Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
I. Einleitung und Hinführung zum Thema. 1
I.1. Die wissenschaftstheoretische und methodologische Einordnung von Schumpeters
National ökonomie. 1
I.2. Der Kreislauf der Wirtschaft 3
II. Der Begriff des Neuen in den Überlegungen von Joseph Alois Schumpeter 6
II.1. Der Typus des Unternehmers. 6
II.2. Schöpferische Zerstörung 9
III. Exkurs: der Begriff der „produktiven Zerstörung“ bei Horst Bredekamp 12
IV. Fazit - die Bedeutung von Schumpeters Ökonomie des Neuen zu Beginn des 21.
Jahrhunderts 14
Literaturverzeichnis 16
Werke von Joseph A. Schumpeter: 16
Sekund ärliteratur: 16
I. Einleitung und Hinführung zum Thema
I.1. Die wissenschaftstheoretische und methodologische Einordnung von Schumpeters Nationalökonomie
Joseph Alois Schumpeter 1 in die Geschichte des ökonomischen Denkens richtig einzuordnen, fällt nicht leicht, da sich Schumpeters Werk selbst als Erkenntnisprozess darstellt, das mannigfachen Veränderungen unterworfen war. Zudem sind die Umstände zu berücksichtigen, unter denen Schumpeter seine Gedanken entworfen hat. In diesem Zusammenhang spielt im deutschsprachigen Raum der damaligen Zeit insbesondere der Methodenstreit zwischen der Österreichischen Grenznutzenschule einerseits und der Historischen Schule andererseits eine wichtige Rolle. 2 Schumpeter selbst wird in vielen ökonomischen Werken der österreichischen Schule zugeordnet. Obwohl es unstrittig ist, dass er in den Traditionen dieser Schule ausgebildet wurde und in ihren Denkmustern seine wissenschaftliche Laufbahn begonnen hat, unterschlägt eine derartige Festlegung den oben genannten Erkenntnisprozess in Schumpeters Denken. 3 Dieser Prozess kann dabei in fünf Phasen unterteilt werden. 4 Dabei stammt das Werk, das im Zentrum dieser Arbeit stehen wird, also die „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ 5 , aus der zweiten Phase, in welcher Schumpeter eine theoretische Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung anstrebte.
1 Joseph Alois Schumpeter, österreichischer Volkswirtschaftler und Sozialwissenschaftler, geb. in Triesch (heute Trest) am 8.02.1883, gest. in Taconic (Connecticut) am 8.01.1950. Schumpeter studierte von 1901 bis 1906 Rechtswissenschaften in Wien. Im Jahr 1909 trat der noch junge Mann seine erste Professur an. Es folgten Beschäftigungen an diversen Universitäten und bei verschiedenen Behörden sowie in der freien Wirtschaft. Zwischen 1927 und 1930 hielt Schumpeter Gastvorlesungen an der heutigen Eliteuniversität in Harvard ab. Von 1932 bis 1950 lehrte er dann als ordentlicher Professor in Harvard. -Siehe zum Leben von Joseph A. Schumpeter: Swedberg, Richard: Joseph A. Schumpeter: eine Biographie. Stuttgart 1994.
2 Siehe Kesting, Peter: Zwischen Neoklassik und Historismus. Das ökonomische Werk Joseph A. Schumpeters aus methodologischer und theoriegeschichtlicher Perspektive, Marburg 1997, S. 19.
3 Vgl. ebda., S. 19 und vgl. Söllner, Fritz: Die Geschichte des ökonomischen Denkens. Berlin 1999; S. 283.
4 Siehe Kesting, Peter, (wie Anm. 2), S. 20.
5 Schumpeter, Joseph A.: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Untersuchung über Unternehmergewinn, Kapital, Kredit, Zins und den Konjunkturzyklus, 5. Aufl., Berlin 1952 (Erstauflage von 1911).
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Ausgehend von der Grenznutzenschule entwickelte Schumpeter eine Theorie der Entwicklung des kapitalistischen Wirtschaftssystems, die er durch innerwirtschaftliche, diskontinuierliche Veränderungen erklärte. Außergewöhnlich ist, dass Schumpeter nicht den Konflikt mit den Vertretern der Historischen Schule suchte, sondern die beiden konkurrierenden Ansätze bereits zu diesem frühen Zeitpunkt seines wissenschaftlichen Werdegangs zu vereinen suchte. 6 So war sein frühes Hauptwerk einer historischen Untersuchung des Konjunkturzyklus gewidmet.
Insgesamt wird man Schumpeters Theorie einen Sonderstatus zuweisen müssen. Zu den beiden oben genannten Schulen befindet er sich in einem Spannungsverhältnis, und eindeutig ist lediglich, dass Schumpeter mit der reinen ökonomischen Theorie gebrochen hat.
Das zweite Werk, auf welches in dieser Arbeit Bezug genommen wird, ist das wohl bekannteste Buch Schumpeters mit dem Titel „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“. 7 Dieses Spätwerk entstand in der sogenannten dritten methodologischen (geschichtlichen) Phase. In dieser letzten Phase hatte sich Schumpeter dem Historismus am weitesten angenähert, ohne allerdings seine neoklassischen Grundanschauungen vollständig aufzugeben. 8 Anders ausgedrückt könnte man es auch so umschreiben, dass Schumpeters Theorie zwischen den Extremen Leon Walras 9 mit dessen Gleichgewichtstheorie auf der einen Seite und Karl Marx mit dessen Wirtschafts- und Gesellschaftslehre auf der anderen Seite anzusiedeln ist. 10 Sein Bild von dem dynamischen Wachstum des Kapitalismus, in dem der technische Fortschritt aus dem Konkurrenzkampf resultiert, entspricht
6 Siehe Kesting, Peter, (wie Anm. 2), S. 19.
7 Schumpeter, Joseph A.: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. 6. Aufl., Tübingen 1987.
8 Siehe Kesting, Peter, (wie Anm. 2), S. 20.
9 Walras, Marie Esprit Léon, schweizerischer Volkswirtschaftler, geb. in Évreux (Frankreich) 16.12. 1834, gest. in Clarens (heute zu Montreux) 5.1.1910; ursprünglich Literaturwissenschaftler; 1871-92 Professor in Lausanne; gehört zu den Begründern der Grenznutzenschule und den Hauptvertretern der Neoklassik. Seine Theorie des allgemeinen ökonomischen Gleichgewichts ist stark mathematisch orientiert.
10 Siehe dazu Kurz, Heinz D.: Joseph A. Schumpeter: Ein Sozioökonom zwischen Marx und Walras. Marburg 2005.
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somit weitgehend der Analyse von Marx, wiewohl von einem apologetischen, das Unternehmertum glorifizierenden, Standpunkt aus.
Als Kritik an diesem Programm wird auf die Kluft hingewiesen, die sich aus methodologischem Wollen und ökonomischem Können ergibt, das Schumpeter sich der theoretischen und analytischen Umsetzung seiner Ideen demzufolge als nicht gewachsen erwies. 11 Es ist jedoch denkbar, das sich dies aus der Schwierigkeit des Unterfangens an sich ergab und weniger an individuellen Unzulänglichkeiten Schumpeters festzumachen ist.
I.2. Der Kreislauf der Wirtschaft
Schumpeter beginnt in seiner „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ mit einer Analyse des Kreislaufs der Wirtschaft. Seine Kritik an diesem theoretischen Konstrukt ist die, dass es die vorgefundenen Abläufe nur abbilde und somit das Phänomen wirtschaftlicher Entwicklung weder darstellen noch erläutern könne. 12 Durch Kontinuität gekennzeichnet, dokumentiert der Gütererwerb durch Tausch oder Produktion den Kreislauf am ehesten. Schumpeter selbst führt dies folgendermaßen aus: „Die Gesetze des Tausches zeigen uns, wie dieser Kreislauf sich aus gegebenen Verhältnissen eindeutig erklären lässt, und lehren uns auch, daß und warum er sich nicht ändert, solange diese Verhältnisse dieselben bleiben, und daß und warum er sich mit ihren Veränderungen selbst anpassend verändert.“ 13
In diesem Kreislauf agiere der „praktische Wirt“, jenes Wirtschaftsobjekt, das in dem Kreislauf verhaftet sei und sich vor allem dadurch auszeichne, dass es der ratio der erfahrungsmäßigen Konstanz von Angebot und Nachfrage und den daraus resultierenden Regeln der Preisbildung folge. 14 In diesem Zusammenhang untermauert Schumpeter seine Kritik an der klassischen Theorie und
11 Siehe Söllner, Fritz, (wie Anm. 3), S. 285.
12 Siehe Gerschlager, Caroline: Konturen der Entgrenzung. Die Ökonomie des Neuen im Denken von Thomas Hobbes, Francis Bacon und Joseph Alois Schumpeter, Marburg 1996, S. 115.
13 Schumpeter, (wie Anm. 5), S. 54.
14 Vgl. ebda., S. 9f.
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Arbeit zitieren:
Tobias Thiel, 2006, Der Unternehmer als Künstler des Neuen in der Theorie von Joseph A. Schumpeter, München, GRIN Verlag GmbH
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