Gliederung
Gliederung 2
1. Einleitung. 3
2. Der Versuch einer Definition der Erlebnispädagogik 6
2.1 City Bound 8
3. Ziele 10
3.1. Die intrapersonale Ebene 13
3.2 Die Gruppenebene 13
3.3 Die gesellschaftliche Ebene 13
4. Das Methodische Handeln. 15
4.1 Die Stadt als Medium 16
4.2 Situationen 17
4.3 Individuum und Gruppe. 18
4.4 Aktion und Reflexion. 20
4.5. Homeward Bound 20
4.6. Der ökologische Aspekt. 21
5. Erlebnispädagogische Ansätze in der Familienhilfe 23
6. Fazit mit kritischen Ansätzen 27
7. Literaturverzeichnis 30
Internetseiten. 31
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1. Einleitung
Seit den 80er Jahren ist ein regelrechter Boom bei der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) zu verzeichnen, so dass sie 1991 im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJGH) fest verankert wurde. Mittlerweile ist die SPFH fast flächendeckend in ganz Deutschland zu finden - allerdings in unterschiedlichen Organisationsformen und Rahmenbedingungen. Ihre Aufgabenstellung scheint sich aus dem sozialen Wandel und den Belastungen, denen heutzutage viele Familien ausgesetzt sind, zu ergeben. Die Modernisierungsprozesse der letzten Jahrzehnte haben nicht nur zu einer noch nie da gewesenen Vielfalt von Familienformen geführt, sondern auch gleichzeitig zu sozioökonomischen Veränderungen, welche mit Problemen wie Arbeitslosigkeit, Armut und Verschuldung einhergehen. Die Folge dieser Problematik und auch des neu entstandenen Bewusstseins für „Erziehung“ ist ein gestiegener Bedarf an beratenden, pädagogischen, psychosozialen aber auch materiellen Hilfestellungen seitens professioneller, offizieller Institutionen, zur
Krisenbewältigung akuter Familiennotlagen (vgl. Nielsen in Chassé/Wensierski (Hrsg.)). Diese bieten die verschiedensten Möglichkeiten zur Unterstützung an - z.B. innerhalb von Beratungen für die Eltern, psychologischer Unterstützung (z.B. mit Hilfe von Mediation) oder auch Maßnahmen, um die Kinder und Jugendlichen, die schwierigen Familienverhältnissen entstammen, in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und ihnen helfend und anregend zu neuen Lernerfahrungen zur Seite zu stehen. Dieses kann z.B. innerhalb erlebnispädagogischer Ansätze in die Tat umgesetzt werden. Auf diesen Teil der Sozialpädagogischen Familienhilfe möchte ich mich innerhalb dieser Hausarbeit konzentrieren. Erlebnispädagogik ist unkonventionell - sie verlässt die Sicherheit institutioneller Räume und sucht nach möglichst offenen Situationen für authentisches Selbsterleben. Reale Situationen bieten reale Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse, die somit unmittelbar wirken. Das ermöglicht und erfordert gleichermaßen unmittelbares pädagogisches Handeln.
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Diese pädagogische Arbeit setzt im Feld der Erlebnispädagogik ein hohes Maß an handwerklichen und natursportlichen Kenntnissen, aber auch pädagogische und psychologische Kompetenzen des Trainers voraus. In den vergangenen Jahren hat eine intensive Qualitätsentwicklung stattgefunden, so dass sich erlebnispädagogische Handlungsansätze in vielen Praxisfeldern einen sicheren Stand verschaffen konnten.
Lange Zeit wurden die krankmachenden Faktoren des städtischen Lebens betont: Die Großstadt wurde mit schlechter Luft, Hektik, Schnellebigkeit, Gewalt, Einsamkeit und Anonymität gleichgesetzt - von daher flüchtete man sich insbesondere in der Zeit der Reformpädagogik in die Natur, z.B. in Landschulheime. In dieser Zeit ist auch das Konzept der Erlebnispädagogik durch Kurt Hahn entstanden, doch durch die Einbeziehung des Erlebnisfeldes „Stadt“ entwickelte sich eine neue, weiterentwickelte Methode der Erlebnispädagogik - in Form des City Bound. Bei der vorliegenden Hausarbeit soll sich besonders auf die methodischen Handlungsansätze innerhalb des City Bound konzentriert werden. Aber zunächst wird mit einer einführenden Beschreibung und Definition des Begriffes Erlebnispädagogik begonnen, um somit eine gemeinsame Basis zu schaffen - mit Hilfe der beschriebenen Ansätze wird näher auf die Erlebnispädagogik innerhalb des
„Großstadtdschungels“ eingegangen - mit der Fragestellung, wie es zu dieser Entwicklung - oberflächlich betrachtet: weg von der Natur-zurück in die Stadtgekommen ist. Um zu verdeutlichen, um welche Ziele es primär bei der Teilnahme an einem City Bound-Kurs geht, wird diese Thematik etwas differenzierter betrachtet: auf der intrapersonalen Ebene, auf der Gruppen- als auch auf der Gesellschaftsebene.
Daraufhin wird auf genauen Handlungsstrategien der City Bound-Methode eingegangen - dabei wird zunächst natürlich beleuchtet, warum ausgerechnet das Medium der Stadt genutzt wird und welche Situationen dazu gebraucht werden, um bei den Teilnehmern Lernerfolge zu erzielen. Heute liegt eine größere Betonung auf individuelle Aufgaben mit anschließender Reflexion der
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jeweiligen Aufgabe innerhalb des sogenannten „Homeward Bound“ als auf Gruppenaufgaben. Zudem findet eine wichtige Verknüpfung zur Ökologie statt, um das Bewusstsein der Teilnehmer gegenüber der Natur zu schärfen. Danach wird, in einem eigens dafür vorgesehenen Kapitel, noch mal Bezug auf die Sozialpädagogische Familienhilfe genommen. Das Ende dieser Arbeit beschließt das Fazit mit kritischen Überlegungen und Ansätzen meinerseits.
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2. Der Versuch einer Definition der Erlebnispädagogik
Der Umstand, dass es keine allgemeingültige Definition gibt, verdeutlicht einerseits die Vielschichtigkeit und die Dynamik, die in dem pädagogischen Zweig der Erlebnispädagogik im Allgemeinen liegt. Andererseits resultiert diese Schwierigkeit daraus, dass der Begriff „Erlebnispädagogik“ im weitesten Sinne von vielen Praktikern mit Erfahrungslernen wie der Ökopädagogik, der Kulturpädagogik, der kreativen Bildung o.ä. gleichgesetzt wird - schlicht alles was sich außerhalb des Klassenzimmers ereignet (vgl. Reiners, S.17). Zudem gibt es viele verschiedene Anbieter auf den unterschiedlichsten Gebieten, so Stimmer - welche dementsprechend auch unterschiedliche Herangehensweisen und Praktiken aufweisen. Er beschreibt weiterhin, dass von Extremsportarten, über Reisen in ferne Länder bis hin zum „einfachen Bergwandern“ nahezu alles vertreten ist, was mit dem Erleben in einer Gruppe zu tun hat. Es lassen sich somit keine klaren Grenzen ziehen, wo genau die Erlebnispädagogik anfängt und aufhört. Ihr primäres Ziel ist es, neue Wege und Alternativen der Sozialisierung und Rehabilitierung aufzuzeigen - außerhalb tradierter Erziehungs- und Bildungseinrichtungen (vgl. Stimmer, S.89f.). Hufenus präzisiert diese recht allgemeinen Aussagen noch etwas mehr, indem er erlebnispädagogische Prozesse dadurch charakterisiert, dass sie „Personen und Gruppen zum Handeln (bringen) mit allen Implikationen und Konsequenzen bei möglichst hoher Echtheit von Aufgabe und Situation in einem Umfeld, das experimentierendes Handeln erlaubt, sicher ist und den notwendigen Ernstcharakter besitzt“ (Zit. Hufenus nach Stimmer, S.89f.). Die Grundidee umfasst dabei vier verschiedene Lernziele:
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1.) Zunächst müssen gewisse Fertigkeiten - je nach Programm - erlernt werden (kognitive Ziele)
2.) Des weiteren sollen affektiv-emtionale Lernziele vermittelt werden, wie z.B. die Steigerung des Selbstwertgefühles, die Fähigkeit Gefühle wahrzunehmen, die Förderung der eigenen Identität, Empathiefähigkeit, Kooperations- und Kompromissfähigkeit etc.
3.) Bei den sozialen Lernzielen sollen den Teilnehmern Fähigkeiten wie Verantwortungsbewusstsein für sich und andere, näher gebracht werden, sowie Regeln als hilfreich im Zusammenspiel von vielen Personen anzuerkennen, gemeinsame Arbeit erkennen und delegieren zu können etc.
4.) Auch die Schulung der Grob- und Feinmotorik ist ein wichtiger Bestandteil der Erlebnispädagogik (vgl. Stimmer, S.90, Fischer/Ziegenspeck S.271)
Zusammenfassend ergibt sich daraus, dass das Lernziel dabei weniger der Wissenserwerb ist, als vielmehr soziale Kompetenzen und Werte wie der Umgang mit Wut und Aggression, das Erkennen der eigenen Schwächen und Stärken sowie das Erlernen des Umgangs mit schwierigen bzw. unbekannten Situationen und somit der eigenen psychischen und physischen Belastbarkeitdas Erfahren der eigenen Grenzen (vgl. Stimmer, S.90). Der Begriff „Outward Bound“ (welcher oft im Zusammenhang mit dem der Erlebnispädagogik genannt wird) bezeichnet die, vom Begründer erlebnispädagogischer Ansätze Kurt Hahn, eröffneten Kurzschulen, in denen jeder die Chance haben sollte, innerhalb von wenigen Wochen, das Angebot seiner Landeserziehungsheime kennenzulernen. Diese arbeiteten mit erlebnispädagogischen Methoden und verfolgten die oben genannten Ziele (Fischer/Ziegenspeck, S.251).
Und um den Eindruck des „verkopften Lernens“, wie Petra Brandt es ausdrückt, zu vermeiden und um sie aussagekräftiger werden zu lassen, taufte man diese Kurzschulen von zuvor „Short Term Schools“ in „Outward Bound“ um. Dieser
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Begriff entstammt der Seefahrt und beschreibt ein Schiff, das nach vielen Vorbereitungen im Hafen für eine lange Seereise gerüstet ist (vgl. Brandt, S.32f.). In der Übertragung bedeutet diese Metapher für mich, dass Menschen „für die Fahrt ins Leben“ vorbereitet und befähigt werden sollen. Heute kann man davon ausgehen, dass die Angebote hauptsächlich in der Natur stattfinden. Die Vielfältigkeit dieser Angebote lässt den Schluss zu, dass diese auch dementsprechend zeitlich verschieden angesiedelt sind - vom Wochenende bis zu mehreren Monaten. In der vorliegenden Hausarbeit soll auf einen ganz besonderen Zweig der Erlebnispädagogik eingegangen werdender Erlebnispädagogik im Brennpunkt der teilweise schwierigen sozialen Umgebung und Bedingungen der Großstadt. Was dies genau ist, welche Ziele verfolgt werden und mit welchen Methoden auf die individuellen Schwierigkeiten der Jugendlichen eingegangen wird, soll in den folgenden Absätzen besprochen werden.
2.1 City Bound
Durch die Einbeziehung des Erlebnisfeldes „Stadt“ in das Arbeitskonzept der klassischen Erlebnispädagogik in Form des Outward Bound entwickelte sich ein eigenständiges Konzept: „City Bound“. Das Erlebnis im Dickicht des Großstadtdschungels. Sie versteht sich aber nicht als Abgrenzung vom Outward Bound, sondern als sinnvolle Ergänzung in der sozialen Jugendarbeit, denn City Bound entstand auch aus den methodischen Überlegungen des Outward Bound (daher auch die Bezeichnung). Ausgehend von der Erfahrung, dass der Transfer von den bisherigen erlebnispädagogischen Aktivitäten oft sehr schwer herstellbar ist, wurde der Aktionsraum in die Stadt - also in das direkte Lebensumfeld - verlegt, ohne aber dass die ursprünglichen Ziele und Methoden aufgegeben wurden. Dennoch musste man die Methoden natürlich an die speziellen Gegebenheiten der Stadt anpassen. Aus diesem Grund werden anstatt sportlicher Aktivitäten Herausforderungen gestellt, in denen die Teilnehmer z.B. mit den speziellen politischen, räumlichen, sozialen und
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Arbeit zitieren:
Claudia Michalek, 2004, Erlebnispädagogische Handlungsansätze für Jugendliche innerhalb der sozialpädagogischen Familienhilfe, München, GRIN Verlag GmbH
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