Diese Thesen werden anschließend, in dem rassentheoretischen Grundmotiv der Rassenbedingtheit psychischer Merkmale und Eigenschaften, aus der physischen Konstitution eines Menschen hergeleitet. Hierbei werden sämtliche intellektuellen, moralischen, psychischen und sozialen Eigenschaften eines Individuums als bluts- und somit rassenbedingt aufgefasst. Die rassenbedingten psychischen Merkmale und Eigenschaften sind unveränderlich. Durch das letzte rassentheoretische Kriterium der Unveränderlichkeit der Rasseeigenschaften, wird somit ein unüberbrückbarer und vor allem bleibender Unterschied zwischen den Rassen geschaffen. Diese skizzierten rassentheoretischen Grundgedanken der Nationalsozialisten, schlagen sich in einem spezifischen Geschichtsbild nieder, welches die Rasse als Grunddeterminante der Geschichte sieht. Die Geschichte wird folglich rassisch interpretiert und als Lebenskampf verstanden, welchen die Rassen aufgrund ihres Selbsterhaltungstriebs führen und der eine Art Selektion bewirkt, an deren Ende sich die stärkste Rasse, welcher sich die anderen unterwerfen müssen, durchsetzt. Des Weiteren jedoch sei der Lebenskampf durch den „Sündenfall“ der erobernden „reinen“ Rassen gekennzeichnet, welche sich mit den niederen Rassen vermischen. Diese Vermischung ziehe eine Änderung des „Rassenwerts“ nach sich und habe den Verlust der beherrschenden Stellung der vormals „reinen“ Rasse und somit den Rassenverfall zur Folge. Die Rassenfrage wird zum Schlüssel der Geschichte gemacht und Zischka sieht das Ergebnis dessen in der „Interpretation jeglichen kulturellen Verfalles als einer biologischen Degenerationserscheinung (…) Aufstieg und Niedergang von Staaten und Kulturen sind nicht mehr soziologisch, sondern biologisch bedingt. Geschichte stellt so nichts anderes dar als den Niederschlag und Ausdruck von ‚Rassenwerten’“ (Zischka 1986: 31). Der „Rassenwert“ bedingt, so argumentiert Hitler, den „Lebenswert“ eines Volkes und ist damit verantwortlich für den Ausgang des Lebenskampfes. Je höher der „Rassenwert“ eines Volkes, desto höher sein „Lebenswert“, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Lebenskampf gewonnen wird. Das beschriebene NS-Geschichtsbild wiederum ist wegweisend für das Grundmotiv der Rassenzucht als „geschichtliches Gebot“ und als Mittel zur „rassischen Gesundung“. Die Rückkehr zum „Rassenbewusstsein“ und die „Rassenpflege“ stellen die Voraussetzung dar, um die Blutsvermischung aufzuhalten, weswegen Hitler die einzige Möglichkeit der Regeneration in der Rassenzucht sieht. Dem Staat kommt infolge dessen die Rolle als Förderer und Hüter der biologischen Anlagen zu und Hitler nennt als Ziel dieser, von ihm propagierten „Gesundungspolitik“, die Wiedergeburt der deutschen Nation durch die bewusste Züchtung eines neuen Menschen. Auf der Grundlage eben dieser Politik wurden später Konzentrationslager erbaut. Der Antisemitismus
Das, wie Zischka es bezeichnet, Kernstück der NS-Ideologie, stellt der Antisemitismus dar, dessen Ziel die Auslöschung der Juden ist. In ihm werden die im vorherigen Abschnitt dargelegten
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Grundmotive der NS-Rassenideologie konkret auf das dämonisierte Feindstereotyp des Juden angewandt.
In einem ersten rassentheoretischen Schritt, werden hierbei die Juden als Rasse klassifiziert. Dadurch, dass das Judentum als Rassen- und nicht als Religionszugehörigkeit ausgelegt wird, kann eine „wissenschaftliche“ Basis zu dessen Bekämpfung geschaffen werden.
Auch die These von der Unveränderlichkeit der Juden, welche die Nationalsozialisten propagieren, schafft die Grundlage zur Bekämpfung der jüdischen Rasse, weil derjenige, der ewig in seinem Charakter gefangen und somit zu Besserung oder Änderung nicht fähig ist, ausgelöscht werden müsse. Da der Jude überdies seine Rassenreinheit wahre, sei eine Änderung der Eigenschaften, welche ausschließlich durch den Verlust der Rassenreinheit möglich wäre, ausgeschlossen. Ein Merkmal dieses „jüdischen Charakters“, sehen die Nationalsozialisten in der parasitären Haltung der Juden. Die Juden als parasitäre Rasse zeichnen sich durch ihre Unfähigkeit und ihren Unwillen zur Staatenbildung aus, welche Hitler auf die Arbeitseinstellung des jüdischen Volkes, das Arbeit lediglich als Mittel zur Selbsterhaltung sehe, deren Rasseninzucht, welche jegliche „Rassengesundheit“ im Keim ersticke sowie deren Unfähigkeit zu einem „inneren seelischen Erleben“ zurückführt. Aus diesen Gründen habe der Jude stets als Parasit in den Staaten anderer Völker gelebt und sich, um dies zu vertuschen, als Religionsgemeinschaft ausgegeben.
In einem letzten rassentheoretischen Schritt, werden die Juden als zerstörende Rasse aufgefasst. Hitler spricht hierbei von einer Zerstörung nach drei Richtungen und beschuldigt die Juden sowohl des Kampfes gegen die sittliche Pflicht der Arbeit mithilfe des Börsen- und Leihkapitals, als auch der Zerstörung der „Rassenreinheit“ durch die Propagierung des Internationalismus und der Enttüchtigung der körperlichen Kraft und Gesundheit eines Volkes durch beispielsweise die gezielte Organisierung von Hungersnöten sowie letztlich der Zerstörung der gesamten Kultur.
Das ideologische Zentrum des Antisemitismus, welches auf die NS-Geschichtsauffassung rekurriert, findet sich laut Zischka in der These von der Weltherrschaft als Ziel der Juden. Hitler geht davon aus, die jüdische Rasse versuche, unter dem Deckmantel einer Religionsgemeinschaft, durch ihr gesamtes Handeln, die Staaten systematisch zu zerstören, um ihre eigene Weltherrschaft vorzubereiten. Da das jüdische Volk aufgrund der Tatsache, dass es keinen Staat besitze, nicht an dem Kampf um Lebensraum teilnehmen könne, sei sein Streben nach Weltherrschaft wider jegliche Naturgesetze. Auch im Fall des jüdischen Strebens nach Weltherrschaft, spricht Hitler von einer dreistufigen Entwicklung, wonach der Jude zuerst aristokratisch gesinnt sei, anschließend Demokratie predige, um abschließend zum Diktator zu werden. Diese Erklärung ermöglicht es den Nationalsozialisten überdies, sämtliche politischen Strömungen einzig und allein auf die Bestrebungen der Juden zurückzuführen und sie somit zum „Drahtzieher“ der internationalen Politik zu erklären. In dem Zusammenhang spielt auch der „Rassenwert“ eine Rolle, welcher, aus nationalsozialistischer Sicht, in seinem Höchstwert von den Ariern repräsentiert wird und sich im Nationalismus, Heroismus
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Arbeit zitieren:
Hannah Melder, 2007, Bipolare Weltdeutungen und dämonisierte Feindstereotype: Das Judentum in der NS-Rassenideologie, München, GRIN Verlag GmbH
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