Inhalt
1 Einleitung 2
2 Russland im 19. und frühen 20 Jahrhundert. 3
2.1 Der Staat und die Gesellschaft 3
2.2 Die Kirche 6
2.3 Sibirien: Kolonie - Region. 9
3 Rasputin - Gottes Werk oder Teufels Beitrag? 10
3.1 Jugend und Wanderjahre Rasputins 11
3.2 Der Weg an den Zarenhof 13
3.3 Der Zarewitsch - Mittel zum Zweck für Rasputin. 15
3.4 Das Attentat und Rasputins grausames Ende. 16
3.5 Rasputins rätselhafte Fähigkeiten. 18
4 Zusammenfassung. 20
5 Literatur. 21
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1 Einleitung
In der hier vorliegenden Arbeit soll eine kleine Zeitreise vollzogen werden. Wir reisen zurück in das 19. Jahrhundert, in das damalige Zarenreich Russland. Hier, genauer im damaligen Prokrowskoje bei Tjumen (Sibirien), wurde ein junger Mann geboren der im Laufe seines Lebens für viel Unruhe in den oberen Schichten sorgte. Aber der Reihe nach.
Um uns in die damalige Zeit zurückzuversetzen, müssen zunächst ein paar Sachverhalte geklärt werden. Wie lebt man in der damaligen Zeit? Wie war der damalige Staats- und Gesellschaftsaufbau? Welche Rolle spielte die Kirche in Staat und Gesellschaft? Und was hat das alles mit unserem jungen Mann zu tun?
Bei unserem jungen Mann handelt es sich um Grigorij Jefimowitsch Rasputin. Jener Rasputin der an den Zarenhof gelangte und dort durch zahlreiche Geschicke sehr großen Einfluss gewann.
Im ersten Teil der Arbeit sollen aber zunächst die Rahmenbedingungen der damaligen Zeit geschildert werden.
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2 Russland im 19. und frühen 20 Jahrhundert
Das Russland der damaligen Zeit unterscheidet sich sehr stark vom heutigen. Auch gegenüber den damaligen westeuropäischen Staaten. Frankreich hatte nach der Revolution und der Herrschaft Napoleons eine Demokratie aufgebaut. Das deutsche Kaiserreich wurde nach dem Krieg 1870/71 gegen Frankreich zu einem sehr bedeutenden Staate in der Mitte Europas.
2.1 Der Staat und die Gesellschaft
Wir steigen in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein, in einer Zeit in der Zar Alexander II. regiert und eine Epoche zahlreicher Reformen einleitete. Die Bauernbefreiung von 1861 war sicherlich der Höhepunkt, aber auch Justizreform, Verwaltungsreform Bildungs- und Heeresreform waren für das Rückständige Russland von zentraler Bedeutung (HÖSCH 1996: 269).
Auch die Randgebiete des russischen Großreiches profitierten von den Reformen, indem ihnen eigenstaatliche Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt wurden. Den revolutionären Kräften im Lande gingen die Reformen aber nicht weit genug und Alexander II. wurde bei einem Anschlag am 13. März 1881 getötet (HÖSCH 1996: 269). Wie sich die Gesellschaft in Russland zusammensetzte verdeutlicht Abbildung 1. Der Gesellschaftsaufbau entspricht einer Ständepyramide, wie sie im 18. Jahrhundert im vorrevolutionären Frankreich zu finden war.
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Abbildung 1: Ständepyramide in Russland des 19. Jahrhunderts. Quelle: GOERLTZ ET AL. 1983:3)
Es ist das älteste Plakat der russischen Sozialdemokraten von 1901. Die Ausdrücke neben den einzelnen Ständen lauten von oben nach unten wie folgt: „Wir herrschen über Euch.“, „Wir Regieren Euch.“, „ Wir machen uns über Euch lustig.“, „Wir schießen auf Euch.“, „Wir ernähren Euch.“, „Wir arbeiten für Euch.“ (GOERLTZ ET AL. 1983:3). Alexander II. versuchte die sozialen Spannungen durch die Aufhebung der Leibeigenschaft von oben her zu lösen. Dabei konnte er von den Erfahrungen der andern europäischen Länder profitieren und Fehlentwicklungen vermeiden. Er musste aber auch die Gutsbesitzer berücksichtigen. Und so wurden die Bauern ohne eine entsprechende Landzuteilung den harten Marktbedingungen ausgeliefert, bei dem es zur Bildung eines Landproletariats kam, dass von Hungersnöten geplagt wurde (HÖSCH 1996: 270). Ohne eine Bodenreform war also keine sozialverträgliche Lösung möglich. Bauern mussten nun das Land, das sie bearbeiten
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wollten, bezahlen, was sie wiederum in eine bestimmte Abhängigkeit brachte (HÖSCH 1996: 272f).
Durch die Bauernbefreiung von oben wurde im Vorfeld ein Gesetzestext erlassen, der jede Kleinigkeit regeln sollte. Allerdings verhinderte diese Gesetzgebung den Einstieg in eine Moderne Industriegesellschaft. Zudem wurden die „freien“ Bauern in Zwangsgemeinschaften verpflichtet, die eine Mobilität bei der Arbeitsplatzsuche verhinderte. Auch die Gemeinde die auf der untersten Ebene alle Verwaltungsaufgaben übernahm, verhinderte eine weitere gesellschaftliche Entwicklung (HÖSCH 1996: 274). Periodische Hungersnöte verschärften die sozialen Anspannungen weiter. Aber wie bereits am Anfang des Kapitels beschrieben gab es zahlreiche andere Reformen. Auf Lokaler Ebene mussten die gutsherrliche Verwaltung verändert bzw. ersetzt werden. Um Ordnung zu wahren wurden Kreis- und Stadtpolizei zusammengefasst und direkt dem Innenministerium unterstellt. Liberale Kräfte forderten in einer Petition vom 1-4.2.1862 eine frei gewählte Volksvertretung. Alexander II. verhaftete 13 Urheber dieser Petition, die gerichtlich verurteilt wurden. Angeregt von diesem Vorstoß wurden am 1.1.1864 Landschaftsversammlungen (zemstvo) auf Kreis- und Gouvernementebene durchgeführt. Der Vorsitz blieb aber in Adligen Händen und da sie über keine exekutive Gewalt verfügten waren sie von einer Autonomie weit entfernt (HÖSCH 1996: 275f). Gegen Ende 1864 wurde ein Kompromiss eingegangen der alle Staatsbürger vor dem Gesetz gleich stellte. Ein reicheinheitliches Gerichtssystem und eine Gewaltenteilung wurden verfolgt (HÖSCH 1996: 277).
Nach dem Amtsantritt von Alexander III. 1881, folgten eine Politik der Reaktion bei der zahlreiche Reformen zurückgenommen wurden und eine rücksichtslose Russifizierung in allen Bereichen des Reiches stattfand. Sein Nachfolger Nikolaus II. (1894-1917) konnte diese Politik nur Mühsam fortführen, da er nicht über die entsprechende Autorität verfügte. Durch die stark wachsende Bevölkerung, von 74 Mio. 1860 auf 164 Mio. 1917 (SCHMIDT 2003:85), viele Hungersnöte und einem verlorenen Krieg gegen Japan 1904/05 sah er sich einer revolutionären Bewegung gegenübergestellt (KESSLER 2001:986). Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlangte Russland durch Schutzzölle und der Einführung der Goldwährung einen wirtschaftlichen Aufschwung, wobei auch französisches Kapital unterstützend war. Es wurde der Bau der Transsibirischen Eisenbahn begonnen. Nikolaus II. wurde mehr und mehr von seiner Gemahlin Alexandra von Hessen Darmstadt beeinflusst, welche wiederum ein sehr gutes Verhältnis zu Rasputin hatte. Durch das späte aber starke aufkommen des Industrialisierung wuchs die Zahl der Industriearbeiter in zehn Jahren um über 100%. Erste sozialdemokratische Bewegungen unter der Führung von Julji Ossipowitsch Martow und Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) wurden schnell wieder zerschlagen und die Anführer nach Sibirien zur Zwangsarbeit verbannt. Nach einem Attentat gegen Nikolaus II. 1902 wurde die Selbstverwaltung der Gouvernements wieder aufgehoben (KESSLER 2001:992f).
Nach dem gescheiterten Krieg gegen Japan, erfolgte eine Demonstration am 22.1.1905 zum Winterpalais des Zaren in St. Petersburg. Die Demonstranten wollten auf die Missstände im Land aufmerksam machen. Der Zar war jedoch nicht anwesend und ein nervöser Offizier gab
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Arbeit zitieren:
Jens Ender, Christian Vogl, 2005, Rasputin und seine Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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