1. Inhaltsverzeichnis:
1. Inhaltsverzeichnis: 2
2. Einleitung 3
3. Abriss über die Geschehnisse im Jahr 1923: 4
4. Stresemann in der wissenschaftlichen, historischen Diskussion: 9
5. Schluss: 13
6. Literaturverzeichnis: 15
2
2. Einleitung
Ein französischer Politiker beschrieb Stresemann wie folgt: „,Seine äußere Erscheinung hat nichts Gefälliges. Er ist mittelgroß, schwerfällig, dick, gewöhnlich, kahlköpfig, seine Gesichtsfarbe ist trübe und ungesund, seine schräg stehenden Augen sind leicht nach oben gezogen, was ihm einen Zug der Falschheit gibt … Aber in dieser massiven Erscheinung bergen sich ein unerhört beweglicher Geist, ein feuriges Temperament, unbändige Energie, unbegrenzte Arbeitsfähigkeit, politischer Scharfsinn … und ein rednerisches Talent, wie man es … nur selten antrifft. Sicherlich eine starke Persönlichkeit, die sich in allen Lagen zu helfen weiß.’“ 1 Diese schon von Joachim de Marées und Gertrud Dech als zutreffend bezeichnete Beschreibung Stresemanns weckte mein Interesse, mich näher mit Stresemann zu beschäftigen. Die vorliegende Arbeit soll einen tiefergehenden Einblick in die Person Gustav Stresemann und insbesondere seine politische Positionierung ermöglichen. Seine politische Positionierung, sofern überhaupt eine eindeutige auszumachen ist, möchte ich weitestgehend beschränkt auf seine politischen Entscheidungen und Leistungen im Jahre 1923 untersuchen. War Stresemann ein Nationalist, ein Demokrat oder ein demokratischer Nationalist? Oder war er ein „kaisertreuer Demokrat“, wie Kurt Koszyk ihn im Untertitel seines Buches bezeichnet?
Und in wie beurteilen die Historiker Stresemanns Gesinnung und zu welchem Schluss kommen sie?
Zur Klärung dieser Fragen soll diese Hausarbeit einen Beitrag leisten.
1 vgl. Dech, Gertrud; de Marées, Joachim: Die Weimarer Republik. Erstes Heft, Gustav Stresemann führt
Deutschland in den Kreis der Völker zurück. In: Hefte zur Zeitgeschichte. Hrsg. von Joachim de
Marées. Weinheim/Bergstraße: Julius Beltz 1964. S. 5.
3
3. Abriss über die Geschehnisse im Jahr 1923:
Seit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28.6.1919 war das Deutsche Reich dazu verpflichtet, Reparationszahlungen an die Siegermächte des Ersten Weltkrieges zu leisten. Obwohl der in der deutschen Öffentlichkeit als „Schanddiktat“ mit größter Empörung aufgenommene Vertrag das Deutsche Reich wirtschaftlich, militärisch und politisch enorm schwächte und vornehmlich Frankreich als Nutznießer präsentierte, beherrschte nach wie vor die Angst vor einer deutschen Revanche das politische Geschehen in Frankreich. Am 9.1.1923 stellte die alliierte Reparationskommission den Rückstand der deutschen Kohlelieferungen fest. Daraufhin marschierten französische und belgische Truppen in das Ruhrgebiet ein und starteten so die französische Pfänderpolitik 2 . Der damalige Reichskanzler Wilhelm Cuno verkündete daraufhin im Reichstag den passiven Widerstand gegen die Besatzungstruppen im Ruhrgebiet. Dieser Widerstand sollte sich in der Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit mit den Besatzern äußern. Die Finanzierung dieses Widerstandes erfolgte über Staatsanleihen, die so immens waren, dass die Inflation in Deutschland in die Höhe schoss und zu einer Hyperinflation wurde. Im Laufe des Jahres wuchs die Kritik an Cunos Ruhrpolitik aufgrund einer Vielzahl an Problemen, die durch den passiven Widerstand entstanden waren. Wilhelm Cuno wollte jedoch seinen politischen Kurs beibehalten. Er machte die Fortführung seiner Regierung von einem Vertrauensvotum des Reichstages abhängig. Nach dem für Cuno negativen Ausgang dieses Votums und dem gleichbedeutenden Verlust der parlamentarischen Unterstützung trat Cuno am 12.8.1923 von seinem Amt als Reichskanzler zurück.
Noch am gleichen Tag erhielt Gustav Stresemann den Auftrag durch den Reichspräsidenten Friedrich Ebert eine neue Regierung zu bilden. Am 13. August 1923 wurde Stresemann offiziell vereidigt. Stresemann bekleidete in der von ihm neu geformten Regierung neben dem Amt des Reichskanzlers zusätzlich das Amt des
2 vgl. Maxelon, Michael-Olaf: Stresemann und Frankreich 1914 - 1929. Deutsche Politik der Ost-West-
Balance. Düsseldorf: Droste 1972. S. 124.
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Außenministers, welches er auch nach seinem Rücktritt als Reichskanzler am 23.11.1923 bis 1929 weiterhin ausübte. Das Kabinett Stresemann, erstmals eine Regierung der „Großen Koalition“ 3 , setzte sich aus der Deutschen Volkspartei (DVP), deren Vorsitzender Gustav Stresemann selbst war, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und der Partei des Zentrums zusammen. Diese Regierung, wie auch die schon von Wilhelm Cuno geleitete Regierung, hatte mit einer Vielzahl von innen- und außenpolitischen Problemen zu kämpfen. Probleme ergaben sich vor allem durch Putschversuche von Separatisten sowie Extremisten. Separatistische Bewegungen wollten schon kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges einen vom Reich abgetrennten Staat schaffen und riefen hierfür die „Rheinische und Pfälzische Republik“ aus. Nachdem dieser Putschversuch an dem Widerstand der reichstreuen Bevölkerung in den rheinischen Gebieten scheiterte, versuchten eben diese frankophilen Separatisten in Jahre 1923 erneut, dem Ausruf einer „Rheinischen Republik“ eine frankreichverbundene und trotzdem noch autonome Regierung folgen zu lassen. Auch dieses Unternehmen scheiterte am 16. November an der dem Reich verbundenen Bevölkerung. Des Weiteren wollten nationalistische und rechtsradikale Gruppen eine Abspaltung der rheinischen Gebiete vom Reich durch die Separatisten nicht dulden und lieferten sich mit ihnen heftige Straßenschlachten, die zusätzlich die Bildung einer stabilen „Regierung“ durch die Separatisten unmöglich machte. Ein rigoroses Einschreiten seitens der Regierung Stresemann war in diesem Falle folglich nicht notwendig.
Auch wenn die Nationalisten in dieser Situation durch ihr Mittun eine Reichsteilung verhindert hatten, hatten sie keinesfalls in der Gesamtheit einer Teilung des Reiches vorgebeugt. Denn neben den Separatisten waren auch sie eine Gruppe, die Unruhen schürte, eine Abtrennung Bayerns vom Reich forderte und eine autonome Regierung für sich einzurichten versuchte. Für die nationalsozialistischen Kräfte in Bayern war die Beteiligung der SPD an der Reichsregierung schon immer ein “rotes Tuch“ gewesen. Als nun diese Regierung zusätzlich am 26. September 1923 die Aufhebung des passiven Widerstandes im Ruhrkampf anordnete, war dies ein Affront gegenüber allen Nationalisten, denen diese Aktion einer Kapitulation gegenüber Frankreich und einer
3 vgl. Maxelon: Stresemann und Frankreich 1914 - 1929, S.135.
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Arbeit zitieren:
Stefan Wehe, 2006, Stresemann - Ein bedeutender Politiker im Krisenjahr 1923, München, GRIN Verlag GmbH
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