Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1 Einleitung. 3
2 Litauen - ein Überblick 4
2.1 Das Land 4
2.2 Die Sprache. 5
2.3 Entwicklung des Litauischen. 7
2.4 Geschichte. 7
3 Vilnius-Wilna-Wilno-Vilné. 9
Jahr. 9
4 Russifizierungspolitik - Litauens Sonderstellung. 13
5 Minderheiten in Litauen/Vilnius 17
5.1 Die russische Minderheit 17
5.1.1 Herkunft 18
5.1.2 Litauische Russen 19
5.1.3 Russen von Litauen. 19
5.1.4 Sowjet-Russen. 19
5.1.5 Die Lage nach der Unabhängigkeit 20
5.2 Die polnische Minderheit 23
5.2.1 Herkunft 26
5.2.2 Litauische Polen. 26
1
5.2.3 Polen von Litauen 27
5.2.4 Sowjet-Polen 27
5.2.5 Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung 27
5.2.6 Die Lage nach der Unabhängigkeit 28
5.3 Andere Minderheiten 29
6 Die heutige Lage. 31
6.1 Das Sprachgesetz 32
6.2 Das Staatsbürgerschaftsgesetz 33
6.3 Wie sieht die Realität aus? 34
7 Conclusion 36
Literaturverzeichnis. 37
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1 Einleitung
Litauen - ein für viele weitgehend unbekanntes Land "irgendwo im Osten". Die wechselvolle Geschichte hat Land und Leute geprägt, verschiedene Nationen und Kulturen haben ihre Spuren hinterlassen.
Die Hauptstadt Vilnius, welche "Hauptdarstellerin" der vorliegenden Arbeit ist, hat sich seit der wiedererlangten Unabhängigkeit 1990 zu einer zunehmend westlich anmutenden Metropole gewandelt und zieht immer mehr Touristen aus aller Welt an.
Im Verlauf der Geschichte prallten hier regelmäßig verschiedene Völker und Kulturen beim Kampf um die Vorherrschaft aufeinander, vor allem Deutsche, Litauer, Polen und Russen. Eine wichtige - besonders kulturelle - Rolle spielten die Juden, welche in Vilnius teilweise sogar die mit Abstand größte Minderheitengruppe waren und dort vor dem Einmarsch der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs ca. ein Drittel der Einwohner ausmachten.
Dabei konnten sich letztlich die Litauer allen widrigen Umständen zum Trotz behaupten und befreiten sich 1990 endgültig von fremder Vorherrschaft. Deutsche, Polen und Russen bilden eine Minderheit, wobei in Vilnius aber nur die beiden letztgenannten politisch gesehen eine Rolle spielen und daher auch in dieser Arbeit genauer betrachtet werden sollen.
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2 Litauen - ein Überblick
Litauen - wo liegt das eigentlich?
Die Antwort lautet: im Herzen Europas (vgl. Abbildung 01). Französische Geographen haben berechnet, dass sich das geographischen Zentrum Europas exakt auf 54°54' nördlicher Breite und 25°19' östlicher Länge befindet. Also 26 km nördlich von Vilnius beim Dorf Purnušks (vgl. Bockamp/Eisenschmid 2000: 407).
2.1 Das Land
Mit einer Fläche von ca. 65.000 qkm und ungefähr 3,7 Millionen Einwohnern ist Litauen der größte baltische Staat und lässt sich gemessen an seiner Größe und Einwohnerzahl am ehesten mit Irland vergleichen.
Nachfolgende zur Einordnung ein Vergleich einiger Länder mit Litauen (vgl.: http://www.auswaertiges-amt.de, Stand März 2001):
Die Litauer stellen den größten Bevölkerungsanteil (81,4 %). Bedeutende Minderheiten sind Russen und Polen. Im Jahre 2001 setzte sich die Bevölkerung in Litauen folgendermaßen zusammen (vgl.: http://www.auswaertiges-amt.de):
Die ursprüngliche Nationalflagge wurde erst am 18.11.1988 wieder offiziell eingeführt. Die drei Längsstreifen (von oben nach unten: gelb, grün, rot) haben folgende Bedeutung (vgl. : http://www.erdkunde-online.de/0931.htm):
gelb: Sonne, Licht, Reichtum, Würde, das Gute grün: Vegetation, Glaube, Freiheit, Glück rot: das Blut, welches für das Vaterland vergossen wurde
2.2 Die Sprache
Zu den baltischen Sprachen zählt man heute Litauisch und Lettisch sowie deren Dialekte. Außerdem gehörte das im 17. Jh. ausgestorbene Altpreußische dazu (vgl. Abbildungen 02 und 03).
Diesem sich auf die Sprachverwandtschaft stützenden Begriff Baltisch steht ein geographisch-historisch-kultureller Begriff Baltisch gegenüber, der mit dem Substantiv Baltikum (engl. The Baltics; russ. ) korrespondiert.
Damit ist auch Estland gemeint, in dem allerdings eine finnougrische Sprache (estnisch) gesprochen wird. Generell spricht man von den drei baltischen Ländern/Staaten (Litauen, Lettland und Estland) und hinsichtlich der Literatur auch von den Literaturen des Baltikums.
Das Baltische zählt zu den indoeuropäischen Sprachen. Ein Problem ergibt sich aber aus den engen Beziehungen des Baltischen zum Slawischen.
Daneben weisen viele Indogermanisten auf eine Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen dem Baltischen und dem Germanischen, auf spezielle baltisch-germanische Übereinstimmungen hin, wobei häufig auch das Slawische mitbeteiligt ist, z. B.
• Bildungsweise der Zahlwörter von 11 bis 19 mithilfe einer Zweitkomponente (lit.lika, z.B. vienuolika, dvylika) aus idg. *leiku und got -lif- aus idg. *-leip- (got. ainlif, dt. elf, got. twalif, dt. zwölf).
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• Lexikalische Übereinstimmungen, die älter sind als baltisch-slawisch-germanische oder baltisch-slawische, z. B. lit. dirbti "arbeiten", darbas "Arbeit", angelsächsisch deorfan "sich anstrengen", arbeiten, deorf "Arbeit, Mühsal, Gefahr".
Die genauen Verwandtschaftsbeziehungen sind bis heute umstritten, nachfolgend einige Standpunkte (vgl. Eckert u. a. 1994: 37ff.):
"Das Slavische und Baltische stimmen in so zahlreichen und charakteristischen Neuerungen überein, daß die Annahme einer baltoslavischen Spracheinheit unumgänglich erscheint." (G. KLINGENSCHMIDT).
W.P. SCHMID berücksichtigt besonders areale Gesichtspunkte und analysierte die alteuropäischen Gewässernamen, welche auf ein im baltischen Gebiet gelegenes Zentrum der alteuropäischen Hydronomie mit Beziehungen zu den indogermanischen Sprachen des Westens hinweisen. Er vertritt die These einer langen baltisch-slawischen Nachbarschaft, sieht aber keine balto-slawische Einheit. H.D. POHL zieht neben der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft auch die Methoden der arealen Linguistik und der Arealtypologie hinzu. Demgemäß "besteht die sog. baltoslawische Einheit aus mehreren Schichten, nämlich aus gemeinsamem Erbe, unabhängiger Parallelentwicklung und gegenseitiger Beeinflussung durch Nachbarschaft und/oder Überlagerung".
Nach momentanem Forschungs- und Wissensstand geht man nicht mehr von einer gemeinsamen Ursprache aus.
Das Baltische und Slawische kommt aus einem indogermanischen Dialektgebiet und verdankt seine Nähe zueinander einer lange währenden Nachbarschaft (vgl. Abbildungen 04 und 05).
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2.3 Entwicklung des Litauischen
Seit dem 13. Jahrhundert dominierten das Polnische und andere Landessprachen, sodass im 17. Jahrhundert nur noch von Bauern auf dem Land litauisch gesprochen wurde, während die Kommunikation in den Städten auf Polnisch erfolgte. 1669 wurde polnisch offiziell als Staatssprache eingeführt. In Vilnius gab es ab 1737 keine Predigten auf Litauisch mehr.
Ab 1795 wurde russisch als Amtssprache eingeführt, wobei die Landbevölkerung aber weiterhin litauisch sprach.
Erst mit dem Erwachen des Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert wurde die Entwicklung des hochsprachlichen Litauisch abgeschlossen.
2.4 Geschichte
Allein schon aus Übersichts- und Platzgründen (eine detaillierte Darstellung der litauischen Geschichte hätte mehr als sechs Seiten gefüllt) können hier nur die wesentlichen und für das allgemeine Verständnis der heutigen Situation wichtigen Daten und Ereignisse wiedergegeben werden.
Das Land wurde erstmals 1009 in den "Quedlinburger Annalen" erwähnt. Als eigentlicher Gründer gilt jedoch Fürst MINDAUGAS, der im 13. Jahrhundert die verschiedenen Stämme unter seiner Herrschaft vereinte und sich erfolgreich gegen den "Orden der Ritterschaft Christi" (Schwertritterorden) wehrte. Am 06.07.1253 wurde er zum ersten (und einzigsten) König Litauens gekrönt. Dieser Tag wird heute noch offiziell als Nationalfeiertag (Krönungstag von MINDAUGAS) begangen.
Zwischen 1392 und 1430 erreichte Litauen unter dem Großfürsten VYTAUTAS den Höhepunkt seiner Macht und reichte von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer (vgl. Abbildungen 06 und 07).
Ab 1386 befand sich Litauen in einer Personalunion mit Polen, die 1569 in eine Realunion (d. h. gemeinsamer Staat) umgewandelt wurde. Litauen verkam zunehmend zu einer polnischen Provinz.
Nach der dritten polnischen Teilung 1795 kam der größte Teil Litauens zum russischen Reich und russisch wurde offizielle Amtssprache (vgl. Abbildung 08).
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1830/31 und 1863 wurden mehrere von litauischen Geistlichen mithilfe des polnischen, litauischen und weißrussischen niederen Adels angezettelte Aufstände blutig niedergeschlagen und bewirkten eine verstärkte Russifizierung und Änderung der zaristischen Politik. Nunmehr bestand das Ziel darin, den polnischen Einfluss in der Region zu unterdrücken, die Litauer als eine eigene Kultur anzuerkennen, dann von den Polen zu trennen und im Russischen und Orthodoxen zu assimilieren (vgl. Sedaitis/Vardys 1997: 16).
Dies änderte sich erst nach der Niederlage Russlands und Deutschlands im 1. Weltkrieg. Am 16. Februar 1918 wurde eine unabhängige litauische Republik ausgerufen. Als Hauptstadt diente Kaunas, da das Gebiet von Vilnius von Polen annektiert war (vgl. Abbildungen 09 und 10). Heute wird dieser Tag als Unabhängigkeitstag gefeiert. Im Zuge des 2. Weltkriegs kam Litauen ab 1940 für 50 Jahre unter Sowjetherrschaft und erklärte am 11. März 1990 seine Unabhängigkeit.
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3 Vilnius-Wilna-Wilno-Vilné
Eine andere, nicht weniger passende Überschrift wäre sicherlich "Vilnius - leidvolle Geschichte einer Stadt".
Als Bezeichnung wird hier jeweils der offizielle litauische Name (Vilnius) verwendet, obwohl die Stadt im Laufe der Geschichte abhängig von den jeweiligen "Eigentümern" anders genannt wurde (polnisch: Wilno, deutsch: Wilna, daneben wurde sie von den jüdischen Einwohnern als "Vilné" bezeichnet). Das Hauptaugenmerk soll den wichtigsten Minderheiten (der russischen und polnischen) gelten, auf die dann in Kapitel fünf bzw. sechs genauer eingegangen wird. Andere Minderheiten spielen heute zahlenmäßig und politisch nur eine sehr unbedeutende Rolle. Einleitend zur Übersicht die Entwicklung der Einwohnerzahlen von Vilnius im Laufe der Geschichte (vgl. http://www.datacomm.ch/pschaer/facts.htm):
(1) vgl. Dunin-Horkawicz 1991: IV. (2) vgl. Bockamp/Eisenschmid 2000: 380 (3) vgl. Dunin-Horkawicz 1991: V. (4) vgl. Dunin-Horkawicz 1991: VI. (5) vgl. http://www.vilnius.lt
Vilnius diente Litauern, Polen, Juden und Weißrussen (im 16. und 17. Jahrhundert auch Ukrainern) als kulturelles und religiöses Zentrum.
Im 16. Jahrhundert erlebte Vilnius eine Blütezeit und war mit ca. 30.000 Einwohnern eine der größten Städte Europas.
Im Jahre 1811 war Vilnius mit 56.000 Einwohnern nach Moskau und St. Petersburg die drittgrößte Stadt des russischen Reiches.
Um die Jahrhundertwende stellten die Juden die größte Minderheitengruppe; zu Beginn des 1. Weltkriegs waren 98.000 der 235.000 Einwohner Juden (= 41,7 %). Nach dem 2. Weltkrieg waren die Polen die zahlenmäßig größte Minderheitengruppe. Die Beziehungen der verschiedenen Ethnien zueinander waren dabei natürlich nicht immer freundschaftlich. Besonders aber im zwanzigsten Jahrhundert entbrannte ein heftiger Streit um Vilnius (vgl. auch Abbildung 10, wo besonders das zwischen 1920 und 1939 von Polen annektierte Gebiet um Vilnius zu beachten ist):
"Es gibt im zwanzigsten Jahrhundert wohl nicht noch einmal eine Stadt, die wie Wilna dreizehnmal von einer Hand in die andere gegangen wäre. Ihre Bewohner hatten folglich Gelegenheit gehabt zu lernen, auf den Einmarsch verschiedenster Armeen zu reagieren, wie man auf Naturkatastrophen zu reagieren pflegt - indem man sich bemüht, weiter seinen täglichen Verrichtungen, Interessen und Zerstreuungen nachzugehen." (Miłosz 1997: 44).
Dieser Auszug mag etwas ironisch klingen, spiegelt die damalige Lage aber recht deutlich wieder. Um die heutige Situation zu verstehen ist es angebracht, die wechselvolle Geschichte von Vilnius etwas detaillierter zu betrachten. Denn wie so oft bei Minderheitenkonflikten liegen die Wurzeln in der Vergangenheit.
Nachfolgend ein Überblick der Geschichte von Vilnius ab 1795:
1795: Nach der dritten polnischen Teilung fällt ein Großteil Litauens, darunter Vilnius, an Russland.
1812: Napoleon durchquert mit seiner "Grande Armée" auf dem Hin- und Rückmarsch nach Moskau zweimal die Stadt.
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Arbeit zitieren:
Master of Arts (Kulturwissenschaften) Sascha Miller, 2002, Vilnius - die balto-slawische Metropole, München, GRIN Verlag GmbH
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