Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
Inhaltverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
Einleitung 1
1 Analyse der Korruption 4
1.1 Was ist Korruption? 4
1.2 Wie modelliert man Korruption? 8
1.2.1 Kalkül der Akteure 11
1.2.2 Arten der Korruption 14
1.2.3 Korruption des Agenten 16
1.2.4 Korruption des Prinzipals? 17
2 Theorie der Korruptionsbekämpfung 19
2.1 Korruptionsfälle oder Korruptionsvolumen reduzieren? 21
2.2 Veränderung von Werten und Normen? 22
2.3 Anreize 24
2.3.1 Anreize durch Strafrecht 25
2.3.2 Anreize zur Anreizsetzung auf der Geberseite 29
2.3.3 Anreizsetzung auf der Nehmerseite 32
3 Praxis der Korruptionsbekämpfung 35
3.1 Whistleblowing 37
3.2 Verhaltenskodex 45
3.3 Rotation 50
3.4 Mitarbeiterscreening 55
3.5 Informationstechnologie 59
4 Zusammenfassung und Schlüsse 65
Literatur 71
I
Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Grundschema des Prinzipal-Agent Klient-Modells der Korruption (eigene
Darstellung)
Abb. 2: gewünschte (B) und korrupte ()C Agent-Klient Beziehung (eigene Darstellung)
Abb. 3: Das Agent-Klient Korruptionsspiel (eigene Darstellung)
Abb. 4: Optimales Korruptionsniveau (eigene Darstellung in Anlehnung an: Klitgaard,
1988, 26)
Abb. 5: erfasste Korruptionsdelikte (Auszug, BKA, 2005, 213)
Abb. 6: Interpretationen von Korruptionswettläufen (nach: Pies Sass, 2006, 15)
Abb. 7: Maßnahmen zur Ermittlung und Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität (nach:
PWC, 2005, 37)
Abb. 8: Korruption als unternehmensinternes Kooperationsproblem (Pies Sass,
2006, 9)
Abb. 9: Kooperationsproblem zwischen Klient und Mittäter (Pies Sass, 2006, 11)
Abb. 10: Kooperationsproblem zwischen Klient und Mitwisser (nach: Pies Sass,
2006, 11)
Abb. 11: Umsetzung von Verhaltensgrundsätzen (nach KPMG, 2006b, 27)
Abb. 12: Das Agent-Klient Korruptionsspiel (entspricht Abb. 3)
Abb. 13: Korruptionsanfälligkeit mit steigender Verweildauer (Deutsche Bahn,
2006, 15)
Abb. 14: Entscheidungsbaum des Agenten (nach: Klitgaard, 1988, 71)
Abb. 15: Anteil korrupter Agenten unter Mitarbeitern (eigene Darstellung)
Abb. 16: Warnsignale für Korruption (nach: Deutsche Bahn, 2006, 13 und Schmidt,
2004, 19)
Abb. 17: Gegenüberstellung und Bewertung der Präventionsmaßnahmen
(eigene Darstellung)
II
Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
Einleitung
„Reisen, Autos, Nummernkonten: Für viele Einkäufer deutscher Unternehmen ist es selbstverständlich, dass sich Geschäftspartner erkenntlich zeigen. Wer einen Auftrag will, muss zahlen. Die Korruption ist überall – nicht nur in der öffentlichen Verwaltung. (…) Wenn in Deutschland von Korruption die Rede ist, dann geht es meistens um das böse Ausland oder die öffentliche Verwaltung. Aber die Privatwirtschaft ist hier zu Lande keine Gesellschaft der Saubermänner (…). Längst ist das Schmieren und Schmieren lassen fast so normal wie die „Mahlzeit“ in den Kantinen.“ (Handelsblatt vom 17. Juli 2001)
Korruption ist ein uraltes Phänomen, das vermutlich fast so alt ist wie die menschliche Zivilisation. Quellen darüber reichen zurück bis ins Alte Testament und bis in das alte Indien vor 2300 Jahren. 1 Annähernd so alt wie das Phänomen selbst sind auch di e Reflexion darüber und die Suche nach Möglichkeiten, es zu bekämpfen und zu verhindern. Die ökonomische Analyse der Korruption (d.h. die Analyse mit ökonomischer Methodik) ist allerdings noch relativ jung. Trotz einzelner hervorragender Arbeiten aus den 1970er und 1980er Jahren und davor kann eine verstärkte Forschungstätigkeit auf diesem Gebiet seit Beginn der 1990er Jahre beobachtet werden. Dabei wird Korruption meist im Zusammenhang mit dem Öffentlichen Sektor untersucht. D.h. es wird erforscht, inwiefern privatwirtschaftliche Akteure wie Unternehmen und Privatpersonen auf staatliche und halbstaatliche Akteure, wie Verwaltungen und Beamte Einfluss zu nehmen versuchen. 2 Die Untersuchung dieser Korruption im öffentlichen Sektor, der so genannten Grand Corruption 3 beherrscht den Großteil der Diskussion. Die Korruption im Privaten Sektor, d.h. unter privaten Akteuren, wird dabei meist nur am Rande behandelt. Zur Begründung folgt der Verweis auf die strukturelle Gleichartigkeit und daher Analogie der Ergebnisse. Es wird demnach davon ausgegangen, dass sich die Modelle aus dem Öffentlichen Sek-tor auch gut auf den Privaten Sektor übertragen lassen. 4 Diese Annahme ist zwar verständlich und eine Analogie auch in weiten Teilen feststellbar, trotzdem gibt es
Vgl. Klitgaard (1988), 23. 1
Diese Beschreibung gilt hauptsächlich für marktliberale demokratische Regimes. In kommunis- 2
tischen Regimes kommt Korruption auch zwischen verschiedenen Bürokraten und staatlichen Organisationen vor.
Der Begriff wurde von Susan Rose-Ackerman (1978) geprägt und z.B. in Moody-Stuart (1997) 3
weiter vertieft. Oft verbindet sich mit dem Begriff auch eine internationale Komponente, die auf die Korruption des Staatsapparates eines Landes durch ausländische Konzerne Bezug nimmt. So z.B. Rose-Ackerman (1978), 190. 4
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Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
wesentliche Unterschiede zwischen der Korruption im Öffentlichen und der im Privaten Sektor.
In dieser Arbeit wird daher versucht, die Besonderheiten der Korruption im Privaten Sektor und deren häufigste Erscheinungsformen herauszuarbeiten. Dies dürfte eine lohnende Aufgabe darstellen, weil das Transaktionsvolumen zwischen privaten Akteuren wesentlich höher ist als das zwischen privaten und öffentlichen Akteuren und die direkt zurechenbaren Schäden durch Korruption in diesem Sektor potentiell sogar noch höher sein können. 5 Aufbauend auf der Analyse sollen dann im Hauptteil der Arbeit Möglichkeiten der Prävention aufgezeigt und der Frage nachgegangen werden, welche Präventionsmaßnahmen welche Aussicht auf Erfolg haben.
Oft wird behauptet, Korruption könne auf den ersten Blick nicht eindeutig als positiv oder negativ bewertet werden und sei insofern ambivalent. 6 Als Beispiel für positive Wirkungen wird oft das Schmiergeld angeführt. Dieses schmiert eine Transaktion, d.h. es verringert die Reibung oder ökonomisch ausgedrückt: die Transaktionskosten. 7 Dadurch kann es helfen, exzessive Handelshemmnisse oder andere übermäßige Regulierungen zu überwinden. 8 Diese Argumentation ist aber verkürzt. Dynamische Aspekte werden genauso wie moralische 9 vernachlässigt 10 . Darüber hinaus sollte man daraus, dass Korruption hilft stark regulierende Rahmenordnungen zu überwinden nicht schließen, dass Korruption gut sei. Vielmehr läge der Schluss nahe, dass die Rahmenordnung schlecht und verbesserungswürdig ist. 11 Die Diskussion um eine mögliche Ambivalenz der Korruption soll in dieser Arbeit nicht weitergeführt werden. Es wird im Weiteren angenommen, dass Korruption, in wel-
Vgl.Haas (2005), 79. 5
Vgl. Schmidt & Garschagen (1988), 568. 6
Vgl. Dietz (2000), 116 oder Becker (1998), 261. 7 Vgl. Leff (1964). 8
Das Problem ist dabei die Verletzung des Vertrags zwischen Prinzipal und Agent (wird weiter 9
unten erläutert). Eine solche Pflichtverletzung kann z.B. in einem vertragstheoretischen Kontext keine Zustimmung zu einer verallgemeinerbaren Regel erwarten und kann daher nach einigen Theorien als moralisch bedenkenswert angesehen werden. Vgl. Dunfee & Donaldson (2002), 69. So haben einige Autoren auf die Schädlichkeit einer gegenüber Korruption toleranten Kultur 10
für Wachstum und Wohlstand hingewiesen. Vgl. Uslaner (2002), Kap. 3 und (2005), 82. Vgl. Dietz (2000), 119 oder Rose-Ackerman (1978), 7-8. 11
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Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
cher Ausprägung sie auch auftritt, sowohl in ökonomischer, moralischer und sozialer Hinsicht im Großen und Ganzen immer negative Effekte nach sich zieht. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil „Analyse der Korruption“ wird das Phänomen Korruption zunächst analysiert. Hier werden die verschiedenen Sachverhalte, die allgemein unter Korruption verstanden werden, auf ihre Gemeinsamkeiten hin untersucht, so dass Korruption definiert werden kann. Aufbauend auf der Definition wird Korruption dann mit ökonomischer Methodik in einem Prinzipal-Agent-Klient-Modell rekonstruiert. Im zweiten Teil „Theorie der Korruptionsbekämpfung“ werden dann im Rahmen des aufgestellten Modells Ansatzpunkte für eine Bekämpfung der Korruption im Privaten Sektor identifiziert. 12 Der Versuch, über moralische Appelle an das Gewissen der Akteure o.ä. die Korruption zu bekämpfen, wird dabei als die Fähigkeiten privater Akteure übersteigend abgelehnt. Als Ansatzpunkt werden Anreize und Anreizstrukturen ausgemacht. Da private Akteure wie Unternehmen selbst Anreizen unterliegen, wird zunächst geklärt, welche Anreize durch die staatliche Rahmenordnung gegeben sein müssen, damit in den Unternehmen Maßnahmen und Anreize zur Korruptionsbekämpfung eingeführt werden. Im dritten Teil „Praxis der Korruptionsbekämpfung“ werden dann einige solcher Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung in den Organisationen des Privaten Sektors vorgestellt. 13 Diese werden dann modelltheoretisch anhand des Prinzipal-Agent-Klient-Modells auf ihre ökonomische Logik und Erfolgsaussichten hin analysiert und ihr Erfolg bzw. Misserfolg anhand empirischer Daten und fallweiser Evidenz aufgezeigt. Am Ende der Arbeit werden die einzelnen Ergebnisse noch einmal zusammengefasst und einige Ausblicke auf weiteren Forschungsbedarf gegeben.
In dieser Arbeit werden die Begriffe Korruptionsbekämpfung und –prävention meist synonym 12
gebraucht. Der Unterschied zwischen den Begriffen ist folgender: die Bekämpfung setzt normalerweise ex post an, d.h. Korruption liegt bereits vor und soll aufgedeckt und unterbunden werden. Prävention setzt ex ante an, indem sie versucht überhaupt keine Korruption aufkommen zu lassen. Wird Korruption bekämpft, so hat dies aber auch Präventionscharakter, da andere Täter für die Zukunft abgeschreckt werden. Insofern ist die Unterscheidung in den meisten Fällen in der Praxis so trennscharf gar nicht möglich. Ein synonymer Gebrauch ist daher gerechtfertigt.
Es wird nur eine Auswahl häufig verwendeter Maßnahmen behandelt. Eine umfassende Dis- 13
kussion sämtlicher verfügbarer Korruptionspräventionsmaßnahmen ist im Rahmen dieser Arbeit leider nicht möglich.
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Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
1 Analyse der Korruption
„Keine Festung ist so stark, dass Geld sie nicht einnehmen könnte.“
(Marcus Tullius Cicero, 106-143 v.C.)
In diesem ersten Teil der Arbeit soll zunächst der Begriff der Korruption definiert und anschließend ökonomisch rekonstruiert werden. Meist wird unter Korruption allgemein der Missbrauch eines Amtes in Wirtschaft, Politik oder Verwaltung zum persönlichen Vorteil verstanden. 14 Diese Definition ist aber sehr weit gefasst und lässt z.B. auch Erpressung, Veruntreuung o.ä. als korrupt gelten. 15 Trennschärfere Definitionen sind daher notwendig. Dabei haben die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, die sich des Problems angenommen haben unterschiedliche Definitionen gewählt, 16 auch je nachdem wie ihre eigene Methode es nahe legt. Um eine klare Analyse zu ermöglichen ist es daher notwendig, eine präzise Vorstellung davon zu haben, was unter Korruption genau verstanden wird und was nicht. Daher wird im folgenden Abschnitt zunächst der Sachverhalt näher abgegrenzt, wobei insbesondere auf Erscheinungsformen der Korruption im Privaten Sektor eingegangen werden soll. Darauf aufbauend wird anschließend der hier verwendete Begriff von Korruption im Rahmen des ökonomischen Prinzipal-Agenten-Modells präzisiert.
1.1 Was ist Korruption?
Auf den ersten Blick ist Korruption ein Tausch zwischen zwei Akteuren: ein Bestechender (oder Korrumpeur) bietet einem Bestochenen (oder Korrumpierten) eine Leistung an und erhält von diesem eine Gegenleistung. Der Tausch allein bietet aber als Definition noch keine ausreichende Grundlage. Daraus allein ist nämlich erstens noch nicht klar ersichtlich, wer Bestochener und wer Bestechender ist und zweitens ist der Tausch ein wesentlicher Bestandteil menschlichen Zusammenlebens, der normalerweise nicht als korrupt angesehen wird. Beispielsweise wird der Tausch
Die übliche Formel im Englischen ist „corruption as the use of public office for private gains“, Bard- 14 han (2006), 341. Vgl. u.a. Dietz (1994), 26. 15 Vgl. Stierle (2005), 262. 16
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Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
von Arbeit gegen Bargeld und von Bargeld gegen eine Ware i.d.R. nicht als korrupt bezeichnet. Der Tausch muss noch weitere Merkmale aufweisen. Manche Autoren definieren Korruption daher als illegalen Tausch. 17 Dies schränkt die Menge der möglichen Tauschverhältnisse zwar ein, ist aber nicht präzise genug. Korruption ist in der Regel zwar illegal 18 , es gibt aber auch illegale Tauschverhältnisse, die nicht als korrupt angesehen werden. Der Verkauf von Hehlerware ist z.B. verboten und daher illegal, kann aber üblicherweise nicht als korrupt bezeichnet werden. Unter Anderem zwingt die Illegalität die Akteure dazu, ihren Tausch geheim zu halten. 19 Korruption wird daher auch als Geheimhaltungsdelikt bezeichnet. 20 Die Geheimhaltung stellt ein weiteres, aber noch kein hinreichendes Merkmal der Korruption dar, da auch alle anderen illegalen Tauschverhältnisse geheim gehalten werden müssen. Oft wird Korruption auch als opferlose Straftat angesehen. 21 Dies ist allerdings falsch. Denn als weiteres Merkmal des korrupten Tauschs kommt nun das Opfer hinzu. Typisch für die Korruption ist das Opfer, dem wegen der Geheimhaltung selbst oft nicht einmal sein Opferstatus bewusst ist. An der Beziehung des Opfers zu den Akteuren kann dann auch klar gemacht werden, wer in dem Tauschverhältnis der Bestochene und wer der Bestechende ist. Das Opfer der Korruption ist ein Auftraggeber des Bestochenen. Der Bestochene steht mit dem Opfer in einem Vertragsverhältnis und einer Delegationsbeziehung. Das Opfer überträgt dem Bestochenen eine Aufgabe, die diesen in die Lage versetzt, dem Bestechenden eine Leistung anzubieten, wozu er ohne den Auftrag und die damit verbundene spezifische Position und Entscheidungsspielräume nicht in der Lage wäre. Dabei spielt es kein Rolle, ob die Leistung innerhalb des gewährten Entscheidungsspielraums erbracht wird oder au-
Vgl.u.a. Haas (2005), 16 und 44. 17
Korruption ist in der Regel und so gut wie zu jeder Zeit und überall illegal gewesen. Vgl. hierzu 18
z.B. Heimann (1995) zitiert nach Dunfee & Donaldson (2002), 69: „There is no country in the world, where bribery is either legally or morally acceptable.“ Es sind aber auch korrupte Staatsapparate bekannt, die bestimmte Formen der Korruption legalisiert haben, um sich selbst bereichern zu können. Vgl. Lambsdorff (2005), 22-24. Trotzdem handelt es sich dabei um Ausnahmen, so dass die Illegalität zumindest als „schwaches“ Merkmal der Korruption angesehen werden kann.
Vgl. Rose-Ackerman (1978), 8; Shleifer & Vishny (1993), 611-615 und Haas (2005), 61. 19 Vgl. Pies & Sass (2006), 4. 20
Vgl. Bannenberg & Schaupensteiner (2004), 275 oder Buchert (2003), 16. 21
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Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
ßerhalb desselben. Entscheidend ist die spezifische Position in die der Bestochene durch die Delegationsbeziehung gebracht wird. 22
Zusammen mit der Illegalität und der Geheimhaltung ist die spezifische Position schon eine Definition, die wesentliche Fälle der Korruption einschließt. 23 Allerdings werden dadurch nicht die Fälle erfasst, die als korrupt angesehen werden, aber nicht illegal sind. Typischerweise ist das dann der Fall, wenn ein Staatsoberhaupt oder Beamter Posten und Aufträge vergibt und dafür Geschenke, Macht o.ä. erhält. Das letzte entscheidende Merkmal der Korruption, das sich schon im Begriff des Opfers für den Auftraggeber angekündigt hat, ist folgendes: Der Tausch zwischen Bestochenem und Bestechendem läuft entgegen dem Vertrag, der zwischen dem Bestochenem und seinem Auftraggeber besteht. 24 Dabei bedeutet „entgegen dem Vertrag laufen“ sowohl einen Verstoß gegen das Wort, als auch gegen den Geist des Vertrages. Der Vertrag mag dem Einkaufsleiter eines Unternehmens erlauben, die Waren dort zu beziehen, wo er es für richtig hält. Er mag auch nicht ausdrücklich verbieten, dass er private Beziehungen zu einem Auftragnehmer unterhält. Wenn er aber dessen Angebot aufgrund der persönlichen Beziehungen und trotz schlechten Preis-Leistungs-Verhältnisses bevorzugt, dann läuft dies dem Vertrag zuwider. 25 Im Rahmen der Definition läuft der Tausch dem Vertrag dann entgegen, wenn das Verhalten des Korrumpierten durch den Tausch beeinflusst wird und er die Gegenleistung
Vgl. Dietz (1994), 20-21. 22
Für den in dieser Arbeit betrachteten Bereich der Korruption im Privaten Sektor ist diese Defini- 23
tion i.d.R. auch ausreichend, da die hier vertretenen Akteure nicht über die Möglichkeit verfügen, Gesetze zu erlassen, die ihr korruptes Handeln legalisieren. Der Vollständigkeit halber wird die Suche nach einer allgemeingültigen Definition aber noch fortgeführt. Obwohl es sich bei dem Vertrag i.d.R. um zivilrechtliche Vereinbarungen handelt, wie Arbeits- 24
verträge und Jobbeschreibungen, sollte der Vertrag nicht mit einem zivilrechtlichen Vertrag gleichgesetzt werden. Er muss noch nicht einmal mit einer ausdrücklichen Vereinbarung gleichgesetzt werden, sondern kann durchaus in einer impliziten Vereinbarung oder Erwartung bestehen. Das schon erwähnte Staatsoberhaupt, das Aufträge gegen Geschenke und Macht tauscht und sich dies per Gesetz erlaubt hat, ist trotzdem korrupt, weil er gegen die implizite Vereinbarung mit seinem Volk verstößt, verantwortlich mit seinem Amt umzugehen und es nicht für die eigene Bereicherung zu missbrauchen.
Diese Bedingung ist es auch, die Korruption von Trinkgeld unterscheidet. Beim Trinkgeld kann 25
nämlich angenommen werden, dass der Auftraggeber (Gastwirt) dem Auftragnehmer (Kellner oder Kellnerin) die Annahme von Trinkgeld erlaubt oder zumindest duldet. Vgl. hierzu z.B. Dunfee & Donaldson (2002), 62 oder Rose-Ackerman (1998), 300-303. Dieser Punkt wird auch öfter mit der Frage diskutiert, ob der Agent innerhalb oder außerhalb des ihm gewährten diskretionären Handlungsspielraums handelt.
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Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
des Korrumpeurs bei seiner Entscheidung berücksichtigt. 26 Für die Definition ist die Frage nach den Motiven des Bestechenden eigentlich unerheblich. Im Allgemeinen wird er aber durch die Korruption eine Gegenleistung erhalten, die er ohne die Bestechung nicht oder u.U. nicht in der gewünschten Qualität, Quantität oder Zeit erhalten hätte.
Zusammenfassend bestehen die konstitutiven Merkmale der Korruption darin, dass ein Tausch zwischen einem Bestochenen und einem Bestechenden zulasten der Vertragsbeziehung zwischen dem Bestochenen und dem Auftraggeber des Bestochenen stattfindet. Der Bestochene nutzt dabei die ihm durch den Vertrag zukommende spezifische Situation, um sein Tauschobjekt anzubieten. Als weitere – jedoch nicht hinreichende – Merkmale kommen die Illegalität des Tauschs und dessen Geheimhaltung hinzu. Die Bestechung kann als die empirisch am häufigsten auftretende Form der Korruption im Privaten Sektor angesehen werden. 27 Da es sich bei dieser Arbeit um eine ökonomische Analyse handelt, bietet es sich an, im Folgenden die Korruption entlang dieser Definition im Rahmen eines Prinzipal-Agenten-Modells zu rekonstruieren. 28
Vgl. z.B. Dietz (1994), 24. 26 Vgl. Haas (2005), 53. 27
Das Prinzipal-Agenten-Modell ist ein in der ökonomischen Theorie gängiges Modell zur Analy- 28
se der Korruption. Es sei aber darauf hingewiesen, dass es nicht das einzige Modell für diese Materie. Manche Autoren bedienen sich z.B. des Rent-Seeking-Modells. Für diese Arbeit, hat sich aber das Prinzipal-Agenten-Modell am zweckmäßigsten erwiesen und wird daher auch als Analyseinstrument verwendet.
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Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
1.2 Wie modelliert man Korruption?
Zur Modellierung der Korruption wird ein erweitertes Prinzipal-Agenten-Modell
benutzt.29 Die Erweiterung gegenüber dem bekannten Prinzipal-Agenten-Modell
besteht in einen neuen Akteur, dem Klienten.30 Die Akteure verhalten sich eigenin-
teressiert, d.h. sie versuchen in erster Linie ihre eigenen Ziele zu erreichen. Das
zugrunde liegende Kalkül wird in Abschnitt 1.2.1 dargestellt.
Abb. 1: Grundschema des Prinzipal-Agent-Klient-Modells der Korruption (eigene Darstellung)
In Abb. 1 wird das Grundschema des hier verwendeten Modells der Korruption dar-
gestellt. Der Prinzipal steht zunächst mit dem Agenten in einem Delegationsverhält-nis (A), d.h. sie haben einen Vertrag, der Leistung und Gegenleistung regelt und
auch insbesondere das Verhältnis des Agenten zu anderen Akteuren, wie z.B. dem
Klienten. Der Prinzipal hat dabei einen Auftrag den er selbst nicht ausführen kann
(weil ihm das Fachwissen oder die Fähigkeiten dazu fehlen) oder will (weil er zu ho-
DiePrinzipal-Agenten-Theorie, oder Agenturtheorie, widmet sich normalerweise dem Problem 29
eines Prinzipals (Auftraggeber), der einen Agenten (Auftragnehmer) mit einer Aufgabe betraut, die er selbst nicht ausführen kann oder will. Dabei treten Informationsasymmetrien auf, die diesen u.U. sehr produktiven Vertrag verhindern können. Da der Prinzipal die erbrachte Leistung des Agenten nicht vollständig beurteilen oder überwachen kann, bzw. dies zu geringen Kosten nicht möglich ist, kann der Agent versuchen, seine Leistung nicht entsprechend des Vertrages zu erbringen und trotzdem danach entlohnt zu werden. Er kann aber auch Handlungen vollziehen, die gegen den Vertrag mit dem Prinzipal verstoßen, sofern er davon ausgehen kann, dass dieser es nicht herausfindet. Um ein solches Problem handelt es sich im Fall der Korruption. Vgl. zum Prinzipal-Agenten-Modell u.a. Erlei; Leschke & Sauerland (1999), 69-168; Furubotn & Richter (2005), 199-288 oder Jensen & Meckling (1976).
Vgl. u.a. Aufderheide (2005); Dietz (1998) und (2000); Klitgaard (1988), 69-74 und (1991), 223- 30
224, oder Lambsdorff; Taube & Schramm (2005). Als Erster führte Banfield (1975) das P-A-K-Schema zur ökonomischen Analyse von Korruption ein.
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Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
he Opportunitätskosten hat). Der Agent übernimmt den Auftrag vom Prinzipal und erhält dafür von ihm eine Gegenleistung. Insofern handelt es sich bei der Beziehung zwischen Prinzipal und Agent um eine Tauschbeziehung, von der beide Partner profitieren können. Meistens befinden sich die beiden Akteure innerhalb einer sie umfassenden Organisation (in der Abbildung durch den Rahmen angedeutet). Was dieses Verhältnis zu etwas Besonderem macht, sind Informationsasymmetrien. Darüber hinaus kann auch kein vollständiger Vertrag zwischen ihnen abgeschlossen werden, der festlegt was der Agent in welchem Fall genau zu tun oder zu unterlassen hat, weil dies wegen der enormen Anzahl möglicher zu spezifizierender Situationen nur zu prohibitiv hohen Kosten möglich wäre. Deswegen wird der Agent vom Prinzipal mit einem gewissen Handlungsspielraum ausgestattet innerhalb dessen er den Auftrag des Prinzipals wahrnehmen soll. Die Informationsasymmetrien verhindern, dass der Prinzipal die Leistung des Agenten mit Sicherheit richtig einschätzen kann. Der Prinzipal kann bspw. die Handlungen des Agenten nicht oder wiederum nur zu prohibitiv hohen Kosten lückenlos kontrollieren. Insbesondere kann er nur unzureichend kontrollieren, inwiefern der Agent den ihm eingeräumten Handlungsrahmen überschritten hat oder nicht. Außerdem kann der Prinzipal das Ergebnis der Handlungen des Agenten nur unzureichend einschätzen, d.h. er weiß nicht, ob es so zustande kam, wie der Agent behauptet oder auf anderem Wege. Eine weitere Beziehung in diesem Grundschema besteht zwischen Agent und Klient (C in der Abbildung). Auch sie haben einen Vertrag, in dem Leistung und Gegenleistung geregelt werden. Das für Korruption konstitutive Merkmal dieser Beziehung ist ein Tausch zwischen Agent und Klient, der konträr zum Vertrag des Agenten mit dem Prinzipal steht. Der Agent wird durch die Gewährung des Handlungsspielraums in die Lage versetzt, ein Gut oder eine Leistung anzubieten oder zu verwei-gern.31 Der Klient ist an dem Gut oder der Leistung interessiert. Wenn es beiden Akteuren vorteilhaft erscheint, führen sie freiwillig einen Tausch durch. Der Agent verkauft dem Klienten die Leistung. Dabei sei explizit darauf hingewiesen, dass hier nicht unbedingt Bargeld fließen muss. Es kann sich genauso um Möbel32, Prostitu-
EineErläuterung der verschiedenen Arten von Korruption wird weiter unten gegeben. 31
Vgl. z.B. den Fall Faurecia in Handelsblatt (2006a-e) und Hofmann (2006). 32
9
Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
ierte33, gut bezahlte Jobs34 o.ä. handeln. Es sei außerdem darauf hingewiesen, dass der Vertrag in der Beziehung (C) keinesfalls mit einem zivilrechtlichen Vertrag verwechselt werden darf. Dieser Vertrag ist eine Abmachung zwischen den beiden Akteuren. Zur Durchsetzung der daraus entstehenden Ansprüche müssen sie andere Instrumente bemühen, als die staatlichen Instanzen. Der Vertrag zwischen Prinzipal und Agent ist hingegen meist ein solcher zivilrechtlicher Vertrag.35 Ein weiteres Merkmal der Beziehung zwischen Agent und Klient ist die Bemühung der beiden, den korrupten Tausch vor dem Prinzipal geheim zu halten. D.h. sie bauen Informationsbarrieren auf.36 Diese Informationsbarrieren betreffen den korrupten Teil der Beziehung zwischen den Akteuren. In den allermeisten Fällen gibt es aber auch einen vom Prinzipal gewünschten Teil der Beziehung. Der Prinzipal (Shareholder oder Vorstand) wünscht z.B. dass der Agent (Einkaufsleiter) Kontakt zu dem Klienten (Zulieferer) aufnimmt, um seinem Auftrag nachzukommen. Er wünscht allerdings nicht, dass der Klient den Agenten bezahlt, um dadurch an Aufträge zu über dem Marktniveau liegenden Preisen zu kommen. Trotzdem gibt es einen Teil der Agent-Klient-Beziehung, die für den Prinzipal einsichtig ist und nicht hinter einer Informationsbarriere verborgen liegt.37 Ein in dieser Hinsicht aktualisiertes Bild liefert daher Abb. 2. (B) stellt hier die vom Prinzipal gewünschte Beziehung zwischen Agent und Klient dar, (C) die korrupte Beziehung, die gegen (A) verstößt.
Vgl. z.B. den Fall VW in Hofmann (2006), 8. 33
Vgl. z.B. den Fall BaFin in Afhüppe (2006a), 1 und Afhüppe (2006b), 21. 34
Es ist deswegen nicht zwingend ein zivilrechtlicher Vertrag, weil es z.B. auch als Korruption 35
gilt, wenn eine Regierung als Agent des Volkes (Prinzipal) sich auf Kosten dieses Prinzipals mithilfe eines Klienten (z.B. ein Wirtschaftsunternehmen) bereichert. Der (Gesellschafts-) Vertrag zwischen Agent und Prinzipal ist dabei kein offizielles Dokument, sondern ein modus vivendi, in dem bestimmte Praktiken des Agenten nicht toleriert werden. Vgl. Pies & Sass (2006), 4. 36 Vgl. Dietz (1994), 23. 37
10
Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
Abb. 2: gewünschte (B) und korrupte (C) Agent-Klient-Beziehung (eigene Darstellung)
Nachdem der Analyserahmen kurz skizziert wurde, kann ich an dieser Stelle die De-finition von Korruption präzisieren. In dieser Arbeit soll Korruption folgendermaßen
verstanden werden:
„An der Korruption sind also, zusammenfassend, immer drei Akteure beteiligt, Prinzipal, Agent und Klient. Prinzipal und Agent unterhalten einen Vertrag, im Rahmen dessen der Prinzipal den Agenten in eine besondere – möglicherweise vom konkreten Fall abhängige – Position versetzt und ihm einen diskretionären Handlungsraum überläßt. Agent und Klient tätigen ein Geschäft, wobei die Leistung des Agenten die Verletzung einer im Vertrag mit dem Prinzipal festgelegten Regel ist. Diese Regelverletzung liegt entweder in einer Überschreitung des ihm eingeräumten Handlungsraums durch den Agenten oder darin, daß der Agent zwar innerhalb dieses Handlungsraums bleibt, sich aber in der Wahl seiner Handlung oder Entscheidung durch das vom Klienten bezahlte Bestechungsgeld beeinflussen läßt, ohne daß der Prinzipal dem zugestimmt hätte oder seine Zustimmung bedenkenlos vorausgesetzt werden könnte. Verglichen mit den ihm zur Verfügung stehenden Alternativen profitiert der Klient vom Geschäft mit dem Agenten, präziser: von dessen Vertragsverletzung.“ 38
1.2.1 Kalkül der Akteure
Um das Modell der Korruption noch zu präzisieren und eine Grundlage für die spä-
tere Diskussion der Prävention zu liefern, wird jetzt das Korruptionskalkül der ein-
zelnen Akteure etwas näher beleuchtet.
Der Agent hat die Wahl, eine korrupte Beziehung (C) zum Klienten einzugehen oder
im Status Quo zu verbleiben, d.h. seinen vertraglichen Verpflichtungen mit dem
Prinzipal nachzukommen. Der Status Quo bringt ihm ein Nutzenniveau US, das er
Dietz (2000), 115. 38
11
Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
sicher erreichen kann. US ist i.d.R. ein konstanter positiver Wert, wird hier aber aus Gründen der Einfachheit auf Null normiert. U A S = konstant := 0 (1)
Der Nutzen aus der Korruption U A K setzt sich für ihn aus mehreren Komponenten zusammen. Zunächst die positive Nutzenkomponente, die aus der Bestechungssumme des Klienten B (für Benefit) besteht. Dann die negative Nutzenkomponente, die die moralischen Kosten R, Suchkosten F und das erwartete Strafmaß C (für Cost) enthält. U A K ist also U A K = U(B) - U(C) - U(R) - U(F). (2)
Korruption wird demnach vom Agenten dann begangen, wenn U A K >U A S bzw. U- K >0. A
Für den Klienten stellt sich das Kalkül ähnlich dar, wie für den Agenten. Der Status Quo bringt ihm auch einen konstanten Nutzen U K S , der auf Null normiert wird. U K S = konstant := 0 (3)
Für die Korruption setzt sich der Nutzen U K K folgendermaßen zusammen. Die positive Nutzenkomponente besteht aus dem Vorteil den er durch die Korruption erlangt V. Die negative Komponente besteht wiederum aus moralischen Kosten R, Suchkosten F und der Bestechungszahlung B, die er leisten muss, sowie der erwarteten Strafe S. 39 Insgesamt ergibt sich also U K K = U(V) - U(S) - U(B) - U(R) - U(F). (4)
Korruption wird demnach vom Klienten dann begangen, wenn U K K >U K S bzw. U K K >0. Dabei kommt die Bestechungszahlung B sowohl im Kalkül des Klienten als auch des Agenten vor. Für den Agenten ist dies eine positive, für den Klienten eine negative Nutzenkomponente. Ob der Klient diese Bestechungssumme auch bezahlt hängt davon ab, ob er erwartet, dass der Agent seine Leistung sonst nicht erbringt und ein
Die Entdeckungswahrscheinlichkeit ist hier annahmegemäß dieselbe für den Agenten und den 39
Klienten. Theoretisch könnten diese auch unterschiedlich sein, wenn z.B. der Agent überführt wird korrupt zu sein, aber den betreffenden Klienten nicht preisgibt. Dieser Fall scheint aber eher unwahrscheinlich.
12
Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im Privaten Sektor
effizienter Durchsetzungsmechanismus existiert. Besteht ein solcher Mechanismus nicht, ist das Nash-Gleichgewicht (NG) des Spiels (dargestellt in Abb. 3) zwischen Agent und Klient, dass kein korrupter Tausch stattfindet. 40
Agent Agent Agent
Agent: U(B) > U(B) – U(C) > 0 > – U(C); Klient: U(V) > U(V) – U(B) > 0 > – U(B) Agent: U(B) > U(B) – U(C) > 0 > – U(C); Klient: U(V) > U(V) – U(B) > 0 > – U(B)
Abb. 3: Das Agent-Klient-Korruptionsspiel (eigene Darstellung)
Wie der Bindungsmechanismus auch aussieht es muss in jedem Fall in ihn investiert werden. Ob die Akteure sich nun dazu entschließen Korruption zu betreiben hängt davon ab, ob ein solcher Mechanismus etabliert wird. Die Akteure werden ihn etablieren, wenn die hierfür anfallenden anteiligen Kosten K i (i = ∈ [A(gent), K(lient)]), die Nutzengewinne (für den Agenten: G A = U(B) – (U(C) [- U(R) - U(F)] für den Klienten: G K = U(V) – U(B) [– U(S) – U(R) - U(F)]) nicht übersteigen, d.h. wenn für alle i gilt dass G i größer K i ist, also ∀i (G i > K i ). (5).
Aus Gründen der Einfachheit und Übersichtlichkeit wurden in dem dargestellten Spiel die 40
Nutzenkomponenten „erwartete Strafe“, „moralische Kosten“ und „Suchkosten“ aus der Betrachtung ausgeschlossen. Die Ergebnisse werden wegen der Ordinalskalierung der Nutzen dadurch nicht verfälscht. Bei Einbeziehung dieser Größen würde für den Agenten weiterhin gelten U(B) > U(B) – (U(C) [- U(R) - U(F)] > 0 > - U(C) [- U(R) - U(F)] und für den Klienten U(V) > U(V) – U(B) [– U(S) – U(R) - U(F)] > 0 > - U(C) [– U(S) – U(R) - U(F)].
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Jörg Viebranz, 2006, Ökonomische Analyse von Korruption und Korruptionsprävention im privaten Sektor, Munich, GRIN Publishing GmbH
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