die Goodman's Fields und die Gebiete nördlich des Ortes Spitalfield bebaut. Im Westen wurde hauptsächlich das Areal zwischen Tyburn Road und der Pall Mall zunehmend ausgefüllt. Westminster dehnte sich vor allem in südliche Richtung in die Tothill Fields aus.
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1.4. Die Besiedlungsgeschichte Londons im 16./17. Jahrhundert
Wie die letzten Abschnitte zeigten, gestaltete sich die Besiedlung der Londoner Stadtgebiete im 16. und 17. Jahrhundert in sehr unterschiedlichem Maße. Vor allem die Einwohnerzahlen und die Zeit der Besiedlung variierten von Gegend zu Gegend. Um diese Entwicklungen verstehen zu können, müssen wir einen näheren Blick auf die Besiedlungsgeschichte Londons im 16./17. Jahrhundert werfen. Wie Brett-James (1935: 27) bemerkt, war London um das Jahr 1600 weniger die Metropole, die wir heute kennen, als eher "a pleasant country town with many gardens and green fields". Auch Clark und Slack (1972: 6) konstatieren, dass "although the area within the city walls was densely populated, the newly colonized suburbs were still more country than town". Die am weiträumigsten bebauten Gebiete waren die Gemeinden im Norden und im Westen der Stadt. Im Norden hatten sich bereits während des 16. Jahrhunderts wohlhabende Menschen angesiedelt, die diese Gegend vor allem aufgrund der zahlreichen Freiflächen schätzten (Brett-James 1935: 59). Die westlichen Gebiete wurden hingegen aufgrund der Verlagerung der politischen Macht nach Westminster (Graunt 1676: 75) zunehmend von wohlhabenden Bürgern, die am Hof oder im Parlament tätig waren, besiedelt (Clark/Slack 1972: 38-39; Graunt 1676: 75; Beier/Finlay 1986: 11-13; Dyer 1991: 52; Finlay 1981: 11). Darauf folgten zahlreiche Kaufleute und Dienstleister, die auf die steigende Nachfrage nach exquisiten Waren und Servicekräften in diesem Gebiet antworteten (Finlay/Shearer 1986: 53; Clout 1991: 67). Da sich der Westen zudem immer mehr zum Prestige-Viertel der Stadt entwickelt hatte, das darüber hinaus über große bebaubare Freiflächen verfügte, zog es immer mehr wohlhabende Bürger aus der überfüllten City in diese Gegend (Brett-James 1935: 36, 381; Graunt 1676: 76; Earle 1994: 12). Neben dem Norden und dem Westen ließen sich seit Ende des 16. Jahrhunderts auch in der City of Westminster selbst zahlreiche wohlhabende Menschen nieder (Earle 1994:12). Der Charakter Westminsters war bestimmt durch die Präsenz des königlichen Hofes, der im Verlauf des 16. Jahrhunderts unzählige Personen, die am Hof beschäftigt waren, in das Gebiet zog. Daneben siedelten sich hier zunehmend Beschäftigte der Courts of Law oder des Parlaments an (Clark/Slack 1972: 39; Beier/Finlay 1986: 13).
Die wachsende Stellung Englands als Handels- und Seemacht und die damit verbundene zunehmende Bedeutung der Royal Navy zum Ende des 16. Jahrhunderts hin legten den Grundstein für das Wachstum der östlichen Gemeinden. Es wurden neue Häfen, Docks und Kais entlang der Themse errichtet und zahlreiche Handelsorganisationen wie etwa die East India Company ließen sich an den Ufern nieder. Die dadurch neu entstandenen Arbeitsplätze zogen eine Vielzahl an Immigranten in das
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Gebiet, die ihre Häuser vor allem entlang der Themse in unmittelbarer Nähe zu ihrer Arbeitsstelle bauten. Ein Großteil des Ufergebietes bestand durch die häufige Überflutung der Themse jedoch noch aus Sumpfland und musste im Zuge der Besiedlung erst trockengelegt werden (Brett-James 1935: 196-199). Die nördlichen Gebiete, die Ende des 16. Jahrhunderts noch von zahlreichen wohlhabenden Bürgern bewohnt waren, wurden zu Beginn des 17. Jahrhunderts in zunehmendem Maße von armen Menschen besiedelt (Brett-James 1935: 109). Viele der betuchteren Bürger verließen den Norden (Brett-James 1935: 109), wobei anzunehmen ist, dass eines ihre Umzugsziele die wohlhabenderen Vororte im Westen waren. Da trotz der neu hinzugekommenen Bevölkerung nur wenig bauliche Tätigkeiten in diesem Gebiet zu beobachten waren, ist anzunehmen, dass die Neuankömmlinge einen Großteil der herrschaftlichen Häuser einfach "übernahmen" und sie in kleinere Wohneinheiten aufteilten. Laut Brett-James (1935: 109) verwandelte sich durch die Ansiedlung ärmerer Menschen vor allem die nördliche Gemeinden St. James Clerkenwell "from once a district of palaces into a purlieu of slums". Seit 1640 hatte der Westen die größte Wachstumsrate aller Londoner Stadtgebiete aufzuweisen, was sicher zu einem großen Teil dem starken Zuzug an Menschen aus der City, die nach der Großen Pest 1665 und dem Großen Feuer 1666 nach mehr Sicherheit in dieser Gegend suchten, zuzuschreiben war (Brett-James 1935: 366). Der Westen wurde mehr und mehr bebaut und es entstanden bekannte Stadtgebiete wie St. James, Picadilly oder Soho. Daduch wurde die Lücke zwischen der City und Westminster bis auf die Freifläche des St. James's Park bis zum Ende des 17. Jahr-hunderts größtenteils geschlossen (Brett-James 1935: 367-394). Der Osten der Stadt wuchs ebenfalls in starkem Maße, was letztendlich darin resultierte, dass die zehn ehemals zur Großgemeinde Stepney gehörenden Siedlungen Ratcliff, Limehouse, Poplar, Mile End, Shadwell, Wapping, Bethnal Green, Blackwall, Spitalfields und Bow (East London History Group 1968: 3; Brett-James 1935: 187-188) im Verlauf des 17. Jahrhunderts alle selbst zu Gemeinden wurden (East London History Group 1968: 5).
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1.5. Immigration
Die zunehmende Besiedlung der Londoner Randgebiete während des 16. und 17. Jahrhunderts führte dazu, dass sich Vororte wie etwa Shadwell, Ratcliff und Limehouse im Osten der Stadt oder Westminster im Westen, die sich im 16. Jahrhundert noch in weiter Entfernung zur Londoner City befunden hatten, der Stadt in zunehmendem Maße näherten, vormals unbewohnbares Land urbar gemacht wurde und ehemalige ländliche Gebiete mehr und mehr urbanisiert wurden. Der Grund für den starken Bevölkerungszuwachs lag hauptsächlich in einer wachsenden Migrationsbewegung nach London. Da die Geburtenrate in London zu jener Zeit stets über der Sterberate lag (Clark/Slack 1972: 18; Earle 1994: 38; Wrigley/Schofield 1981: 166), war ein natürliches Wachstum der Einwohnerzahlen Londons nicht möglich. Aus diesem Grund geht die Mehrheit der Autoren davon aus, dass Immigration, vor allem aus den ländlichen Gebieten, der Hauptgrund für das Bevölkerungswachstum Londons im Verlauf des 16./17. Jahrhunderts war (Clark/Slack 1972: 17-18, 35; Beier/Finlay 1986: 9-17; Schofield 1984: 142). Aufgrund steigender Geburtenzahlen in den Provinzen und daraus resultierender Nahrungsmittelknappheit, die mit einem zunehmenden Mangel an Land und steigender Armut einherging, sahen sich immer mehr Menschen dazu gezwungen, eine neue Existenz in London aufzubauen (Earle 1994: 49). Dabei versprach vor allem die gute Arbeitslage in der Metropole eine Verbesserung der eigenen Situation. Denn Englands Hauptstadt hatte seit Beginn des 16. Jahrhunderts aufgrund einer zunehmenden Zentralisation der Wirtschaft nach London einen starken wirtschaftlichen Aufschwung erfahren, der sich auch im Arbeitsmarkt niederschlug (Beier/Finlay 1986: 14; Finlay 1981: 11). Die Zahl der Manufakturen in London wuchs um ein Vielfaches, wodurch auch die Nachfrage nach Arbeitsplätzen stark zunahm. Dieser Zuwachs an Handwerksbetrieben bewirkte jedoch auch eine Ausweitung der Londoner Industrie auf die umliegenden Stadtteile, da in der City zunehmend Platzmangel herrschte (Finlay 1981: 12).
Das Ergebnis der ökonomischen Expansion Londons war, dass Tausende von Einwanderern in die Hauptstadt kamen - ob auf der Suche nach Arbeit oder nach einem Ausbildungsplatz. Finlay (1981: 67) zufolge suchten um 1600 etwa 32.000 bis 40.000 Lehrlinge ihr Glück in London, was einem Anteil an der Gesamtbevölkerung Londons von 13,6 bis 17 Prozent entsprach. Die Menschen, die auf der Suche nach Arbeit waren, erhofften sich vor allem eine größere Vielfalt an Arbeitsplätzen als auch höhere Löhne als auf dem Land (Earle 1994: 50). Im 17. Jahrhundert war der Verdienst in London mitunter um 50 Prozent höher als in den Provinzen (Beier/Finlay 1986: 17). Viele der Einwanderer fanden jedoch nur Arbeit auf niedrigstem Niveau,
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wie etwa als Arbeiter, Pförtner, Diener, Kohlenträger oder Straßenkehrer (Earle 1994: 42). Da viele von ihnen vorher nur in der Landwirtschaft tätig gewesen waren, fehlten ihnen wichtige Qualifizierungen.
Neben der Aussicht auf einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zog es die Menschen zudem verstärkt nach London, da sie hier mit einer besseren Versorgungslage, finanzieller Fürsorge, geringerer Kontrolle über Migrationen und einem reichen Angebot an neuem Boden, das die Dissolution of the Monasteries freigegeben hatte, rechnen konnten (Finlay 1981: 10-11; Earle 1994: 49-50). Die zunehmende Bedeutung Londons als politisches und administratives Zentrum Englands führte außerdem zu einer verstärkten Zuwanderung von Politikern und am Hof tätigen Personen (Beier/Finlay 1986: 11; Dyer 1991: 52). Jedoch war deren Anteil an der Gesamtbevölkerung Londons mit weniger als 10 Prozent bedeutend geringer als der der Menschen aus den Provinzen, die auf der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz in die Metropole kamen (Beier und Finlay 1986: 11-13).
Eine andere Migrantengruppe, die im 16./17. Jahrhundert auf ein neues Leben in Englands Hauptstadt hoffte, waren Einwanderer aus dem Ausland (Finlay 1981: 67; Finlay/Shearer 1986: 51; Schofield 1984: 142). Aufgrund der zunehmenden Verfolgung von Protestanten auf dem Kontinent im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts immigrierten vor allem unzählige Hugenotten aus den Niederlanden und aus Frankreich in nach London. Die Welle an Zuwanderern aus Frankreich wurde nach dem Massaker der Bartholomäusnacht 1572 in Paris, in der Tausende von Hugenotten ermordet wurden, verstärkt. Der Strom riss zwar ab, als Heinrich IV. 1598 das Edikt von Nantes erließ, welches religiöse Freiheit in ganz Frankreich garantierte (Finlay 1981: 67), lebte jedoch zum Ende der 1670er wieder auf (Brett-James 1935: 489), als Ludwig XIV. das Edikt wieder aufhob (Meyers Großes Taschenlexikon 1999, "Hugenotten"). Die Gruppe der verfolgten Protestanten war sicherlich die größte der ausländischen Zu-wanderer, allerdings trugen auch eine Vielzahl an Schotten, Iren und Bewohnern anderer europäischer Länder zu Londons Wachstum bei (Earle 1994: 47).
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2. Die soziale Topografie Londons im 16./17. Jahr-hundert
2.1. Die soziale Heterogenität Londons
Eine der auffälligsten Folgen der Expansion Londons im 16. und 17. Jahrhundert war die Herausbildung einer Stadt mit extremen Gegensätzen. Armut und Reichtum, Eleganz und Verfall, große Herrenhäuser und schäbige Armenbehausungen standen sich in starkem Kontrast gegenüber. Vor allem im Verlauf des 17. Jahrhunderts begannen sich die noch heute vorherrschenden Charaktere des wohlhabenden Londoner West End und des armen East End abzuzeichnen (Power 1986: 199). Die Stadtteile unterschieden sich einerseits hinsichtlich der ansässigen sozialen und beruflichen Gruppen, andererseits hinsichtlich ihres äußeren Erscheinungsbildes. So spricht Stow (1908) 3 , der zum Ende des 16. Jahrhunderts in London lebte und als erster seiner Zeit eine detaillierte Beschreibung der Stadt verfasste, von "diuerse faire houses [...] for marchants or men of Worship" (Bd. 1: 292) in der Gemeinde St. Mary Aldermanbury im Nordwesten der City und von "filthy Cottages, and [...] other purprestures, inclosures and Laystalles" (Bd. 2: 72) in St. Botolph Aldgate östlich der Innenstadt.
In welchem Maße sich die sozialen Gruppen im Londoner Stadtgebiet verteilten, zeigen die folgenden Karten. Bild 3 stellt in diesem Zusammenhang die Wohlstandsniveaus einzelner Gemeinden, basierend auf der Anzahl wohlhabender Haushalte in diesen Stadtvierteln, dar. Als wohlhabend sind dabei solche Behausungen definiert, die einen Mietwert von 20 Pfund oder mehr besaßen.
3 Im Folgenden wird Stow aus dem Nachdruck des Originaltextes von 1603 bei Kingsford 1908 als Stow 1908 zitiert.
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Bild 3. Verteilung von Haushalten mit einem Mietwert von 20 Pfund und mehr p.a., 1638
Quelle: Finlay 1981: 76
Hier erkennt man klar, dass die höchsten Mieten im Innenstadtkern gezahlt werden mussten. In den unmittelbar angrenzenden City-Gemeinden hatte immer noch jedes dritte bis vierte Haus einen Wert von 20 Pfund und mehr. Die Gegenden mit den geringeren Mieten fanden sich vor allem in den innerstädtischen Gemeinden entlang des Themse-Ufers und der Stadtmauer und in den Vororten nordöstlich und nordwestlich der City.
Da in Bild 3 jedoch für zahlreiche Gemeinden keine Daten vorliegen, soll zur Verdeutlichung der sozialen Heterogenität Londons im 17. Jahrhundert eine weitere Übersicht angeführt werden. In Bild 4 wurde zur Unterscheidung der unterschiedlichen Wohlstandniveaus der Gemeinden die durchschnittliche Anzahl der in den Haushalten befindlichen Feuerstellen zugrunde gelegt. Diese gelten als Indiz für den Wohlstand der Hausbewohner, da die Anzahl der Feuerstellen Aufschluss darüber gibt, wie groß die einzelnen Häuser waren (je mehr Feuerstellen, um so größer das Haus) und damit, wie wohlhabend seine Bewohner waren (je größer das Haus, um so wohlhabender).
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Bild 4. Durchschnittliche Zahl an Feuerstellen, 1662-1666
Quelle: Die Werte der durchschnittlichen Zahl an Feuerstellen in den einzelnen Gemeinden stammen von Champion 1995: 104-107.
In dieser Karte ist erkennbar, dass die Haushalte mit mindestens 4,6 Feuerstellen pro Haushalt hauptsächlich in der Innenstadt und in den westlichen Gebieten zu finden waren. Die Mehrheit der Haushalte mit 3,0 bis 4,5 Feuerstellen pro Haus befand sich in der City in den Gebieten entlang der Stadtmauer und der Themse. Arme Gemeinden mit durchschnittlich weniger als 3,0 Feuerstellen fand man in der Innenstadt nur wenige. Im Gegensatz dazu wiesen fast alle Gemeinden östlich und nordöstlich der Innenstadt ein sehr geringeres Wohlstandsniveau auf. Auch die Gemeinden im Norden der Stadt verzeichneten einen eher geringen sozialen Status mit höchstens 4,5 Feuerstellen pro Haushalt.
Zwar konnten auch in Bild 4 aufgrund fehlender Daten nicht für alle Gemeinden Angaben gemacht werden, ein allgemeiner Trend ist in den beiden Karten jedoch erkennbar. Generell gesehen lebten die wohlhabenderen Londoner in der City und westlich der Stadt, während die ärmere Bevölkerung eher in den Liberties und den Vororten im Osten, Norden und Süden, als auch in den innerstädtischen Gemeinden entlang des Themse-Ufers und der Stadtmauer anzutreffen war. Dieser Trend wird auch in der letzten Übersicht erkennbar, in der der Anteil adliger und armer Bewohner in verschiedenen Teilen der Stadt aufgelistet ist. Als "Adlige" wurden von Power (1986: 205) dabei die Personen definiert, die in einer Aufzählung von Steuerzahlern in den 1660er Jahren als Sir, Esquire, Gentleman, Stadtrat
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oder Bischof bezeichnet wurden, während die, die als Arme, Rentner oder von der Steuer Befreite betitelt wurden, als "Arme" aufgeführt sind.
Tabelle 3. Anteil der adligen und armen Bevölkerung in verschiedenen Teilen Londons in den 1660er Jahren
Quelle: Power 1986: 205
Wie die Tabelle zeigt, war der Anteil an adligen Gemeindemitgliedern im westlichen Teil Londons mit 3,7 Prozent am höchsten. Auch im Zentrum der City war deren Anteil mit durchschnittlich 1,2 Prozent verhältnismäßig hoch. Im Vergleich dazu lebten in den innerstädtischen Ufergebieten und in den Gemeinden entlang der Stadtmauer nur wenige Adlige, wobei jedoch ein Mehranteil in den Ufergebieten erkennbar ist. Im Osten war der Anteil adliger Bewohner verschwindend gering. Dafür hatte dieses Gebiet den höchsten Prozentsatz an armen Menschen zu verzeichnen. Die Zahl der Armen überstieg die der Reichen hier um mehr als das 500 fache. Daneben wiesen auch die Gemeinden im Norden der Stadt und in der City entlang der Stadtmauer eine große Zahl an armen Einwohnern auf. In den nördlichen Stadtgebieten kamen auf einen Adligen etwa 80 arme Bewohner, in den Gebieten an der Stadtmauer etwa 225. Eine soziale Ungleichverteilung innerhalb Londons ist also auch in dieser Übersicht zweifellos feststellbar. Die Frage ist jedoch, wie es zur Ausbildung einer solch starken sozialen Heterogenität kam. Dies soll im nächsten Abschnitt beantwortet werden.
2.2. Ursachen
Als Hauptgrund für die ausgeprägte soziale Heterogenität im London der frühen Neuzeit wird in der Literatur meist die Zonierung nach Arbeits- oder Einkommensgruppen genannt, die sich im Verlauf des 16./17. Jahrhunderts zunehmend herausgebildet hatte. Wie Power (1986: 215) erklärt, fand die Viertelsbildung im Europa des Mittelalters noch nach Berufsgruppen statt. Tischler lebten mit Tischlern zusammen,
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Buchhändler mit Buchhändlern und Kaufleute mit Kaufleuten. Eine Verteilung hinsichtlich sozialer Zugehörigkeit gab es nicht, wodurch Menschen unterschiedlicher sozialer Klassen meist in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander lebten (Boulton 1987: 166). Diese "social cohesion" (Boulton 1987: 166) wurde in den darauf folgenden Jahrhunderten jedoch mehr und mehr aufgebrochen und durch eine Verteilung basierend auf Einkommen und Wohlstand ersetzt (Power 1986: 215; Boulton 1987: 166). Die Menschen suchten sich ihre Wohngegend nicht mehr nach gleichgesinnten Händlern oder Handwerkern aus, sondern wollten nun unter denen sein, die das gleiche Einkommenslevel hatten (Power 1986: 215).
Eine reine Zonierung nach Berufsgruppen war im London des 17. Jahrhunderts jedoch nicht zu beobachten. Zwar schlossen sich Händler mit Händlern und Handwerker mit Handwerkern zusammen, jedoch siedelten sich diese Gruppen in den Gegenden an, die ihrem Grad des Wohlstands und Verdiensts entsprachen. Demnach konzentrierten sich die Händlergruppen vor allem in den Gemeinden mit hohem bis mittlerem Wohlstand und die Handwerker- und angelernten Gruppen in den Gemeinden mit mittlerem bis niedrigem Wohlstand (Power 1986: 216-218). Daraus resultierte wiederum eine klare soziale Topografie Londons, in der sich die wohlhabenderen Händler und Handwerker vorwiegend im Zentrum der City niederließen, die ärmeren Handwerker, Arbeiter und an- oder ungelernten Arbeitskräfte jedoch eher in den Randgebieten der Innenstadt und in den Vororten (Clout 1991: 67). In den Westminster-Gebieten fand man neben reichen Kaufmännern vor allem wohlhabende Bürger, die am königlichen Hof oder bei der Justiz tätig waren (Earle 1994: 12). Der Grund für diese Mischform zwischen beruflicher und sozialer Zonierung liegt hauptsächlich darin begründet, dass der ausgeführte Beruf meist mit einem gewissen Wohlstandsniveau im Zusammenhang steht; eine Zonierung nach Berufsgruppen folglich eine gleichzeitige Zonierung nach sozialen Klassen nach sich zieht.
2.3. Soziale Unterschiede innerhalb der Gemeinden
Wie man den vorhergehenden Ausführungen entnehmen konnte, gab es im London des 16./17. Jahrhunderts soziale Unterschiede zwischen einzelnen Gemeinden. Power (1986: 218) bemerkt dahingehend jedoch, dass es nicht der Fall war, dass eine spezielle Berufs- oder Einkommensgruppe einzig und allein den Charakter eines Stadtviertels bestimmte. Und auch Slack (1985: 164) führt an, dass "the 'poor' and 'rich' parishes to which we have so often referred were never homogeneous in their social make-up". In den Gemeinden bestand eher ein Mix aus verschiedenen sozialen Gruppen, nur mit der Einschränkung, dass bestimmte Gruppen in bestimm-
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ten Gegenden oftmals überrepräsentiert waren. Daher ist es interessant, auch einen Blick auf die innere Beschaffenheit einzelner Gemeinden zu werfen. Die Frage dabei ist vor allem, ob sich die Reichen bzw. Armen innerhalb der Gemeinden in speziellen Straßen angesiedelt haben.
Wie man in Bild 5 sieht, waren die Behausungen wohlhabender Londoner, gemessen an der Anzahl der Feuerstellen, meist an Hauptdurchfahrtsstraßen zu finden.
Bild 5. Durchschnittliche Anzahl an Feuerstellen in innerstädtischen Straßen, 1666
Quelle: Power 1986: 207
So befanden sich beispielsweise entlang der West-Ost-Verbindung zwischen Newgate und Aldgate (Newgate Market, Cheapside, Lombard Street und Fenchurch Street) hauptsächlich große Häuser mit durchschnittlich 5,8 bis 6,5 Feuerstellen. Der Umstand, dass die wohlhabenden Bürger Londons große Straßen bewohnten, zeigt sich auch in Tabelle 4a, in der Power (1986: 210) für 20 City-Gemeinden die durchschnittliche Anzahl an Feuerstellen in Hauptverkehrsstraßen, Wegen, Hinterhöfen und Gassen ermittelt hat.
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Tabelle 4. Behausungen in Straßen, Wegen, Hinterhöfen und Gassen
(a) Behausungen in Straßen, Wegen, Hinterhöfen und Gassen
(b) Andere Charakteristika der Behausungen
Quelle: Power 1986: 210
Demnach nimmt die Zahl der Feuerstellen und damit die Größe der Häuser von den Straßen zu den Gassen kontinuierlich ab. Außerdem erkennt man in Tabelle 4b, dass in Straßen mehr Adlige lebten als auf Wegen oder in Gassen, Straßengebäude eher von Institutionen genutzt wurden, die geringste Leerstandsrate zu verzeichnen hatten und am seltensten von Witwen 4 oder Armen bewohnt waren. Straßen waren laut Power (1986: 210) "the place to be", da die Bewohner hier mehr Luft, Licht und Platz zum Leben hatten als in den Gassen, die oftmals sehr eng bebaut waren und dadurch nur wenig Licht und Luft hineinließen (Power 1986: 209; Brett-James 1935: 41, Earle 1994: 10). Da sich diese mangelhaften Wohnverhältnisse sicher auch in den Mietpreisen niederschlugen, ist es nicht verwunderlich, dass Gassen und Hinterhöfe den größten Anteil an armer Bevölkerung und Witwen zu verzeichnen hatten. Allerdings war eine Vielzahl der Hinterhöfe auch von Adligen bewohnt. Wahrscheinlich war dies
4 In dieser Tabelle sind Witwen als Charakteristikum aufgeführt, da diese zu den ärmeren Bevölkerungsgruppen gehörten (Boulton 1987: 181) und somit als Vergleichskriterium für den Wohlstand der einzelnen Wohngegenden genutzt werden können.
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Arbeit zitieren:
Alena Friedrich, 2003, Die Große Pest von London im Jahre 1665, München, GRIN Verlag GmbH
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