Interpretationshilfen in der taz Amerikabild
Christian Rell
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungen 4
Abbildungen und Tabellen 5
1 Einleitung 6
2 Wie entstehen Bilder? 7
2.1 Schemata und Kontextualisierungshilfen 7
2.2 Die Empfängerseite 8
2.2.1 Denken in Mustern 8
2.2.2 Schemata (Rezeption) 9
2.2.3 andere Interpretationsmuster - Denken in Stereotypen 11
2.3 Die Seite der Kommunikatoren 12
2.3.1 Hinführung - Interpretationshilfen der Medien 12
2.3.2 Themenauswahl 13
2.3.3 Framing 14
2.3.3.1 Allgemein 14
2.3.3.2 Halbnachrichten - Weglassen Platzierung 16
2.3.3.3 thematische und episodische Frames 17
2.3.3.4 Zuschreibung von Verantwortung 17
2.3.4 Stereotypisierung 18
2.3.5 andere Kontextualisierungshilfen 22
3 Eine Untersuchung des Amerikabildes 23
3.1 Geschichtlicher Abriss 23
3.2 Notwendigkeit der Untersuchung des deutschen Amerikabildes 25
3.3 Konzeption der Inhaltsanalyse 27
3.4 Hypothesen 29
3.4.1 Frames 29
3.4.1.1 Stilmittel und Techniken des Journalisten 29
3.4.1.2 Framing in faktenorientierten vs. meinungsorientierten Formaten 29
3.4.1.3 Bezugsebenen der Frames 29
3.4.1.4 Dominanz einzelner Frames im zeitlichen Verlauf 30
3.4.1.5 Framing in episodischen oder thematischen Nachrichten 30
3.4.1.6 thematische Verteilung von Frames 30
3.4.2 Stereotypen 31
3.4.2.1 Stereotypisierung in faktenorientierten vs. meinungsorientierten Formaten 31
3.4.2.2 Bezugsebenen von Stereotypen und negative vs. positive Stereotypen 31
3.4.2.3 Konzentration auf einzelne Stereotypen 32
3.4.2.4 Die Stilform des Zitierens und Autostereotypisierung 32
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Interpretationshilfen in der taz Amerikabild
Christian Rell
3.5 Medienauswahl, Stichprobe und Operationalisierung 32
3.5.1 Medienauswahl 32
3.5.2 Zeitraum und Stichprobe 35
3.5.3 Zugriffskriterium „Was ist (deutsche) Amerikaberichterstattung?“ 37
3.5.4 Analyseeinheit 38
3.5.5 Variablen - Kurzbeschreibung 39
3.5.6 Erkenntnisse aus Testcodierungen und Pre-Tests 45
3.5.7 Erklärungen zum Codebuch (wurde in den Anhang verlegt) 45
3.6 Auswertung 45
3.6.1 Allgemein 45
3.6.2 Frames 46
3.6.2.1 Rahmendaten 46
3.6.2.2 Hypothesenüberprüfung 47
3.6.3 Stereotypen 49
3.6.3.1 Rahmendaten 49
3.6.3.2 Hypothesenüberprüfung 50
3.6.3.3 Sonstige interessante Ergebnisse und Anschlussfragen 55
4 Schlussbetrachtung 56
Literaturverzeichnis 58
Stichwortverzeichnis 64
Anhang 65
Codebuch 65
Schaubilder und Tabellen 74
Paradebeispiele 90
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Abkürzungen
Abb. Abbildung bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise f. folgende ff. fortfolgende Hrsg. Herausgeber/Herausgeberin i.d.S. in diesem Sinne o. ohne S. Seite s. siehe Tab. Tabelle u. a. unter anderem US United States USA United States of America Verf. Verfasser/Verfasserin vgl. vergleiche
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Abbildungen und Tabellen
Abbildungen
Abb. 1: Zu jedem Frame passt ein Schema 10 Abb. 2: Codierte Zeiträume 36 Abb. 3:
Abb. 4: Abb. 5: Abb. 6: Freiheitsstereotypen im Vergleich (vor und nach dem Krieg)
Abb. 7: Häufigkeit von Stereotypen im zeitlichen Verlauf Abb. 8: Codierte Artikel in den einzelnen Zeitabschnitten Abb. 9: Frametypen im zeitlichen Verlauf ANHANG Abb. 10: Vorkommen typischer Kriegsframes ANHANG
Tabellen
Tabelle 1: Verbindung von Frames und Anführungszeichen ANHANG Tabelle 2: Vorkommen von Anführungszeichen ANHANG Tabelle 3: Häufigkeiten von Metaphern ANHANG Tabelle 4: Häufigkeit der Stereotypen nach Formaten ANHANG Tabelle 5: Anzahl der Stereotypen nach Bezugsebenen ANHANG Tabelle 6: Bezugsebene Thema ANHANG Tabelle 7:
Tabelle 8: Tabelle 9: Tabelle 10: Bezugsebenen von Artikeln und dem Framing im Vergleich ANHANG
Tabelle 11: Bilanzierte Stereotypen ANHANG
Tabelle 12: Anzahl zitierter Stereotypen ANHANG
Tabelle 13: Zitierte Stereotypen (nach Nationalität des Zitierten) ANHANG
Tabelle 14: Frames in episodischen und thematischen Artikeln ANHANG
Tabelle 15: Framing in den einzelnen Genres ANHANG
Tabelle 15: Häufigkeit von Frames in den einzelnen Zeitabschnitten ANHANG
Tabelle 16: Framing nach Quellen ANHANG
Tabelle 17: Frames nach einzelnen Bezugsebenen ANHANG
Tabelle 18: Gemeinsames Auftreten von Frames und Stereotypen ANHANG
Tabelle 19: Welche Frameform ist vorrangig? ANHANG
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1 Einleitung
Empirische Studien belegen die Tendenz zur kommentierenden Berichterstattung und zur einseitigen Nachrichten- und Quellenauswahl. 1 Es entwickeln sich Hybridformen des Nachrichtenjournalismus. 2 Nachricht und Kommentar synchronisieren zunehmend. 3 Die strikte Trennung von Nachricht und Meinung (Trennungsgrundsatz) scheint durch unterschwellige Manipulationsversuche gefährdet zu sein. Meinungen sind in einer demokratischen Gesellschaft geradezu erwünscht, aber sollen diese in Nachrichten auftauchen? Die Qualität der Massenmedien in Deutschland leidet. 4 Die überwiegende Darstellung bedeutungsloser Details ist eine traurige Entwicklung der Informationsvermittlung durch die Massenmedien - aber auch gleichzeitig ein Nachweis für die Existenz und Anwendung von Schemata. 5 BROSIUS nennt dies ein „uniformes Informationsangebot“ 6 , und genau dieses soll in dieser Arbeit am Beispiel Amerika untersucht werden (s. Punkt „3 Eine Untersuchung des Amerikabildes“). Insbesondere Stereotypen haben in diesem Prozess einen starken Einfluss: „It is evident that stereotypes serve political, social and ideological functions and that we reject and condemn some stereotypes at the same time as we advance our own.“ 7
Im ersten Teil dieser Arbeit soll auf die Frage eingegangen werden, warum Menschen stereotypisieren, warum sie Schemata benutzen und wie sich dieser Prozess im weiteren Verlauf gestaltet bis hin zu einem „Nationenbild“. Der erste Teil kann daher als theoretischer Unterbau für die nachgelagerte Inhaltsanalyse im zweiten Teil dieser Arbeit gesehen werden, in welchem untersucht werden soll welche Instrumente Journalisten heranziehen, um ein solches Nationenbild aufzubauen, und wie ein solches im konkreten Fall von Amerika aussieht. Mitglieder fremder Gruppen werden nicht nur stereotyper, sondern im Positiven wie Negativen auch extremer beurteilt, da über sie ein weniger genaues Wissen existiert als über die Eigengruppe. 8
Die Grundlagen für die nachfolgende Untersuchung wurden im Rahmen eines Projektseminars des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin erarbeitet. Ziel des Seminars war „eine inhaltsanalytische Untersuchung stereotypischer ‘Frames’, die das Bild der USA in den deutschen Medien kennzeichnen.” 9 Dies sollte unter Berücksichtigung der Forschungsliteratur zur Rolle der Medien bei der Entstehung und Verbreitung nationaler Stereotypen und Images geschehen.
1 s. Erbring, Lutz, Nachrichten zwischen Professionalität und Manipulation. Journalistische Berufsnormen und politische Kultur, in: Kaase, Max und Schulz, Winfried (Hrsg.), Massenkommunikation: Theorien, Methoden, Befunde, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 30,Westdeutscher Verlag, Opladen, 1989, S. 301-313, hier: S. 308 ff.
2 s. Erbring, Lutz, Nachrichten zwischen Professionalität und Manipulation (1989), S. 312.
3 vgl. Schönbach, Klaus, Trennung von Nachricht und Meinung. Empirische Untersuchung eines journalistischen Qualitätskriteriums, Verlag Karl Alber, Freiburg/München, 1977.
4 s. Schönbach, Klaus, Trennung von Nachricht und Meinung (1977), S. 161.
5 s. Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung?, in: Publizistik, 1991, S. 285-297, hier: S. 289.
6 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 289
7 Oakes, Penelope J.; Haslam, S. Alexander und Turner, John C., Stereotyping and Social Reality, Blackwell, Oxford und Cambridge,
1994, S. 199.
8 s. Bergmann, Werner, Was sind Vorurteile?, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Informationen zur politischen Bildung (Heft 271): Vorurteile - Stereotype - Feindbilder , Bonn, 2. Quartal 2001, S. 3-9, hier: S. 3ff.
9 Erbring, Lutz, Beschreibung des Seminargegenstandes „Antiamerikanismus in deutschen Medien? Synchronisations- und Frame-Analyse (Teil II).
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2 Wie entstehen Bilder?
2.1 Schemata und Kontextualisierungshilfen
Kategorisierungen wie Frames, Schemata und Stereotypen sind Beispiele für „social cognition“ 11 und sollen hier beleuchtet werden. Menschen besitzen von Natur aus die Fähigkeit, Informationen in Beziehung zu verschiedenen ihnen bekannten Frames zu setzen. 12 Der Journalist kann durch Nutzung solcher ihm bekannten Frames versuchen, genau einen Frame in Verbindung mit einem von ihm beschriebenen Ereignis zu bringen. Solche Kategorisierungen haben eine Gemeinsamkeit: „A category is an abstract structure of knowledge that groups things that hold together on the basis of coherence.“ 13 Die Funktion solcher Kategorien kann Informationsverdichtung (s. 2.3.4 Stereotypisierung ) aber auch Exploration sein: “Categorizing is not only a way of managing a vast amount of data, it is also a manner of extrapolating from a little information [...].” 14 Insbesondere die umfassende Vorurteilsforschung hat sich solchen Kategorienbildungen gewidmet:
„Zur Orientierung in unserer Umwelt müssen wir Kategorien bilden, um die eintreffenden Informationen zu ordnen [...] Diese im Laufe der Erziehung gelernten Kategorien sind jedoch überwiegend nicht neutral,
15 sondern schließen Wertungen ein, die sich entsprechend auf die kategorisierten Objekte übertragen.“ „Gewöhnlich enthalten bereits die Grundformen sozialer Kategorisierung Momente stereotyper Wahrnehmung und die eigene Gruppe begünstigende Vorurteile: Die Beurteilung von Personen wird, wie psychologische Experimente gezeigt haben, systematisch verzerrt, indem wir sie bestimmten Gruppen zuordnen. Die Mitglieder innerhalb einer Gruppe werden als ähnlicher beurteilt als sie tatsächlich sind, während die Unterschiede zwischen den Angehörigen verschiedener Gruppen überschätzt werden.“ 16 Solche Verzerrungen erstrecken sich über den gesamten Meinungsbildungsprozess: „Denn das, was die Medien als ‚Ereignis’ begreifen, ist bereits das Ergebnis von Selektions- und Verarbeitungsprozessen. [...] Auch Ereignisse müssen erst als solche definiert werden, indem das kontinuierliche Geschehen interpunktiert, indem sinnvolle ‚Figuren’ von einem irrelevanten ‚Hintergrund’ abgehoben werden.“ 17 Auch hierauf soll in dieser Arbeit kurz eingegangen werden. Ein Beispiel dafür, wie durch geschickte Perspektivierung sogar eine Manipulation von Nachrichten und damit des Lesers ablaufen kann macht KAUFMANN: „’Die Terroranschläge in Irak reißen nicht ab...Unterdessen sind die Chancen von US-Präsident George W. Bush auf Wiederwahl gesunken.’ Das funktioniert: Ein Zusammenhang ist nicht behauptet, nur nahe gelegt.“ 18 Unterschwellig werden die Terroranschläge und George W. Bush miteinander in Verbindung gesetzt (s. Responsibilityframe).
10 Lippman, Walter (1922), zitiert von: Noelle-Neumann, Elisabeth, Wirkung der Massenmedien auf die Meinungsbildung, in: Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried und Wilke, Jürgen (Hrsg.), Publizistik / Massenkommunikation, Das Fischer Lexikon, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M., 1994, S. 554.
11 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition, SAGE Publications, London/Thousand Oaks/New Delhi, 1994, S. 76.
12 s. Donati, Paolo R., Political Discourse Analysis, in: Diani, Mario und Eyerman, Ron (Hrsg.), Studying Collective Action, Sage, London,
1992, S. 141.
13 Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 76.
14 Leyens, Jacques-Philippe, Sommes-nous tous des psychologues? Approche psychosociale des théories implicites de personnalité, Mardaga, Brüssel, 1983, S. 35.
15 Bergmann, Werner, Was sind Vorurteile? (2001), S. 3-9, hier: S. 5.
16 Bergmann, Werner, Was sind Vorurteile? (2001), S. 3-9, hier: S. 5.
17 Schulz, Winfried, Nachricht, in: Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried und Wilke, Jürgen (Hrsg.), Publizistik / Massenkommunikation, Das Fischer Lexikon, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M., 1994, S. 337.
18 Kaufmann, Stephan, Manipulation, Berliner Zeitung vom 20.11.2003, S. 2.
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Beobachten wir einen allgemeinen Verfall der journalistischen Standards? Betreiben Journalisten bewusste Meinungsmanipulation im Gewand informierender Berichterstattung 19 oder versuchen sie einen Beitrag zu leisten, ein Ereignis aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und damit zur Meinungsvielfalt beizutragen? Letztere Absicht ist von Fairness und Neutralität geprägt, und wenn überhaupt manipuliert wird geschieht dies als ungewollte Fehlleistung. 20 Journalisten wissen über ihre Leser Bescheid, und sie nutzen dieses Wissen, um eine Nachricht zu konstruieren, denn „wenige Hinweisreize genügen, die Information zu deuten und entsprechende Handlungsmuster einzuleiten oder nicht.“ 21 Journalisten erfüllen hiermit eine Art Sozialisationsfunktion. 22
Im empirischen Teil dieser Arbeit soll auch auf bereits vorliegende Untersuchungsergebnisse zurückgegriffen werden. Ist in dieser Hausarbeit von „wir“ die Rede, so sind damit die Projektseminargruppen „Amerikabild“ des Sommersemesters 2003 und des Wintersemesters 2003/04 unter der Leitung von Herrn Prof. Erbring gemeint.
2.2 Die Empfängerseite
2.2.1 Denken in Mustern
Wie kommt Information in unsere Kategorien, und wie erinnern wir uns daran? LEYENS, YZERBYT UND SCHADRON geben eine Antwort: „[...] perceived information is stored in memory and remains there unchanged until it is retrieved [...] it is available but not accessible.” 23 Menschen nutzen mentale “shortcuts” die sie bevorraten, um neue Informationen mit den Erkenntnissen die sie über die Welt haben in Verbindung zu bringen: „The incoming information provides cues about which is the right container for that idea or experience. And the efficient thinker makes the connection, a process called ‘indexing’, and moves on.” 24 Verstehen heißt Muster wiedererkennen die man bereits kennt. 25
Menschen analysieren nicht jede einzelne Informationseinheit, sondern verarbeiten größere Sinneinheiten. Hinter dem Sichtbaren von hypothetisch-theoretischen Konstrukten wie Frames und Schemata stehen Muster und Strukturen. „Sie werden zur Erklärung benutzt, indem auf der Oberfläche unterschiedlich scheinende Phänomene oder Prozesse durch Rückgriff auf ihnen zugrunde liegende strukturelle Ähnlichkeiten verstanden und erklärt werden.“ 26 Manche dieser Konzepte zur Informationsverarbeitung scheinen dominant zu sein. 27
19 s. Erbring, Lutz, Nachrichten zwischen Professionalität und Manipulation (1989), S. 301-313, hier: S. 304.
20 s. Erbring, Lutz, Nachrichten zwischen Professionalität und Manipulation (1989), S. 308.
21 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 294.
22 s. Pürer, Heinz, Einführung in die Publizistikwissenschaft. Systematik, Fragestellungen, Theorieansätze, Forschungstechniken, UVK Medien, Konstanz, 1998, S. 92-93.
23 Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 77.
24 Lippmann, Walter, Public Opinion, The Free Press, New York, 1921.
25 vgl. Schank, R., Tell Me A Story: Narrative and Intelligence, Northwestern University Press, Evanston, 1990, S. 71 und vgl. Lippmann, Walter, Public Opinion (1921).
26 Bonfadelli, Heinz, Medieninhaltsforschung: Grundlagen, Methoden, Anwendungen, UKV Verlagsges., Konstanz, 2002, S. 143.
27 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 95.
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2.2.2 Schemata (Rezeption)
„Der Schema-Begriff hat in der psychologischen Literatur so viele verschiedene Ausformungen erhalten, daß er klare Konturen verloren hat.“ 29 Die ersten Arbeiten zur Schema-Theorie gehen auf PIAGET 30 und BARTLETT 31 zurück. Die menschliche Wahrnehmung greift hiernach auf Erwartungen zurück, und als solche lassen sich Schemata betrachten. 32 Demnach hat der Mensch in Lebenssituationen eine genaue Vorstellung von dem was ihn erwarten wird; er kann Abläufe aufgrund seiner Erfahrungen vorhersehen (vgl. „Restaurant-Schema“ 33 ). „Objekte, die in allen Aspekten dem Schema entsprechen, kann man als Prototypen bezeichnen.“ 34 Sie stehen aber auch mit Stereotypen in Verbindung. 35 „Prototypes, consiting of the attributes of the typical category member, exist for many categories.“ 36 Jedem Schema entspricht demnach ein Prototyp. „Da nur wenige Attribute notwendig sind, um ein Schema zu aktivieren, läuft schematische Verarbeitung auch immer Gefahr, voreingenommen oder stereotyp zu sein.“ 37 So zum Beispiel beim Prototypen eines Politikers. Schemata beziehen sich „auf die inhaltlichen Aspekte von sozialer Kognition“ 38 . Mitteilungsinformation und Schemainformationen werden verknüpft und daraus Erwartungen abgeleitet, die zumeist durch Konklusion hinzugedacht werden. 39 Kognitive Strukturen wie Schemata reduzieren sinnvoll die Informationsmenge. Details und Fakten können für die Nachrichtenverarbeitung anscheinend vergessen werden, wenn zumindest die „regelhafte Bedeutung behalten“ wird. 40 „Mit der Aktivierung der Schemata ist im allgemeinen eine mehr oder weniger große Umorganisation der jeweils repräsentierten Informationen verbunden.“ 41
Küchenutensilien bspw. werden nur deshalb unter Küchenutensilien subsumiert, weil sie ähnliche Funktionen erfüllen. 42 Bei der Nachrichtenverarbeitung haben Schemata nach GRABER mindestens vier verschiedene Funktionen:
1. Bestimmung welche Informationen aufgenommen und weiterverarbeitet werden,
2. Unterstützung bei der Einordnung von Informationen,
3. Informationslücken schließen durch im Schema angesprochenes Vorwissen (Inferenzfunktion) und
4. Bereitstellung von Problemlösungen. 43
28 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 288.
29 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 287.
30 Piaget, Jean, The Language and Thought of a Child, o. Verlag, New York, 1926.
31 Bartlett, Frederick C., Remembering: A study in experimental and social psychology, Cambridge University Press, Cambridge, 1932.
32 s. Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 286.
33 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 286 und Bonfadelli, Heinz, Medieninhaltsforschung (2002), S. 144.
34 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 286.
35 Stephan, Walter G., A Cognitive Approach to Stereotyping, in Theory and Research, in: Bar-Tal, Daniel; Graumann, Carl F.; Kruglanski, Arie W. und Stroebe, Wolfgang (Hrsg.), Stereotyping and Prejudice. Changing Conceptions, Springer Verlag, New York/Berlin/Heidelberg u.a., 1989, S. 40.
36 Stephan, Walter G., A Cognitive Approach to Stereotyping (1998), S. 41.
37 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 287.
38 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 294.
39 s. Schulz, Winfried, Kommunikationsprozeß, in: Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried und Wilke, Jürgen (Hrsg.), Publizistik / Massenkommunikation, Das Fischer Lexikon, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M., 1994, S. 157.
40 s. Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 294 u.288.
41 Schulz, Winfried, Kommunikationsprozeß (1994), S. 156.
42 vgl. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 76.
43 s. Graber, Doris, Processing the News. How People Tame the Information Tide, New York, 1984 und s. auch Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991).
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Der Rezipient nimmt die Welt um sich herum nicht „Eins zu Eins“ wahr, sondern er konstruiert vielmehr die Welt um sich herum. Aufgenommene Schlüsselsignale werden gemeinsam mit Schema-Erinnerungen verarbeitet und formen Szenarios. Ein Schema ist also ein Set von Attributen, und der Mensch weiß, dass Attribute in der Umwelt manchmal gemeinsam auftauchen. 44 Schemata sind „biased“, d.h. der Mensch schenkt Informationen Aufmerksamkeit, die mit Hypothesen konform sind und sie erinnern sich auch einfacher daran. 45 Schemata übernehmen die Interpretation eingehender Informationen und lenken die Suche nach weiteren Informationen (top-down-Verarbeitung). Solche Interpretationsraster werden schon und insbesondere im Kindesalter ausgebildet. 46
Durch die Abkehr von der Allmachtstheorie der Medien richtete sich das Hauptaugenmerk der Medienwirkungsforschung auf den Rezipienten: „Die Verarbeitung von Information rückte in den Vordergrund, und damit Ansätze aus der kognitiven Psychologie, allen voran die Schema-Theorie.“ 47 Ein Beispiel für diese „publikums- oder rezipientenzentrierte Perspektive“ 48 der Forschung: SMITH untersuchte die Wirkung von auf diese Weise manipulierten Informationen, indem er Testpersonen persuasive Texte vorlegte. 49
Auch in der Vorurteilsforschung spielen Schemata eine große Rolle: „Vorurteile werden häufig durch Vergleiche zwischen der eigenen und anderen Gruppen ausgebildet, wobei jede Gruppe ihr positives Selbstbild zum Maßstab der Bewertung macht. Merkmale werden also anderen Personen oder Gruppen nicht absolut zugeschrieben [...] im Vergleich gewonnenen Fremdbilder müssen nicht bei jedem Kontakt neu entwickelt werden, sondern werden als ‚Gruppenkonzept’ oder ‚Schema’ gespeichert.“ 50 (s. 2.2.3 andere Interpretationsmuster - Denken in Stereotypen).
Ein individueller Frame ist das Schema des Einzelnen. 51 In dieser Arbeit möchte ich mich jedoch weniger mit dem einzelnen Empfänger auseinandersetzen, sondern mit „Mediaframes“ (s. 2.3.3 Framing), also Schemata die gesellschaftlich verbreitet sind:
44 s. Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 285-286.
45 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 84, und s. Hewstone, Miles, Changing Stereotypes with Disconfirming Information, in: Bar-Tal, Daniel; Graumann, Carl F.; Kruglanski, Arie W. und Stroebe, Wolfgang (Hrsg.), Stereotyping and Prejudice. Changing Conceptions, Springer Verlag, New York/Berlin/Heidelberg u.a., 1989, S. 212.
46 s. Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 287-288.
47 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 285.
48 Burkart, Roland, Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft, Böhlau Studien Bücher, Wien/Köln/Weimar, 1998, S. 217.
49 s. Smith, Mary John, Cognitive Schemata and Persuasive Communication: Toward a Contingency Rules Theory, in: Burgoon, Michael (Hrsg.), Communication Yearbook, Vol. 6, o. Verlag, Beverly Hills, 1982, S. 330-362.
50 Bergmann, Werner, Was sind Vorurteile? (2001), S. 3-9, hier: S. 6.
51 s. Scheufele, Dietram A., Framing as a Theory of Mass Media Effects, in: Journal of Communication, 1999, Nr. 49(1), S. 106-107.
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2.2.3 andere Interpretationsmuster - Denken in Stereotypen
Der Begriff Stereotype ist mit der Bedeutung des Schemabegriffs verwandt. 52 Stereotypen sind in Schemata lokalisiert: „The schemata for a social group might include a group node at the highest level, with nodes for stereotype traits and distinguishing physical characteristics at an intermediate level, and nods for specific group members and expected behaviors at a lower level [...].” 53 Stereotypen sind kontextbezogene Repräsentanten von Menschen. 54
Menschen stereotypisieren auf Merkmale welche am hervorstechendsten sind. 55 Es gibt wichtige, zentrale Eigenschaften, welche Auswirkungen auf das komplette Bild über jemanden haben und dieses dominieren. 56 Der Mensch ist faul, daher gilt: „[...] salient stimuli are exzellent for processing information [...].“ 57 „Stereotypes are schematic, but schemes are among the most important tools of thought.“ 58 Stereotypen haben eine Funktion die sie mit allen anderen Generalisierungen teilen: Sie machen unsere Welt „[...]more tractable, more manageable [...]” 59 . Und weil Stereotypen lediglich Instrumente sind, sind sie neutral. 60
In einer Welt, in welcher alles viel zu komplex ist, es en detail zu erfassen braucht man seine Reduzierungsmechanismen: „the need of economizing attention is so inevitable, that the abandonment of all stereotypes for a wholly innocent approach to experience would impoverish human life“. 61 Doch Stereotypen dienen nicht nur der Informationsverdichtung. Durch die Möglichkeit mit Stereotypen eine Art Exploration zu betreiben (s. 2.1 Schemata und Kontextualisierungshilfen) kann der Mensch Wissenslücken überbrücken. Stereotypen sind somit geeignet, Information sowohl zu erweitern als auch zu verkürzen. 62 „As abstract representational structures, stereotypes help us simplify and organize the rich information we have about socially defined categories [...] Moreover, they enable us to make diverse judgments on the basis of readily available and easily processed cues such as gender, age, race, and nationality. The price of these information processing advantage is bias in judgment of individual category members.” 63
Die jeweilige Grundeinstellung des Rezipienten lenkt bis zu einem gewissen Grad die Suche nach Stereotypen. LEGGEWIE unterscheidet drei solcher Grundeinstellungen gegenüber Amerikanern: der Pro-Amerikaner, der Anti-Amerikaner und der distanzierte Beobachter. 64 Sie unterscheiden sich insbesondere in ihrer Neigung zur Pauschalierung. Generalisierung und Bewertung sind die zwei Stufen der Stereotypisierung. 65 Stereotypen spielen eine Rolle im Urteilsfindungsprozess. 66 Sie führen gemeinsam mit Faktenwissen über Vorurteile zur Urteilsbildung bis hin zur stark
52 s. Schulz, Winfried, Kommunikationsprozeß (1994), S. 155.
53 Stephan, Walter G., A Cognitive Approach to Stereotyping (1998), S. 39.
54 s. Oakes, Penelope J.; Haslam, S. Alexander und Turner, John C., Stereotyping and Social Reality (1994), S. 194.
55 so ähnlich bei Duijker, H. C. J. und Frijda, N. H., National Charakter and National Stereotypes. A Trend Report prepared for The International Union of Scientific Psychology, Vol. 1 der Serie “Surveys of Research in the Social Sciences”, International Committee for Social Sciences Documentation, Publishing Company Amsterdam, 1960, S. 116.
56 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 79.
57 Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 103.
58 Duijker, H. C. J. und Frijda, N. H., National Charakter and National Stereotypes (1960), S. 124.
59 Duijker, H. C. J. und Frijda, N. H., National Charakter and National Stereotypes (1960), S. 125.
60 s. Duijker, H. C. J. und Frijda, N. H., National Charakter and National Stereotypes (1960), S. 125.
61 Lippman, Walter, Public opinion, Harcourt Brace, New York, 1922, S. 60.
62 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 204.
63 Trope, Yaacov, Stereotypes and Dispositional Judgment, in: Bar-Tal, Daniel; Graumann, Carl F.; Kruglanski, Arie W. und Stroebe, Wolfgang (Hrsg.), Stereotyping and Prejudice (1989), S. 133.
64 s. Leggewie, Claus, Amerikas Welt: Die USA in unseren Köpfen, Hamburg, 2000.
65 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 130.
66 s. Trope, Yaacov, Stereotypes and Dispositional Judgment (1989), S. 144.
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emotionsgeladenen „Delegitimation“ 67 , wie bspw. wenn Amerika wie folgt beschrieben wird: „It is the most rabid aggressor in human history and the most ferocios common enemy of the people of the world.“ 68 Auch wenn von „Terroristen“, „Dämonen“, „Imperialisten“ oder „Faschisten“ gesprochen wird handelt es sich um eine solche Delegitimation, welche mit Ärger und Wut verbunden sind. 69 Solche Delegitimationen hat auch GOFFMAN untersucht. 70
2.3 Die Seite der Kommunikatoren
2.3.1 Hinführung - Interpretationshilfen 71 der Medien
O-Töne ohne Moderation können für den Rezipienten ein unverständliches Chaos sein. 73 Durch Interpretationshilfen, also dem Kontextualisieren, strukturieren die Medien selektiv Nachrichten vor, und machen sie so dem Rezipienten verständlich. 74 Die Berichterstattung wird in einen verständlichen Bezugsrahmen eingeordnet, ohne dass sie hierdurch Wertungen oder Urteile implizieren müssen. 75 Durch dieses Instrument kann der Journalist erreichen, dass er seinem Publikum die Freiheit zur eigenen Meinungsbildung teilweise erhält. Der Journalist kann auf sprechaktliche Features zurückgreifen, die helfen zu separieren, zu distanzieren, zu akzentuieren, zu degradieren und zu typisieren. 76 Wie CHARLOTTE RYAN zeigt, greifen dabei verschiedenste Interpretationshilfen ineinander über: "Every frame defines the issue, explains who is responsible, and suggests potential solutions. All of these are conveyed by images, stereotypes, or anecdotes." 77
Durch solche handwerklichen „Tricks“ gelingt es den Journalisten, Nachrichten zu verdichten, weil sie die dem Leser bekannten Schemata vorwegnehmen, oder ihm Stereotypen („frozen content“ 78 ) anbieten: „Categorization is widely described in the current stereotyping literature as designed to ‘reduce the total amount of information’ [...].” 79 Dies nennt man „social sharing“. Und „vielfach wird bei der Gestaltung der Aussage seitens der Kommunikatoren auch auf das vermutete Publikum Rücksicht genommen.“ 80 Diese Antizipation geschieht sowohl durch die Kenntnisse des Journalisten über das Stereotypen- als auch das Schematadenken der Rezipienten. Der Journalist schreibt oft was der Leser erwartet, denn: „ [...] people who confirm percievers´ expectancies are more liked
67 s. Bar-Tal, Daniel, Delegitimization: The Extrem Case of Stereotyping and Prejudice, in: Bar-Tal, Daniel; Graumann, Carl F.; Kruglanski, Arie W. und Stroebe, Wolfgang (Hrsg.), Stereotyping and Prejudice (1989), S. 170.
68 Piao, Lin, Defeat U.S. imperialism by people´s war, in: Fann, K. T. und Hodges, P. (Hrsg.), Reading in U.S. imperialism, Porter Sargent, Boston, 1971, S. 371-381.
69 s. Bar-Tal, Daniel, Delegitimization: The Extrem Case of Stereotyping and Prejudice (1989), S. 171-172.
70 s. Goffman, E., Stigma: Notes on the management of spoiled identity, Englewood Cliffs, Prentice Hall, 1963.
71 Wortwahl in Anlehnung an: Lang, Kurt und Lang, Gladys, The Unique Perspective of Television and its Effects, in: American Sociological Review , 1953, Nr. 18, S. 3-12.
72 Noelle-Neumann, Elisabeth, Wirkung der Massenmedien auf die Meinungsbildung (1994), S. 554.
73 s. Erbring, Lutz, Nachrichten zwischen Professionalität und Manipulation (1989), S. 301-313, hier: S. 307.
74 s. Lang, Kurt und Lang, Gladys, The Unique Perspective of Television and its Effects, in: American Sociological Review , 1953, Nr. 18, S. 3-12.
75 s. Erbring, Lutz, Nachrichten zwischen Professionalität und Manipulation (1989), S. 301-313, hier: S. 307.
76 s. Graumann, Carl Friedrich und Wintermantel, Margret, Discriminatory Speech Acts: A Functional Approach, in: Bar-Tal, Daniel; Graumann, Carl F.; Kruglanski, Arie W. und Stroebe, Wolfgang (Hrsg.), Stereotyping and Prejudice (1989), S. 194 (Schaubild 9.1).
77 Ryan, C., Prime Time Activism: Media Strategies for Grass Roots Organizing, South End Press, Boston, 1991, S. 59.
78 Bar-Tal, Yoram, Can Leaders Change Followers´ Stereotypes?, in: Bar-Tal, Daniel; Graumann, Carl F.; Kruglanski, Arie W. und Stroebe, Wolfgang (Hrsg.), Stereotyping and Prejudice (1989), S. 227.
79 Oakes, Penelope J.; Haslam, S. Alexander und Turner, John C., Stereotyping and Social Reality (1994), S. 102.
80 Pürer, Heinz, Einführung in die Publizistikwissenschaft (1998), S. 102.
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than those who disconfirm them [...].” 81 Dennoch kann gezielte Information Denkmuster verändern: „[...] stereotypes can be changed by the presentation of disconfirming information.” 82
Die Wahrnehmungschancen der Informationen erhöhen sich, wenn der Journalist die Grundeinstellung seiner Leser berücksichtigt und diese als Bezugsrahmen für die Darstellung von Informationen verwendet. 83 Der Journalist muss insoweit selbst zum Publikum werden, als dass er sich ebenso bestehenden Frames gegenübersieht. Manchmal ist die Professionalität oder auch der „common sense“ des Berufsstandes der Journalisten der Grund warum Media-Frames auf die selben Ereignisse angewendet werden. 84
Sicher ist es - wie auch eine solche Sichtweise wiedereinmal nahe legt - sinnvoll „die Effekte der Massenmedien weder als alleiniges Produkt von Medienbotschaften noch als beliebige Kreation des Publikums zu betrachten.“ 85 Eine bekannte Möglichkeit wie solche Schemata angesprochen werden können ist das Framing, denn dadurch wird eine Situation in einen Rahmen gesetzt. 86 „Für die Massenkommunikation dürfte die schematische gegenüber der episodischen Verarbeitung die größte Bedeutung besitzen, da viele Medieninhalte gleichartiger, stereotyper oder zyklischer Natur sind.“ 87
„Interpretationsschemata“ 88 und „Nachrichtenstereotypen“ die von den Journalisten angeboten werden, um die Welt deutbar und wahrnehmbar zu machen und andere Interpretationshilfen der Medien sollen nun dargestellt werden.
2.3.2 Themenauswahl
Wenn sich Realität erst durch die Medienrealität konstituiert, dann sind die Kriterien nach denen Journalisten Nachrichten auswählen von entscheidender Bedeutung. Es stellt sich die Frage, ob die Entscheidung etwas zur Nachricht zu machen, von den persönlichen oder redaktionellen Präferenzen abhängig ist, oder den professionellen Regeln unterliegt. Solche Standards sind der einzige (Selbst-)Schutz des Journalisten vor der eigenen Subjektivität und wirken einer fremdgesteuerter Manipulation des Publikums entgegen. 89 Wenn sich eine gewisse Konsonanz abzeichnet, das heißt die Vielfalt in der Berichterstattung (nicht der Kommentierungen !) eingeschränkt ist, kann eine redaktionelle Absprache vermutet werden - oder aber wir beobachten die Konsequenz einer gemeinsamen Orientierung an Nachrichtenfaktoren, also den kulturell bedingten Konventionen von Interesse und Wichtigkeit. 90 Die Nachrichtenfaktoren bestimmen was in der Zeitung steht, wie es jedoch transportiert wird entscheidet der Journalist.
81 Hewstone, Miles, Changing Stereotypes with Disconfirming Information (1989), S. 218.
82 Hewstone, Miles, Changing Stereotypes with Disconfirming Information (1989), S. 220.
83 vgl. Leggewie, Claus, Amerikas Welt: Die USA in unseren Köpfen, Hamburg, 2000.
84 s. Scheufele, Dietram A., Framing as a Theory of Mass Media Effects (1999), S. 103-122, hier: 117.
85 Früh, Werner, Medienwirkungen. Das dynamisch-transaktionale Modell. Theorie und empirische Forschung, Westdeutscher Verlag, Opladen,1991, S. 58.
86 vgl. Friedman, Alinda, Framing Pictures: The Role of Knowledge in Automatized Encoding and Memory for Gist, in: Journal of Experimental Psychology, General, 108. Jhg., 1979, S. 316-355.
87 Brosius, Hans-Bernd, Schema-Theorie - ein brauchbarer Ansatz in der Wirkungsforschung? (1991), S. 285-297, hier: S. 288.
88 Schulz, Winfried, Nachrichten, in: Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried und Wilke, Jürgen (Hrsg.), Publizistik / Massenkommunikation, Das Fischer Lexikon, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M., 1994, S. 337.
89 s. Erbring, Lutz, Nachrichten zwischen Professionalität und Manipulation (1989), S. 301-313, hier: S. 303.
90 s. Erbring, Lutz, Nachrichten zwischen Professionalität und Manipulation (1989), S. 301-313, hier: S. 304.
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2.3.3 Framing
2.3.3.1 Allgemein
Der Psychiater GREGORY BATESON benutzte 1972 als einer der ersten den Begriff “Frame”, um
das schizophrene Kommunikationsverhalten zu erklären. Nach diesem Modell „rahmen“ kontextuelle Hinweise eine Botschaft. 91 GOFFMANN entwickelte diesen Ansatz in der Sozialpsychologie weiter
und nennt Frames auch “Interpretationsschemata”. 92 BONFADELLI spricht von einer besonderen Eignung des Frame-Konzepts für die Publizistikwissenschaft und sieht ihren Einsatz insbesondere in der Kommunikator-, der Medienaussagen- und der Rezipientenforschung. 93 Er geht auf eine geeignete „Working-Definition“ nach REESE ein: „Frames are organizing principles that are socially shared and persistent over time, that work symbolically to meaningfully structure the social world.“ 94 Frames sind Formulierungshilfen in der Berichterstattung mit welchen der Journalist die Frage des Publikums „Was geht hier eigentlich vor?“ 95 zu beantworten versucht. Sie konstruieren hierdurch soziale Realität. Wie GRABER herausgefunden hat, entwickeln Menschen die Eigenart, aufgrund von gewonnenen Informationen Analogien zu bilden. 96 Nach ENTMAN framen Journalisten durch bestimmte Wortwahl oder die Verwendung von Redewendungen um etwas zu beschreiben, durch
stereotypisierte Porträtierung, durch wiederholtes Anbieten von Assoziationsmöglichkeiten oder durch die Fokussierung eines Teilaspekts unter Weglassung anderer. 97 Dies kann auch durch leicht
verständliche Analogien („Hitler-Vergleich“), durch Wortwahl („halb-voll“/“halb leer“ 98 ) durch Schlagwörter („American way of life“) und durch besonders bedeutungsvolle Synonyme („Cowboy“ oder „Weltverbesserer“ 99 ) geschehen oder durch Adjektive, welche ein Bild entstehen lassen („selbstgerechte Politik“), das ohne diese Formulierungen so nicht entstehen würden. Häufig werden Zusammenhänge auch durch geschickte Formulierungen nahegelegt: „Gute Dienste leistet hierbei das Wort ‚Unterdessen’.“ 100 Frames greifen somit auf die Erfahrungen des Lesers
zurück und dienen der Verdichtung von Information und der Kontextualisierung 101 des Themas. Frames sind also geeignet, mehrere Ereignisse in einen übergeordneten Zusammenhang zu
bringen; sie sind nicht die Ereignisse selbst, sondern eher eine Art „Backform“! Demnach können die
jeweiligen Frames immer wieder aufs Neue zur Nachrichtenkonstruktion herangezogen werden.
„Nach der bisher gültigen Definition muß der innerste Teil eines gerahmten Vorgangs etwas sein, das als untransformierte Wirklichkeit auftritt oder auftreten könnte.“ 102 Ein Frame muss nicht wertend sein, kann es jedoch. „Wer seinen Teller sauber leer ißt, kann als ausgehungert, höflich, gefräßig
oder sparsam erscheinen. Doch gewöhnlich schließt der Kontext, wie man sagt, falsche Deutungen
aus und bringt die richtige zur Geltung. [...] Und wenn der Kontext einmal nicht ausreicht, so
91 s. Bonfadelli, Heinz, Medieninhaltsforschung (2002), S. 144.
92 s. Goffman, Erving, Rahmen-Analyse. Ein Versuch über die Organisation von Alltagserfahrungen, übersetzt aus dem Amerikanischen von Vetter, Hermann, Suhrkamp, Frankfurt a. M., 1980, S. 31.
93 s. Bonfadelli, Heinz, Medieninhaltsforschung (2002), S. 146.
94 Reese, Stephen, zitiert von: Bonfadelli, Heinz, Medieninhaltsforschung (2002), S. 147.
95 Goffman, Erving, Rahmen-Analyse (1980), S. 35.
96 s. Graber, Doris, Processing the News. How People Tame the Information Tide (1984), S. 132.
97 Entman, Robert M., Framing: Toward Clarification of a Fractured Paradigm, in: Journal of Communication, 1993, Nr. 43, S. 51-58.
98 vgl. Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? How Television Frames Political Issues, in: Page, Benjamin I. (Hrsg.), American Politics and Political Economy Series, The University of Chicago Press, Chicago und London, 1991, zweites Kapitel.
99 Impliziert etwas Altmodisches, Unglaubwürdiges und wirkt gar nicht positiv.
100 Kaufmann macht hierfür ein Beispiel: “Die Terroranschläge in Irak reißen nicht ab...Unterdessen sind die Chancen von US-Präsident George W. Bush auf Wiederwahl gesunken.“, Kaufmann, Stephan, Manipulation, aus der Berliner Zeitung vom 20.11.03.
101 Den Begriff „Contextualization“ verwenden auch Lang, Kurt und Lang, Gladys, The Unique Perspective of Television and its Effects, in: American Sociological Review , 1953, Nr. 18, S. 3-12.
102 Goffman, Erving, Rahmen-Analyse (1980), S. 176.
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bemühen sich die Beteiligten, die notwendigen Daten zu schaffen, hier gewissermaßen der Natur zu sich selbst zu verhelfen.“ 103
ECO glaubt, dass der Mensch die Welt duch einen kognitiven Rahmen wahrnimmt, welcher durch seine Kultur und seine Erinnerungen geprägt wurde. 104 Frames beinhalten Vorstellungen, Bilder und Symbole die von den Menschen einer Gemeinschaft geteilt werden. 105 Die Analyse von Frames ermöglicht es zu zeigen, wie verschiedene Interpretationen und Perspektivierungen miteinander konkurrieren und dadurch zu völlig unterschiedlichen Darstellungen führen. 106 In der Vielfalt der Literatur zur Frame-Analyse lässt sich jedoch kein Konsens zu grundlegenden Fragen erkennen, z.B. was Frames überhaupt sind oder wie Kulturen und Individuen diese nutzen.
Nach GOFFMAN helfen soziale Frames bei der Lokalisierung, Wahrnehmung, Identifikation und bei der Bezeichnung von Handlungen und Ereignissen welche sich im menschlichen Miteinander ergeben. 107 Durch Framing wird soziale Wirklichkeit konstruiert: "by framing images of reality [...] in a predictable and patterned way" 108 Auch EDELMAN sieht in einer gerahmten Darstellung von Bebachtungen eine Wirklichkeitskonstruktion: "The social world is [...] a kaleidoscope of potential realities, any of which can be readily evoked by altering the way in which observations are framed and categorized". 109 Frames sind also eine Quasi-Umkehrung von Schemata: So wie der Rezipient durch Schemata die Welt um sich herum konstruiert bietet der Journalist durch seinen Frame Assoziationsmöglichkeiten einer solchen Welt. Der Journalist muss hierzu die „Kosmologie“ in der sich eine Gruppe bewegt kennen. 110 SCHEUFFELE bezeichnet einen individuellen Frame als Schema und den Medienframe als Gruppenassoziation: „Media frames also serve as working routines for journalists that allow the journalists to quickly identify and classify information [...].” 111 So werden diese Informationen zu Päckchen geschnürt, die vom Publikum effizient weiterverarbeitet werden können. 112 Für GAMSON UND MODIGLIANI sind Media-Frames definiert als eine zentral-organisierte Idee oder Rahmenerzählung welche Sinn in ein Durcheinander von Handlungsfetzen bringt. 113 GITLIN beschreibt Media-Frames als beständige kognitive Muster, durch welche die Anwender verbal oder visuell die Aussagen organisieren. 114 ENTMAN entwirft eine detaillierte Erklärung wie Media-Frames tatsächlich Schemas für Interpretationen anbieten. Für ihn sind die zentralen Faktoren das Selektieren und das Herausstellen: "To frame is to select some aspects of a perceived reality and make them more salient in a communicating text, in such a way as to promote a particular problem definition, causal interpretation, moral evaluation, and/or treatment recommendation for the item described." 115
103 Goffman, Erving, Rahmen-Analyse (1980), S. 472-473.
104 s.Eco, Umberto, The role of the Reader, Indiana University Press, Bloomington, 1979, S. 5 zitiert in: Triandafyllidou, Anna und Fotiou, Anastasios, Sustainability and Modernity in the European Union: A Frame Theory Approach to Policy-Making, unter: Sociological Research Online (www.socresonline.org.uk/socresonline/3/1/2.html), Vol. 3, Nr. 1, 1998, Zugriff am 05.03.2004.
105 s. Triandafyllidou, Anna und Fotiou, Anastasios, Sustainability and Modernity in the European Union (1998).
106 vgl. Conrad, P. undKern, R. (Hrsg.), The Sociology of Health and Illness. Critical Perspectives, St. Martin's Press, New York, 1994.
107 Goffman, E., Frame Analysis: An Essay on the Organization of Experience, New York, 1974, S. 21.
108 McQuail, D., Mass Communication Theory, An Introduction, 3. Auflage, London/Thousand Oaks/New Delhi, 1994, S. 331.
109 Edelman, M. J., Contestable Categories and Public Opinion, in: Political Communication, 1993, Nr. 10, S. 231-242, hier S. 232.
110 s. Goffman, Erving, Rahmen-Analyse (1980), S. 37.
111 Scheufele, Dietram A., Framing as a Theory of Mass Media Effects (1999), S. 103-122, hier: 106.
112 s. Gitlin, T., The Whole World is Watching. Mass Media in the Making & Unmaking of The New Left, University of California Press, Berkeley, 1980, S. 106.
113 Gamson, William A. und Modigliani, A., The Changing Culture of Affirmative Action, in: Braungart, R. G. und Braungart, M. M. (Hrsg.), Research in Political Sociology, Volume 3, London, 1987, S. 137-177, S. 143.
114 Gitlin, T., The Whole World is Watching (1980), S. 7.
115 Entman, Robert M., Framing (1993), Nr. 43, S. 51-58, hier: S. 52.
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Insbesondere wenn der Kenntnisstand der Rezipienten gering ist, kann eine Fehlrahmung oder Täuschung leicht hergestellt werden; dies ist besonders dann der Fall, wenn die Ereignisse in großer Ferne stattfinden und persönliche Erfahrungen fehlen. 116 „Informationen über einen Vorgang müssen manchmal ausschließlich den Berichten einer Person entnommen werden, die die einzige verfügbare Quelle ist. [...] Wer über ein Ereignis berichtet, ist natürlich in der Lage, den Bericht zu färben, ja er kann kaum vermeiden, daß es in ganz erheblichem Maße geschieht.“ 117 Hier darf jedoch keine Allmacht der Medien vermutete werden: Der Einfluss auf das Denken des Publikums ist jedoch nicht sicher, denn der Frame wird erst durch Interaktion von Text und Rezipient „produziert“. 118 Die Empfänglichkeit des Rezipienten für einen Frame ist bspw. stark von dessen Parteizugehörigkeit und seiner ideologischen Orientierung abhängig, wohingegen Bildung nur eine untergeordnete Rolle spielt. 119 Die größten Unterschiede in der Verwendung von Frames bestehen zwischen sogenannten „seriösen“ und „sensationsorientierten“ Medienanbietern. 120 Seriöse Medien vermischen Kommentierung und Berichterstattung nicht. 121 Boulevardistische Zeitungen schüren häufig Ängste und setzen populistische Mittel zur Darstellung anderer Völker ein und verstoßen damit - nach der Ansicht von Experten - gegen den Pressekodex. 122 Doch der Druck „kritischen Journalismus“ zu liefern ist groß, und Zeitungen tendieren daher dazu zu polarisieren. 123 Zudem muss angemerkt werden, dass Framing nicht nur durch den Journalisten, sondern bereits in der vorgelagerten Informationsbereitstellung stattfindet. 124
2.3.3.2 Halbnachrichten - Weglassen - Platzierung
Wenn eine offensichtliche Auswahl des Journalisten von an für sich faktischen jedoch einseitigen Tatbeständen zu erkennen ist liegt zwar möglicherweise kein Frame im engeren Sinne vor, jedoch ein ähnliches Instrument der „Perspektivierung“. Wenn der Journalist einen wichtigen Aspekt weglässt, dort wo es der Rezipient erwarten würde, dann gibt er damit einen Hinweis auf seine Intention; fast so wie der leere Stuhl, der an den Fehlenden erinnern soll. Journalisten greifen bei ihrer täglichen Arbeit auf Schemata zurück und: „Zur Strukturierung ihrer Texte rücke sie sodann bestimmte Aspekte der Ereignisse in den Vordergrund, während andere im Hintergrund bleiben oder gar ausgeblendet werden.“ 125 Manche Informationselemente im Framing-Prozess aufzublasen oder zu relativieren nennt ENTMAN „Sizing“. 126 Was der Rezipient nicht durch die Medien erfährt, weil dies der Nachrichtenteil verschweigt oder durch Synchronisierung aufgrund einer Kommentierung nicht zum Ausdruck kommt, kann für ihn keine Realität werden. 127
SCHÖNBACH hat bereits 1977 durch eine Untersuchung gezeigt, dass „[...] einige Massenmedien [...] durch Auswahl, Platzierung und Hervorhebung von Nachrichten ein einseitiges Bild [...] entwerfen, das mit der dazugehörigen Kommentierung übereinstimmt.“ 128 Auch Journalisten selbst
116 vgl. Goffman, Erving, Rahmen-Analyse (1980), S. 481-482.
117 Goffman, Erving, Rahmen-Analyse (1980), S. 483.
118 s. Entman, Robert M., Framing (1993), Nr. 43, S. 51-58, hier: S. 53.
119 s. Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), Einleitung.
120 s. Bonfadelli, Heinz, Medieninhaltsforschung (2002), S. 152.
121 s. Schönbach, Klaus, Trennung von Nachricht und Meinung (1977), S. 160.
122 vgl. Wetzel, Juliane, „Fremde“ in den Medien, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Informationen zur politischen Bildung (Heft 271): Vorurteile - Stereotype - Feindbilder , Bonn, 2. Quartal 2001, S. 33-37.
123 vgl. Lappin, Elena, Engel des Lichts. Zum Jahrestag des 11. September kritisieren auch amerikanische Zeitschriften die Supermacht USA - und ihre Auflagen steigen, DIE ZEIT vom 29.8.2002, S. 53.
124 s. Bonfadelli, Heinz, Medieninhaltsforschung (2002), S. 153.
125 Bonfadelli, Heinz, Medieninhaltsforschung (2002), S. 148.
126 Entman, Robert, zitiert von: Bonfadelli, Heinz, Medieninhaltsforschung (2002), S. 151.
127 s. Schönbach, Klaus, Trennung von Nachricht und Meinung (1977), S. 160.
128 Schönbach, Klaus, Trennung von Nachricht und Meinung (1977), Klappentext.
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geben diese Technik interpretativer Einfärbung von Tatsachen zu: „Die Kunst der Manipulation im Nachrichtengeschäft besteht weniger in der geschickten Lüge als vielmehr in der geschickten Montage einzelner Nachrichten.“ 129 Hierzu gehören auch bildliche Abbildungen, denn es geht nicht nur um die Tatsache, dass der Fotograf eine bestimmte „stimmungsvolle“ Perspektive gewählt hat, sondern auch darum, dass der Bildredakteur dieses Foto ausgewählt hat.
2.3.3.3 thematische und episodische Frames
SHANTO IYENGAR beschreibt zwei Arten von Nachrichtenframes: episodische und thematische. 130 Thematische Nachrichtenframes setzen (politische) Sachverhalte in einen Gesamtkontext, während der episodische Frame einzelne Ereignisse fokussiert. 131 „The essential difference between episodic and thematic framing is that episodic framing depicts concrete events that illustrate issues, while thematic framing presents collective or general evidence.“ 132 Episodische Nachrichtenframes fokussieren bei der Beschreibung eines Ereignisses ganz bestimmte Menschen, konkrete Orte zu genauen Zeiten (z.B. die „nightly crime reports” in Amerika). Nachrichten können also „konkrete Vorfälle“ sein oder ein „Thema in generellem und abstrakten Kontext“, wie bspw. ein “Backgrounder”. 133 Thematische Frames stellen Ereignisse in einen übergeordneten Zusammenhang, indem die Gesamtbedingungen unter welchen ein Ereignis stattfand dargestellt werden (z.B. ein Bericht über die Armutsentwicklung in den USA). Forscher haben gezeigt, dass diese unterschiedlichen Darstellungen Auswirkungen auf Schuldzuweisungen des Publikums haben, so z.B. IYENGAR, welcher zeigte, dass: "episodic framing tends to elicit individualistic rather than societal attributions of responsibility while thematic framing has the opposite effect." 134 Durch die Wiederholung wird eine Verbindung zwischen Handlungen und Personen hergestellt. 135
Eine ähnliche Unterscheidung wird vorgenommen, wenn Frames in Primär- und Sekundärframes unterteilt werden. Der "Primär-Frame" prägt die unmittelbare Wahrnehmung, bspw. eines Brandes vor Ort. Mehrere "Sekundär-Frames" bewirken eine Einordnung in größere Zusammenhänge (bspw. „Regierung erhöht Brandschutzbestimmungen“).
2.3.3.4 Zuschreibung von Verantwortung
Nach IYENGAR UND SIMON tendiert der Einzelne insbesondere bei politischen Themen dazu, diese auf die Frage der Verantwortlichkeit zu reduzieren: "to simplify political issues by reducing them to questions of responsibility". 136 Die Rezeption einer solchen Verantwortlichkeit ist umgekehrt wieder abhängig von der bereits bestehenden Meinung. 137 Die Frage der Verantwortlichkeit
129 Kaufmann, Stephan, Manipulation, aus der Berliner Zeitung vom 20.11.2003.
130 s. Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), Einleitung.
131 s. Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), Einleitung.
132 Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), zweites Kapitel.
133 s. Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), zweites Kapitel und s. Iyengar, S. und Simon, A., News Coverage of the Gulf Crisis and Public Opinion. A Study of Agenda-Setting, Priming and Framing, in: Communication Research, 1993, Nr. 20, S. 365-383, hier: S. 370.
134 Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), achtes Kapital.
135 vgl. Heider, F., Über Balance und Attribution, in Görlitz, D.; Meyer, W.-U. und Weiner, B. (Hrsg.), Bielefelder Symposium über Attribution, Stuttgart, 1978, S. 19-28., hier: S. 22.
136 Iyengar, S. und Simon, A. (1993). News Coverage of the Gulf Crisis and Public Opinion. A Study of Agenda-Setting, Priming and Framing. Communication Research, 20, S. 879.
137 s. Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), achtes Kapitel
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(Responsibility) ist im Framing-Konzept nach IYENGAR zentral. IYENGAR unterscheidet zwei Formen von Verantwortlichkeitsframes: causal- and treatment-responsibility. 138 Wird der Ursprung eines Problems in den Mittelpunkt gestellt (bspw. die Firmenpleiten nach Oder-Hochwasser) kann von „causal responsibility“ gesprochen werden, bei einem Fokus auf eine Person mit Machtbefugnissen ist eine „treatment responsibility“ anzunehmen. 139
Parteien wird „Responsibility“ im negativen Sinne zugewiesen, wenn sie bspw. eine schlechte Personalisierung betreiben, ein schlechtes Wahl- oder Parteiprogramm haben, ihr Wahlkampf nicht läuft, ihre politischen Entscheidungen, Anträge und Forderungen nicht überzeugend sind, unzureichende Koalitionsdiskussionen führen oder mangelhafte Aussagen hierüber machen. Hierbei könnte man von „Treatment responsibilty“ 140 sprechen, also einer Verantwortung des Handelnden („Wer hat die Macht?“ bzw. „Wer ist dafür verantwortlich“?)
Eine “causal responsibility” 141 (Ursache in der Umgebung) könnte man umgekehrt annehmen, wenn die Ursachen in einem Bereich liegen, der von den Politikern nicht kontrolliert werden kann. So z.B. die allgemeine soziale Lage (Arbeitslosigkeit, Renten, Kriminalität), Umweltereignisse (z.B. Hochwasser), die Weltwirtschaft oder das gesellschaftliche Klima.
2.3.4 Stereotypisierung
Der Begriff „Stereotype“ wurde aus zwei griechischen Wörtern zusammengesetzt: dem Wort stereos und dem Wort túpos („Starrheit“ und „Verfolgung“), und anfänglich wurde der Begriff in der Psychologie überwiegend für Routinen und andere Wiederholungen genutzt. 143 Im Druckwesen ist eine Stereotype ein Werkzeug, mit welchem Kopien von einem Text gemacht werden können. 144 Im Gegensatz zu Frames, welche sich nur auf einen Inhalt beziehen und ihre Wirkung durch ihre Funktionalität entfalten, haben Stereotypen selbst einen Inhalt.
LIPPMAN war der Erste, der 1922 Stereotypen untersuchte. 145 Nach ihm reagieren Menschen nicht unmittelbar auf die objektive Realität, sondern auf eine Repräsentation dieser die sie in ihrem Kopf geschaffen haben. Dies tun wir wegen des hohen Komplexitätsgrades der Welt: „To travers the world men must have maps of the world[...].“ 146 Für LIPPMAN sind Stereotypen ein Instrument mit
138 Iyengar, Shanto, Television News and Citizens' Explanations of National Affairs. American Political Science Review, 81, 1987, S.
815-831. / Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), Einleitung.
139 s. Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), erstes Kapitel.
140 Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), Chapter 8.
141 Iyengar, Shanto, Is Anyone Responsible? (1991), Chapter 8.
142 Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 2.
143 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 9-10.
144 “copies of the same text”, s. Oakes, Penelope J.; Haslam, S. Alexander und Turner, John C., Stereotyping and Social Reality (1994), S. 15.
145 Lippman, Walter, Public opinion, Harcourt Brace, New York, 1922 (s. Oakes, Penelope J.; Haslam, S. Alexander und Turner, John C., Stereotyping and Social Reality (1994), S. 2-3).
146 Lippman, Walter, Public opinion, Harcourt Brace, New York, 1922, S. 11.
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welchem Komplexität reduziert und sozio-kulturelle Perspektive antizipiert werden sollte. 147 Zudem haben sie die Funktion der gesellschaftlichen Ursachenzuschreibung. 148 Der erste sozialpsycholgische Ansatz zur Untersuchung von Stereotypen stammt von KATZ UND BRALY 149 , welche ab 1933 versuchten eine Verbindung zwischen Vor(ver)urteilungen und Stereotypen herzustellen. 150
In den ersten Studien galten Stereotypen hierbei noch als Fehler oder Generalisierungen 151 , was eine Verbindung zur Bias- und Accuracy-Forschung herstellt. Medienimmanente Verzerrungen des Nachrichtenjournalismus, wie Stereotypen, sind in ihrer Konsequenz für das Weltbild des Publikums keineswegs neutral und sie stellen auch keinen einseitigen Meinungsjournalismus dar. 152 Gerade dadurch, dass sich der Journalist geteilter und etablierter Denkmuster der Gesellschaft bedient (s. „Soziale Stereotypen“), darf ihm keine Subjektivität oder Voreingenommenheit oder Parteilichkeit unterstellt werden (s. 2.3.1 Hinführung - Interpretationshilfen der Medien). Dass eine Informationsverdichtung stattfindet liegt auch daran, dass Platz Geld kostet. Knackige, zugespitzte Formulierungen von Politikern werden daher von den Medien wohl lieber zitiert: „Politikerinnen und Politiker werden zu schnellen und kurzen Äußerungen und Aktionen genötigt...“ 153 Und auch die Medienvertreter selbst, die eigentlich den Regeln des „common sense“ folgen müssen, unterliegen häufig Einflüssen, welche sie zu bestimmten „anheizenden“ oder publikumswirksamen Erklärungsmustern veranlassen. 154 Die neuste Forschung beschäftigt sich jedoch nicht mehr mit der Frage, ob Menschen rational oder irrational denken, wenn sie sich Bilder von anderen machen. 155
Eine Defintion welche dieser Arbeit zugrunde gelegt werden soll ist die von LEYENS, YZERBYT UND SCHADRON: “[...]stereotypes are shared beliefs about person attributes, usually personality traits but often also behaviours of a group of people.” 156 Manche Wissenschaftler glauben hingegen, dass Stereotypen nicht zwangsläufig geteilt werden müssen und sprechen hierbei von „individuellen“ Stereotypen“. 157 Nach WEBSTER sind sie jedoch überwiegend sozialer Natur: “’A standardized mental picture held in common by members of a group and representing an oversimplified opinion, affective attitude, or uncritical judgment.’” 158 ASHMORE UND DEL BOCA bringen - um sprachliche Verwirrungen zu eliminieren - den Begriff der „cultural stereotype“ ein, wenn „geteilte“ Verallgemeinerungen gemeint sind und möchten den Begriff „Stereotype“ ohne Zusatz nur für individuelle Vorbehalte reservieren. 159 DUIJKER UND FRIJDA bringen in ihre Definition noch die Dauerhaftigkeit und die bewertende Seite zur Sprache: „A stereotype we shall define as a relatively stable opinion of a generalizing and evaluative nature. A stereotype refers to a category of people (a national population, a race, a professional group, etc.) and suggests that they are all alike in a certain respect. It is therefore an undifferentiated judgement. Furthermore, it contains, implicitly or
147 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 10.
148 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 7.
149 Katz, D. und Braly, K., Racial stereotypes of one hundred college students, in: Journal of Abnormal and Social Psychology, 28, 280-
290.
150 s. Oakes, Penelope J.; Haslam, S. Alexander und Turner, John C., Stereotyping and Social Reality (1994), S. 3.
151 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 2.
152 s. Erbring, Lutz, Nachrichten zwischen Professionalität und Manipulation (1989), S. 301-313, hier: S. 306.
153 Chill, Hanni und Meyn, Hermann, Wirkungen der Medien - Medien und Politik in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Informationen zur politischen Bildung: Massenmedien, Bonn, Heft 260/1998, S. 51.
154 vgl. Stiehler, Hans-Jörg und Marr, Mirko, „Totgesagte leben länger“ - Erklärungsmuster der Medien und des Publikums zum Abschneiden der PDS bei den Kommunal- und Europawahlen in Leipzig 1994 in: Holtz-Bacha, Christina und Kaid, Lynda Lee (Hrsg.), Wahlen und Wahlkampf in den Medien, Westdeutscher Verlag Opladen, 1996, S. 119-147, hier: S. 147.
155 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 3.
156 Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 3.
157 s. Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 12.
158 Webster, D. M., zitiert von Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 9.
159 Ashmore und Del Boca, zitiert von: Leyens, Jacques-Philippe; Yzerbyt, Vincent und Schadron, Georges, Stereotypes and Social Cognition (1994), S. 12.
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