Inhaltsverzeichnis
Anhangsverzeichnis 4
1. Einleitung 5
2. Vorgehensweise 6
3. Was bedeutet Soziale Verantwortung von Unternehmen 7
3.1 Grundsätze von CSR 9
3.2 Maßnahmenschwerpunkte von CSR 10
3.3 Auswirkungen von CSR 11
3.4 Die interne und externe Dimension von CSR 12
3.4.1 Die interne Dimension von CSR 12
3.4.1.1 Humanressourcemanagement 12
3.4.1.2 Arbeitsschutz 13
3.4.1.3 Anpassung an den Wandel 14
3.4.1.4 Umweltverträglichkeit und Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen
15
3.4.2 Die externe Dimension von CSR 17
3.4.2.1 lokale Gemeinschaften 17
3.4.2.2 Geschäftspartner Zulieferer Verbraucher 18
3.4.2.3 Menschenrechte 19
3.4.2.4 Globaler Umweltschutz 20
3.5 Unternehmensführung im Bewusstsein der sozialen Verantwortung 22
3.5.1 Qualität der Arbeit 22
3.5.2 Berichterstattung und Auditierung von CSR-Maßnahmen 24
3.5.3 Sozial verantwortliches Investieren 26
2
4. CSR im wirtschaftlichen und politischen Kontext 28
4.1 Bisherige Hemmnisse von CSR 30
4.2 Der Weg zu einem Aktionsrahmen von CSR 31
5. CSR bzw. bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen in
Deutschland 34
5.1 Die Strategie des Corporate Citizenship 35
5.2 Corporate Citizenship in Deutschland 36
5.2.1 Beteiligung am Corporate Citizenship 37
5.2.2 Maßnahmen des Corporate Citizenship 38
5.2.3 Ziele des Corporate Citizenship 40
5.2.4 Ziele und Unternehmensgröße 43
5.2.5 Aufwendungen für wohltätige Zwecke 45
5.2.6 Bewertung der Erfolge der Corporate Citizenship-Aktionen in
Deutschland 47
5.2.6.1 Beurteilung des Erfolges aus Sicht der Unternehmensführung 47
5.2.6.2 Beurteilung des Erfolgs aus Sicht der eigenen Mitarbeiter 49
5.2.7 Ausblick auf geplante Aktivitäten 49
5.2.8 Good Practice-Beispiele in Deutschland 50
5.2.8.1 Soziale Verantwortung und Corporate Citizenship am Beispiel der
Siemens AG 50
5.2.8.2 Soziale Verantwortung am Beispiel der Ford-Werke AG 56
5.2.9 wirtschaftlicher Ausblick 57
6. Weiterführende Überlegungen 58
Literaturverzeichnis 66
Anhang
3
Anhangsverzeichnis
1. Die Liste der 100 besten Arbeitgeber der EU 2003 71
2. Bewertung von CSR 73
2.1 Richtlinien 73
2.1.1 United Nations Global Compact 74
2.1.2 Caux Round Table Richtlinien für Unternehmen 75
2.1.3 Ethical Trading Initiative s Basic Code (ETI) 76
2.1.4 OECD Leitlinien für multinationale Unternehmen 78
2.2 Standards 78
2.2.1 Boston s College Standard of Excellence 79
2.2.2 Social Accountability 8000 (SA 8000) 79
2.3 Bewertungsinstrumente 81
2.3.1 Community Mark 81
2.3.2 CSR Europe Matrix 81
2.3.3 The European Foundation for Quality Management (EFQM) Excellence
Modell 82
3. CRT Grundsätze für Geschäftsaktivitäten 83
4. Good-Practice Beispiele: 91
5. Leitgedanken zur unternehmerischen Nachhaltigkeit der ÖBU
(schweizerische Vereinigung für ökologisch bewusste
Unternehmensführung) 100
6. Imug: Verantwortlich einkaufen eine repräsentative
Haushaltsbefragung Dez 1999 101
4
1 Einleitung
Im Zuge der wachsenden Globalisierung und dem damit einher gehenden Wandel der Arbeitswelt, der Gesellschaft und ihrer Gesundheit, gewinnt die soziale Verantwortung von Unternehmen (CSR) zunehmend an Bedeutung. Im Sinne der Ottawa Charta sollte die Arbeit als Quelle der Gesundheit statt der Krankheit verstanden werden, so dass es gilt sichere, angenehme Arbeits- und Lebensbedingungen zu schaffen. Dieses Ziel ist erreichbar, indem unnötige Arbeitsbelastungen vorab reduziert werden und sich die Betriebsorganisation und -philosophie auf die Gesundheit und Motivation ihrer Mitarbeiter ausrichtet. Bestandteil des Konzeptes der sozialen Verantwortung ist demnach die Auffassung, dass der Mitarbeiter das höchste Gut eines Unternehmens ist, das es gilt durch entsprechende Maßnahmen zu bewahren. Soziale Verantwortung umfasst von daher Investitionen in Humankapital, aber auch in die Umwelt und das soziale Umfeld der Unternehmen. Hierbei sollen jedoch die Interessen aller Seiten gewahrt werden, also die des Unternehmens und die der Mitarbeiter, der Umwelt und des sozialen Umfeldes. Die Rede ist dann von einer sogenannten Win-Win-Situation.
Auf Grund der globalen Vernetzung vieler Unternehmen gewinnt die soziale Verantwortung von Unternehmen an Tragweite. Sie geht also über die Werktore und das unmittelbare Umfeld hinaus und erzielt weltweite Dimensionen. International erarbeitete Richtlinien, Standards und Bewertungsinstrumente sozialer Verantwortung finden dann auch für Zulieferer, Geschäftspartner und deren Mitarbeiter Anwendung. Ein Unternehmen, das seine Unternehmenspolitik nach den CSR-Prinzipien ausgerichtet hat, ist demnach bestrebt mit internationalen Geschäftspartnern zu handeln, die u.a. die Menschenrechte einhalten und Kinderarbeit untersagen.
Darüber hinaus haben bereits (einige) Unternehmen erkannt, dass überdurchschnittliche sozial- und ökologisch ausgerichtete Unternehmenspraktiken zur Gewinnerzielung beitragen. So werden beispielsweise anerkannt sozial verantwortliche handelnden Unternehmen konkrete finanzielle Vorteile eingeräumt, indem sie z.B. in einen auf ethischen Kriterien basierenden Aktienindex aufgenommen werden.
Vor diesem Hintergrund und dem ganzheitlichen Verständnis von Gesundheit zielt das CSR-Konzept darauf ab, die negativen Einflüsse auf den Menschen und die Gesell-
5
schaft zu minimieren und die Unternehmen und Institutionen zu ähnlichen Handlungsweisen zu animieren 1 .
2 Vorgehensweise
In meinem Praxissemester bei der BKK-Team Gesundheit Gesellschaft für Gesundheitsmanagement mbH in Essen wurde ich mit dem WHO-Projekt „Wandel der Arbeitswelt – Einflüsse auf die Gesundheit der Gesellschaften“ betraut und befasste mich hierbei v.a. mit den Themen „Der Wandel der Arbeitswelt“, „Die gesellschaftlichen Auswirkungen des Wandels der Arbeitswelt“ und „Die Gesundheit im Wandel der Arbeitswelt“. Ich lernte hierdurch, wie stark der Einfluss der Arbeitswelt mit den gesellschaftlichen und gesundheitlichen Chancen korreliert, so dass Unternehmen eine erhebliche Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern und anderen Stakeholdern besitzen.
Da mir das Thema bis dahin noch nicht vertraut war, es bei mir jedoch äußerstes Interesse und Neugierde weckte, entschloss ich mich schließlich es zum Thema meiner Abschlussarbeit zu machen.
Meine Recherchen weitete ich deshalb auf die Medien Hochschulbibliothek Neubrandenburg, Fernleihe, Internet und private Buchbestellungen aus dem Internet aus, wobei mir das Grünbuch der Europäischen Kommission über die “Europäischen Rahmenbedingungen für die Soziale Verantwortung der Unternehmen“ als Grundlage diente. Hiermit verschaffte ich mir einen ersten Überblick über diese Thematik, woraufhin ich meine Recherchen intensivierte. Mit Zunahme der Recherchen wurde ich mir Schritt für Schritt der immensen Komplexität dieses Themas bewusst. Ich stieß auf Problemstellungen, die ich mittels meines bisherigen Kenntnisstandes nicht beantworten kann, es aber zu meiner zukünftigen Zielsetzung mache, mir das hierfür erforderliche Wissen anzueignen.
Aufgrund des vorgegebenen Rahmens der Arbeit entschloss ich mich, den Schwerpunkt auf die Grundlagen von Sozialer Verantwortung zu legen und hierauf aufbauend,
1 (vgl. BKK, WHO; Soziale Indikatoren zur Entwicklung von Gesundheit Soziale Verantwortung von Unternehmen, http://www.bkk.de, [Stand: 09.02.2003],.S.4)
6
die aktuelle Situation in Deutschland zu reflektieren. Die Arbeit will also die verschieden Dimensionen des CSR-Konzeptes aufzeigen und praktisch fundieren.
3 Was bedeutet Soziale Verantwortung von Unterneh-
men?
Es existiert bislang noch keine allgemein gültige Definition des Begriffs der sozialen Verantwortung von Unternehmen (CSR 2 ). Folgt man allerdings dem im Juni 2001 von der Europäischen Kommission vorgelegtem Grünbuch zum Thema CSR, kann CSR als Konzept definiert werden, das den Unternehmen als Grundlage dient, „`auf freiwilliger Basis soziale und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren`“ 3 .
Sozial verantwortliches Handeln implementiert einerseits, gesetzliche Bestimmungen einzuhalten, andererseits aber auch über Gesetzeskonformitäten hinaus „mehr“ in Humankapital, Umwelt und Beziehungen zu anderen Stakeholdern zu investieren. Hierzu zählen beispielsweise Investitionen in umweltverträgliche Technologien und Unternehmenspraktiken, die sich wiederum zuträglich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auswirken. Weiterhin kann sich soziales Engagement, das über gesetzliche Auflagen hinaus geht, positiv auf die Produktivität auswirken.
Die soziale Verantwortung von Unternehmen sollte jedoch nicht als Ersatz für bestehende Rechtvorschriften und Regelungen im Bereich für soziale Rechte und Umwelt-standards gesehen werden. In Ländern ohne entsprechende Rahmenbedingungen ist es vorab erforderlich, angemessene Regulierungs- und Gesetzesrahmen zu schaffen, um somit den Weg für die Entwicklung von sozial verantwortlichen Praktiken zu ebenen 4 .
Die Vorgehensweise der Europäischen Union in Bezug auf die soziale Verantwortung von Unternehmen basiert insbesondere auf der EU-Grundrechte-Charta, die auf dem
2 Corporate Social Responsibility
3 (Europäische KMU und soziale und umweltbezogene Verantwortung, Europäische Kommission, 2002, S.11)
4 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.7)
7
Gipfel in Nizza verabschiedet wurde. Die Charta 5 besitzt zwar keine Rechtskraft, kann aber als Leithilfe für die Politik betrachtet werden.
Mit der Veröffentlichung des Grünbuches über die „Förderung von Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung von Unternehmen“ will die Europäische Kommission eine umfassende europäische Debatte zur Förderung von CSR in Gang setzen, wobei der grundlegende Ansatz des Grünbuchs auf der Vertiefung von Partnerschaften basiert, in denen alle Akteure eine aktive Rolle zu spielen haben. Gemäß der Kommission handelt es sich bei CSR um ein Konzept, nach dem ein Unternehmen für die Auswirkungen seines Handelns auf alle relevanten Interessensgruppen rechenschaftspflichtig ist 6 .
„Die Unternehmen haben die ständige Pflicht, fair und verantwortungsvoll zu handeln und zu der wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen, wobei sie gleichzeitig die Lebensqualität ihrer Mitarbeiter und deren Familien sowie diejenige der örtlichen Gemeinschaft und der Gesellschaft ganz allgemein verbessern.“ 7
„Mit dem Bekenntnis zu ihrer sozialen Verantwortung bestätigen die Unternehmen ihre Rolle beim sozialen und territorialen Zusammenhalt, der Qualitätsförderung und der Umwelt. Über die Produktion, die Arbeitsbeziehungen und ihre Investitionen sind die Unternehmen in der Lage, die Beschäftigung, die Qualität der Arbeitsplätze und der Arbeitsbeziehungen – einschließlich Achtung der Grundrechte, Chancengleichheit,
5 Die Charta betrachtet sechs Rechte. Hierzu zählen die Rechte auf Würde, Freiheiten, Gleichheit, Solidarität sowie die Bürgerrechte und die justiziellen Rechte. Das Recht auf Würde „umfasst das Recht auf Leben, das Verbot von Folterung und von Zwangs- und Pflichtarbeit“ (www.union-network.org, [Stand: 03.06.2003]), das Recht auf Freiheit schließt die Gedankenfreiheit, die freie Meinungsäußerung, die Vereinigungsfreiheit, sowie das Asyl- und das Eigentumsrecht mit ein. Das Recht auf Gleichheit impliziert einerseits Fragen der Nicht-Diskriminierung, andererseits die Rechte von Kindern. Das Recht auf Solidarität bezieht sich auf die „Arbeitsbedingungen, das Verbot von Kinderarbeit, das Recht auf Gesundheitsschutz sowie das Recht auf Tarifverhandlungen und zu Streikaktionen“ (www.union-network.org, [Stand:
03.06.2003]). Die Bürgerrechte vertreten insbesondere das Wahlrecht und die Aufenthaltsfreiheit. Die justiziellen Rechte stehen für das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren (vgl. www.union-network.org, [Stand. 03.06.2003]).
6 (vgl. union-network.org, [Stand: 03.06.2003])
7 (union-network.org, [Stand: 03.06.2003])
8
Nicht-Diskriminierung, Qualität von Gütern und Dienstleistungen, Gesundheitsschutz und Umwelt – zu beeinflussen.“ 7
Doch unter welchen Grundsätzen sollte CSR verwirklicht werden, welche Maßnahmenschwerpunkte setzt CSR und wie wirken sich diese aus? Auf diese Fragen soll nun kurz eingegangen werden:
3.1 Grundsätze von CSR
Die EU verfolgt u.a. das Ziel, die Soziale Verantwortung von Unternehmen zu fördern, wobei folgende Grundsätze zu beachten sind:
(1) Die Soziale Verantwortung von Unternehmen wird stets unter freiwilligen Aspekten durchgeführt, wobei (2) entsprechende Maßnahmen glaubwürdig und transparent sein sollten. (3) Der Schwerpunkt sollte dabei auf solchen Maßnahmen liegen, durch deren Beitrag die Europäische Gemeinschaft einen Mehrwert erfährt. Darüber hinaus (4) muss der CSR-Ansatz ausgewogen und umfassend sein, also wirtschaftliche, soziale und ökologische Fragen sowie Verbraucherinteressen einbeziehen. Ebenso sollten möglichst alle Arten von Unternehmen in allen Wirtschaftssektoren erreicht werden. Das bedeutet, dass das CSR-Konzept neben den Großbetrieben auch den (5) Bedürfnissen und Besonderheiten der Klein- und Mittelunternehmen (KMU) nachgeht, denn diese leisten den größten Wirtschafts- und Beschäftigungsbeitrag. (6) Die CSR-Politik sollte zudem in Einklang mit den bestehenden internationalen Abkommen und -Instrumentarien stehen und diese ergänzen (siehe IAO-Kernarbeitsnormen, OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen) 8 .
8 (vgl. www.bmwa.gv.at, [Stand: 14.01.2003])
9
3.2 Maßnahmenschwerpunkte von CSR
Im März 2000 verabschiedete der Europäische Rat in Lissabon eine neue Strategie, die das Ziel verfolgt, „die Union bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen“ – „zu einem Wirtschaftraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erreichen“ 9 . Zur Verwirklichung dieses Vorhabens kann CSR einen wesentlichen Beitrag leisten, so dass der Europäische Rat in Lissabon an das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen appellierte, um dieses strategische Ziel tatsächlich auch umsetzten zu können. Zu diesem Zweck soll zu aller erst, (1) das Wissen über die positiven Auswirkungen von CSR auf Wirtschaft und Gesellschaft europa- wie auch weltweit, insbesondere in den Entwicklungsländern vertieft werden. Dies implementiert (2) einen regen Austausch von Erfahrungen mit CSR und den Austausch von Good Practice im Bereich von CSR zwischen den Unternehmen und den EU-Mitgliedsstaaten. Zudem ist es unabdingbar, (3) CSR in die Gemeinschaftspolitik zu integrieren und (4) die Entwicklung von CSR-Managementkonzepten zu fördern. Darüber hinaus soll (5) die Transparenz von CSR-Praktiken und -Instrumentarien gefördert werden und (6) CSR zunehmend auch für Mittel-, Klein- und Kleinstunternehmen handhabbar sein 3 .
Am 16.10.2002 wurde in Brüssel das Europäische Stakeholderforum zur Förderung der sozialen Verantwortung der Unternehmen (European Multi-Stakeholderforum on Cor-porate Social Responsibility = CSR-EMS-Forum) eingerichtet, das sich aus rund 20 auf EU-Ebene organisierten Arbeitgeberverbänden und anderen Wirtschaftsvereinigungen sowie Organisationen der Arbeitnehmer und der Zivilgesellschaft zusammensetzt. Den Vorsitzt führt die Kommission 10 . In dem Aufgabenbereich des CSR-EMS-Forums finden sich viele der aufgezeigten Maßnahmenschwerpunkte von CSR wieder.
Die für Beschäftigung und Soziales zuständige Kommissarin, Anna Diamantopoulou, vertritt dazu folgende Meinung: Die soziale Verantwortung ist der Beitrag der Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung. Dieses Forum soll den Unternehmen und ande-
9 (Strategievon Lissabon, www.akwien.at, [Stand: 24.01.2003])
10 (vgl. www.europa.eu, [Stand: 31.05.2003])
10
ren Stakeholdern dabei helfen sich zu einigen, wie dieser Beitrag effizient und nachprüfbar zum Wohle Aller, auch der Unternehmen, geleistet werden kann.“ 11
3.3 Auswirkungen von CSR
Nach Angaben anerkannter sozial verantwortlich und umweltbewusst handelnder Unternehmen geht eine derartige Unternehmensausrichtung mit wirtschaftlichen Auswirkungen, wie Leistungs-, Gewinn- und Wachstumssteigerung einher. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von CSR lassen sich in direkte und indirekte positive Auswirkungen unterteilen. Erstere ergeben sich beispielsweise aus einem besseren Arbeitsumfeld, aus einer steigenden Mitarbeitermotivation, Produktivität und Qualität, Kosteneinsparungen und aus einer effizienteren Nutzung natürlicher Ressourcen 12 . Indirekt betrachtet verbessern sich zum einen Unternehmensimage und -reputation, wodurch die Möglichkeiten der Unternehmen wachsen, Kapital, Handelspartner und Kunden zu gewinnen, gleichzeitig aber auch Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern und anderen relevanten Wirtschaftsakteuren zu knüpfen. Zum anderen können Unternehmen, die sich gegenüber der Gemeinschaft und Umwelt verantwortungsvoll verhalten, eine erhöhte Kauf- und Kundenloyalität für ihre Produkte und Dienstleistungen verzeichnen. Des weiteren besitzen derartige Unternehmen ein stärkeres Potential Arbeitnehmer zu gewinnen und zu halten und weisen von daher niedrigere Fluktuationsraten sowie niedrigere Anwerbungs- und Trainingskosten auf als andere Konkurrenten 13 .
Kritik an der Unternehmenstätigkeit kann dem Ruf eines Unternehmens jedoch schaden und somit die Vermögenswerte beeinträchtigen. Kreditinstitute nutzen beispielsweise bei der Kreditvergabe und bei Investitionen Checklisten, die die soziale Verant-wortung und das Umweltbewusstsein der Unternehmen bewerten 12 . 14
11 (www.europa.eu; [Stand: 31.05.2003])
12 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.8)
13 ( vgl. Europäische KMU und soziale und umweltbezogene Verantwortung, Europäische Kommission, 2002, S.12)
14 Näheres dazu: siehe Kapitel 3.4.3 Sozial verantwortliches Investieren
11
In diesem Kontext steht der `Tripple Bottom Line` Ansatz von John Elkington (1997), dessen Grundidee es ist, „dass eine Organisation dann (langfristig) nachhaltig ist, wenn sie finanziell abgesichert ist, ihre negativen Umweltauswirkungen minimiert (oder idealerweise eliminiert) und schließlich in Übereinstimmung mit gesellschaftlichen Erwartungen handelt“ 15 .
3.4 Die interne und externe Dimension von CSR
Die soziale Verantwortung von Unternehmen kann unter zwei unterschiedlichen Blickwinkeln bzw. Dimensionen betrachtet werden, der internen und der externen:
3.4.1 Die interne Dimension von CSR
Sozial verantwortliches Handeln von Unternehmen wirkt sich in erster Linie auf die Arbeitnehmer aus und betrifft Fragen wie: Investitionen in Humankapital und Arbeitsschutz, Bewältigung des Wandels 16 sowie umweltbewusstes Handeln. Diese Fragestellungen eröffnen neue Wege, den Wandel der Wirtschaftswelt besser zu bewältigen und soziale Errungenschaften in Einklang mit der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zu bringen 17 .
3.4.1.1 Humanressourcemanagement
Heutzutage besteht das Unternehmensziel darin qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen und auch zu halten. Von daher ist es unabdingbar Anreize für die Mitarbeiter zu schaffen, wie zum Beispiel: lebenslanges Lernen, Empowerment, bessere Informationspolitik im gesamten Unternehmen, bessere Vereinbarkeit von Arbeit, Familienleben und Freizeit, gleiches Entgeld und gleiche Berufschancen für Frauen, Gewinn- und Kapital-
15 (EuropäischeKMU und soziale und umweltbezogene Verantwortung, Europäische Kommission, 2002, S.12)
16 z.B. Wandel der Arbeitswelt, Globalisierung etc.
17 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.9)
12
beteiligung, Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit, Sicherheit des Arbeitsplatzes und größere Diversivizierung 18 bei der Arbeit 17 .
Im Sinne sozial verantwortlichen Handelns spielt ebenso eine verantwortungsvolle und nichtdiskriminierende Einstellungspolitik eine bedeutende Rolle. Dies schließt die Einstellung von Personen, die ethnischen Minderheiten angehören, älteren Arbeitnehmen, Frauen, Langzeitarbeitslosen und anderweitig benachteiligten Personen ein. Derartige Methoden sind unerlässlich, sollen die Ziele der europäischen Beschäftigungsstrategie – (1) Verminderung der Arbeitslosigkeit, (2) Anhebung der Beschäftigungsquote und (3) Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung – Umsetzung finden 17 .
Sozial verantwortlich Handeln bedeutet aber auch, dass Unternehmen ein Umfeld schaffen, „das alle Arbeitnehmer zu lebenslangem Lernen ermutigt, insbesondere Arbeitsnehmer mit niedrigem Bildungsniveau, geringqualifizierte und ältere Arbeitnehmer“ 19 . Ebenso sollten sie in enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren stehen, um somit den tatsächlichen Ausbildungsbedarf zu ermitteln und entsprechende Bildungs-und Ausbildungsprogramme zu gestalten. Weiterhin sollten Unternehmen sich dahingehend verantwortlich fühlen, den Übergang von der Schule zum Berufsleben zu erleichtern, indem sie beispielsweise Lehrstellen bereitstellen 17 .
3.4.1.2 Arbeitsschutz
Regierungen, Unternehmen und Branchenverbände sind zunehmend bestrebt den Arbeitsschutzstandard anzuheben. Denn Arbeitsschutzerwägungen spielen bei der Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen von anderen Unternehmen eine bedeutende Rolle und werden zudem als Argumente im Marketing eigener Produkte und Dienstleistungen genutzt. Da die Qualität von Produkten und Dienstleistungen auch anhand des Arbeitschutzes festzumachen ist, wächst hierdurch der Bedarf, die Qualität der vermarkteten Produkte zu messen, zu belegen und auch zu publizieren. So gehen Arbeitsschutzkriterien in unterschiedlichem Maße in die Zulassung und Etikettierung von Produkten und Arbeitsmitteln ein. Zudem wurden bereits auf den Ar-
18 d.h.erweitertes Aufgabenspektrum, Delegation von Verantwortung
19 (Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.9)
13
beitsschutz abzielende Zertifizierungsverfahren für Managementsysteme und Nachunternehmen eingeführt 17 .
So hat beispielsweise die schwedische Angestelltengewerkschaft TCO ein Gütesiegel für Unternehmen entwickelt, das sowohl Umwelt- als auch Qualitätsbewusstsein unter aktiver Beteiligung der Beschäftigten im Betrieb umsetzen. Um u.a. das Ziel der Effizienz zu erreichen, werden Faktoren wie Kreativität, Wissen und Weiterbildung oberste Priorität beigemessen 20 . Das Gütesiegel TCO für Büroausstattung steht für festgeschriebene Qualitätsmerkmale und soll die Hersteller dazu anhalten, ergonomische und umweltfreundliche Büroausstattungen zu entwickeln und den Käufern dabei helfen, entsprechende Kaufentscheidungen zu treffen 21 .
3.4.1.3 Anpassung an den Wandel
In Europa lösen die umfassenden Umstrukturierungen bei allen Arbeitnehmern und anderen Stakeholdern Besorgnis aus, da zahlreiche Betriebsschließungen und massiver Stellenabbau drohen bzw. bereits im vollen Gange sind. Im Jahr 2000 hat die Zahl der Fusionen und Übernahmen eine bisher noch nie da gewesene Größenordnung erreicht. Weniger als ein Viertel aller Umstrukturierungsmaßnahmen erreichen das Ziel des „Kostenabbaus, der Produktivitätssteigerung, der Qualitätsverbesserung und der Verbesserung des Kundendienstes, da sie oft die Motivation, Loyalität, Kreativität und Produktivität der Arbeitnehmer beeinträchtigen“ 22 .
Sozial verantwortliche Umschulungsprogramme berücksichtigen in ausgewogener Weise die Interessen und Belange aller Akteure, die von Veränderungen und einschlägigen Entscheidungen betroffen sind. Eine derartige Vorgehensweise ist in der Praxis vielfach genauso wichtig für den Umstrukturierungserfolg wie die eigentlichen Umstrukturierungsmaßnahmen. Gleichermaßen ist es erforderlich im Voraus Umstrukturierungen durch folgende Maßnahmen vorzubereiten. Zunächst sollten die Hauptrisiken er-
20 (vgl.GPA, www.gpa.at, [Stand: 10.06.2003]), S.14)
21 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.10)
22 (Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.10)
14
mittelt und die Kosten (direkte wie auch indirekte) berechnet werden, die durch alternative Strategien und Verfahren entstehen. Dies schließt die Bewertung und Berücksichtigung aller Alternativen ein, die weniger Entlassungen nach sich ziehen. Umstrukturierungen sollten stets die Rechte der Arbeitnehmer schützen und sollten ihnen erforderlichenfalls Umschulungsmaßnahmen anbieten. Zudem sollten sie ein Programm zur Modernisierung der Arbeitsmittel und Arbeitsverfahren umfassen, um die Arbeitsprozesse zu optimieren. Eine Strategie der Mobilisierung öffentlicher und privater Mittel sowie Verfahren, die Dialog, Partizipation, Information und Partnerschaften sowohl intern als auch extern unterstützen, sind weitere nützliche Maßnahmen, um einen Umstrukturierungsprozess erfolgreich zu bestehen 23 .
3.4.1.4 Umweltverträglichkeit und Bewirtschaftung der natürlichen Res-
sourcen
Sozial verantwortungsbewusste Unternehmen sollten ebenso ökologische Aspekte in ihrer Unternehmensführung aufnehmen. Denn die Einschränkung des Ressourcenverbrauchs, der Umweltverschmutzung und der Abfallproduktion senkt im allgemeinen die Umweltbelastung und gleichermaßen die anfallenden Energie- und Abfallkosten, sowie die Produktions- und Schadstoffbeseitigungskosten 23 .
Anscheinend haben bisher jedoch nur einzelne Unternehmen erkannt, dass ein sparsamer Ressourceneinsatz sich positiv auf ihre Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit auswirken kann. Derartige Umweltinvestitionen werden auch als „Win-Win“-Situation bezeichnet, da sie gut für Wirtschaft und Umwelt sind 23 .
Aus diesem Grund wurde dieses Prinzip in das Sechste Umweltaktionsprogramm der Europäischen Kommission integriert. Das Programm zeigt Möglichkeiten auf, wie die Europäische Union und die Regierungen der Mitgliedsstaaten der Wirtschaft dabei helfen können, Marktchancen zu erkennen und Win-Win-Investitionen zu tätigen. Es beinhaltet darüber hinaus eine Reihe auf die Wirtschaft abzielende Maßnahmen. Hierzu zählt u.a. die Entwicklung nationaler, harmonischer Systeme, die die Umweltperformance von Unternehmen ermitteln und auszeichnen 23 . Es gilt demzufolge Anreizsysteme zu schaffen, um die Unternehmen zu derartigem Handeln zu ermutigen.
23 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.11)
15
Erhebungen zu Folge wünschen Verbraucher nicht nur gute und sicherer Produkte, sondern auch solche, die auf sozial verträgliche Weise produziert wurden 24 .
„Für die Mehrheit der europäischen Verbraucher beeinflusst die Einstellung eines Unternehmens zur sozialen Verantwortung die Kaufentscheidung oder die Wahl eines Dienstleistungsanbieters.“ 25
Hieraus ergeben sich neue Marktchancen, da viele europäische Verbraucher erklären, dass sie bereit wären, mehr für derartige Produkte zu bezahlen 26 . Schwerpunkt ihrer Betrachtungsweise sind hierbei Faktoren wie der Arbeitsschutz, die Respektierung der Menschenrechte im gesamten Tätigkeitsbereich eines Unternehmens sowie in der gesamten Versorgungskette (z.B. Kinderarbeit), der Umweltschutz im Allgemeinen und insbesondere die Verminderung der Treibgasemission.
Dieser Trend bewirkt eine zunehmende Schaffung von Sozialsiegeln, und zwar entweder durch die einzelnen Hersteller oder durch die Industriesektoren oder die NRO 27 oder die Regierungen. Hierbei handelt es sich jedoch nur um markgestützte Anreizsysteme ohne offizielle Regelung, die das Sozialbewusstsein der Unternehmen, Einzelhändler und der Verbraucher stärken sollen. Allerdings weisen derartige Sozial- und Umweltgütesiegel einen beschränkten Anwendungsbereich sowie beschränkten potentiellen Nutzen auf. Im Allgemeinen finden sie nur bei bestimmen Nischenprodukten auf dem Einzelhandelsmarkt Anwendung, so dass ihr Marktanteil gering ist und dringender Bedarf besteht, den Nutzeffekt dieser Güter zu verbessern. 28
„Sozial- und Umweltgütesiegel, die garantieren, dass das Produkt frei von Ausbeutung und ohne missbräuchliche Praktiken hergestellt wurde, mangelt es [jedoch] an Transparenz und an einer Instanz für die zuverlässige Überprüfung der geltend gemachten Ansprüche.“ 25
24 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.22)
25 (Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.21)
26 In der gegenwärtigen Praxis macht davon jedoch nur eine Minderheit Gebrauch.
27 Nichtregierungsorganisationen
28 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.21)
16
Derartige Ansprüche lassen sich – im Gegensatz zu Produktqualitäts- und Sicherheitsgütesiegeln – nicht durch Produkttests verifizieren. Von daher müssten die Arbeitsplätze nach vereinbarten Normen in regelmäßigen Abständen Prüfverfahren unterzogen werden, um so die Glaubwürdigkeit der Sozial- und Umweltgütersiegel zu garantieren. 28
3.4.2 Die externe Dimension von CSR
Da es sich bei der sozialen Verantwortung von Unternehmen um ein ganzheitlich umfassendes Konzept handelt, reicht der Wirkungsradius über die betriebsinterne Dimension hinaus. CSR richtet sich demzufolge auch an die lokalen Gemeinschaften und bezieht neben Arbeitnehmern und Aktionären eine Vielzahl weiterer Stakeholder mit ein, wie zum Beispiel Geschäftspartner, Zulieferer, Kunden, Behörden, lokale Gemeinschaften und den Umweltschutz vertretende NRO.
Da die Wirtschaft sowohl von multinationalen Investitionen als auch von globalen Ver-sorgungsketten geprägt ist, reicht das Wirkungsspektrum von sozialer Verantwortung über die europäischen Grenzen hinaus 29 .
3.4.2.1 lokale Gemeinschaften
Europa- wie auch weltweit besteht das Ziel von CSR in der Integration der Unternehmen in das lokale Umfeld. Denn Unternehmen übernehmen insbesondere in lokalen Gemeinschaften wichtige Funktionen. Sie bieten Arbeitsplätze an, zahlen Arbeitsentgelder und Sozialleistungen und verhelfen den Kommunen auf diese Weise zu Steuereinnahmen 30 . Da die Unternehmen wiederum von der Stabilität und dem Wohlstand der Gesellschaft wie auch der Gemeinschaft abhängig sind und eine Vielzahl ihrer Arbeitnehmer aus dem lokalen Arbeitsmarkt beziehen, ist es den Unternehmen ein unmittelbares Anliegen, dass dieser Markt die benötigten Qualifikationen zur Verfügung stellt. Zwischen Unternehmen und lokalen Gemeinschaften bestehen Wechselwir-
29 (vgl.Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.12)
30 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.18)
17
kungsverhältnisse, d.h. sie sind von einander abhängig. So beschränkt sich der Kundenkreis vor allem für Klein- und Mittelunternehmen hauptsächlich auf den lokalen Sektor 28 .
Die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens wird von seinem Ruf an seinem Stand-ort, seinem Image als Arbeitgeber und Produzent und auch als Akteur in der lokalen Szene erheblich beeinflusst 28 .
Darüber hinaus stehen die Unternehmen in einer Wechselbeziehung mit den lokalen Umweltbedingungen, das bedeutet, dass einige Unternehmen an einer intakten Umwelt (saubere Luft, sauberes Wasser und „staubfreie“ Straßen) für ihre Produktion und ihre Dienstleistungen angewiesen sind. Lokale Umweltbedingungen können demzufolge über die Attraktivität von Unternehmen für potentielle Mitarbeiter (Kunden) entscheiden. Unternehmen können aber auch die Umwelt belasten, z.B. in Form von Lärm, Licht, Wasserverschmutzung, Luftverschmutzung, Bodenkontamination und anderen Umweltproblemen 30 .
Sozial verantwortliche und ökologische Verhaltensweisen sollten demnach im beiderseitigem Interesse stehen. Erfreulicher Weise nehmen bisher viele Unternehmen positiven Einfluss auf die Gemeinschaftsbelange, in dem sie zusätzliche Berufsausbildungsplätze zur Verfügung stellen, Umweltengagement beweisen, sozial Ausgegrenzte einstellen, Kinderbetreuungseinrichtungen für Arbeitnehmer bereitstellen, Partnerschaften mit Kommunen knüpfen, lokale Sport- und Kulturereignisse sponsern und Spenden für wohltätige Zwecke vergeben 30 .
3.4.2.2 Geschäftspartner, Zulieferer, Verbraucher
Große Unternehmen sind Geschäftspartner kleinerer (und auch großer) Unternehmen und werden als Kunden, Zulieferer, Auftragsgeber oder Wettbewerber wirksam. Indem Unternehmen mit ihren Geschäftspartnern kooperativ zusammenarbeiten, können Schwierigkeiten vermieden, Kosten gesenkt und die Qualität gesteigert werden. Andererseits sollten sich Firmen bewusst sein, dass ihre soziale Leistung durch die Praktiken ihrer Partner und Zulieferer in der gesamten Versorgungskette beeinflusst werden kann. Die Auswirkungen von CSR beschränken sich von daher nicht nur auf das jeweilige Unternehmen, sondern strahlen auch auf deren Geschäftspartner aus. Dies trifft in besonderen Maßen auf Großunternehmen zu, die einen Teil ihrer Produktion oder
18
Dienstleistungen outgesourct und somit zusätzlich soziale Verantwortung in Bezug auf ihre Zulieferer und deren Belegschaft übernommen haben 31 .
Im Rahmen der sozialen Verantwortung von Unternehmen wird von diesen eine Produkt und Dienstleistungserstellung erwartet, die in „effizienter und unternehmensethisch und ökologisch unbedenklicher Weise“ 32 her- bzw. bereitgestellt wird.
„Unternehmen sind profitabler, wenn sie langfristige Beziehungen mit Kunden aufbauen und ihre ganze Organisation und ihr ganze Unternehmensstrategie daraus ausrichten, was die Kunden brauchen und wünschen und wie man ihnen hohe Qualität, Sicherheit, Zuverlässigkeit und vorbildlichen Service bietet.“ 32
3.4.2.3 Menschenrechte
Das Konzept der sozialen Verantwortung besitzt eine ausgeprägte Menschenrechtsdimension, die besonderen Bezug auf die internationale Wirtschaftstätigkeit und die globalen Versorgungsketten nimmt, was in internationalen Abkommen zum Ausdruck kommt. Hierzu zählen beispielsweise die Erklärung der IAO über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit (the ILO Tripartits Decleration of Principles concerning Multinational Enterprises and Social Policy) sowie die OECD-Leitlinien für multinationale Unternehmen (the OECD Guidelines für Multinational Enterprises) 33 . Die Menschenrechte stellen ein sehr komplexes Thema dar, das politische, rechtliche und ethische Probleme aufwirft und Unternehmen schwierig zu beantwortende Fragen stellt: Wie lassen sich die Verantwortlichkeiten der Unternehmen gegenüber der jeweiligen Regierungen abgrenzen?; Wie kann sichergestellt werden, dass Geschäftspartner das für das eigene Unternehmen aufgestellte Werteschema einhalten?; Welches Verhalten ist gegenüber den Ländern angebracht aus Perspektive der Unternehmen, in denen häufig Menschenrechte verletzt werden?
31 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.14)
32 (Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.14)
33 (vgl. Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.15)
19
Im Rahmen der Kooperationspolitik ist die Europäische Union verpflichtet, über die Einhaltung der Arbeitsnormen, Umweltschutzauflagen und die Respektierung der Menschenrechte zu wachen 33 .
Darüber hinaus können die internationalen Arbeitsnormen durch freiwillige Verhaltenskodizes der Unternehmen verbessert werden. Diese Verhaltenskodizes nehmen Bezug auf die Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Umweltaspekte, richten sich insbesondere an Subunternehmen und Zulieferer und verbessern hierdurch das jeweilige Unternehmensimage und vermindern die Gefahr negativer Verbraucherreaktionen 33 .
Die Wirksamkeit dieser Regeln hängt jedoch von dem Grad ihrer ordnungsgemäßen Umsetzung und Überwachung ab. Deshalb ist es erforderlich, dass die Verhaltenskodizes auf allen Organisationseben und in der gesamten Produktionskette eingehalten werden und dass ein uneingeschränkter Informationsfluss über die Umsetzung erfolgt – eingeschlossen die jeweiligen lokalen Gemeinschaften.
Im Falle von Kinderarbeit sollten nicht nur die IAO-Konventionen zur Kinderarbeit eingehalten und die Zusammenarbeit mit derartigen Unternehmen eingestellt, sondern darüber hinaus ein konkreter Beitrag von Seiten der Unternehmen zur Bekämpfung von Armut bei Kindern geleistet werden. Dies kann geschehen, indem Kindern eine Ausbildung ermöglicht wird 34 .
Um die Einhaltung und Gewährleistung von Verhaltenskodizes im Bereich der Menschenrechte zu garantieren, sind ständige Überprüfungen erforderlich, die nach klar formulierten Normen und Regelungen erfolgen. Organisationen und Einzelpersonen erhalten die Aufgabe „Sozialaudits“ durchzuführen und damit für die Einhaltung der Regularien zu sorgen. In die Überwachungen sollten zudem Stakeholder wie Behörden, Gewerkschaften und NRO mit einbezogen werden, um die Glaubwürdigkeit der Verhaltenskodizes zu gewährleisten 34 .
3.4.2.4 Globaler Umweltschutz
Unternehmen zählen ebenso zu Akteuren des globalen Umweltschutzes, da viele wirtschaftlich bedingte Umweltprobleme mit grenzüberschreitenden Auswirkungen einher-
34 (vgl.Grünbuch – Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, S.16)
20
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Master of Science in Public Health and Administration Franziska Bittner, 2003, Die gesellschaftliche Dimension sozialer Verantwortung von Unternehmen am Beispiel des Corporate Citizenship in Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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