Universität Leipzig, Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Abteilung Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft
Wintersemester 2006/2007, 9. Studiensemester
Die Presse in Italien
von
Sabrina Loi
Inhaltsverzeichnis
Italien: Pizza, Pasta und die Presse 2
Ursprung und Entwicklung des italienischen Stils 3
Organisation und Struktur der Presse 7
Die 1.500 Zeitungsleser in Italien 12
Die Auflösung des Monopols der edicole 17
Italien: Presse im polarisiert pluralistischen Modell 20
Quellen 21
Italien: Pizza, Pasta und die Presse
Es hat fast 59 Millionen Einwohner, ist über 300.000 Quadratkilometer groß und wenn man von oben darauf guckt, sieht es aus wie ein Stiefel: Italien. Das Land, das bekannt ist für Pizza, Pasta und Prosecco. Die Presse der Halbinsel dagegen ist nicht in aller Munde – höchstens das Fernsehen geriet vor allem wegen Medienmogul und Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi international in die Schlagzeilen.
In dieser Arbeit soll nun das Pressesystem Italiens untersucht und veranschaulicht werden. Die Analyse beruft sich dabei auf die Theorie von Hallin und Mancini (2004), die Italien dem so genannten polarisiert pluralistischem Modell zugeordnet haben. Dieses Modell vereint die südlichen Länder Europas unter sich, von denen die Autoren behaupten, sie hätten unter anderem folgende Gemeinsamkeiten: Eine elitäre und wenig objektive Presse, die teils noch vom Staat kontrolliert und zu instrumentalisieren versucht wird und die sich nur an eine sehr kleine Leserschaft wendet. Diese Arbeit wird zeigen, ob die genannten Hypothesen auf die Presse Italiens zutreffen.
Zunächst soll dargestellt werden, wie der Journalismus in Italien entstand und worauf Aspekte, die dort auch heute noch vorzufinden sind, zurückzuführen sind. Anschließend wird auf die Organisation und Struktur der Presse eingegangen: wem sie gehört, wie sie finanziert wird und wie dies im Zusammenhang steht mit dem Gesicht der italienischen Presselandschaft. Am Ende wird ein Blick auf die Leserschaft geworfen und untersucht, wen die italienische Presse anspricht und wie verbreitet sie ist. An dieser Stelle wird eine aktuelle Entwicklung näher analysiert werden, nämlich ob die Auflagenzahl erhöht wurde, als die Zeitungen nicht mehr nur in den Zeitungskiosken, sondern auch an anderen Stellen verkauft werden durften. Der Schwerpunkt der Arbeit wird auf der nationalen Tagespresse liegen.
Die Entwicklung der Presse steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem politischen System des Landes und dessen soziale Strukturen. Auf diese wird zu den gegebenen Anlässen in dieser Arbeit eingegangen werden, doch die Komplexität des Themas verbietet eine allumfassende und detaillierte Darstellung in der Kürze dieser Arbeit, die aus diesem Grund keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Aus dem gleichen Motiv können einige Aspekte gar nicht und andere Aspekte nicht von allen Seiten beleuchtet werden. Jedoch wird diese Arbeit versuchen eine Grundlage zu bilden, auf der weitere Untersuchungen aufbauen können.
Ursprung und Entwicklung des italienischen Stils
In Italien entstand der Journalismus zur gleichen Zeit, als sich das Land zu einem einheitlichen Staat verband: in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Der italienische Journalismus von heute hat zwei Wurzeln. Sie liegen zum einen in den alten und traditionellen Merkmalen aus der Literatur und zum anderen im Kommerzialisierungsprozess der achtziger Jahre. Die ersten Zeitungen in Italien waren literarische Anzeiger, die vor allem Themen über Kunst, Literatur und Theater veröffentlichten und damit eine Diskussion in einem nur sehr eingegrenzten Kreis gelehrter Menschen ermöglichten. Doch nicht nur die Thematik grenzte den Leserkreis ein, sondern auch das strukturelle Problem der fehlenden Alphabethisierung in Italien und die Vorherrschaft verschiedener Dialekte in den einzelnen Regionen. (Mancini, 2003: 93; 2005: 56; Natale 2004: 373)
Der Kommentar, die Interpretation und die Analyse waren die üblichen Darstellungsformen im literarischen Journalismus, schließlich ging es um die Besprechung, Interpretation und Beurteilung künstlerischer Werke. Allerdings änderte sich die literarische Ausrichtung langsam aber kontinuierlich in einen Parteienjournalismus. Während sich der journalistische Blickpunkt in Richtung politisches Geschehen entwickelte, blieben die Darstellungsformen und der Stil jedoch erhalten und wurden auf die neue Ausrichtung übertragen. Der Journalismus wurde in Italien also auch in Hinblick auf die politische Berichterstattung kein informierender, sondern blieb ein analysierender und kommentierender Journalismus. (Mancini, 2003: 94)
Diese Art der Entwicklung der Presse in Italien fasst Mancini (2005: 45) folgendermaßen zusammen:
Ausgehend von einem literarischen Ausgangspunkt entwickelte sich der italienische Journalismus im Wesentlichen zum Parteijournalismus – ohne jedoch einige seiner literarischen Charakteristika zu verlieren, zu denen die Tendenz zum Elitären und die übertriebene stilistische Sorgfalt gehörten.
Eine Ausnahme bildet hier der Corriere della Sera. Von 1900 bis 1925 war Luigi Albertini dort Direktor. Er hatte Erfahrungen bei der Londoner Times gesammelt und startete den Versuch erstmals einen an Fakten orientierten, also neutralen Journalismus in Italien einzuführen. Der Einbruch des Faschismus unterbrach dieses Vorhaben jedoch. Dieses historische Ereignis führte im Nachhinein insgesamt zu einer Verstärkung der zuvor genannten Charakteristika. (Mancini, 2005: 43)
Der politische Parallelismus, der heute in Italien vorzufinden ist, fand seinen Ursprung in der Resistenza und Nachkriegszeit. Der Kampf gegen den Faschismus zwang die Zeitungen dazu, ihre eigenen Ideen von Freiheit zu verbreiten und ihre Blätter als Kommunikationsmittel dafür zu benutzen. „Die alte Tradition des Parteienjournalismus lebte im Kampf um die Befreiung wieder auf.“ Zuvor, nämlich ab 1925, mussten Zeitungen das Regime unterstützen. Mussolini, der vorher selbst Journalist war, reichte beispielsweise den Redaktionen die so genannten veline ein, bestimmte Texte, die sie veröffentlichten sollten. (Mancini, 2005: 46f)
Verbindungen zum Faschismus sollten im Journalismus anschließend natürlich unterbunden werden. Der Weg, den die Alliierten dafür einschlugen, war allerdings nicht ganz ohne Widerspruch:
[...]
Quote paper:
Sabrina Loi, 2007, Die Presse in Italien, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Der Mythos der "italiani brava gente" - Der Antisemitismus i...
Zur Vergleichbarkeit von deuts...
History Europe - Germany - National Socialism, World War II
Termpaper, 28 Pages
Die Theorie der Konversations-Implikaturen nach H. Paul Grice - Vom Sa...
Termpaper, 18 Pages
Neologismen am Beispiel des PONS-Medienpreises
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 33 Pages
Modalpartikeln im Deutschen und ihre mögliche Wiedergabe im Italienisc...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Das journalistische Interview in "Der Spiegel" und "Foc...
Thesis (M.A.), 149 Pages
Bürgerliche Bildungsreisen im 18. Jahrhundert
History Europe - Other Countries - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 24 Pages
Wie übersetzt man denn bloß Abtönungspartikeln?
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Mittel der sprachlichen Beeinflußung in den italienischen Massenmedien
Romance Languages - Italian and Sardinian Studies
Thesis (M.A.), 67 Pages
Integration E-Commerce. Anforderungen an die Unternehmensbereiche Orga...
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Intermediate Diploma Thesis, 27 Pages
Die Grand Tour - Die Bildungsreise der Adligen in der Frühen Neuzeit
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Religion und Redekunst: Die Bergpredigt als christliches Paradebeispie...
Rhetoric / Elocution / Oratory
Termpaper, 17 Pages
Assessment Center als modernes Personalauswahlverfahren: Chancen und R...
Business economics - Personnel and Organisation
Diploma Thesis, 63 Pages
Les relations franco-allemandes entre 1949 et 1963
Research Paper (Pre-University), 25 Pages
Berlusconi und die Pressefreiheit
Die Ballung politischer und me...
Politics - International Politics - General and Theories
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Die Kavalierstour in der frühen Neuzeit
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Termpaper, 19 Pages
Sabrina Loi's text Die Presse in Italien is now available as a printed book
Sabrina Loi has published the text Die Presse in Italien
Sabrina Loi has uploaded a new text
Les Enfants D'Immigres Italiens En Belgique Francophone. Seconde Gener...
B. Henry, Henry Ab
Gli Architetti Italiani in Marocco Dall'inizio del Protettorato France...
Milva Giacomelli, Ezio Godoli, Abderrahim Kassou
0 comments