Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Erl äuterungen zur theoretisch-methodischen Basis 2
Analyse der Rezension von Verena Auffermann (2004) 3
Analyse der Rezension von Uta Beiküfner (2004) 6
Vergleich der Rezensionen. 8
Zusammenfassung 10
Literaturliste 11
Anhang Rezension von Verena Auffermann (2004) 14
Anhang Rezension von Uta Beiküfner (2004) 17
Einleitung
Gegenstand der vorliegenden Proseminararbeit ist die Analyse des Romans „Alle Tage“ von Terézia Mora. Dieses Ziel wird durch die detaillierte Betrachtung verschiedener Rezensionen und durch deren Vergleich verfolgt.
Rezensionen sind ein Medium der literaturkritischen Wertung und bieten dem Verfasser eine Möglichkeit der freien Meinungsäußerung. Sie besitzen eine hohe informative Komponente, schildern die wichtigsten Aspekte und liefern Hintergrundinformationen. Dadurch soll der potentielle Leser in der Lage sein, sich ein eigenes Bild zu machen. Die Vielfalt an vorhandenen und relevanten Rezensionen zum behandelten Roman verleiht dieser Arbeit einen besonderen Reiz, eröffnet ein weites Spektrum und ermöglicht eine diversifizierte Auseinandersetzung mit dem Roman. An dieser Stelle muss jedoch erwähnt werden, dass die Mannigfaltigkeit zu großem Umfang und erhöhter Komplexität bei der Auswertung aller Informationen führt. Aus diesem Grund kann in dieser Arbeit nicht jede interessante Textbesprechung und nicht jedes Detail näher beleuchtet werden. Dennoch wurde das Hauptaugenmerk auf die Erstellung einer qualitativ hochwertigen und umfassenden Analyse gelegt. Zunächst folgt eine genaue Erläuterung der theoretisch-methodischen Basis für die Untersuchungen und Vergleiche. Hier sind vor allem die Ausführungen von Anz/Baasner (vgl. 2004, 218f.) und von v. Heydebrand/Winko (vgl.1996, 111ff.) maßgebend. Anschließend werden zwei ausgewählte und repräsentative Rezensionen nach den dargelegten Maßstäben im Detail ausgewertet. Diese Auswertungen stellen den Ausgangspunkt für weitere Betrachtungen und Vergleiche dar. Darüber hinaus werden weitere Kritiken zueinander in Relation gebracht und im Verhältnis zu den im Proseminar erarbeiteten theoretischen Positionen untersucht.
1
Erläuterungen zur theoretisch-methodischen Basis
Die theoretisch-methodische Basis zur Analyse der Rezensionen wurde in Anlehnung an Anz/Baasner (vgl. 2004, 218f.) gewählt.
Einleitend erfolgt eine Untersuchung der Rezensionen auf die vorhandenen typischen Be-standteile. Es wird ermittelt, wie ausführlich die einzelnen Komponenten behandelt wurden:
• Biographische Informationen,
• Informationen über und Vergleiche mit vorangegangenen Werken des Autors,
• kommentierte Informationen über bisherige Einschätzungen des Autors,
• Vergleiche mit anderen Werken,
• Auskunft über Inhalt, Thema, Form, Sprache, Intention, Aufmachung des Textes,
• Bewertung des Textes oder auch
• selbstreflexive Aussagen über die eigene Machart und Problematik sind frei kombinierbare Bestandteile einer klassischen Rezension. Untersucht werden ebenfalls
• der mediale Kontext 1 und die dadurch beeinflusste primäre Adressatengruppe,
• die intendierte Funktion der Kritik,
• der Stil des Textes,
• die dominanten rhetorischen Figuren und Mittel 2 ,
• die publizistischen Strategien der Aufmerksamkeitsbindung und
• die Beschaffenheit der wertenden Elemente.
Bei der Charakterisierung der literaturkritischen Bestandteile erfolgt eine nähere Betrachtung der Formen der Wertungen, der Art der Argumente und der zugrunde gelegten Wertmaßstäbe. Ebenfalls wird auf die Anwendung dieser Maßstäbe geachtet. Bei der Kategorisierung der Normen stellen die von v. Heydebrand/Winko (vgl. 1996, 111ff.) ausgeführten „axiologischen Werte“ 3 einen Ausgangspunkt dar.
Ferner wird beachtet, ob die Rezension noch Platz für eine eigene Stellungnahme und persönliche Meinung des Lesers lässt.
1 Darunter verstehen Anz/Baasner (2004, 218) die Art des Mediums (Tageszeitung, Zeitschrift, Online-Magazin).
2 Hier sei auf das Metzler-Literatur-Lexikon (vgl. Schweikle 1990, 390f.) verwiesen.
3 „Der Begriff ‚axiologischer Wert’“ bezeichnet laut v. Heydebrand/Winko (1996, 40) „den Maßstab, der ein Objekt oder ein Merkmal eines Objekts als ‚wertvoll’ erscheinen lässt, es als Wert erkennbar macht.“
2
Analyse der Rezension von Verena Auffermann (2004)
Verena Auffermann, die Verfasserin dieser Rezension, machte eine Buchhandelslehre und studierte Kunstgeschichte. Seitdem lebt sie als freie Kritikerin in Frankfurt am Main. Ihre Kritiken werden unter anderem in „Die Zeit“ und der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht (vgl. Seeliger 2005 und vgl. Folger 2005).
Sie schwärmt vom Werk, nennt es eine „große Leistung“ und ist der Meinung, dass sich die „exzeptionelle literarische Expedition lohnt“. Dennoch ist die grafische Gestaltung des Artikels schlicht und es wird auf eine reißerische Aufmachung, wie beispielsweise auf einen aufdringlichen und auffallenden Titel, verzichtet. Der Text ist kohärent, spannend geschrieben und der Unterhaltungswert kommt nicht zu kurz. Negative Kritik am Text findet sich schwer. Einzig die Aussage „Ein Koloss, sie hat es bewältigt.“ hat einen abwertenden Beigeschmack, der jedoch durch die Hervorhebung der Leistung der Autorin wieder relativiert wird. Durch die bereits erwähnten Aussagen über den Roman und die explizite Aufforderung „Lesen Sie selbst.“ hat diese Rezension einen leichten Werbecharakter, welcher zwar von der Überzeugtheit der Rezensentin herrühren kann, jedoch ebenso andere Gründe haben könnte. Mora und Auffermann sind sich schon mehrmals persönlich begegnet, beispielsweise dokumentiert im Rahmen des Erlanger Poetenfestes 1999 und 2004 (vgl. Fischer 1999 und vgl. Folger 2004). Die Rezension ist in der überregionalen, deutschlandweit verbreiteten Wochenzeitung „Die Zeit“ erschienen und richtet sich vor allem an eine gebildete und einkommensstarke Leserschaft (vgl. Ruprecht 2004). Die indirekte und verschleierte Kaufempfehlung für dieses Buch stützt sich auf die Neugier, die durch die Frage „Hat der Mann, der im schwarzen Trenchcoat und umwickelten Füßen an der Kletterstange baumelt, den Sturz überlebt?“ geweckt werden soll. Da der damit hervorgerufene Wissensdurst vielleicht nicht stark genug ist, wird dem noch die Aufforderung „Lesen Sie selbst.“ nachgesetzt. Zwar würde ein Ausrufezeichen der Empfehlung noch mehr Nachdruck verleihen, wäre dann aber wohl zu fordernd. Im Übrigen gibt die Rezension einen ausgeglichenen und umfangreichen Einblick mit adäquatem Tiefgang. Sie ist informativ gestaltet und die Verfasserin hat versucht, eine objektive Darstellung zu bieten. Obwohl die Euphorie der Rezensentin über den Text deutlich zu vernehmen ist, wirkt die Textbesprechung keinesfalls diktatorisch, sondern eher dezent sachlich und somit wird dem Leser die Möglichkeit gelassen, sich ein eigenes Bild zu machen. Die Rezensentin versorgt den Leser mit biographischen Angaben zur Autorin und stellt Verbindungen zu vorangegangenen Werken der Autorin her. Zwar wird erwähnt, dass Mora „auf kontrastreiche Beleuchtung […] Wert“ legt und sich wie ein Regisseur benehme, die biogra-
3
phische Verknüpfung zu ihrem Drehbuchstudium und ihrer kurzfristigen Tätigkeit als Drehbuchdramaturgin (vgl. Kriedemann 2005) fehlt an dieser Stelle allerdings und hätte mehr Aufschluss gebracht.
Vergleiche mit anderen Werken werden kaum angestellt, außerdem sind die Verweise auf Zitate nur sehr sparsam eingesetzt. Dieser genügsame Umgang mit Informationen kann ebenfalls als Anregung zum Selbstlesen gesehen werden. Die Informationen sind so knapp wie: „ein Ingeborg-Bachmann-Zitat und nicht das einzige“. Hier hätte die zusätzliche Auskunft gegeben werden können, dass der Titel „Alle Tage“ vom gleichnamigen Gedicht Bachmanns stammt und dass viele Parallelen zu diesem Gedicht und dem Roman „Malina“ vorhanden sind. Ferner hätte die Information, dass „aus Büchern, Filmen, Gedichten“ zitiert wird, ausführlicher ausfallen können.
Der Inhalt des Textes wird jedoch ausführlich genug und im angebrachten Umfang dargeboten. Die Thematik des Romans kommt verständlich zum Vorschein, doch welche Absichten, sofern es welche gibt, die Autorin mit diesem Roman verfolgt, wird nicht explizit erwähnt. Ob der Text generell auf Emigranten-Schicksale hinweisen will oder ob es nur der Autorin zur eigenen Vergangenheitsbewältigung dient, bleibt ungeklärt und die Intentionen werden nur peripher gestreift: „Terézia Mora bedauert den Flüchtling Abel nicht, die »Randfigur« in der Bredouille, um jeden Preis einsam, nicht zu retten. Nur darum geht es.“ Einen Hinweis auf Gemeinsamkeiten zwischen dem Roman und der Lebensgeschichte der Autorin gibt die Rezensentin: Bei der Beschreibung des Ortes, aus dem der Protagonist Abel Nema stammt, merkt sie an, dass dieser „wahrscheinlich mit Terézia Moras Heimat identisch ist“. Diese Vermutung wird dadurch bekräftigt, dass diese kleine Stadt „in der Nähe dreier Grenzen mit einem Theater, Hotel und einem Reiterstandbild“ ist. Ein weiteres Indiz, dass es sich um Moras Geburtsort Sopron in Ungarn handeln kann, wird nicht geliefert, ist aber im Roman zu finden: „Er sei aus S.“ (Mora 2004, 86). Weitere Analogien zum Leben der Autorin werden in der Rezension nicht näher ausgeführt. Es wird nur erwähnt, dass Abel mit 19 Jahren in eine westliche Stadt kommt. Interessant ist, dass auch die Autorin in genau diesem Alter in eine westliche Stadt, namentlich Berlin, kam (vgl. Kriedemann 2005). Obwohl angeführt wird, dass nicht nur Mora sondern ebenfalls der von ihr beschriebene Abel Nema als Übersetzer tätig war, wird dies nicht offensichtlich in Zusammenhang gestellt. Dass der Roman von Abels Leben erzählt und wie bedeutungsvoll seine zentrale Rolle ist, drückt die Rezensentin durch die häufige Verwendung von Anaphern mit dem Wort „Abel“ aus: „Abel Nemas Vater […]. Abel ist zwölf […] Abel ist 19 Jahre alt […]. Abel antwortet nicht […]. Abel trottet ins Sprachlabor […].“
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Arbeit zitieren:
Jasmin Krois, 2005, Romananalyse von Terézia Moras "Alle Tage", München, GRIN Verlag GmbH
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Seltsame Materie - Das Motiv der Grenze in Terézia Moras Erzählungen
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