Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 3
2. Bedeutung der Schule für Gesellschaft und Individuum. 5
3.Darstellung der Länder Kanada, Finnland und Frankreich 8
3.1. Kanada 9
3.2. Finnland 10
3.3. Frankreich. 11
4. Ergebnisse und Befunde 13
5. Fazit 16
6. Literaturverzeichnis 19
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1. Einleitung
Die Pisa-Studie verweist auf die Bedeutung der sozialen Herkunft und der familiären Lebensverhältnisse für den Schulerfolg. Als deutlicher Befund zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem weit weniger erfolgreich sind als Kinder und Jugendliche, die bereits in Deutschland geboren und deren Eltern ebenfalls in Deutschland aufgewachsen sind (Schümer 2004, S. 131). Dadurch erhalten solche Kinder und Jugendliche im späteren Lebenslauf wesentlich schlechtere Bedingungen und was sich als Beispiel „folglich in den späteren Einkommensverhältnissen widerspiegelt“ (Giddens 1999, S. 455). Die Pisa-Studie 1 hat vor allem das Interesse der Medien und der Bevölkerung geweckt. Die Befunde der Pisa-Studie haben gezeigt, dass Kinder und Jugendliche mit einer Migrationsgeschichte über Landesgrenzen hinaus generell mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit schwächere Schulleistungen erbringen als Kinder und Jugendliche gleichen Alters ohne Migrationshintergrund (BMBF 2003, S. 196). Der Unterschied wurde zudem sehr deutlich, wenn beide Elternteile im Ausland geboren sind und zusätzlich verstärkt, wenn der Schüler oder die Schülerin selbst ebenfalls im Ausland geboren ist. Betrachtet man die Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund allein (vgl. Abb. 1, Seite 5), erreichen sie in Deutschland nur geringfügig überdurchschnittliche Ergebnisse. Die unterdurchschnittlichen Ergebnisse in der Gesamtbeurteilung sind demnach unter anderem auf die mangelnde Integration der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und deren relativ großen Anteil an der gesamten Schülerschaft in Deutschland zurückzuführen.
In vielen der teilnehmenden Länder gab und gibt es beträchtliche Migrationsbewegungen, die dazu geführt haben, dass sich die Bildungssysteme auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und die damit verbundenen neuen Anforderungen einstellen müssen. „Seit Mitte der 1990er Jahre ist in den meisten
OECD-Mitgliedstaaten ein Anstieg der Migration zu verzeichnen. Die Ursachen der Wanderungsprozesse wie zum Beispiel Arbeitsmigration, familiäre Gründe oder regionale Konflikte, stehen dabei in engem Zusammenhang mit den Erfolgen in der Eingliederung der Zuwanderer“ (Deutsches Pisa-Konsortium 2003, S. 256). Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass diese Eingliederung der Zuwanderer in Deutschland, besonders der Schülerinnen und Schüler, nicht mit den Ergebnissen anderer Staaten mithalten kann.
Abb. 1: Vergleich der Leistungen von Schülerinnen und Schülern nach Abstammung und
Abstammung der Eltern in Deutschland (BMBF 2003, S. 198)
* Gruppe 1: Mit Inländer werden die Schülerinnen und Schüler bezeichnet, bei den höchstens ein Elternteil im Ausland geboren ist.
** Gruppe 2: Schülerinnen und Schüler deren Eltern im Ausland geboren wurden.
*** Gruppe 3: Sowohl die Eltern als auch die Schülerinnen und Schüler sind im Ausland geboren.
Im Folgendem werden drei Länder schemenhaft, in ihren Bestrebungen jugendliche Zuwanderer in ihr gehöriges Schulsystem zu integrieren, vorgestellt. Hierbei werden zuerst die Ergebnisse der jeweiligen Zielgruppe skizziert, daran anschließend die Bemühungen der einzelnen Staaten die Schülerinnen und Schüler zu integrieren (vgl. Kapitel 3). Die Auswahl der Länder -Kanada, Frankreich und Finnland- basiert auf zwei wesentlichen Aspekten. Das erste Auswahlkriterium sind die Positionen der Länder im Pisa-Vergleich. Mit Kanada und Finnland haben wir Länder, die im Länderranking (Deutsches Pisa-Konsortium 2001, S. 533-535) Spitzenpositionen einnehmen, wo hingegen Frankreich eher im oberem Mittelfeld rangiert, aber immer noch über dem OECD-Durchschnitt liegt.
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Der zweite Aspekt bezieht sich vor allem auf die Migrationsbewegungen der Länder. So sind Frankreich 2 und Kanada zwei traditionelle Einwanderungsländer auf Grund ihrer Geschichte. Finnland hingegen hat eher eine geringe Einwanderungsbewegung. Doch trotz oder gerade auf Grund ihrer Migrationsbewegungen hat jedes Land eine eigene Integrationspolitik entwickelt, die bei einem Vergleich wichtige Ansatzpunkte liefern können (vgl. Kapitel 4). Doch bevor man sich mit den Ergebnissen der Länder beschäftigen kann, muss man sich verdeutlichen, welche Bedeutung die Institution Schule und damit auch die Pisa-Studie für die Gesellschaft und das Individuum hat.
2. Bedeutung der Schule für Gesellschaft und Individuum
„Die ökonomischen, politischen, kulturellen und sozialen Kräfteverhältnisse einer Gesellschaft“ (Hurrelmann 1993, S. 92) werden verkürzt als die Sozialstruktur der Gesellschaft bezeichnet. Hierbei werden drei wesentliche Aspekte in Verbindung gesetzt. Zum einen „Grad und Form der Arbeitsteilung zwischen gesellschaftlichen Bevölkerungsgruppen, Institutionen und Organisationen“ (Hurrelmann 1997, S. 92) und zum anderen „Grad und Form der (Un-)Gleichheit der Verteilung von Macht, Einfluss, Prestige, Einkommen, Besitz und Bildung in der Gesellschaft“ (Hurrelmann 1997, S. 93). Die Sozialstruktur beeinflusst im besonderem Maße, das soziale Gefüge einer Gesellschaft und ihren Lebensbedingungen.
Der Institution Schule kommt damit eine besondere Bedeutung zu, da sie die Teilnahme und die Position des Individuums stark beeinflusst. Dabei hat sie Schule nicht nur Erziehungs- und Sozialisationsaufgaben zu erfüllen, „sondern auch solche der Qualifikation, der Auslese (Selektion) und der Zuteilung (Allokation) von Bildungs-und somit Lebenschancen“ (Korte/ Schäfers 1993, S. 35). Die Schülerinnen und Schüler „sollen durch entsprechende Noten und Bildungsabschlüsse bestimmte Berufsfelder und Positionen im gesellschaftlichen Höher und Tiefer geöffnet bzw. gesperrt werden“ (Hradil 2004, S. 149).
2 Frankreich kommt hier eine Sonderposition zu, da die Einwanderungsströme vor allem aus den Ländern stammen, die in früheren Zeiten Kolonien Frankreichs waren und somit meist bereits die französische
Sprache sprechen.
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In den 70er Jahren hat eine enorme Bildungsexpansion stattgefunden mit der Hoffung, dass diese für alle Bevölkerungsgruppen gleiche Chancen hervorbringen kann. Doch das Ziel wurde nicht vollständig erreicht, denn die „Ungleichheiten zwischen Kindern ungleicher Herkunft“ (Korte/ Schäfers 1998, S. 152) ist wesentlich unverändert geblieben. Zwar konnten auch Kinder und Jugendliche aus unteren schichten ihren Bildungsstand verbessern, aber auch die Bessergestellten konnten ihre Leistungen verbessern. Der Zusammenhang zwischen Bildungsabschlüssen und der beruflichen Perspektive ist in Deutschland immer noch besonders hoch (Hradil 2004, S. 149). Drei Bevölkerungsgruppen stehen hier im Vordergrund der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskussion. Zum einen ist die Gruppe der Mädchen und Frauen besonders betroffen, die noch heute häufig geringe Verdienst- und Aufstiegschancen besitzen (Löw 2003, S. 79), zum anderen die Gruppe der unteren Schichten, die häufig nicht die Möglichkeiten haben und Unterstützung finden aus den unteren Schichten aufzusteigen, auch wenn die Chancen in der heutigen Zeit größer geworden sind (Korte/ Schäfers 1998, S. 156). Im Kontext dieser Arbeit stehen aber vor allem die Personen mit Migrationshintergrund im Vordergrund. Diese drei Gruppierungen erreichen nur unterproportional häufig einen weiterführenden bzw. überhaupt einen Bildungsabschluss (Hradil 2004, S. 149). Bei soziologischen Untersuchungen ist die Institution Schule auf der Mesoebene einzuordnen. Sie ist das Bindeglied zwischen dem Individuum (Mikroebene) und der Gesellschaft (Makroebene) (Preisendörfer 2005, S. 153). Die Mesoebene hat den Vorteil, dass Untersuchungen zu Mobilitäts- und Platzierungsprozessen leichter möglich werden, da klare Indikatoren und Merkmale (z.B. der sozioökonomische Status, u. ä.) gemessen werden können, im Gegensatz zur Makroebene. Die Gesellschaft ist ein gedankliches Konstrukt, wodurch Indikatoren und Merkmalen schwer messbar werden (Preisendörfer 2005, S. 155) und das Ziel, das Aufdecken von sozialer (Un-)Gleichheit und sozialen und kulturellen Lebensbedingungen, ist somit nur schwer zu erreichen. Soziale Ungleichheit liegt dort vor, wo die Möglichkeiten des Zugangs zu „allgemein verfügbaren und erstrebenswerten sozialen Gütern und/oder zu sozialen Positionen (...) dauerhaft Einschränkungen erfahren und dadurch Lebenschancen“ (Löw 2003, S. 59) begünstigt oder beeinträchtigt.
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Arbeit zitieren:
Tim Rosendahl, 2006, Länderspezifische Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag GmbH
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