Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in das Thema 3
2. Definition „Männlichkeit“ 3
2. 1. Wandlung des Begriffs „Männlichkeit“ 5
2.2. Konflikte der Männer/ Jungen, die mit dem Männlichkeitsverständnis verbunden sind 6
2. 3. Zwischenfazit 8
3. Jungenarbeit 8
3. 1. Ziele der Jungenarbeit 11
3. 2. Methoden der Jungenarbeit 12
3. 3. Institutionalisierung an den Schulen 15
3. 4. Zwischenfazit 16
4. Fazit. 18
5. Literaturverzeichnis. 19
2
1. Einführung in das Thema
Gewaltverhältnisse und Gewalthandlungen, die größtenteils von Männern/Jungen ausgehen, gehören in unserer heutigen Gesellschaft zum Alltag und stellen ein großes Problem dar. Jungen sind in unserer Gesellschaft unvereinbaren gesellschaftlichen Erwartungen und widersprüchlichen Verhaltensmaßregeln ausgesetzt. Unter diesen Vorraussetzungen ein stabiles Selbstwertgefühl und ein positives Selbstbild zu entwickeln ist nicht leicht. Ein Aspekt der mich besonders interessiert, ist der Zusammenhang von Gewalt und männlicher Sozialisation, männlicher Identität, widersprüchlichen Verhaltensmaßregeln und Bildern von Männlichkeit, mit denen sich Jugendliche und Erwachsene auseinander setzen und die sich mit der Zeit stark gewandelt haben. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Jungenarbeit, die männliche Gewalt reduzieren und männliche Konflikte thematisieren soll. Aus meinen Interessen und Überlegungen an und zu diesem Thema ergeben sich zwei zentrale Fragestellungen für die folgende Arbeit:
2. Definition „Männlichkeit“
„Männlichkeit umfasst kulturell dem Manne zugeschriebene Eigenschaften, die jedoch sozialem Wandel unterliegen [...] und mit den biologisch männlichen Merkmalen als verbunden angesehen werden [...].“ 1
Die im westlichen Kulturkreis dem „Männlichen“ dominierenden unausgesprochenen oder ausgesprochenen zugeschriebenen Charakteristika sind: Mut, Abenteuerlust (vs. weiblich: Zaghaftigkeit, Furchtsamkeit), (Körper-) Kraft (also Kampflust, Grobheit vs. weiblich:
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Männlichkeit (eingesehen am 21.08.2006)
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Friedfertigkeit), Dominanz (vs. weiblich: Fügsamkeit), Selbstbeherrschung (vs. weiblich: Warmherzigkeit), technische Gaben (vs. weiblich: soziale Kompetenzen), Rationalismus (vs. weiblich: konkretes Fühlen) und Gewaltbereitschaft. 2
Seit den Publikationen des australischen Soziologen Robert W. Connell spricht die aktuelle Geschlechterforschung jedoch von Männlichkeit in der Mehrzahl: d. h. von Männlichkeiten. Connell wies durch kulturelle und historische Analysen nach, dass es nicht nur eine, sondern viele Ausprägungen von Männlichkeit gibt, die auch in ein und der selben Kultur gleichzeitig existieren können.
Jene, die in einer Kultur als vorherrschend akzeptiert wird, wird hegemoniale Männlichkeit genannt. 3
Spricht man von Männlichkeit oder Weiblichkeit, so unterscheidet man zwischen Sex und Gender.
Gender bezeichnet zum einen die soziale Geschlechtsrolle, bzw. die sozialen Geschlechtsmerkmale, sowie die Geschlechtsidentität. Es bezeichnet also alles, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird, es verweist jedoch nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale (Sex). Gender bezeichnet demnach ein von sozialen und kulturellen Umständen abhängiges Geschlecht und ist daher eine soziokulturelle Konstruktion. Besonders die Gender Studies bestreiten den kausalen Zusammenhang von biologischem und sozialen Geschlecht und dessen Kontinuitätsbestreben. 4
Die soziale Bedeutung eines solchermaßen konstruierten „sozialen“ Geschlechts wird als variabel beschrieben. Geschlecht und besonders seine Bewertung hängen ab von den in einer Gesellschaft vorherrschenden Machtstrukturen. So ist die Genderproblematik in einer matriarchalen Gesellschaft beispielsweise auf einer deutlich anderen Ebene angesiedelt als in einer patriarchalen, weil die Begriffe „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ in den verschiedenen Gesellschaften auch unterschiedlich bewertet werden. 1 Daraus folgt, dass wir zwischen biologischen und sozialem Geschlecht unterscheiden müssen, wenn wir von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ sprechen.
Die Geschlechterforschung bestimmt Geschlecht als eine soziale, gesellschaftlich-historische Konstruktion. Dass das soziale Geschlecht nicht von vornherein festgelegt ist, sondern erst
2 Vergleiche hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Männlichkeit (eingesehen am 21.08.2006)
3 Vergleiche hierzu: a. a. O.
4 Vergleiche hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Sex_und_Gender (eingesehen am 21.08.2006)
1 Vergleiche hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Sex_und_Gender (eingesehen am 21.08.2006)
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durch soziale Interaktion entsteht ist ein wichtiger Aspekt der modernen Soziologie vom sozialen Geschlecht. 2
Herrschende Männlichkeit ist also nicht naturgegeben, sondern Ergebnis eines historischen Prozesses, in dem sich auch weiterhin Bilder und Normen von Männlichkeit entwickeln und in alltäglicher Praxis der Beteiligten und ihren sozialen Machtkämpfen verändert. So lässt sich besonders in unserer Epoche ein rapider Wandel der Konstruktion Männlichkeit beobachten. Das Bild von Männlichkeit hat sich pluralisiert und es existieren unterschiedliche Definitionen und Praxen von Männlichkeit (in Konkurrenz) nebeneinander. 3 Die Widersprüchlichkeit der unterschiedlichen Männlichkeitsbilder, die im Folgenden deutlich wird, unterstreicht jedoch auch die reale Veränderbarkeit von Männlichkeit. 4
2. 1. Wandlung des Begriffs „Männlichkeit“
Männlichkeit ist demnach keinesfalls durch die biologische Natur geprägt. Viel bedeutender ist die Sozialisation. Die Erkenntnis, dass das soziale Geschlecht nicht von vornherein festgelegt ist, sondern erst durch soziale Interaktion entsteht, ist ein wichtiger Aspekt der modernen Soziologie vom sozialen Geschlecht. 1
Männer erleben die Vielfältigkeit der Männlichkeitsformen die nebeneinander oder in Konkurrenz zueinander in der Gesellschaft existieren. Sie erleben Vorteile des Männlichseins, spüren aber auch die negativen Seiten, z.B. Entfremdung, berufliche Belastung, Beziehungsarmut. Sie erleben soziale Kämpfe mit Frauen (z.B. um Arbeitsplätze) und privat widersprüchliche Ansprüche von Frauen an sie (zwischen Macho und Softie). Einerseits wird von ihnen Einfühlungsvermögen verlangt und anderseits wird ihnen das Zeigen von Gefühlen untersagt. 2
Die unterschiedlichen Rollenerwartungen an den Mann in unserer Gesellschaft werden hier besonders deutlich. Mehreren Rollenerwartungen soll er möglichst in gleicher Weise gerecht werden, was zu Rollenkonflikten und Überforderung führt.
2 Vergleiche hierzu: Connell, Robert W.: Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006 (3. Auflage), S. 54
3 Vergleiche hierzu: Sturzenhecker, Benedikt (Hrsg.): Leitbild Männlichkeit. Was braucht die Jungenarbeit?. Votum, Münster 1996, S. 111
4 Vergleiche hierzu: Bieringer, Ingo/Buchacher, Walter/Forster, Edgar J. (Hrsg.): Männlichkeit und Gewalt. Konzepte für die Jungenarbeit. Leske und Budrich, Opladen 2000, S. 26
1 Vergleiche hierzu: Connell, Robert W.: Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. Leske und Budrich, Opladen 2000 (2. Auflage), S. 54
2 Vergleiche hierzu: Sturzenhecker, Benedikt (Hrsg.): Leitbild Männlichkeit. Was braucht die Jungenarbeit?. Votum, Münster 1996, S. 7
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Die Veränderung dieser herkömmlichen Männerrolle und des hegemonialen Männlichkeitsbildes ist demnach notwendig, wenn es z.B. um Klischees geht wie: ein Mann muss alles können und sollte möglichst keine Gefühle zeigen usw. Früher galt der Mann als Held, Ernährer und Beschützer; mittlerweile wird die männliche Rolle jedoch nicht mehr so positiv gesehen. Dem Mann wird z.B. vorgeworfen, er sei nicht in der Lage Gefühle zu zeigen, ebenso wenig wie Schwächen einzugestehen. 3 Zu Attributen wie Stärke, Mut und Dominanz die dem traditionellem Männlichkeitsbild zugeschrieben sind, werden in Teilen der heutigen Gesellschaft auch „weibliche“ Attribute wie Warmherzigkeit, konkretes Fühlen und soziale Kompetenzen in Verbindung mit „Männlichkeit“ erwartet.
Diese Einbrüche in das traditionelle Rollenbild können leicht zu Verunsicherung und Desorientierung führen und die Jungen/Männer geraten nicht selten in einen Rollenkonflikt. 4
2.2. Konflikte der Männer/ Jungen, die mit dem Männlichkeitsverständnis
verbunden sind
Statistiken belegen, dass 90% aller Tatverdächtigen Gewalttäter und über 80% aller Gefängnisinsassen männlich sind. 1
Diese Zahlen nennt die bundesdeutsche Kriminalstatistik. Sie sind in den letzten 40 Jahren annähernd gleich geblieben und es gibt verschiedene Gründe für diesen Sachverhalt. Die sich verändernde gesellschaftliche Erfahrungswelt ist für Jugendliche unübersichtlicher geworden. Gerade bei Jungen bringen ein Verschwinden des traditionellen Männerbildes und die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt immense Verunsicherungen mit sich, die sich in gewalttätigem Verhalten äußern können. 2
Für sozial benachteiligte Jungen kann traditionelle Männlichkeit ein Versuch sein, ihre Identität zu finden und den Fall in soziale Bedeutungslosigkeit und individuelle Leere zu verhindern.
Gerade bei Jungen, die sich ihrer Männlichkeit nicht ganz sicher sind, kann es zu besonders herablassenden und aggressiven Verhaltensweisen kommen, da Unsicherheit und Überforderung mit der männlichen Rolle zu einem verminderten Selbstwertgefühl führt, dass
3 Vergleiche hierzu: a. a. O., S. 7
4 Vergleiche hierzu: a. a. O., S. 20
1 Vergleiche hierzu: http://www.ejh.de/aejn/2001/gewalt-jungen.htm (eingesehen am 21.08.2006)
2 Vergleiche hierzu: a. a. O.
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Arbeit zitieren:
Corinna Walte, 2006, Männlichkeit und Gewalt - Konzepte für die Jungenarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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