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Von
Daniela Maschmann
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Die Klosterreformen im 10. und 11. Jahrhundert im burgundisch - lothringischen Raum haben einen wichtigen Platz in der Geschichte eingenommen. Das Mönchtum dieser Zeit war in der Lage, innerhalb, aber auch außerhalb des Reiches, mit seinen Reformen die Zeitgenossen insgesamt und deren gesellschaftliche Entwicklung tief zu beeindrucken. 1 Eine zum Teil neu entstandene kirchliche Führungskraft begann mit der Zurückdränung der weltlichen Einflüsse, die in der Geschichte vom Ausgang der Antike bis in die nachkarolingische Zeit maßgeblich waren. 2
Diese Arbeit soll nun die Ausgangssituation vor den Reformen von Beginn des 9. bis ins 10. Jahrhundert kurz anreißen und die Anfänge der Klosterreformen im ersten drittel des 10. Jahrhunderts nachzeichnen. Ziel ist es, einen Überblick über die Situation innerhalb von Kirche und Kloster zu geben, wobei sich der Themenschwerpunkt auf die entstehenden Reformzentren Cluny, Gorze und Brogne im Kontext der allgemeinen Veränderungen richtet. Die Arbeit beschränkt sich somit auf den Beginn der Reformen und auf die Gründungen der genannten Reformklöster. Die einzelnen Kapitel sind so strukturiert, das sie aufeinander aufbauen und vom Allgemeinen zu den konkreten Beispielen führen. Die zu der Zeit herrschende politische Situation, die weiteren Entwicklung innerhalb der Klöster und der weitere Verlauf der Reformen im Allgemeinen wird außen vor gelassen, da diese Erläuterungen den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden. Die Arbeit basiert vor allem auf den Untersuchungen von Consuetudines und Memorialquellen wie Brauchtexten, Verbrüderungsbüchern und Nekrologien durch Geschichtswissenschaftler. Besonders intensiv wird hier auf das Resultat der Arbeiten des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte 3 sowie auf die Untersuchungen Peter Hawels 4 eingegangen. Doch obwohl das Werk Hawels neueren Datums ist, muß hinzugefügt werden, daß diese Literatur in der Forschung wohl nicht als richtungsweisend gelten darf, jedoch die damalige Situation gut veranschaulicht. Die Forschungsergebnisse in dem von R. Kottje und H. Maurer herausgegebenem Werk sind demgegenüber um so wertvoller. Und dennoch geben die Aufsätze zum größten Teil nur die Wesensmerkmale mit verschiedenen Schwerpunktthemen wieder, denn die Motive zu den Reformen sind bislang noch nicht hinreichend bekannt und es gibt eine Vielzahl von Ursachen, welche die
1 Vgl. Wollasch, Joachim: Der Einfluß des Mönchtums auf Reich und Kirche. In: Schmid, Karl: Reich und Kirche vor dem
Investiturstreit. Sigmaringen: Jan Thorbecke Verlag 1985. S.46.
2 Vgl. Fink, Karl August: Papsttum und Kirche im abendländischen Mittelalter. München: Beck 1981. S.60.
3 Vgl. Kottje, Raymund / Helmut Maurer (Hrsg.): Monastische Reformen im 9. und 10. Jahrhundert. Sigmaringen: Jan
Thorbecke Verlag 1989.
2
Entwicklung des Mönchtums im 10. Jahrhundert geprägt haben könnten. Und auch zu der Frage, was die Reform eigentlich im engeren Sinne sei, gibt es unzählige Antwortversuche. 5 Die Forschung kann also auf diesem Themengebiet noch lange nicht für ausreichend erklärt werden.
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Um in das eigentliche Thema dieser Arbeit, die Reformbewegungen am Anfang des 10. Jahrhunderts einzuführen, soll an dieser Stelle ein kurzer Überblick über die Gesamtsituation der Kirche im 9. und 10. Jahrhundert gegeben werden.
Spezifisch für diese Zeit sind die ungeklärten hierarchischen Verhältnisse zwischen der Kirche und dem Königtum. Beziehungen persönlicher, rechtlicher und dinglicher Art verbanden beide zum Teil auf das Engste miteinander. Eine klare Trennung der Aufgabenverteilung und Zuständigkeit wurde somit unmöglich. Den weltlichen Herrschern sicherten diese Beziehungen Einflußmöglichkeiten in den Bistümern, den Bischöfen den ständigen Kontakt mit dem Hofe. 6 Auch das Reichskirchensystem und das Eigenkirchenwesen hatten eine wichtige Rolle in diesem Verhältnis 7 . Die Einflußmöglichkeiten des Königtums in die Kirche sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. „Das sakrale Königtum war in dieser Zeit in seiner kirchlichen Funktion und Würde kaum umstritten. Königreiche konnten gewisse kirchliche Einheiten bilden.“ 8 Auf der anderen Seite war die Stellung der römischen Kirche als Mutterkirche der Christenheit und die Stellung des Papstes als obersten Patriarchen und Bischof völlig unbezweifelt. Die juristiktionelle oder kirchenpolitische Wirksamkeit des Papstes war im Ganzen allerdings wenig stabil und kontinuierlich. 9
Weniger kompliziert stellte sich die wirtschaftliche Lage der Kirche da. Im Bezug auf die wirtschaftlichen Mittel wurden die Güter der Kirchen in den gleichen zeit- und landesüblichen Formen genutzt und verwaltet wie der Grundbesitz des Königs und der weltlichen Herren. Zusammengesetzt haben sich diese wirtschaftlichen Mittel zum Teil aus Grundbesitz, aus Zehnten, aus Geschenken und aus den Abgaben der Gläubigen in Naturalien oder Geld. Die
4 Vgl. Hawel, Peter: Das Mönchtum im Abendland. Geschichte - Kultur - Lebensform. Freiburg: Verlag Herder 1993.
5 Vgl. Werner, Matthias: Wege der Reform und Wege der Forschung. Eine Zwischenbilanz. In: Kottje / Maurer, S.265; 267.
6 Vgl. Fink: Papsttum und Kirche. S.66.
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8 Tellenbach, Gerd: Die westliche Kirche vom 10. bis zum frühen 12. Jahrhundert. Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht
1988. S.32.
9 Vgl. Ebd.
3
Arbeit zitieren:
M.A. Daniela Maschmann, 1999, Die Anfänge der Klosterreformen im 10. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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