Gliederung:
I. Einleitung 3
II. Brechts episches Theater in Abgrenzung zum klassischen Theater 4
III. Episierungsstrukturen in Mutter Courage:
Verfremdung durch Episierung 5
1. Der V-Effekt 6
2. auktoriale Episierung 7
3. Episierung durch Figuren 8
4. außersprachliche Episierung 9
5. Episierung durch Aufhebung der Finalität 10
6. Episierung durch Aufhebung der Konzentration 11
7. Episierung durch Aufhebung der Absolutheit 12
IV. Schluss 13
V. Literaturverzeichnis 14
2
I. Einleitung
„Das Wesentliche am epischen Theater ist vielleicht, dass es nicht so sehr an das Gefühl, sondern mehr an die Ratio des Zuschauers appelliert. Nicht miterleben soll der Zuschauer, sondern sich auseinandersetzen.“ 1
Diese Aussage Bertolt Brechts verdeutlicht wie der Begriff des epischen Theaters in Brechts Sinn zu verstehen ist. Als einer der bedeutendsten Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts erschuf Bertolt Brecht die Theorie des epischen Theaters, die hauptsächlich kritisch-politisch orientiert ist und insbesondere das klassische aristotelische Theater der damaligen Zeit angriff und umstürzte. 2
Diese Arbeit soll die Theorie des epischen Theaters erläutern und wird sich mit den Episierungsstrukturen in Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ beschäftigen, um zu überprüfen, ob Brecht in diesem Stück seine Theorie des epischen Theaters umgesetzt hat.
1 Brecht, „Betrachtung über die Schwierigkeit des epischen Theaters“, S. 186
2 vgl. Jeßing/ Köhnen, 2003, S. 107
3
II. Brechts episches Theater in Abgrenzung zum
klassischen Theater
Der Begriff des „epischen Theaters“ steht für eine Theatertheorie, die sich in Zielsetzung und Methode grundsätzlich von dem klassischen, aristotelischen Drama unterscheidet. 3
Der junge, marxistisch geprägte Brecht suchte neue Methoden und Darstellungsmittel, um das Theater zu politischen Zwecken gebrauchen zu können. 4 Daraus folgte Brechts Bestreben die Wirklichkeit seiner Zeit realistisch mit den Mitteln des Theaters abzubilden. Als Sympathisant der marxistischen Einstellungen interessierte sich Brecht zwangsläufig für die Soziologie und das sozilogische Denken und widmete sich wohl deshalb hauptsächlich der soziologischen Thematik einer „objektiven Realität, die sich verändert und von der das Individuum abhängig ist“ 5 Nach Hecht fand Brecht in der soziologischen Betrachtungsweise der Gesellschaft die Gründe dafür, sein Schaffen, ein neues episches Theater, an die Stelle zu setzen, die das alte Theater wegen der veränderten gesellschaftlichen Situation nicht mehr ausfüllen konnte. 6 Brecht grenzt das Ziel des epischen Theaters eindeutig von dem Ziel des aristotelischen Theaters, nämlich der „Katharsis als Reinigung des Zuschauers von Furcht und Mitleid durch die Identifizierung mit den dargestellten Personen“ 7 ab. Während weiter das Ziel des klassischen Theaters, dem Rezipienten möglichst 8 viel an Illusion zu bieten, damit er sich allein auf das Konsumieren des vom Schauspieler Vorgetragenen beschränken konnte, soll der Zuschauer „in seine reale Welt eingeführt werden, mit wachen Sinnen“. 9 Sie sollen nicht stieren und lauschen, sondern schauen und hören.
Stellt man beide Theaterformen gegenüber, wie Brecht dies in seinen „Anmerkungen zur Oper ‚Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny’“ 10 tut, stellt man folgendes fest:
3 vgl. Eversberg, 1976, S. 30
4 vgl. Eversberg, 1976, S. 32
5 Hecht, 1962, S. 42
6 vgl. ebd. S. 61
7 Eversberg, 1976, S. 39
8 vgl. Brecht, „Kleines Organon für das Theater“, 1948, S. 23
9 Brecht, „Betrachtung über die Schwierigkeit des epischen Theaters“, 1927, S. 100
10 vgl. Brecht, „Anmerkungen zur Oper ,Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny'“, 1930, S. 153
4
Im klassischen Drama steht der Charakter eines Menschen im Mittelpunkt, während im epischen Theater der Mensch als aktiv veränderbares Subjekt begriffen wird, das von den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Gesellschaft bestimmt wird. Hieraus wird ersichtlich, dass die klassische Form des Theaters einen unveränderlichen Menschen, die epische Form allerdings einen ‚veränderlichen und veränderbaren Menschen in den Mittelpunkt stellt. 11 Weiterhin fällt auf, dass das epische Theater nicht von Identifikation sondern von Distanzierung und nicht von Einfühlung sondern von kritischer Reflexion geprägt sein soll. Das Ziel des epischen Theaters von Brecht ist die Aufhebung der ökonomisch-sozialen Widersprüche der bürgerlichen Gesellschaft. Auf dieses Ziel hin sucht es die Wirklichkeit zu provozieren und zu verändern. Damit ist das eigentliche Publikum Brechts ein Publikum in der bürgerlichen Gesellschaft.
III. Episierungsstrukturen in Mutter Courage:
Verfremdung durch Episierung
Die Uraufführung der Mutter Courage fand 1941 in Zürich statt. Von Therese Giese gespielt, wurde die Figur der Mutter Courage so dargestellt, dass das Publikum mit ihr Mitleid empfinden musste. Der Ausgang wurde als traurig und tragisch empfunden, weil die Courage unwissentlich ihre Kinder dem Krieg überließ, obwohl sie alles Mögliche getan hat um sie zu schützen. Diese Einfühlung in die Figur der Courage war der Art der Darstellung der Figur und der Erfahrung der Rezipienten der schrecklichen Kriegsgeschehnisse geschuldet. 12 Brecht sah sich damit gründlich missverstanden und inszenierte daraufhin die Mutter Courage selbst. Unter seiner Leitung führte das Berliner Ensemble 1949 die Mutter Courage auf, Helene Weigel spielte die Hauptfigur. Das dort dargestellte Verhalten der Mutter Courage entsprach ganz der Intention Brechts, 13 sodass sich im Folgenden dieser Arbeit angeführte und analysierte Episierungsstrukturen auch immer auf diese Inszenierung der Mutter Courage beziehen werden. Dies ist notwendig, da laut Pfister eine umfassende Analyse
11 vgl. Eversberg, 1976, S. 42
12 vgl. Eversberg 1976, S. 78
13 vgl. Eversberg 1976, S. 78
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Arbeit zitieren:
Christoph Beuck, 2007, Episierungsstrukturen in "Mutter Courage und ihre Kinder", München, GRIN Verlag GmbH
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