Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
I. Einleitung und Hinführung zum Thema 1
I.1. Die Rahmenbedingungen der internationalen Beziehungen in Europa nach dem
Wiener Kongress 1
I.2. Fragestellung und Anlage der Arbeit 2
II. Gleichgewicht der Kräfte und europäisches Konzert 4
II.1. Das Gleichgewichtsmodell nach 1815. 4
II.2. Grundsätze und Instrumente des europäischen Konzerts 5
II.3. Die Akteure. 7
III. Der Kernpunkt der internationalen Beziehungen des 19. Jahrhunderts: die
orientalische Frage. 9
III.1. Europa und das Osmanische Reich 9
III.2. Der erwachende Nationalismus auf dem Balkan. 12
IV. Der Krimkrieg und der Friedenskongress zu Paris 1856 13
IV. Der Krimkrieg 1853-1856 13
IV.2. Der Friedenskongress zu Paris - Ergebnis und Bedeutung. 16
V. Fazit- die Jahre 1853 bis 1856 als Wendepunkt in den internationalen Beziehungen
im 19. Jahrhundert? 19
Literaturverzeichnis 21
Monographien : 21
Aufs ätze: 22
2
I. Einleitung und Hinführung zum Thema
I.1. Die Rahmenbedingungen der internationalen Beziehungen in Europa nach dem Wiener Kongress
Nach 1815 standen die Siegermächte vor der Aufgabe, die europäische Ordnung vor neuerlichen (tatsächlichen oder vermeintlichen) kriegerischen und revolutionären Bedrohungen zu schützen. Zu diesem Zweck schlossen England, Russland, Österreich und Preußen am 20. November 1815 die Quadrupelallianz, die 1818 in Aachen durch die Aufnahme Frankreichs zur Pentarchie der Großmächte erweitert wurde. Metternich und der englische Außenminister Castlereagh regten regelmäßige Konferenzen dieser Mächte an. 1 Damit begann die Ära der europäischen Konferenzen und Kongresse, die mit der oben bereits erwähnten Herrscherzusammenkunft von Aachen ihren Anfang nahm. Das Europa der Pentarchie fand indes nicht zum alten Gleichgewichtssystem des 18. Jahrhunderts zurück, das auf der klassischen Trennung von Außen- und Innenpolitik beruht hatte. 2 Vielmehr waren die Großmächte gezwungen, sich mit divergierenden innenpolitischen Entwicklungen in den verschiedenen Nationen zu beschäftigen. Der restaurative Gleichklang der führenden Vertreter der Großmächte konnte den im 19. Jahrhundert um sich greifenden gesamtgesellschaftlichen Wandel nur sehr schwer in geregelte Bahnen lenken. Dieses Jahrhundert bildete sowohl im wirtschaftlichen wie auch im politischen Bereich eine Dynamik heraus, die es in keinem Jahrhundert zuvor gegeben hatte. Diese Dynamik hatte erhebliche Auswirkungen auf die Ausgestaltung der internationalen Beziehungen.
Als erstes ist an dieser Stelle die Industrielle Revolution zu nennen, da die Industrialisierung sehr bald ein wichtiger Bestandteil staatlichen Denkens und Handelns war. Der Besitz von Kohle- und Eisenerzvorkommen sowie die Größe der Stahlproduktion bekam machtpolitische Bedeutung. 3
1 Siehe Kissinger, Henry A.: Grossmacht-Diplomatie. Von der Staatskunst Castlereaghs und Metternichs,
Neuauflage Düsseldorf 1980, Seite 216.
2 Siehe Kleinschmidt, Harald: Geschichte der internationalen Beziehungen, Stuttgart 1998, Seite 258ff.
3 Siehe Baumgart, Winfried: Europäisches Konzert und nationale Bewegung 1830-1878, Handbuch der
Geschichte der internationalen Beziehungen, hrsg. von Heinz Duchhardt und Franz Knipping, Band 6,
Paderborn u.a. 1999, Seite 22.
1
Des Weiteren ist der aufkeimende Nationalismus als Erbe der französischen Revolution von Bedeutung. Bereits in den 1820er Jahren erkämpfte sich eine Nation entgegen den Grundsätzen der Wiener Ordnung in einem langem Kampf ihre Unabhängigkeit. Die Griechen erreichten ihre Loslösung vom Osmanischen Reich. In den Jahren 1830/32 manifestierte sich dies in einem neuen griechischen Staat. 4 In den Staaten Europas nahmen die nationalen Strömungen einen unterschiedlichen Verlauf und waren mal mehr mal weniger offensiv ausgerichtet, doch der europäischen Friedensordnung brachten diese Bewegungen schwere Erschütterungen bei, wie die revolutionären Bestrebungen der 1840er Jahre deutlich zeigten.
Weitere Merkmale für die sich bahnbrechende Dynamik des 19. Jahrhunderts waren die Zunahme des Verkehrs und des interkulturellen Austausches, zunehmende Handelsverflechtungen zwischen den europäischen Staaten im Zuge der Industrialisierung und den Forderungen nach Freihandel. Ferner ist die wachsende Bedeutung der Presse zu erwähnen, die durch ihre veröffentlichte Meinung einen spürbaren Einfluss auf die europäischen Staatsmänner ausübte, auch wenn dieser Einfluss von Politiker zu Politiker und unter den Staaten deutlich differierte.
Die europäischen Regierungen sahen sich im 19. Jahrhundert also veränderten Rahmenbedingungen als im 18. Jahrhundert gegenüber. Eine Wiederaufnahme der traditionellen Außenpolitik war demzufolge nur schwerlich möglich. Das Ziel dieser Arbeit wird es sein, aufzuzeigen, mit welchen Mitteln und Methoden die führenden Politiker auf diese veränderten Rahmenbedingungen eingegangen sind. Dabei wird die genaue Fragestellung im nächsten Punkt vorgestellt werden.
I.2. Fragestellung und Anlage der Arbeit
Die Wirksamkeit des europäischen Konzerts und die Dauer der Wirksamkeit sind in der Forschung heftig diskutiert worden. Dabei ging besonders die historische Forschung davon aus, dass das europäische Konzert seine Wirksamkeit nach 1822 bereits
4 Siehe ebda., Seite 88.
2
weitgehend eingebüsst hatte. 5 Demgegenüber teilen neuere Ansätze die Auffassung, das europäische Konzert habe seine Wirksamkeit zwar zum Teil eingebüsst, sie aber nicht vollständig verloren. 6 Allgemein wird der Zeitraum von 1815 bis 1856 als die „klassische Zeit“ und die Jahrzehnte danach als die des langsamen Zerfalls des europäischen Konzerts angesehen. Die Wendemarke in den Beziehungen der Großmächte untereinander stellt der Krimkrieg von 1853-56 mitsamt dem Friedensvertrag von Paris aus dem Jahr 1856 dar. In dieser Arbeit soll nun zunächst in einem ersten Schwerpunkt dargestellt werden, wie die Grundsätze des europäischen Konzerts ausgesehen haben. Des Weiteren soll die orientalische Frage, das Kernthema der Außenpolitik des 19. Jahrhunderts, vorgestellt werden.
In einem zweiten Schwerpunkt sollen die Ereignisse um den Krimkrieg und den Friedenskongress von Paris aus dem Jahr 1856 im Zusammenhang mit der Frage betrachtet werden, inwieweit es gerechtfertigt ist, von diesem Zeitraum als einer Wendemarke der internationalen Beziehungen im 19. Jahrhundert zu sprechen. Ist dieser Krieg und der anschließende Frieden ein Indiz für das Funktionieren oder das Scheitern der Politik des europäischen Konzerts gewesen und wie sind die in Punkt II vorgestellten Grundsätze zur Anwendung gebracht worden? Die Jahre 1853 -1856 sollen also im Zentrum dieser Arbeit stehen. Ferner soll es darum gehen strukturelle Gegebenheiten aufzuzeigen und nicht eine ereignisgeschichtliche Abhandlung über das europäische Konzert zu liefern.
5 Siehe Schieder, Theodor. Vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich, in: Gebhardt Handbuch der
deutschen Geschichte, Band 15 der Taschenbuchausgabe, 16. Aufl., München 1999, Seite 38f. und vgl.
Langewiesche, Dieter: Europa zwischen Restauration und Revolution, 3. Auflage, München 1993.
6 Siehe Baumgart, Winfried, Europäisches Konzert, Seite 156.
3
II. Gleichgewicht der Kräfte und europäisches Konzert
II.1. Das Gleichgewichtsmodell nach 1815
Das Friedenswerk von Wien stand zur Gänze unter dem Zeichen des Gleichgewichtsgedankens. Metternich selbst hatte „die tägliche Anwendung des Prinzips der Solidarität und des Gleichgewichts in den internationalen Beziehungen“ als die Hauptaufgabe der Diplomatie angesehen. 7 Diese Politik des „balance of power“ war seit dem Frieden von Utrecht von 1713 federführend gewesen. 8 Zu diesem Zeitpunkt war sie jedoch nicht als friedensstiftendes Instrument eingeführt worden, sondern sie diente dem Eigeninteresse jeweiliger Staaten, insbesondere dem der englischen Regierung, die auf diese Weise das Aufkommen einer kontinentalen Hegemonialmacht verhindern wollte. 9 So war das Kräftegleichgewicht des 18. Jahrhundert auch ein anderes als jenes nach dem Wiener Kongress. Es war mechanistisch angelegt, die handelnden Staaten schlossen und brachen weiterhin Verträge nach ihrem Gutdünken. Diese einfache Ausgestaltung des Gleichgewichts erfuhr durch den Wiener Kongress eine tiefgreifende Veränderung. Die Erweiterung des Gleichgewichtsprinzips um eine gesellschaftspolitische Dimension zog weitreichende Veränderungen nach sich. So sollte mit Hilfe eines außenpolitischen Grundsatzes die Festschreibung des gesellschaftlichen Status quo in Europa sichergestellt werden. In diesem Zusammenhang bedeutete Gleichgewichtspolitik zugleich die Überwachung und Aufrechterhaltung der inneren Ruhe in den Staaten (Legitimitätsprinzip) und damit die Unterdrückung liberaler und besonders nationaler Strömungen. 10 Dabei stellte die Durchsetzung sowie Aufrechterhaltung des monarchischen Prinzips die innenpolitische Dimension dar, und nach Außen sollte diese Politik durch die Heilige Allianz verdeutlicht werden. Die theoretische Fundierung dieser Politik findet sich bei Friedrich von Gentz, der für die österreichische Regierung 1814/1815 als Kongresssekretär tätig war.
Gentz schrieb bereits im Jahre 1806 über das Kräftegleichgewicht, es sei „diejenige Verfassung neben einander bestehender und mehr oder weniger mit einander
7 Baumgart, Winfried, Europäisches Konzert, Seite 146.
8 Siehe Strohmeyer, Arno: Theorie der Interaktion. Das europäische Gleichgewicht der Kräfte in der
frühen Neuzeit, Wien u.a. 1994, Seite 151.
9 Siehe Pfetsch, Frank R.: Internationale Politik, Stuttgart 1994, Seite 133.
10 Siehe Baumgart, Winfried, Europäisches Konzert, Seite 146 und siehe Holbraad, Carsten: The Concert
of Europe: A Study in German and British International Theory 1815-1914, London 1970, Seite 17ff.
4
Arbeit zitieren:
Tobias Thiel, 2004, Die Politik des europäischen Konzerts von 1815 bis 1870, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Konfessionspolitik von Friedrich III./I. bis 1697 im Spiegel der M...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 24 Seiten
Markgräfin Mathilde von Tuszie...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 14 Seiten
Das Motiv des Meeres in Shakespeares "Othello, the Moor of Venice...
Hausarbeit, 22 Seiten
Tobias Thiel hat den Text Die Politik des europäischen Konzerts von 1815 bis 1870 veröffentlicht
Tobias Thiel hat einen neuen Text hochgeladen
Netzwerke im europäischen Mehrebenensystem. Von 1945 bis zur Gegenwart
Networks in European Multileve...
Michael Gehler, Wolfram Kaiser, Brigitte Leucht
Briefe in politischer Kommunikation vom Alten Orient bis ins 20. Jahrh...
Le lettere nella comunicazione...
Christina Antenhofer, Mario Müller
Die Europäische Union und der Beitritt der Türkei
Positionen türkischer Parteien...
Ismail Ermagan
Die Europäische Union und ihre ethnischen Minderheiten
Eine Studie unter besonderer B...
Robin Schmied-Kowarzik, Hans Karl Rupp
Die Integration Ungarns in den europäischen Wirtschaftsraum
Eine Analyse der außenwirtscha...
Peter Matthias Trick
Konservative Parteien in Deutschland 1912 bis 1933
Demokratisierung und Partizipa...
Kirsten Heinsohn
Der Tiergarten in Berlin - ein Ort der Geschichte
Eine kultur- und literaturhist...
Susanna Brogi
0 Kommentare