I Einleitung 2
1. Einführung ins Thema 2
2. Die Forschungstheorien 4
II Hauptteil 6
1. Definitionen der wichtigsten Begriffe 6
1.1 Ethnische Identität 6
1.2 Ethnische Gruppen 7
1.3 Ethnischer Konflikt 7
2. Ursachen ethnischer Konflikte 8
2.1 Externe Faktoren 8
2.1.1 Koloniales Erbe 8
2.1.2 Globalisierung und Liberalisierung 8
2.1.3 Modernisierung 8
2.2.1 Interne Faktoren 9
2.2.2 Schwacher Staat 9
2.2.3 Kollektive Angst 10
2.2.4 Diskriminierung 10
2.2.5 Repression 11
2.2.6 Demokratisierung 11
2.2.7 Politisierung von Ethnizität 12
2.2.8 Kampf um Ressourcen 12
2.2.9 Emotionen und verfälschte Geschichte 13
3. Fallbeispiel: Der Bürgerkrieg im Sudan (1955 - 1989) 14
3.1 Historischer Hintergrund des Konflikts 14
3.1.1 Vorkoloniale Phase 14
3.1.2 19 Jahrhundert: kolonialherrschaftliche Phase 14
3.1.3 Unabhängigkeitsbewegung (1953-1955) 15
3.1.4 Die Zeit von 1972 bis 1983 16
3.1.5 Neueste Entwicklungen 16
III Fazit 18
IV Bibliographie 21
1 NA
I. Einleitung
1. Einführung ins Thema
Ethnizität, ethnische Identität, und vor allem daraus abgeleitet, ‚ethnische Konflikte’, sind längst keine ethnologischen Spezifitäten mehr. Zudem sind die Zeitungen täglich voll davon: Ob Völkermord in Ruanda oder Burundi, der Kampf der Timoresen um Unabhängigkeit, die Verfolgung chinesischstämmiger Indonesier nach dem Ende der Suharto-Diktatur, Gewalt und Vertreibung auf dem Balkan, die Hinwendung deutsch-türkischer Jugendlicher zum Islam oder der Krieg zwischen der PKK und der türkischen Armee – viele gesellschaftliche Prozes- se und Auseinandersetzungen, die oft genug mit extremer Gewalt und Brutalität verbunden sind, werden als ‚ethnisch’ qualifiziert (Sökefeld 2001) 1 .
Viele PolitikerInnen und JournalistInnen haben eine einfache und simple Erklärung für die Ursachen von Bürgerkriegen. Während die zwischenstaatlichen, sog. Stellvertreterkriege Konflikte des Kalten Krieges vor allem auf ideologische Faktoren zurückgeführt wurden, nei- gen JournalistInnen, PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen seit den 90er Jahren oft dazu, Bür-
gerkriege auf monokausale Ursachen wie kulturelle Faktoren (Wiedererwachen alter ethni- scher Spannungen) oder ökonomische Faktoren (private Bereicherung) zurückzuführen. So behauptete z. B US-Präsident George Bush Senior, dass der Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien zwischen Bosniern, Serben, Kroaten und Muslimen seine Ursachen in „age-old animosities“ hatte (Brown 2001: 3).
Es ist offensichtlich, dass die ethnische Begründung und Etikettierung dieser Bürgerkriege und der innergemeinschaftlichen Gewalt häufig benutzt wird, um die fundamentaleren öko- nomischen und sozio-politischen Faktoren, welche vielfach für den Ausbruch von Bürger- kriegen verantwortlich sind, in den Hintergrund zu drängen. So wenig aber Charakterisierun- gen wie „Klassenkonflikte“ oder „Stellvertreterkriege“ geeignet waren, die komplexen Ursa- chen von Gewaltkonflikten auf den Begriff zu bringen, so wenig tragen Bezeichnungen wie „ethnischnationalistisch“, „ethnisch-religiös, „ethno-demographisch“ oder gar „ethno- ökologisch“ zur Aufklärung über die Entstehungsgründe gegenwärtiger Gewaltkonflikte bei. Im Gegenteil, sie verschleiern, was es aufzudecken gilt. Dass sich Konfliktparteien entlang ethnischer oder religiöser Bande formieren, ist nicht der Ausgangspunkt, sondern das Resultat konflikterzeugender sozialer Entwicklungen und Transformationsprozesse. Im Zusammen-
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hang mit der Untersuchung der Ursachen kriegerischer Konflikte besitzen die genannten Be- griffe nur wenig Erklärungskraft (Siegelberg 1994: 33). Solche weitverbreiten Annahmen können, aber nicht erklären, warum es in einigen Fällen zu gewaltsame Konflikten kam und in anderen Fällen nicht (Brown 2001: 3). Monokausale Erklärungen sind somit problematisch, da Bürgerkriege meistens verschiedene Ursachen haben, die auf komplexe Art miteinander in Zusammenhang stehen.
Im Bewusstsein dieser komplexen Zusammenhänge von Ursachen ethnischer Konflikte wer- den folgende Fragestellungen formuliert:
• Welches sind die verschiedenen Faktoren von Ursachen ethnischer Konflikte?
• Wann wird ethnische Identität ausschlaggebend, um eine Identitätsgruppe zu mobilisieren?
• Welche Rolle spielt Ethnizität in Konflikten?
In einem ersten Schritt werden die die wichtigsten Begriffe (ethnische Identität, ethnische Gruppe und ethnischer Konflikt) definiert. Im Hauptteil werden Faktoren aufgezeigt, welche ethnische Konflikte verursachen beziehungsweise begünstigen können. Dabei wird generell eine Unterteilung in externe und interne Faktoren gemacht. Anhand eines historischen Abris- ses des Kriegsgeschehens im Sudan werden die komplexen Faktoren für den Ethnischen Kon- flikt im Sudan aufgezeigt.
Das Fazit beinhaltet die wichtigsten Resultate. Dabei soll, ausgehend von den ersten beiden Fragen, anhand von zwei Thesen diskutiert werden, welche Rolle die Ethnizität in ethnischen Konflikten spielt.
3
2. Die Forschungstheorien
Unter den in der Ethnologie diskutierten Theorien des Krieges in tribalen Gesellschaften las- sen sich folgende unterscheiden:
Krieg aufgrund angeborener Aggressivität oder psychologischer Mechanismen wie Frustrati- on/Aggression; Krieg aufgrund von Werten, Normen, Motivationen, die gewalttätiges Verhal- ten hoch bewerten; Krieg aufgrund von Konkurrenz um knappe Ressourcen (Land, Wildbe- stände, Frauen, Handelsgüter); Krieg zur Aufrechterhaltung der Souveränität lokaler Gruppen; Krieg zwischen „fraternal interest groups“ aufgrund des Fehlens gruppenübergreifender Loya- litätsbeziehungen; Krieg als Resultat der Expansion von Kolonialstaaten in der „tribalen Zo- ne“ (Helbling 1999: 11). All diese ethnologischen Erklärungsversuche für Kriegsursachen sind jedoch unbefriedigend. Demnach ist es nicht erstaunlich, dass Klaus-Jürgen Gantzel zu folgendem Schluss kommt:
„Es gibt Wissenschaftler und Stammtischlehrer, die – in grober oder verfeinerter Form – immer- währende zentrale Kriegsursachen ausgemacht haben wollen. Ich überspitze: in Jahrmillionen stammesgeschichtlicher Abbau der Hemmung intraspezifischen Tötens; dem Menschen angebore- ne Aggressivität; Revierverteidigung wie in der Tierwelt; Machttrieb; Todestrieb; das Patriarchat; offensive Identitätsfindung des männlichen Kleinkindes durch die Abgrenzung von (friedfertiger) mütterlicher Weiblichkeit; der Kapitalismus; der Staat per se als Kriegsursache; usw. Solchen Un- sinn der Ubiquität und anthropologischen Konstanz machen wir nicht mit: wo nichts variiert und wo sich nichts wandelt, kann man auch nichts beweiskräftig erklären. Auch sind solche „Ursa- chen“ kaum zu beseitigen“ (Gantzel 1997: 257).
Der Ethnologe Jürg Helbling wünscht sich eine stärkere Bedeutung politologischer Theorien der internationalen Beziehungen (Helbling 1999: 11).
Tatsächlich scheint es für Ethnologen angebracht, politologische Theorien bei der Kriegsursa- chenforschung stärker zu berücksichtigen, denn die Ethnologie beschäftigt sich ja zunehmend mit Bürgerkriegen und ethno-politischen Kriegen.
PolitologInnen, sind sich bezüglich der multifaktoriellen Eigenschaften von innerstaatlichen Kriegen einig. Auch wenn jeder Krieg über Besonderheiten verfügt, lassen sich verallgemei- nerbare Ursachen ausmachen (Matthies 1994: 23-25). In Bezug auf die Ursachen ethnischer Konflikte gibt es mehrere Erklärungsmodelle, die aber hier nicht alle im einzelnen dargelegt werden können. Die komplex miteinander verbundenen Ursachen-Faktoren, welche einen Bürgerkrieg auslösen oder begünstigen können, werden verschiedenen Kategorien zugeord- net. Im Zusammenhang mit den Ursachen ethnischer Konflikte scheint es aber angebracht, zwischen internen und externen Faktoren zu unterscheiden. Externe Faktoren, die zu einem ethnischen Konflikt führen können, sind gemäss den Autoren Scherrer (1994), Crawford (1998) und Siegelberg (1994) koloniales Erbe (Scherrer 1994), Globalisierung und Liberali- sierung (Crawford 1998), Modernisierung (Siegelberg 1994). Interne Faktoren, die zu einem
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ethnischen Konflikt führen können, sind gemäss den Autoren, Gurr (2000), Crawford (1998), Posen (1993), Brown (2001), Diskriminierung (Gurr 2000), Demokratisierung (Crawford 1998), Schwacher Staat (Posen 1993, Lake & Rothchild 2001), Politisierung von Ethnizität (Crawford 1998, Gurr 2000), Kampf um Ressourcen (Crawford 1998), Emotionen und ver- fälschte Geschichte (Lake & Rothchild 2001, Brown 2001).
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Arbeit zitieren:
lic. phil. I Richard Müller, 2003, Ursachen ethnischer Konflikte, München, GRIN Verlag GmbH
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