Gliederung
1. Einführung. 3
2. Das Verhältnis Kirche - Sozialismus 5
3. Die unterschiedliche Stellung der Kirche in den sozialistischen Staaten 7
3.1 Deutsche Demokratische Republik 7
3.1.1 Die Kirche in der Deutschen Demokratischen Republik. 8
3.1.2 Die Jugendweihe als Mittel zur Entchristianisierung der DDR. 9
3.2 Polen: „Nie damy sie - Wir lassen uns nicht unterkriegen“ 11
3.2.1 Polen in der Geschichte. 11
3.2.2 Kirche und Kommunismus in Polen 13
4. Die Umwälzungen der 80er Jahren in Polen und Europa 15
5. Die Kirche im „neuen“ Europa - Heute und Morgen. 16
6. Fazit. 18
7. Anhang 20
8. Literaturangaben 23
Bildquellen : 23
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1. Einführung
Während unseres Seminars „Europas Grenzen? Kulturgeschichtlich und theologische Gesichtspunkte“ haben wir uns intensiv mit der Fragestellung auseinandergesetzt, wo die äußeren Grenzen Europas in der Vergangenheit und heute definiert waren beziehungsweise sind und nach welchen Kriterien diese Begrenzung erfolgt ist. Besondere Beachtung schenkten wir dabei den religiöse und kulturelle Beschaffenheit des europäischen Kontinents.
Meine Generation, die Mitte bis Ende der 80er Jahre geboren wurde, ist ganz selbstverständlich in einem Europa aufgewachsen, dass als „Einheit“ definiert ist. Vor allem seit dem enormen Mitgliederzuwachs der Europäischen Union im Jahr 2004 macht es für uns keinen Unterschied mehr, ob wir an der Spanischen Mittelmeerküste oder bei den Masurischen Seen in Polen Urlaub machen, denn wir sind immer in „Europa“. Dieses ist zwar in seinen einzelnen Ländern mit ihren unterschiedlichen Landschaften und Traditionen auch sehr differenziert, aber in erster Linie eben vor allem „europäisch“. Wir, als junge Europäer können heute ganz einfach verschiedene Länder und Menschen kennen lernen, reisen, und, zum Beispiel an der Universität in Erfurt Sprachen, wie Spanisch, Polnisch, Türkisch oder Griechisch erlernen. Vor noch weniger als 20 Jahren war diese Vorstellung vom „einen Europa“ alles andere als selbstverständlich. Der Kalte Krieg teilte Europa in den kapitalistischen West und den sozialistischen Ost. Ich möchte mich in dieser Hausarbeit mit diesem Thema auseinandersetzen und dabei statt einer Grenze um Europa, den „Eisernen Vorhang“, eine Grenze durch Europa näher beleuchten. Einen Schwerpunkt möchte dabei auf die Rolle von Kirche und Glauben im sozialistischen Osten setzen. Ich möchte dazu genauer auf zwei bestimmte Länder des Ostblocks eingehen: Zunächst die DDR, mein Geburtsland und zweitens Polen. Ich habe dieses Land gewählt, weil in keinem anderen (ost-)europäischen Land die Kirche eine solch enorme Bedeutung hat und weil mein Freund in Polen geboren ist und seine ersten neun Lebensjahre dort verbracht hat.
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Aus diesem Grund erlebe ich täglich, wie unterschiedlich der Einfluss der Kirche auf unsere „sozialistischen“ Kindheiten war: Piotr ist ein gläubiger Katholik, ich bin von Geburt an konfessionslos. Zwar ist dies nichts, was unsere Beziehung ernsthaft „erschüttern“ könnte, es bietet aber zumindest Diskussionsbedarf und wirft Fragen auf. Warum also spielte in den Nachbarländern DDR und Polen der Glaube eine so unterschiedliche Rolle? Wie gelang es dem Staat in der DDR der Kirche derartig den Einfluss zu rauben? Und warum hat den Glauben in Polen auch im Sozialismus nichts erschüttern können?
Des weiteren möchte ich in dieser Hausarbeit besonders auf die politischen Veränderungen eingehen, die in den 80er Jahren aufkamen und schließlich zur Überwindung des „Eisernen Vorhangs“ in den Jahren ab 1989 führten. Auch dabei möchte ich vor allem die Rolle und den Einfluss der Kirche betrachten, schließlich ist für viele Menschen (und vor allem für die Polen) Karol Wojtyla (Papst Johannes Paul II.) neben Menschen wie Michail Gorbatschow, Lech Walesa oder Helmut Kohl ein Vater der friedlichen Revolution in Europa.
Bevor ich meine Ausführungen mit einem Fazit abschließe, möchte ich einen Blick in die Jetzt-Zeit, beziehungsweise die Zukunft werfen und die Rolle von Kirche und Glauben im „neuen“ Europa betrachten. Auch dieses Thema ist brandaktuell, vor allem in Bezug auf die Europäische Verfassung, die viele Probleme und Fragen aufwirft. Abschließen möchte ich diese Einleitung mit folgendem Zitat: „Die Einheit Europas war ein Traum weniger. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für alle.“ (Konrad Adenauer) Dieses Aussage, die Adenauer mehrere Jahrzehnte vor der friedlichen Einigung Europas getroffen hat, scheint mir auch für die heutige Situation noch sehr passend.
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2. Das Verhältnis Kirche - Sozialismus
Um das Verhältnis des Sozialismus zu Glaubensfragen zu beleuchten, möchte ich zunächst Bezug auf die Lehren Karl Marx’ nehmen und seine Sicht auf die Religion betrachten. Karl Marx ist einer der bedeutendsten Theoretiker des Sozialismus. „Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. (...) Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elends (...). Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur (...). Sie ist das Opium des Volkes. Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks.“ [Karl Marx, „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, 1844]. Religion ist demnach für Marx ein Ausdruck des wirklichen Elends des Menschen. Sie ist ein Betäubungsmittel mit dessen Hilfe das wahre Elend ertragen wird. Wird also dieses Elend überwunden, dann würde die Religion von allein verschwinden. Dafür müssen sich die verkehrten Strukturen und Verhältnisse im Staat ändern, die die Religion als Symptom hervorgebracht haben. Ein schwerwiegendes Problem sei die Entfremdung des Arbeiters vom Arbeitsprodukt, das den Zweck zur Erhaltung des Lebens zugunsten des Warencharakters verloren habe. Marx bezeichnet Religion als Ideologie, weil sie zwar als selbstständig, zeitlos und übernatürlich betrachtet wird, in Wahrheit aber vom Menschen selbst geschaffen ist. Das Proletariat müsse die falsche Welt mit ihrer falschen Ideologie durch kollektives Handeln überwinden. Friedrich Engels entwickelte diese Theorie weiter. Auch er merkt an, dass jede gesellschaftliche Situation die Religion entwickelt, die zu ihr passt. Religion sei zum Alleinbesitz der herrschenden Klasse geworden, mit dem sie die unteren Klassen in Schranken halten. Religion sei „eine primitive Weise der Erkenntnis..., die durch den Fortschritt der Naturwissenschaft zunächst monotheistisch, dann metaphysisch und schließlich ganz aufgelöst wird.“[Thumser, 1996, S.11] Engels kritisiert also nicht wie Marx dien ideologischen Charakter, sondern die Unwissenschaftlichkeit der Religion. Eine einheitliche wissenschaftliche Weltanschauung ist für Engels die „Erlösung“ von der Religion. Diese Ansichten werden auch von den sozialistischen Staatenbewegungen getragen.
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Der Kampf gegen Kirche und Religion war immer ein Ziel des Sozialismus. Dieser sollte nicht durch Gewalt und Unterdrückung, sondern durch Bildung und Aufklärung der Bevölkerung geschehen.
Auch Lenin bezog sich in seiner Kirchenpolitik auf die Theorien von Marx und Engels. Er wählte sich als Schlagparole, Religion sei „Opium für das Volk“, variierte also Marx’ Äußerung. Für Lenin versteht sich Religion als Instrument der herrschenden Klasse, das Demut und Geduld bewirken soll. Religion würde dem Volk mit Absicht von den Unterdrückern gereicht werden. Die Kirche müsse also als ein Instrument des Klassenfeinds bekämpft werden.
Doch hier entwickelte sich im sozialistischen Staat eine Zweigleisigkeit. Auf der einen Seite erfolgte ein Kampf gegen Glaube und Kirche, auf der anderen Seite wurden die Glaubenden zur Mitarbeit geworben. Die Kirche wurde unterdrückt, es wurde atheistisch propagiert. Andererseits wurde Gewissensfreiheit zugesichert und mit Kirchenmitgliedern politisch kooperiert. Dies ist eines der gravierendsten und beständigsten Probleme des sozialistischen Staatswesens.
Die Grundlagen sozialistischer Kirchenpolitik waren also, garantierte Glaubens- und Gewissensfreiheit, sowie die strikte Trennung von Kirche und Staat. Ziel war die Befreiung des Menschen von seinen „religiösen Vorurteilen“. Mit Hilfe von sozialistischen Produktionsverhältnissen und ideologischer Propaganda und Erziehung erhoffte sich der Staat das verschwinden der Religion, Gewalt sollte aber dabei nicht angewandt werden [vgl. Thumser, 1996, S. 5-17].
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Arbeit zitieren:
Mandy Busse, 2005, Die Kirche im Ostblock und ihre Rolle bei der Überwindung des Eisernen Vorhangs - einer Grenze durch Europa, München, GRIN Verlag GmbH
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