INHALTSVERZEICHNIS
Tabellenverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Aufgabenstellung und Vorgehensweise 1
1.2 Abgrenzung des Untersuchungsgebietes 4
2. Theoretische Grundlagen des internationalen Handels 5
2.1 Kurzübersicht über die Außenhandelstheorien 5
2.1.1 Das Ricardo-Modell 5
2.1.2 Das Heckscher-Ohlin-Modell 6
2.1.3 Die neue Handelstheorie 9
2.2 Die Rolle der Industrie- und Außenhandelspolitik 11
3. China´s Wachstumsmotor: Der Außenhandel 14
3.1 Von den Nachbarn lernen: Das ostasiatische Wirtschaftswunder 15
3.1.1 Länderspezifische Merkmale und Entwicklungskonzepte der schnell
wachsenden asiatischen Volkswirtschaften 17
3.1.2 Die Erfolgsgeschichte Japans 22
3.1.3 Die exportorientierte Industrialisierung Südkoreas 24
3.2 Erfolg der Reform- und Öffnungspolitik Chinas 26
3.3 Kontroversen über die chinesische Außenhandelspolitik 28
3.3.1 Exportorientierte Industrialisierung 28
3.3.2 Export- und Importbasierte Wachstumsstrategie 30
3.3.3 Die Rolle des Staates 32
3.4 Vergleichende Kurzanalyse des chinesischen Modells mit anderen
asiatischen Volkswirtschaften 34
4. Die Branchenstrukturen des chinesischen Außenhandels 36
4.1 Erklärungsansatz zu Strukturwandel und Wachstum: Die Drei-Sektoren-
Hypothese 37
4.2 Analyse der Strukturentwicklung des chinesischen Außenhandels 40
4.2.1 Ergebnisse der nationalen Industrialisierungsbemühungen als
II
Ausgangsbasis der Exportorientierung .................................................. 40 4.2.2 Sektorale Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung im
Außenhandel .............................................. ........................................... 41 4.2.3 Besonderheiten vor dem Hintergrund des globalisierten und
hochtechnologischen Zeitalters ............................................................. 43 4.3 Analyse der Entwicklung der ausgewählten Branchen .................................... 43 4.3.1 Steigender Import der landwirtschaftlichen Güter sowie wachsende Einfuhr von Rohstoffen und Energieträgern .......................................... 45 4.3.2 Komparative Kostenvorteile in arbeitsintensiven Fertigungs-
branchen ................................................................................................. 50 4.3.3 Kapital- und technologieintensive Produktion für den Export: Der Einfluss der ausländischen Direktinvestitionen ..................................... 52
5. Prognose zur Entwicklung der Branchenstruktur des chinesischen
Außenhandels ......................................................................................................... 55 5.1 Methodische Ansätze und Vorgehensweise ..................................................... 55 5.2 Generelle Annahmen für beide Szenarien ........................................................ 57 5.3 Szenario 1: Szenario der graduellen Entwicklungsstrategie ohne exogene
Schocks ............................................................................................................. 61 5.3.1 Weitere Annahmen ............ .................................................................... 61 5.3.2 Ergebnis Szenario 1: Künftige Situation der Branchenstruktur des
5.4 Szenario 2: Szenario des radikalen Wandels der chinesischen
Währungspolitik .............................................. ................................................ 67 5.4.1 Weitere Annahmen ................................................................................. 67 5.4.2 Ergebnis Szenario 2: Künftige Situation der Branchenstruktur des
6. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen ........................................................ 71
Anhang ......................................................................................................................... 75
Literaturverzeichnis .................................................................................................... 77
III
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Tabelle 1: Exportentwicklung der SWAV´s ........................................ 16
Tabelle 2: Tabelle 2: Chronik der Handelspolitik der SWAV´s ........................... 18
Tabelle 3: Änderung der Exportstrukturen der SWAV´s ...................................... 19
Tabelle 7: Import und Export von ICT-Produkten Chinas ................................... 32
Tabelle 8: Struktur der chinesischen Wirtschaft ................................................... 38
Tabelle 10: Im- und Export ausgewählter Produktgruppen Chinas ........................ 44
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Comparative Labor Productivity Performance. China versus other
Abbildung 2: Anteil des Exports am BIP Chinas in % 1970 - 2002 ......................... 29
Abbildung 3: Außenhandelswachstum Chinas und der Welt 1970-2002 .................. 31
V
1. Einleitung
1.1 Aufgabenstellung und Vorgehensweise
Die Volksrepublik China hat in den letzten Jahrzehnten durch grundlegende Reformen die Transformation von einer Zentralverwaltungswirtschaft zur Marktwirtschaft stets vorangetrieben und unumkehrbar gemacht. Mit Wachstumsraten von durchschnittlich nahezu 10% hat sich die Volkswirtschaft erstaunlich positiv entwickelt. China öffnet sich kontinuierlich den internationalen Märkten und sein Außenhandel wächst mit einem rasanten Tempo. Im Zuge der Öffnungs- und Reformpolitik hat China bisher erfolgreich umfangreiche Auslandsinvestitionen sowie Technologien und Managementwissen ins Land geholt. Dank der Kombination aus einer massiven Investition in die Infrastruktur und einem fast unerschöpflichen Angebot an billigen Arbeitskräften hat China sich zu einem außerordentlich wettbewerbsfähigen Produktionsstandort internationaler Unternehmen entwickelt. Aktuell ist China die drittgrößte Exportnation nach Deutschland und den USA (WTO 2006, S. 17). Unübersehbar leistet die Exportwirtschaft einen bedeutenden Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Auf der anderen Seite steht diese Exportdynamik mit einem Nachfrageschub nach Rohstoffen und Energie sowie Vorleistungen und damit verbunden mit einem Importsog in unmittelbarem Zusammenhang. Ungeachtet der enormen Fortschritte sind weitere strukturelle Anpassungen mit höherem Schwierigkeitsgrad notwendig. Bisher basiert das anhaltende Wirtschaftswachstum hauptsächlich auf dem massiven Inputwachstum und weniger aufgrund steigender Produktivität. Anhaltende makroökonomische Ungleichgewichte und Ineffizienzen deuten darauf hin, dass die Aufrechterhaltung dieses Wachstumsmuster langfristig nicht gesichert ist.
Bei einer näheren Betrachtung des chinesischen Wirtschaftswunders ist unschwer festzustellen, dass das chinesische Wachstumsmodell keinesfalls eine bahnbrechende Neuerfindung in der Industrialisierungsgeschichte darstellt. Vielmehr existieren bereits ähnliche Entwicklungsmuster exportorientierter Industrialisierung gerade in den Nachbarländern Chinas, welche von Mitte der 1960er Jahre an diesen Weg beschritten haben. Die Weltbank hat in ihrem 1993 veröffentlichten Policy Research Report unter dem Titel „The East Asian Miracle: Economic Grwoth and Public Policy“ acht
1
asiatische Volkswirtschaften 1 untersucht. In dem Zeitraum von 1965 bis 1990 wiesen diese Länder ein rasantes Wirtschaftswachstum aus, welches in keiner anderen Region der Welt zu beobachten war. Neben den hohen Wachstumsraten verzeichneten die schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften (SWAV´s) einen außerordentlich hohen Offenheitsgrad für den internationalen Handel als andere Entwicklungsländer (Krugman/Obstfeld 2004, S. 353). Die Ländergruppe mit der Bezeichnung „kleine Tigerstaaten“, hierzu zählen Südkorea, Singapur, Hongkong und Taiwan 2 , sowie die 2. Gruppe, bestehend aus Indonesien, Malaysia und Thailand, haben die traditionelle Ansicht über den Aufbau von Industriebasis mittels importsubstituierender Industrialisierung verworfen. In ihren Aufholprozessen exportierten diese Länder Industrieprodukte in die fortgeschrittenen Länder und erzielten dabei ein bemerkenswertes Wirtschaftswachstum. Die meisten SWAV´s haben die schwere Finanzkrise in der Region, die 1997 einsetzte, überstanden und präsentieren weiterhin robuste Wachstumsraten und flexible Anpassungsfähigkeiten (World Bank 2006). Festzustellen ist aus diesem Kontext, dass die Öffnung der Volkswirtschaft nach außen und die Integration in den globalen Arbeitsteilungsprozess das chinesische Wachstum ebenfalls beflügelt haben.
Der Aufgabenstellung dieser Arbeit liegt nicht in der Darstellung und Analyse des gesamtwirtschaftlichen Wachstums. Dieses würde den Rahmen der Arbeit sprengen und muss somit ausgegliedert werden. Vielmehr liegt der Fokus der Untersuchung im Außenhandelssektor Chinas, insbesondere in der Strukturanalyse der ausgewählten Branchen, die im chinesischen Öffnungsprozess eine wichtige Rolle gespielt haben. Die vorliegende Arbeit setzt sich ferner mit der Frage auseinander, welcher Zukunftssituation sich die zu untersuchende Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels gegenüber sieht. Im Mittelpunkt des Prognoseteils steht nicht, welche Strukturpolitik zur Erreichung bestimmter Zielsetzungen die chinesische Regierung betreiben sollte, sondern eine deskriptive perspektivische Ableitung aus den empirischen Indizien und den gegenwärtigen Ausgangsbedingungen. In diesem Sinne ist zu unterscheiden zwischen Analysen, die sich mit Fragen der Entwicklungsplanung und speziell der Entwicklungsprogrammierung beschäftigen, und denjenigen, die prognostische Zielsetzungen verfolgen. Prognosen müssen makroökonomische Aspekte und politische
1 Die acht Länder werden als high-performing Asian economies (HPAEs, hier: SWAV) bezeichnet und beziehen sich auf Japan, Hong Kong, Indonesien, Malaysia, Südkorea, Singapur, Taiwan und Thailand.
2 Auf politischen Status von Hong Kong und Taiwan wird hier nicht weiter eingegangen.
2
Rahmenbedingungen mit einbeziehen. Dies trifft insbesondere auf China zu, wo politische und wirtschaftliche Verwaltung unlösbar miteinander verbunden sind. Der chinesische Außenhandel ist ein volkswirtschaftlicher Bereich, der sich ständig im Spannungsfeld zwischen staatlicher Regulierung und Wettbewerb befindet. Die Erörterung dieses Themengebiets gehört zu einer anderen Aufgabenstellung und wird innerhalb dieser Arbeit insoweit nur im Rahmen der außenhandelsrelevanten Entscheidungsfindungen berücksichtigt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nicht, modelltheoretische Ausarbeitung zu vertiefen oder wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen auszusprechen bzw. Maßstäbe festzulegen. Vielmehr wird im einzelnen versucht, den bisherigen Strukturwandel der außenhandelsrelevanten Branchen Chinas empirisch systematisch zu erfassen, dessen Ursachen zu analysieren und eine kurze Prognose bezüglich der zukünftigen Branchenstrukturentwicklung zu geben.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Teile. Kapitel 2 stellt zunächst die elementaren Außenhandelstheorien in Bezug auf deren Erklärungsgehalt über die Beziehung zwischen internationalem Handel und Wirtschaftswachstum anhand der Erfahrungen der SWAV´s und Chinas dar. Es folgt im Kapitel 3 eine problemorientierte Analyse des offenen Wachstumsmodells der SWAV´s sowie Chinas. Darin enthalten ist ferner eine kurze Zusammenfassung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet und eine kurze vergleichende Analyse zwischen China und den SWAV´s. Ausgehend von der Beschreibung der empirischen Erfahrungen der SWAV´s und Chinas befasst sich Kapitel 4 mit der Entwicklung der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels unter Zuhilfenahme theoretischer Fundierungen. Aufbauend auf diese Ergebnisse werden im Rahmen einer Szenariobildung im Kapitel 5 Überlegungen angestellt, wie die Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels in der ferneren Zukunft aussehen könnte. Daran anschließend werden die Analyseergebnisse im Kapitel 6 zusammenfassend bewertet. Da sich Teile dieser Arbeit mit empirischen Ausführungen auseinandersetzen, sei darauf hingewiesen, dass empirisches Arbeiten, insbesondere bei der Erfassung, Auswertung und Interpretation von Daten, z.T. mit erheblichen statistischen Problemen verbunden ist. Der Schwierigkeitsgrad in der vorliegenden Untersuchung erhöht sich zudem in besonderem Maße, da das chinesische statistische Erfassungssystem noch nicht vollständig
3
entwickelt ist und einer ständigen Kritik ausgesetzt ist 3 . Die jüngste Datenrevision mit einer erheblichen Ergebnisänderung insbesondere hinsichtlich der Wirtschaftsstruktur zeigt die anstehenden Probleme deutlich.
1.2 Abgrenzung des Untersuchungsgebietes
Aus den chinesischen Zahlungsbilanzen geht hervor, dass die seit Jahren anhaltenden Leistungsbilanzüberschüsse Chinas überwiegend auf die positive Handelsbilanz zurückzuführen sind. Der Dienstleistungshandel spielt im chinesischen Außenhandel eine untergeordnete Rolle. Aus diesem Grund ist eine Beschränkung der Untersuchungsobjekte auf den Güterhandel als angebracht anzusehen. Die Branchenaufteilung in dieser Arbeit orientiert sich an der Produktklassifizierung nach SITC (Standard International Trade Classification), welche als Anhang dieser Arbeit beigefügt wurde. Als Branchen stehen Nahrungsmittel, Rohstoffe und Energieträger, Textil- und Bekleidungsindustrie sowie Maschinen, darunter speziell elektronische Datenverarbeitungs- und Büromaschinen sowie Telekommunikationsgeräte ohne Einbeziehung der Automobilbranche, im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Auswahl ist darin begründet, dass die Exportdynamik Chinas sich auf die letztgenannten zwei Branchen stützt, während mit dem schnellen Wachstum zunehmende Versorgungsengpässe bei landwirtschaftlichen Produkten sowie Energie und Rohstoffen sichtbar geworden sind. Zum Erfahrungsgewinn bietet sich eine besondere Betrachtung Japans und Südkoreas aufgrund deren Wirtschaftsgrößen und Relevanz für China an.
Eine Begrenzung im Zeithorizont der langfristigen Prognose ist notwendig. Prognosen, die über einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren hinausgehen, laufen Gefahr, tiefgreifende Veränderungen der Wirtschaft und Gesellschaft aufgrund fehlender theoretischen Fundierung nicht miterfassen zu können. Eine Aufstellung von solchen Prognosen ist nicht mehr guten Gewissens mit dem bestehenden Instrumentarium der Wirtschaftswissenschaften sinnvoll (Frerichs/Kübler 1980, S.5). In dieser Arbeit bezieht sich der Prognosezeitraum auf 20 Jahre. Dieser Zeithorizont sollte auch angesichts des
3 Besondere Probleme ergeben sich in Bezug auf die Außenhandelsstatistik. Insbesondere führen methodische Unterschiede zu beachtlichen Diskrepanzen. Teilweise gehen diese Differenzen auf die unterschiedliche Erfassung
des Hongkong-Handels zurück. In dieser Arbeit werden die Daten des chinesischen Außenhandels, sofern ersichtlich
und möglich, grundsätzlich ohne Hongkongteil übernommen. Zur Problematik der chinesischen Statistik siehe
Schüller 2002 und Fischer 2002.
4
derzeitigen Entwicklungsstadiums von China im Vergleich zu anderen SWAV´s realistischere Ergebnisse liefern.
2. Theoretische Grundlagen des internationalen Handels
2.1 Kurzübersicht über die Außenhandelstheorien
Beim Erklärungsversuch über die phänomenale Aufstiegsentwicklung der hier zu untersuchenden asiatischen Volkswirtschaften sind verschiedene Theorieansätze zu finden. Eine Gemeinsamkeit der rasanten Aufholprozesse dieser Länder besteht offensichtlich darin, dass sie mehr oder minder eine exportorientierte Industrialisierungspolitik verfolgt haben bzw. weiterhin verfolgen.
Dass der Handel Nutzen für alle beteiligten Länder bringt, darüber herrscht Einigkeit in der Fachwelt. Mit der Frage, warum Nationen miteinander Handel treiben, hat sich bereits die klassische Ökonomie beschäftigt. Für Adam Smith waren die absoluten Kostenunterschiede die Voraussetzung für den Außenhandel. David Ricardo begründete die Produktions- und Handelsstruktur der Handel treibenden Länder auf die komparativen Vorteile. Die komparativen Vorteile ermöglichen den Ländern, Wohlfahrtsgewinne und Wirtschaftswachstum durch Außenhandel zu erzielen. Die neu entwickelte Handelstheorie geht davon aus, dass internationale Faktorbewegungen im Globalisierungsprozess kein Substitut für den freien Warenhandel darstellen, sondern zusätzliche weltwirtschaftliche Effizienzgewinne ermöglichen. Nachfolgend dargestellte Theorieansätze geben Aufschluss darüber, welche positiven Effekte der Außenhandel und die Globalisierung 4 für China und die anderen asiatischen Länder impliziert.
2.1.1 Das Ricardo-Modell
In dem Einfaktormodell von David Ricardo basiert der Außenhandel ausschließlich auf die unterschiedliche Arbeitsproduktivität in verschiedenen Sektoren in den beteiligten
4 Eine einheitliche Definition von Globalisierung existiert nicht. Hier werden die ökonomischen Kennzeichen der Globalisierung nach OECD übernommen: verstärkte Entwicklung internationaler strategischer Allianzen; hohes
Gewicht der Auslandsproduktion durch Direktinvestitionen; internationale Ausrichtung nicht nur der Produktion,
sondern auch anderer Unternehmensfunktionen, wie z.B. Finanzierung, FuE, Marketing, Beschaffung; breite
geographische Streuung der Auslandsaktivitäten; Koordination der gesamten Auslandsaktivitäten (Rohleder 2004, S.
51 f.).
5
Ländern. Unter der Annahme der konstanten Skalenerträge und des vollständigen Wettbewerbs besagt das Ricardo-Modell, dass ein Land auch dann vom Außenhandel profitiert, wenn seine Produktivität in sämtlichen Sektoren geringer ist als diejenige seiner Handelspartner. Denn der Wettbewerbsvorteil einer Branche hängt nicht nur von ihrer Produktivität im Vergleich zu dieser Branche im Ausland ab, sondern ebenfalls vom einheimischen Lohnsatz im Verhältnis zum ausländischen Lohnsatz. Dies würde dazu führen, dass jedes Land von dem jeweiligen Produkt, in dem es die größten komparativen Vorteile besitzt, mehr und effizienter produzieren könnte, als wenn es mehrere Produkte herstellen würde. Länder exportieren diejenigen Güter, die mit ihrer Arbeit relativ effizient hergestellt werden können, und importieren diejenigen, bei deren Herstellung sie keinen komparativen Vorteil besitzen. Dabei verzeichnen alle beteiligten Länder Außenhandelsgewinne und es kommt zu einer allgemeinen Wohlstandssteigerung (Krugmann/Obstfeld 2004, S. 37-68).
Die exportorientierte Industrialisierung von China und anderen schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften liefert zum Teil einen empirischen Beleg für das Ricardo-Modell. Der Welthandel mit Textilien und Bekleidungsartikeln hat beispielsweise Südkorea und China die Möglichkeit eröffnet, in ihrer jeweiligen Entwicklungsphase die komparativen Kostenvorteile auf diesem Sektor zu nutzen trotz signifikanten Produktivitätsnachteilen im Vergleich zu den fortgeschrittenen Ländern. Dass durch den Export von diesen Gütern ein positiver Beschäftigungs- und Kapitalansammlungseffekt im Transformationsprozess dieser Länder entstanden ist, lässt sich nicht übersehen. Trotz seinen vielen einschränkenden Modellannahmen trägt das Ricardo-Modell dazu bei, die nationalen Spezialisierungstendenzen in der globalen Arbeitsteilung leichter zu verstehen.
2.1.2 Das Heckscher-Ohlin-Modell
Von Ricardos Theorie ausgehend, versuchten Heckscher und Ohlin zu ergründen, warum Kostenunterschiede zwischen den Ländern bestehen. Als Ursache für den Außenhandel spielen die unterschiedlichen Faktorausstattungen bzw. die unterschiedlichen Faktorproportionen die entscheidende Rolle im Heckscher-Ohlin-Modell, welches auch als Faktorproportionentheorie bezeichnet wird. Demzufolge hat ein relativ reichlich vorhandener Faktor einen geringeren Preis als ein relativ knapper Faktor. Ein Land besitzt bei der Herstellung eines Gutes einen komparativen Kostenvorteil, wenn es
6
bei der Produktion relativ reichlich vorhandene Faktoren einsetzt. Nach dieser Theorie exportieren Länder die Güter, bei deren Herstellung ihre reichlichen Faktoren intensiv genutzt werden. In der traditionellen Handelstheorie besteht im Rahmen des Heckscher-Ohlin-Modells die Annahme, dass der Außenhandel zum internationalen Ausgleich der Güter- und Faktorpreise führt. Nach dieser Annahme sind freier Handel und freie Faktormobilität vollständige Substitute, da der Handel auch ohne Faktorbewegungen zu einem internationalen Faktorpreisausgleich führen soll. In der Realität treffen jedoch die Prognosen des vollständigen Faktorpreisausgleichs nicht zu, da starke Unterschiede in der Ressourcenausstattung und der Technologie sowie Handelsbarrieren bestehen (Krugman/Obstfeld 2004, S. 105-129; Dunford/Smith 2000, S. 171).
Die Offenheit Chinas und anderer SWAV´s für den internationalen Handel ist ein markantes Merkmal für ihre Wachstumserfolge. Dabei spielt die Faktorausstattung gemäß der Faktorproportionentheorie eine wesentliche Rolle. Der hohe Offenheitsgrad 5 der Länder liefert ein Indiz dafür, dass der internationale Handel das gesamtwirtschaftliche Wachstum begleitet, unabhängig von der Ursache-Wirkungsrichtung der kontroversen Erklärungsansätze.
China ist reichlich ausgestattet mit einem hohen Anteil von Arbeitskräften in Bereichen der einfachen Arbeit, wohingegen relativ wenig Kapital vorhanden ist. Gemäß dem Faktorproportionentheorem ist es für ein Land wie China vorteilhaft, sich auf die Fertigung und den Export lohnintensiver Produkte geringen Technologiegehalts z.B. in arbeitsintensiven leichtindustriellen Branchen zu spezialisieren. Infolge dessen trägt der komparative Vorteil in arbeitsintensiven Industriezweigen dazu bei, die nationale Kapitalakkumulation durch Außenhandelsgewinne zu fördern und den Industrialisierungsprozess zu beschleunigen. Durch die Zunahme des internationalen Handels kommt es dazu, dass die Produktivität und der Preis des relativ intensiv genutzten Faktors, die in den exportorientierten Branchen eingesetzte Arbeit, steigen. Dies ist in China und anderen SWAV´s zu beobachten. Ferner bewirken Produktivitätsfortschritte dank der Einführung neuer Technologien und Fertigungsverfahren nicht nur eine Steigerung des Wohlstands, sondern auch eine enorme Beschleunigung des wirtschaftlichen Strukturwandels innerhalb einer sich verändernden internationalen Arbeitsteilung.
5 Als Indikator für die Offenheit einer Volkswirtschaft gilt die Summe aus Exporten und Importen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (Schrooten/Grziska 2004).
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Porter stellt einen starken Produktivitätszuwachs innerhalb der chinesischen Volkswirtschaft bei gleichzeitig niedrigerem BIP-Pro-Erwerbstätigem fest (siehe Abb.1). Das hohe Erwerbspersonenpotenzial, verbunden mit hoher Arbeitslosigkeit im Zuge der Landwirtschaftsreform und der Privatisierung bzw. Rationalisierung der Staatsunternehmen, bietet China zwar ein fast unerschöpfliches Arbeitskräftereservoir für die wettbewerbsfähigen Exportbranchen. Jedoch ist eine nachhaltige internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht allein in den niedrigen Lohnkosten zu begründen. Im internationalen Vergleich unter Hinzuziehung von weiteren mikro- und makroökonomischen Rahmenbedingungen verzeichnet China einen enormen Nachholbedarf (Porter 2004). Komparative Vorteile in der traditionellen Außenhandelstheorie beziehen sich eben nicht ausschließlich auf das Faktorreichtum an Arbeit. Wertschöpfungsintensive Branchen sind in der Regel gleichzeitig kapital-, technologie- und wissensintensiv. Die Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels wird sich langfristig einem Wandel unterwerfen müssen mit zunehmendem Kapitalakkumulationsgrad und verstärktem Wettbewerbsdruck durch andere aufholende Länder, auch wenn der Prozess sich nicht so schnell vollzieht, wie sich die chinesischen Wirtschaftslenker vorgestellt haben.
Abbildung 1: Comparative Labor Productivity Performance. China versus other Asian Economies Quelle: Porter 2004, S. 5.
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2.1.3 Die neue Handelstheorie
Die neue Außenhandelstheorie entstand in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Entgegen der traditionellen Außenhandelstheorie geht die neue Theorie von unvollkommenem Wettbewerb und steigenden Skalenerträgen aus und räumt der technologischen Entwicklung einen großen Einfluss ein. Demnach muss Außenhandel nicht unbedingt auf komparative Vorteile zurückgehen, sondern er kann auch aufgrund von Größenvorteilen und zunehmenden Skalenerträgen zustande kommen. Skalenerträge eröffnen Ländern die Möglichkeit, sich zu spezialisieren und auch mit denjenigen Ländern zu handeln, die die gleichen Ressourcen und Technologien besitzen (Krugman/Obstfeld 2004, S. 171-215).
Neuere Ansätze der Außenhandelstheorie rücken die räumliche Komponente des Handels in den Mittelpunkt. Sie beziehen aber auch andere Merkmale der Produktion und der internationalen Arbeitsteilung in ihre Modelle mit ein. Die daraus entstandenen Ansätze finden u.a. die Bezeichnung „New Economic Geography“. Bekannter Vertreter dieser Entwicklungs- und Außenhandelstheorie ist Paul R. Krugman. Bei der Neubewertung der Entstehung industrieller Zentren versucht Krugman zu erklären, dass durch internationalen Handel nicht automatisch nur Wohlfahrtsgewinne entstehen. Vielmehr kommt es eher zu einer wachsenden Ungleichheit und zu einer Gewinnakkumulation in den bereits existierenden Wohlfahrtsinseln. Für Krugman führen steigende Skalenerträge zu einer Spezialisierung von Ländern oder Regionen, auch wenn keine Unterschiede in der Ressourcen- oder Technologieausstattung bestehen. Skalenerträge entstehen „intern“ durch die Größe eines Unternehmens oder „extern“ durch die Größe einer Branche oder Industrieagglomeration (Krugman/Obstfeld 2004, S. 214). In letzterem Fall können positive Externalitäten zu weiteren Kostensenkungen und Effizienzgewinnen beitragen. Zu den positiven Externalitäten zählen die Faktoren wie „Labour Market Pooling“ (Arbeitskräftepool), „Spillover-Effekte“ (technologische Ausstrahlungseffekte) sowie intermediäre Inputs (Osmanovic 2000, S. 245 f.). Die „New Economic Geography“ basiert auf der Grundannahme, dass Handelsliberalisierung verbunden mit einer Reduzierung der Transportkosten das räumliche Verteilungsmuster von Industrie- und Dienstleistungsstandorten verändert. Im Zuge der Handelsliberalisierung gewinnt der Auslandsmarkt immer mehr an Bedeutung. Durch Dezentralisierungstendenz der nationalen Agglomeration erhalten die um sie
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liegenden Regionen eine neue Entwicklungschance, da dort für Industriebetriebe aufgrund hoher Preise in den bereits existierenden Zentren für Boden, Arbeit und Verkehr die Produktion kostengünstiger ist. Durch Standortsverlagerung können sie so Wettbewerbsvorteile auf dem Auslandsmarkt erlangen (Osmanovic 2000, S. 248). Ein weiteres Muster der Ballungszentrenbildung geht von reduzierten Transportkosten aus und erwartet eine Zunahme der räumlichen Konzentration aufgrund steigender Skalenerträge und der oben beschriebenen Externalitäten. Bei leicht sinkenden Transportkosten nehmen Regionen Handel miteinander auf. Fallen die Transportkosten weiter, so bildet sich ein Zentrum und eine Peripherie. Sobald die Transportkosten gegen Null streben, kommt es zu Ausgleichstendenzen des Wohlstandsniveaus zwischen den Regionen (Krugman/Venables 1995, S. 7 f.).
Außenhandel und Auslandsproduktion zeigen nach dieser neuen Handelstheorie einen Trend zur Regionalisierung. Eine Konzentration auf die sogenannte Triade - EU, Nordamerika, Japan - ist seit längerer Zeit zu beobachten, wobei auch die Verflechtung mit den jeweils angrenzenden, weniger hoch entwickelten Ländern besonders intensiv ist: Nordamerika mit Lateinamerika, Westeuropa mit den mittel- und osteuropäischen Ländern und Nordafrika, Japan mit Ost-Südost-Asien.
Die Verfolgung einer exportorientierten Entwicklungsstrategie von China und anderen SWAV´s stellt den eigentlichen gemeinsamen Nenner der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in der Region dar. Die Verflechtung unter den asiatischen Volkswirtschaften intensiviert sich seit der Jahrhundertwende in einer wachsenden Dynamik grenzüberschreitender Handelstransaktionen, in der Verlagerung von Produktionsstandorten und den intra-industriellen Investitionsströmen. Durch die zunehmende Liberalisierung und Deregulierung der Märkte in Asien schreitet die wirtschaftliche Integration weiter voran. Von diesen Verschiebungen der Produktionsstätten und Warenströmen profitiert China in besonderem Maße. Bis Mitte der 1990er Jahre exportierte China überwiegend Textil- und Spielwaren sowie qualitativ wenig anspruchsvolle elektrotechnische Erzeugnisse. In den letzten zehn Jahren profitierte die chinesische Exportindustrie von den hohen Investitionen der multinationalen Unternehmen aus den Nachbarländern, die zur Ausweitung der Exportkapazität führten. Mehr als zwei Drittel der ausländischen Direktinvestitionen in China kommen aus Japan, Südkorea, Taiwan und Hongkong. Andererseits schaffen sich die fortgeschrittenen Länder wie Japan und Korea Vorteile in dem intensivierten globalen Wettbewerb durch die Arbeitsteilung mit Ländern wie
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China und Vietnam. Die interdependente Entwicklungstendenz zeigt auf, dass der Verflechtungsgrad in dieser Region sich in absehbarer Zeit noch erhöhen wird.
2.2 Die Rolle der Industrie- und Außenhandelspolitik
Vor der grundsätzlichen Herausforderung, wie ein Land zum allgemeinen Wohlstand kommt, versuchen Nationen den bestmöglichen Weg für sich zu finden und verfolgen dabei variationsreiche Wirtschaftspolitik. Die Diskussion der ökonomischen Fachwelt über die wirtschaftspolitische Aktivität und die Modellbildung der daraus abzuleitenden Wachstumsstrategien hat jedoch gezeigt, dass eine allgemein gültige Aussage nicht zu treffen ist.
Es ist aus den wirtschaftsgeschichtlichen Forschungsergebnissen dennoch zu erkennen, dass die hier zu untersuchenden Staaten im Zuge der Aufholprozesse ihre Wirtschaftspolitik einer grundlegenden Überprüfung und Revision unterzogen haben. Länder wie China und andere SWAV´s haben in ihrer Entwicklungsgeschichte jüngerer Zeit die eigenständige bzw. importsubstituierende Industrialisierung aufgegeben und eine offene Handelspolitik betrieben. Die exportorientierte Industriepolitik brachte diesen Ländern unverkennbaren Erfolg, gleichzeitig aber auch neue Spannungsfelder bei der Verfolgung der Wachstumsstrategien. Im internationalen Handel setzen die Staaten nicht selten verschiedene Instrumente der Außenhandelspolitik ein. Mit den gängigen Maßnahmen wie die Besteuerung oder Subventionierung bestimmter Außenhandelstransaktionen, gesetzliche Importbeschränkungen und zahlreiche weitere Maßnahmen versucht ein Land, seine nationale Industrie vor ausländischen Konkurrenten zu schützen oder seine Exportbranchen zu fördern.
Aus Sicht der traditionellen Außenhandelstheorie schaden die staatlichen Interventionen bis auf wenige Ausnahmen sowohl dem Ausland als auch der eigenen Wohlfahrt. Der neuen Handelstheorie zufolge bieten sich aber vielfältige Möglichkeiten für wohlfahrtsteigernde Protektionsmaßnahmen an. Die damit verbundene Theorie der strategischen Handelspolitik unter Einsatz spieltheoretischer Analysemethoden hat zahlreiche wirtschaftspolitische Empfehlungen mit der Rentenumlenkung als Ziel geliefert. Die von Brander und Spencer entwickelten grundlegenden Modelle sind zwar scharfer Kritik ausgesetzt, finden aber vielerorts in der Handelspolitik praktische Umsetzung. Zu den sektorspezifischen Maßnahmen aus diesen Modellansätzen zählen
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insbesondere die Subventionen in vielfältiger Form wie Exportsubventionen, sektorspezifische, kostenreduzierende Subventionen sowie sektorspezifisch wirkende Abschreibungsmodalitäten für Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Ferner kann der Staat weitere steuerpolitische Instrumente aber auch wettbewerbspolitische Maßnahmen wie Forschungs- und Rationalisierungskartelle und die Förderung wettbewerbsfähiger nationaler Unternehmenseinheiten einsetzen. Als ordnungspolitisches Dogma gilt: generell für alle Wirtschaftszweige wirkende Maßnahmen sind sektorspezifischen Instrumenten vorzuziehen (Spencer/Brander 1983; Brander/Spencer 1985, S. 83-100). Die Ausgestaltung einer optimalen Handels- und Industriepolitik ist von den jeweiligen Marktbedingungen abhängig. Unterschiedliches Wettbewerbsverhalten von Unternehmen oder die intersektorale Verknüpfung von Märkten haben starke Auswirkungen auf die Effekte inländischer Politik. Um eine optimale Handelspolitik konzipieren zu können, muss der Staat zahlreiche Parameter und Kriterien genau kennen, von denen die Funktionsweise der betroffenen Märkte abhängt. Das Problem liegt bei der Frage, wie der Staat handelsstrategische Sektoren identifizieren kann. Die Identifizierung handelsstrategischer Sektoren konkretisiert sich in der Frage, welche Kriterien sollen Subventionsförderungen eines Sektors berechtigen. Der Staat muss eindeutige Vorstellungen über die gewünschte zukünftige Sektorstruktur haben. Es stellt sich nur die Frage, woher er diese Kenntnisse bekommt (Grossman 1986, S. 48).
Die Branchenentwicklung der chinesischen Exportindustrie hat gezeigt, dass sich die Export- und Wettbewerbsfähigkeit Chinas mit den komparativen Kostenvorteilen und der Faktorausstattung bzw. anderen Theorieansätzen nicht vollständig erklären lässt. Die importbeschränkenden und exportfördernden Praktiken Chinas, ob konzeptionell durchdacht oder ideologisch gesteuert, spielen stets eine wichtige Rolle. Eine Analyse der chinesischen Zahlungsbilanzen zeigt auf, dass für China nicht allein die effizientere Ressourcennutzung durch internationalen Leistungstausch im Vordergrund steht. Einen empirischen Beleg zur Verdeutlichung der staatlichen Eingriffe und deren Effekte liefert beispielsweise die sogenannte „fiskalische Abwertung“ der chinesischen Währung während und nach der Asienkrise Ende der 1990er Jahre. Unter den radikal veränderten Umfeldbedingungen bediente sich die chinesische Regierung damals statt einer offiziellen Abwertung des RMB des Instrumentes der Steuererleichterungen für die
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Exportgüter. Die Mehrwertsteuer-Rückerstattungssätze 6 an die chinesischen Exporteure sind seit 1998 mehrfach erhöht worden (Taube 1999, S. 15). Die Branchen wie Textilien und Textilmaschinen mit bis zu 17%-Erstattungssatz, dies entspricht einer 100%-Mehrwertsteuerrückerstattung, Elektrogeräte sowie verschiedene leichtindustrielle Güter haben von dieser Maßnahme signifikant profitiert (Statistisches Amt der Provinz Gansu 2004). Der Güterhandel zwischen China und dem Rest der Welt stieg nach kurzer Stagnierung im Jahr 1998 wieder an. Im gleichen Zug wächst aber auch die Belastung für den Staatshaushalt aufgrund der Exportsubventionierung dieser Art.
Die chinesischen Exportsubventionen in Form von Mehrwertsteuer-Rückerstattungen für die Exporteure stellen in zweierlei Hinsicht Schaden für das eigene Land dar. Zum einen bewirkt diese Maßnahme Einnahmeausfälle bzw. eine Umverteilung der Kosten von den Unternehmen zum Staat. Die chinesischen Steuerzahler müssen schließlich diese Kosten tragen (Taube 1999, S. 16 f.). Zum anderen verschlechtern die Exportsubventionen der traditionellen Außenhandelstheorie zufolge die Terms of Trade 7 des eigenen Landes und erzeugen Verzerrungen in der Produktions- und Konsumanreize (Krugmann/Obstfeld 2004, S. 157-161, S. 266). Die mittlerweile gewonnenen Erkenntnisse über die Ineffizienzen und die negativen Wohlfahrtseffekte dieser Industrie- und Außenhandelspolitik haben die chinesische Regierung dazu veranlasst, ihren bisherigen Kurs zu überdenken und zu überarbeiten. Seit dem 15. September 2006 ist eine modifizierte Regelung über die Steuerrückerstattung mit teilweise starker Senkung oder vollständiger Abschaffung der Mehrwertsteuererstattung für die Exportgüter in Kraft getreten. Damit will die Regierung nicht nur eine fiskalische und währungspolitische Wirkung erzielen, sondern auch eine Optimierung der Branchenstruktur. Insoweit setzt der Staat einen Signal für noch mehr marktgerechte Preisbildung und fördert damit die Fähigkeit zur Effizienzsteigerung innerhalb der chinesischen Unternehmen. Dieser Schritt ist längst notwendig und überfällig, denn langfristig können nur die Unternehmen überleben, die sich der Herausforderung des Struktur-wandels aktiv stellen und sich rechtzeitig an die veränderten Umfeldbedingungen anpassen.
6 Das aktuelle System der Mehrwertsteuer-Rückerstattung für Exportgüter wurde 1985 in China eingeführt. Der geltende Mehrwertsteuersatz beträgt 17%.
7 Die Definition und Wohlfahrtswirkungen von Terms of Trade in der Außenhandelstheorie von Krugman und Obstfeld wird hier übernommen. Demnach erhöht ein Anstieg der Terms of Trade bzw. deren Rückgang reduziert die
Wohlfahrt einer Volkswirtschaft (Krugman/Obstfeld 2004, S. 143).
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Volkswirtin Ya Neugebauer-Tao, 2007, Eine Prognose der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels vor dem Hintergrund der Erfahrungen der schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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