Universität Bayreuth
Institut für Philosophie
Der wirtschafts- und unternehmensethische Ansatz von Karl Homann
Eine institutionenethische Analyse
Svenja Fenger
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
1.1. Problemstellung ... 1
1.2. Aufbau der Arbeit ... 1
2. Wandel der Werte ... 3
2.1. Von den Kleingruppen zur anonymen Großgesellschaft ... 3
2.2. Die Bedeutung von Institutionen ... 4
2.3. Verantwortung ... 5
2.3.1. Individuelle Verantwortung ... 5
2.3.2. Unternehmerische Verantwortung ... 6
3. Das Verhältnis von Ethik und Ökonomik ... 8
3.1. Ethik ... 8
3.2. Ökonomik ... 9
3.3. Zusammenhang von Ethik und Ökonomik: Wirtschaftsethische Ansätze ... 10
3.3.1. Dominanz der Ökonomik ... 11
3.3.2. Dominanz der Ethik ... 12
3.3.3. Gleichberechtigung zwischen Ethik und Ökonomik ... 12
4. Logik der Markwirtschaft als Grundlage Homanns Ansatzes ... 15
4.1. Status quo der Marktwirtschaft ... 15
4.2. Der Wettbewerb ... 16
4.3. Asymmetrische Interaktionsstruktur ... 17
5. Homanns Wirtschafts- und Unternehmensethik ... 20
5.1. Wirtschaftsethik ... 20
5.1.1. Moral und Eigeninteresse ... 21
5.1.2. Systematischer Ort der Moral ... 22
5.1.3. Legitimation der moralischen Normen einer Rahmenordnung ... 25
5.2. Unternehmensethik ... 27
5.2.1. Die Relevanz der Unternehmensethik ... 27
5.2.2. Aufbau einer Unternehmensethik ... 28
5.2.3. Legitimation unternehmerischen Handelns ... 29
5.2.4. Unternehmensethische Handlungsmöglichkeiten ... 30
6. Homanns Konzept auf dem Prüfstand: Das Beispiel Korruption ... 38
6.1. Wirtschaftsethischer Ansatz zur Problemlösung von Korruption ... 39
6.2. Unternehmensethischer Ansatz zur Problemlösung von Korruption ... 40
7. Kritische Betrachtung des institutionenethischen Ansatzes ... 44
7.1. Die Relevanz der Individualethik ... 44
7.2. Ökonomischer Reduktionismus ... 46
7.3. Legitimation von Normen ... 48
8. Fazit ... 50
8.1. Rückblick ... 50
8.2. Ausblick ... 51
Literaturverzeichnis ... 52
Elektronische Quellen ... 57
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Aufgrund vielschichtiger wirtschaftlicher Probleme in unserer heutigen Zeit, wird immer häufiger infrage gestellt, ob die reine Ökonomie in der Lage ist, den Menschen zu Wohlstand und zu einem guten Leben zu verhelfen. Daher wird der Ruf nach einer Wirtschafts- und Unternehmensethik immer lauter. Denn bekannte Problemfelder der Wirtschaft wie Schmiergeldskandale, Kursmanipulationen oder Wettbewerbsbeschränkungen durch Marktmacht haben nicht nur rein ökonomische Komponenten, sondern werden auch in der Ethik diskutiert. Denn Wirtschaften bedeutet immer auch in Interaktion mit Menschen zu treten. Seit Jahrzehnten suchen nun Wirtschaftsethiker nach einer Lösung, wie Ethik in die Wirtschaft wieder integriert werden kann. Wieder, weil die Ethik und die Ökonomik beide Disziplinen aus der Philosophie sind und daher die gleiche Wurzel haben. Wirtschaftsethik soll bei der Lösung kritischer Probleme helfen, den Wirtschaftsakteuren neue Handlungswege aufzuzeigen und Orientierung an ethischen Leitlinien zu geben. Jedoch gibt es noch etliche Bedenken, wenn von Ethik und Ökonomik in einem Atemzug gesprochen wird. Denn trotz des gleichen Ursprungs scheint es sich um zwei vollkommen unterschiedliche Disziplinen mit anderen Zielsetzungen zu handeln. Zu diesem Bedenken kommt der Vorwurf, dass die Ethik in ihrem Elfenbeinturm sitzt und keine realistischen Anwendungsmöglichkeiten für wirtschaftliche Akteure aufzeigt.
Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist daher der institutionenethische Ansatz von Karl Homann. Es soll gezeigt werden, dass es sich hierbei um einen praxisnahen Ansatz der Wirtschafts- und Unternehmensethik handelt, der für die Wirtschaft zugänglich ist.
1.2. Aufbau der Arbeit
Zunächst soll ein kurzer Überblick über die moderne Gesellschaft und die Bedeutung von Institutionen geben werden. Es soll geklärt werden, dass Unternehmen ihre ethische Verantwortung wahrnehmen müssen. Das dritte Kapitel wird das Verhältnis zwischen Ethik und Ökonomik allgemein vorstellen, aber auch die vorherrschenden verschiedenen Sichtweisen zum Verhältnis von Ethik und Ökonomik aufzeigen, darunter wird auch das Verständnis von Homann dargestellt werden. Um schließlich zu der institutionenethischen Wirtschaftsethik von Homann überzugehen, muss zunächst seine Vorstellung von der Logik der Marktwirtschaft erklärt werden, weil dieser Ansatz aus der Ökonomie heraus entwickelt wurde. Darauf aufbauend wird im fünften Kapitel sein Konzept der Wirtschafts- und Unternehmensethik dargestellt. Zuerst wird die Wirtschaftsethik aufgezeigt und es wird geklärt, worauf sich die Ethik in der Wirtschaft stützen muss und wo der systematische Ort der Moral zu finden ist. Nachfolgend wird die Unternehmensethik, die in die Wirtschaftsethik integriert sein muss, vorgestellt. Es werden Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen aufgezeigt, welche die ethische Verantwortung ermöglichen. Als Anwendungsbeispiel wird die Möglichkeit der Korruptionsbekämpfung dargestellt, um so die Praxistauglichkeit dieses Konzeptes zu demonstrieren. Nach einer kritischen Diskussion einiger ausgewählter inhaltlicher Punkte des Ansatzes von Homann in Kapitel sieben, schließen ein Resümee und ein Ausblick auf Zukunft und Entwicklungsmöglichkeiten der Wirtschaftsethik die vorliegende Arbeit ab.
2. Wandel der Werte
Aufgrund der Entwicklung der Gesellschaft, unter anderem in soziokulturellen und ökonomischen Bereichen, haben sich zudem auch die Werte der Gesellschaft verändert. Durch die veränderten
Vorstellungen und auch durch die veränderten Arbeitsweisen ergeben sich des Weiteren Veränderungen in der Vorstellung der unternehmerischen Verantwortung.
2.1. Von den Kleingruppen zur anonymen Großgesellschaft
Die Ideen über das gute Leben stellen das Motiv und somit den Hintergrund unseres moralischen Handelns dar. Einer normativen Begründung sind sie weder zugänglich, noch bedürfen sie dieser – sie sollen allein „soweit sie uns überhaupt zur Wahl stehen, durch ihre Attraktivität `für sich selbst´ sprechen“1. Ethische Gefühle haben über Generationen hinweg zur Herausbildung gesellschaftlicher Normen und Wertvorstellungen geführt. In der Antike richteten sich die Fragen nach dem guten Leben direkt an das individuelle menschliche Handeln, welches somit stets im Einklang mit der sozialen Ordnung stand.2 In der Vormodernen haben sich moralische Vorstellungen dann durch Kleingruppen, wie beispielsweise die Familie, entwickelt.3 Daher bestimmten die sozialen Bedingungen maßgeblich das Handeln der Individuen. Innerhalb der Kleingruppen konnte unmoralisches Verhalten schnell entdeckt und sanktioniert werden. Dank dieser informellen Sanktionsmechanismen hatten moralische Regeln in der Gesellschaft eine hohe Akzeptanz. In der Moderne jedoch verloren Kleingruppen immer mehr an Bedeutung und wichen der anonymen Großgesellschaft. Das individuelle Handeln steht heute nicht mehr unbedingt im Einklang mit der sozialen Ordnung. Menschen gehören vielen verschiedenen Gruppen an wodurch ihre Mobilität nicht nur geografisch, sondern auch kulturell, sozial und ökonomisch zunimmt.4 Es wird ein Prozess der Individualisierung durch das Herauslösen aus den sozialen Bindungen initiiert. Die Handlungsspielräume der Menschen werden größer, aber auch die Abhängigkeiten der Handlungen untereinander nehmen zu.5 Diese Verhaltensinterdependenzen machen deutlich, dass die Befolgung moralischer Normen nicht mehr allein durch das ethische Gefühl erwartet werden können.6 Die inoffiziellen Sanktionsmöglichkeiten der Kleingruppen bleiben aus. Zudem entsteht durch die Globalisierung ein Wertepluralismus in dieser anonymen Gesellschaft, wodurch Werte nicht mehr die Handlungsorientierung wie damals bieten können. Es stellt sich die Frage, wie diese Verhaltensinterdependenzen aufeinander abgestimmt werden können.
[...]
1 Ulrich (a)2001/ 35)
2 Vgl. Suchaneck (2001/ 8)
3 Vgl. Bickenbach, Soltwedel (1996/ 15)
4 Vgl. Homann (2001/ 6)
5 Vgl. Suchaneck (2001/ 13ff.)
6 Vgl. Homann (b)2003/ 46)
Quote paper:
Svenja Fenger, 2006, Der wirtschafts- und unternehmensethische Ansatz von Karl Homann, Munich, GRIN Publishing GmbH
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